Ich weiß nicht recht, was ich groß sagen bzw. schreiben soll, so als "Vorwort"...
Danke an Eis Engel, die mich zu diesem Charakter inspiriert hat - Wohlgemerkt sollte Leif ja erst als Mittel zum Zweck, Liz einen Einstiegspartner zu geben, dienen. Und siehe da, nun ist er mein Liebster.
Vielen Dank auch an Shial, meine Betaleserin für diesen Einstieg in eine hoffentlich lange und gern gelesene FF.
Ihr zwei seid toll und ich hoffe dass wir ganz lange miteinander RPG'lern.
Der Einstieg beginnt ganz früh, dort, wo Leif's Biographie im Charakterbogen auch anfängt.![]()
So, jetzt aber genug rumgeschnulze und stattdessen ein paar Zeilchen, nach einem, mir passend erscheinenden, Poserbild.![]()
Uh yeah...Und sorry, Shial.![]()
Es war nicht das kalte Wasser, vom unzureichend ausgewrungenen Waschlappen, das meine Gänsehaut verursachte. Viel mehr der Blick in den Raum, in dem ich selbst saß, aber nur Zuschauer aller schien, ängstigte mich. Es roch eigenartig, wie beim ungeliebten Zahnarzt, den ich erst letzte Woche wieder hatte besuchen müssen. Genauso trugen die beiden Frauen und der alte Mann, der zeitweise zu mir kam und immer auf mich einredete, weiße Kleidung. Ich war wach, aber längst nicht bei Sinnen, als man mich hier her brachte. Wie lange auch immer es her war, ich erinnerte mich lediglich an tiefste Dunkelheit und beißend kalten Wind, neben einem qualmenden Auto. In ihm hatte ich geschlafen, wie lange, weiß ich nicht mehr.
Mein Gesicht und meine Augen hatten geklebt und nicht einmal die sofort einsetzenden Tränen hatten den komischen Film auf ihnen gelöst und es mir einfacher gemacht sie zu öffnen und klar zu sehen.
Der Sitz vor meinem schmerzenden Bein war ungewöhnlich weit nach hinten gedrückt und mir fiel gleich auf das irgendetwas anders war.
Die Frauenstimme, die während meines Einschlafens noch aus dem Radio klang, war verstummt und stattdessen gab es ein ungemütliches Brutzeln das für gewöhnlich den mangelenden Empfang angab.
Es war das einzige Geräusch, das noch im Auto hallte. Wir waren stehen geblieben und meine wachen Augen hielten nach irgendeinem Grund dafür Ausschau. Keine Ampel, keine Kreuzung, nichts.
Mit ausgestrecktem Arm stupste ich meine stumme Mutter, schräg vor mir sitzend an. Keine Reaktion. Noch einmal versuchte ich es, drückte zeitgleich den gesunden Fuß gegen den Sitz meines Vaters vor mir, der bei dieser Geste, die er für gewöhnlich im Rücken spürte, immer schimpfte.
Nichts, außer absoluter Stille, die langsam aber sicher Panik in mir entfachte.
Ich wand mich in meinem Sitz und öffnete mit zittrigen Fingern den Gurt. Schon wieder schimpfte niemand auf das deutlich klackende Geräusch und meinen darauffolgenden Versuch die Tür zu öffnen. Wie gewohnt weigerte sie sich und ich verfluchte mit tränenden Augen die Kindersicherung.
Wissend dass die Tür der rechten Seite ganz genauso eingestellt war, setzte ich mich auf allen Vieren auf die Rückbank, stemmte die Hände voran auf die Mittelkonsole und krabbelte in den Vorderteil des Autos. Ab dieser Aktion, die unkommentiert blieb, spätestens aber dem Anblick ihrer blassen Gesichter, wurde mir einiges klar.
Ich kniete auf dem Schoss meiner Mutter und zupfte an der dunkelblauen Jacke die sie trug.
„Mama? Hol’Kerson hat schon angefangen. Es ist jetzt immer um sieben Uhr Anfang, hast du das vergessen?“
Vehement rüttelte ich an der blonden Frau und sah bei den Worten zu meiner Lieblingssendung auf die Uhr. Die konnte ich schon…Zumindest ein bisschen. Ganz sicher war ich mir nicht, aber wach werden sollte sie schließlich trotzdem. Keine Regung die mir zeigte dass sie wach, geschweige denn am Leben war…Einfach nichts. Ich wusste dass man solche Sachen überprüfen konnte, weil ich meinem Papa, der ein Arzt war, schon mal dabei zugeguckt hatte. Als Tante Esma auf einem Familienfest vor ein paar Monaten mal umgefallen war, hatte er so komisch über ihr gelehnt und an ihr gelauscht. Danach nahm er ihre Hand und sah auf die Uhr. Ob ich dasselbe wohl könnte, auch wenn ich die Uhr nicht ganz sicher konnte?
Mit einem Schulterzucken und immer noch tränenden Augen lehnte ich mich an meine Mutter und lauschte, was mit dem Gebrutzel im Radio gar nicht so einfach war. Ich hörte nichts. Wie abgeguckt griff ihre schlaffe Hand und schaute etwas hilflos darauf.
„Irgendwie so…“, murmelte ich unbewusst und legte meinen Finger auf ihre Hand, dann auf ihren Arm und überall in die Nähe der Stelle, die mein Vater bei Esma auch gewählt hatte. Aber da war nichts, kein einziger Laut, was mich so wütend werden ließ, dass ich trotzig ihre Hand von mir warf.
Mein Kopf und mein Bein schmerzten höllisch, während ich krampfhaft daran dachte was ich tun könnte.
Eine kalte Hand die urplötzlich in mein Gesicht griff, ließ mich panisch aufschreien.
„Leif…“, keuchte es angestrengt und ich sammelte mich bei der Erkennung der Person.
„Mama wacht nicht auf!“, warf ich meinem Vater ohne Rücksicht auf seinen eigenen Zustand entgegen.
Er nickte und sah sie durch seine glasigen Augen besorgt an, während seine schwere Hand an ihren Hals griff. Mir war nicht bewusst dass es denselben Zweck hatte, wie meine Tat, ein paar Sekunden zuvor.
Beunruhigend war das plötzliche Schluchzen meines Vater, der immer noch angeschnallt und mit blutendem Kopf da saß.
„Was ist?“
Meine Frage ging ins Leere und ich beobachtete seinen Blick durch den Rückspiegel, wie er es beim Fahren oft tat und mir dabei zuzwinkerte.
„Mach die Tür auf.“, wies er mich an
„Was? Wieso?“
„Mach sie auf!“
Sein Ton war unmissverständlich und ich drückte den Hebel an der Tür meiner Mutter. Entweder hatte sie auch eine Kindersicherung oder irgendetwas war hier ganz und gar faul.
„Versuch es hier.“, meinte mein Vater als er bemerkte dass ich es vergebens versuchte.
Ich gehorchte und hatte Erfolg, wonach ich mit fragender Miene über ihn kletterte und aus dem Auto sprang.
„Komm.“, forderte ich diesmal und verzog das Gesicht bei seinem Weinen fast so sehr wie er. Mein Papa war stark und er weinte nie. Nicht einmal wenn andere das vor ihm taten, so wie ich jetzt.
Der Lichtkegel des ran nahenden Wagens lenkte mich davon ab, ihn weiter zum Aussteigen aufzufordern.
Eine wildgewordene Frau, genauso dick wie Tante Esma, sprang aus dem haltenden Auto, das hässlich gelb war.
Sie stieß mich unsanft zur Seite und sah in das Auto, von dem ich bemerkte dass es qualmte und die Scheibe…Die Glassplitter…Ich hatte im Wagen wohl überhaupt nichts mitbekommen um all das zu übersehen.
Es rauchte wie verrückt, die Straße war voll mit zersprengtem Glas und ich stand auf rutschigem Untergrund im Graben der Straße.
Oben am kleinen Hang war ein anderes Auto, das weniger schlimm aussah als unseres. Die Frau schenkte ihm keine Beachtung und allein der Neugier wegen kletterte ich zu dem Blauen nach oben.
Niemand saß darin, aber jemand weinte laut, als ich durch die Fenster sah.
„Hallo?“, hallte meine Stimme über die stockdunkle Straße.
Niemand bewegte sich, sodass ich, mutig wie ich war, weiter um das Auto lief. Ein schwarzhaariges, junges Mädchen drängte sich in mein Blickfeld und saß mit angezogenen Beinen an der Rückseite des Wagens auf der kalten Straße.
Sie weinte lauter, als sie mich bemerkte und, verschmiert wie ich war, ganz komisch ansah.
Ohne etwas zu sagen legte sie den Kopf wieder auf die Knie und weinte noch lauter.
Sie war ein bisschen klein für so ein großes Auto, erinnerte mich an die größeren Kinder an meiner Schule, auf die ich seit ein paar Tagen ging.
„Warst du das?“, fragte ich und überraschte mich damit selbst.
Eine Antwort bekam ich nicht. Nie. Blaue und rote Lichter erhellten stattdessen die Straße und rufende Leute zogen mich weg, später meine Eltern aus dem Wagen. Wahrscheinlich hatten sie mich in diesen steril riechenden Raum hier gebracht, zu den Frauen die mich jetzt in ein schlabbriges Stück Stoff steckten.
„Leif?“
Mein Kopf drehte sich zur Seite und sah in das lächelnde Gesicht einer Frau.
Sie setzte sich auf meine Reaktion hin neben mich und legte ihren Arm um meine Schulter. So ähnlich hatte mein Papa es immer gemacht, wenn er stolz war oder ich abends ins Bett ging und er mich noch einmal drückte.
„Wir sind vom Schwimmen in Skärholmen gekommen.“, sprach ich aus, worüber ich die ganze Zeit dachte.
Es wurde ein langes Gespräch, bei dem mir schnell klar war, dass die Frau nur deswegen bei mir war. Ich weinte viel und es kam mir später vor, als hätte ich die folgenden Wochen nichts anderes mehr getan…
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[STORY | FF] Leif Svensson - Chroniken eines "Wikingers"



















