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Ehrengarde
Sie strich sich erst einmal die Unterhose glatt, rückte das Kopftuch zurück und wandte sich dann Ornlu zu. "Naja ich dachte...ihr seid froh mal wieder jemanden zu sehen, den ihr kennt. Und außerdem war ich grade in der Nähe des Sees, hatte Durst und so."
Das sie auch einen Riesenhunger hatte oder mehr den schlechten Geschmack aus dem Mund bekommen wollte, verriet sie ihm nicht. Wahrscheinlich sah er es sowieso an ihren Augen oder er hörte es, weil ihr Bauch gerade in diesem Moment ein lautes Grollen von sich gab.
"Außerdem hab ich gestern ein Licht gesehen und war einfach neugierig. Man muss ja auf dem Laufenden bleiben und allen seltsamen Dingen hinterherjagen, um herauszufinden woher sie stammen, oder nicht?", fragte sie und sah an Ornlu vorbei, um zu sehen, ob da etwas über dem Feuer bruzelte.
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Deus
War Durst das Codewort für sehnsüchtige Lust nach ihm? Nach Fleischeslust? Oder war eher die andere Fleischeslust gemeint. Kaum traf er wieder auf sie, waren seine Gedanken ein Chaos und sie in seinem Kopf am herum tänzeln oder wühlen.
"Das Licht gestern? Oh ja war ganz nett, nicht wahr? Hab ich extra für einen Drachen gemacht. Der hatte uns etwas eingeheizt, dabei wollten wir nur über den Berg. Im Grunde hatten wir nur Glück, dass dieses Vieh sich ablenken ließ. Ich glaube du kriegst fürs Erste keinen von uns da hoch und ich rate es dir auch ab. So ein Drache ist eben...ein Drache. Hast du vielleicht was zu essen parat? Zufällig? Bis auf dieses Trockenfleisch von Putorius hat wohl keiner was von uns. Am Feuer kannste dich auch aufwärmen.", meinte der Druide und fuchtelte mit seinem Trockenfleisch umher, das er schon angebissen hatte.
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Burgherrin
Mit geschlossenen Augen lehnte Ravenne an einem Baum und lauschte. Eigentlich versuchte sie, unbemerkt zu beten, aber sie kam nicht umhin, Eleonoras Hasspredigt zu hören. Wie dieses Kind sie nervte! Niemand sollte je wieder in Ravennes Gegenwart behaupten, alle Kinder seien niedlich, solche Verallgemeinerungen konnte man ja nicht ertragen, wenn man Kinder wie Eleonora kannte. Gut, in diesem Fall hatte Ravenne den Vorteil, dass sie sich ihren Teil denken konnte, und niemand würde wegen ihrer Meinung auf die Barrikaden gehen, denn niemand würde davon mitbekommen. War ja nicht so, als könnte sie es herausschreien.
Nun kam Eleonora auch noch zu ihr, um ihr von der Abreise zu erzählen. Noch immer mit geschlossenen Augen tastete die Stumme nach dem Speer, der neben ihr lag, und schob ihn von sich weg, so dass sie nicht mehr rankäme, wenn die Kleine zu sehr nervte. Soweit sie gesehen hatte, würde sie vermutlich eh ein Problem haben, gegen sie anzukommen, also sollte sie es auch nicht auf Biegen und Brechen herausfordern. Damit Eleonora nicht auf die Idee kam, sie zu ohrfeigen, damit sie die Nachricht auch ja nicht verpennte, machte Ravenne sich zumindest die Mühe, die Augen zu öffnen. Ihre Gedanken waren woanders. Leider aber schien Eleonora das zu bemerken, ihre Seitenhiebe wurden immer scharfzüngiger. Zu gern hätte Ravenne das Mädchen zurechtgewiesen, wenn es etwas gebracht hätte. Ihre Wege sollten sich also trennen? Konnte sie haben, am besten sofort. Ravenne stand auf, griff nach dem Speer, holte ihre Sachen und sattelte Scáthach. Sie hatte das Mädchen sowieso schon lange genug ertragen. Sie nickte Griffin zum Abschied zu, prüfte den Sattelgurt und stieg auf, wandte sich alibimäßig gen Osten und ritt in den Wald.
Vermutlich war das keine so gute Idee gewesen. Die Nacht war längst hereingebrochen, entsprechend wenig sah sie, dabei musste sie sowohl an ihre Sicherheit wie an die von Scáthach denken. Sie beließ es dabei, das Pferd gehen zu lassen, um nicht gegen einen Baum zu galoppieren, wie Griffin es gestern genannt hatte. Was nichts half, als sie feststellte, dass sie anscheinend etwas aufgescheucht hatte. Etwas Großes. Sie hatte zu sehr auf die Bäume geachtet, immerhin waren die nicht allzu einfach zu erkennen. Vollmond, Neumond, alles eins unter dem dichten Blätterdach. Was es war, was sie aufgescheucht hatte, konnte sie auch nicht erkennen, also wendete sie und kehrte zum Lager zurück, um wenigstens das Licht des Lagerfeuers zu haben, wenn sie sich des Problems annähme. Das Licht wies ihr auch den Weg aus dem Wald, und sie sah die zwei Snapper, die sie wohl geweckt hatte. Was für eine bescheuerte Idee, nachts durch einen Wald reiten zu wollen - sie hätte drum herum reiten sollen.
Die Stumme nahm den Speer zur Hand, Scáthach blieb ruhig. Nun zeigte sich, wie viel das Training gebracht hatte, dachte sich Ravenne, während sie den Speer mit beiden Händen packte und auf den ersten Snapper einstach. Dann wandte sie sich rasch dem anderen zu und stieß ihn mit dem stumpfen Ende vom Pferd weg. Zwei auf einmal war vielleicht nur der Vorgeschmack einer Schlacht, aber soweit sie wusste. hab es dafür Rüstzeug für Pferde. Vor der nächsten Belagerung würde sie sich darum mal kümmern müssen, überlegte sie sich und stach nun wieder mit der Klinge auf den ersten Snapper ein. Sie wusste nicht, wo das Herz bei den Viechern lag, also musste sie es auf gut Glück versuchen, oder auf den Kopf zielen. Was die Snapper selbst anging, schienen sie zu lauern und dann zu attackieren, etwas, was Ravenne von Kojoten nicht kannte, die ja auch in Rudeln jagten. Erneut stieß sie den anderen zurück und landete einen Treffer beim ersten. Noch ein Stich, und der war fertig. Der andere indes hatte sich nun von hinten genähert und Scáthach trat aus, anscheinend wissend, welche Gefahr von den Tieren ausging. Ravenne wendete und erledigte nun auch den zweiten. Sie hatte nie wirklich mit Snappern zu tun gehabt, vermutlich war da zum Teil auch Glück involviert gewesen. Allerdings hätte sie es wohl nicht lange gemacht, wenn Scáthach und sie nicht trainiert hätten und Scáthach durchgedreht wäre. Zunächst versorgte sie das Pferd und nahm sich vor, um den Wald herumzureiten, so konnte sie wenigstens direkt Thorniara ansteuern, während die anderen glaubten, sie würden um den Wald und das Gebirge herum nach Setarrif reiten.
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King Kong
»Nicht schlecht.« Griffin tat unter den strengen Augen seiner Lehrmeisterin Eleonora, die den ganzen Kampf zwischen Ravenne und den beiden Snappern mit offenem Mund mitangesehen hatte, zu der Setarriferin heran. Sie war gerade im Begriff ihr Pferd zurechtzumachen, um dann ein weiteres Mal davonzureiten. »Wirklich ganz und gar nicht schlecht.«, meinte er und deutete grinsend auf die beiden toten Snapper, denen Ravenne kaum einen Blick zuwarf, seit sie sie erlegt hatte. Mit einer selten zuvor gesehenen Eleganz hatte die junge Frau ihren Speer wirbeln lassen und die beiden Tiere zur Strecke bringen können. Gekonnt hatte sie vom Rücken ihres Pferdes die Waffe genutzt, als hätte sie niemals zuvor etwas Anderes gemacht. Aber nicht nur das, auch die Kontrolle, die sie dabei über ihr Pferd gehabt hatte, war beeindruckend gewesen. Sei erinnerte Griffin an Succa, die Nordmarerin, die ihm damals den berittenen Kampf beigebracht hatte.
»Isst du die noch oder meinst du, wir können die hierbehalten?« Ein Lächeln schlich sich auf die Züge der jungen Frau. »Nein, im Ernst. Das war wirklich gute Arbeit - scheint so als hätten die letzten Tage doch etwas gebracht. Auch wenn sie...« Er deutete über die Schulter zu Eleonora, die die beiden argwöhnisch beobachtete, während sie immer mal wieder einen kleinen Kieselstein auf den schlafenden Fremdling schmiss und kurz grinsen musste, wenn er im Schlaf murrte. »... dank der Hilfe des kleinen Dämons kein Sonntagsausflug gewesen sind.«
Er klopfte Ravenne aufmunternd auf die Schulter. »Tut mir leid, wenn der Aufbruch etwas... übereilt war - aber du kennst ja Eleonora, wenn die was will, kann man schwer nein sagen. Aber vielleicht treibt es dich irgendwann ja noch einmal nach Schwarzwasser, wir werden sehen.« Mit einem letzten, freundlichen Grinsen drehte der ehemalige Hüter der Reiterin den Rücken zu und winkte hob zum Abschied ein letztes Mal die Hand.
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Ehrengarde
Bluttal
Die Tage zogen ins Land und Nigel zog hindurch. Ohne jegliche Eile war er direkt nach dem Kampf gegen den Haufen Banditen seiner Gruppe den Rücken kehrend losgezogen. Das Ziel, die Stadt Setarrif mit ihren goldenen Kuppeln, der Akademie und dem Palast Ethorn des Sechsten, lag klar vor ihm, doch der Weg war unbekannt. Der Krieger wusste lediglich, dass er ins Landesinnere musste. Aber so einfach ging das auch nicht, da der Osten der Insel, wo er hinwollte, durch ein gigantisches Gebirge vom Rest der Insel, wo er sich aufhielt, getrennt war. Seines Wissens nach gab es drei Möglichkeiten, wie Nigel zu seinem Ziel gelangen konnte. Einerseits gab es den Weg durch das Weißaugengebirge durch, doch dieser war nicht ungefährlich. Zu gut erinnerte sich der Meister der Klingen, der er war, noch an den Drachen, der im Gebirge hauste. Seltsamer Weise hatte er ihn seitdem nie wieder zu Gesicht bekommen, aber das war auch ganz gut so. Und selbst, wenn er dem Drachen nicht begegnen würde, so gab es durchaus unzählige weitere Gefahren in diesem Gebirge. Eine weitere Möglichkeit war, südlich daran vorbei zu reisen. Von Keala wusste er, dass er dadurch durch einen Sumpf hindurch musste. Dies allein stellte noch kein Problem für den Reisenden dar, doch zwischen ihm und dem Sumpf lag der sogenannte Orkwald. Ohne weiteres zu wissen, befand Nigel, dass dort ungeklärte Gefahren auf ihn lauerten. Außerdem wäre dieser Weg der wohl längste. Die dritte Möglichkeit war aber auch nicht unbedingt leicht für ihn. Nördlich über die Hafenstadt Thorniara führte dieser Weg. Nur war diese Stadt das Zentrum des myrtanischen Imperiums auf der Insel. Er, als selbsterklärter Feind dieses Königreichs, setzte sich der Gefahr aus, als solcher erkannt zu werden und etwaige Strafen in Kauf zu nehmen. Doch im Prinzip war er kein gesuchter Straftäter mit eigenen Steckbriefen. Er musste sich lediglich eine Alternativgeschichte einfallen lassen, falls man ihn danach fragen würde.
Aus dem Bauch heraus hatte sich Nigel für die dritte Möglichkeit entschieden. Im Prinzip war er einfach seinen Füßen gefolgt und landete so schließlich im Bluttal. Er war am nördlichen Rand des Silbersees entlang auf die Silberseeburg zu marschiert und hatte sich, ohne das Bauwerk näher zu betrachten, nach Norden gewandt. Bis dahin verlief die Reise weitestgehend ereignislos und dauerte auch nur zwei volle Tage. Bis zu diesem Ort waren ihm auch keinerlei anderen Menschen begegnet. Was sich dann aber schlagartig ändern sollte. Es herrschte ein reger Verkehr zur Silberseeburg hin. Es waren sicherlich die Warenkonvois aus der Hafenstadt oder aus den umliegenden Höfen. Unbehelligt lief der Reisende, der sein Glück suchte und nicht finden konnte, am Straßenrand entlang Richtung Thorniara. Er verzichtete auf jegliche Aufmerksamkeit und richtete seinen Blick stur geradeaus. Doch nach den ersten Metern entspannte sich der Glücksritter zunehmend und ließ seinen Blick schweifen. Die Straße durchstach einen beachtlichen Wald und führte unbeirrlich nach Norden im großen Schatten der gigantischen Berge zu seiner rechten Seite. Schließlich erreichte er eines Abends eine größere Siedlung mitten im Bluttal. Den Namen hatte er unterwegs aufgeschnappt, er wollte sich nun auch nicht als kompletter Unwissender präsentieren. In eben jener Siedlung, wo hauptsächlich Jägersfamilien lebten, blieb er zwei Tage, um sich ein wenig zu erholen. Die Reise war keineswegs anstrengend gewesen bis dahin, aber dennoch wollte er ein wenig Ruhe haben. Das kleine Gasthaus war ein komplettes Gegenbild zur Gespaltenen Jungfrau: Namenlos, unscheinbar, preiswert. Nigel fühlte sich auf anhieb wohl, doch kurz vor seiner Weiterreise merkte er doch, wie er komisch angeschaut wurde. Schließlich war es schon seltsam, dass jemand ohne Grund ein paar Tage in einem unscheinbaren Dörfchen verweilte. Um nicht in Verlegenheit zu geraten setzte er schließlich seine Reise fort. Es war nun nicht mehr weit bis zu den Stadttoren Thorniaras. Und von dort aus war er binnen zweier Tage in Setarrif, wo er aber eigentlich gar nicht hinwollte. Oder doch?! Vielleicht würde dort ja sein Glück liegen. Nigel grinste bei dem Gedanken. Oh, wie er sich auf sein Zuhause freute. Die Söldner, die Akademie und die Taverne. Er hatte sich sehr an Setarrif gewöhnt, wie ihm auffiel...
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Ritter
Sie war eine Drachin... ganz klar. Das hatte sich nun eindeutig erwiesen und noch immer wartete Andrahir sehnsüchtig darauf aus diesem absolut dämlichen Alptraum aufzuwachen. Am Beginn hatte er gar nicht wahrgenommen, dass es sich um einen solchen handeln musste, aber die Hinweise wurden immer dichter, eindeutiger.
Das merkwürdige war, dass sich das ganze so real anfühlte... und jetzt erst recht. Dennoch: das konnte alles nicht normal sein und eigentlich war es vermutlich noch die Nacht der Fuchsjagd und der Jäger lag irgendwie schlecht schlafend in dem Lager und träumte dies alles.
Die erste merkwürdige Sache war schon gewesen, dass die Truppe aus Waldbewohnern über das Gebirge gezogen war. Warum, bei Beliar, ging man über das verdammt kalte, steile, feuchte, windige, unsympathische Gebirge, wenn es doch soviele andere Möglichkeiten gab darum herum zu laufen.
Sicher... dieser Ornlu hatte eine Salve von dämlichen Ausflüchten parat gehabt - überzeugend war das aber nicht.
Punkt zwei, weshalb es sich um einen Traum handeln musste: Der Drache. Musste man zu dem Argument mehr erläutern? Nein!
Punkt drei: Merkwürdig helle Lichtkugeln, die durch die Gegend fliegen und von Mister 'Ich-stink-nach-Sumpfkraut-wie-kein-zweiter" kontrolliert zu werden schienen. Der Drache lies sich davon sogar beeindrucken - eine Möglichkeit zu Flucht.
An dieser Stelle tritt leider ein Punkt auf, der gegen einen Traum spricht: auf der Flucht veränderte sich die Umgebung nicht alle fünf Meter und der Drache flog auch nicht hinter dem über Stock und Stein springenden Jäger her um ihn immer wieder knapp zu verpassen... nein. Dennoch war er gerannt wie nie - hatte es auch nicht gewagt auszuprobieren, ob es stimmte, dass man in Träumen, die man als solche entlarvt hatte, alles tun konnte - fliegen, teleportieren, im Boden versinken - und so hatte es einige Zeit gedauert bis er den See erreicht hatte. Den See der zum Treffpunkt auserkoren ward.
Von hier an hatte er sich Zeit gelassen. Zeit um die Umgebung wieder näher in Augenschein zu nehmen. Das musste die andere Seite des Gewässers sein, in welchem Onyx ihn gelehrt hatte die Finger still zu halten, egal welche äußeren Einflüsse sich auf den Körper auswirkten.
Durch das viele Rennen durstig, war der Gang zum Wasser sehr verlockend gewesen und angesichts der Klarheit des Sees, hatte Andrahir schließlich sogar der Kälte getrotzt um ins Wasser zu springen und den Schweiß der Flucht abzuspühlen. Dann begann das ganze wieder traumartiger zu werden.
Punkt vier: Wieder angezogen und mit noch nassen, kalten Haaren lief der Bursche am Ufer entlang und absolut unvermittelt lag da eine Frau im Gras. Notdürftig bedeckt mit lumpenartigen Klamotten und... irgendwie mit bekannter Statur. Nun sicher, dass es sich um einen Traum handelte hatte er sich angeschlichen und die Lauernde, die eindeutig eigentlich der Drache war, der sich verwandelt hatte, vom Boden hochgerissen um ihn zu überraschen und zu einem gerechten Kampf zu zwingen - schließlich hatte Ryu ihn gelehrt, dass man immer fair sein musste. Dummerweise hatte das die Drachenfrau nicht gelernt und so fand sich Andrahir mit verblüffend echten Schmerzen keuchend auf dem Boden wieder.
Aus den leicht trüben Augen erkannte er sie, die sie bald mit Ornlu sprach, der wie aus dem nichts aufgetaucht war. "Suzuran?" murmelte der schwarzhaarige leise und das Weltbild des Jägers bekam erneut einen Knacks... und wenn er nicht bald erwachte, war er vermutlich nicht mehr der selbe... wahnsinnig und paranoid - Eigenschaften der er vielleicht bald sein eigen nennen konnte.
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Ritter
Orthego hielt den frisch gedrehten Stängel Sumpfkraut in die klein gehaltene Flamme seines Lagerfeuers, entzündete ihn und steckte ihn sich genüsslich zwischen die Lippen, während er sich mit dem Rücken an die erdige Wand der kleinen Grube lehnte, in der er seinen Rastplatz aufgeschlagen hatte. Sein Mittagessen ist wahrhaft dem eines Waldläufers würdig gewesen – selbsterlegtes Kaninchen, über offenem Feuer gebraten, dazu einige Pilze. Orthego atmete den Rauch aus.
“Du qualmst viel zu viel!“, beschwerte sich Manadh.
Orthego zog eine Augenbraue nach oben und wollte kurz feststellen, dass sie es ja gar nicht riechen könne, dann schüttelte er aber nur den Kopf.
„Nach dem Essen kannst du rauchen“ , begann er den populären Spruch „Oder eine Frau gebrauchen. Hast du beides nicht zur Hand,…“
“Erspar’s mir!“
Der Waldläufer lachte.
Vor zwei Tagen hatte er Schwarzwasser verlassen, um auf eigene Faust die Gegend nördlich des Orkwaldes um den Silbersee herum zu erkunden, auf die Jagd zu gehen, einige ruhige Momente abseits von Sumpf und Problemen zu verbringen. Die Natur zu erfahren, die ihn sich heimisch fühlen ließ.
Momentan befand sich Orthego auf der Westseite des Silbersees in einem Waldstück, nicht weit weg von der Gespaltenen Jungfrau. Doch das Leben eines Jägers draußen in der Wildnis zog er momentan kaltem Bier und bequemen Betten vor. Das zu tun, wozu er bestimmt war, beruhigte ihn und versetzte ihn in einen Zustand des Friedens, trotz lauernder Gefahren.
Orks waren nicht weit. Erst seit kurzem stieg einem der ranzig modrige Duft des Todes und der Verwesung nicht mehr in die Nase, den die Bestien im Wald hinterlassen hatten, den sie so schamlos zu ihrem eigenen Schlachtfeld erklärt hatten. Ungern war Orthego gestern durchgereist, obwohl er sich so weit westlich wie möglich gehalten hatte. Abgerissene Köpfe und massakrierte Leiber der hiesigen Orks, aufgespießt auf den Speeren fremder Stämme. Wenn sich die Monster schon gegenseitig an die Gurgel gingen…
Orthego warf den Sumpfkrautstummel ins Lagerfeuer, das er mit Erde löschte. Er packte seine Decke ein, sah sich ein letztes Mal auf seinem Rastplatz um und verwischte seine Spuren. Er würde noch ein wenig weiter in Richtung Norden ziehen, ohne wahres Ziel. Er nahm sich vor, auf dem Rückweg erneut hier zu halten. Orthego schulterte Bogen und Schild und machte sich auf den Weg, hielt sich an kaum sehbare Trampelpfade im Wald, relativ nah am Rand. Hin und wieder warf er Blicke nach links und rechts, hielt kurz inne oder horchte und wenn er nichts wahrnahm, ging er weiter.
Eine Zeit lang schien der Wald wie ausgestorben, kein Tier war zu sehen, kein Geräusch zu hören, bis der Waldläufer doch etwas hörte, was seine Aufmerksamkeit erregte. Stimmen. Er hielt inne und horchte. Insgesamt drei an der Zahl. Zwei Männer, eine Frau. Sie unterhielten sich ruhig, Orthego konnte nicht ausmachen worüber. Er ging in die Hocke und näherte sich schleichend ihrer Position, bedacht darauf, keinen Ton von sich zu geben. Wer konnte es schon wissen, mit wem er es zu tun hatte? Einem Paladin würde Orthego nur ungerne begegnen.
Hinter einem Gestrüpp getarnt beobachtete der Waldläufer zunächst, musterte die drei Wanderer.
Zwei relativ große Kerle, wobei der eine nochmal einen Kopf größer war als der andere. Der eine komplett in Schwarz gehüllt, sodass man sein Gesicht kaum erkennen konnte, der andere trug einfachere Kleidung, sie waren nicht bewaffnet. Mit Kriegern hatte es der Waldläufer definitiv nicht zu tun, auch das Weib sah zumindest aus der Entfernung ungefährlich aus. Der größere braunhaarige Kerl erinnerte Orthego eher an einen Strich in der Landschaft, statt an einen Kämpfer, kam ihm dabei aber auch unglaublich bekannt vor. Er schwatzte viel. Sogar durchaus zu viel, während die anderen wohl nur zuzuhören schienen. Die Gruppe näherte sich unbewusst dem Versteck des Waldläufers. Er entschied, einfach abzuwarten, bis sie vorbei gezogen waren. Der größere Kerl, bei dem Orthego sich immer noch den Kopf zerbrach, an wen er ihn nur erinnerte, hielt plötzlich inne und sah sich um.
„Scheiße, der will mich doch verarschen!“ , flüsterte Orthego sich selbst zu. Er? Entdeckt von einem Typen der aussah, als würde er einer Karriere als Schafshirte entgegenschauen?
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King Kong
»Was guckst du denn jetzt schon wieder so blöd durch die Gegend? Sag bloß, du musst wieder pinkeln. Bei allen Göttern - wie klein ist eigentlich deine Blase?«, murrte das blonde Mädchen leise und rollte betont deutlich mit den kleinen Kulleraugen, bevor sie sich elegant auf den Waldboden sinken ließ. Verärgert verschränkte sie die Arme vor der Brust und starrte ihren Schüler böse an. »Ja, jetzt geh schon endlich oder wartest du auf eine schriftliche Einladung? Willst du dir in die Hose machen? Mach flott - warten wir halt mal wieder.«, zischte sie leise und der ehemalige Hüter verabschiedete sich mit einem verlegenen Lächeln, verkniff sich aber die zynischen Bemerkungen.
»Beeil dich bloß!«, hörte er Eleonora aus der Entfernung keifen, als er gerade den gesunden Mittelstrahl über die Rinde eines Baums vergoss. Geschützt vor den musternden Blicken und den neugierigen Ohren des kleinen Mädchens erlaubte er sich ein leises Seufzen gefolgt von einem Kopfschütteln. Worauf hatte er sich da nur eingelassen? Zuerst war da Eleonora, das junge Mädchen, das ihn seit Wochen schon quer über Argaan prügelte und das Ganze eine Lehre nannte. Den ganzen Tag keifte, zeterte und maulte sie raum und die einzige Zeit am Tag, wo sie wenig motzte, verdrosch sie den Braunhaarigen mit einer Mühelosigkeit, die ihn beinahe schon beängstigte. Und dann war da natürlich noch dieser eigenartige Kerl, den er vor einiger Zeit aufgegabelt hatte - erzählte irgendwas davon, dass er unbedingt Waldläufer werden wollte und hat bisher höchstens mal einen Ausflug durch Muttis Rosenbeet gemacht und das als Abendteuer verkauft. Nicht gerade die beste Reisetruppe, die er sich vorstellen konnte, aber noch immer wesentlich besser als die Tage, die er eingesperrt in dem Käfig mitten in Schwarzwasser zugebracht hatte.
Erleichtert schritt Griffin von dem kleinen Rinnsal weg, das sich am Boden gebildet hatte. Jetzt noch in den eigenen Urin treten und er würde wahrscheinlich laut brüllend durch den Orkwald laufen und sich irgendwo erschlagen lassen.
»Jetzt schrei doch nicht so, Eleonora!«, flüsterte er mürrisch, als er erneut die quakende Stimme seiner Lehrmeisterin hörte. »Jetzt komm schon raus, du Perverser! Ich hab' dich doch gehört! Warte ab - wenn ich dich erwische, du Knilch!«, schrie sie mit dem Rücken zu Griffin den nahen Bäumen entgegen und hob drohend ihr kleines Fäustchen. Jetzt legte sie sich also schon mit irgendwelchen Eichhörnchen an, die durch den Wald huschten?
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Ritter
Orthego zog eine Augenbraue hoch, als die Blonde sich in seine Richtung drehte und für jemanden von ihrer Körpergröße gewagte Drohungen ausspuckte. „Hm, die Frauen hier auf den Inseln sind auch nicht das, was ich vom Festland gewöhnt bin. Nehmen sich eindeutig zu viel heraus!“
“Na, gefährlich sieht sie ja wirklich nicht aus…“
„Vor wem verstecke ich mich eigentlich hier? Vor ein paar Bauern und ihrem Weib?!“
„Na, komm schon raus, du Schwein! Ich weiß das du hier irgendwo steckst!“ , brüllte die Frau erneut. Orthego schüttelte den Kopf. War sie denn völlig von Sinnen?
„Guckst wohl gern andern beim Pissen zu, was? Komm nur raus, dann tret ich dir in den Hintern, dass dir Hören und Sehen vergeht!“
Die hatte wohl einen Wein zu viel in der Jungfrau gehabt, dachte der Waldläufer. Am Einfachsten wäre es wohl gewesen, sich tiefer in den Wald zurückzuziehen und seines eigenen Weges zu gehen, es würde ihn wohl kaum jemand bemerken. Aber etwas hielt ihn zurück.
Die Hand auf den Schwertknauf gelegt –aus Sicherheitsgründen, versteht sich- , richtete Orthego sich auf und trat aus dem Gestrüpp, auf die Gruppe Reisender hinzu.
„Aaaaaaaha! Ich wusste es doch! Ich hab’s doch gewusst!“
In diesem Moment kehrte der Braunhaarige zurück.
„Pass auf, wie ich dem Kerl jetzt eine verpassen werde!“, drohte die Frau erneut, ohne den Waldläufer auch nur ein Wort sagen zu lassen. „Hast du gehört, Griffin? Sieh zu, dann lernst du vielleicht sogar noch was!“
Bei dem Namen zuckte Orthegos Blick zu dem Mann hinüber.
„Griffin?“, wiederholte er, wie ein Blöder, während er das Gesicht seines Gegenüber erkannte und das lästige Weibchen ignorierte. „Ich glaub’s nicht!“
Während Griffin noch ein wenig verwirrt schien und der in schwarz gehüllte die Szenerie nicht weiter kommentierte, begann die Blonde erneut ihre Tirade: „War ja klar, dass du den Perversen kennst!“
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King Kong
Das war ja mal wieder typisch - kaum war man mal für zwei Minütchen verschwunden, stand die Welt kopf. Wenn er das richtig verstanden hatte, dann hatte dieser merkwürdig gekleidete Kerl, der da aus dem Gebüsch gehüpft war, die kleine Reisegruppe beobachtet und - beim Schläfer, Griffin wollte gar nicht wissen, was sonst noch.
»Kannst du ruhig glauben, Freundchen.« Gähnend setzte der Braunhaarige sich auf den Boden und lehnte sich mit dem Rücken an einen nahen Baum. Sein Blick ruhte ruhig auf dem merkwürdigen Figürchen, das sie bespannt hatte und von Eleonora dafür mit bösen, vielsagenden Blicken bedacht wurde. Nicht gerade die Strafe, die sie angedroht hatte, aber wahrscheinlich schien es sie zu verwirren, dass Fremdling vorgab ihren Schüler zu kennen.
»Kann mir denn jetzt mal jemand erklären, was hier los ist?« Genervt verdrehte das kleine Mädchen die Augen und stampfte wütend mit ihrem rechten Fuß auf. »Griffin, wer ist dieser Kerl? Wenn er so überrascht ist, dich zu sehen, kennt er dich ja wahrscheinlich. Und wenn er dich kennt, wirst du ihn ja wohl auch kennen. Und wieso bespannt der uns hier? Ich glaub's nicht! Kann man nicht einmal seine Ruhe haben?«, murrte sie lautstark und stapfte wutschnaubend umher.
Griffin hingegen sah das ganze wesentlich entspannter - solange der Kerl nur guckte, passierte ja nichts. Sicher, ein schönes Hobby war das nicht, aber sollte eben jeder seine Freizeit so verbringen, wie er das für richtig hielt. »Ich kenn' den Vogel nicht. Die meisten Leute, die ich gekannt habe, sind sowieso verschwunden oder nicht hier in der Nähe.«, erklärte der Sildener und musterte ein letztes Mal den dunkel gekleideten Fremdling.
»Ich bin Griffin, soviel dürftest du ja gehört haben. Und du bist?«
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Ritter
Orthego fasste sich an den Kopf. Erinnerte er sich wirklich nicht mehr? Aber wer wusste schon, was der wieder durchgemacht hatte, wo er sich rumgetrieben hatte.
„So, die gute Dame hier vorne hält jetzt für einen kurzen Augenblick die Klappe, bevor ich sie kopfüber gefesselt vom nächstbesten Baum hängen lasse! Und du“, er wandte sich Griffin zu, bevor die Blonde was sagen konnte. Mit offenem Mund starrte sie Orthego an. „Du hievst jetzt deinen viel zu fett gewordenen Arsch vom Boden hoch, bevor ich dir rein trete, und begrüßt einen Waldläufer und Gemeinschaftsbruder so, wie es sich gehört, du Schweinepriester, sonst muss ich deinem Gedächtnis ‘n bisschen auf die Sprünge helfen!“
„Ich krieg die Krise!“, seufzte die Blonde auf.
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King Kong
»Halt-halt-halt-halt!« Ohne zu überlegen war der ehemalige Hüter von dem Boden aufgesprungen und so schnell es ihm möglich war vor Eleonora gelaufen, die wutschnaubend die Augen zu Schlitzen verengt hatte. Diesen Blick kannte er leider nur zu gut - sie war stinksauer, weil der Fremdling sie in dieser Art und Weise nicht nur unterbrochen, sondern sogar blamiert hatte. Eine Tatsache, die sie so niemals durchgehen lassen würde.
»Schau ihn dir an - er ist ein Idiot!«, zischte er leise und wehrte so gut es ihm möglich war die Schläge und Tritte des jungen Mädchens ab, mit denen sie sich an ihm vorbeiprügeln wollte. »Er weiß nicht, was er sagt - lass ihn. Außerdem macht es keinen Spaß, ihn zu verprügeln.«
»Hm.«
Hämisch grinsend durchbrach das kleine Mädchen die Verteidigung des Südländers und riss ihn mit einem kräftigen Tritt vor die Brust von den Beinen. »Glück für dich!«, zischte sie dem Fremdling zu. »Pass nächstes Mal auf, dass dein Babysitter hier dabei ist, wenn du wieder so frech bist, du Weichei.« Mit einem letzten, wütenden Blick zu dem Neuankömmling und einem gemeinen Tritt gegen den am Boden liegenden Braunhaarigen entfernte sie sich von der kleinen Gruppe und ließ sich an der Stelle nieder, an der eben noch Griffin gesessen hatte. Sie würde die drei Männer ganz genau im Auge behalten, da war der ehemalige Hüter sich sicher.
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Ritter
Erst jetzt fiel Orthego auf, wie jung das Mädchen war, in dessen Begleitung Griffin sich befand.
Jung und ungeduldig, ungestüm, offensichtlich bereit sich in jede Gefahr zu begeben, ohne auf Konsequenzen zu achten. Entweder war sie besonders begabt, was man ihr nicht ansah, oder besonders dumm. Was eher dem ersten Eindruck des Waldläufers entsprach. Offensichtlich beleidigt stampfte sie davon, während Griffin erneut vom Boden aufstand und sich den Staub von dem Klamotten abklopfte.
„Lässt sich von einem Mädchen zu Boden werfen. Das hätte ich nicht von dir erwartet.“ Orthego lachte kurz auf, blickte jedoch sogleich wieder ernster drein. „Weißt du wirklich nicht mehr, wer ich bin? Bist du auf’n Kopf gefallen?“, fragte er. „Orthego. Klingelt’s da nicht? Aus Silden, aus einer…längst vergangenen Zeit.“ Er blickte kurz zu dem blonden Mädchen rüber, die sich mit dem anderen Kerl unterhielt. „Aber die Gesellschaft in der du dich befindest ist mal wieder ausgezeichnet. Lebensmüde Weiber und Typen, die aussehen als wär’n sie aus dem nächstbesten Kellerloch entflohen. Zugegeben, ich bin hier derjenige, der durch die Büsche schleicht und Reisende beobachtet, aber…“
Orthego spürte den Blick des ihm Unbekannten auf sich ruhen. Scharf wandte er sich ihm zu.
„Was starrst’n mich so an?“
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Lehrling
Lendrow hasste es wenn ihn ein ihm Unbekannter ihn ohne jeglichen Grund anschnauzt. >Nun ja< der Bergmann erhob sich, ohne den Fremden aus den Augen zu lassen. > Zu allererst war ich nur neugierig wer hier ins Lager gekommen istzum anderen wollte ich die Person sehen, die Eleonora zum wiederholten Male ihre süße Stimme zu erheben.< Der Satz troff nur so vor Sarkasmus. Obwohl der junge Mann wusste, dass er sich nun möglicherweise einen Feind gemacht hatte, der allen Anschein ein Freund Griffins und ein Waldläufer war, konnte er sich nicht beherrschen. Lendrow hatte schin nach ihm gesucht als Eleonora angefangen hat zu zetern und zu meckern. Allerdings machte das Mädchen das immer solche Sachen. Erst als sie "komm raus du Perveser" sagte wusste der Schwarzhaarige, dass Griffin nicht gemeint sein kann. Zumindest dachte er das. Nun musterte Lendrow den Neuen weiterhin. Er hatte sich ihn schon angesehen aber er wollte ihn nur ärgern.
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Ritter
Der Waldläufer verkniff sich ein Lachen, ob der Bemerkung.
„Wohl aufmüpfig, wa? Dort, wo ich herkomme, hatten wir ganz besondere Behandlungsmethoden für sowas.“
Aufmüpfig ist Orthego früher auch gewesen. Kaum gelernt, die Faust zu schwingen, ist er von Schlägerei zu Schlägerei gestolpert, ohne nachzudenken und ohne zu wissen was er tat.
“Ich hoffe, du hast nicht vor, was Blödes anzustellen?“, fragte Manadh sicherheitshalber nach.
„Ach, Blödsinn“, ließ Orthego sie wissen. Er hatte nicht vor, jemandem weh zu tun. Er wollte dem Kerl nur ein wenig Angst machen. „Ich will doch nur spielen.“
Orthego schnallte demonstrativ seinen Schwertgurt enger, setzte das fieseste, arroganteste Kneipenschlägergrinsen auf, das er in petto hatte und ging langsam, laut stapfend auf den Kerl zu.
Als nur noch eine Handbreit zwischen ihnen war, zog er ihm die Kapuze vom Kopf und blickte in ein paar brauner Augen.
„Wie heißt du, Junge?“, fragte Orthego, sehr bedacht darauf so zu klingen, als hätte er kein Problem damit, jemandem der anwesenden an Ort und Stelle die Nase zu brechen.
„Lendrow“, antwortete der, durchaus selbstbewusst klingend.
„Dann hör mir mal zu, Lendrow.“ Orthego spuckte zu Boden. „Für jemanden der so grün hinter den Ohren ist, wie du, spuckst du ziemlich große Töne. Was hast du denn vor? Willst du mich abstechen? Damit?“ Er zeigte auf den Dolch Lendrows. „Oder denkst du, hier ist weit und breit jemand, der dir helfen kann, wenn du mir zu sehr auf die Nerven gehst?“ Er blickte ihm direkt in die Augen. „Kein Schwein hier wird dich schreien hören, sollte es mir in den Sinn kommen, dir deine vorlaute Zunge rauszureißen und sie den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen. Das wäre dir zumindest eine Lehre, ein lebenslanger Denkzettel, der dich stets daran erinnern wird, wie man Leuten zu begegnen hat, die eindeutig das größere Schwert haben und solche wie dich zum Frühstück verputzen. Aber du hast Glück, dass ich so ein netter Kerl bin und dir das durchgehen lasse. Ein erstes und ein letztes Mal! Das heißt in Zukunft passt du besser auf, Bürschchen, denn du hast noch keine Ahnung, zu was Menschen in dieser Welt fähig sind.“
Last edited by Orthego; 10.03.2012 at 19:58.
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Ritter
Die Truppe war ein lahmer Haufen viel redender Menschen, die nichts auf die Reihe bekamen... zumindest hatte Andrahir heute den Eindruck. Es gab wohl keine Gruppe, die so ungeordnet durch die Lande streifte und dabei Lärm machte, wie eine ganze Armee. Ornlu faselte ununterbrochen irgendwelchen Kram über die Natur - vielleicht eine Auswirkung von dem vielen Sumpfkraut - Suzuran hüpfte wild durch die Gegend und Putorius stolperte ständig über irgendwelche Hindernisse auf dem Weg.
Andrahir grübelte bereits den ganzen Tag. Nach der Nacht hatte er begriffen, dass das Geschehene geschehen und nicht nur ein Traum war, was nur noch mehr Fragen aufwarf. Fragen, die er selbst noch nicht wirklich zu stellen vermochte, weshalb er einfach stumm blieb. Die anderen akzeptierten es. Der ungespannte Bogen wippte in der linken Hand des Jägers auf- und abwärts, während sie so durch die Lande zogen - auf dem Weg nach Schwarzwasser. Wäre Ryu wenigstens noch da gewesen, so hätte er zumindest einen vertrauten Menschen als Ansprechperson dabei gehabt. Die anderen kannte er wenn überhaupt ja nur wenig.
Der Weg war ihm bekannt, aber er trottete ja so oder so nur mit und betrachtete fast ausschließlich den Boden vor seinen Füßen. Jedoch war ihm bewusst, dass sie nichtmehr gar zu lange wandern mussten, bis sie den Orkwald erreichten.
Diese ganze Geheimnistuerei der Magiefähigen war furchtbar. So offensichtlich war doch nun, dass sie Kräfte besaßen, die nicht ganz alltäglich waren und dennoch versuchten sie alles um dies zu verschleiern.
Zum ersten mal seit einigen Stunden hob der schwarzhaarige nun doch den Kopf und begann seine Umgebung etwas mehr wahrzunehmen. Cécilia schritt neben ihm her - eine attraktive Frau die eine freundlich ernste Ausstrahlung inne hatte.
"Mir ist klar, dass ihr darüber nicht reden wollt, könnt, dürft oder wie auch immer. Aber vielleicht hättest du ja die Güte mir ein wenig über das zu erzählen, was es mit... dieser Magie auf sich hat, damit ich vielleicht ein wenig vom Geschehenen verstehe..."
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hat "Jehova" gesagt!
Die Wanderung nach Schwarzwasser war fast ein Spaziergang. Ornlu schwafelte Unsinn, hervorgerufen durch Sumpfkraut, wie es schien. Zumindest hoffte sie, dass es Unsinn war, immerhin war sie der Meinung, ihn mindestens zweimal davon murmeln gehört zu haben, Suzuran und sie sollten sich nackt ausziehen oder sowas. Suzuran selbst schien recht munter, was Cé bei ihrer Kleidung komisch fand, die war ja eigentlich eher unpraktisch für wildes Gehüpfe. Und Putorius und Andrahir schienen in Gedanken versunken zu sein. Cé selbst langweilte sich eher und rezitierte in Gedanken ein altes Lied, das Noreia ihr in Beria beigebracht hatte, als sie nach der alten Sprache gefragt hatte. Der neben ihr gehende Andrahir sprach sie nach einer Weile an, und sie kam raus.
E vonet da veajiñ, gê! E vonet da veajiñ.
„Hmm ... Beteg an ... nein, das war's nicht“, murmelte sie leise und widmete ihre Aufmerksamkeit nun nicht mehr dem Liedchen, sondern dem Mann, den sie kaum kannte.
„Und du fragst ausgerechnet mich? Die Lichtkugelsache muss mich verraten haben. Was gibt es beim Geschehenen denn zu erklären, die Magie betreffend? Da war der Drache, und die Magie hat ihn geblendet. Mit Magie lässt sich viel anstellen, da kannst du jeden Feuermagier fragen. Der würde dir vermutlich auch gleich sagen, wie Magie als solche funktioniert und was sie ist ... Firlefanz, wenn du mich fragst. Aber diese Leute können einfach nichts als gegeben hinnehmen“, erzählte Cé und schniefte.
Während der Wanderung im verschneiten Gebirge musste sie sich einen Schnupfen eingefangen haben. Zwar war es jetzt, da sie nicht mehr im Gebirge waren, wärmer, aber sie hatte bald einsehen müssen, nicht die richtigen Kräuter für einen Tee dabeihatte, der helfen würde. Das Kribbeln in der Nase kündigte das Niesen schon im Voraus an, und ehe sie es sich versah, hatte sie gleichzeitig geniest und eine Lichtkugel beschworen. Rasch ließ sie das Licht verebben und zuckte mitleidheischend die Schultern.
„Das war ein Versehen ...“, erklärte sie das Offensichtliche. „Na ja. Was den Drachen angeht, ich schätze, das war lediglich ein großes Exemplar so einer Lichtkugel. Groß und hell. Was genau es war, kann ich dir nicht sagen, es war zu hell. Verdammter Schnupfen ...“
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Ritter
Die Lichtkugel die kurz aufblitzte und dann wieder verschwand, während Cécilia ihre Schnodder in der Umwelt verteilte, bot schon einen ziemlich erschreckenden Anblick und so schüttelte Andrahir blinzelnd den Kopf, bis die geblendeten Augen sich wieder der Dunkelheit öffneten.
"Feuermagier hocken aber nicht im Sumpf, singen Lieder über die Schönheit grüner Blätter und paffen dabei eine Runde." Suchend kramte der Jäger in seinen Taschen, fand aber nichts, was er seiner Gesprächspartnerin zum Nase putzen anbieten konnte... außer vielleicht ein Stück Fuchsschwanz, wobei das Fell dann vielleicht doch zu schade war. Allerdings hatte die junge Frau das sowieso schon erledigt ohne dass er mitbekommen hatte wie... vielleicht hatte sie sich das Zeug in den Ärmel geschmiert - nachdem er Suzuran etwas näher kennen gelernt hatte, traute er dem weiblichen Geschlecht einiges mehr zu als grazile Bewegungen und schüchterne Bemerkungen - die waren alle komisch.
"Was meinst du mit 'gegeben'? Ist das ein anderes Wort für 'Schicksal'? Du kannst mir doch nicht erzählen, dass du eines Tages aufgewacht bist, Lichtkugeln genießt hast und das dann als 'gegeben' einfach akzeptiert hast. So nach dem Motto: andere Leute machen, dass die Luft stinkt und ich nies Lichtkugeln."
Der Weg machte eine Biegung und eine steinerne Brücke erschien im matten Licht der schmalen Mondsichel. Bei diesem Anblick kamen Erinnerungen auf und ein Grinsen stahl sich auf die Lippen des Waldbewohners.
"Haltet mal an!" es dauerte eine Weile, bis Ornlu aufhörte dauerhaft zu plappern und Suzuran endlich still stand. Ein abstruses Bild vom blöden Gesicht der Gauner, wenn sie Cécilia Lichtkugeln niesen sehen würden entwickelte sich in Andrahirs Kopf und so war die folgende Idee nur logisch.
"Ich bin schon zwei mal über diese Brücke gewandert - mit Onyx - jedes Mal wurden wir von drei dämlichen Banditen überfallen, die allerdings jedes mal... nunja... wenig Erfolg hatten. Ich denke es wäre das klügste, wenn Cécilia und ich ersteinmal vorgehen um... die Lage zu erkunden."
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hat "Jehova" gesagt!
Ein schnell gezücktes Taschentuch, das ebenso schnell wieder in der Tasche verschwand, sorgte dafür, dass ihre Kleidung nicht damit besudelt wurde. Zumal Phobia ihr ja damals eine einprägsame Standpauke zum Thema Hygiene gehalten hatte, als sie geholfen hatte, die Kranken vom Odem des Wyvern wegzuziehen, damals in Silden. Zum Nase putzen hatte sie sich natürlich weggedreht, das geboten die Manieren. Trotz allem war sie ja immer noch eine Dame. Wie auch immer, sie lauschte Andrahirs Fragen, und verstand immer noch nicht, welches Problem er in der Magie der Druiden sah.
Dann hielt Andrahir die Gruppe an und erzählte von Räubern, und Cé und er sollten sozusagen als Späher vorgehen. Wofür hielt er sie? Eine waldvölkische Kampfmagierin, jederzeit bereit, mit Magie und Waffenkraft ihre Gegner in die Flucht zu schlagen? Da musste er aber einiges verpasst haben! Cé war eine Seherin, eine Teilzeit-Irre, deren Magie zum Teil lange Vorbereitungszeit brauchte oder so viel Konzentration benötigte, dass sie nebenbei nicht kämpfen konnte, wobei sie auch nur die Grundlagen des Stabkampfes beherrschte. Und eigentlich war es ihr Job, Leute zu flicken, nicht, ihnen die Verletzungen zuzufügen. Sie nahm den Stab zur Hand, den sie üblicherweise auf dem Rücken trug, und erinnerte sich noch einmal an Anirons Lektionen. Sie sollte mehr üben, um das Gefühl nicht zu verlieren, sagte sie sich. Andrahir und sie gingen los, zur Brücke.
„Jeder hat sein Schlüsselerlebnis, wie er zur Magie kommt, das ist eine sehr persönliche Sache. Was ich meine ist, dass man die Magie, die man dann hat, als gegeben betrachten sollte, und lieber lernen sollte, wie man mit ihr umgeht und sie kontrolliert, bevor man damit Schaden anrichtet. Und nicht erstmal tausend Bücher darüber liest, um herauszufinden, was es ist. Oder gar ein Buch drüber schreibt“, erklärte sie ihre eigenen Ausführungen
„Meine Erfahrung ist, dass sie eng mit Gefühlen zusammenhängt. Wenn man seine Magie kontrolliert, muss man auch seine Gefühle kontrollieren und für sich zu nutzen verstehen. Also bete, dass deine Räuber mich nicht erschrecken. Das ist so 'n Reflex von mir, mit dem Licht.“
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Ritter
Wenn das mal keine Ironie war. Sie wollte ihn davor bewahren was dummes zu machen und brachte ihn dabei noch auf Ideen. Nungut - sie kannte die Banditen noch nicht und konnte nicht ahnen von... ääh... welch großer Gefahr da die Rede war.
Andrahir spannte den Bogen und und kontrollierte mal wieder ob er das Schwert auch würde ziehen können, wenn er es brauchte.
"Mit Gefühlen also... mh... das ist interessant. Mich würde ja interessieren was dabei heraus kommt, wenn ein gerade... mhh... 'beschenkter' einen Wutanfall bekommt."
Ihre Schritte hallten auf den Steinen und der Jäger gab sich auch extra viel Mühe möglichst nicht leise zu sein. Seine Nase roch Rauch... vielleicht ein zufälliges Räuberlager? Auf einmal war da ein Tuscheln zu hören. Der schwarzhaarige hielt seine Begleiterin am Arm zurück und bedeutete ihr ruhig zu sein - nicht um unauffällig zu sein, nein, sondern um das Getuschel zu verstehen.
"Ich hab euch gesagt, dass ich der Anführer bin und als solcher steht es mir zu als erster auf die Brücke zu springen."
"Wir haben uns aber beraten und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir deine Leitung nicht akzeptieren."
"Pah... ob ihr das akzeptiert ist mir doch egal und helft mir nun endlich hoch, sonst..." eine kurze Stille trat ein "sonst koch ich euch keine Fleischwanzen-Lauch-Zwiebel-Pilz-Kräuter-Baumrindensuppe mehr."
Plötzlich wurden die beiden anderen Stimmen, deutlich von Verzweiflung gepackt, immer lauter und riefen durcheinander, dass der andere das doch nicht tun könne und sie ja schließlich auf ihn angewiesen seien und solch ähnliches Gedöhns. Andrahir beobachtete indes amüsiert, wie Cécilias irritiert das Gesicht verzog.
"Jaja - schon gut - dann helft mir endlich da rauf!" Tatsächlich erschien nun die erste Hand auf der Steinmauer und der Anführer der Bande plumste auf den Steinboden um sich eher weniger elegant wieder aufzurichten und mit einem rostigen Schwert, dass er wohl einem toten Goblin geklaut hatte, aufzurichten, während seine zwei Kollegen ihm nachkamen.
Nur mühevoll konnte sich Andrahir ein Kopfschütteln verkneifen. Das war echt die merkwürdigste Bande, die er je erlebt hatte. Der Anführer räusperte sich noch einmal, bevor er sich den beiden, die er wohl zum Raubüberfall auserwählt hatte, zuwandte und begann zu sprechen.
"Stopp..." doch er hatte noch gar nicht richtig begonnen als er schon wieder von den anderen unterbrochen wurde.
"Keine Drohungen... Gewalt ist keine Lösung."
"Klappe... und nun zu euch beiden." Der erste nun wirklich aufmerksame Blick galt wohl der jungen Frau, denn dem merkwürdigen Typen blieb zu erst einmal der Mund offen stehen und ein Sabberfaden tropfte ihm aus dem Mund, bevor er sich wieder fing.
"Anhalten und Passierschein A38 bitte. Diese Brücke befindet sich im offiziellen Besitz der Scavengerbande und darf nur mit Genehmigung oder nach Entrichtung von 20 Goldstücken überquert werden."
Nun war es wirklich mit der Fassung Andrahirs geschehen und bevor er noch losprustete, zog er ein Stück Fuchsschweif aus der Tasche und kitzelte damit Cécilia an der Nase.
Last edited by Andrahir; 11.03.2012 at 00:39.
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