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Kämpfer
Normalerweise konnte er es nicht ertragen, wenn man so mit ihm redete, aber was hatte er nach seinem Auftritt den erwartet? Wenigstens ließ ihn Andrahir nicht sofort stehen, sondern ließ sich sogar auf ein Bier mit ihm ein. Kurz durchzuckte ihn der Ärger darüber, dass er verplant hatte sich vorzustellen. "Entschuldige meine Unachtsamkeit, ich heiße Putorius und komme aus Varant. Das Schiff auf dem ich angeheuert habe versank und ich wurde an der Küste angeschwemmt. Deswegen bin ich durch den Sumpf gestiefelt oder besser gesagt gestolpertt."
Als das Bier gebracht wurde nutzte er die Pause um seine Pfeife neu zu entzünden, nahm seinen Krug und sagte:"Aber nachdem ich einige Tage auf See getrieben war und einen Tag durch den Sumpf gewandert bin haben mich meine Kräfte verlassen. Ohne dich wäre ich jetzt Tot, vielen Dank." Er hob seinen Krug nickte Andrahir zu und trank einen großen Schluck.
"Seither lebe ich so vor mich hin. Im Moment mache ich mich auf der Sumpfkrautplantage nützlich, bis ich weiß wie es mit mir weitergehen soll."
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Ritter
"Mhh... danke es lieber dem Waldvolk, wie auch immer du das anstellst. Sumpfkrautplantage ist ein Anfang... wenn auch nicht gerade das wahre." Die schwarzen Augen musterten Putorius, dem es zumindest an Selbstbewusstsein nicht fehlte, auch wenn er momentan doch etwas verunsichert schien. Bei der Erwähnung der Sumpfkrautplantage fragte sich der Jäger ob da in der vorgestrigen Nacht drei durchkeknallte Männer aufgefallen waren, die um eine Blume getanzt hatten.
"Nur tu dir selbst einen Gefallen und gewöhn dich nicht zu sehr an die Umgangssprache der Holzköpfe hier. Damit landest du vielleicht eines Tages an der Spitze eines der Krautsammlerstammtische, aber die Leute, die dich hier vorwärts bringen können, insofern du vorhast weiterzukommen, werden davon nicht besonders beeindruckt sein. Letztendlich ist egal was dich bewegt. Ob du hier bleiben willst oder ob du versuchst einen Händler aus Varant auf dem Schmwarzmarkt zu finden, der dich zurückbringt. Für alles was du verlangst wird jemand eine Gegenleistung erwarten. Hier ist zwar fast alles grün, aber in Innos ewigem Reich sind wir hier dennoch nicht." Putorius schien etwas sagen zu wollen, doch der Bogner redete lieber selbst weiter.
"Ich selbst bin noch nicht lange hier, aber man kann hier schnell lernen, dass es doch eine Parallelwelt zu den Gefechten der Königreiche und dem Alltag der Gesellschaft gibt. Mach was draus oder lass es. Die Entscheidung liegt bei dir, Putorius.
Wenn du soweit sein solltest, dass du mehr tun willst als Sumpfkraut zu ernten, dann meld dich beim Hauptmann Ryu Hayabusa." Bei der Erinnerung daran wie oft er Ryu gesucht hatte musste er lächeln. "Und glaub mir... das ist schon die erste Prüfung. Falls du meinen Rat hören willst: tret ihm nicht unter die Augen in der Erwartung, dass er dich in die Arme schließt und herzlich begrüßt. Gib und du bekommst." Mit diesen Worten erhob er sich, trank den Rest seines Kruges in einem Zug aus und verabschiedete sich mit den Worten
"Gute Nacht Putorius und... ich bevorzuge Tierfelle an Stelle von Sumpflöchern um in einen tiefen, 'bewusstlosen' Schlaf zu fallen, doch in Varant sind die Sitten sicher anders."
In der Wächterunterkunft war noch das Bett eingerichtet und das würde er als Jäger bald räumen müssen... aber diese Nacht konnte er dort noch verbringen.
Last edited by Andrahir; 13.01.2012 at 03:07.
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Ehrengarde
"Steh auf und mach weiter!" mahnte der Templer seinen Schüler Thyrvas, welcher heute nun schon das siebte mal im Dreck lag. Er war nicht gerade zimperlich mit dem Musterwächter umgegangen, doch wenn er wirklich ein Meister wie Ryu selbst werden wollte, musste er noch viel mehr Elan, Ehrgeiz und Eifer an den Tag legen. "So wirst du immer nur der unbedeutende Wächter bleiben, der du bist! Willst du Großes vollbringen, musst du über deine Grenzen hinauswachsen!" verzweifelt stand der Schüler auf und setzte zur erneuten Attacke an. Wohl eher aus Frust über seine erneute Bekanntschaft mit dem sandigen Übungsplatz, als aus Überlegung. Dieses mal ließ der Templer den Schlag von der Seite gegen seine Klinge prallen, machte einen Seitschritt in die Schlagrichtung seines Gegners und zog ihm gekonnt mit dem Übungsschwert die Beine weg.
"Du sollst stets den Kopf behalten, wenn du angreifst. Nutze den Fokus auf deinen Gegner und nicht die unüberlegte Wut. Wut führt zu Unüberlegtheit. Unüberlegtheit führt zu Dummheiten. Dummheiten bringen dich um... Aber das hab ich dir schon ganz zu Beginn gesagt! Oder müssen wir etwa wieder von vorne anfangen? Ach, egal... Genug für heute..." der Templer legte die Übungsklinge wieder an ihrem Platz ab und ließ Thyrvas mit sich alleine. Er musste aus diesen Rückschlägen lernen, um noch mehr aus sich herausholen zu können. Denn Rückschläge zeigten einem meißt auf, wo man wirklich stand. Kein Lob oder keine Selbsteinschätzung konnte einem mehr Wahrheit vermitteln, als ein Rückschlag. Rückschläge... Ryu driftete wieder ab, doch als er gerade hinter dem Wächterhaus hervor kam, konnte er sehen, wie Andrahir dieses mit Sack und Pack im Begriff zu verlassen war.
"Ah, erwache Andrahir! Wie ich sehe, bist du dabei, umzusiedeln?" er deutete auf den großen Sack auf Andrahirs Rücken. Was der Kerl da wohl alles drin hatte?
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Ritter
Überrascht sah der angesprochene auf, wobei ihm fast die zwei Stücke seines alten Wanderstabes, der ihn eine Weile begleitet hatte, aus der Hand rutschten.
"Ah, hallo Ryu, wie günstig dich zu treffen, ich hab ein paar Fragen an dich, würde die aber ungern hier vor der Tür stellen. Vielleicht tut dir ja eine Pause mal ganz gut und du kommst mit zum Jägerlager? Ich kann dir ein wenig selbst geschossenes Hirschfleisch anbieten."
Ein Angebot, das der Hauptmann wohl nicht auszuschlagen gedacht. Beide Hände und den Rücken voll Gepäck, bei dem Ryu gar nicht dran dachte ihm was abzunehmen und Andrahir ihn sicher nicht fragen würde, bewegte sich der Jäger zurück zum Lager Fabians, wo er seine Sachen erst einmal unterbringen würde, bevor er sich eine andere Unterkunft suchte. Eine Hütte oder ein kleiner Raum wäre schon nicht verkehrt.
Während Andrahir das bereits gebratene Fleisch noch einmal über dem Feuer erhitzte, besah sich der Waffenmeister die Hunde und wechselte ein paar Worte mit den anderen Jägern, bis er sich schließlich ans Feuer setzte, um genüsslich auf einem Stück Bauchfleisch herumzukauen und verzückte Laute auszustoßen.
Der Bogner lies ihm mit Absicht viel Zeit... oft genug hatte er ihm seine Zeit gestohlen und fast zum ersten Mal konnte er dem Mann, der ihn bei seinem Aufstieg hier maßgeblich unterstützt hatte zeigen, dass er das auch wert gewesen war. Dankbarkeit konnte man durch Worte ausdrücken und doch war sie um sovel wertvoller, wenn man sie nicht auszusprechen brauchte, damit sie verstanden wurde.
Schließlich flogen die Knochen ins Feuer und die merkwürdig leuchtenden Augen des Hauptmanns blickten erwartend zum Schützling herrüber.
"Worüber wolltest du sprechen?"
"Ich hab gestern mit Suzuran gesprochen." Zumindest hatte er sich inzwischen soweit unter Kontrolle, dass er nichtmehr ständig über fließende Marmelade nachdenken musste. Marmelade, die so langsam und... oder vielleicht doch nicht?
"Es hat etwas gedauert, bis sie mit der Sprache rausgerückt ist. Ich hab dir bei unserer ersten Begegnung erzählt, dass ich gelernt habe Bögen zu bauen. Das Verständnis, das mir vor ein paar Monaten noch fehlte um den Beruf komplett auszuüben habe ich zum großen Teil allein durch das Erlernen des Schießens gewonnen und was mir nun noch fehlt, werde ich mir allein aneignen können. Kurzum: was weißt du über die Schulden der beiden und hälst du es für möglich, dass der Laden nochmal auf die Beine kommt?"
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Ehrengarde
Der Templer rieb sich die Stirn. Gerade vor zwei Tagen war Vareesa noch bei ihm auf der Matte gestanden um zu verkünden, dass sie sich auf eine Reise begeben würde, die sie alleine zu bestreiten hatte. Dass die Bognerei dabei heruntergewirtschaftet wurde, musste sie nicht großartig erwähnen... Immer wieder hatte der Templer den beiden Damen nämlich ausgeholfen mit ein paar Notreserven oder Erlösen aus den Verkäufen seiner Schmiedewerke. Doch geholfen hatte das nichts, was wohl auch der schlussendliche Anreiz der jungen Frau war, sich auf den Weg zu machen. Welchen Sinn das mit sich brachte hatte er zwar nicht unbedingt verstanden, doch manchmal kam es einfach so, dass man alles hinter sich lassen musste, um sich selbst wieder zu finden. Der Punkt war, dass er sie sogar ein wenig beneidete, endlich ihre ersten, alleinigen Schritte in dieser großen Welt tätigen zu können. Und nun saß er hier am Lagerfeuer der Jäger und hatte nach einem guten Essen Andrahir mit dem Anliegen an der Backe, die Bognerei weiter zu führen. Zumindest schien das seine Intention zu sein, als er anfragte. Nachdenklich blickte er ins Feuer. Wie immer spielten die Flammen seinen Augen Streiche. Formten sich zu geflügelten Wesen, welche miteinander rangen, ineinander verschmolzen und neue Wesen bildeten... Immer und immer wieder. Er wollte es Suzuran und Vareesa nur ungern anlasten, aber die Bognerei war so ziemlich am Ende. Wenn Andrahir allerdings soviel Geschick im Handel und Bogenbau, wie im Dummzeugreden aufwies... Nun, vielleicht gab es da ja dann doch noch einen Lichtblick.
"Also, an sich... Naja, wenn sich nichts tut, können sich unsere Waldläufer die Bögen bald selbst schnitzen und dann können wir uns genauso gut auf unsere Klingen verlassen... Die Bognerei ist ziemlich heruntergewirtschaftet und um ehrlich zu sein sieht es wirklich nicht gut aus..." das Knacken des Feuers übte eine gewisse Beruhigung auf ihn aus, während er einen Stein hineinschnipste. Sein Blick noch immer auf dem Feuer, dem Spiel der Feuerdrachen folgend, sprach er weiter. "Also, wenn ich den letzten Bucheintrag richtig gelesen hatte, liegen die Schulden bei gut fünfhundert Goldstücken... Ist 'ne Menge, ich weiß. Aber die Leute, die das Geld geliehen haben waren, dabei bin ich nicht ganz unschuldig, so gnädig, den beiden noch eine Frist zu gewähren, ehe sie wohl ihr letztes Höschen verhökern müssen... Und da Vareesa vor einigen Tagen Schwarzwasser verlassen hat..." er musste den Satz wohl nicht zu Ende führen, um zu erklären, dass die Situation alles andere als gut war...
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Ritter
Fünfhundert... das war fürwahr keine kleine Summe. Mit der reichen Ausbeute nach der Jagd mit Onyx hatte Andrahir ungeführ dreihundertundfünfzig gehabt und davon waren inzwischen fünfzig für diverse Gefallen, ausgegebene Runden und nicht zuletzt für Suzurans Kakao rausgeflogen. Blieben zweihundert, die man irgendwie beschaffen musste und leben können musste er auch noch.
Andrahirs Gedanken streiften die Materialen, die er mitgebracht hatte. Einiges lies sich damit anfangen und soweit er wusste, war zumindest die Holzbeschaffung, die sich vor Ort abhandeln lies für die örtlichen Handwerker so gut wie kostenlos... nur... irgendwer musste ihm dabei helfen den Rest aufzubringen und vielleicht noch einen kleinen Obolus für die übrig gebliebene Dame draufzupacken.
Ryu würde sicher noch etwas auf die Rückzahlungen warten, aber der angehende Bogner bezweifelte irgendwie, dass seine Ansprüche einen Großteil des Gesamtbetrages ausmachte. Da blieb bloß noch ein... guter Bekannter, der momentan garantiert keine Geldsorgen hatte. Diesen zu überreden, ein wenig vorzustrecken war entweder zum scheitern verurteilt oder nicht weiter schwer. So ganz lies sich das bei dem wortkargen Hünen nie sagen.
"Nunja... wahrscheinlich wären einige der Wächter dafür, dass die zwei ihr letztes Höschen verkaufen.... aber ich hab da eher andere Pläne.
Das Werkzeug, dass die beiden im Laufe der Zeit hergestellt und angesammelt haben ist schlichtweg unbezahlbar. Mir graust bei der Vorstellung, dass ich mir den ganzen Kram neu zurecht basteln muss. Fünfhundert Goldmünzen... fürwahr das ist nicht wenig, aber ich werd versuchen das Geld aufzutreiben. Wenn das Geschäft erstmal schuldenfrei ist, kann ich mich darum kümmern selbst wieder ein paar Notbestände zusammenzusammeln. Wer weiß... vielleicht will ja dann doch wieder jemand einen vernünftigen Bogen statt diesen ausgeleiherten Dingern, die man auf dem Schwarzmarkt kaufen kann... und wenn nicht, bleibt mir immernoch das Jagen."
Zumindest wäre mit der Übernahme der Bognerei auch gleich geklärt, wo er mit seinen Sachen blieb. Vareesa war weg und Suzuran weilte eigentlich sowieso eher oben in der Baumkrone. Ein eigenes Dach hätte schon was für sich.
"Was denkst du?"
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Provinzheld
Er hatte die Nacht nicht geschlafen, er konnte einfach nicht. Mit langsamen Bewegungen setzte sich Balthur auf einen der leeren Stühle in der Sumpflilie und starrte auf die Flecken im Holz vor ihm. Ihre Formen und Farben erzählten prächtige Geschichten von Freundschaft und Zwist derer die vor ihm hier saßen, ein ganzer Epos, geschrieben vom Leben selbst. Genauso bedeutend wie verloren. Balthurs Magen begann sich auf den Kopf zu stellen.
Jeder Arzt auf Argaan hätte ihm strengste Bettruhe befohlen, doch der Bettler von Schwarzwasser hatte dafür keine Zeit, der nächste Mann auf seiner Liste würde irgendwann im Laufe des Abends in diesem Gebäude auftauchen und Balthur damit geradewegs in die Hände spielen. Wenn er bis dahin noch ansprechbar war. Seine ehemalige Heilerausbildung lies ihn die mehr als offensichtlichen Symptome ohne Probleme bestimmen. Gerötete Haut um die Bandagen herum sowie der aufkommende unangenehme Geruch waren Anzeichen für Wundbrand oder Infektionen die dringend professionel behandelt werden mussten und selbst wenn sich Balthur an die genaue Methode erinnern könnte hatte er weder die Mittel noch das Geld etwas zu unternehmen. Glücklicherweise für ihn sollte sich das kurze Zeit später ändern.
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King Kong
»Ja!« Die brummige Stimme des Mannes vor ihm klang erzürnt, als er dieses einzelne Wort mit so viel Glaubwürdigkeit wie möglich förmlich hinausschrie. »Ach ja?« Im Gegensatz zu dem kleinen Mann vor sich, dessen kahlrasierter Schädel rot gefärbt vor Aufregung war, schien der Braunhaarige relativ ruhig zu sein. Ihm schien es sogar ein wenig Spaß zu machen, den Mann vor sich mit Rückfragen zu piesaken. »Jaaa!« Die Stimme des Fremden hatte deutlich an Entschlossenheit zugelegt, während er noch immer wild mit seinen Händen herumfuchtelte. Eine Ader an seinem Hals trat nun deutlich hervor. »Ach jaaa?« Mit einem schelmischen Grinsen auf den Zügen beobachtete Griffin gespannt, wie sein Gegenüber förmlich in die Luft ging, als er ein weiteres Mal fragte. Wütend stampfte der Glatzkopf mit seinen Füßen auf die Holzplanken und brummte irgendwelche unverständlichen Laute.
»Schlagt euch!«, schrie einer der Umstehenden. Sofort kamen einige bestätigende Rufe aus der kleinen Menschentraube, die sich um sie gebildet hatte. »Jaaa, Kloppe!«, brüllte einer. »Endlich wieder was los hier!« ein anderer. Nur wenige der Anwesenden versuchten mit schlichtenden Worten einer unnötigen Schlägerei Einhalt zu gebieten, doch schnell mussten sie feststellen, dass Vernunft wohl fehl am Platze war. »Fünfundzwanzig Goldstücke Einsatz!«, zischte der Glatzkopf, der sich mittlerweile etwas beruhigt hatte. Die pulsierende Ader an seinem Hals war verschwunden und auch sein wildes Fluchen war abgeklungen. »Fünfundzwanzig?« Ein spöttisches Grinsen legte sich über die Züge des Südländers. »Lässt dich deine Frau nicht mehr Geld ausgeben?«, provozierte er den Mann vor sich und genoss den kleinen Wutausbruch sichtlich. »Sagen wir fünfzig. Und der Verlierer muss deiner Frau den haarigen Hintern küssen.«, fuhr Griffin fort. Sein Gegenüber raste jetzt vor Wut, wieder kam die kleine Ader an seinem Hals zum Vorschein, als er laut fluchend gestikulierte. Er war einverstanden. »Heute Abend im Ring. Und wehe du kommst nicht.«, zischte der kleine Mann und stapfte wütend davon.
Auch Griffin ging amüsiert seiner Wege. Blieb nur die Frage, wie er bis heute Abend fünfzig Goldstücke auftreiben wollte.
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King Kong
»Hallo?« Ein weiteres Mal klopfte der Braunhaarige vorsichtig an, bevor er sich schließlich dazu entschloss auch ungebeten einzutreten. Als er über die Schwelle trat, umfing ihn sofort wieder der gewohnt wohlige Geruch, den er auch schon beim ersten Besuch in dem kleinen Räumchen so deutlich hatte wahrnehmen können. »Ist jemand hier? Leyla?«, rief er in das kleine Räumchen und tat unsicher einige Schrittchen nach vorne. Wie auch bei seinem ersten Besuch herrschte ein schummrige Beleuchtung und der Raum war übersäht mit allerlei merkwürdigen Gerätschaften. Unwissend, was die junge Frau wohl mit solchen mörderisch aussehenden Werkzeugen anstellen würde, hielt Griffin sich bewusst fern von den Apparaturen und tappste schüchtern weiter.
»Leyla? Thorwyn?« Wieder rief der Braunhaarige ins Halbdunkel hinein. Schräg vor sich blubberten unruhig ein paar merkwürdig funkelnde und qualmende Tränke. Hätte Griffin nicht gewusst, dass eine eigentlich freundliche Person hier leben würde, hätte er diesen Raum wohl für die gruseligen Folter- und Experimentierkeller einer verrückten alten Hexe gehalten und wäre sofort wieder verschwunden.
»Soso.« Die Stimme hinter sich ließ Griffin erschrocken zusammenzucken. Mit einem verlegenen Blick, wie ein kleiner Junge, den man beim Streichespielen erwischt hatte, drehte er sich um und lächelte schüchtern Leyla an. »Treibst du dich öfter in den Räumen von Anderen rum, Griffin?«, fragte sie streng und musterte den Braunhaarigen. »Wo tut's denn weh?«, fuhr sie fort, noch bevor ihr Gegenüber die Möglichkeit hatte etwas zu sagen. »Es.. es geht mir gut.«, stammelte Griffin noch immer leicht verlegen. »Ich wollte dich nur fragen, ob du mir eventuell einen kleinen Gefallen tun könntest.« Langsam hatte der Südländer wieder zu seiner gewohnt sicheren Form gefunden und beobachtete interessiert, wie Leyla ein paar Pflanzen aus ihren Körbchen holte und sie verstaute. Was für Tränke sie damit wohl brauen konnte? Vielleicht einen Liebestrunk, der jede Frau der Welt dazu bringen konnte, sich in einen zu verlieben? Oder ein Mittelchen, dass die Haare ausfallen ließ? Ein schelmisches Grinsen breitete sich auf Griffins Gesicht aus, als er sich die endlosen Möglichkeiten Vorstellte, die er damit hatte. Hier ein kahlköpfiger Ryu, da ein Ornlu mit Glatze. Ein Andrahir ohne Haare auf dem Kopf oder vielleicht sogar eine glatzköpfige Leyla. Wobei... Lieber nicht, immerhin konnte sie ihm mit ihren Zaubertränken noch schlimmeres antun. Nein, nein, nur haarlose Nicht-Leylas, so viel stand fest.
»Ich brauche ein bisschen Gold.«, fuhr er nach einiger Zeit der Stille fort. »Du weißt ja, ich bin neu hier und habe nicht viel. Selbst diese Kleidung hier ist nur geliehen. Fünfundsiebzig Münzen dürften reichen.«, endete er und hoffte inständig, dass die junge Blonde sich erbarmen würde.
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Burgherrin
Diesmal hatten die Heilkräuter erstaunlich lange gereicht und der Vorrat an Salben und anderen Heilmitteln würde auch mindestens noch ein paar Tage reichen, wenn nicht plötzlich eine halbe Armee versorgt werden musste. Da Sennahoj aber nun schon ein paar Tage keine Zeit mehr gefunden hatte, musste sie den Kräutergarten diesmal wieder selbst aufsuchen und die nötigen Pflanzen sammeln. Keine große Herausforderung und auch nichts, dass sie wirklich ungern tat. Die Heilkammer war in der Zeit aber unbeaufsichtigt, sodass sie sowas nur am Abend machen konnte, wenn die Wahrscheinlichkeit geringer war, dass in der Zwischenzeit jemand schnelle Hilfe brauchte. Anders als bei vielen vorherigen Ausflügen zu dieser vorangeschrittenen Stunde fand Leyla heute jemanden bei ihrer Rückkehr fort. Griffin, der sich neugierig gezeigt und offenbar einige der Gerätschaften genauer in Augenschein genommen hatte. Glücklicherweise fehlte ihm aber nichts, auch der Verstand war ihm bei seiner waghalsigen Untersuchung nicht abhanden gekommen. Er hatte lediglich eine Bitte vorzutragen. Er brauchte Gold.
"Ja sicher", antwortete die Blonde recht vorschnell. Wenn sie so darüber nachdachte, besaß sie nicht sonderlich viele Münzen. Wofür auch? Es war fast wie in Silden, ein Geben und Nehmen, da brauchte man nur für größere Wünsche viel Gold und von denen hatte sie derzeit nicht sonderlich viele. "Ich ... bekomme es ja bald wieder, oder? Was willst du damit machen?"
Nachdenklich ließ Leyla ihren Blick durch die Heilkammer schweifen, um zu überlegen, ob sie noch irgendwo etwas versteckt hatte. Der eine oder andere Patient ließ ja doch mal ein paar Münzen hier, die sie meistens sammelte, ohne sie sofort für sich zu beanspruchen. Das hier war doch eigentlich ein recht guter Fall, von diesen Reserven Gebrauch zu machen.
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Waldläufer
Kein Zeichen von Idun, soweit die Bilanz des gestrigen Abends, doch das störte den Lehrling nur geringfügig. Auch heute hatte sich Varesz wieder zu Beginn der Dämmerung in Richtung Übungsplatz begeben und würde auf seinen Lehrmeister warten. Doch die Wartezeit verbrachte er immerhin sinnvoll. So hatte er gestern in aller Ruhe die einfache Übung mehrfach wiederholt und auch ein wenig das Verhalten der Waffe studiert. Damit waren keine echten Schlagbewegungen gemeint, sondern er hatte sich lediglich seine Waffe gepackt und sie locker umher geschwungen, um das Gewicht besser einschätzen zu können.
Heute dagegen schien der Übungsplatz wieder etwas mehr besucht zu sein. Von der Arena war zwar keine Spur mehr, dennoch trainierten hier gerade ein paar andere Kämpfer. Nachdem er heute bereits seinen Bruder wieder einige Zeit beobachtet hatte, beschloss er mit der gleichen Tätigkeit einfach fortzufahren, nur eben mit anderen Zielen. Zweck des ganzen war es nicht dadurch das Kämpfen an sich zu lernen, sondern einfach verschiedene Eindrücke zu sammeln. Wie kämpfte jemand mit einer Klingenwaffe? Auf was konnte man sich bei einem Gegner einstellen? Gab es Dinge, die er intuitiv anders gemacht hätte? Es selbst zu lernen und anzuwenden, dazu war Idun sein Lehrer, doch schadete es keineswegs sich bereits im Vorfeld ein wenig mit der Materie zu beschäftigen; solange er weiterhin offen für neue Methoden blieb.
Mittlerweile war der Schwertfeger sogar dazu übergegangen, einfach beide Übungen miteinander zu kombinieren. Ein ungestörter Platz am Rande diente ihm als Beobachtungsposten, während er sich wieder bequem in die Grundhaltung begab und erneut die Waffe hob. Selbst aus dieser simplen Zusammenlegung versuchte Varesz etwas Neues zu lernen. Zwar kämpfte er mit niemandem der Anwesenden, dennoch konnte er so einen geringen Eindruck gewinnen, wie es sein musste, seinen Gegner ständig zu beobachten, seine Bewegungen und seine Waffe im Auge zu behalten, ohne dabei die eigene Konzentration zu verlieren und in diesem Falle die Waffe nicht unbewusst zu senken. Eigentlich eine Aufgabe, die man sich außerordentlich leicht vorstellen konnte und dennoch ertappte sich der Hüne ein paar mal dabei, wie er die Spannung in seinem Oberarm verlor…
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King Kong
Wofür er die Münzen brauchte? Natürlich, wieso hatte Griffin nicht vorher daran gedacht? In seinem Kopf ging der Braunhaarige jede mögliche Erklärung dazu durch, wieso er plötzlich Geld brauchte? Kleidung? Nein. Essen? Unwahrscheinlich. Waffen? Für den Preis eher nicht. »Nun ja...« Mit seinem Gestammel versuchte er ein wenig Zeit zu schinden, um eine sinnvolle Erklärung zu finden. Denn die Wahrheit - das ahnte der junge Mann - würde Leyla nicht gefallen und sie würde ihm wahrscheinlich kein Geld leihen. Trotz seiner Unsicherheit versuchte er seine Stimme so normal wie möglich klingen zu lassen. Er konnte nur hoffen, dass Leyla durch ihre Suche abgelenkt war, dass sie die kleinen Veränderungen in seiner Stimme nicht sofort bemerkte.
»Für einen sportlichen Wettkmapf.«, sagte er. Insgeheim freute er sich, dass er die junge Blonde nicht anlügen musste. Sicher, er beschönigte den Kampf, der ihm bevorstand. Aber eine Lüge war es nicht. »Aber keine Sorge, du kriegst dein Geld auf jeden Fall wieder. Spätestens Morgen.«, versicherte er. Und auch das war keine Lüge. Denn selbst, wenn er gegen den glatzköpfigen Mann verlieren sollte, er würde Leyla auf keinen Fall Geld schulden wollen.
»Und, sonst? Was mischst du gerade so zusammen?«, fragte er neugierig und trat ein paar Schritte an den Arbeitsbereich der jungen Blonden heran. Dort lagen noch immer die Pflanzen, die sie mitgebracht habtte. In Gedanken malte Griffin sich wieder alle möglichen Wirkungen aus.
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Burgherrin
Vielleicht sollte sie sich bei Gelegenheit ein kleines Kästchen mit einem Schlitz anschaffen, in das die Patienten, die unbedingt etwas hier lassen wollten, ihre Münzen werfen konnten. Das konnte dann etwas offensichtlicher im Raum stehen, ohne dass jemand in Verlegenheit kommen konnte, mit den Münzen zu verschwinden. Denn das würde natürlich verschlossen sein. Dafür hatte sie doch sogar irgendwann mal einen Zauber kennen gelernt, den sie, soweit sie sich erinnern konnte, noch nie gebraucht hatte. Das konnte sich ja nun ändern. Am besten probierte sie den vorher auch mal aus, sodass sie nicht irgendwann feststellen musste, dass sie das Kästchen gar nicht wieder aufbekam. Das wäre dann schon recht peinlich. Allerdings nicht weniger schlimm, als wenn sie jetzt nicht endlich ihr Versteck fand.
"Ein sportlicher Wettkampf?", hinterfragte sie daher Griffins Antwort, um selbst etwas Zeit zu gewinnen. Ihre Gedanken drifteten nun jedoch erst einmal ab, sie erinnerte sich an die Tage am Strand und als die mit Thorwyn den Dreikampf absolviert hatte: Laufen, Bogenschießen und Schwimmen. Und nun machte man sowas hier in Schwarzwasser, ohne dass sie etwas davon wusste? Gemeinheit! "Das klingt interessant. Darf ich da auch mitmachen?"
Ha, endlich! Mit einem souveränen Grinsen förderte Leyla ein braunes Säckchen zwischen einigen Gefäßen zu Tage, das sie kurzerhand auf dem Labortisch entleerte. "Zählen musst du selber", meinte sie neckisch. "Dann kann ich die Pflanzen erstmal verstauen. Sind Heilpflanzen für Salben oder Tränke. Was ich hier eben am meisten brauche. So wie für dich neulich." Nachdem die Ovates sie nach Sorten sortiert hatte, legte sie jede von ihnen in ihr Körbchen. "Dort drüben hab ich noch ein kleines Experiment. Ich versuche eine Mischung herzustellen, die einen so intensiven Geruch verbreitet, dass man in der Wildnis von Tieren nicht mehr wahrgenommen wird. Also etwas für die Jagd. An sich ist es so weit, dass es mal getestet werden müsste ..."
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King Kong
»Klingt ziemlich nützlich!«, meinte der ehemalige Hüter hastig, um das Gespräch nicht wieder auf den "Wettbewerb" zu lenken. Er musste um jeden Preis verhindern, dass Leyla auf die Idee kam ihm zu folgen. Wahrscheinlich würde sie dann auf der Stelle ihr Gold wiederhaben wollen. Vorsichtig entleerte er den Inhalt des kleinen Säckchens. Um jetzt jedoch die Münzen zu zählen fehlte ihm schlichtweg die Geduld. Er fand das Mittel, das Leyla zu mischen schien viel interessanter. Ein Mittel, mit dem man für die Tiere der Natur geruchslos war? Die Jäger würden Leyla bestimmt die Hütte einrennen, wenn sie davon hören würden. Und so mancher Kerl hier - fand Griffin - hätte ruhig so ein Mittel nötig, dass ihn für Menschen nach nichts riechen ließ. Das wäre doch mal was. Nie wieder stinkende Trunkenbolde.
»Weißt du...«, begann er leicht abgelenkt, während der junge Braunhaarige nun langsam doch die Goldstücke zu zählen begann. Irgendwann musste er es ja doch machen. »Wenn du so freundlich bist mir das Geld hier - merk dir mal bitte dreiunddreißig.«, unterbrach er sich selbst und füllte einen kleinen Haufen der Goldmünzen in das leere Säckchen zurück. »So, also, da du so nett bist und mir das Geld geliehen hast, eigentlich könnte ich das Mittel ja mal für dich testen.«, bot er an und füllte eine weitere Hand voll Goldmünzen in das lederne Säckchen. »Ich bin zwar kein Jäger, aber ich war früher schon öfter im Sumpf unterwegs und im Wald kenne ich mich ja auch ein bisschen aus.«, erklärte er und füllte weitere Goldmünzen ein. Jetzt hatte er Achtzig. Etwas mehr, als er wollte, aber Leyla würde es ja zurückbekommen. Sorgfältig begann er nun die übrigen Goldmünzen zu kleinen Stapeln aufeinanderzutürmen.
»Gibt es denn irgendwelche Nebenwirkungen? Nicht, dass mir plötzlich ein dritter Arm wächst oder ein Fuß aus der Nase.«, fragte Griffin unsicher. Er traute zwar Leyla, aber diesen merkwürdig blubbernden Flüssigkeiten nicht. Da war immer irgendein Haken dabei, vermutete er.
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Burgherrin
"Der größte Haken ist, dass ich nicht weiß, ob es funktioniert. Ich habe eine Weile überlegt und probiert, damit ich keinen Duftstoff erwische, der vielleicht irgendwelche Viecher anlockt. Insekten oder vielleicht was Großes. Es muss etwas möglichst Neutrales sein. Und das schränkt die Auswahl hier im Sumpf ziemlich ein." Leyla holte zwei Fläschchen herbei, die zwei verschiedene Flüssigkeiten beinhalteten. Das war bereits von außen zu erkennen. Die eine Flasche enthielt eine recht schmutzige Flüssigkeit, die andere hatte sogar etwas Farbe und wirkte deutlich freundlicher.
"Das eine hier ist einfach Wasser, in dem ich möglichst viel Grund aufgelöst habe. Schlamm, Pflanzenreste, eben alles, was dafür sorgt, dass der Sumpf so stinkt. Darauf reagiert auf jeden Fall kein Tier aggressiv, denn das haben sie hier ja ständig in der Nase. Nur riecht das für uns eben auch ziemlich unangenehm. Wenn du dich damit einreibst, dann wirst du den Geruch wohl ein paar Tage nicht los. Aber das ist auf jeden Fall stark genug, damit dich kein Tier mehr riecht. Ich habe überlegt, ob es eventuell ausreicht, einfach nur die Flasche zu öffnen und den Duft auf diese Weise zu verbreiten. Dann riechst du selbst nicht danach. Das wäre der eine Test." Sie nahm nun das andere Fläschchen in die Hand. "Und das hier ist der Sud von Blüten. Das riecht recht angenehm. Und daran stört sich sicher niemand, wenn du eine Weile danach riechst. Aber es ist eben nicht so stark, weil hier im Sumpf nicht sehr viele Blütenpflanzen wachsen. Hier muss ich grundsätzlich erstmal wissen, ob die Idee funktioniert. Wenn ja, dann besorge ich mir intensiver duftende Blüten aus dem Dschungel an der Ostküste. Dort gibt es wahnsinnig viele davon." Und es würde bewirken, dass sie mal wieder einige Tage Abstand zu Schwarzwasser, dem Sumpf und der Arbeit hier bekam. Konnte sicherlich auch nicht schaden. Und solch ein recht angenehmer Geruch wäre Thorwyn vermutlich auch lieber, als der aufdringliche Gestank des Sumpfes.
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King Kong
Leylas Erklärungen waren durchaus einleuchtend. Reibt man sich mit dem Schmutzwasser ein, lassen einen die Tiere in Ruhe, die Menschen aber auch. Reibt man sich mit dem Blütenwasser ein, lassen einen die Tiere vielleicht in Ruhe, Menschen eher nicht. »Verspricht interessant zu werden.«, meinte der Braunhaarige. »Ich weiß zwar noch nicht sicher, wann ich das nächste Mal in den Sumpf gehe, aber ich kann das gern für dich testen und dir dann von dem Ergebnis berichten. Vorausgesetzt...« Ein breites Schmunzeln legte sich auf die Züge des Braunhaarigen. »Vorausgesetzt es funktioniert und ich werde nicht von einem Sumpfhai gefressen.«, scherzte er und nahm die kleinen Flaschen von Leyla entgegen, die sie in einen kleinen Beutel gepackt hatte. Auf diese Weise hätte er sie immer dabei, wenn er sie brauchte und könnte sie nutzen, sobald er mal im Sumpf war.
»Das Gold ist noch übrig.«, sagte er schließlich und wies auf die kleinen Stapel Gold, die er gemacht hatte. Es war nicht viel, aber es sah immerhin schön aus. Das kleine, lederne Säckchen voll klimpernder Goldmünzen nahm der ehemalige Hüter an sich und steckte es in die Innentasche seines Mantels. »Danke nochmal für das Gold, Leyla. Du kriegst es bald zurück!«, versprach er und machte sich dann auf den Weg. Es war bereits dunkel geworden und der Glatzkopf würde wahrscheinlich schon auf ihn warten.
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Knight
Der Regen klirrte scheppernd auf das billige Stück Metall, das man am Rande des Wächterhauses aufgehangen hatte. Vermutlich hatte man es einem Händler zum völlig überteuerten Preis abgekauft, aber es glänzte immerhin golden im Sonnenlicht und außerdem hatte es wohl eher symbolischen Wert. Es war eine Trophäe, gekauft vom Wettgewinn des kürzlich ausgefochtenen Kampfes und sie gebührte ganz allein dem ehrenwerten Sieger, der sie auch höchstpersönlich und für alle gut sichtbar dort aufgehängt hatte. „Mal sehen wie lange unser Hauptmann Ryu sich das gefallen lässt, das man unser Wächterhaus mit diesem Plunder verschandelt...“
Kopfschüttelnd drehe Idun sich um und erblickte Varesz, der gerade in die Übung vertieft war, die er ihm das letzte Mal beigebracht hatte.
»Bewahre Varesz, wie ich sehe, bist du in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben. Gut so, ein gesundes Maß an Fleiß und Lernwille ist der erste Schritt zu einem meisterhaften Kämpfer!«
Sein Schüler unterbrach seine Übung und begrüßte ihn. In der Art wie er seinen Streitkolben hielt, ahnte er, dass jener sich die vergangene Zeit intensiv mit der Waffe beschäftigt hatte.
»Ich denke, du bist jetzt bereit für eine weitere Übung. Ein wenig Bewegung dürfte nicht schaden, also schauen wir mal, was es Grundlegendes zu lernen gibt.«
Der Waldläufer zog sein Kurzschwert und ihm kam sofort in den Sinn, dass das nicht die klügste Kombination war. Natürlich konnte er die Übungen auch an seinem Schwert demonstrieren, aber für die weitere Lehre war es wahrscheinlich doch besser, er würde auch auf einen Streitkolben oder etwas ähnliches umsteigen. Irgendwo musste sich doch eine stumpfe Waffe besorgen lassen und wenn er am Ende einen schweren Ast aus dem sumpfigen Morast rauszog.
»Nun lass uns fürs Erste nur auf die Arme konzentrieren, zwar hat auch die Beinarbeit erhebliches Gewicht für einen erfolgreichen Kampf, aber wir wollen uns schrittweise herantasten, sonst wird es zuviel auf einmal. Wie du sicherlich bei der letzten Übung gemerkt hast, ist diese Haltung nicht sehr natürlich und auch auf Dauer sehr anstrengend, vor allem bei schweren Waffen. Versuch einfach mal selbst die für dich optimale Haltung zu finden!«
Spielerisch schwang Idun sein Schwert und nutzte dabei stets gekonnt den Schwung aus, um möglichst wenig Kraft zu verbrauchen.
»Ich will es jetzt nicht eine Faustregel nennen, aber versuche immer die größtmögliche Wirkung bei minimalen Kraftaufwand zu erzielen! Nutzt du den Schwung bei einem Schlag nicht aus, wirst du schnell merken, dass einzelne Hiebe sehr anstrengend und langsam sind. Probiere einfach mal alle möglichen Attacken aus, die dir in den Sinn kommen. Man merkt eigentlich ganz gut selber, ob man es richtig macht oder nicht. Lass dich von der Trägheit der Waffe leiten und versuche möglichst nicht ihr eine Richtung aufzuzwingen!«
Demonstrativ führte Idun noch mal einige schwungvolle Schläge aus und schaute dann zu, wie sein Schüler mit der Aufgabe umging.
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Waldläufer
Ausgezeichnet, die nächste Übung und die nächste Aufgabe. In der nächsten Zeit, wenn Idun nicht anwesend war, würde Varesz also ebenso weiter an seiner Haltung arbeiten. Er hatte auch schon schnell einige Eingebungen wie er die ganze Sache angehen würde, doch mit der Ausführung würde er noch warten müssen. Das Ergebnis dieser Aufgabe war weitestgehend von seinem persönlichen Empfinden abhängig was er als passend erachtet und gleichzeitig möglichst mobil blieb. Jetzt jedoch galt es eine Übung zu bestreiten, die durchaus ein wachsames Auge eines Lehrmeisters bedurfte. Zwar war dem Schwertfeger durchaus bewusst, was Idun damit meinte, sich von der Waffe leiten zu lassen. Dennoch würde seine Erfahrung sicherlich ineffiziente oder weniger nützliche Bewegungen erkennen.
Varesz hielt es für den Anfang jedoch auch für sinnvoll möglichst viele verschiedene Bewegungen auszuprobieren, um selbst Erfahrung zu sammeln und seine Einschätzung dann seinem Lehrer mitzuteilen. Dieser würde ihn sicherlich korrigieren und bestätigen. Ohne große Hemmungen oder Eingewöhnung packte der Schwertfeger seine Waffe und ließ sie als erstes von oben herunter sausen. Da er Linkshänder war, beschrieb der Streitkolben unweigerlich eine leicht schräge Kurve und endete rechts hinter seinem Rücken. Ein senkrechter Schlag von oben nach unten wäre sicherlich auch möglich, allerdings waren dann die weiteren Möglichkeiten sehr beschränkt; wohl ehr dafür geeignet um einen am Boden liegenden anzugreifen. Doch weiter in der Bewegung. Für erste zog er den Kolben auf der gleichen Bahn von rechts unten wieder nach links oben. Soweit nicht verkehrt, er bekam einigermaßen Schwung hinter die Waffe, doch stoppten gerade die abrupten Umkehrpunkte den fließenden Lauf.
Der nächste Versuch war also eine Links-Rechts Bewegung. Ausgehend von der Grundhaltung, war der natürlichste Zug eine leicht halbkreisförmige Schwungbewegung, ähnlich eines Pendels. Eine andere Möglichkeit war eine ehr waagerechtere Variante, jedoch merkte der Hüne sehr schnell, dass der Schwung der Waffe auf diese Weiße rasch zu groß wurde und er mit einer Körperdrehung folgen musste ehe er ihm der Streitkolben aus der Hand flog. Ein Treffer aus solch einer Drehung besaß mit Abstand wohl die größte Wucht, allerdings war während der Drehung so gut wie schutzlos.
Soweit die einfachsten Versionen. Nun machte sich Varesz daran diese zu kombinieren und fand schnell heraus, dass eine fließende Bewegung einer liegenden acht gleich außerordentlich leicht von der Hand ging, doch an sich wenig Abwechslung bot und somit nach einiger zeit wohl leicht berechenbar war. Es kostete zwar einiges an Schwung, doch versuchte der Schwertfeger einfach mal etwas aus. Er setzte zu einer neuen Runde der ‚Acht’ an, doch als die Waffe gerade links neben seinem Körper war, zog er sie auf direktem Weg wieder zurück, also von links unten nach rechts oben. Es kostete zwar Kraft die Bewegung umzukehren, allerdings konnte er so vielleicht einen Gegner überraschen und zusätzlich konnte er den neuen Schwung einfach nutzen und die ‚Acht’ in der anderen Richtung vollführen.
Idun beobachtete ihn dabei die ganze Zeit aufmerksam und als Varesz mit seinen ersten Versuchen zu einem Ende kam, erklärte der Schüler seine Eindrücke. Zusätzlich kam ihm jedoch noch eine Frage auf. Ich habe auch eure Bewegung mit dem Schwert verfolgt und auch ohne es je in den Händen gehalten zu haben, gehe ich davon aus, dass es weniger wiegt und somit schnellere Richtungswechsel möglich sind, während ich bei meinem Streitkolben mehr auf meinen Schwung angewiesen bin, da es sich um eine Wuchtwaffe handelt und somit vom Schwung lebt. Ist die Hiebwaffe damit nicht grundsätzlich unterlegen? Ich meine ein Schwertkämpfer brauch mir doch nur sein Tempo aufzuzwingen und ich werde kaum dazu kommen effektiv anzugreifen. Bin ich dann nicht dazu verdammt vom Anfang eines Kampfes an, die ganze Zeit in der Offensive zu sein? Damit es gar nicht erst zu einem Tempowechsel kommt…
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Ehrengarde
Nachdem man sich nun noch das ein oder andere Bier und einen Schnaps, sowie einige seltsame Gesprächsthemen über Paarungstänze, Gurkensalate, religiöse Extremisten, Butterbrotkatzen als unendliche Energiequellen und Damenunterwäsche gegönnt hatte, war Andrahir dabei gewesen, sich zu verabschieden. Eine wirkliche Antwort zur Idee des Bogners hatte der Templer ihm allerdings noch immer nicht gegeben. Er hatte sich das ganze erst eine Weile durch den Kopf gehen lassen, ehe er das Thema noch einmal anschnitt. Scheinbar zur Überraschung seines... Nun, eigentlich war er ja in gewisser Weise sein Schüler. Er hatte ihm seit seiner Ankunft bei so manchem geholfen und so gut es ging als Mentor fungiert, wenn es um die Wächter oder ein paar andere Dinge ging. Wie auch immer, er traute es Andrahir durchaus zu, nochmal etwas aus der Bognerei machen zu können.
"Du wirst das schon machen." gab der Templer nur ruhig zur Sache und legte dabei die Füße auf den Tisch. Wenn Andrahir schaltete, wusste er, wie diese "Geste" wohl gemeint war. Es war eine Sorge und somit verbundene Arbeit weniger für den Hauptmann, also konnte er im wahrsten Sinne des Wortes die Füße auf den Tisch legen, wie man so schön sagte. "Aber eins sag ich dir: Zieh die Leute nicht über den Tisch und lass dich selbst auch nich' verarschen, verstanden? Und vergiss nicht deinen inneren Freigeist... Erwache, Freund!"
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King Kong
»30 auf Griffin.«, brummte der Braunhaarige mürrisch und warf seinem Gegenüber das mit Goldmünzen gefüllte Ledersäckchen hin. »Auf den? Biste sicher, Jungchen? Sieht schlecht aus für dich, wenn de bei dem bleibst. Der and're iss'n Söldner, hat schon einige Narben von vielen Kämpfen.«, erklärte der bärtige Kerl, der gemütlich auf seinem Stuhl hockte und ein Bierchen schlürfte. Er schien erfahren im Umgang mit Wetten zu sein, denn ohne eine Antwort abzuwarten notierte er sich alles Nötige in einem kleinen Büchlein. Wahrscheinlich wusste er, dass die Leute, die wetten gingen, sich nur selten von ihrem Kandidaten abbringen ließen. Streng geheime Informationen über Stärken oder Schwächen von einem der Teilnehmer ließen die Leute glauben, sie hätten ein sicheres Händchen. »Wenn er so viele Narben hat...«, sagte der Südländer mit einem süffisanten auf den Lippen. »... kann er ja gar kein so guter Kämpfer sein.« Für einen kurzen Moment stahl sich ein Lächeln auf das wettergegerbte Gesicht des alten Mannes, ehe er sich dem kleinen Goldsäckchen zuwandte und dessen Inhalt auf dem Tisch ausleerte.
»Hey, Jungchen.«, sagte er genervt. »Das sin' aber mehr als 30 Ocken. Wass'n mit dir los? Kannste nicht zähl'n oder was?«, brummte der Bärtige mürrisch und blickte den jungen Mann ernst an. Wahrscheinlich erlebte er auch das oft genug. »Die anderen Fünfzig...«, ein schelmisches Grinsen schlich sich auf die Züge des Braunhaarigen. »Sind meine Startgebühr.«, meinte er nur, ehe er davonschritt und den verwirrt dreinblickenden Mann zurückließ. Das hatte er wahrscheinlich noch nicht so oft erlebt.
Nur wenige Augenblicke später stand Griffin inmitten einer kleinen Arena. Um ihn herum waren gröhlende und trinkende Männer zu sehen, die lauthals ihren Favoriten anfeuerten. Es waren nicht viele, der Kampf war sicherlich nicht gerade der bestbesuchteste hier in Schwarzwasser, aber wenigstens ein paar Leute waren gekommen, um sich die Schlägerei anzusehen. Vor ihm stand - leider sehr zu Griffins Misfallen ohne ein Oberteil, ein haariger Söldner, der sich begeistert auf den Wanst schlug, um das Publikum anzufeuern. Immer wieder schwang er bedrohlich seine Fäuste durch die Luft und schlug nach unsichtbaren Gegnern. Griffin war das ganz recht, sollte er sich doch verausgaben, noch bevor der Kampf begonnen hatte. Ihm machte das wenig.
»Leute, Leute, Leute.«, brüllte der Bärtige aus den Zuschauerreihen und sorgte mit einer kleinen Glocke für Ruhe. Zumindest weitestgehend. »Ihr kennt's, ich quatsch nicht lang. Haut euch auffe Fresse, Leute. Wir woll'n was seh'n.« Die Menge tobte und die beiden Kontrahenten machten sich bereit.
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