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02.09.2011 22:35
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And so it beginns - RPG Thread # 01
#1
Kochlöffelschwingerin
 Temerien im Jahre 1398. Eine spätsommerliche Brise weht sanft über das Land. Soweit das Auge reicht erstrecken sich goldene Ähren auf reifen Feldern. Vögel fliegend laut zwitschernd am blauen Himmel und jagen bunt schimmernde Libellen. Der Vogelgesang vermischt sich mit den langsamen Hufschlägen zweier Pferde, die gleichmäßig im Schritt die Straße entlang kommen. Die Pferde sind von anmutiger Statur. Ihre geflochtenen Mähnen schwingen im Takt während sie ihre Reiter mit stolz erhobenen Köpfen tragen. Das blutige rot der am Horizont versinkenden Sonne spiegelt sich in voller Pracht auf der gewienerten Oberfläche des verzierten Brustpanzers, den der vordere Reiter trägt. Den prunkvollen Helm ziert ein blauer Federkamm, das Visier ist hochgestellt. Der Ritter dreht sich steif im Sattel und blickt zurück.
„Komm Brecht. Komm an meine Seite, wir wollen ein wenig plaudern.“
Der hintere Reiter schließt zu seinem Vordermann auf. Seine graubraune Kleidung und das vollbepackte Pferd lassen deutlich seine Stellung erkennen. Ein Knappe. Noch jung und voller Tatendrang träumt er davon eines Tages selbst in einer schimmernden Rüstung Ruhm und Ehre zu erlangen.
„Ruhm und Ehre“ beginnt der Ritter seinen Monolog und schirmt die Augen mit einer Hand gegen die Sonne ab. „Ruhm und Ehre sind schon lange nicht mehr die steten Begleiter eines Ritters, mein Junge.“
Brecht schweigt. Er kennt seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist das Zuhören. Das Aufsaugen der Weisheiten, die sein Herr Tag für Tag erdenkt.
„Es gab Zeiten“ fährt der Edelmann fort, „in denen das Wort eines Ritters noch etwas galt. Die Welt ist im Wandel heißt es. Sie bereite sich auf das neue Jahrhundert vor. Doch ich sage dir jetzt wie es ist, Brecht. Hör’ gut zu, denn du wirst noch oft an diese Worte denken.“
Brecht hebt den Kopf und sieht dem Ritter ins Gesicht. Seine gebräunte Haut ist ledrig und von Falten überzogen. Der prächtige Schnurrbart zittert jedes Mal leicht im Zuge der ausgeatmeten Luft. Der leichte Wind spielt mit dem fransigen Federkamm auf dem Helm und das Abendrot spiegelt sich leuchtend in den trüben Augen des alten Mannes. Als würden sie selbst in Flammen stehen. Es stimmt.
Urplötzlich durchschneidet das Geräusch von surrenden Sehnen und schwirrenden Pfeilen die Luft. Krachend schlagen zwei Geschosse beinahe zeitgleich in den schimmernden Brustpanzer ein. Der Mund des Edelmannes klappt auf und entlädt Verblüffung und Schmerz in einem stummen Schrei. Rinnsaale von Blut bilden sich dort, wo die Pfeile die Rüstung durchschlagen haben. Ein dritter und ein viertel Pfeil rasen heran. Brechts Pferd wiehert schrill als es getroffen zu Boden geht. Das andere Geschoss trifft den alten Ritter zwischen die Rippen. Eine Gruppe von bunt zusammen gewürfelten Räubern johlt und tanzt in dem Feld von goldenem Weizen als Brechts Herr langsam aus dem Sattel gleitet und schwer auf den Boden aufschlägt. Sein Pferd bäumt sich auf und schreit panisch.
„Sieh an“ schreit ein besonders hässlicher Räuber aus dem Feld. „Was ist uns denn heute in die Falle gegangen?“ Die anderen lachen und schreien noch lauter, während sie aus dem Feld schreiten und mit ihren Waffen fuchteln.
Brecht stürzt zu seinem Herrn und schiebt ihm eine Hand unter den behelmten Kopf. Er will etwas sagen, doch seine Kehle ist wie zugeschnürt. Er spürt wie ihm heiße Tränen über die Wangen rinnen.
„Flieh!“ krächzt der Ritter heiser. „Flieh Junge und sieh nicht zurück. Nimm Lasse. Er wird dich tragen...“
„Nein, Herr…“
„Nimm Lasse und reite! Geschwind! Er ist ein Geschenk. Ein Ritter lehnt keine Geschenke ab.“ Er hustet und spuckt Blut auf die staubige Straße, dann regt er sich nicht mehr. Die Banditen sind schon ganz nah.
„Seht! Was für ein hübsches Bürschchen!“ kreischt eine irre Frau, die nichts als Schuhe und einen Bogen trägt, auf dessen Sehne sie einen schwarz gefiederten Pfeil legt.
Brecht schluchzt. Sein alter Herr ist tot. Willkürlich ermordet von einer gemeinen Bande von Strauchdieben.
Die Welt war im Wandel.
Der Junge springt in den Sattel, gibt dem Hengst die Sporen und sprengt im wilden Galopp durch die auf ihn zukommende Meute. Er reitet. Ohne Ziel. Wut und Verzweiflung treiben ihn an. Weg. Nur weg von diesem Ort der Grausamkeit.
Stunden später sitzt Brecht im Wald in einer bemoosten Höhle. Den Wind kann man hier nicht spüren, aber die Vögel sind zu hören. Die Vögel singen, als wäre nichts geschehen. Er hasst die Vögel. Er hasst die Sonne. Er hasst die ganze Welt. Die Welt und ihren verfluchten Wandel.
Auf Brechts Schoß liegt ein in Leder gebundenes Buch. Er hatte es in einer der Satteltaschen gefunden. Es ist sehr dick und ebenso alt. Die Seiten sind vergilbt, der Einband spröde und rissig. Doch es ist eines der wenigen Gegenstände die Brecht vor der zerstörerischen Irrsinn der Banditen retten konnte. Er fährt mit der Hand über den trockenen Umschlag, schlägt ihn auf. Auf der ersten Seite prangen in elegant geschwungenen Buchstaben nur zwei Zeilen.
Im Nebel der Nördlichen Königreiche
Zusammengetragen von den Rittern des Ordens des Gleichgewichts.
Die zweite Seite ist dicht beschrieben. Ebenso wie fast alle folgenden Seiten. Brecht beginnt also zu lesen.
Dies sind die Geschichten besonderer Leute die in Zeiten der Verachtung ihren Weg zu gehen wussten und uns, so wir die Geschichten zusammentrugen, zu guter Tat und Ehre inspirierten und anleiteten. Geschichten von Söldnern, Anwälten mit Faible für (Halb)-Elfinen, Waldläufern und wunderschönen Frauen die im Schatten der Sonne für Ideale einsprangen und sei es nur so etwas Triviales wie die Liebe. Geschichten die es zu bewahren gilt, zu schützen und wiederaufleben zu lassen.
Unsere Aufzeichnungen beginnen 1273. Wisset, dass es schwere Zeiten waren, damals, so die Welt im Begriff des Wandels war.
Die Nördlichen Königreiche waren zerklüftet von den Spuren des Krieges. Witwen und Waisen, so es denn Überlebende gab, mussten Hunger leiden und froren. Die Catrionaseuche raffte die Bewohner der Nordlande zu tausenden dahin und was die Seuche nicht vermochte, dass nahmen die Menschen selbst in die Hand.
Fünf Jahre lang herrschte bereits der erzwungene Frieden zwischen dem Kaiserreich Nilfgaard und den nördlichen Königreichen, deren Grenze nun die Jaruga war. Fünf Jahre lang hetzten Menschen und
Anderlinge sich gegeneinander auf und niemand vermochte zu sagen, wie lange der Frieden noch halten würde. Die Menschen hassten die Nicht-Menschen, so schien es. Sie veranstalteten Pogrome und öffentliche Hinrichtungen in Massen. Gepfählte und aufs Rad geflochtene Anderlinge säumten die Straßen und Mauern der Städte. Denn jeder Nicht-Mensch galt als Verräter und Marodeur. Diskriminiert, in Anderlingsviertel gepfercht und bis auf den Tod verfolgt, entschieden sich die Elfen, Halb-Elfen und Zwerge zurück zu schlagen. Sie setzten sich zur Wehr gegen die Unterdrückung durch die tyrannischen Menschen. Mit Hilfe der berüchtigten Scoia’tael traten sie ebenso brutal und skrupellos für ihre Recht ein.
Die Zeit der Anderlingsaufstände war geboren. Die Zeit des Abschlachtens, eine Zeit der Verachtung.
Hier beginnt unsere erste Geschichte.
Temerien 1273. Es war Herbst und ein kalter Wind pfiff über die breite Straße…

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03.09.2011 07:18
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Cian, Redanien, Herbst 1273
#2
Ritter
Irgendwo an der Küste Redaniens, Herbst 1273
Ihr Haar war engelsgleich. Es glänzte wie gesponnenes Gold im Sonnenlicht und fiel in Wellen auf ihre Schultern. Nur ihr Lächeln übertraf diesen Anblick noch an Anmut und Schönheit.
„Du singst schön“, sagte sie,“ du verstehst also unsere Sprache!?“
Ich legte die Laute zur Seite und sah ihr in die Augen, die die Farbe von sanftem Wasser hatten.
„Ich danke dir! Ja, jetzt verstehe ich sie. Kannst du mir sagen, wo ich hier genau bin?“
„Du bist in Redanien, ganz in der Nähe der Stadt Blaviken“
Beide Namen sagten mir nichts. Mein Kopf schien vollkommen leer.
„Wer bist du und woher kommst du?“ fragte sie mich.
„Mein Name ist Cian und ich komme...“, ich stockte, aber die Leere in meinem Kopf blieb,“ ich komme von... einer grünen Insel, ich weiß den Namen nicht mehr... ich weiß nur noch, ich war mit einem Schiff unterwegs, aber nicht wohin. Es ging unter...“
Das Mädchen nickte wissend.
„Ja, das habe ich mir schon gedacht. Ich fand dich am Strand, zusammen mit dieser Kiste und anderen Überresten deines Schiffes. Du wurdest gezeichnet!“
„Gezeichnet?“
„Sieh her“, sie führte mich vor einem hohen Spiegel, so dass ich mich selbst darin sehen konnte. Ihre Hand spielte mit einer meiner Haarsträhnen. Sie war weiß wie Milch.
„Wen die Götter berühren, den zeichnen sie, siehst du?“
„Warum tun die Götter das?“
Das Mädchen hob kurz die Schultern. Eine unbewusste Geste der Unwissenheit.
„Das weiß keiner, Cian. Wir glauben, dass die Gezeichneten von den Göttern gesegnet sind; sie sind dazu auserwählt, den Willen der Götter kundzutun und zu erfüllen. Ich glaube, sie haben dich erwählt, weil du großes vollbringen sollst!“
Ich sah zu Boden. Ich und erwählt? Nein, gestraft traf es wohl eher. Ein Schauder erfasste mich und ließ mich frösteln.
„Was wirst du jetzt tun, Cian?“
„Ich weiß es nicht. Ich denke, ich sollte herausfinden, warum ich hier bin und was ich eigentlich hier wollte. Und dann will ich zurück nach Hause, wo immer das auch sein mag...“
„Dann solltest du zuerst einmal nach Wyzima gehen. Dort lebt ein guter Freund meiner Familie, der kann dir sicherlich weiter helfen. Er heißt Raimund und ist ein Detektiv. Wenn einer dir helfen kann, mehr über dich herauszufinden, dann er. Ich werde dafür sorgen, dass du eine Karte erhältst, damit du den rechten Weg findest und etwas Proviant für die Reise.“
Ein wohliges Gefühl der Dankbarkeit durchströmte mich, doch irgend etwas hielt mich davon ab, meinem ersten Impuls nachzugeben und das Mädchen zu umarmen.
„Ich danke dir,“ sagte ich stattdessen,“ doch sage mir, wie ist dein Name, damit ich weiß, wem ich gedankt habe?“
Sie lächelte überirdisch und berührte kurz meinen Arm.
„Die Menschen, die mich kennen, nennen mich Ithlinne. Du bist für Großes ausersehen, das sehe ich genau, Cian.“
Noch einmal berührte sie mich, strich ihre Hand zärtlich von meiner Schulter hinab zu meinen Fingern, wo sie kurz verharrte, bevor sie sich von mir abwandte und ohne einen Blick zurück das Haus verließ.
Ohne es zu ahnen war ich gerade ein weiteres Mal gezeichnet worden...
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03.09.2011 12:48
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Gvalch'cawedd, Temerien (nahe Wyzima); Herbst 1273
#3
Ehrengarde
Die Halbelfe ließ den Blick über die weit entfernte Landschaft schweifen. Über das silbrige Blau des Sees, das graue Wyzima, die braunen, verdreckten Palisaden und Hütten Alt-Wyzimas.
Über kleine Rauchsäulen, die von jenen aufstiegen und gen Himmel zogen.
Sie stand auf einem Hügel, am Seeufer nördlich der Sümpfe. Westlich Alt-Wyzimas.
Dem Knurren ihres Magens folgend blickte sie zu dem leeren Leinensack in der Nähe des ausgebrannten Lagerfeuers, dass sie letzten Abend noch gewärmt hatte. Sie seufzte, zog die Barettmütze zurecht, ergriff den Sack und wendete ihre Schritte dem Wald am Seeufer zu. In Richtung Stadt.
Ihr war es ein Leichtes. Sie sprang durch das Dikicht, dass sie, nun, nach über fünfeinhalb Jahren Leben in der Wildnis Rehen ernsthafte Konkurrenz hätte machen können.
Gelegentlich schaute sie auf die Straße. Nichts. Keine Menschenseele. Nur pfeilbespickte Körper von Menschen und Pferden, an einen Baum genagelt oder auf der offenen Straße liegend. Trotz der nicht geringen Anzahl an Leichen traf sie nicht auf einen einzigen Scoia'tael.
Das interessierte sie nicht. Das Einzige, was jetzt zählte, war es, in die Stadt zu kommen. Und danach wieder hinaus. Und das nicht mit leeren Händen.
So lief sie also durch das Dickicht, unter einem dichten Blätterdach, zwischen Bäumen und Büschen, über moosbewachsenen Stein und Wurzeln. Es war zur Routine geworden. Diese sah es aber nicht vor, in einen Elfen zu rennen.
Gvalch'cawedd rammte die Brust des plötzlich vor ihr auftauchenden Mannes, warf ihn aber nicht nieder, taumelte selbst zurück, und hielt nur mit Mühe das Gleichgewicht.
"Neén abb!" erklang seine Stimme. "Neén abb ór ea aespar aép arse!"
"Neén...ähm..." sie hob die Hände. Ihr Körper erfüllte sich mit Furcht. Ein zweiter Elf trat zum ersten. "Neén aespar...äh...eassea en Scoia'tael!"
"Ne! Esseath neén Scoia'tael!"
"Eassea en Scioa'tael!" Sie beruhigte sich, versuchte, so überzeugend wie möglich zu klingen. "Eas.."
"Thaesse! Thaesse! Esseath neén Scoia'tael."
Sie öffnete den Mund, wurde aber sofort unterbrochen.
"Thaesse!" Der Elf wandte sich dem zweiten hinzu. "W..."
Nun unterbrach sie ihn. Sie trat schnell zurück, wandte sich zum Wegrennen um, tat die ersten Schritte. Doch der Elf war nicht ungeschickt; Er packte den wehenden Zopf, zog sie an sich heran und ließ sie in das Laub auf dem Boden fallen.
"Neén abb ea diced!" schrie er nun mit zorniger Stimme. Sie stand auf, war dicht vor ihm. Der zweite Elf wollte schon etwas sagen, da passierte es. Noch während der Schreiende seinen Satz beendete, befand sich das dunkle Stilett in Gvalch'cawedds linker Hand. Sie stieß zu, ehe er auch nur die Waffe erblickte.
Das Stilett tief im Bauch trat er mit wackelndem Schritt zurück. Er wankte, stöhnte leise. Und fiel schließlich, bei seinem letzten Atemzug noch leise krächzend fluchend, gegen den Baumstamm hinter ihm.
Nun wurde das Gesicht des Zweiten rot vor Zorn.
"Dié! Dié seath d'yabelwedd!" Er riss das Schwert aus der Scheide. Sie auch. "Dié!" erklang seine Stimme nochmals.
Er schlug von unten rechts schräg nach oben, sie aber sprang zurück, tat selbst einen waagerechten Schlag von links nach rechts auf Brusthöhe. Er verdrehte das Handgelenk mit der noch vom Schlag nach oben gerichtete Waffe, parierte mit Mühe. Er konnte nicht zu einem zweiten Schlag ausholen. Mit dem Schwung des vorherigen Schlages hieb sie von oben rechts zu, der Elf parierte mit waagerecht gehaltener Klinge, sein Schwert beschrieb einen flachen Hieb geradewegs auf Gvalch'cawedds Hals zu. Sie sprang abermals zurück, er schlug nochmals zu, ebenfalls waagerechts, zu sich hin, gleich darauf folgte ein Schlag von oben links, wieder ins Leere. So ging es weiter. Er schlug zu, sie wich zurück oder parierte, sie schlug zu, er parierte. Schließlich aber gewann er die Oberhand und dränge sie zu dem Baum mit dem toten Elf auf den Wurzeln.
Sie war nur einem Schritt vom Baumstamm entfernt, neben ihr lag der tote Körper, vorher der noch lebende Elf. Nun stürzte er vor, versuchte sie aufzuspießen. Sie sprang zur Seite, stolperte fast über eine Wurzel, wirbelte herum und schnitt - durch reines Glück - den Elfen noch in der Bewegung über den Rücken.
Er heulte auf, rammte den Stamm. Knochen knirschten. Er drehte sich mit Mühe um, stand nun selbst mit dem Rücken zum Stamm. Aus Nase und Mund trat Blut. Die Halbelfe packte den Griff des Schwertes mit beiden Händen, richtete die Klingenspitze auf den Bauch ihres Gegners.
Sie stieß zu.
Der Elf, das Schwert im Bauch, öffnete den Mund zum Schrei, brachte jedoch keinen hervor. Er stand da, zur Hälfte auf die Knie gesunken, mit dem Säbel an den Baum genagelt. Er stöhnte vor Schmerzen. Gvalch'cawedd sah einen Moment lang dem Elfen ins Gesicht. Auf das gebrochene, blutbesudelte Gesicht. In die trüben, glasig werdenden Augen.
Sie packte den Griff des Säbels und zog ihn hinaus. Wieder umfasste sie ihn mit beiden Händen, hob das Schwert. Auf den Hals des leidenden Elfen gerichtet, der mühselig und stöhnend leicht den Kopf hob. Er erwartete den Schlag. Und er bekam ihn, den Schlag, der ihm den Kopf von den Schultern trennte.
Das Schwert glitt Gvalch'cawedd aus der Hand. Sie fiel keuchend auf die Knie. Trauer überkam sie unterwarteter Weise. Sie hatte schon oft gemordet, und bis auf diese zwei hatte sie nie Bedauern, nie Reue empfunden. Aber diesmal tat sie es.
Sie fiel zur Seite, mit der linken Körperseite auf den laubbedeckten Boden. Sie sah den mit dem Stilett im Bauch an. Und dann den Kopflosen Körper, der vor dem Stamm zusammengesunken war. Der wievielte war er?
Er war der Vierzehnte.
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03.09.2011 15:17
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Artorius: Riva; Gasthaus "Zum weinenden Emir"
#4
Auserwählter
Langsam erhob sich die Sonne über Riva.
Die Strahlen erwärmten die kalten und nassen Straßen und tauchte die Dächer in ein angenehmes Orange.
Nur das Gasthaus “zum weinenden Emir“ blieb im dunkeln. Obwohl selbst die Bezeichnung Bruchbude noch ein Kompliment wäre. Früher mal der gefragtest Ort im ganzen Anderlingsviertel, wurde es immer unbenutzter und leerer, seit das Wirsings eröffnete.
Einer der wenigen Gäste des “Gasthauses“ war Artorius. Ein alter General der seinen Frust ertränkt. Ganze 2 Tage und Nächte sitzt er nun schon an diesem Tisch und trinkt abgestandes Bier und verdünnten Wein.
Meist saß er allein da und trank. Ab und zu saß ein, in eine Kettenrüstung gekleideter, mit Krummschwert ausgerüster, Krieger. Keiner von beiden sagte was. Er trank während der Krieger schaute ob er lebte und dann wieder im gemieteten Zimmer verschwand.
Doch nun nach fast 3 Tagen des Trinkens wurde es dem Wirt zu viel, denn der Gast hatte noch nicht ein einziges Getränk bezahlt.
Er ging zum Tisch und sagte zu Artorius, „Hey. Du sitzt hier seit fast 3 Tagen und trinkst. Das ist zwar kein Problem, aber du hast noch nicht ein Bier bezahlt. Und wenn du dich zu Tode saufen willst, wonach das hier deutlich aussieht, dann bezahle endlich, sonst kannst du gleich gehen.“
„Soweit ich mich erinnere *HICK* sagt ich das ich zahle wenn ich gehe. Und........Und sehe ich aus als ob ich gehen will??“ antwortete Artorius leicht lallend ohne aufzublicken, „Also. Bewegen sie ihren Arsch wieder an die Theke und bringen sie mir noch ein Glas von dem Abwaschwasser das sie Bier nennen.“
Dem Wirt stieg die Wut ins Gesicht.
„Na wenn mein Bier nur Abwaschwasser ist dann trink es nicht, sondern bezahl und geh.“
„Schlechtes Bier und schlechter Service.“ *HICK* „Kein Wunder das, dass “Wirsings“ beliebter ist.“
Der Wirt, dem jetzt endgültig der Kracken geplatzt war, schlug Artorius das Bier aus der Hand und wollte ihm ins Gesicht schlagen, wurde jedoch in die Kniekehle getreten und hatte schnell ein Messer an der Kehle.
Der Schrecken stand dem Wirt im Gesicht, als Artus sich erhob und auf ihn zu kam.
„Ich glaub...“ begann Artus „Ich glaub ich gehe nun.“ Er griff an seinen Gürte und zückte einen kleinen Lederbeutel. „Hier. Das müsste reichen.“ Artus warf ihm den Beutel vor die Füße und ging.
Khamul steckte das Messer weg und folgte Artus nach draußen.
Von dort aus ging Artorius, so zielstrebig und aufrecht, wie sein Zustand es zuließ Richtung Gasthaus „Zum Gockel und Bullen“, das letzte Gasthaus wo er noch nicht Schulden hatte oder rausgeflogen war.
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03.09.2011 18:55
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Gvalch'cawedd, Temerien (nahe Wyzima); Herbst 1273
#6
Ehrengarde
Gvalch'cawedd hob leicht den Kopf. Sah sich um. Dann fiel ihr Blick auf die zwei toten Elfen. Sie ließ ihn wieder auf die Erde fallen, scherte sich nicht um den Schmerz in ihren Gliedern. So lag sie eine Zeit lang da. Auf dem Waldboden. Vor ihr zwei Tote. Der Dreizehnte und der Vierzehnte.
Wie viel Zeit war vergangen? Sie hob erneut den Kopf, sah in den Himmel.
Die Sonne stand auf ihrem Zenit. Sie hatte stundenlang geschlafen - oder war einfach nur bewusstlos gewesen.
Erneut ließ sie den Kopf auf den Boden zurückfallen und schloß die Augen. Ließ die Gedanken schweifen.
Der Dreizehnte. Und der Vierzehnte.
Sie schlief nicht wieder ein - oder wurde einfach nicht wieder bewusstlos.
Der Wald war still. Passend zum schweifen lassen von Gedanken.
Schließlich aber erhob sie sich, taumelte kurze Zeit schlaftrunken. Sie hob die Barettmütte vom Boden auf, klopfte die Erde vom Stoff. Danach von Hemd, Jacke, Hose, Handschuhe und Stiefel. Die Blätter und Erde, die an ihrer ganzen linken Gesichtshälfte und auf der Nase klebten, ignorierte sie. Sie nahm das blutbeschmierte Schwert in die Hand, musterte es eine Weile lang. Dann trat sie zum ersten Elfen und zog das Stilett aus seinem Bauch, und tat es wieder in die schmale, schwarze Scheide. Ebenso den Elfensäbel. Sie betrachtete nochmals die Leichen. Noch wollte sie sie fleddern, trat also näher an sie hinan.
Sie hatten keine Eichhörnchenschweife an ihrer Kleidung. Die Kleidung war auch nicht typisch elfisch.
Eine Weile lang schaute sie nur die beiden reglosen Körper an. Der Dreizehnte und der Vierzehnte also.
"Pavienn arses." kam ihr über die Lippen.Sie wandte sich um, wieder der Stadt zu. "Pavienn arses."
Sie sollte nun eigentlich in die Stadt. Sie brauchte Essen. Unbedingt. Aber nicht jetzt. Sie wollte jetzt einfach nicht. Gvalch'cawedd ließ den Blick über die hohe Palisade schweifen, die Alt-Wyzima umgab. Dann zum See. Sie atmete tief ein, dann wieder aus. Und lenkte ihre Schritte schließlich zum Ufer des Sees.
Sie schritt langsam durch das hohe Gras, neben dem Schilf am Seeufer umher. Eine öde, weite, menschenverlassene Fläche. Gedankenverloren strich sie am Ufer umher. Durchs hohe Gras, am Schilf vorbei.
Sämtliche Glieder schmerzten. Auch ihr Kopf. Sie seufzte, ließ die rechte Hand beim Vorbeigehen durch das Schilf wandern, genoß das gleichmäßige Rascheln.
Sie wusste nicht, wie lange sie gegangen war. Doch nun stand sie vor einem hölzernen, niedrigen Steg, der Meter hinaus auf den See führte. Die Halbelfe überlegte eine Weile, trat schließlich auf den dunklen, feuchten Steg. Das Holz unter ihren Stiefeln knarrte.
Sie erreichte das Ende des Stegs. Sah ihn das silbrig-blaue Wasser. Sah hinüber auf das andere, schilfbewachsene Ufer. Sah zu den Wäldern hinter dem Ufer.
Es war ein idyllischer Anblick. Nicht so idyllisch war, was Scioa'tael in jenen Wäldern mit Menschen zu tun pflegten.
Sie setzte sich. Ihr war heiß, trotz der Jahreszeit. Erneut seufzte sie, nahm dann die Jacke ab, zog die Hose bis über die Knie hoch und streifte die Stiefel ab, legte sie neben sich. Nun war ihr nichtmehr so heiß.
Eine Weile lang hockte sie da, die angewinkelten Beine mit den Armen umschlungen. Und wieder seufzte sie, sah in das silbrig-blaue Wasser. Sie senkte die hellen Füße langsam in das kühlende Nass. Es fühlte sich gut an, ließ den Schmerz vergessen. Nun saß sie in dieser Haltung eine Weile da, erhaschte gelegentlich einen Blick auf vorbeihuschende Schatten und Schemen von Fischen.
Sie wurde müde. Noch müder.
Die Beine fast bis zum Knie noch immer im Wasser, legte sie sich rücklings, den Kopf auf die gefaltenen Hände. Die gefaltenen Hände auf die grüne Filzjacke.
Sie sah in das Blau vom Himmel, vorbeiziehenden Wolken, kleinen und großen Vogelschwärmen.
Sie schlief ein.
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03.09.2011 20:21
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Harlequin: Wyzima; Händlerviertel, Marktplatz
#7
Justus-Jonas-Mode
Es war Herbst, und für den Herbst erstaunlich warm. Der Altweibersommer zog sich dieses Jahr lange hin und bescherte zumindest Wyzima und Umland angenehme Temperaturen.
Harlequin tauchte ein in den Wochenmarkt von Wyzima. Es war ein riesiger Platz, voll gestellt mit Buden, Ständen und Tischen. Es herrschte ein heilloses Durcheinander. Die Händler schrieen sich die Seele aus dem Leib um ihre überteuerten Waren anzupreisen, die engen Gänge waren von unzähligen Menschenmassen verstopft. Die Luft war geschwängert von einer Vielzahl sich überlagernder Düfte, die im Einzelnen vielleicht sogar gut rochen. So aber stank es gehörig. Herrenlose Hunde, Katzen und anderes Getier versuchten irgendwo etwas Essbares zu ergattern, woraufhin so mancher Marktschreier sein Gebrüll unterbrach um jenem dreisten Dieb eins hinter die Löffel zu geben.
Harlequin ließ sich von der Menge treiben. Er genoss die Unbeschwertheit, das Untergehen einer einzelnen Person in diesem Meer von Menschen. Seine langen Dreads hatte er zu einem wackligen Turm geknotet, das Oberteil der leichten Rüstung weit geöffnet. Trotzdem lief ihm der Schweiß in Strömen über den Körper.
Seit einigen Tagen war er in Wyzima. Yade hatte ihn begleitet, war aber meist von früh bis spät in eigenen Angelegenheiten unterwegs. Eigentlich hatte sie den Impuls gegeben, das Haus am Loc Eskalott zu verlassen. Harlequin hatte also zurzeit wenig zu tun, und es eilte ihn auch nicht sonderlich sich Arbeit zu suchen. So ließ er sich treiben – mit den Menschen und der Zeit.
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03.09.2011 21:36
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Gvalch'cawedd, Temerien (nahe/in Wyzima); Herbst 1273
#8
Ehrengarde
Eine Berührung ließ sie erwachen. Sie schrak auf, ihre Hand war schon am Säbelgriff neben ihr. Aber da war nichts. Sie setzte sich auf.
Ein Fisch musste es gewesen sein, dachte sie, wie üblich im Elfischen. Ein ganz normaler Fisch hat mich an der rechten Fußsohle berührt. Mehr nicht.
Plötzlich ersann sie sich, dass ihr Körper ab den Knien abwärts sich in eiskaltem Wasser befanden - und sich auch eiskalt einfühlten. Sie zog die Beine aus dem Wasser, langte nach den Stiefeln, ergriff das weiche Leder.
Sie stand auf, sah sich, die Stiefel immernoch in der Hand, um. Weder am Grau Wyzimas, noch am Braun des Ghettos hatte sich etwas geändert, auch nicht das silbrig-Blau des Sees, nicht das grün-gelbliche Schilf und Gras, nicht der dunkelgrüne Wald, in welchem Scoia'tael sich auf besagte nicht sehr idyllische Weise der Menschen annahmen.
Gvalch'cawedd streckte sich, rieb sich die Augen. Sie hob das rechte Bein und zog den Stiefel über den Fuß und das Unterbein, fast bishin zu den Knien. Beim linken wiederholte sie die Prozedur.
Ein letztes Mal ließ sie den Blick über den See schweifen. Dann richtete sie den Blick gen Himmel, sah, dass die Sonne sich schon im Westen befand, bald untergehen würde.
Noch einmal streckte sie sich, und ergriff diesmal die Jacke und Barettmütze, danach den Säbel und das Stilett.
Wieder in voller Montur setzte sie sich in Richtung Wyzima in Bewegung.
Es war still. Immernoch. Einzig das Rascheln des Schilfs, durch das Gvalch'cawedd mit der linken Hand fuhr, unterbrach die Stille.
Ein Knurren ertönte. Ein bedrohliches Knurren.
Jajaja, redete die Halbelfe in Gedanken auf ihren Bauch ein. Klappe halten und durchhalten.
Abermals erhoben sich die braunen Palisaden Alt-Wyzimas über ihr. Sie atmete scharf aus, und ging die Palisade nach Süden ab. Stets begleitete sie Lärm und Geschrei von der anderen Seite.
Ein Lächeln umspielte ihre grauen Lippen, als sie schließlich das, scheinbar immernoch unentdeckte, Loch in der Palisade sah. Sie duckte sich, hielt die Mütze fest. Holzsplitter bohrten sich in die Filzjacke.
Und, endlich in Alt-Wyzima, hatte sie allen Grund sich zu erschrecken.
Und um ihr Leben zu bangen.
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04.09.2011 01:28
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Lyrien und Rivien, Vor/in Riva. Herbst 1273, 8. November
#9
Schwertmeister
Da war er nun, mitten in der Nacht, vor den Stadttoren Rivas. Für seine Reise, von Mahakam bis hierher, brauchte er 2 Tage. Eine kurze Rast machte Ferdinant im Schatten des Karbon Berges. Danach zog er den Fluss entlang der in den Loc Eskalott mündete. Falls das überhaupt stimmt, schließlich denke ich mir das der Loc Eskalott durch den Seitenarm der Jaruga entstand. Ob das wiederum stimmt weiß ich auch nicht, war ja schließlich nicht dabei als die Welt entstand, besser gesagt war ich nicht dabei als die Jaruga einen Seitenarm bildete dachte er und Grinste. Aber das war für ihn im Moment egal denn endlich war er in Riva angekommen, die Stadt war zwar nicht das Ziel seiner Reise aber immerhin konnte er hier ein paar Tage Pause machen und später weiterziehen. Außerdem wollte er, nach dem kurzen Besuch in seiner Kindheit, sich die Stadt ein wenig ansehen. Als er noch in Lyria lebte sagte man, dass Königin Mewe hier ein Schloss hat, in welchem sie während der Wintermonate lebt. Weshalb sie überhaupt im Winter lieber hier Wohnte anstatt in Lyria wusste er allerdings nicht. Das Schloss konnte man schon sehen, es ragte sogar über die Stadtmauer. Er, Ferdinant, ein einfacher Söldner würde es jedoch sowieso nicht besichtigen können. Also musste er sich mit den anderen Vierteln zufrieden geben. "Na dann geselle ich mich mal du den beiden Stadtwachen dort vorne die das, vor wenigen Sekunden noch offene Tor, bewachen." Murmelte er, denn als er gerade in Gedanken war, hörte er nicht wie eine der beiden Wachen befahl das Tor zu schließen. Ferdinant ging nun langsam mit seinem Schild auf dem Rücken, der Kapuze tief im Gesicht gezogen, seinem Kurzschwert in der Scheide, die ungespannte Armbrust in der Linken und dem Wanderstab in der rechten auf das Stadttor zu. Ja der Wanderstab hat mir das Reisen wirklich ein wenig leichter gemacht dachte er während die Torwachen ihn schon erblickt hatten. Dann blieb er kurz stehen und schüttelte den Kopf. Wanderstab?! Was bei den Fanatikern des Ewigen Feuers habe ich gerade gedacht? Ich meinte doch meinen Speer, auch wenn ich ihn manchmal wirklich als "Wanderstab" missbrauche. Ich sollte wohl schnell etwas Essen gehen bevor ich noch komische Sachen mache.
"Wen haben wir denn hier?!" Fragte die eine Stadtwache als Ferdinant vor dem Tor stand. Man konnte einen unverwechselbaren Akzent aus dem Wächter heraushören, nämlich den berüchtigten Rivianischen Akzent.
"Hey Fremder, er hat dich was gefragt!" sagte die andere Wache die anscheinend deutlich Jünger war als die erste.
"Nur ein Wanderer der auf dem weg nach Lyria ist und hier eine kurze Pause von…" er dachte kurz nach "zwei bis drei Tagen einlegen will." Sagte Ferdinant, er wusste das er log, vor allem log er ziemlich schlecht, aber darin war er sowieso noch nie gut.
Die beiden Stadtwachen musterten ihn, er sah nicht gerade wie ein einfacher Wanderer aus in seiner Montur, und der Ältere Wächter, der eine kleine Narbe an der Lippe hatte, sagte "Siehst mir aber nicht nach einem "einfachen Wanderer" aus" Wobei er die Wörter "einfacher Wanderer" besonders spottend betont hat.
"Also sag uns lieber sofort wer du bist, und erzähl hier nicht weiter Lügengeschichten! Du siehst mir nämlich mehr nach nem Soldaten oder Deserteur aus, als nach einem Wanderer."
Die Stadtwachen schauten sich schon kurz in die Augen und ihre Finger klammerten sich ein wenig Härter um die Hellebarden, die sie in ihren Händen trugen. Man sind die unentspannt dachte er, aber er konnte den Wachen nicht wirklich einen Vorwurf machen schließlich war er ja selbst immer Wachsam und auf, fast, alles gefasst.
"Okay. Ihr wollt die Wahrheit hören was?" Fragte er, und die beiden Torwachen nickten Synchron.
"Ich bin Söldner, der Rest, also das mit Pause machen und so weiter, stimmt" Die Umklammerung der Hellebarden ließ ein wenig nach als sie hörten das er Söldner ist, aber richtig glauben wollten sie es noch nicht wie es aussah.
"Ein Söldner also?" Fragte der Jüngere der beiden. Ferdinant nickte einfach nur, ihm war dieses Fragespielchen langsam leid.
"Und woher hast du den Temerischen Schild?" Sagte eine Fremde Stimme die grade dazu kam.
"Herr Hauptmann!" Sagten die beiden Wachen und nahmen Haltung an. Der angesprochene Söldner drehte sich nach rechts, aus der Richtung kam die Stimme des Hauptmanns, um. Dort war ein kleiner Seiteneingang aus dem der Hauptmann der Stadtwache vor ein paar Sekunden herauskam. Der Hauptmann, dessen Gesicht man gut erkennen konnte weil er keinen Helm trug, war ein Mann um die dreißig, also noch relativ Jung für seinen Posten, der einen Kriegerbart, Jägerbart nannte man den Bart auch, trug. Er hatte braune Mittellange Haare, schmale Augenbrauen und eine weder zu große noch zu kleine Nase. Der Hauptmann trug die übliche Rüstung der Stadtwachen, also ein Kettenhemd mit Wappenrock auf welchem das Wappen des Königreiches Lyrien und Rivien zu sehen war. Dieser Hauptmann trug zwar nur ein einfaches Kettenhemd, dafür war er jedoch mit einem Zweihandschwert bewaffnet, das hieß das er viel kraft haben musste um so einen Zweihänder auch führen zu können. Ferdinant stütze die Armbrust, die langsam aber sicher doch ein wenig schwer wurde, an seine linke Schulter so, dass der linke Arm jetzt Angewinkelt war, dadurch konnte er seinem Arm die last ein wenig angenehmer machen.
"Ich fragte woher du das Schild mit dem Temerischen Wappen hast?!" Fragte der Hauptmann noch einmal mit einem bedrohlichem unterton. Der Söldner blieb ihm eine Antwort schuldig, doch noch sagte er nichts. Der rechte Arm des Hauptmanns fuhr langsam zu seinem Rücken an dem das Schwert befestigt war. Will mir heute wirklich jeder den Kopf von den Schultern trennen? Dachte der Schmiedesohn und seufzte.
"Den Schild habe ich noch aus meinen Zeiten als Stadtwache von Wyzima." sagte Ferdinant ein wenig genervt.
"Du warst mal bei der Stadtwache von Wyzima?" Fragte der Hauptmann. "Warum sollte ich deinen Worten glauben schenken?"
"Warum solltest du mir nicht glauben?" Kam von Ferdinant die Gegenfrage.
"Dafür gibt es eigentlich genug Gründe, allerdings kann ich auch nicht Beweisen das du kein Mitglied der Stadtwache von Wyzima warst. Deshalb darfst du auch in die Stadt, aber wenn du dir irgendwas zu schulden kommen lässt fliegst du, im besten Fall, aus der Stadt. Im schlimmsten Fall baumelst du am Galgen!" drohte er im ernsten Tonfall, doch dann grinste er nahm die Hand von seinem Schwertgriff und reichte sie dem Söldner. "Nur ein kleiner scherz, willkommen in Riva Söldner"
Der Söldner ergriff die Hand und schüttelte sie kräftig. "Ferdinant heiße ich übrigens, nur damit ihr es wisst." Sprach er. "Wie ist euer Name?"
"Mhm" Der Hauptmann sah ihn ein wenig Misstrauisch an. "Mein Name geht euch eigentlich nichts an aber ich werde ihn euch trotzdem sagen. Rodrik." Die Hände lösten sich voneinander und Rodrik drehte Ferdinant den Rücken zu und ging Richtung Seiteneingang. Als er kurz vor dem Eingang war blieb er noch mal kurz stehen und blickte über die Schulter zu dem Söldner. "Das mit dem Galgen gilt trotzdem, also würde ich, wenn ich du wäre, Niemanden hier die Kehle durchschneiden." Sprach er, weder mit einem bedrohlich noch drohenden unterton, und winkte Ferdinant hinterher ihm in die Stadt zu folgen weil sie mitten in der Nacht nicht mehr das große Tor aufmachen würden, erzählte Rodrik ihm. Der einäugige Söldner folgte ihm, ging durch den, von zwei Fackeln erhellten, relativ kurzen Durchgang, und stand nun mit beiden Beinen in Riva.
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04.09.2011 11:05
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Lyrien, Herbst 1273
#10
Ehrengarde
Am nächsten Morgen holte Daralon etwas Proviant für die Reise zum Aufstocken! Er ging mitten in der Markt und suchte aus, was man am besten satt machen konnte!
Er nahm säckchenweise Birnen und Trauben, vom menschlichen Obsthändler auf bäuerlicher Art, denn der Riese wusste, dass man mit einem Edlen nichts viel anfangen konnte als einem Bauer, fragte nicht danach um zu bezahlen sondern er wartete! Bis der Obsthändler seine Ware sah und um einen geschätzten Wucherpreis aushandeln würde...
Daralon fixierte ihn Auge ums Auge, doch dem Händler knickte sich seinem Willen ein: "Bah, was hast du für Augenrisse... sag schon?!"
"Ich kaufe diesen Obst mit eínem richtigen Preis!" antwortete er tief und bestimmt, ohne dass er die Fixierung unterbricht
Der Händler erkannte nun, dass er völlig andere Akzent sprach als sonst so gehört hatte, er wollte nicht dass er den Dummen spielt fragte er trotz die gefährliche Unbeholfenheit nach von wo er stammte!
"Wo kommen sie her! Welcher Akzent ist das denn?! Das ist nicht mal rivianisch und sogar auch nicht zwergisch! Für einen Elfen bist du zu tief, wenn ich das mal annehme! Ich tippe auf nilfgaardisch"
Der Riese antwortete nicht weiterhin und bezahlt die Kosten in Florin, doch der Händler nahm eine Waage heraus und maß an die Gewichtseinheit der einzigen Florin und einem Dublon!
Doch der Dublon war ein zehntel schwerer als einem Florin der aus reinem Silber besteht und nicht Gold und musste Daralon einen 2. Florin drauf zahlen, ohne dem Bauern zu fragen!
Doch derjenige freute sich wie hoch könnte man mit einem Währungswechsel wert sein!
"Das macht ... hmm hmm (zählt mit Fingern) äh pro Birne 2 Dublonen und Traube 3 Dublonen! Äh zusammen... zeig mir den Säckel ich hab allen hinein gestopft, eins, zwei, drei, vier, fünf Birnen und drei Trauben! 10 Dublonen plus äh 9 Dublonen plus steuerlichen Entgelt hmm 22 Dublonen..."
Der dunkle Riese sagte nichts und zahlt mit 44 Florin ein! Der Bauer traute in seinem Augen nicht wie groß seinem Säckel Florins er eingesammelt hatte und wollte überdenken ob er doch das doppelte für die Steuern abziehen will, wagte aber dennoch nicht!
Ja als er ging wurde der Bauer reich! 44 Florins umfasst 488,88 Orens!
Doch dem Riesen waren die Kosten völlig egal, wichtig war ihm die Kunst des Kampfes einzuweihen und nicht als Geschäftsmann, es gedachte ihm auch dass er dem Bauern eine Freude machen konnte!
Seine Reise führte wieder weiter Nordwärts mit vollem Proviant in Richtung Mahakam oder Aerdirn! Das Schicksal werde ihm bald zeigen!
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04.09.2011 12:54
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Gvalch'cawedd, Temerien (Wyzima); Herbst 1273
#11
Ehrengarde
Ja, Gvalch'cawedd hatte wahrlich Grund, um ihr Leben zu bangen.
Und um ihre Unschuld.
Sie reckte Kopf und Hals zurück, presste sich gegen die Palisade. Wolle die Berührung zu der auf sie gerichtete Schwertspitze verhindern.
Vor ihr stand ein Mann, flankiert von zwei weiteren. Alle drei besaßen rote Wämser, darauf, inmitten einer goldenen Flamme, prangten jeweils eine Rose.
"Haltet's des Weib fest." erklang die raue Stimme des Mittleren.
"Bevor wir die Elfenschlampe abstech'n, woll' wir unsern Spass hab'n!"
"Neén, dh'oine. En esse ioúr deireadh." sagte sie mit drohendem Ton. Und fluchte dann im Inneren, hatte sie doch die Ältere Rede benutzt.
Die Männer lachten. Es war ein beängstigendes, grausames Lachen.
"Ich weiß zwar nicht, was du da 'tsagt hast," der Mittlere spuckte aus. Ein Grinsen umspielte seine Lippen. "Aber es wird dir nicht helfen."
Die beiden Männer von den Seiten des Mittleren kamen näher.
Alle drei waren ausgesprochen dumm. Sie konzentrierte sich in der kurzen Zeit, in der die zwei Männer zu ihr schritten. Sie sammelte Kraft für das Bevorstehende.
Etwas Dunkles blitzte auf, flog durch die Luft, und traf die Blüte der Rose auf dem Wams des rechten Mannes, dann blitzte etwas weitaus Größeres auf, fuhr über die Brust des überraschten linken Mannes. Der Mittlere starrte die Halbelfe, die beide Hände um den Griff des erhobenen Säbels gelegt hatte, ungläubig an.
"En esse ioúr deireadh, arse." wiederholte sie mit melodischer Stimme. Sie sprang vor, hieb nach dem Mann. Er wich aus, das Gesicht vor Wut und Zorn verzerrt, riss das Schwert aus der Scheide, schlug nach ihrem Rücken, sie drehte sich um, parierte im letzten Augenblick.
Es schien, als wiederhole sich der Kampf mit dem Elfen im Wald. Er schlug zu, sie sprang zurück oder parierte, sie schlug zu, er parierte, er schlug zu, sie sprang zurück oder parierte, sie schlug zu, er parierte...
Stahl traf auf Stahl, als das verzierte Breitschwert des rot gekleideten Mannes auf die waagerecht gehaltene Klinge des Elfensäbels traf. Er hob das Schwert, wieder schnellte die Klinge auf den Säbel zu.
Zu langsam.
Gvalch'cawedd trat zu, in den Schritt des Gegners, er heulte auf, trotz den harten Leders, dass das Allerheiligste des Mannes schütze.
Der Mann sank auf die Knie, stöhnte. Nun war sie es, die die Klinge erhob. Nun war sie es, die die Klinge sausend auf den Kopf des knienden Mannes zuschnellen würden ließ.
Zu langsam.
Sie hatte es nicht erwartet.
Er packte die Halbelfe beim Unterbein, sie fiel, er ergriff wieder das Breitschwert.
"Du hast's so g'wollt! Das werd' ich eb'n nachher meinen Spaß mit dir hab'n!"
Doch er schlug nicht zu. Er packte sie am Nacken, hob sie mit bärenähnlicher Kraft, warf sie gegen die nahe, hölzerne Hauswand.
Sie flog krachend mit dem Rücken gegen die Wand, fiel hart auf den Boden. Wieder ergriff er sie, warf sie wieder mit bärenähnlicher Kraft nun gegen die Palisade. Sie trat auf, heulte beim Schmerz, als ihr Gesicht auf das harte Holz traf, auf.
Nun trat er zu. Die schweren Stiefel trafen auf ihre Hüften. Sie windete sich vor Schmerz, drehte den Rücken unbewusst zur Palisade. Wieder trat er zu, diesmal in den Bauch, dass erneut der Rücken auf Holz traf,
Sie hob leicht den Kopf, sah die Beine des Mannes, den Oberkörper, sah in das rot angelaufene Gesicht. Nun, endlich hober die Waffe. Ließ die Klinge auf sie hinabschnellen.
Zu langsam.
Sie hob die linke Hand.
Die Klinge traf auf ihre Schulter.
Sie entfesselte die vorhin aufgesammelte Kraft, der Schwall Magie traf den Mann auf den Bauch, schleuderte ihn zurück, gegen jene Hauswand.
Ein Lächeln trat auf ihre Lippen. Aus Mund und Nase trat ihr Blut. Sie stand ächzend auf, tänzelte, behielt nur mühevoll das Gleichgewicht. Ihr Blick erfasste die Leichen. Dann den noch Lebenden, winselnden Mann am Boden. Sie ging zu ihm. Sah ihm ins Gesicht. Es war nicht mehr vor Wut und Zorn verzerrt. Nun war es kreidebleich, vor Überraschung und Schrecken verzerrt.
Vor Angst.
Die Halbelfe schaute in die trüben, glasigen Augen. Augen, die denen des enthaupteten Elfen glichen.
Sie stach zu. Mehrmals. Jedwede Kraft hatte ihren Körper schon verlassen, nur noch der Hass stach zu. Mehrmals. In Bauch Brust, Gesicht. Und schließlich hörte sie auf, warf das Schwert auf den Boden. Das Gesicht des Mannes war wieder rot geworden.
Gvlach'cawedd stützte sich gegen die Hauswand.
Und erbrach.
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05.09.2011 00:22
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ZixZax; irgendwo in Novigrad
#12
Drachentöter
Der Nachmittag in Novigrad war kaum auszuhalten, die Hitze stand regelrecht in den Straßen und jeder der es sich leisten konnte unterbrach seine Arbeit und suchte sich ein schattiges Plätzchen und ein kühles Bier. Kaum verwunderlich also, dass auch ZixZax nicht in den Straßen und Gassen der Stadt zu finden war.
Der Elf hatte sich unter einen großen Apfelbaum in einem kühlen Garten im Adligenviertel der Stadt gelegt, weitab von Lärm und Trubel der Menschen und so döste er vor sich hin und wartete auf die kühleren Abendstunden. Neben ihm lag ein Buch über die Minen Mahakams, das er sich aus der örtlichen Zwergenbank ausgeliehen hatte, doch er kam irgendwie nicht dazu es zu lesen.
Seine Gedanken schweiften ab:
"Was wohl die Stadtwache sagen würde, wenn sie mich so sähe; aber die sitzen jetzt bestimmt irgendwo im Schatten; aber wenn sich doch eine hierher vorbeiirren würde, wär ich dran; jetzt suchen sie mich schon wegen Betrugs beim Würfeln; mich!; als ob ich betrügen müsste; die Menschen sind einfach zu leicht zu durchschauen"
Er grinst. Ein Geräusch drang aus dem Haus am Rande des Gartens.
"Oder die Tochter des Adligen kommt wieder; na, aber die wird nicht die Wachen rufen; das wird wieder so enden, wie beim letzten Mal"
Er grinst wieder.
"Eine gelangweilte, wohlbehütete Adlige trifft auf einmal einen jungen gutaussehenden Elf in ihrem Garten; klingt fast wie aus einer Ballade der Menschen"
Seine Gedanken schweiften weiter ab, von den Töchtern von Kaufleuten und Balladen, hin zu seiner Heimat:
"Es scheint mir fast, als wärs gestern gewesen, dass wir ein eigenes Land bekommen haben, von den Menschen; naja in Menschenjahren ist das schon einiges her; wie es den Elfen dort wohl ergeht; es scheinen ja vor allem die reinen, alten Elfen aus den Bergen dorthin gegangen zu sein"
Seine Gedanken schwirren weiter um seine Heimat und die Vergangenheit.
"Ihr hätte es jetzt dort sicher gefallen; ein eigenes Land, nur für Elfen, ohne Menschen"
Er seufzt und große Trauer befiel ihn.
Gedanken über die Vergangenheit im Tal der Blumen überkamen ihn in letzter Zeit öfter, seit dem Ende des großen Krieges, seit Nilfgaard und die anderen Reiche den Elfen ihr Land zurückgegeben hatten.
Doch nun musste er sich davon losreisen. Der Tochter des Hausherrn wollte er, trotz des kleinen Abenteuers letzte Woche, heute nicht begegnen und der Herr selbst hätte ihn bestimmt vierteilen lassen.
Und so sprang er auf, nahm noch zwei der großen roten Äpfel mit und kletterte über die Gartenmauer auf die Straße.
Sein Weg führte ihn hinunter ans Meer und in die Anderlingbezirke, wo er sich am Abend noch verabredet hatte.
"Es wird Zeit zu gehen; ich hab mich hier schon viel zu lange aufgehalten und Aufträge und Geld sind auch rar geworden; vielleicht sollte ich nach Temerien gehen?; eigentlich hab ich genug von Novigrad und wenn die Hitze wieder weg ist, wird die Wache ja wieder gründlicher; ja!; ja Temerien ist ein gutes Ziel"
"Ob ich dann heute noch ausgehen sollte?; eigentlich hab ich keine große Lust; andererseits, wer weiß, wann ich wieder eine nette Elfin als Begleitung habe?"
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05.09.2011 01:54
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Riva, Gasthaus "Zum Gockel und Bullen"; Herbst 1273, 8. November
#13
Schwertmeister
Ferdinant musterte, nach dem betritt der Stadt durch das Seitentor, seine Umgebung. Rivas Teint war, anders als Wyzimas, wesentlich dunkler. Das lag wahrscheinlich daran das Riva nicht auf Elfenruinen erbaut wurde, zumindest Vermutete er das. Außerdem hatte das Pogrom vor fünf Jahren, das wo der berühmte Hexer Geralt von Riva angeblich starb, auch seine Narben hinterlassen. Er wollte gar nicht wissen wie das Anderlingviertel aussah.
"Ziemlich düster hier." Sagte Ferdinant mit nüchternem Tonfall zum Hauptmann der wenige Meter vor ihm stand.
"Ja, so ist Riva nun mal. Vor fünf Jahren sah es hier noch wesentlich besser aus. Außerdem hat die Stadt während dem Zweiten Nilfgaardkrieg auch noch einige Schäden erlitten." Antwortete Rodrik ihm. Er wusste zwar das Nilfgaard Riva eingenommen hat, genauso wie Das komplette Königreich Lyrien und Rivien und auch Aedirn, aber das die Stadt, damals, so großen Schaden nahm wusste er nicht. Der Söldner sah mit seinen Augen, von welchem nur noch das rechte etwas sah, nach links. Dort war, ungefähr zehn oder fünfzehn Meter weiter weg, schon das nächste Tor.
"Wo geht es denn da hin?" Fragte er den Hauptmann.
Dieser sah ebenfalls nach links. "Durch dieses Tor kommt man zum Anderlingviertel." Antwortete er Zähneknirschend und spucke auf den Boden. Mag wohl keine Anderlinge dachte Ferdinant als er das sah.
"Falls ihr dort hin wollt wisst ihr ja jetzt wo das Tor ist." Sagte er, immer noch ein wenig sauer.
"Kommt man nur durch das Tor zum Anderlingviertel?"
"Nein es gibt auch ein Tor mit Ausgang Richtung See, dort gibt es auch ein paar Fischerhütten aber nicht gerade viele. Das Anderlingviertel ist übrigens durch den See, den Stadtmauern und dem Schloss von Königin Mewe eingegrenzt. Aber Königin Mewe kommt sowieso fast nur in den Wintermonaten hierher." Erzählte er, wobei der letzte Satz von ihm ein wenig Enttäuschend klang.
"Und in welchem Viertel oder Bezirk sind wir jetzt? Ich nehme mal an im Händlerviertel oder?" Fragte Ferdinant.
"Wir nennen es den Markt und Börsenbezirk. Hier könnt ihr auch euer Geld gegen eine andere Währung tauschen. Im Osten des Schlosses stehen noch die Kaserne und die Lagerhäuser der Königin." Beantwortete Rodrik seine Frage.
"Wo leben eigentlich die einfachen Arbeiter? Ich denke mal nicht das die sich ein Haus in diesem Bezirk leis…."
"Die leben meistens im Anderlingviertel, das hätte euch aber klar sein dürfen" Unterbrach der Hauptmann ihn mitten im Satz, beantwortete aber auch seine Frage.
"Mhm." Brummte der Söldner nur noch, die meisten Fragen über die Stadt hatte der Hauptmann beantwortet.
Nach dem Gespräch gingen beide Richtung ein wenig die Straße entlang, Ferdinant immer noch mit seinem Speer in der rechten und seiner Leichten Armbrust in der linken die auch noch lässig an seiner Schulter lehnte. Nach ein paar Minuten standen sie vor dem Gasthaus "Zum Gockel und Bullen".
"Hier könnt ihr erstmal übernachten wenn ihr wollt." Sagte der Hauptmann und wollte schon gehen als der Söldner ihm ein "Wartet!" hinterher rief.
"Was ist denn jetzt noch?" Fragte Rodrik.
Der Einäugige nahm einen Zettel von der Anschlagtafel die vor dem Gasthaus stand, wie in fast jeder Stadt oder Dorf in dem er bisher war. Ferdinant, der zwar lesen konnte allerdings nicht sehr gut, versuchte die Wörter zu entziffern die auf dem Wisch standen.
"Händler wird vermisst… suchen jemanden der sich dem Fall an...nimmt. Wer an den Auftrag interes…siert ist soll sich bei Rodrik den…"
"… Hauptmann der Stadtwache melden." Vollendete Rodrik den Satz, in dem einige kurze Pausen vorkamen.
"Seit ihr denn daran interessiert?" Fragte Rodrik den Söldner.
Dieser jedoch kratzte sich nachdenklich am Kinn und Fragte. "Interessiert schon aber sagt mir warum habt ihr den Fall nicht selbst gelöst? So etwas passiert doch schon fast täglich und am Ende des Tages taucht dann meistens die Leiche auf. Wenn man die Leichen untersucht kommt man schon drauf wer ihn getötet hat, bei Gift war es die Ehefrau die er betrogen hat, bei Aufgeschlitzter Kehle ein Bandit oder Bandenmitglied und bei einer Leiche die man fast nicht mehr Identifizieren kann oder durch ungewöhnliche Todesursachen starb war es meistens ein Ungeheuer." Zählte Ferdinant auf, das waren zumindest die Ergebnisse die sich Vincent Meis immer aus den Untersuchungen herausreimte. Ob das immer stimmte war natürlich eine andere Frage.
"Wäre ja schön wenn wir eine Leiche hätten, denn bisher ist die vermisste Person wie vom Erdboden verschluckt." Sagte der Hauptmann.
"Wie viele Tage wird er denn schon vermisst?" Fragte der Söldner neugierig.
"Zwei Tage, wenn diese Nacht vorbei ist schon drei. Wir haben sein Haus zwar nach Hinweisen für sein plötzliches verschwinden untersucht jedoch nichts gefunden. Ihr könnt es euch gerne noch mal selbst Ansehen wenn ihr den Auftrag annehmen wollt. Sagt der Wache vor dem Haus einfach "Melis hupen" er wird es schon verstehen."
"Ich nehme den Auftrag gerne an aber... "Melis Hupen?!" Soll das eine Abkürzung für "Meliteles Riesenhupen" sein?" Hauptmann Rodrik nickte. "Wer kam denn auf DIE Idee?" Fragte der Söldner völlig verwirrt.
"Einer meiner Männer, nicht gerade der Hellste." Sagte der Hauptmann, legte seine rechte Hand auf die Stirn, schüttelte den Kopf und seufzte. "Sein Haus ist übrigens das dritte Haus rechts im Anderlingviertel wenn ihr von dem Tor aus rein kommt welches ihr gleich am Anfang gesehen habt. War mal ein Einstöckiges Haus, das obere Stockwerk ist allerdings während dem Pogrom vor fünf Jahren abgefackelt. Da wo der erste Stock war ist jetzt das Dach. Habt ihr sonst noch Fragen?" Fragte Rodrik nach seiner Ausschweifenden Erzählung.
"Habt ihr den Händler gekannt?"
"Ich? Nein mich treiben keine 7 Ghule in das Anderlingviertel!" Sagte der Hauptmann ein wenig empört über die Frage. "Aber die Anderlinge dort dürften ihn gut kennen, als er noch da war hat viel mit ihnen gehandelt, war ja auch einer der Einzigen Händler den sie dort hatten. Am besten fragt ihr jemanden im "Wirsings" oder im Nachbarhaus. Vielleicht habt ihr ja aber glück und ihr findet schon etwas beim durchsuchen seines Hauses. Na ja ihr werdet es ja sehen. Wenn ihr ihn findet kriegt ihr tausend Dublonen. Nur damit ihr es wisst.“ Erzählte der Hauptmann und wollte schon fast wieder gehen als Ferdinant fragte.
"Tausend Dublonen für einen einfachen Händler der auch noch im Anderlingviertel lebt?! Warum so eine hohe Belohnung?"
Der Hauptmann drehte sich noch einmal um und sagte "Weil schon die ganzen Anderlinge nach ihm Fragen. Wir haben uns gedacht das, wenn wir den Fall schnell Aufklären, die Anderlinge nicht mehr so einen Aufruhr machen. Schließlich wollen wir nicht, dass die Nicht-Menschen auch noch Revoltieren, so weit kommt’s noch" Sagte der Hauptmann zornig. "Deshalb die hohe Belohnung und jetzt lasst mich in Ruhe. Wenn ihr weitere Fragen habt kommt morgen zur Kaserne." Sprach der Hauptmann immer noch zornig, aber auch ein wenig genervt.
"Der lügt doch wie gedruckt." Murmelte Der Söldner, der einen neuen Auftrag hatte, in seinen nicht vorhandenen Bart. Ich sollte mir den hiesigen Hauptmann allerdings nicht zum Feind machen, ich habe keine lust am Galgen zu landen. Nun betrat er das Gasthaus. Alle Leute sahen kurz, wie es in jedem Gasthaus üblich war wenn ein neuer Besucher hereinstiefelte, nach ihm als er eintrat und aßen oder tranken wieder. Einige sprachen auch wieder mit ihren Tischnachbarn über Gerüchte und Sonstige Themen. Die Augen des Söldners suchten nach einem freien Tisch und sein funktionsfähiges Auge fand einen, neben dem Eingang rechts, genau in einer Ecke. Ferdinant ging an den anderen Tischen vorbei lehnte seinen Speer an die Wand neben ihm und legte seine Armbrust auf den linken Hocker, er setzte sich auf den rechten. Dadurch das er mit dem Rücken zur Wand saß hatte er auch einen guten Ausblick in den Schankraum. Auf der anderen Seite des Tisches waren zwar noch zwei Hocker frei aber er hoffte dass sie unbesetzt blieben. Der Schmiedesohn zog sich die Kapuze, die er schon den ganzen Tag trug, vom Gesicht so das jetzt jeder Gast im "Zum Gockel und Bullen" sehen konnte das er nur noch mit einem Auge sah. Nach ein paar Sekunden kam auch schon die Bedienung, ein hübsches Junges Mädchen grade mal Volljährig, und Fragte mit einer sanften Stimme, aus der man trotzdem den Rivischen Akzent heraus hörte, "Was hätten sie den gerne?"
"Einen Ignatiablütentee und einen Eintopf mit Extra viel Fleisch bitte" Beantwortete der angesprochene die Frage höflich.
"Kommt in ein paar Minuten werter Herr" Sagte die Bedienung und machte einen leichten knicks. So wartete er auf sein Essen, oder darauf dass sonst etwas passierte. Und es passierte tatsächlich etwas, ein ziemlich ungepflegter Kerl, der an einem der Mittleren Tische saß, mit Kurz geschorenem schwarzen Haar und einen Dreitagebart, knallte mit dem Kopf auf seinen Tisch und gab ein laut schnarchendes Geräusch von sich. Da hat mal wieder jemand etwas über den durst getrunken, ist ja nichts neues. Zum glück drink ich kein Alkohol, da kann mir so etwas nicht passieren dachte er und schmunzelte.
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05.09.2011 14:45
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Gvalch'cawedd, Temerien (Wyzima); Herbst 1273
#14
Ehrengarde
"Was war'n hier los?" fragte der Wächter, gebeugt über die Leiche des Zerstochenen an der Hauswand.
"Sicher so'ne Bande von Elfenbastarden." sagte ein Zweiter. Er spuckte aus und betrachtete die Leiche mit einem Loch in der Brust.
"Halt's die Klappe und schafft diese Leichen weg." befahl der Dritte rau, musterte das Loch in der Palisade. "Und macht dieses verdammte Loch da zu, nicht dass da solche scheiß Eichhörnchen reinkommen."
Gvalch'cawedd beobachtete die Gruppe, hockte im Schatten einer Hütte. Ihre Hand fuhr über den Leinensack am Gürtel. Er war fast leer, ihr Raubzug htte ihr praktisch nicht eingebracht. Und abgesehen davon war es zurzeit verdammt riskant, sich in Alt-Wyzima Nahrung zu beschaffen. Die Halbelfe hatte sich das anders vorgestellt.
Egal, sprach sie in Gedanken seufzend. Muss ich eben auf den Markt. Sie tätschelte den Geldbeutel. Es würde ansatzweise reichen.
Sie schlich zurück, zwischen den Häuserreihen. Die Wachen waren immernoch in Hörweite. Und jemand mit guten Augen würde sie ebenso sehen.
Sie kam nach wenigen Häusern unbemerkt auf eine Nebenstraße, folgte ihr bis zur breitesten. Den Unrat und die mürrisch dreinschauenden Elfen und Zwerge, die sich an die Wände der Häuser und Hütten lehnten, oder auf Bänden und Steinen saßen, ignorierte sie. Desöfteren lief ihr ein Huhn vor die Füße, einmal kam ein Hund bellend auf sie zu.
Nach Überwindung all dieser Widrigkeiten befand sie sich auf einer langen, breiten Straße. Sie war abgenutzt, der Pflasterstein hatte sich schon verfärbt, und in den Straßengräben lag so mancher Wagen oder Kadaver. Vor ihr lag das Tor. Sie gab sich einen Ruck, verdeckte mit den Haaren die spitzzulaufenden Ohren und schritt auf das Tor zu.
"Was willstn hier?" keifte ein an eine Hellebarde gelehnter Wachmann, der eben noch gedöst hatte.
"Ich...ähm..." antwortete sie mit nervösem Blick. "Bin...Bin eine Heilerin. Im Lazarett liegen, hm... schwer Verwundete, und ich...ich muss Salben und Arzneien holen. Es ist ganz dringend." Sie deutete dem Wächter gegenüber ein verführerisches Lächeln an.
"Wer's glaubt." Jemand stand plötzlich hinter ihr. "Bist sicher..."
"Sei still." fiel ihm der Wächter am Tor ins Wort, wandte sich dem Mädchen zu. "Kannst durchgehen Mädel. Aber mach ja keinen Ärger."
Gvalch'cawedd atmete erleichtert aus. "Dankte Euch." sagte sie nickend, warf noch einen Blick über die Schulter.
Vor ihr erstreckte sich der Deich von Wyzima. Es war wie in letzter Zeit nicht wesentlich viel los, trotzdem gab es reichlich Gebrüll, Geschrei und Gekeife. Auf Bänken am Steg vor dem Tor saßen einige Söldner und Arbeiter. Einige unterhielten sich, einige würfelten, drei spielten Karten. Und ein paar schwiegen und sahen die Halbelfe aus den Augenwinkeln an.
Hinter ihr war das Tor noch offen. Mehr als einige Schritt konnte sie nicht gehen.
Etwas kaltes packte sie am Nacken, hielt sie mit eisernem Griff fest. Etwas ebenso kaltes riss die Harre über ihrem rechten Ohr hoch, mit derartiger Gewalt, dass die Haarwurzeln fast nachgieben.
"Ich hab's mir gleich 'dacht!" rief der zweite Wachmann von vorhin. "Eine Elf'nschlampe is' sie!"
Jemand trat sie, sie fiel auf das harte Holz,gleich darauf bespuckte man sie. Die Gesellschaft vor dem Tor begann zu lachen.
Nun trat man sie wieder. mehrmals. Nach einer für Gvalch'cawedd der Ewigkeit gleichen Zeit von Tritten riss man sie wieder hoch. Sie sah in ein pockennarbiges, verschwitztes dreckiges Gesicht mit hellbraunem Schnurrbart. Wieder bespuckte man sie. Beschimpfte und beleidigte sie auf unflätigste Weise. Der Atem hatte einen stechend-süßlichen Geruch, stank nach Alkohol und schlechten Zähnen. Plötzlich füllte sie etwas Kaltes auf dem Bauch.
"'enug! rief der Mann, der sie vorhin noch durchließ. Sie konnte sich nicht zu ihm drehen. "Is' jetzt genug. Lass' Vincent noch was übrig!". Er lachte. Der mit dem eisigen Griff lachte. Die Söldner, Wächter und Arbeiter vor dem Tor lachten.
Das Kalte, das sie vorhin am Bauch berührt hatte, war weg. Jetzt aber presste man ihre Hände mit demselben Gruff hinter ihrem Rücken zusammen, ein anderer kalter Griff löste den am Nacken ab.. Man schob sie vor. In Richtung Tempelbezirkstor. In Richtung Kerker.
In Richtung Tod?
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05.09.2011 18:13
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Gvalch'cawedd, Temerien (Wyzima); Herbst 1273
#17
Ehrengarde
"Sososo..." erklang eine Stimme. Es war eine ruhige, aber immens bedrohlich klingende Stimme. "Und was hat sie getan?"
"Einen Händler hats ausg'raubt! Un niederg'schlag'n auch gleich, Herr Hauptmann!" antwortete der mit dem Schnurrbart.
"'enau! Und....sie hat...und sie hat drei vom Ord'n abstoch'n!" sagte der Andere.
"Aha. Einen Händler soll sie also niedergeschlagen, ausgeraubt und drei von den Rotröcken umgebracht haben?" erklang erneut die Stimme des Hauptmanns. "Habt ihr Beweise?"
"Beweise? Schaut Euch doch die Ohr'n an, Herr Hauptmann! Da sind Eure Beweise, verdammt!"
Gvalch'cawedd sah in dem Halbdunkel nichts. Doch der spärliche Kerzenschein ließ erkennen, dass sich des Hauptmanns Züge verhärtenden.
Der Wächter senkte den Kopf. "Entschuldigt, Herr Hauptmann. Natürlich haben wir die Beweise. Die Ohren und die Leichen. Ganz frisch!"
Der Hauptmann saß eine Weile schweigend da, sah ihn nur an. Dann stand er auf, trat zu der Halbelfe, die vor dem Gitter der Hauptzelle von einem dritten Wachmann festgehalten wurde. Er betrachtete die Ohren, dann sah er ihr in die Augen.
"Sehr spitz sehen die mir nicht aus." sagte er, während er sie musterte. "Und wie bitte soll dieses Mädchen vier Leute umgebracht haben?"
"Eine Hex' is' sie, ganz sicher!" entgegnete der Schnurrbartträger.
"Und so'n Elf'nschwert hat's g'habt! Und n' Stli...Stilt...n' Messer!" fügte der andere hinzu.
Der Hauptmann betrachtete noch einige Zeit eingibig das Gesicht der Halbelfe. Dann wandte er sich wieder zu dem verdreckten Tisch, an dem die zwei Wachen standen, um.
"Ich glaube noch nicht ganz, dass sie derartige Verbrechen begangen hat. Vincent, in die Zelle mit ihr. In einer Stunde soll sich der Folterknecht mit ihr befassen. Dann werden wir es erfahren. Und ihr zwei werdet wieder an eure Posten zurück. Und bringt mir nichtmehr jeden dahergelaufenen Nichtmenschen. Ach, und bevor ihr das tut, werdet ihr verdammten Rassistenschweine den Kerker säubern, die Gefangenen waschen, und jedwedes Ungeziefer und den Unrat wegräumen. Mit der bloßen Hand. Verstanden?"
Die zwei Rassistenschweine nickten.
"Gut. Wegreten."
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05.09.2011 22:51
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Butterblume - auf einer kleinen Lichtung in Temerien
#19
Kochlöffelschwingerin
Auf einer kleinen Waldlichtung Temeriens stand, als der Morgen graute, dicht am Wegesrand ein großer, reich verzierter Wagen, aus dem ein leises, gleichmäßiges Schnarchen drang. Im Inneren, gut geschützt vor dem feinen, lästigen Nieselregen, lagen in einem Bett auf Fellen und unter einer großen Anzahl von Decken begraben, Wori und seine Gehilfin Butterblume und schliefen einen tiefen, festen Schlaf.
In Zeiten wie diesen, war es eine äußerst komfortable Art zu reisen, an die sich die Zwergin jedoch schnell gewöhnt hatte. Die Geschäfte des Händlers liefen gut, seine Sonderanfertigungen verkauften sich bestens – mit einer hohen Gewinnspanne, versteht sich. Überall in den Ländern der Nördlichen Königreichen gab es Damen und Herren der gehobenen Gesellschaft, die für den kleinen Glanz, den die Produkte verströmten, tief in die Tasche griffen.
In der Hoffnung geeignete Abnehmer zu finden, führte sie nun ihr Weg nach Vizima.
Doch genug vom Tageswerk, noch drang das leise Schnarchen über die Lichtung.
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05.09.2011 23:31
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Wori Kovak zu Vilar, Östlich von Wyzima, Temerien, Herbst 1273
#20
Pixelschubser
Kleine Nebelschwaden pilgerten an diesem noch kalten Herbstmorgen gemächlich über die gut ausgebaute Straße die Herzogtum Ellandern und das Zwergenreich Mahakam mit Wyzima verband. Auch umschlung der Nebel die mächtigen uralten Bäume am Wegesrand, deren mit Moos bedeckten Stämme und Äste im Schein der aufgehenden Sonne saftig grün glänzten. Früher am Morgen hatte es geregnet. Ein Dichter würde eine solche Szene sicherlich inspirierend finden, aber die hier Reisenden kümmerte es herzlich wenig, wie malerisch der Wald sich zu zeigen pflegte.
Die Zeiten in denen Scheuweiber durch diese Wälder streiften waren sicherlich schon seit Jahrhunderten vorbei, aber es hieß es gäbe immer noch alte, geheimnisvolle Kreaturen die durch die Wälder streiften und des Nachts oder gar am helllichten Tag den unerfahrenen Reisenden überfielen und verschleppten. Fakt war, das es in diesem Gebiet des Waldes keine Halsabschneider und anderes Gesocks gab. Dies sollte Zeichen genug sein, die Geschichten und Sagen, bei benutzung der Straße ernst zu nehmen.
Aber wie auch immer, es war eine meist viel befahrene Route, auf der es in letzter Zeit zu keinen Zwischenfällen gekommen war.
Am Rastplatz der sich etwas abseits vom Wegesrand befand, der vielen Reisenden als letzter Übernachtungspunkt vor Wyzima diente, hatte eine kleine Gruppe Bewaffnteter des Ordens der Flammenrose und ein mächtiger von zwei Ochsen gezogener Wagen ihr Nachtlager aufgeschlagen. Der Wagen war riesig aus massiven Holz, welches allerdings durch aufwendige geschnitzte Verzierungen und blau roten Stoff etwas an anmutiger Eleganz gewann. Wiederkehrend war das Abbild einer goldenen Kreatur, welche in ihren Klauen eine Axt trug, auf rot blau geteilten Grund. An den Ecken des Wagens waren außerdem aufwendige, vergoldete Statuen in angebracht. Welche in prachtvollen Gewändern aber auch in vollen Plattenpanzern bekleidet waren. Rechts und Links prangte außerdem in aufwendigen Lettern VILAR. Jeder Tölpel verstand das sich in diesem Wagen wertvolle Waffen und Rüstungen befanden.
Leise unterhielten sich die drei Ritter an der Feuerstelle, während zwei Knappen damit beschäftigt waren einen Topf Wasser zu erhitzen und das Frühstück vorzubereiten.
Ein dritter Knappe war schon vor Sonnenaufgang im leichten Regen, gen Wyzima geritten, mit Instruktionen des Händlers. Dieser Händler pflegte eine Gewinnbringende Beziehung zu den direkten Untergebenen Rittern des temerischen Landesmeister. Schon so einige Geschäfte waren gemacht wurden und der Abschluss eines neuen, stand in der Ordensnierderlassung in der temerischen Hauptstadt bevor. Deshalb begleiteten den Händler von Ellander aus, diese kleine Abteilung Ordensleut, die die ehrenhafte Aufgabe hatten, die Interessen des Ordens zu wahren. Um genau zu sein bestand die ehrenhafte Aufgabe darin, die Waren und baldiges Eigentum des Ordens auf den Weg nach Wyzima mit ihrem Leben zu schützen. Bis jetzt war es nie zu einem nennenswerten Problem gekommen und so waren alle diesen Morgen froh, am Nachmittag ihr Ziel zu erreichen.
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