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Provinzheld
Dieselbe Taktik wie beim letzten mal. Nachdem Balthur meinte den vom Händler beschriebenen Tunichtgut in einem der Stammsäufer der Sumpflilie erkannt zu haben, einer dieser ewig unzufriedenen Tagelöhner die jede einzelne verdiente oder geraubte Münzen gegen Alkohol eintauschten. Solche Vagabunden brauchte die Welt nicht, ganz sicher. Die Erfolgschancen standen in etwa gleichhoch wie beim Händler zuvor. Der Kerl war zwar eindeutig betrunken und lies keinerlei Wachsamkeit vermuten, der Händler hatte seinen Rat offensichtlich befolgt und war postwenden aus Schwarzwasser geflohen ohne seinen Komplizen etwas zukommen zu lassen, auf der anderen Seite jedoch fühlte sich Balthur mehr als elend. Er war nicht sicher ob er überhaupt die Kraft aufbrachte sich nocheinmal von seinem Stuhl zu erheben um dem Säufer folgen zu können sollte er die Lilie endlich berauscht verlassen. Der Geist war willig doch das Fleisch überaus schwach. Die Stunde der Wahrheit kam schneller als erwartet.
Die Mittel des Betrunkenen verwandelten sich mit rasanter Geschwindigkeit in hochprozentige Spirituosen was sie im nu aufbrauchte. Balthur dankte Mama Hooqua als sie sich entschlossen weigerte dem Kerl zwei Flaschen Wacholder im Austausch gegen eine Klinge zu überlassen. Um genau zu sein war es Balthurs gefundene Orkklinge die man da gerade erfolglos verschachern wollte. Als einer der häufig anwesenden Gäste lies es der Säufer auch schnell mit dem Beschweren sein. Das hielt in allerdings nicht davon ab einige grob unanständige Flüche von sich zu geben als er von der allseits bekannten Wirtin mit drohendem Finger hinausgeschickt wurde. Zeit zu handeln.
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Ritter
Vielleicht war es das ein oder andere Bier oder das ein oder andere exquisite Gesprächsthema zuviel gewesen, zumindest schien Ryu sich in dem Jägerlager nun wie zuhause zu fühlen und das leider etwas zu wörtlich. Andrahir war gerade kurz aufgestanden um den Hunden ihre abendliche Mahlzeit zu bringen, als der Hauptmann ihm schon eine Art Verabschiedungsfloskel hinterherrief.
Dadurch etwas verwirrt schüttele der Jäger den Kopf während er das Fleisch in den Käfig warf.
Irgendwie roch das Fleisch komisch... als ob man etwas Stoff mitverbrannt hätte. Wobei... er hielt ein Stück an die Nase... das roch ganz normal. "Ryu? Weißt du, was hier so komisch angebrannt riecht? Ryu?" War er etwa eingeschlafen?
Mit dem Fleischeimer in der Hand, marschierte er wieder in Richtung Lagerfeuer, als er mit mal seinen Augen nicht traute und losrannte. Der Hauptmann war, ganz die Büroangewohntheit, am Feuer eingeschlafen und hatte seine Beine an den Rand der Feuerstelle gelegt, als wäre es sein Tisch. Lodernde Flammen stiegen von seinen Hosen auf und Andrahir kam mit der Schüssel angerannt, in der die Jäger heute einzelne Knochen abgewaschen hatten um sie benutzbar zu machen.
Die Flammen kämpften sich bereits das Bein hoch und man musste sich fragen, wie man dabei schlafen konnte, als Andrahir auch schon ausholte und mit viel Schwung die trübe Brühe einmal über dem in Flammenaufgehenden Hauptmann kippte.
Ryu sprang auf und sah sich entsetzt um. Eine Weile stand Andrahir noch ernst da und, doch dann fing er angesichts des total durchnässten Lehrmeister schallend an zu lachen.
Last edited by Andrahir; 13.01.2012 at 23:51.
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Provinzheld
Ein herrlicher Tag neigte sich dem Ende zu. Vieles hatte sich heute geändert und einiges neues war in das Leben des Sägewerkers getreten. Mit Ryu war er gestern soweit verblieben, dass der neue Wächter seinen Bogen bei Gelegenheit bekommen würde. Soweit nichts spannendes. Heute Morgen hatte er jedoch kurz vor Arbeitsbeginn seiner neuen Unterkunft einen Besuch abgestattet und eins der Betten samt Truhe in Beschlag genommen. Zeit für einen kurzen Plausch mit den Anwesenden war leider nicht mehr da gewesen, doch hatte er immerhin herausgefunden wer heute im gleichen Zeitraum Dienst hatte. Lordan, der Kerl, der ihm schon bei der Verfolgung der Stegsaboteure geholfen hatte, erklärte sich sogar gleichzeitig dazu bereit den Neuling ein wenig zu begleiten und einzuweisen. Der Umstand freute Raminus ungemein, zum einen wusste er im Moment nicht wo Keala war und zum anderen konnte er so seinen ersten Dienstag mit jemand bekannten verbringen.
Bis zur Mittagsstunde jedoch war er seinem ganz normalen Handwerk nachgegangen. Selbstredend hatte er Gunther davon unterrichtet, dass er sich nicht mehr ganz so häufig hier blicken lassen konnte, dennoch tat was er konnte um den Rest der Truppe bestmöglich zu unterstützen. Die Glückwünsche seines Chefs bestätigten den Kahlkopf darin das Richtige getan zu haben und umso beflügelter war er so zu seiner ersten Schicht angetreten. Zwar versprach sie mit der Patrouille um den großen Baum nicht besonders aufregend zu werden, doch Raminus wusste ja, dass er sich nicht zum Abenteuerdienst gemeldet hatte. In der Tat war bis Sonnenuntergang auch nichts groß von Relevanz passiert. Lediglich kurz vor Feierabend hatten die beiden Wächter noch dafür gesorgt, dass in ihrem Bereich sämtliche Fackeln entzündet wurden. Und das war es dann auch schon gewesen. Trotzdem konnte Raminus heute zufrieden einschlafen in dem Gedanken nun in doppelter Hinsicht der Gemeinschaft hier etwas zurückzugeben…
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Ehrengarde
Was war hier los gewesen? Da träumte man eben noch von einem warmen Strand mit einer nackten Myra, welche nur mit saftigen Steaks bekleidet war und auf einmal wurde man in irgend eine getaucht, die sich wenig später als das Werk Andrahirs herausstellte. Verdammt, war er wieder zu lange wachgeblieben, dass er hier eingeschlafen war? Er schleckte sich die Soße vom Finger und musste mit Entzücken feststellen, dass es die Marinade des Fleisches gewesen war! Zwar nur verdünnt, aber hey, es war Marinade! Ryu liebte Fleisch in Marinade! Am liebsten Steaks! Allerdings war ihm das Lachen Andrahirs irgendwie... Unwilkommen, wenn man so wollte. Doch statt ihn zu verprügeln dachte er sich etwas anderes aus. Mit einem Satz stand er mit ausgebreiteten Armen vor seinem "Retter", ehe er diesen fest an sich drückte und umarmte. "Oh, komm her, du immerstrahlender Retter! Lass mich dir für meine..." er spannte die Muskeln an und zerquetschte den Jäger fast, so klang der eine knackende Knochen zumindest, ehe er ihn ein wenig anhob und schüttelte. "...Rettung danken! Ahhh, das tat gut!" dass er dabei einige Schritte zum nächsten Stegende gemacht hatte war wohl eher unbewusst geschehen, doch im nächsten Moment ließ er seinen Marinadenfeuerwehrmann wieder los. Natürlich hatte er nicht gesehen, dass der Steg hier zu Ende war, doch das laute Platschen eines in den Morast fallenden Feuerwehrmannes wies ihn freundlichst daraufhin. Als der Jäger dann wieder auftauchte, gleichte er eher einem Sumpfungeheuer, als einem Menschen. Oder zumindest einem Eremiten. Nun war es Ryu, der triumphal am Lachen war, bis ihm irgend ein seltsamer Geruch in die Nase stieg, der nach verbranntem Stoff und Leder roch.
"Ähm, sag mal was riecht hier denn so verbrannt? Hast du das Fleisch zu lange im Feuer gelassen?"
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Ritter
"Ich würde sagen, das ist deine Hose, die ich mit Heldenmut gelöscht habe."
Hustend zog er sich den Steg wieder hoch und sobald der Sumpfschleimklumpen wieder aus dem Hals verschwunden war, funktionierte auch das Lachen wieder ganz gut.
"Weißt du wie doof die mich MäHndiy anguckt, wenn ich schonwieder so eingesaut dort auftauche?" Ryu entschied sich es bei einem Grinsen zu belassen. Wahrscheinlich würde er sich für die Fleischstückchen an seinen Klamotten ebenfalls noch etwas plausibles ausdenken müssen, wenn er das seiner grünhaarigen... Mitbewohnerin erklären wollte.
Mit mal stapfte der Hauptmann unter einem ständig matschenden Geräusch, das seine Füße verursachten, zu Andrahirs mitgebrachten Sachen und ehe er es sich versah, flog ihm die eine Hälfte seines alten Wanderstabs gegen die Brust, während Ryu sich die andere Seite schnappte.
"Du wolltest doch Training." Das Grinsen des Waffenmeisters hätte nicht breiter sein können, als Andrahir aufstand und grüne Suppe überall über den Körper lief und die Kleidung belastete. "Ih... oh... ne... das ist unangenehm" murmelte der Jäger und zog kurz an seiner Hose, damit das feuchte Grün sich nicht länger an einer unangenehmen Stelle sammelte.
Die Haare klatschten ihm total verklumpt von einer Seite auf die andere, während er mit dem Stock in der Hand auf Ryu zuwatschelte. Hatte ihn der Grobian denn gleich zerquetschen müssen bei seiner Danksagungsaktion? Andrahir holte zum Schlag aus und... Ryu drehte sich einmal um ihn herum und stieß ihn auffordernd in den Rücken. Na das konnte ja was werden.
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Ehrengarde
Ryu grinste. Oh und wie er grinste! Wenn sie schon dabei waren, Dummheiten zu machen, dann richtig! Mit dem halben Wanderstab, lässig auf seiner Schulter gelehnt schaute er sein Gegenüber an und winkte ihn dabei mit der anderen zu sich. "Komm schon, Sumpfmonster!" provozierte er und zog dabei nur einen augenverdrehenden Andrahir in seine Richtung, der auf dem Matsch der noch an seinen Stiefeln hing zu rutschen begann und dabei das Gleichgewicht verlor. Das ging ja wirklich leichter, als er es erwartet hatte. Gerade, als der Templer einen Schritt auf Andrahir zumachen wollte, ließ dieser jedoch versehentlich seine Stockhälfte fallen, rutschte dabei an Ryu vorbei und der Hauptmann, welcher beim Gehen über seine Schulter schaute, trat auf die fallengelassene Hälfte. Fast selbst auf die Schnauze fallend, fing er sich noch einmal kurz vor knapp, ehe Andrahir schon von hinten angerannt kam und auf Ryu zusprang. Er fackelte nicht lange, nahm seine Kraft zusammen und machte einen Salto mit seinem "Gepäck" - und zwar so, dass er bequem auf dem Rücken landete... Andrahir dagegen weniger... Er nutzte die Chance um aufzustehen und dem Bogner ein weiteres, triumphales Grinsen entgegen zu strahlen.
"Weißt du... Es fehlt dir wirklich noch an Übung mit dem Schwert..." er drückte ihm die Stockspitze an die Nase und ließ das ganze Teil dann einfach fallen. "... Oder vielleicht solltest du nochmal mit Stöcken anfangen... Schließlich wird dir ein Bogen auch nichts bringen, wenn du mal einem Sumpfhai in den Rachen schauen darfst!"
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Provinzheld
Der Typ hatte Beine wie Gummi. Mit seinen schwammigen Bewegungen, links und rechts entlang seines Weges Passanten anpöbelnd, war der Säufer wahrlich kein schwer zu verfolgendes Ziel. Doch so sehr ihn der Alkohol auch behinderte, er machte ihn zu einem vollkommen unberechenbarem Ziel. Scheinbar wahllos nahm er Abzweige über Nebenstege und entging so ein ums andere mal Balthurs geplanten Hinterhalten. Schlieslich wurde es dem Bettler zu bunt. Er lies sich vorsichtig in den Sumpf hinab und begab sich in Lauerstellung. Dadurch verlor er fiel von seiner Bewegungsfähigkeit und musste auf eine nicht ganz ideale, weil zu oft begangene, Stelle des Steges zurückgreifen von der er sich jedoch sicher war das der Säufer sie passieren würde. Minuten verstrichen bevor die Götter ihm endlich Erfolg gewährten.
Ein melodisch falsch angestimmtes Arbeiterlied grölend war der Betrunkene endlich an vorhergesagter Stelle aufgetaucht. Es fiel Balthur nicht besonders schwer den praktisch gleichgewichtslosen Säufer kurz am Hosenbein zu ziehen und so aus dem Takt zu bringen. Mit einem lauten Woahr! und Platsch! landete der Kerl brustvoran neben Balthur im Sumpf. Zwei Frauen die er wenige Sekunden zuvor derbe angeschnauzt hatte begannen schallend zu lachen. Für sie sah es so aus als hätte der Rüpel bei seiner nicht endenden Mission einen Fuß vor den anderen zu setzen schlussendlich die sicheren Stegplanken verfehlt und sich ins Wasser verabschiedet. Sehr gut. dachte sich Balthur gehässig. Solange sie jetzt schön weitergehen. Sie taten es.
Er hatte definitiv weniger Zeit als beim letzten mal, darum machte sich Balthur sofort daran seinen eigenen Orkdolch aus dem schäbigen Gürtel des Säufers zu ziehen und es ihm Spitze voran in den Rücken zu drücken. Bleib liegen oder schmeck Stahl Arschloch. Der Mann war gerade dabei sich aus dem Schlammwasser herauszudrücken als Balthur ihm gekonnt einen Fuß in den Nacken setzte und ihn wieder nach unten drückte. Ich sagte liegenbleiben. Diese Prozedur samt Luftschnappen, Sumpfwasserhochwürgen und wieder eintauchen wiederholte sich zwei-dreimal bevor der Bettler bevor er überhaupt eine Frage stellte.
Na wie gefällt dir das? Endlich genug gesoffen für den Abend? Wo ist der Rest meiner Sachen, häh? Rede du Sohn eines hässlichen Sumpfhais.
Das viele geschluckte Wasser schien dem Mann dort unten garnicht gut zu bekommen. Um genauer zu sein wollte er im Moment genau das gleiche wie Balthur. Sich den ganzen Scheiß so richtig gründlich aus dem System kotzen. Nach Atem ringend begann der Säufer zu stammeln. I hadde nur dein Messa, i schwörs. Doch de alde Mama wollts nich. Den Resd ham der Händla un der anere Dyp. Nich mer unerdauchen BLUBB
Welcher andere!
N Kriescher isses. I glaub der war vorhin mid inner Lillie drinne, son Kleener wie dus bist. Hadde sich ornlich gezankt.
Mit einem Tritt gegen die Schläfe fiel der Saufkopf unter ihm in die Bewusstlosigkeit. Balthur betrachtete die kleinen Bläschen die von seinem Gesicht zu Wasseroberfläche aufstiegen. Eigentlich war es ihm egal ob der Kerl ertrank. Ein notorischer Säufer der eines unglücklichen Abends vom Weg abkam und verstarb. Nichts allzu ungewöhnliches, nichts was Verdacht erregen würde. Einfach nur ein Unfall.
Mist!
Es war kein Gewissen das Balthur dazu veranlasste den Kopf des Wahrnehmungslosen aus dem Sumpf zu ziehen und ihn dann rücklings an einen Pfeiler zu lehnen. Es war vielmehr die Überzeugung nicht für sich selbst töten zu wollen. Für eine größere Sache, sicher. In Gegenwehr, jederzeit. Doch das hier war kein solcher Moment. Der Bettler ahnte bereits an der Intensität der Fahne des Mannes das sich dieser am nächsten Morgen wahrscheinlich an nichts erinnern würde. Mit Wucht verpasste Balthur dem Kerl nocheinmal einen heftigen Schlag mit dem Ellenbogen. Sicher ist sicher.
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King Kong
Unerwartet schnell hatte der Glatzkopf die Lücke zwischen den beiden Kontrahenten überwunden und den erstaunten Griffin begleitet von Lautem Gebrüll zu Boden gerissen. Ein, das musste der über den Boden rollende Südländer zugeben, durchaus unerwartetes Manöver. »Ha! Du Fliegengewicht.«, brüllte der Glatzkopf lautstark und einige Zuschauer lachten leise. »Jetzt hast du wohl nicht mehr so eine große Klappe, was?«, fügte er mit polternder Stimme hinzu, während er sich siegessicher den Dreck von seinen Kleidungsstücken klopfte. Griffin hatte sich unterdessen auch wieder aufgerappelt und grinste vergnügt, während er noch etwas wacklig auf den Beinen auf seinen Gegner zustapfte.
»Der fällt ja gleich schon um!«, brüllte ein Zuschauer und lachte lautstark. Doch der Rest des Publikums wartete mehr oder minder gebannt, was im Kamp geschehen würde. Denn sie ahnten, dass diese kleine Aktion des Glatzkopfs noch nicht reichte, um den Südländer auf die Matte zu schicken. »Tut mir leid.«, rief Griffin und hob entschuldigend die Arme. »Das Licht auf der Glatze von unserem König Dickbauch hier hat mich kurz geblendet.« Lautes Lachen erklang aus den Reihen der Zuschauer, ein angetrunkener Herr fiel sogar vom Stuhl. Doch der Witz diente nicht der Belustigung der Zuschauer, ganz und gar nicht. Sie diente vielmehr dazu den dicken Glatzkopf zu provozieren. Und es funktionierte. Wutentbrannt machte er einen Satz nach vorn und schlug zielsicher in Richtung Magengegend. Ein kräftiger Schlag, der sein Ziel fand. Sofort krümmte der ehemaliger Hüter sich vor Schmerz und ging auf die Knie. Hätte er ein Mittagessen gehabt, wäre es ihm spätestens jetzt hochgekommen. »Pah!« Die Stimme des Glatzkopfs klang spöttisch. Einige Zuschauer begannen zu buhen. Sie witterten ein abgekartetes Spiel.
»Komm wieder hoch!«, brummte Griffins Kontrahent lautstark und gab ihm einen Schubser, sodass der Braunhaarige zur Seite fiel. »Na komm schon!« Der Glatzkopf holte mit seinem Bein Schwung und trat mit voller Wucht in den Magen seines am Boden liegenden Gegners. Wieder breitete sich eine Welle der Übelkeit im ausgemergelten Körper des Südländers aus. Einige Zuschauer schrien lautstark durcheinander, wollten einen längeren Kampf sehen. Einen Kampf, der nicht so einseitig war. »Wo ist deine große Klappe jetzt?« Fest presste der Glatzkopf seinen Stiefel auf Griffins Gesicht, der mit schmerzendem Bauch die Tortur ertrug. Mit glasigem Blick erkannte er, dass noch mehr Zuschauer wild gestikulierten und herumzappelten, doch ihre Schreie erreichten seine Ohren nur gedämpft.
»Das ist doch lächerlich!« Der Glatzkopf nahm seinen Stiefel vom Gesicht des Braunhaarigen und trat ein weiteres Mal in dessen Magengegend. Doch noch bevor der Stiefel sein Ziel erreichte schossen Griffins Hände nach vorn und finden den Tritt des Glatzkopfs ab. Fest hatte er den Fuß seines Gegners in seinen Händen, als sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht bildete. Mit einer geschickten Körperdrehung trat er seinem Gegner in die Kniekehle, sodass dieser rücklinks auf den Boden fiel. Das Publikum gröhlte laut und einige lachten, als Griffin sich triumphierend erhob. Der Magen schmerzte ihm noch immer und auch das Gesicht pulsierte leichte, aber das Adrenalin, dass durch seinen Körper schoss, würde schon bald die gröbsten Schmerzen überdecken.
Fluchend rappelte sich der Glatzkopf wieder auf und funkelte Griffin aus seinen Glubschaugen düster an. »Was fällt dir ein?«, schrie er lautstark und stürmte erneut auf den Südländer zu. Die Attacke vorausahnend tat dieser jedoch einen Schrit zurück, holte mit seiner rechten Schwung und schickte den schwitzenden Glatzkopf zu Boden. Das Publikum tobte vor Begeisterung, einige verschütteten sogar ihr kostbares Bier in der Aufregung. »Das kriegst du wieder!« Die Stimme seines Kontrahenten ging in dem Jubel beinahe unter, als er sich wütend aufrappelte. Seine Wange war bereits jetzt rot und geschwollen.
Beinahe gleichzeitig machten die beiden Männer einen Satz nach vorne standen nun in direkter Schlagreichweite des jeweils Anderen. Jede falsche Bewegung bedeutete eine Gefahr. Und dessen waren sich beide durchaus bewusst. Immer in Bewegung verlagerte Griffin ständig sein Gewicht von einem auf den anderen Fuß, tat einen Schritt zur Seite oder nach hinten. Selten näherte er sich seinem Gegner mehr als nötig. »Pass au...« Ruckartig schnellte die Faust des Südländers nach vorn und traf das Gesicht seines Gegners, der sich schützend die Hände vor sein Gesicht hielt. »Du quatschst zu viel.«, scherzte Griffin nur und trat seinem Gegenüber mit voller Wucht in die nun ungeschützte Magengegend. Ächzend beugte sein Gegner sich nach vorn, vergrub sein Gesicht noch immer tief in den Händen. Das Publikum war außer sich, brüllte lautstark oder buhte den schenbaren Sieger aus, weil sie ihr Geld zu verlieren drohten. »Ich schwöre dir, da...« Diesmal unterbrach ein kräftiger Tritt in die Nierengegend das Gebrabbel seines nun am Boden liegenden Gegners. Ein hämisches, zufriedenes Grinsen breitete sich auf den Zügen des ehemaligen Hüters aus, während er sich langsam über den Glatzkopf beugte. Dreimal hieb er diesem mit der flachen Hand ins Gesicht und tätschelte danach seinen haarlosen Kopf, ehe er begleitet von lautstarkem Jubel der wenigen Anwesenden zu dem Betreiber der kleinen Arena stapfte. Er wollte sich seinen Gewinn abholen.
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Provinzheld
Die Waffe an seiner Seite verlieh ihm leider weder Sicherheit noch Kraft. In dem wagen Bestreben auch den dritten Unhold in dieser Nacht aufzuspüren fand sich Balthur nur kurze Zeit später in der Sumpflilie wieder. Vergeblich versuchte sich der langsam aber sicher ans Ende seiner derzeitigen Kräfte kommende Bettler am bezwingen einer warmen Sumpfwassersuppe doch der Name in Verbindung mit dem gerade durchlebten lies seine Übelkeit triumphieren. Mit der Geschwindigkeit eines Faultiers in Verbindung mit der Reaktionsfähigkeit eines nassen Steins kämpfte sich Balthur aus der Taverne zurück in die kühle Nacht hinaus. Kaum zwei Schritte später geschah es dann auch schon. Ein übermächtiger Druck bahnte sich seinen Weg den Hals hinauf und und durch den geöffneten Mund. Begleitet von unappetitlichem Würgen samt Schüttelfrost ergoß sich ein stinkender Brei auf die Stegplanken vor ihm. Seine grüngräuliche Farbe war wieder und wieder durchsetzt von kleinen roten Klümpchen, ein Zeichen für Balthur die ganze Sache möglichst schnell hinter sich zu bringen.
Während er auf die nun stehengelassene Suppe gewartet hatte, war es dem noch kränklicher als sonst aussehendem Bettler gelungen den wahrscheinlichsten Aufenthaltsort des Söldners aus den gemurmelten Gesprächen der Tavernengäste zu ermitteln. Die Arena. Offenbar hatte er sich zu einem Faustkampf mit einem der anderen hohlköpfigen Schläger Schwarzwasser hinreißen lassen. Kommt mir sehr gelegen. Balthur trieb die Hoffnung einen Kerl vorzufinden dem man bereits jeden Knochen im Leib durchgeprügelt hatte. Selbst wenn er der Gewinner war, Balthur hatte einen schwertgleichen Dolch und würde ihn zur Not selbst in Scheiben schneiden. Sollte es ihm gelingen die Klinge auf Brusthöhe zu halten, versteht sich.
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King Kong
»Hundert Goldmünzen.«, meinte der Betreiber des kleinen Wettbüros grinsend und überreichte dem ehemaligen Hüter ein kleines, prall gefülltes Ledersäckchen. Mit einem stummen Nicken und einem zufriedenen Lächeln nahm Griffin sein Preisgeld entgegen. »Und hier der Wetteinsatz, Jungchen. 30 Münzen, die Quote war 1,5 zu 1. Macht also 45. Und die Fuffzehn gibt's von mir. Hast'n schönen Kampf gekämpft, ich hab' kräftig was verdient.« Mit einem Lächeln entblößte der dickliche Mann eine Zahnlücke, auf die er anscheinend stolz war. Vielleicht war er selbst mal ein Kämpfer gewesen, wer wusste das schon? Eilig verstaute Griffin das Gold und wandte sich von dem älteren Herrn ab. »Ach, Jungchen?« Der Bärtige kramte kurz in einer kleinen Schublade herum und zog dann eine kleine Pfeife hervor. »Hat der Kerl mir andrehen wollen statt seines Gewinns.« Schulterzuckend reichte der Bärtige dem Südländer ein kleines, knöchernes Pfeifchen, das anscheinend schon öfter benutzt wurde. Vollgesabbert und wahrscheinlich angekaut. Ein klasse Geschenk.
Mit einer kurzen Bewegung ließ Griffin auch die Pfeife verschwinden und wandte sich dann endgültig von dem älteren Herrn ab. Ein zufriedenes Grinsen zierte das Gesicht des ehemaligen Hüters, als er durch die lichten Reihen der trunkenen Zuschauer stapfte. Doch es war nicht das bisschen Ruhm, das der Braunhaarige genoss, es war die Aufregung des Kampfes. Nach so langer Zeit endlich wieder das Adrenalin in seinem Körper zu spüren, das unfassbare Glücksgefühl, dass ihn erfasste, wenn er seinen Gegner zu Boden schickte. Ja selbst der stechende Schmerz in seiner Magengegend, den die Tritte des Glatzkopfes verursacht hatten, bereiteten ihm Freude. Es war... ein herrlich belebendes Gefühl.
»Wo ist denn der Glatzkopf hin?«, rief ein Zuschauer und wies in die Arena. Nicht länger lag der Glatzkopf auf dem Boden in der Arena. Wahrscheinlich - so vermutete Griffin - war der Glatzkopf einfach nur wutentbrannt aus der Arena getürmt, um sich vor seiner garstigen Frau zu vertecken. Immerhin hatte Griffin ihm gerade einen Batzen Gold abgeknöpft. Ohne sich weiter darüber Gedanken zu machen stapfte der Südländer davon, weg von der Arena und weg von den Zuschauern. Er wollte die Nachwirkungen des Kampfes, das unbeschreibliche Glücksgefühl allein genießen, in seinem Käfig. Als er jedoch über die dunklen Planken im Sumpf stapfte hörte er ein merkwürdiges Wimmern, fast schon ein Winseln aus einer kleinen Seitengasse ganz in der Nähe. Vielleicht hatte sich ja einer von Andrahirs Hunden wehgetan? Schulterzuckend ging Griffin dem Geräusch nach.
Last edited by Griffin; 14.01.2012 at 02:02.
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Provinzheld
Das Glück schien ihm mehr als nur gewogen. Keine lange Verfolgung wartete auf Balthur, sein drittes und letztes Opfer lief ihm direkt in die Arme. Der Söldner marschierte mit hochrotem Kopf Kopf direkt auf ihn zu und stieß ihn verärgert zur Seite. Aus dem Weg du Ratte! Er war es ganz eindeutig. Der Ort war ideal, keine Menschen, wenig Licht, wie gemacht um ungesehen Rache zu üben. Zitternd zog Balthur sein Messer und huschte an dem Kämpen vorbei.
Wie hast du mich genannt? Der Dolch berührte die Brust des Mannes auf Höhe des Herzens und langte gierig nach der ungeschützten Haut. Um ehrlich zu sein war sich Balthur nicht sicher ob es ihm gelänge so überhaupt zuzustoßen. Die Spitze rastete vielmehr auf der fetten Brust des Söldners als das er sie hielt.
Woah woah, ich habs nicht so gemeint Mann. Komm schon es ist spät und ich hab einen Fehler gemacht. Kein Grund hier irgendwem was anzutun.
War nicht dein erster Fehler.
Mit einem stolperndem Schritt näherte sich Balthur dem deutlich nervösen Mann auf Fußweite. Der Dolch änderte seine Position und saß nun an der Kehle des dickbauchigen Kämpfers. Um ehrlich zu sein war der Bettler so nah herangetreten um ihm das Messer mit Schwung von unten durch den Schädel zu rammen, als sich seine Arme in Muß verwandelten. Beim besten Willen, er konnte die Arme nicht höher heben, die Messerspitze kitzelte das Doppelkinn des Söldners. Trotz allem wurde er offensichtlich für einen hochgefährlichen Kämpfer gehalten der es sich spasseshalber erlaubte mit seinem Opfer zu spielen bevor er ihm den Rest gab. Der dicke Söldner zeigte ein Hasenherz im Angesicht solch drückender Gefahr und begann mit leisem Wimmern.
Es hätte Balthur doch eigentlich klar sein müssen das dieser letzte Schritt nicht so unglaublich einfach und sauber von der Bühne gehen konnte. Das Disaster betrat im Aufzug eines aufgebrachten Kerls mit hoher, athletischer Figur das Parkett.
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King Kong
Für einen kurzen Moment fülte er sich im falschen Film. Verdutzt rieb er sich die Augen. Hatte er den Kampf eigentlich verloren und lag sabbernd und ohnmächtig im Dreck? Das wäre zumindest die einzige Möglichkeit, die diese merkwürdige Szenerie erklären würde, die sich im darbot, als er die Augen wieder öffnete.
Nur einige Schritte vor sich stand ein geradezu zwergenhaft kleiner Mann mit kahlgeschorenem Kopf vor einem mindestens zwei Köpfe größeren ebenfals glatzköpfigen Mann und presste ihm ein kleines Messer an die Kehle. Erschrocken über den plötzlichen Besuch drehte beide Glatzköpfe fast gleichzeitig ihren Kopf, wobei der größere Glatzkopf eindeutig ängstlicher dreinblickte, als sein winziges Pendant. Ein weiteres Mal rieb der Südländer sich verwirrt die Augen und kniff sich leicht in die Wange, um zu prüfen, ob er nicht doch schlief. Anscheinend nicht.
»Also wenn ich du wäre...«, er wandte sich an den bewaffneten Kampfzwerg, der auf Zehenspitzen stehend noch immer die Klinge an den Hals seines Gegenübers presste. »Würde ich die Waffe weglegen.« Bedrohlich machte er einen Schritt auf den kleinen Mann zu, stets darauf bedacht außerhalb der Reichweite seiner geradezu lachhaft kurzen Ärmchen zu bleiben. Er wollte sich nicht in Lebensgefahr begeben für irgendeinen dahergelaufenen Glatzkopf. »Mal rein logisch betrachtet. Du stichst ihn ab und ich schreie. Du stichst mich ab und er schreit. Irgendwer schreit immer, du kannst uns nämlich nicht beide gleichzeitig töten.«, erklärte der Südländer in ruhigem Tonfall und hoffte inständig, dass der Kampfzwerg keine zweite Klinge irgendwo an seinem winzigen Körper versteckt hatte. »Was glaubst du, passiert dann? Es ist dunkel, sicher. Aber Wächter tanzen hier immer rum. Die haben nichts anderes zu tun. Rennen den ganzen Tag hier rum und helfen Leuten, die laut schreien.« Vorsichtig tat der Braunhaarige einen weiteren Schritt auf das ungleiche Paar zu. Erst jetzt erkannte er, dass es sich bei dem großen Glatzkopf um genau den Mann handelte, den er vor einige Minuten in der Arena verdroschen hatte. Eilig kramte er die kleine Pfeife aus der Jackentasche, die ihm der Betreiber des Wettbüros ausgehändigt hatte.
»Die gehört glaube ich dir. Der Kerl von der Arena hat erzählt du wolltest sie verkaufen oder eintauschen, mir ist sie egal. Kannst du wiederhaben, ich habe genug Geld gewonnen, weil ich dich verdroschen habe.« Ein süffisantes Grinsen breitete sich auf seinen Zügen aus.
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Provinzheld
Balthurs Augen weiteten sich als er seinen Besitz in den Händen eines anderen erblickte. Du hast sie verwettet? Seine Stimme war im Grunde genommen nicht mehr viel als ein immer heiserer werdendes Krächzen. Zugegeben, er hatte den kleinen Knochen, für den er bei einem Schwarzmarkthändler eine kleine Unverschämtheit bezahlt hatte, erst seit wenigen Tagen bessesen doch für einen der es gewohnt ist nicht einmal die Kleidung die er trug wirklich selbst zu besitzen war es ein Schatz sondergleichen. Den absolut fassungslosen Blick wieder seinem Gegner zu wendend begann sich Balthur über die rapide wachsende Stirn des Gegenübers zu wundern. Natürlich wuchs sie nicht wirklich, sie nahm nur immer größere Ausmaße von Balthurs Sichtfeld ein und krachte schlieslich mit einem Donnern in das verdattert dreinblickende Gesicht des Bettlers. Ganz offensichtlich hatte der Söldner die Sekunden der Unterbrechung genutzt um in dem Kerl der vor ihm stand den selben zu erkennen den er vor wenigen Tagen auf Gedeih und Verderb im Sumpf zurückgelassen hatte. Keine Gefahr, nur ein Typ der sich kaum auf den Beinen halten konnte.
Balthur hatte im Moment ganz andere Sorgen. Nicht nur das ihm gerade der gesamte verdammt Sternenhimmel auf den Schädel gefallen war, der Kopfstoß lies ihn das Messer fallen lassen und wie ein Brett zu Boden gehen. Zwischen den dreckigen Bandagen die seinen Kopf notdürftig umwickelt hatten traten an zahlreichen Stellen dicke rote Punkte hervor. So gut wie alle Schnitte und Platzwunden waren mit einem Schlag von jetzt auf gleich aufgegangen, dunkle Tropfen floßen sein Gesicht herab Richtung Kinn und zu allem Überfluß machte sich der fette Söldner gerade aus dem Staub.
Meine Sachen! Gib mir mein Zeug zurück.
Vorbei. Man gab Balthur eine Chance auf Rache und er lies sich ablenken. Der Kerl der ihm den ganzen Mist eingebrockt hatte war über alle Berge während man ihn wegen versuchten Raub und Mordes auf ewig in einer Zelle verrotten lassen würde. Das alte Sprichwort hatte sich bewahrheitet. Er hatte gespielt und verloren.
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King Kong
Enttäuscht über die kurze Verfolgungsjagd saß der Südländer auf dem Rücken des am Boden liegenden Glatzkopfes und atemte tief durch, während er für einige Augenblicke den Geschmack seines zweiten Triumphs am heutigen Abend auskostete. Erst der Sieg in der Arena und nun die kleine Verfolgungsjagd. Es war ein wahrhaft guter Tag gewesen und der junge Südländer genoss es sichtlich. »Dann wollen wir mal.«, meinte er nur und klopfte der ohnmächtigen Person unter sich auf den dicken Hintern, eher er sich erhob. Tief sog er die kühle Nachtluf durch die Nasenlöcher ein und packte dann den Fuß des ohnmächtigen Glatzkopfs.
Mit beinahe einschläferndem Schaben wurde der bewusstlose Körper des Glatzkopfs über die feuchten Planken Schwarzwassers gestreift. Dem aufmerksamen Beobachter mochte vielleicht eine kleine Spur aus Sabber auffallen, die sich mit jedem neuen Schritt bildete, den der ehemalige Hüter sein erstes Opfer weiter davonschleifte.
Bereits wenige Augenblicke später packte Griffin auch das Bein des wesentlich kleineren Glatzkopfes und zog auch ihn hinter sich her. Diesmal in einem deutlich langsameren Tempo. »Wieso...« Die Stimme des Braunhaarigen klang angestrengt. »... muss eigentlich...« Ständig unterbrach ein angesträngtes Schauben die Worte, die er zu sich sebst sprach. »...die ganze... Drecksarbeit machen?« Niedergeschlagen, dass er die Nacht wohl nicht in seinem gemütlichen Käfig, sondern am Krankenbett dieser beiden Idioten verbringen würde, schleppte der Südländer sich Schritt für Schritt in Richtung Heilkammer. Leyla würde sich freuen zwei neue Fälle behandeln zu dürfen. Aber immerhin bekam sie ja das Gold wieder, dass sie Griffin geliehen hatte.
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Burgherrin
Eigentlich war es viel zu früh am Morgen. Die Dunkelheit war zwar längst in den finsteren Weiten des Sumpfes verschwunden, ihre Müdigkeit wollte das aber heute nicht so recht verdrängen. Wahrscheinlich lag es daran, dass Thorwyn noch tief und fest neben ihr geschlafen hatte, als sie aufgewacht war und nicht die Möglichkeit hatte, sich umzudrehen und weiter zu schlummern. Sie konnte sich leider nicht aussuchen, wann am Tag sie mit ihrer Arbeit begann. Was eigentlich ziemlich unfair war. Nur hatte sie eine Wahl? Er würde ihr die Pflicht ganz sicher nicht abnehmen. Allgemein vermisste sie derzeit so etwas wie Motivation bei ihm, mit der er sie früher doch immer wieder auf die verschiedensten Weisen überraschen hatte können. Aber das war ja irgendwie seine Sache ...
Ihre Gedanken über Vorteile, die ein Jäger noch mithilfe von Tränken und anderen Wundermittelchen erfahren könnte, konnte Leyla nicht mal bis in die Heilkammer verfolgen. Hatte sie irgendetwas angestellt, dass man sie heute derart rannahm? Vorsorglich schaute sie an sich herab, konnte dort aber keinerlei Hinweis entdecken und überbrückte daher die restliche Distanz bis zur Heilkammer mit schnellen Schritten, ohne dabei einen Seufzer unterdrücken zu können. Drei Männer harrten vor der hölzernen Pforte aus, ein bekanntes Gesicht, zwei fremde. Doch selbst ersterer sprühte nicht so sehr vor Leben, wie noch am Vorabend.
"Griffin, was ist passiert?" Die Blonde musterte die beiden anderen, entdeckte ein paar Blessuren und stärkere, zum Teil blutige Verletzungen. Gedanklich versuchte sie sich einen Zusammenhang zu basteln, scheiterte aber an ihrer eigenen Trägheit, die trotz dieser morgendlichen Überraschung noch nicht endgültig abgeklungen war. "Bringen wir sie erstmal rein. Du bist doch in Ordnung, oder?" Äußerlich hatte sie auf den ersten Blick jedenfalls nichts entdeckt.
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King Kong
»Mir geht's gut.« Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er an die Goldmünzen dachte, die er gestern gewonnen hatte. Da waren ein paar blaue Flecke in der Magengegend ein zu verkraftendes Übel. »Ganz im Gegensatz zu den beiden Glatzköpfen hier.«, scherze der Braunhaarige, als er mit einer kurzen Kopfbewegung auf die beiden Kerle wies, der in die Heilkammer zerrte. Seit ihrem Zusammentreffen am gestrigen Abend waren die beiden nicht mehr aufgewacht. In der kleinen Kammer angelangt bugsierte er den kleineren der beiden Glatzköpfe auf das Bett. Erst jetzt bemerkte der Südländer, dass er eigentlich kein ganzer Glatzkopf war. Ein unordentlich wirkender Pferdeschwanz war an seinem Hinterkopf zu erkennen. Nicht gerade der neueste Frisurentrend Schwarzwassers, aber zumindest die Namensfindung erleichterte das bisschen Haar durchaus. Der Große war jetzt der Glatzkopf und der Kleine war schlicht der mit dem Pferdeschwanz. Den Glatzkopf ließ er erstmal achtlos auf dem Boden liegen, den ebenfalls in das Bett zu hiefen war Griffin eindeutig zu anstrengend. Außerdem war ein Großmaul und musste dafür bestraft werden. Griffinsche Gerechtigkeit eben.
»Bevor ich es vergesse.«, vorsichtig kramte er den kleinen Beutel mit Goldmünzen aus seinem Oberteil. »Hier ist dein Gold. Einhundert Münzen.« Freundschaftlich zwinkerte er den jungen Blonden zu, während er das Säckchen auf einen kleinen Tisch fallen ließ. »Ich habe mir die Freiheit genommen aufzurunden, weil du so nett warst mir das Geld zu leihen.«, fügte er erklärend hinzu und beobachtete gespannt, wie die Heilerin sich um den Mann mit dem Pferdeschwanz kümmerte. Sein Gesicht war arg angeschwollen und an einigen Stellen traten bereits rote Blutflecke durch die dreckigen Verbände.
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Burgherrin
Sie war auf der einen Seite zu sehr darin vertieft, dem armen Kerl keine unnötigen Schmerzen zuzufügen, während sie seine Wunden säuberte und bestmöglich bandagierte. Das Gesicht eines Menschen war unglaublich empfindlich, sodass sie trotz der Offensichtlichkeit, dass er sich geprügelt hatte, keine voreiligen Schlüsse zog und ihn während der Behandlung für diese überflüssige Aktion leiden ließ. Vielleicht war er schließlich zwischen die Fronten geraten oder gar angegriffen worden, sonderlich gesprächsbereit zeigte Griffin sich diesbezüglich bisher nicht.
Auf der anderen Seite drängte sie die eigene Neugier zu Fragen. Zwar hatte er von einem sportlichen Wettkampf gesprochen, wie man dabei aber so schnell Geld vermehren konnte, war ihr unklar. Hinzu kam Griffins etwas seltsames Verhalten, unter anderem, wie er mit den Männern umsprang. Der eine lag noch immer auf dem Boden, obwohl es genug freie Betten gab. Sogar recht gemütliche Betten, wo sie es sich nach wie vor nur zu gern bequem machen würde, wenn sie hier nicht konzentriert arbeiten müsste.
"Sei doch bitte so gut und leg ihn auch noch hoch", versuchte Leyla möglichst nett zu klingen, auch wenn ihr es innerlich wirklich gar nicht gefiel, dass er dort unten lag. Ihre Pflicht forderte solch eine Einstellung. "Und magst du mir noch erklären, was nun genau passiert ist? Du siehst nicht so aus, als ob du heute Nacht viel geschlafen hast. Was mich nicht wundert, wenn du hier morgens mit zwei fremden, verletzten Männern vor der Heilkammer hockst. Was war das für ein Wettkampf gestern?" Eine gewisse Strenge schwang mit, fast schön mütterlich, obwohl sie gar nicht beabsichtigte, sich mit Griffin zu streiten. Aber irgendwie konnte sie einfach nicht anders.
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King Kong
Unzufrieden darüber, dass er den schweren Glatzkopf jetzt doch ganz alleine in ein Bett heben musste bemühte er sich die Fragen der jungen Blonden so wahrheitsgemäß wie möglich zu beantworten, viel wusste er ja nicht gerade über die beiden Fremdlinge. »Nun ja. Also der echte Glatzkopf hier, der große, hat anscheinend ihn da drüben so übel zugerichtet. Wann, wieso und alles andere weiß ich nicht.« Mit einem Schulterzucken wandte er sich zu Leyla, die gerade die aufgeplatzten Stellen auf der Stirn des Mannes mit Pferdeschwanz mit einer mekrwürdigen Paste beschmierte. Eigentlich hätte er gerne gewusst, woraus die Heiler solche Pasten machten, bei der Vorstellung jedoch, welch streng geheimes Wissen sie hüten und welche Schwüre er leisten müsste, um zu versichern, dass er ihr heiliges Wissen nicht weitergab, schluckte er die Frage lieber runter. »Kurz bevor ich gestern Abend dann schlafen gehen wollte...«, sehnsüchtig stellte er sich vor, wie er sich endlich in seinem Käfig niederlassen und gemütlich gebettet die Augen schließen konnte. »Hab' ich dann mitbekommen, wie der kleine Kampfzwerg da drüben dem großen Glatzkopf hier an die Wäsche wollte. Nicht wortwörtlich, aber er wollte ihm heben heimzahlen, dass er so über verdroschen wurde. Ich kann's ihm nicht verdenken, sein Gesicht sieht schon schlimm aus.« Schulterzuckend setzte der Südländer sich auf ein nahes Bett und beobachtete weiter, wie Leyla mit der Behandlung fortfuhr. »Kurz und gut, der Große haut den Kleinen von den Füßen, läuft weg. Ich hinterher, hau ihn von den Füßen und schlepp dir beide hierher. Ich weiß also bisher noch immer nicht, ob die Geschichte so richtig ist und wer der Böse ist. Aber Behandlung verdienen sie wahrscheinlich beide. Oder was meinst du?«, endete der Braunhaarige und hoffte inständig, dass er durch seine Erzählungen und die kleine Frage am Ende die junge Blonde kurzzeitig von dem Wettkampf ablenken konnte.
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Burgherrin
"Sie sind beide verletzt und sie sind beide hier", fasste sie kurz zusammen, "also muss ich sie auch beide behandeln. Selbst wenn einer von beiden den anderen umbringen wollte. Nur will ich in solch einem Fall darauf vorbereitet sein oder mir Hilfe holen, damit ich nicht plötzlich das Opfer werde." Sie schaute auf und musterte Griffin einige Augenblicke lang schweigend. Auch wenn es lange her war, so fiel ihr es nicht sonderlich schwer, zu bemerken, dass er sich verändert hatte seit Silden. Genau wie sie auch. Niemand blieb ewig so, wie er heute war. Vielleicht verlieh ihm das Tier, das in ihm schlummerte, diese Magie der Natur, auch eine etwas andere Sicht auf die Dinge. Sie konnte es ihm nicht verübeln. Und aus menschlicher Sicht würde sie definitiv auch anders urteilen, als sie es als Heilerin musste.
"Als wir dich damals im Sumpf endlich gefangen hatten, habe ich dich auch behandelt, obwohl du über uns alle hergefallen bist und wahrscheinlich nicht gezögert hättest, uns schwer zu verletzen. Oder mehr. Nur wusste ich von deiner damaligen Gefährlichkeit, sodass ich vorsorgen konnte. War ja quasi unmöglich, an dich ranzukommen, wenn dich keiner in Zaum hielt." Leyla lachte auf. Es war schon manchmal verrückt. "Hattest du diese Behandlung verdient? Darüber habe ich zu dem Zeitpunkt das erste Mal ernsthaft in meiner Zeit als Heilerin nachgedacht. Aber darf ich in solchen Fällen anders entscheiden, nur weil meine Freunde betroffen waren? Wenn es Thorwyn ernsthaft erwischt hätte, stündest du jetzt vielleicht nicht so vor mir ..."
Zögernd widmete die Ovates sich wieder den Verletzungen und tupfte noch etwas Blut auf. Das hier verlief ihr ein wenig zu tiefsinnig. Aber was sie da sprach, es war wohl die Wahrheit. Und vielleicht musste sie auch gar nicht so gleichgültig sein, wie sie gerade vorgegeben hatte. Sie wusste es selbst nicht so recht.
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King Kong
Schweigend dachte der Braunhaarige über das nach, was Leyla sagte. Sicher, es war viel Wahres daran, als Heilerin durfte sie eigentlich keinen Unterschied machen zwischen einer wilden Bestie, einem Schläger und einem Familienvater und liebenden Ehemann. Aber ging es so leicht die Vergangenheit eines Menschen auszublenden? So zu tun als sei ein Mörder der nette Mensch von nebenan? Für Griffin kam es nicht in Frage. Einem Mörder würde er nie helfen. Und - da musste er ehrlich sein - hätte er eine Bestie getroffen, wie er eine gewesen war, die seine Freunde angriff und in Gefahr brachte, hätte er sie wohl erschlagen. Aber er war eben kein Heiler, er hatte keine moralische Verpflichtung, die ihn dazu zwang zu helfen, wenn er nicht wollte. Und er würde schon gar nicht helfen, wenn die Gefahr bestand, dass er sich dadurch selbst in Gefahr bringen würde. Wieso für einen schlechten Menschen das eigene Leben auf's Spiel setzen? Der Braunhaarige verstand es nicht.
»Deswegen bin ich ja hier.«, murmelte der Südländer in Gedanken versunken und lächelte freundlich. Er hatte Mühe wach zu bleiben, denn immer wieder fielen ihm die schweren Lider zu. »Wenn einer von denen aufwacht und Ärger machen will, musst du wohl oder über ein paar neue Verletzungen versorgen.«, meinte er mit einem Schulterzucken. Er wollte die Heilerin zwar nicht in Gefahr bringen, aber gegen ein bisschen Abwechslung hatte er nichts. Gespannt beobachtete er wie die junge Blonde ihre Behandlung des kleinen Kampfzwergs abschloss. Die alten, abgetragenen und schmutzigen Bandagen waren ausgetauscht worden gegen fachmännisch angebrachte, saubere Verbände, die sich fest um seine Stirn und den Großteil seines Gesichts legten. Auch Teile seines Körpers waren eingewickelt in weißes Verbandszeug, das seine Wunden vor Schmutz schützen würde. Gähnend streckte er er die müden Gliedmaßen von sich und schloss kurz die Augen. Nur kurz. Vielleicht für ein paar Augenblicke. Ein paar... kurze... Augenblicke.
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