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Zum Blauen Reiher [Geschichten Thread] - #3

  1. #61 Reply With Quote
    Hobby Hochstapler  Sercil's Avatar
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    Jun 2006
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    Sie erreichten die Fabrik kurz vor Sonnenaufgang und umrundeten die Mauern eine Viertelstunde lang. Da in Mordrys Auftrag nur von einem Gefangenen die Rede war und Corvus keinen Grund hatte, sich auf einen so riskanten Plan einzulassen, suchten sie die Außenmauer nach Schwachstellen ab, über die er und Malkav hineingelängten. Es war eine massive rot-braune Backsteinmauer, nur durch insgesamt fünf hohe Wachtürme unterbrochen und doppelt so hoch wie die umliegenden Wohnhäuser. Kupferne Zinken an den Oberseiten machten es noch schwerer, darüberzuklettern. Drei gigantische Fabrikschornsteine im inneren Bereich überragten Mauern und Türme so weit, dass man sie von draußen sah. Sie stießen riesige Rauchwolken in den Himmel, als produzierte die Fabrik Gewitterfronten.
    Erst an der Westseite bot sich eine Gelegenheit: Ein größeres Gebäude im Innern mit unvergitterten Fenstern, dessen obere Fenster knapp über die Mauer reichten. Mordry suchte den Haupteingang allein und mit dem Inspektionsbefehl auf: Ein haushohes Fallgitter mit vier Hammeritenkriegern allein draußen. Trotz der Hitze, die durch das Fallgitter strömte, trugen sie ihre dicken Uniformen, Handschuhe und Hämmer. Ihre von den Dämpfen verfärbte und verrunzelte Haut konnte ihre freien Gesichter kaum mehr vom Leder der Uniformen abgrenzen. Das war das Markenzeichen der Wächter von St. Gutmans Feuerprobe.

    Corvus und Malkav zogen sich in den Hinterhof eines Wohnhauses unweit der gefundenen Fenster zurück. Zwischen den Häusern und diesen gewaltigen, rot-braunen Mauern fühlte man sich erdrückt. Sie überschatteten die Straße vom Sonnenaufgang im Osten. Ein Durcheinander aus Schlägen von Metall auf Metall drang dumpf durch die Mauer, welche weder den Lärm noch die Dämpfe aus dem Innern zurückhalten konnte. Über der Straße lag ein braun-schwarzer Nebel. Man glaubte, man könne ein Stück davon mit einem Messer herausschneiden. Es kratzte im Hals, fraß sich in alle Häuserwände und verbreitete stickigen, schwülen, schwefeldurchsetzten Dunst.

    »Viele der Häuser im Umfeld stehen leer oder werden fast verschenkt, sagt man sich. Wie unerträglich muss es erst drinnen sein?«, hustete Corvus.
    »Mhm«, summte Malkav zustimmend und ebenso abwesend. »Weck' mich, wenn's los geht, sonst halt die Klappe...«
    Er versuchte aus einer Regentonne zu trinken, spuckte die verdreckte Brühe aber sofort wieder aus. Selbst der Regen schaffte es offenbar nicht unvergiftet hinunter. Er legte sich in eine Ecke zwischen Tonne und Wohnhaus, versuchte zu schlafen und schreckte mehrmals von kleinen Geräuschen auf.

    Inzwischen hörte er Slyven überall oder sah ihn in den Augenwinkeln, selbst in einem stillen, menschenleeren Raum. Dafür sorgte die tagelang angesammelte Müdigkeit. Selbst hier wollte er nicht länger als eine halbe Stunde bleiben. Kein Schlupfwinkel blieb lange unentdeckt vor seinem Verfolger. Wenn Malkav in eins dieser Verstecke zurückkehrte, fand er Verwüstung, oft auch tote und verstümmelte Leute und Obdachlose. Es war, als beruhige sich der Choleriker einfach nicht.
    Bisher hatte Malkav gespürt, wenn ihn jemand beobachtete. Ständig fielen ihm unter Passanten Gesichter auf, die er zuvor an einem anderen Ort gesehen hatte, manchmal in unterschiedlicher Kleidung. Ob sie unauffällig wirkten oder nicht, er prägte sich aus Gewohnheit jedes Gesicht jedes Menschen ein, darum blieben Beschatter nie lange unentdeckt. Doch jetzt war das anders. Heute war es der dritte Morgen seit dem letzten Schlaf. Seitdem bewegte er sich fast pausenlos durch die Stadt, mied jeden Passanten, rannte durch Kanalisation und Wasserrohre, über niedrigere Dächer, in Heuwägen versteckt, betrat Mehrfamilienhäuser und verschwand zur Hintertür. Das Gefühl konnte er nicht abschütteln. Versuchte er in irgendeinem Versteck zu schlafen, dauerte es keine Stunde, bis Sly die errichteten Barrikaden niederriss und ihn zu einer Flucht mit Blasen und Stechen in den Füßen zwang. Er nutzte jede Pause, fürchtete sich jedoch einzuschlafen. Es war ein Ausdauer-Wettkampf, den Sly noch eine Woche weitertreiben konnte, er jedoch keinen weiteren Tag.

    Er schreckte auf. Corvus hatte ihn geweckt. Aus dem hohen Fenster, das über die hohe Mauer ragte, hing das Seil. Sie schleiften ihre Kleidung über die Backsteinmauer, um sie mit einer tarnenden rot-braunen Dreckschicht zu bedecken, ehe sie hinaufkletterten. Dass die Wachtürme oder die spärlichen Fußgänger sie nicht entdeckten, verdankten sie dem Nebel, dem Schatten der Westseite, den Dimensionen der Anlage und einer gewaltigen Portion Glück. Die lange Kletterei raubte beiden die Kräfte, doch Malkav fühlte sich inzwischen zu betäubt, um der tödlichen Höhe eine Regung entgegenzubringen. Bis das Adrenalin ihn aufweckte, zogen die anderen beiden ihn schon hinauf.

    »Sieht nicht gut aus«, sagte Mordry, der offenbar nicht weniger schwitzte, obwohl er gar nicht hatte klettern müssen. »Die Kerle sind vielleicht stur! Sie wollten mich erst nicht hier hereinlassen.«
    Sie befanden sich in einem der oberen Stockwerke eines Verwaltungsgebäudes, genauer im steinernen Treppenhaus davon. Unten, so sagte Mordry, befanden sich die Wachbaracken und eine Kapelle, über ihnen Büros und Privatgemächer der Höhergestellten. Eine Vielzahl von Hammerschlägen auf Metall drang durch die Wände und hallte im Treppenhaus wieder.
    »Verdammt heiß hier drin. Die Gefangenen sind scheinbar fast immer in der Arbeitshalle, im Innenhof sind einige Hammeriten. Es passt ihnen nicht, dass ich ihr "undurchdringbares Bollwerk" auf den Kopf stelle. Sie haben überall Alarmknöpfe, angeblich aber auch andere Möglichkeiten Alarm zu schlagen.«
    »Trillerpfeifen und Glocken, hm? Dann können wir uns die Generatoren wohl sparen...«, seufzte Corvus.
    »Wenn eine Schraube nicht an ihrem Platz liegt, laufen alle Amok. Schaden würde es nicht. Die Sonne dringt kaum durch diese Rauchwolke. Ohne die vielen Scheinwerfer wäre es stockduster, mit euren Dreckklamotten könntet ihr sogar eine Chance haben.«, bemerkte er. »Neben diesem Gebäude gibt es eine große Arbeitshalle, das Haus mit den Schornsteinen, dazwischen ein Verbindungsstück... und der Speisesaal und die Baracken der Gefangenen. Also insgesamt fünf größere Gebäude.«
    »Die Generatoren für Licht und Alarm müssen zwischen der Arbeitshalle und den Schornsteinen liegen, in diesem Verbindungsstück, vermutlich recht tief. Sie gewinnen Energie aus der überschüssigen Wärme.«, meinte Corvus. »Vielleicht erledige das besser ich. Wenn wir das falsche Stück sprengen, wird der Dampf nicht mehr durch die Schornsteine abgeführt. Dann ist nicht nur unser Fluchtweg zerstört, sondern alle werden vergast.«
    »Die Rauchschlote sind nicht weit entfernt.«, erklärte Mordry. »Man sagte mir, es dauert etwa eine Dreiviertelstunde zur Morgenpause, dann darf ich zu den Gefangenen in den Speisesaal. Bei den vielen Wachen habe ich wohl die besseren Karten, Mareju herauszuziehen und die Schornsteine hinauf zu bringen. Vorausgesetzt, du sorgst rechtzeitig für deine Ablenkung, Corvus.«
    »Dann übernehme ich die Schlote.«, sagte Malkav. »Ich brauche also nur die Zufuhr für zwei davon abzudrehen?«, frage er Corvus.
    »Ja, ZWEI. Dann wird alles über den dritten Schlot in die Luft gepumpt, sobald die Arbeiter weiterarbeiten. Die Ventilräder wirst du erkennen, wenn du ganz unten bist. Sobald die Arbeiter weitermachen, wird der Rauch über einen einzelnen Schornstein abgeleitet. Wenn das klappt, dann nur so...«
    »Es wird klappen. Wir beide und Mareju werden federleicht sein mit diesen Tränken.«, versicherte Malkav und rieb sich die Stirn. »Mir tun die ganzen Gefangenen hier leid... Gehen wir nochmal alles durch.«

    »Ich«, sagte Mordry, »muss erst noch ein Medaillon für meinen Kommandanten finden.«, die anderen beiden stöhnten. »Vielleicht ist es oben, ich weiß nicht. In einer Dreiviertelstunde läuten die Glocken zur Pause. Dann werde ich in den Speisesaal gehen und Mareju finden. Corvus, du musst bis dahin deine Minen platziert haben. Lass mir fünf Minuten nach dem Gong, dann zünde sie. In dem Chaos kann ich Mareju befreien und aus der Schussbahn ziehen, hoffentlich lange genug. Malkav, in der Zwischenzeit wirst du in das Gebäude der Rauchschlote heruntersteigen und zwei der drei abdrehen. Haltet euch versteckt, bis die Pause zuende ist, und sucht etwas, was ihr als Planen benutzen könnt. Wenn die Arbeiter weitermachen und der Rauch durch einen Schornstein tritt, trefft ihr euch mit Mareju möglichst weit oben bei den Schornsteinen. Vergesst die Tränke und Planen nicht. Danach... hofft ihr besser, dass das klappt.«
    »Wenn es soweit ist, haben wir sehr wenig Zeit, sonst stoppen sie die Arbeiter und damit den Rauch. Dann müssen wir schon draußen-«

    »Eindringlinge!«

    Die drei schraken alle überrascht auf, als am oberen Fuß der Treppe ein Hammerit aufgetaucht war. Der umgebende Lärm hatte seine Schritte vollkommen übertönt.
    Der riesige Mann zog seinen Streithammer, stürmte herunter und schwang ihn beidhändig in die Dreiergruppe, welche auseinander sprang. Die drei zogen ihre Waffen, doch die Treppe erschwerte das Ausweichen und ein Sturz übers Geländer wäre tödlich. Es gab wenig Raum, dem langen Streithammer auszuweichen.
    Ein heller Lichtblitz erhellte das Treppenhaus, eine von Corvus Blitzbomben. Der Hammerit rief ein wildes Durcheinander aus Beleidigungen und "Erbauer"n, kniff die Augen zu und schwang seinen Hammer blind umher, während er schnell tiefer stieg. Auch Malkav hielt sich das verbliebene Auge und tastete sich schnell das Geländer entlang herunter. Der Hammerkopf sauste nach seinem Schädel, verfehlte ihn knapp und schlug ein Loch in die Wand. Steinsplitter flogen.
    Corvus nahm den Hammeriten mit der Armbrust aufs Korn, wollte abdrücken... doch in diesem Moment stieß Malkav blind in ihn hinein. Der Bolzen peitschte gegen die Wand knapp hinter dem rasenden Hammeriten, der seine Sehkraft wiedererlangte. Ein zweiter Bolzen streifte nur seine dicke Lederrüstung. Corvus folgte den anderen beiden hinunter, zielte und schoss erneut. Er traf den Krieger im linken Oberschenkel, was diesen kaum zu bremsen schien. Rot wie seine Uniform jagte er sie weiter herunter, holte auf, schwang den Hammer nach Corvus. Dieser sprang davor zurück, stolperte über den Treppenabsatz und fiel mehrere Stufen nach unten. Den Hammer schwingend rannte der Hammerit hinterher, holte mit seiner Waffe aus, doch ehe er zuschlagen konnte, flog etwas zwischen ihn und sein Opfer. Ein weiterer Lichtblitz tauchte das Treppenhaus für eine Zehntelsekunde in blendendes Weiß. Der Hammerit blieb kurz erstarrt, ehe er seine Augen wieder öffnete. »Nochmal werde ich nicht auf euren schändlichen Trick...«, begann er noch, ehe er von einem Bolzen im linken Oberarm zurücktaumelte und brüllte. Corvus hatte im Liegen auf den Mann geschossen. Blind, denn nun kniff ER schmerzvoll die Augen zusammen.
    »Ah, verdammt, warnt mich doch mal!«, rief Malkav, welcher ebenfalls nicht mit Mordrys Bombe gerechnet hatte und sich erneut das verbliebene Auge zuhielt. Er riss den Verband vom rechten, unversehrten Auge, rannte wieder hinauf und zog Corvus weg, sodass der folgende Hammerschlag ihn knapp verfehlte und ein tiefes Loch in die Stufen schlug, auf denen Corvus vor einer Sekunde gelegen war.
    Der Hammerit riss sich wutschnaubend den Bolzen aus dem Oberarm, stierte die beiden Schwertträger und Corvus an, welcher seine Armbrust wieder aufspannte – und rannte wieder nach oben.
    »Brüder! Steht mir bei gegen diese-«, rief er dabei, bis ihn ein weiterer Bolzen im Rücken traf und ins Straucheln brachte. Ehe sie ihn einholten, wendete er sich um und warf ihnen den Hammer quer entgegen. Der Stiel der mächtigen Waffe warf alle drei zu Boden, während der Hammerit weiter nach oben humpelte. Corvus verschwendete keine Zeit aufzustehen, sondern schoss einen Bolzen. Der Mann fasste sich stöhnend die Seite und stürzte aufs Knie, lief jedoch weiter, während Mordry und Malkav aufholten. Als sie ihn einholten, schwang er sich um und schlug mit behandschuhter Faust nach ihnen. Mordry entging ihr, Malkav riss reflexartig den Unterarm davor hoch und flog fast über das Geländer. Mordry schlug mit dem Schwert zu und bekam gleichzeitig eine weitere Faust in die Rippen gerammt. Der Kopf des Hammeriten knallte gegen die Wand, als ein letzter Bolzen ihn links durch die Schläfe traf.

    Als der Hammerit mit aufgerissenen Augen und gequält eingefrorener Visage nach vorn starrte, erwarteten sie fast, dass er gleich wieder aufstand. Malkav rieb und schüttelte seinen schmerzenden Unterarm, Mordry hielt sich die Rippen.
    »Verdammt, St. Gutmans Hammeriten sind zäh! Der hätte uns alle drei plattgemacht! Wäre es nicht so laut hier, hätten wir nochmal fünfzig am Hals, oder hundert. Ich hab ihn gar nicht kommen hören...«, sagte Malkav.
    »Bei diesem Krach kein Wunder. Ein Vorteil und gleichzeitig ein Nachteil für uns. Wie viel Ausrüstung habt ihr noch?«
    Corvus meinte »Der kostete eine Menge Munition... ich hab noch zwei Blitzbomben.«
    »Ich hab keine mehr.«, sagte Mordry.
    »Gut so! Dämliche Dinger!«, schimpfte Malkav und zog sich den Verband zurück über das scheinbar unversehrte Auge, ohne etwas dazu zu sagen. »Ich hab noch eine. Und das Schwert und den Trank natürlich. Die behalte ich bei mir, bevor ihr sie mir wieder ins Gesicht werft. Eine kleine Warnung, ein vereinbartes Wort nächstes mal...«

    »Kümmert euch um die Leiche, ich mache diese Steinsplitter und das Blut mit meinen Wasserbolzen weg. Dann müssen wir los! Die Zeit läuft.«


    Sercil is offline Last edited by Sercil; 25.08.2011 at 13:14.

  2. #62 Reply With Quote
    Ritter Mordry's Avatar
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    ,,Alles klar, bewegt eure Ärsche!", sagte Mordry und rannte los, um das Medallion des Kommandanten zu finden. Die Leiche sollte besser an einem guten Ort versteckt sein oder am besten gleich in einem Burrick landen.
    Er musste sich mit dem Medallion beeilen. Er stieg eine Treppe hinauf, um zu sehen, ob das Medallion oben ist. Leider war dort oben noch mehr als Gemächer, dort war auch das Gemach eines Priesters. Wohl einer derjenigen, die die Fabrik leiteten. Mordry klopfte an die Tür.

    Die Tür öffnete sich und das anfängliche "ich bin ein Gläubiger"-Gesicht wandelte sich beim ersten Anblick des blauen Rocks in "du sollst verschwinden"-Gesicht um. Der Priester fragte:,, Was willst du hier?"
    Mordry antwortete nervös:,, Ich bin von der Stadtwache und habe den Auftrag, eine Inspektion vorzunehmen!"
    Der Priester grunste und ließ den Sinyae in seine Kammer aber nicht, ohne in pausenlos zu beobachten. Mordry durchsuchte die Schreibtische und warf einen Blick auf Papiere. Meisens Pläne über andere Fabriken, die Finanzen oder sonstiges. Eines war aber interessant, scheinbar war dort ein Bericht über eben jenes Medallion. Es wurde gestohlen, an dem Tag, an dem Mareju mitgenommen wurde. Der Hammerit sollte eigentlich auch das Medallion mitnehmen, leider wurde es von einem Taschendieb gestohlen. Die Hammeriten versuchten eine Neufertigung des Medallions zu machen, leider gab ihnen der Kommandant ein besonderes Symbol, was eingraviert werden sollte. Sie können das Symbol aber nicht mehr finden. Interessant.

    Mordry nahm den Zettel an sich und sagte:,, Das ist konfisziert, jetzt will ich die Fabrik selbst ansehen und zu den Gefangenen!"
    Der Priester motzte, schimpfte und schmiss Mordry dann raus. Der Sinyae hatte bereits viel zuviel Zeit verloren, er musste sich ranhalten.
    Mordry is offline

  3. #63 Reply With Quote
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    "Kümmert euch um die Leiche, ich mache diese Steinsplitter und das Blut mit meinen Wasserbolzen weg. Dann müssen wir los! Die Zeit läuft." befahl Corvus, daraufhin legte er den Wasserbolzen ein und schoss ihn auf die Blutlache ab. Das Blut verdünnte sich und wurde zusammen mit den Steinsplittern weggeschwemmt. Anschließend sammelte er den übrig gebliebenen Bolzen ein und ging die Treppe bis zum Erdgeschoss hinunter. Dort angekommen warf er einen kurzen Blick um die Ecke und schreckte zurück als er eine Wache bemerkte die in seine Richtung dem langen Gang entlang ging. Er musste sich irgendwo verstecken, aber die Gänge waren alle zu gut beleuchtet, deshalb rannte er wieder ein Stück die Treppe hinauf und versteckte sich dort, bis der Hammerit wieder umdrehte. Corvus warf hin - und wieder einen Blick auf den Gang bis er den Hammerit hinter einer Tür verschwinden sah.

    "Jetzt oder nie, irgendwo muss doch diese Kapelle sein, ich gehe ganz sicher nicht mit leeren Händen da raus" dachte sich Corvus während er den Gang entlang ging, bis er nach einiger Zeit vor einer beschilderten Tür stehenblieb: Kapelle, auserhalb der Gottesdienste bitte nicht stören. Corvus missachtete den Hinweis, da die Hammeriten nur Morgens und Abends ihre Gottesdienste abhielten, zu seinem Glück aber war der Gottesdienst sowieso schon längst vorbei. "Habt Ihr das Schild nicht gesehen? Warum stört Ihr mich in meinem Gebet? So sprecht!" befahl ein Priester der zuvor vor einer Erbauerstatue kniete und betete. Aber noch ehe er sich umdrehte, traf ihn ein Bolzen am Hals, der Priester fiel mit einem Keuchen zu Boden.

    Überraschenderweise hörte er hier kein Hämmern mehr, war dieser Raum schalldicht? Möglich wäre es zumindest, da sich sonst niemand auf sein Gebet konzentrieren konnte. Trotzdem musste er sich beeilen, die Zeit war gegen ihn, daher schaute er sich kurz um und nahm sämtliche Wertgegenstände mit, darunter: mehrere vergoldete Kerzenleuchter die auf den Fensersimsen standen, einen Ring mit einem kleinen Rubin sowie ein gut gefüllter Geldbeutel, beides trug der Priester bei sich. Doch zum Geldzählen fehlte Corvus die Zeit, er musste noch bei den Generatoren sein, bevor die Pause anfangen würde. Er überlegte sich, wie er am besten da hinkommen könnte: Auf der Mauer würde man ihn sofort entdecken und wenn er an den Baracken vorbei gehen würde, erst recht, daher gab es für ihn nur einen Weg: nämlich über den Innenhof.
    Gameboy254 is offline Last edited by Gameboy254; 26.08.2011 at 07:02.

  4. #64 Reply With Quote
    Moderator Mareju's Avatar
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    Also Mareju die Schmelze betrat, wurde ein lebloses, ausgemagerter Körper hinaus getragen. Wahrscheinlich sein Vorgänger. Mareju seufzte, dann wurde er nach vorne zu den Hebeln. Einer der Hammeriten erklärte Mareju kurz, wie er die Maschinerie zu bedienen hatte. Dann wurde er am Fuß angekettet. Mareju freute sich, denn er dachte, die Hammeriten würden endlich verschwinden und ih alleine lassen, so konnte er einen alternativen Fluchplan schmieden, falls Mordry und die andern hier drin verrecken lassen würden. Doch zu seinem erstaunen wichen seine Wächter keinen Meter von ihm. Sie starrten ihn an, ohne sich zu bewegen. Mareju gefiel das nicht, schließlich wird hier niemand einfach so überwacht. Sonst patroullierten sie durch die ganze Halle. Mareju schauderte es. Er spürte förmlich die starren Blicke in seinem Rücken. Er versuchte, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, keine Fehler zu machen und dabei noch schnell zu sein. Er hatte keine Lust auf unnötige Auspeitscherei oder ähnliches.

    So verging eine knappe Stunde. Die beiden schwer bewaffneten Hammeriten standen immer noch wie angewurzelt da, bis schließlich ein Priester die Schmelze betrat und auf die Hammerträger zuging. Er war der selbe, der Mareju gemustert hatte. "Lass das untote Gesindel nicht aus den Augen!" "Sehr wohl!" antworteten die Hammeriten knapp. Der Priester schaute Mareju verächtlich an, dann ging er mit flinken Schritt weiter. "Los, weiter arbeiten!" sagte einer der beiden in einem rauen Ton. So, biediente Mareju weiter die Hebel. Die Hitze war unerträglich und auszehrend. Hoffentlich gibt es bald etwas zu trinken.

    Zu seiner Überraschung war bald Pause. Solange war er doch gar nicht hier, oder? Mareju hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Die Zeit schien hier unten anders zu spielen. Ob er nun zwanzig Minuten hier war, oder zwei Tage konnte er kaum sagen, so langsam schien die Zeit zu vergehen. Es war Pause. Mareju freute sich. Doch die Freude dauerte nur Kurz, sofort packten ihn die zwei Hammriten und schleiften ihn zum großen Speisesaal und setzen ihn Unsanft auf die Bank zu den anderen Gefangenen. Wie schon in der Schmelze standen sie direkt hinter ihm und beobachteten jeden seiner Handlungen. Da war es wieder, dieses schreckliche Kichern in seinen Kopf. Mareju biss die Zähne zusammen, doch dann war es schon wieder veschwunden. So begann er sein aufgetischtes Essen zu verschlingen. Es schmeckte scheußlich, aber es war nahrhaft, und Marjeu hatte einen Bärenhunger. Auf einmal ertönte ein von irgendwo her ein Knall und der Boden virbrierte. Dann fielen auf einmal ein Teil der Lichtes, dann immer mehr, bis nur noch wenige Lampen leicht glühten. Sofort packten die Hammeriten ihre Hämmer vom Rücken, und stürmten davon, ohne Mareju länger zu beachten...
    Mareju is offline

  5. #65 Reply With Quote
    Hobby Hochstapler  Sercil's Avatar
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    Malkav und Corvus hatten sich am Eingang wiedergetroffen. Der Innenhof war der Alptraum jedes Diebs: Eine ebene, riesige Fläche, gesprenkelt mit elektrischen Laternen, die jeden Winkel ausleuchteten, vor jedem Eingang mehrere Hammeriten und fast keine Deckung. Trat man nur aus der Tür, trat man ins Sichtfeld fast jeder Wache. Ganz besonders die vielen Wächter vor der Arbeitshalle direkt gegenüber hatten genau in ihre Richtung gesehen.

    Corvus hatte aus seiner Armbrust einen provisorischen Blitzbombenwerfer bauen müssen, um das Dach der Arbeitshalle beschießen zu können. Nur so ließ sich die Aufmerksamkeit der Wachen von ihnen lenken, ohne dass Alarm ausgelöst wurde, sodass sie über ein Fenster ungesehen in den Hof und unter einen Ladekarren mit einer Plane kriechen konnten. Die Plane hatten sie über die Räder gezogen und den Karren ins Rollen gebracht. Als die ersten Wachen Verdacht schöpften und darauf zuliefen, hatte Corvus aus dem Versteck Wasserbolzen auf entferntere Laternen geschossen. Das löschte sie nicht, sorgte jedoch für Störungen und Wasserspritzer, welche die Wachen länger ablenkten.
    So waren sie geradewegs am Eingang der Wachkaserne vorbeigerollt, aus dem ein Dutzend Paare Hammeritenaugen auf sie gestarrt hatten, bis sie gegen das rechte Eck des Maschendrahtzauns fuhren. Als mehrere Wachen den Karren erreicht hatten, untersuchten und zurückschoben, hatten die beiden sich bereits mit dem Schwert ein Loch in den Zaun geschnitten, sich hindurchgezwängt und das Loch wieder zugebogen, sodass es niemandem auffiel.


    Anschließend fanden sie sich direkt im Blickfeld eines Wachturms und schafften es gerade noch unentdeckt unter ihn.
    Der hintere Bereich der Fabrik bot mehr Deckung in Form von Stützpfeilern, Containern, Kisten und Maschinen, dafür vorerst keine Wachen. Zwar machte der Blickwinkel des hohen Wachturms einiges davon wertlos, doch so nahe an der Mauer war es möglich, nach vorn durchzubrechen und sich hinter der Ecke des Schlotgebäudes zu verbergen – nur, um in den Blickwinkel des nächsten Wachturms zu laufen.

    Sie hofften, mit dieser lächerlich riskanten Aktion den schwersten Teil überstanden zu haben. Löste nur einer von ihnen Alarm aus, waren sie beide praktisch tot. Malkav fragte sich, wofür Corvus ein so enormes Risiko einging. Er selbst wäre für keine Summe der Welt hergekommen, erwartete ihn draußen nicht der sichere Tod. Wenn sie Erfolg hatten, war das der Beweis, dass er nicht verflucht war.


    Kurz darauf trennten sie sich. Nachdem Corvus sich der Mauer entlang von einer Deckung zur nächsten kämpfte, wartete Malkav ab, bis der südliche Turmwächter sich für einen Moment lang wegdrehte. Dann sprang er geduckt hinter einen Container und schob diesen langsam bis vor eine Stahltür, welche offenbar den einzigen Hintereingang zum Schlotgebäude darstellte. Sie erwies sich als abgesperrt, sodass er seine Dietriche zur Hand nahm.
    Zuerst klemmte er den Spanner ein, der einem verbogenen Schraubenzieher glich, ehe er den feinen Dietrich in das Schloss steckte. Die bebilderte Anleitung hatte den Aufbau der meisten Schlösser erklärt. Es befanden sich mehrere abgefederte Stifte im Innern, die er mit dem Dietrich herunterdrücken sollte. Allerdings fehlte ihm die Erfahrung, um zu erfühlen, welche Stelle die dünne Spitze abtastete. Für dermaßen viel Fingerspitzengefühl war er zu unkonzentriert, unerfahren, erschöpft und gleichzeitig adrenalingeraten, sodass er kurz darauf das abgebrochene Ende des Dietrichs in der Hand hielt.

    Es gab nur eine weitere Option: Eine befestigte Leiter an der Außenseite des Gebäudes, die bis zum Dach führte. Eine herausragende Ecke des angrenzenden Gebäudes und dessen Regenrinne schirmte ihn ein wenig von den Blicken des Wachturms ab, zumindest wenn er möglichst weit rechts kletterte und sich flach machte. Es war sein Vorteil, dass die verdreckte Backsteinwand so stark auf seine ohnehin verdreckte Kleidung abfärbte, und ebenfalls, dass er etwas kleiner und schmaler als die meisten Leute war.
    Den Wächter behielt er im Auge und lehnte sich wenn nötig in Deckung, doch der Mann auf dem Turm erwartete eher seine Pause als einen Ausbrecher im Fabrik-Hinterhof. Seine verträumten Blicke schweiften nur sporadisch über die schwer einsehbare Leiter, die Sirene ertönte nicht.

    Malkav wurde schwindlig und erschöpft, je weiter er sich die 100 Meter aufs Dach hinaufkämpfte. Er verfluchte die unabgesicherte lange Leiter, ahnte aber, dass er das bald nochmal tun musste. Die drei Schlote ragten selbst vom Dach aus nochmal 100 Meter in die Höhe, und die drei würden noch höher aufsteigen müssen, um bis über die Mauer zu gleiten. Eingelassene Sprossen bis zur Spitze der Schornsteine würden diesen Plan ermöglichen, doch daran wollte er jetzt nicht denken.


    Über eine unabgeschlossene Tür gelangte er auf eine Gittertreppe ins stickige Innere. Das Schlotgebäude war innen ein einziger, riesiger Raum, circa 300 auf 400 Meter, knapp 100 herunter auf den Grund und zum großen Boiler, wo die Ventile waren. Durch die Mitte ragten die riesigen Rauchschlote wie überdimensionierte Säulen. Viereckig führten insgesamt fünf Ebenen mit vergitterten Böden um die Schlote herum. Vereinzelt bewegten sich Arbeiter und Wachen über sie, meist um Lecks in den Rohren an den Wänden zuzuschweißen. Diese Rohre verliefen in allen Formen und Breiten den Wänden entlang, manchmal pfiff kochender Dampf aus ihnen. Man konnte sich gut zwischen und hinter ihnen verstecken. Elektrische Laternen erleuchteten die Ebenen, trotzdem war es recht düster.

    An den Arbeitern und Hammeriten vorbeizukommen erwies sich als relativ leicht, da kein Arbeiter unbewacht blieb und deswegen niemand mit ihm rechnete. Die riesigen Schlote in der Mitte verdeckten die Sicht auf fast die Hälfte jeder Ebene. Wenn tatsächlich jemand aus dem toten Winkel herauslief, blieben Malkav genug Rohre, hinter denen er sich verstecken und warten konnte, bis derjenige vorbeilief. Hier kam ihm wieder sein schmaler Körperbau zum Vorteil, denn er hätte sich niemals dazu gebracht, stattdessen übers Geländer zu springen und sich solange an der Kante festzuklammern.
    Ihm gefiel schon nicht, dass er durch den Boden 20 Meter tiefer auf die darunterliegende Ebene sehen konnte. Allerdings lagen die Chancen besser für ihn, darunterlaufende Wachen zu erkennen, als dass sie ihn erkannten. Die Lärmkulisse täuschte über seine mangelnde Schleicherfahrung hinweg. So gelangte er von einer Treppe zur nächsten, bis er auf der letzten Ebene über dem Erdgeschoss ankam.

    Ganz unten hatte er mindestens 5 Hammeriten und 15 Gefangene gezählt. Die schützenden Rohre liefen allerdings zwischen seiner Ebene und dem Erdgeschoss auf den riesigen Boiler hin weg, wodurch weniger Deckung blieb. Er versteckte sich vor der letzten Treppe und tüftelte einen Plan aus, als eine Glocke durch den gewaltigen Raum hallte. Jeder ließ buchstäblich alles liegen. Die Wachen führten die Arbeiter so schnell wie möglich zu den Türen ab, die sich auf jeder Ebene befanden. Alle außer der untersten führten auf eine Außentreppe, die man vom Innenhof einsehen konnte. Die unterste Tür auf dem Erdgeschoss behielt er im Blick. Er zählte jedoch nur 9 Gefangene und 3 hinausgehende Hammeriten. Auch nachdem alle anderen verschwunden waren, ließ der Rest sich nicht blicken.

    In der Hoffnung, dass sie zur Hintertür verschwunden waren, ging er nach unten. Er wusste, dass er den Boiler umrunden musste, um zu den Ventilrädern an den großen Druckrohren zu gelangen, welche den Boiler mit Abgasen füllten.
    Es wurde leiser. Er schlich um den Boiler, verbarg sich hinter jeder Maschine, lugte heraus und schlich weiter. Dann trat er in eine Pfütze. Eine rote.
    Er zuckte überrascht zusammen. Einer der Hammeriten lag in einer Blutlache, sein Hammer unbenutzt am Rücken. Seine Kehle war durchtrennt und die Kleidung an mehreren Stellen aufgerissen. Dem darunterliegenden Fleisch fehlten Stücke, und Malkav wusste, dass er gerade auf Bisswunden sah. Hinter den Maschinen fand er auch die restlichen sechs Arbeiter und die verbliebene Wache, alle in ähnlichem Zustand. Auffälligerweise lagen sie jedoch alle relativ gerade, die Gliedmaßen nahe am Körper. Einem von ihnen fehlte ein Arm, welcher offensichtlich mit einer Klinge sauber abgetrennt worden war.

    Schwer beunruhigt drehte er schnell zwei der drei Ventilräder zu, um hier weg zu kommen. Ihm fiel noch ein, dass er die Schlüssel der toten Wächtern brauchte, und kehrte widerwillig zu den Leichen zurück. Beim ersten fand er nichts. Dann ging er zurück zu der ersten Leiche, die er gefunden hatte. Er durchsuchte die gesamte Uniform, wodurch viel Blut auf seine Hände geriet, doch der Schlüsselring fehlte.

    Er schrak auf, als jemand aus der Richtung rief, aus der er zuvor gekommen war.
    »Du da! Mörder!«
    Es waren zwei weitere Hammeriten, deren Augen entsetzt von ihrem toten Kollegen zu ihm sprangen. Sie zogen ihre Hämmer. Genau in diesem Moment fielen die Laternen aus und tauchten alles in völlige Dunkelheit.
    Sercil is offline Last edited by Sercil; 28.08.2011 at 12:11.

  6. #66 Reply With Quote
    Lehrling
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    Corvus presste sich an die massive Backsteinwand des südlichen Turms, nachdem er sich zwischen zahlreichen Deckungen entlang der Mauer hindurchgekämpft hatte und gerade noch den Blicken der Turmwachen entwischte. Sein Herz hämmerte, als würde es ihm gleich herrausspringen wollen, mit solchen Sicherheitsvorkehrungen hatte selbst er nicht gerechnet. Er atmete ein paar mal tief durch und musste anschließend kräftig husten als der Rauch sich in seiner Lunge festsetzte. Bei einem kurzen Blick um die Ecke des Turms erspähte er einige Wachen die dabei sind eine Wagenladung zu kontrollieren, das war seine einzige Chance, schnell spurtete er zu einem Kistenstapel hinter dem er sich nun verstecken konnte. Er zog sein Kurzschwert und suchte darin das Spiegelbild des Turmwächters, anschließend wartete er ab, bis sich dieser wegdrehte, dann rannte er zur nächsten Deckung. Das Spiel wiederholte er einige Male, bis er ganz in der Nähe der Tür des Verbindungsstücks war.

    Jetzt musste es schnell gehen, ein letztes Mal wartete er ab bis sich der Turmwächter wegdrehte, dann hielt er seine Dietriche bereit, da die Tür mit großer Sicherheit verschlossen war und spurtete anschließend zur Tür, auch wenn er sonst sehr geschickt im Schlösserknacken war, musste er sich in Stresssituationen wie dieser ziemlich zusammenreißen, um das Schloss aufzubekommen. Er hätte den Dietrich schon beinahe abgebrochen, aber er schaffte es noch rechtzeitig ins Innere, ohne den Alarm auszulösen.

    Nun fand er sich in einem kleinen Raum wieder, er vermutete, dass dieser nur ein kleines Nebenzimmer war. Wieder zog er sein Kurzschwert und öffnete langsam die gegenüberliegende Tür, schnell schloss er die Tür auch wieder, als eine Gruppe Hammeriten dem langen und breiten Gang sich ihm näherte. Er wartete eine Weile, in der Hoffnung, dass die Gruppe ihn nicht bemerkte und ganz normal weiterging. Zu seinem Glück geschah das auch, als er noch einmal nachschaute. Noch ehe er auf den Gang hinaustrat, hörte er das Läuten einer Glocke, das bei dem Gehämmer fast unterging "So ein Mist, jetzt muss es richtig schnell gehen, irgendwo muss doch diese Treppe zu den Generatorräumen sein, vielleicht in einem der Nebenräume wo weiter vorne der große Gang breiter zuläuft?" dachte sich Corvus.

    Schnell rannte er den Gang entlang, er musste darauf achten nicht von einer anderen oder sogar der gleichen Gruppe gesehen zu werden, aber das klappte ebenfalls, auch wenn er fast dabei entdeckt wurde wie er hinter der Tür verschwand. Mit seiner Vermutung lag er richtig: Eine steile Treppe führte nach unten, dort musste der Generatorraum sein. Er eilte die Treppe hinunter und nahm die Tür zu seiner Linken, dabei kam er bei einem etwas größeren Gang herraus der weiter vorne nach links und rechts in zwei kleinere Gänge mündete.

    Die Hammerschläge hörte er nun nur noch dumpf, aber dafür wurde das Brummen eines Generators immer lauter. Zuerst folgte er dem rechten Gang der nach links abzweigte und zu einer großen Nische führte, da war er: Der große Hauptgenerator der für die Beleuchtung verantwortlich ist. Er versteckte sich hinter einem der Boiler, als er einen Arbeiter bemerkte, der einen kleinen Ofen der zusätzlichen Dampf erzeugte, mit Kohle versorgte, Corvus wartete einen günstigen Moment ab und schoss ihm anschließend einen Bolzen in den Kopf, über die Leiche machte er sich keine Gedanken, da er sowohl Licht als auch Alarm sowieso bald ausschalten würde und er dort unten kaum Wachen vermutete, damit lag er jedoch falsch. "Eindringling!, beim Erbauer schlagt Alarm!" rief ein Hammeritenkrieger in schwerer Rüstung der weiter vorne um die Ecke kam, Corvus schoss einen Bolzen auf ihn ab, dieser bohrte sich zwar in den Brustkorb des Kämpfers, offenbar aber nicht durch die Haut, der Krieger rannte weiterhin auf ihn zu. Ein zweiter Schuss folgte, aber auch dieser schien den Hammeriten nicht zu interessieren, der Krieger holte zum Schlag aus, Corvus konnte dem Hammer gerade noch entkommen, als er sich auf den Boden warf. Er zog sein Kurzschwert, aber davor musste er sich zur Seite rollen um nicht getroffen zu werden, nun aber holte Corvus zum Schlag aus und traf den Kämpfer direkt an der Kehle wo er nicht geschützt war, sofort fiel er zu Boden. "Hoffentlich kommen da nicht noch mehr von denen, ich sollte den Alarm wohl besser als erstes ausschalten, bevor wirklich noch jemand Alarm schlägt, der davon mitbekommen hat" dachte sich Corvus.

    Er folgte dem Gang der 2 Mal nach links führt, dabei kam er an einer Tür vorbei, er vermutete dort die zweite Treppe auf der anderen Seite des oberen großen Ganges. Zum Nachschauen hatte er jedoch keine Zeit mehr, er musste sich sputen, also ging er weiter und fand wieder eine Nische vor, nur dieses Mal kleiner. Hastig holte Corvus die Mine aus seinem Rucksack und legte sie neben den kleinen Generator, dabei war es egal welches Stück gesprengt wird, so oder so würde der Alarm ausfallen, ohne selbst Probleme mit dem Dampf zu bekommen. Nun suchte er nach einer Möglichkeit die Mine zu zünden, ohne selbst mit in die Luft gejagt zu werden, dabei fand er einen Eimer unter einem undichten Rohr aus dem Wassertropfen in den Eimer fielen. Der Eimer war schon halb voll und sollte vom Gewicht reichen, um den Auslösemechanismus der Mine herunterzudrücken, vorsichtig stellte er den Eimer auf die Mine, er musste aufpassen, dass dieser nicht vorzeitig umfiel, denn er stand sehr wackelig.

    Corvus ging schnell zur nächsten Ecke und schoss von dort aus mit der Armbrust auf den Eimer, dieser kippte unter der Wucht des Bolzens um, dann passierte alles sehr schnell: Das explosive "Geschoss" in der Mine wurde durch die Zündung des Schwarzpulvers in der Mine in die Luft geschleudert, anschließend explodierte das Geschoss in der Luft und der Dampf des kleinen Generators entwich, sodass dieser keinen Strom mehr erzeugen konnte. Schnell kehrte er zum großen Generator zurück, auch hier ging er gleich vor, nur musste er aufpassen, dass er nicht einen der Boiler trifft, sonst würde sich der Dampf explosionsartig auf den Gesamten Generatorraum verbreiten. Er platzierte die Mine so, dass das Geschoss nur Teile des Generators traf, nun suchte er wieder nach einer Möglichkeit die Mine zu zünden, er wurde fündig als er einen Blick auf den toten Hammeritenkrieger warf, er stellte seinen Streithammer senkrecht auf die Mine, eine kleine Berührung würde reichen um den Hammer zum Umkippen zu bringen. Wieder eilte er zur nächsten Ecke, diesesmal musste er genau zielen um den Schaft des Hammers zu treffen, erst beim zweiten Schuss traf er den Schaft und der Hammer kippte um, sodass der große Generator unter der explosion zerstört - und alles in Schatten getaucht wurde. "So, und jetzt nichts wie ...." Corvus wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er Schritte hörte, die von beiden Seiten zu kommen schienen, er versteckte sich daraufhin hinter einem der Boiler. "Verdammt, jetzt sitz´ ich schön in der Scheise....." Dachte er sich.
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    Schwertmeister Rotfront's Avatar
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    Rotfront erwachte durch das Treiben auf der Straße welches sich vor seinem Fenster ereignete. Während er sich verschlafen die Augen rieb zog er die Vorhänge zurück und erblickte die vom Abendrot getränkten Wolken am Himmel. Hatte er den ganzen Tag verschlafen? Nachdem er sich ausgiebig streckte und sein Gesicht mit kühlen Wasser benetzte fühlte er sich schon etwas frischer. Wieder am Fenster stehend schaute er den vielen herum wuselnden Bürgern zu die entweder Waren feilboten, einkauften oder Ruß bedeckt von der Arbeit heimkehrten. Der Rauch aus einigen Schornsteinen der Stadt kündigte das bevorstehende Abendessen an. (Welch friedliches Bild, im Gegensatz der neulichen Hinrichtung benehmen sich hier die Menschen mal nicht wie Tiere.) Er musste noch viele Eindrücken von der Stadt und der hier lebenden Menschen bekommen. Und gerade heute Abend wurde es Zeit mehr von der Umgebung zu lernen.

    Gestern Nacht fiel ihm der Schrank, der in die gegenüberliegende Ecke von seinem Bett gequetscht wurde noch nicht auf, wie auch, er war müde und hatte schon ein paar Biere intus. Neugierig wie er war näherte er sich dem Schrank und öffnete die mit Metall beschlagene Schranktür. Seine Augen erblickten ein graues Bündel auf einer der Sprossen. Der Stoff hatte mittlerweile schon den Geruch des Holzes an sich, er musste schon seit einer halben Ewigkeit dort vor sich hinstauben. Was er aufgefaltet auf seinem Bett vor sich liegen hatte war eine - anscheinend schon etliche Male geflickte – Mönchskutte. (Mhh.. naja zwar nicht so schick wie ein Mantel aber einem geschenkten Gaul...)

    Die Kutte passte ihm wie angegossen, würde er noch die Kapuze über seinen Kopf ziehen könnte er unbehelligt an Stadtwachen und Hammeriten vorbeischlendern ohne erkannt zu werden. Jedoch vermied er es fürs erste, er wusste nicht ob eine Gestalt in solch einer Kutte ein alltägliches Bild in der Stadt darbot.
    Mittlerweile hatte er die Straßen des Südviertels erreicht. Da sich noch relativ viel Menschen auf der Straße aufhielten konnte er sich unbehelligt an der Stadtwache vorbei bewegen. Mit gesenktem Kopf und zusammengefalteten Hände wirkte er wie ein normaler Gläubiger dessen Religion jedoch nicht zuzuordnen war. Nachdem er jedoch an einem schwarzen Brett stand auf dem sämtliche Steckbriefe hingen zog er vorsichtshalber doch die Kapuze etwas über. So viele Steckbriefe und so wenig Platz, erst nachdem er ein zweites Mal genauer darüberblickte fand er seinen Steckbrief. Zu seinem Glück war das Bild mehr als schlecht gezeichnet, darunter war folgende Zeilen geschrieben: „Gesucht, Tod oder lebendig. Diese Person hat sich des Diebstahls und Ausbruchs schuldig gemacht und wird nun vom Orden der Hammeriten und der Stadt gesucht. Melden sie sich bei ihrer örtlichen Wache falls sie wissen wo sich diese Person derweil befindet.“ Unterzeichnet war der Steckbrief mit der Unterschrift von einem gewissen „K. Rudge“, wer immer das auch sein sollte.

    Er hatte genug gesehen, wieder mischte er sich in die Menge die sich von Minute zu Minute aufzulösen schien. Es wurde allmählich dunkel, die Wachen zündeten Fackeln und Gaslaternen an, welche die Straßen hell erleuchteten. Rotfront wurde nun vorsichtiger, er versuchte die Wachen mittels Seitengassen zu umgehen obwohl sie ihn wie die anderen Bürger ignorierten. Wahrscheinlich hielten sie eher Ausschau nach bulligen Vagabunden oder Verbrechern die sie auf frischer Tat ertappen wollten. Klar, sie konnten ja nicht jeden Einzelnen Bürger beschatten. Heller, wuchtiger Glockenschlag lies ihn kurz aufschrecken. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er nur einige Meter vor einer Kapelle der Hammeriten stand vor der sich eine Schlange von Menschen bildete, die Glocken läuteten zur Messe. Ohne wirklich darüber nachzudenken was er eigentlich tat reihte er sich in die Schlange ein die nach jedem weiteren Glockenschlag kleiner wurde. An beiden Seiten des Eingangs der Kapelle standen diszipliniert zwei Hammeriten die keine Regung zeigten. Sie beobachteten die Eintretenden mit lockerem, zufriedenen Blick. Auch hier konnte Rotfront ohne weitere Schwierigkeiten vorbeitreten.

    Das läutend der Glocken verstummte gänzlich als der Hohepriester sein Podest vor allen Gläubigen die auf etlichen Bänken Platz nahmen betrat. Rotfront hatte sich etwas weiter nach hinten gesetzt, wollte er mit allem was er tat die Aufmerksamkeit von sich ablenken. Die Menge horchte auf als der Priester ein Gebet anstimmte, untermalt mit dem dumpfen Gesang des Chors. Rotfront fühlte sich wieder geborgen, was für ihn damals Alltag war, war nun etwas aufregendes, gar besonderes. Er spitzte die Ohren nachdem der Priester sein Gebet beendete und der Chor verstummte.

    „Wie lange wird es uns noch geben? Werden wir, die Kinder des Erbauers ersetzt werden? Besitzt der Arm der den schweren Hammer einst schwang noch Kraft? Dies sind die Fragen die euch womöglich durch die anwachsende Bedrohung der Ketzer durch den Kopf fliegen. Doch ich kann euch versichern liebe Brüder und Schwestern, der Erbauer ist ewig, der Orden ist ewig und wenn es sein muss wird unser Kampf gegen unsere Feinde, gegen die Feinde des Erbauers ewig sein.“

    Eine kurze Pause, er sah zu den Menschen und beobachtete ihre Reaktion auf seine Worte. Rotfront hörte viele Zustimmungen über die Lippen der Menschen flüstern. Es war nicht wie in jeder Messe die Rotfront besuchte. Es war eine deutliche Kampfansage an alle die den Orden zu untergraben versuchten. Es hatte den Anschein als wollte der bärtige Priester die Massen für einen Krieg mobilisieren.

    „Doch was ist der Ursprung des Zuwachses der Ketzer? Was beeinflusst die Bürger unserer Stadt dem Erbauer den Rücken zu kehren um sich danach falschen Predigern anzuschließen? Dies sind die Fragen die mir und meinen Brüdern zu schaffen machen. Während die Mechanisten, die Seelenlosen Kindern des Karras immer deutlicher zu Offensive drängen wächst die Anzahl der heidnischen Spione in unserer Stadt. Die Folge dieser beunruhigenden Entwicklung sind Verbrechen, Gewalt, Unzucht. Das daraus resultierende Chaos ist verheerend, nicht nur für euch Brüder und Schwestern, sondern auch gegen den Erbauer und seinen Orden. Und nun frage ich, wollt ihr dabei zusehen? Wollt ihr euch in euren Häusern verkriechen während diese Pest unaufhaltsam unsere Stadt überschwemmt?“

    (Ist der Orden so bedrängt, das er offen zum Kampf aufrufen muss? Oder ist es die Verzweiflung die sich nun in den Köpfen der Hammeriten einpflanzt?) Die Menge wurde durch die Worte des Priesters angestachelt. Empörende Ausrufe und Beifall war zu hören. Rotfront wurde es zunehmend Unwohl, die Stimmung der Menschen war genau jene, die er unter den Schaulustigen während der Hinrichtung wahrnahm. (Das ist doch keine Messe mehr. Wieder frage ich mich ob dies im Namen des Erbauers geschieht...) Rotfront wollte am liebsten die Kirche verlassen, doch er musste warten bis die Messe zu Ende war.
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  8. #68 Reply With Quote
    Hobby Hochstapler  Sercil's Avatar
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    Nur die grollenden Rufe der Hammeriten und deren Echo gab noch Gewissheit, dass er nicht im Nichts verschwunden war. Sämtliche Lichtquellen des Innengebäudes waren erloschen. Wegen der Dunkelheit setzte doppelte Panik ein. Er versuchte, sein schwindendes Denkvermögen noch rechtzeitig festzuhalten und sich an die Anordnung der Maschinen zu erinnern, um blind einen Weg um die Hammeriten zu finden, doch seine Beine trugen ihn in eine völlig andere Richtung.
    Während die Rufe lauter wurden, prallte er gegen eine metallene Oberfläche. Weil er diese nicht kommen sah, fiel der letzte Rest Orientierung von ihm ab. Er tastete sich panisch daran weiter, fand einen Durchgang, spürte dann ein metallenes Rohr, dann eine Steinwand, dann wieder ein heißes Stück Metall. Es war, als hätten sich die Maschinen im Dunkeln chaotisch verteilt und eine Sackgasse um ihn herum gebildet. Noch dazu glaubte er, dass die Stimmen der Hammeriten lauter wurden, doch er fand einfach keine Passage um sie herum.
    Er wurde immer unkontrollierter, wollte nur noch fort, rieb sich metallene, scharfkantige, steinige und unförmige Oberflächen entlang und geriet dennoch auf die Stimmen zu. Schließlich prallte er gegen etwas Ledernes – und erkannte kurz darauf an der Stimme und den greifenden Pranken, dass er in einen Hammeriten gelaufen war. Er stolperte, kroch auf allen Vieren von ihnen weg und stieß schließlich auf den großen Boiler in der Mitte, an dem er sich entlangtastete.

    Nachdem er das scheinbar sinnlose Gebilde umrundet hatte, konnten seine Augen sich endlich an einem Lichtspalt in der Schwärze festklammern. Der Weg kam ihm ewig vor, die Hammeritenrufe schienen von überall zu kommen. Doch schließlich brach er erblasst durch die Tür und musste die Augen vor dem erlösenden Tageslicht zukneifen. Er keuchte schwer.
    Die Erleichterung verschwand gleich wieder. Er war geradewegs in den Innenhof gelaufen. Die ersten darüberverteilten Hammeriten blieben stehen und starrten zu ihm herüber. Nächst zu ihm stand das Gebäude, in dem die Gefangenen wohl gerade speisten. Darüber verlief eine Feuerleiter, und darauf schoss er zu.

    Augenblicklich setzte sich alles nach ihm in Bewegung wie eine Einheit, der Näheste bloß einen Steinwurf weit weg. Malkav hetzte die Stufen hinauf und erreichte die erste Zwischenplattform, welche zurück in das verdunkelte Gebäude führte. Doch er folgte der Treppe noch weiter nach oben, ohne zu denken. Immer wieder stürzte er mit dem Knie gegen die Gitterstufen, rannte aber sofort weiter.
    Statt Alarm begann ein wirres Konzert aus Trillerpfeifen im Hof. Er erreichte ächzend die zweite Plattform und sprintete weiter, während unten Wachen aus den Gebäuden und der Baracke strömten, jeder mit Streithammer. Von dieser Höhe wurde ihm schwindlig. Während er langsamer wurde, strömten die Massen die erste Treppe rauf, während der Rest sich in- und ums Gebäude verteilte.
    Auf der dritten Plattform angekommen sah er bereits die vierte, die ihn noch vom Dach trennte, und stieg noch weiter hinauf. Die Leute im Innenhof glichen nun Punkten, und er stand auf der Höhe der Wachtürme. Nichts als ein hüfthohes Geländer verhinderte einen Sturz aus dieser Höhe. Allein vom Anblick drehte sich alles um ihn, sodass er mehrmals mit der Breitseite dagegenstieß. Die Massen blutlechzender Hammeriten, welche inzwischen die gesamte Treppe ins Wackeln brachten, verschlimmerten es, denn sie holten in schnellen Zügen auf und hatten beinahe die dritte Plattform erreicht.
    Mit schlimmem Seitenstechen erreichte er die vierte Plattform und stolperte, als ein schwarzer Tunnel sein Sichtfeld einhüllte. Er sah geradewegs durch die Plattform hindurch auf die 20 Meter tiefer gelegene, über welche die ersten Hammeriten donnerten. Gerade so zog er sein Bewusstsein aus der Schwärze, rappelte sich auf und ging die letzte Treppe an. Geriet sein Blick übers Geländer, verliefen die kleinen Gebäude tief unten zu einer braunen Masse. Die Feuertreppe wackelte so sehr unter den aufholenden Hammeriten, dass er fürchtete, sie würde brechen.

    Kaum oben flüchtete er in die Mitte des Dachs und versuchte, zu Sinnen zu kommen. Der enorme Schwindel und die Erschöpfung nahmen mit jedem Atemzug etwas ab, doch die Beine zitterten nur noch, wenn er sie anspannte. Hinter ihm stürmte ein Hammerit nach dem anderen aufs Dach. Sie bremsten ab und musterten ihn. Weitere kamen mit Fackeln aus der Treppe, die ins Innere des Gebäudes führte. Auch über die Dachkante kam ein Hammerit, der die Leiter erklommen hatte. Sie schienen ihm nun umso riesiger und stämmiger, und er wusste nicht, wohin er weiterflüchten sollte. Sein Blick schoss den Schornstein hinauf, doch nur ein kleines Wölkchen rauchte daraus. Er saß in der Falle.

    »Ich...«, keuchte er, »ergebe mich...«, versuchte er herauszubringen, doch die neun Hammeriten schienen ihn gar nicht zu verstehen und umzingelten ihn. Der erste kam langsam näher, den Kopf des Streithammers über den Boden schwingend. Malkav kam nur auf eines, was auch nur entfernt helfen konnte. Dank seiner fülligen Jacke bemerkten sie nicht rechtzeitig, dass er in eine Innentaschen griff.
    Er streckte den Arm mit der Blitzbombe in der Hand aus und kniff die Augen zu. Das Dach wurde für eine Millisekunde lang grell erhellt, und wer um ihn herum stand, ächzte auf und taumelte desorientiert herum.

    Als es daran ging, aus diesem Ergebnis das Beste zu machen, konnte er nichts tun, als weiter herumzustehen. An keinem Ausgang kam er vorbei, vier neue Hammeriten stürmten bereits nach. Er befreite sich aus dem Kreis der Hammerträger, floh an den Rand des Dachs und starrte in die Tiefe. Es mussten etwa 100 Meter sein. Die Mauer befand sich viel tiefer, aber zu weit entfernt. Vor ihm, etwa auf halbem Weg hinunter, befand sich das Dach des Verbindungsgebäudes, in dem die Generatoren gelagert wurden, doch auch das konnte man nicht überleben.
    Die Hammeriten erholten sich. Der eine, der ihn hatte erschlagen wollen, fand sein Opfer am Dachrand wieder und stürmte zornesrot los. Malkav hatte keine Möglichkeit auszuweichen. Als der metallene Hammerkopf auf ihn zuschoss, stürzte er über die Kante.


    Der Wind fegte ihm nur so um die Ohren, während die breite Steinfläche in kaum zwei Sekunden auf ihn zu raste. Doch dann, keine zehn Meter vor dem Aufschlag, kam der schnelle Fall beinahe zum Stillstand. Der Fallwind schien ihn aufgefangen zu haben und sanft herunterzulassen. Er landete mit dem Hintern auf dem Dach des Generatorengebäudes.
    Sein Herz schien unter den Magen gerutscht zu sein und jetzt zu versuchen, dessen Inhalt mit wilden Trommelschlägen herauszupressen, was ihm schließlich auch gelang – vielleicht war es auch der Federfalltrank.

    Bis er wieder richtig zu sich kam, starrten viele Köpfe fern über ihm herunter. Es kam ihm absurd vor, dass er eben noch bei ihnen gestanden war. Aus dem Innenhof zu seiner Linken vernahm er wütende Rufe und Trillerpfeifen. Rechts breiteten sich erste Unruhen aus. Von diesem Dach führte kein Weg hinab, und selbst wenn es einen gab, wusste nun das gesamte Gefängnis von ihm. Bis auf den Bodensatz hatte er seinen Trank verschwendet, was ihren ohnehin schon gewagten Fluchtweg unmöglich machte. Auch Mordry und Corvus waren hier machtlos.
    Von hier oben konnte er über die Mauern und das Lieferantentor im Südosten sehen. Es war, als sei die Straße in greifbarer Nähe, doch draußen erwartete ihn nichts besseres. Er erinnerte sich an den Traum. Hatten die Frauen gemeint, er könnte Slyven und seinem Tod nur entrinnen, wenn etwa die Hammeriten diesem "zuvorkamen"? Es gab viele Möglichkeiten es zu deuten, doch er hoffte inständig darauf, dass den Hammeriten in die Hände zu fallen bedeutete, dem Tod zu entkommen. Die Angst vor dem Tod und der darauffolgenden völligen Vergessenheit waren alles, was ihn bis hierher getrieben hatte, doch nun war er an einem Punkt angelangt, von dem aus kein Rennen und Aufschieben mehr möglich war. Die Chance, dass Mordry die Truhe und damit seinen Namen und seine Geschichte in ihre Heimat beförderte, wo man ihm anschließend verzeihen und ihn für immer in Ehren halten würde, schien ihm gering. Statt es noch länger um Minuten herauszuzögern, wollte er lieber gleich sehen, was nun passierte.


    Er kroch an den Rand des Dachs zum hinteren Fabrikbereich, von wo aus ein ganzes Aufgebot an punktkleinen Hammeriten zurückstarrte. Offenbar suchten sie noch eine Leiter. Er erkannte das Lieferantentor, dessen Fallgatter geschlossen war. Ein Durcheinander gedrungener Stimmen drang zu ihm herauf. So klein sie aus der Entfernung auch aussahen, ihre Anzahl beeindruckte trotzdem.

    »Ich ergebe mich«, brüllte er durch trichterförmige Hände, »wenn ihr versichert, dass-«
    Das Gemurmel von unten übertönte ihn fast schon hier oben.
    »Stell dich, Sünder!«, hörte er jemanden hinaufrufen. Dann hielt er es nicht länger aus, hinunterzusehen.
    Schließlich zog er das Stadtwachenschwert, um es aufs Dach abzulegen. Dann kippte er den Rest Federfalltrank herunter, welcher ihn so sehr erleichterte, dass jede Windbrise ihn herumriss. Es war ein befreiendes Gefühl. Er verlor wertvolle Sekunden der Wirkung, weil er sich nicht überwinden konnte, doch schließlich schaltete er einfach ab und sprang mit geschlossenen Augen herunter.


    Haltlos segelte er hinab, mehrmals riss ihn der Wind herum. Selbst als er zehn Sekunden später die Augen öffnete, trennte ihn noch eine tödliche Entfernung von den gewachsenen Hammeriten, auf deren lederne Gesichter er hinabsah. Sie bildeten frühzeitig einen Kreis um ihn, während sein Fall sich beschleunigte.
    Der Sturz zwang ihn tief in die Knie, dann hob er kapitulierend die Hände. Sie überragten ihn und kamen auf ihn zu wie eine Presse, die ihn zu zerquetschen drohte. Während manche bereits ihren Hammer bereithielten, kam einer vor und legte seine Hände in Ketten.

    Bis sie gemeinsam den Innenhof erreichten, mussten die Gefangenen wieder an ihre Arbeit zurück. Neugierig verfolgten die kaputten Gestalten das Treiben, doch von Mareju und den anderen fehlte jede Spur. Sie konnten gegen die 20 Hammeriten aus seiner Eskorte ohnehin nichts ausrichten. Der hohe Schlot begann eine dichte, schwarze Rauchsäule auszustoßen.
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    Ritter Mordry's Avatar
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    Mordry gelangte endlich zum Gefangenenviertel wo er aber Mareju nicht erspähren konnte. Die Hammeriten waren etwas aufgewühlt und EINEN Gefangenen zu befreien, würde nicht leicht werden.

    Dann sah er ihn, fertig, abgearbeitet und immer bewacht von einem Hammeriten. Mordry selbst wurde nicht begleitet weil es einen Vorfall im Innenhof und bei einem Generator gab, hoffentlich hatten die anderen die Vorkehrungen getroffen.

    Mordry konnte kaum atmen, die Luft war höllisch heiß und stickig noch dazu. Er ging zu Wache und sprach mit ihr.
    ,, Dem Erbauer zum Gruße..", sprach Mordry:,, ... es gab im Innenhof einen Vorfall, du sollst sofort dorthin gehen!" Der Hammerit antwortete fanatisch:,, Ich werde wie ein Stück Stahl hier stehen bleiben, bis meine Brüder selbst mir etwas anderes sagen."
    ,,Ich verschwende meine Zeit!", sagte sich Mordry und ging etwas weiter. Mareju hatte ihn noch nicht bemerkt, scheinbar hatte er Wahrnehmung und Zeitgefühl verloren. Mordry nahm einen Hammerkopf in die Hand und schlug dem Hammeriten auf den Hinterkopf. Bewegungslos blieb dieser liegen und Mordry eilte zu Mareju.

    Mareju sichtlich überrascht schaute auf den Hammeriten:,, Ist er tot?" Mordry erwiderte kalt:,, Er hat sich den Kopf gestoßen."
    Mordry packte seinen Bekannten am Arm und zerrte ihn in Richtung des Fluchtortes. Mareju fragte ihn:,, Bist du alleine hier?"
    ,, Nein, Malkav sollte auch irgendwo in der Nähe sein und dann noch ein paar andere Diebe. Ich habe sie, seit ich sie hier reingebracht habe, nicht mehr gesehen. Malkav wird langsam paranoid und ich weiß nicht, ob er es mit uns rausschaffen sollte. Wir werden eine Weile warten, bis wir keine Wahl mehr haben!"
    ,, Wo gehen wir hin?"
    ,, Zu den Abluftschächten, über diese können wir flüchten!"
    ,, Nein, wir dürfen dort nicht hingehen!", schrie Mareju Mordry an und blieb stehen.
    ,, Bist du wahnsinnig? Ich bin nicht hergekommen, um jetzt stehenzubleiben und mich zu einem Stahlhammer frittieren zu lassen, sondern um dich rauszuholen, du Burrick!"
    ,, Du verstehst nicht, SIE sind dort eingesperrt!", sagte Mareju mit einem ungewohnt ehrfürchtigen Ton.
    ,, Wer SIE?", fragte der Sinyae.
    ,, Die wandelnden Toten, die Heiden, die sich totgeschuftet haben und als rastlose Seelen umherwandern."
    ,, Sind sie so feindselig?"
    ,, Sie wollen nichts weiter als die Menschen umbringen."
    ,, Dann bin ich ja beruhigt.", lachte Mordry, schlug Mareju ins Gesicht und zerrte ihn weiter.

    Als sie an der Stahltür zu den Lüftungsschächten ankamen, hörten sie ein unheimliches Stöhnen und Grunzen. Einige Hammeriten bewachten die Tür.
    Mordry zeigte ihnen den schriftlichen Auftrag, einen Gefangenen herauszuholen und einen dort hineinzubringen.
    Eine der Hammeritenwachen nickte und gab Anweisungen:,, Alles klar, Vater Parris bewacht gerade die Zellen der Heiden. Wenn dein Gefangener nicht in einer Zelle dort ist, muss er wahrscheinlich irgendwelche Kelche einschmelzen oder so, dem Erbauer zu Ehren." Verabschiedete sich der Hammerit und öffnete die Tür.

    Das Stöhnen und Grunzen wurde immer lauter und Mordry schaute sich nach dem Zielort um. Mareju fragte ihn dann:,, Wie willst du Genie uns eigentlich hier hinausbringen?"
    ,, Mit Federfalltränke, wenn es soweit ist, halt dann bitte die Klappe und würg das Zeug runter!", sagte der Einbrecher während er ihm den Trank in die Hände drückte.
    ,, Diebe sind hier, fangt sie!", schrie einer der Hammeriten vor der Tür, die sogleich aufging.
    ,, Ach verdammt, tut mir leid Malkav, wir können nicht länger warten!", dachte Mordry laut und fing an zu rennen.
    Nach einer langen Hetzjagd, wodurch die beiden Diebe durch ihre leichte Ausrüstung einen Vorsprung gewannen, gelangten sie an die richtigen Rohre. Den Priester hatten sie die ganze Zeit nicht gesehen und die anderen Gefangenen auch nicht. Zwei von drei Schächten sind zu, auf dem mittleren ist starker Druck, so wie es geplant war. An der Wand war ein Hebel, was der wohl auslöste? Mordry betätigte den Hebel einfach mal, die Neugier überkam ihn und bald folgte große Ernüchterung. Auf der gegenüberliegenden Seite, von woher die Hammeriten Verfolger kamen, öffneten sich die Zellentüren und Untote traten aus den Zellen. Mit Mordlust und Blutgier stürzten sie sich in Richtung der Diebe.
    ,, TRINK AUS, TRINK AUS, TRINK AUS!!!", schrie Mordry und schlang die Flüssigkeit des Tranks hinunter. Mit einem Arm über der Schulter von Mareju und einem Arm von Mareju auf Mordrys Schulter sprangen sie in den Schacht hinein.
    Sie flogen mit unglaublicher Geschwindigkeit über die Fabrik hinaus.

    In der Luft war es unglaublich, der Ausblick war sehr schön bis der Fall kam.

    In irgendeiner Gasse der Stadt kamen die beiden Diebe wieder auf. Beide atmeten erst einmal tief durch.

    Mordry stand vom kalten Boden auf und sagte:,, Also dann Mareju, du bist frei und wir sind quitt!" Mordry wollte gerade weggehen bis Mareju fragte:,, Was wirst du jetzt machen?"
    Mordry lachte:,, Zusehen das ich überlebe! Ohne Malkav komme ich nicht weit und er ist immernoch in der verdammten Fabrik. Ich bade zuerst die Scheiße bei der Stadtwache aus, dann seh ich zu, wie ich diesen Geisteskranken dort raushole!"
    ,, Du glaubst seinen Geschichten nicht?", interpretierte Mareju aus dem Satz heraus.
    ,, Solange ich die Wahrheit nicht kenne, ist es mir egal wer mir irgendwas erzählt. Deswegen MUSS ich diese Truhe wiederhaben! Sobald ich die habe, werde ich endlich Licht ins Dunkle bringen können... hoffe ich."
    Dann ging der Sinyae in Richtung der Kaserne.
    Mordry is offline

  10. #70 Reply With Quote
    Moderator Mareju's Avatar
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    Geschunden, müde und Kaputt ging Mareju zurück zum Blauen Reiher. Nun wollte er nur noch ins Bett. Die Sonne näherte sich langsam dem Horizont, und Mareju blickte zurück auf die Fabrik der Hammeriten. Er musste grinsen, dann drehte er sich um und ging weiter.

    Endlich am Reiher angekommen, schnappte er sich was zu essen und ging damit auf sein Zimmer, schloss die Tür und schmiss sich auf das Bett. Er knarrte laut unter Marejus Wucht auf. Mareju schloss die Augen. Ein übernatürlicher Schrei erschrak ihn so herftig, das er orientierungslos aus dem Bett viel. Benommen blickte er sich um. Der Schrei kam aus aus seinem Kopf. Es war ein schmerzerfüllter Schrei, wie er ihn aus der Folterkammer der Hammiten schon einmal gehört hatte. Sein herz raste, es tat weh, so schnell hämmerte es in seiner Brust. Zitternt richtete er sich auf. Er musste sich am Bettrand abstützen, um sich hin zu setzen.SSein Blick viel auf das alte Buch, was neben seinem Bett auf dem Nachttisch lag. Mit schweißnassen Fingern griff er danach, schreckte zurück, und strich mit den Fingern über den Buchrücken. Ihm wurde schwummrig, wie damals als er es nocht gestohlen hatte. Nur diesmal nicht so stark. Es fühlte sich an als ob er besoffen war. Mareju schüttelte den Kopf. Sein Schwindel verschwand, aber nun kicherte von irgendwo ein kleines Mädchen. Bin ich jetzt total verrückt geworden? dachte er sich. Immernoch starrte Mareju auf das Buch. Er nahm es auf seinen Schoß und öffnete es. Die ersten Seiten waren leer. Als er weiter blätterte, stieß er auf ein Bild eines Totenkopfes. Dann, auf der nächsten Seite begann das Buch. An manchen Stellen waren schon die Buchstaben verblasst, oder die Seite kaputt. Mareju hatte anfangs schwierigkeiten es zu lesen, denn die Schrift war überaus verschnörkelt und in einer alten Sprache geschrieben.
    Gebannt las er die ersten Seiten, es schien ein Epilog zu sein. Es handelte von einem Magierlehrling. Er half seinem Meister bei den erdenklichstens grausamsten Versuchen mit Menschen, Kinder, Alten und Kranken. Als bei einem Versuch etwas schief ging, befahl der Meister sein Versuchsobjekt zu beseitigen. Der Lehrling gehorchte, und schaffte die Leiche aus dem Haus des Magiers. Doch der Mann war nicht tot. In der Nacht rächte er sich an dem Magier und seinem Lehrling. Er erstach beide im Schlaf.
    So endete der Epilog. Mareju hatte vollkommen die Zeit vergessen, so gebannt las er die ersten Seiten. Er blickte aus dem Fenster. Die Sonne ging bereits auf. Hatte wirklich die ganze Nacht durchgelesen fragte er sich. Doch nun war er wach, an Schlaf nicht zu denken. Ein Rumpeln in seinem Bauch verriet ihm, das er einen Mords Hugner hatte. So woltle er nach Unten gehn und erst einmal frühstücken. Er blickte schnell noch in den Spiegel. Tiefe Augenringe bildeten sich ab, was ihn aber auch nicht wunderte. Gleich nach dem Essen wollte er weiter lesen, er musste wissen was noch alles darun geschrieben stand...
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  11. #71 Reply With Quote
    Ehrengarde Dèna'dul's Avatar
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    Ich lebte in der Kathedrale, bis ein Feuer mich in der Nacht überraschte. Es zerfraß meine Haut, ließ meine Knochen verfaulen, doch sterben konnte ich nicht. Nun lebe ich in dem was früher die Kathedrale war. Ich fresse, ich beiße, ich grabe,...
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    Noch immer prasselte der Regen beständig gegen die Dächer der Häuser; die Elemente schienen darauf aus zu sein, die Menschheit vom Erdangesicht zu tilgen, sie hinweg zu spülen in den Rachen der Erde. Doch, so sehr der Regen auch in Strömen niederschlug, so vermochte er nicht die standhaften Gebäude zu zerstören, die die Menschen so trotzig erbaut hatten.
    In einem dieser Häuser, dessen Dachrinnen bereits überflutet waren und das Wasser wild überschwappte und auf den Boden klatsche, da saß ein Wirt an einem Tresen; es war ein heruntergekommenes Anwesen, das den Glanz seiner ruhmreichen Tage war längst verblasst, die Fenster verschmutzt, der Tresen verbeult, die Tische und Stühle noch im Trend vergangener Zeiten gefertigt. Doch das Bier, so sagte man, und der Honigwein, fügte man oft hinzu, waren erster Klasse. Und so kam es wahrscheinlich auch, dass der Blaue Reiher noch bis heute eine feste Gruppe von Stammkunden hatte und nur einen kleinen Anteil an wechselnden Kunden: meist Händler, die durch die Stadt zogen, oder Tagelöhner, die nie lange an einem Ort verweilten.
    Hinterm Tresen, auf einem wackeligen, vierbeinigen Stuhl, saß ein rothaariger Mann, zweifelsohne der Wirt. Seine karminroten Augen, die wachsam in den Raum funkelten, verliehen ihm einen rastlosen, wenngleich aufmerksamen Eindruck. Sein Blick schweifte von der Tür zu den Fenstern, dann über die Gäste, wieder zur Tür und wieder zu den Gästen, sodass seine Augen eine stetige Kreisbewegung zu vollziehen schienen. Sein Augenausdruck schien derart kräftig zu sein, dass man meinen könnte, er wäre in der Lage selbst Stahl zu verbiegen, obgleich dies natürlich nicht der Fall war.
    Seine Hände waren ohne Unterbrechung beschäftigt. Wenn er nicht gerade einem Kunden etwas zu Trinken oder, was aber viel seltener vor kam, etwas zu Essen reichte, so schnappte er sich einen Lappen und putzte seine Gläser, den Tresen, oder die Teller. Er hatte sich vorgenommen den Laden wieder auf Vordermann zu bringen; ihn zurück zu seiner ehemalig glorreichen Ausstrahlung zu bringen... doch all dies kostete Geld. Im Keller befand sich genug Bier, Met und Vorrat für einen knappen Monat, einige Holzbretter, und ein ganzer Raum voller Werkzeuge, in dem sich auch ein paar alte "Diebeswerkzeuge" befanden. Sein Bogen war in seinem Zimmer, sein Schwert an seiner Hüfte - gut versteckt unter seinem braunen Gewand.
    Während der Zeit, in welcher er die Gläser wusch oder polierte, dachte er an die Tage zurück, in denen der Reiher noch zu strahlen schien. Und allmählich wurde es ihm bewusst, dass wenn er den Reiher wieder in jenem Glanz sehen wollte, er eine ganze Reihe an Diebeszügen mitmachen müsse, bis er in der Lage wäre, die Umbauten zu bezahlen.
    Er seufzte. Er hatte einen langen Weg vor sich.
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  12. #72 Reply With Quote
    Schwertmeister Rotfront's Avatar
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    Als Rotfront mit der Gemeinde aus der Kirche trat war es schon Stockdunkel. Die Wache hatte schon den Großteil der Gaslaternen angezündet die nun vor sich hin flackerten und die Straßen mit warmem Licht fluteten. Langsam löste sich die Menschenmenge wieder auf, viele waren zügig auf ihrem Weg nach Hause. Trotz der Überwiegenden Präsenz von Stadtwachen und grimmigen Hammerschwingern fühlten sie sich gegen Abend immer noch nicht sicher. Sicher waren sie erst in ihren eigenen vier Wänden, dachten sie jedenfalls.
    Rotfront hingegen machte sich wieder auf den Weg zum Reiher. Er hatte die Nase gestrichen voll von der Stadt. Zu viele Häuser, zu viele Menschen, zu viel Rauch und Dreck. Vor allem zu viele Stadtwachen. Zwar behelligten sie ihn nicht, doch ihre Anwesenheit machte ihn nervös, er dachte jeden Blick in seinem Nacken zu spüren dem sie ihm hinterher warfen. Die Realität sah aber anders aus, nicht einmal eines Blickes wurde der Gestalt in der Mönchskutte gewürdigt. Während er in eine ruhigere, Menschen leerere Gegend ging schaute er erschöpft in den Himmel. Die Luft machte ihm zu schaffen, er hatte einen schwefligen Geschmack auf der Zunge. Was er dort am Himmel suchte war jedoch unauffindbar. Keine Erinnerungen an die Tage in der er als Waise aus dem Fenster sah um den mit Sternen übersäten Himmel zu betrachten kamen ihm beim Anblick des senfgelben Himmels in den Sinn. Eine dicke Matte aus Rauchschwaden verdeckten die leuchtenden Punkte am Himmel, höchstens der Mond war hinter der wolkigen Mauern zu sehen. Blass, matt, hoffnungslos und gelb. Genau wie viele Gesichter dieser Stadt. Doch Rotfront wusste - im Gegensatz zu seinen ehemaligen Brüdern und Schwestern – dass nicht nur die Mechanisten der Grund für diese Vergewaltigung der Natur waren. Auch die Meterhohen Schornsteine der Schmieden, Schmelzen und Fabriken der Hammeriten schleuderten ihren Scheiß in den Himmel. Jenes Spektakel würde so lange weitergehen bis der letzte Mensch keinen Atemzug mehr auf die Reihe bekommen würde. Die Natur würde sich ihr geraubtes Land und ihre Ressourcen zurückfordern und vielleicht wird nach etlichen Hundert Jahren wieder alles von vorne beginnen. Doch was für Gedanken schwebten in seinem Kopfe herum. Natur? Geraubtes Land und Ressourcen? Dachte Rotfront nun schon wie einer dieser gottverdammten Heiden? Nun vielleicht nicht so extrem wie die schmutzigen Fanatiker, doch jeder Idiot musste doch erkennen das Unachtsamkeit zum Ende der Menschheit führen musste. Wie viele Lebewesen sind schon gestorben? In der ganzen Stadt hört man weder das Zwitschern der Vögel, noch das sanfte Rauschen des Windes der durch das Blattwerk mächtiger Bäume streift. Die Menschheit vollzieht einen Wandel welcher unumkehrbar schien. Rotfront schossen zwei Wörter in den Sinn die er in einem recht neuen Buch in der Bibliothek der Hammeriten las als er noch ein Novize der Stahlhammerkapelle war. Metallenes Zeitalter. Diese zwei Wörter beschrieben das Elend das er vor seinen Augen hatte am besten. Die Menschen waren nicht mehr aus Fleisch und Blut sie waren eher... eher wie aus Metall gegossen. Gefühle spielten nur noch eine untergeordnete Rolle und wenn wurden sie bis auf den nackten Knochen ausgenutzt. Viele Bürger verloren ihre Individualität, wurden immer kälter und härter, bis sie sich wie Zinnsoldaten verhielten mit denen man in Kindesalter gespielt hatte.

    Rotfront kam der Weg von der Kathedrale bis zum Viertel in dem der Reiher stand wie ein Katzensprung vor. Jedenfalls merkte er erst kurz bevor er gegen die Tür des Reihers knallte das er schon angekommen war. Hoch errötet rieb er sich den Kopf während er in die Schankstube des Reihers trat und dort als erstes ein kühles Weizen bestellte.
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  13. #73 Reply With Quote
    Hobby Hochstapler  Sercil's Avatar
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    Er landete in einer Sonderzelle viele Stockwerke unter der Stelle, durch die sie eingedrungen waren. Stahltüren und Hammeritenwachen trennten ihn von diesem Fenster. Selbst wenn er Garretts Erfahrung besessen hätte, hätte es ohne Werkzeuge und Seile keinen Fluchtweg gegeben. Falls doch, konnte er jetzt nicht denken. Der tagelange Schlafmangel war so erstarkt, dass Malkav im Gehen wegdöste, wann immer er blinzelte.

    »Sehr unterhaltsam«, flüsterte irgendwann eine bekannte Frauenstimme hinter seinen Augenlidern. Sie sprach undeutlich und manchmal schrill »Alles und jeder versucht dich aufzufressen, von außen und von innen. Und jetzt, wo sie ihre Beute eingeholt haben, werden sie sich um dich schlagen müssen.«
    »Spiele sie gegeneinander aus. Hostis amici hostis meus est.«
    , sprach eine zweite nobel klingende, »Die Hammeriten lässt du Slyven übernehmen... und was Nummer 3 angeht, der wird dir nützen. Die Hammeriten wissen ungefähr, was passierte. Menschenfresser, höre ich sie fluchen.«
    »Mein Fehler. Hehe.«
    »Sie wollen dich in matschige Stücke hauen und den Gefangenen vorsetzen. Kein Geistlicher, kein Prozess. Jedes Anzeichen von Überraschung oder Furcht deuten sie als Schuldgeständnis.«
    »Na jetzt hat er bestimmt keine Angst davor...«
    »Der kranke Teil von ihm nicht, der gesunde schon. Freude und Angst hebt sich gegenseitig auf. Behalte ein Pokerface und... lass dir was einfallen.«


    Ein Tritt in die Magengegend weckte ihn. Mehrere Hammeriten hatten seine Zelle betreten. Dämmriges Abendlicht beschien ihre grimmigen Augen. Ein Anblick, wovon ihm elend wurde, doch seinem Kopf hatte der Schlaf gut getan. Gleichzeitig pulsierte etwas in seinem Schädel wie von Vorfreude. Es kam immer, wenn ihm drohte, gefressen zu werden. Für seine Vernunft war trotzdem klar, dass er auf keinen Fall sterben durfte, ohne seinem Volk die technischen Neuerungen in der Truhe gebracht zu haben und dafür für immer in ihre Geschichte einzugehen. Doch jetzt ließ man ihm keine Möglichkeit, zu rennen oder sich bei irgendwem rauszureden, sodass ihn die Welt nach seinem Tod schnell vergessen würde und ewiges Nichts folgte. Dieser Gedanke hob die Freude sehr schnell auf.

    Über das bekannte Treppenhaus stiegen sie hinab. Er versuchte, durch die Mitte nach oben zu sehen, doch das Fenster war zu weit weg. Er sah nicht weiter als bis zu einem Priester, dessen Gesicht so rot wie seine Kutte aussah, einige Stockwerke höher. Der Mann wirkte verloren, besaß aber einen stampfenden Gang. Malkav riss sich los und brüllte die Treppen hinauf.
    »Pater, Ihr solltet mich anhören! Ich kenne den Namen des Mörders Eures Freundes -«, man riss ihn zurück, »Ich bin Eure Errettung!«
    Der Priester geriet aus dem Blickfeld, als man ihn zum Schweigen brachte. Sie erreichten die fackelbeleuchteten Kerkergänge und bogen in eine kleine Kammer, die sie hinter sich abriegelten. Sein Herz beschleunigte. Statt Folterinstrumenten füllte ein splittriger Holztisch den Raum aus. Die Oberfläche war von dunkel eingetrockneten Flecken und tiefen Kerben übersäht, und er besaß Fuß- und Handfesseln. Ein Hammerit mit schwarzer Haube, Hammer und einem Hinrichtungsbeil stand bereit. Einer hob ihn hinauf und begann, die linke Hand festzuzurren, ehe Malkav daran dachte, Widerstand zu leisten. Er würde hier sterben und gegessen werden, und er konnte nichts tun, als blödsinnig zu grinsen.

    »Wartet«, seine zweite Hand wurde einschneidend festgezurrt. »Lasst mich einen Geistlichen sprechen!«
    »Du hast dein Recht auf Beichte verwirkt, Sünder.«
    Die Füße folgten, während der Maskierte sein Beil schärfte. Die Freude wich langsam einem passenderem Gefühl.
    »Erkennt ihr nicht, wen ihr vor euch habt?«, sprach er ruhig, als Freude und Angst sich in der Mitte trafen und gegenseitig dämpften.

    Die Kerkertür öffnete sich ohne Klopfen. Der rothäutige Priester aus dem Treppenhaus kam herein und nahm bohrenden Blickkontakt auf. Malkav verbot sich jedes Blinzeln.
    »Haltet ein«, befahl der korpulente Priester mürrisch. »Und du, sag was du zu sagen hast. Vielleicht lasse ich deinen Kopf als erstes zermalmen. Ich bin Pater Gutman.«, linste er, als erwarte er dafür einen Verzweiflungsanfall.
    »Stellt Ihr Euch immer so vor?«, rutschte Malkav heraus.
    »Wenn ich will. Hier gilt mein Gesetz.«
    »Hier gilt das Gesetz des Erbauers! Jeder Gefangene erhält eine Befragung und einen Prozess.«
    Gutman fletschte. »Wenn du einen Komplizen verraten willst,«, er begann bedrohlich zu flüstern, »tu es und stelle meine Geduld nicht auf die Probe.«
    »Wollt ihr vertuschen, dass jemand wie ich Eure undurchdringbare Festung betreten hat?«, sein Ton wurde plötzlich mitleidig, »Euch wurde ein wertvoller Bruder auf hinterlistige Weise entrissen. Ich weiß, dass Furcht hinter Eurem Zorn steckt. Ihr fürchtet um seine Seele, weil Ihr glaubt, er könnte im Leben den falschen Weg eingeschlagen haben. Genau wie Ihr.«
    »...du unverfrorener...«
    Vor Gutmans folgenden Drohungen wurde Malkav ganz bange. Er musste sich die ahnungslosen Gefangenen ausmalen, die über Fleischeintopf herfallen würden. Die folgende Freude glich die Furcht aus, sodass er ruhig blieb. Das letzte was er wollte war, vor diesem Mann klein beizugeben.
    »Sucht den wahren Mörder. Der Erbauer wäre erzürnt, wenn Ihr Euch mit einem Sündenbock zufriedenstellt.«, sprach er, während der Hammer über seinem Knie schwebte.
    »Wer. Bist. Du?«
    »Schon gut! Ich bin euer Erretter. Der Erbauer hat mich entsendet. Der Mörder ist kein Mensch, sondern ein Abkömmling des Waldfürsten selbst.«
    »Diese Frevelei!«, schrie Pater Gutman, »Dein Urteil wurde beschlossen und ich will dein Gesicht sehen, wenn ich es verkünde, Mörder!«
    Malkav kam ihm schnell zuvor. »Ihr wollt mich zerstampfen und den Gefangenen vorsetzen. Das ist nicht der Wille des Erbauers und nicht durch Euch zu entscheiden.«, als er es aussprach, wurde die Freude davor so groß, dass sie alle Angst und Anzeichen darauf davonwischte.

    Der Pater stutzte und fragte alle Anwesenden, ob sie ihm davon verraten hatten, erhielt aber nur Kopfschütteln.
    »Ich weiß nicht, woher du es erfahren hast oder was es da so einfältig zu grinsen gibt...«
    »Ich grinse nicht... Ein Unschuldiger hat keinen Grund, Strafe zu fürchten. Und ein Gesandter noch weniger von einem sündigen Priester. Gerne hätte ich mich früher offenbart, doch... der Verfluchte hat sich meine Form angeeignet.«

    Man starrte ihn nur an. Wann immer die Furcht vor der Auslöschung übernahm, konzentrierte er sich auf das Bild der fressenden Gefangenen, und wenn davon die Freude überhand nahm, wieder auf das andere. Nach außen hin wirkte er seltsam, aber relativ emotionslos.
    »Lasst mich einen Beweis-«
    »Diese bodenlose Ketzerei!«, brüllte Gutman und verfiel in rasendes Geschrei. Malkav hörte nicht zu, sondern kämpfte um die neutrale Miene und kluge Worte, bis der Priester kurz pausierte:
    »Die Mechanisten waren ebenso vorschnell, ohne sich Beweise anzusehen. Sie versagten meine Prüfung, bevor ich sie überhaupt beginnen konnte.«, er spürte, dass nun alle Ohren ihm gehörten. »Ihr jedoch legt ebensowenig Wert auf die Wahrheit. Wollt ihr mich tatsächlich töten, auf die Gefahr, dass mein Beweis echt war? Ihr versagt darin, eure Gläubigen zu halten. Eure Kirchen leeren sich und niemand gebietet den Ketzern Einhalt. Ihr zweifelt. Manche von euch fürchten, die Mechanisten könnten die wahren Anhänger sein und euer Orden sei der falsche.«
    Der folgende Wutanfall des Priesters übertraf sogar den letzten, bis sein Gesicht noch roter und seine Augen glasig wurden. »Zerschmettert ihn endlich! Worauf wartet ihr noch?«
    Malkav rief »Eure Hämmer zerschmettern mehr als sie aufbauen!«, wieder gewann er kurze Aufmerksamkeit. »Ihr reagiert so, obwohl ich in keinem Wort Euren Orden, sondern "einige von euch" angegriffen habe? Ihr könnt es weder vor mir, noch vor dem Erbauer verbergen. Befreit euch von der Sünde! Bekämpft die Mechanisten, ehe sie das Wort des Erbauers weiter verdrehen!«, er rief einfach irgendwas, um sich solange eine Metapher auszudenken, wie sie ein Hammerit sagen würde. »Der Erbauer gab euch MICH als Hammer in die Hand, um eure Feinde zu zerschmettern, und ihr werft ihn weg, weil ihr nicht prüfen wolltet, ob... er wirklich ein Hammer IST...«
    Selbst dem Maskierten merkte man an, dass er unter seiner Haube die Stirn runzelte.
    »Stellt mich auf die Probe und fällt DANN Euer Urteil!«
    Der Priester schwieg, als versuche er, die Metapher zu kontern, gab jedoch auf. »Nun... sprich das heilige Gebet-«
    »Pfft«, zischte Malkav schnell, »Ein Ketzer wie Karras könnte das. Ich könnte Euch meine Gaben -«
    Pater Gutman verfinsterte sich und brüllte wieder los.
    »Genug! Wir lassen uns von einem schäbigen Betrüger nicht zum Narren -«

    Ein Klopfen an der Tür erklang, das nicht eher verstummte, bevor der Pater öffnete. Ein junger Novize entgegnete dem zornigen Priester mit einem starren, traurig wirkenden Blick.
    »Pater Gutman. Depesche.«, sprach er gelangweilt und überreichte eine Pergamentrolle mit einem Wachssigel.
    »Depesche?«, Gutman verzog den Mund und wies es zurück, »Legt es in mein Büro.«
    Der Bote drückte es ihm jedoch mit Nachdruck an die Brust, wofür der Priester ein »Unerhört« von sich gab.
    »Ich soll es hier überbringen und Ihr sollt es sofort lesen, ehe Ihr irgendetwas beschließt und eine Dummheit begeht. Genau so hat man's mir gesagt.«, bestand er gelangweilt.
    Nach einer Ansprache über Benimm, die der Bote mit unverändertem Gesicht über sich ergehen ließ, öffnete Gutman schließlich den Brief. Der Bote starrte Malkav mehrere Sekunden lang an, ehe er wortlos verschwand.

    Diesem wurde komisch. Er beobachtete Gutmans Reaktionen. Man konnte erkennen, wie dessen kleine Augen irgendwann still blieben, dann wieder an den Kopf des Briefs sprangen und über den Text flogen. Immer wieder sah ihn dabei an.
    »Ihr könnt Eure Behauptung beweisen, sagt Ihr?«
    Sercil is offline Last edited by Sercil; 22.09.2011 at 22:53.

  14. #74 Reply With Quote
    Moderator Mareju's Avatar
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    Mareju war wie gebannt. Wie bessen lass er in dem Buch. Es fraß ihn förmlich auf. Er merkte, wie süchtig er inzwischen danach war. Doch er konnte nichts dagegen machen. Er musste es lesen, jede freie Minute schenkte er dem Buch. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Nacht für Nacht las Mareju darin. Erst als die Sonne aufging, nickte er für ein paar Stunden ein. Die Augenringe, die zunächst nur leicht markant sein Gesicht zierten, waren inzwischen tiefschwarz. Die Leute meideten Mareju schon, auch wegen seinem Geruch. Schließlich hatte er seit Tagen sich nicht mehr gewaschen. Für ihn gab es nur noch das Buch, essen und schlafen. Seine Augen schmerzten inzwischen, doch es war ihm egal. Dann, wann genau konnte Mareju nicht sagen, er verlor jedes Zeitgefühl, musste er raus aus seinem Zimmer. Er legte das Buch zur Seite auf seinen Nachttisch und Blickte es an. Was war das für ein Buch? Seit Tagen hatte Mareju es gelesen, doch er war immernoch am Anfang. Je mehr darüber nachdachte, desto mehr gruselte es ihn. Er schien wie im Trance gewesen zu sein, denn erst jetzt bemerkte er, das er schon eine gefühlte Ewigkeit mit niemanden mehr geredet hatte oder einfach nur rausgegangen war. Zu sehr fesselte ihn die Geschichte, die er darin las. Er war fast am Ende der Geschichte angelangt, doch was war auf den restlichen Seiten, die er niemals erreicht hatte? Auch die Stimmen hatten aufgehört zu kichern. Noch immer starrte Mareju auf das dicke Buch. Dann stand er auf, holte seinen Mantel, und ging aus seinem Zimmer. Er zögerte kurz beim Rausgehen und wollte weiter lesen. Doch er zwang sich sein Verlangen zu ignorieren und schloss die Tür.

    Als er durch den Reiher ging, sah er, wie die Leute inne hilten, sobald sie ihn erblickten. Sie starrten Mareju an, bis er zu ihnen blickte. Sofort schauten sie woanders hin, gingen ihm aus dem Weg oder aßen schnell weiter, in der Hoffung, dass Mareju ihre Blicke nicht gesehen hatte. Mareju gefiel das. Er spürrte ihre Angst vor ihm regelrecht in seinem Brustkorb. Eine Hitze, wie nach einem Schnaps, tat sich in ihm auf. Doch diese Hitze war anders. Mit ihr fühlte er sich unbesiegbar. Zwar konnte er die anderen Besucher des Reihers nicht alle gleichzeitig sehen, doch er wusste genau, das sie immer wieder verstohlen und ängstlich zu ihm blickten. Doch warum hatten sie auf einmal Angst vor ihm, fragte er sich. Mareju ging zu einem Spiegel und schaute hinein. Er erschrak und taumelte wie benommen etwas zurück. Er sah aus wieder Tod persönlich. Er war Kreide bleich, was seine tiefschwarzen Augenringe noch untermalten. Auch seine Wangenknochen sahen irgendwie ausgeprägter aus. Panik kam in ihm hoch. Was passierte mit ihm? Lag es an dem Buch oder daran das er Tage und Nächte nur gelesen hatte? Schweißgebadet rannte er wortlos nach oben auf sein Zimmer. Er musste wissen, warum er so ist wie er ist. In dem Buch musste die Antwort stehen. Auf halben Weg auf der Treppe fing der Boden wieder an zu wanken. Ihm wurde schwindelig. Dann hörte wieder dieses Lachen. Mareju fiel hin, doch er spürte keinen Schmerz. Er hatte sich sein Knie zwar blutig aufgeschürft, doch es machte ihm nichts aus. So kroch er die letzten Meter auf allen Vieren in Richtung seinens Zimmers. Je näher er kam, desto mehr kreiste alles um ihn. Der Boden rotierte jetzt in alle Richtungen. Mit letzte Kraft zog er sich am Türgriff nach oben und fiel mit der Tür in sein Zimmer. Seine Glieder wurden immer schwerer, und sein Blick immer verschwommener. Wieder ertönte das Lachen, doch diesmal nicht nicht irgendwo aus den Tiefen seines Kopfes. Es kam aus dem Buch auf dem Nachttisch. Er war geöffnet. Mareju wusste nicht mehr, ob er haluzinierte, er verrückt war, oder ob das überhaupt noch die Realität war, alles kreiste zu schnell um ihn. Dann wurde alles um ihn herrum schwarz, und er schlief noch am Boden liegend ein...
    Mareju is offline

  15. #75 Reply With Quote
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    Malkav fiel auf, wie angespannt Gutman auf den Brief starrte. Das Pergament knisterte in seinen Händen.
    »Wieso? Ihr seid KEIN Mann des Erbauers. Ich brauche Euch nur anzusehen...«
    Malkav stutzte als man ihn losband, und dachte: »"Wieso?"? Was ist das? Zögert er? ...dann muss ich überzeugender rüberkommen! Ich darf ihnen auf keinen Fall zeigen, dass mich das überrascht...Ich muss klingen, wie ein Hammeriten-Messias... wie in ihren Gleichnissen...«, dachte er und wischte jede Aufregung aus seinem Gesicht und seiner Stimme. »Ich habe Euch bereits über meine Hülle aufgeklärt. Ein Geistlicher, der nach Äußerlichkeiten entscheidet und Beweise leugnet, bewegt sich nicht im Pfad des Erbauers. Ihr werdet mir nun einen kranken Gläubigen bringen, einen Arbeitsunfähigen.«
    »Maßt du dir an, deine heidnischen Heilkünste als göttliche Gabe auszugeben? Das würde ich erkennen!«, der Priester zeigte auf den Verband, der Malkavs rechtes Auge verdeckte, »Beginne mit dir selbst!«
    »Sieh da, er ignoriert meinen Angriff völlig. Er muss bereits zögern. Dann pass mal auf...«, Malkav blaffte. »Erbauer, schenke mir das Auge zurück, lass SIE sehen!«, er strich mit der Hand über den Verband, ehe er ihn abrupt losriss. Fast alle schreckten zurück, als das gerötete Auge sie anfunkelte.
    Gutman hingegen schien unbeeindruckt.
    »Warum grinst er so dumm? ... Verdammt, er hat geahnt, dass das Auge nie fehlte! Das war eine Falle, ob ich eine Schau abziehe, und ich bin hineingetappt! ... Ich muss besser aufpassen!«, dachte Malkav. »Das beweist nichts.... Gut, sie gehen einen Kranken suchen. Hätte ich deutlicher sein sollen? Sie könnten einen Krüppel bringen. Fast jede Seuche lässt sich besänftigen, aber der Körper ist zu kompliziert, um ihn ohne Buch nachzuformen. Noch dazu so schnell, dass man sofort Ergebnisse sieht. Ein weiterer Fehler, und ich bin tot.«

    Malkav fletschte die Zähne, als Gutman mit gleich drei Männern zurückkehrte. Ein alter Bettler mit weißem Rauschebart und violetten Beulen im Gesicht machte den Anfang. Er wirkte teilnahmslos und schwitzte. Der zweite war ein muskulöserer, junger Mann auf Krücken, der letzte ein missmutig dreinblickender Mann, dessen Hände fehlten. Malkav biss sich fast die Unterlippe blutig, bevor er den Bettler zum Hinlegen aufforderte.
    Er fuhr mit den Handflächen einen knappen Zentimeter über den Körper des Mannes entlang. Zuletzt schwebten seine Hände über den geschwollenen Lymphknoten und machten massageähnliche Bewegungen, als schraube er die Geschwülste heraus und werfe sie fort. »Großer Erbauer, nimm die Plage des Waldfürsten von deinem treuen Diener«, sprach Malkav dabei. Als der Patient wegschlief, schienen die Hammeriten misstrauisch, doch keine zwei Minuten später schwollen die Beulen ab.
    Der junge Arbeiter folgte. Sein Fuß sei in ein Mahlwerk geraten und solle heute abgesägt werden, weil er mit Blut voll laufe und man vermutete, dass der Knöchel pulverisiert sei, erklärte er. Der Bruch klang wahnsinnig kompliziert. Der Fuß war unförmig, verfärbt und voller Einschnitte, vermutlich zum Aderlass. Malkav knirschte mit den Zähnen. Alles kompliziertere als ein gerader Knochen stellte ein Problem dar. Eine ähnliche Prozedur wiederholend erfand er eine weitere Anhörung an den Erbauer. Nichts passierte, er fuhr den Fuß nur noch schneller ab und erregte Misstrauen. Schließlich zuckten seine Mundwinkel nach oben. »Eure Ärzte kennen Aderlass und Amputationen. Sie sehen die Schwellung und versuchen beides.«, er strich gerade Linien über den Fuß, wobei der Mann die Zähne zusammenbiss, »Tatsächlich ist der Knöchel gesund, der Bruch liegt höher und hat die Arterie aufgerissen.«
    Starke Schmerzen schienen den Mann zu lähmen, doch er erholte sich, ebenso wie der Fuß. In kurzer Zeit traute er sich, ohne Krücke aufzutreten. »Unglaublich, bloß etwas steif... und das Bein fühlt sich "ausgedünnt" an...«
    »Ich bin ein Baumeister. Ich weise den Körper an, welches Material er wo und wie schnell umverteilen soll, ich erschaffe es nicht aus dem Nichts.«, entgegnete Malkav. »Der Erbauer schenkt dir nicht das Holz für einen Hausbau. Warum sollte er es tun, wenn Reparaturen anfallen? Nähre dich gut mit Milch.«
    Der Geistliche und die Hammeriten wirkten überaus gespannt auf den handlosen Griesgram. »Wenn Ihr Augen zurückfordern könnt, könnt Ihr diesem Handwerker die Hände zurückgeben. Nehmt das Material aus seinem Rückgrat.«
    »Wollt ihr mich auf den Arm nehmen? Ich bin ein Lehrling! Ich hab nie gelernt, wie man ganze Gliedmaßen nachformt!«
    Anschließend wiederholte er die Prozedur. Nichts geschah. Er rang um Sekunden.
    »Hm, ein glatter Durchschnitt... wobei passierte das gleich nochmal?«
    »Holzfällen«, erwiderte der Griesgram knapp.
    »Dann sollte ich Euer Rückgrat nicht-«
    »Tut es einfach.«, würgte ihn Gutman skeptisch ab.
    »Er wird nicht arbeiten kö-«
    »Tut. Es.«
    »Er ließ doch zuvor ständig mit sich verhandeln... warum würgt er jetzt alle Ausflüchte ab? Verdammt, wie soll ich mich hier herauswinden? Wenn ich es trotzdem versuche...«

    Malkav summte nachdenklich und zeichnete mit seinen Fingern die Handknochen des Mannes nach. Als er nochmal darüberstrich, brüllte der Mann entsetzlich. Krumme Knochenspitzen ragten langsam aus den Stummeln. Alle Anwesenden beobachteten fassungslos, als Muskel- und Hautgewebe wie Matsch darüberfloss. Das Ergebnis wirkte verstörend und ähnelte entfernt Zehen. Die Hammeriten schreckten zusammen und Malkav beobachtete schockiert, wie die Hammeritenkrieger ihre Hände nach ihren Hämmern ausstreckten.
    »Ich wusste es!«, rief er, »Gutman, Ihr habt mich betrogen! Dieser Mann ist ein Sünder, einer Eurer Gefangenen! Ihr habt seine Hände zur Strafe abgeschlagen, nicht wahr? Der Erbauer ist erzürnt!«
    Ein Hammerit riss seinen Hammer in die Höhe und übertönte den schreienden Griesgram mit einem Kampfschrei. Malkav hob die Arme vor sich, ehe der Hammer den Patienten am Schlüsselbein traf und zu Boden schmetterte. Das Geheul verstummte.

    Pater Gutman griff nach Malkavs Händen und küsste sie.
    »Wir können weder etwas vor Euch, noch vor dem Erbauer verbergen! Vergebt mir! Ich kann meine Zweifel nicht länger rechtfertigen.«, bebte er.
    »Ihr... nehmt endlich Vernunft an?«, das Chaos in Malkav wich einem überwältigenden Gefühl, als er den autoritären Priester vor ihm knien sah. »... spendet die Hälfte Eures Vermögens den Bedürftigen und sprecht zwanzig "Erbauer, vergib uns" täglich. Für den Rest Eures Lebens.«
    Er kostete Gutmans inbrünstigen Schwur aus, Folge zu leisten. Dann brachte man ihn in eines der oberen Gemächer.


    Zuletzt fragte Gutman »Was ist Eure Mission, Erretter?«
    »Ein Urteil über die Mechanisten zu fällen. Oh, und normalerweise haben Gläubige zu knien und mich um Erlaubnis zu fragen, zu sprechen, aufzustehen oder zu gehen.«
    »Verzeiht!«, die Masse des Priesters brach auf die Knie, »Erlaubt mir, eine Frage zu stellen, Herr.«
    »Zeigt mir erst diesen Brief.«
    »Er stammt von Euren Anhängern im Adel«, sprach Gutman und reichte ihm den Brief.

    Die Schrift war wenig verschnörkelt und in Eile geschrieben. Mehrere Signaturen und Wachssiegel befanden sich darunter. Der Absender sprach von einem "vom Erbauer gesandten Erretter", welcher entscheiden sollte, ob die Hammeriten oder die Mechanisten dem Erbauer näher standen, und sich dem Orden daher noch nicht offenbart hätte. Nun vermutete man, er befände sich unter den Gefangenen. Malkav unterdrückte ein Stirnrunzeln. Die volle Ausführung, die Beschreibung, all das passte Wort für Wort zu seiner Geschichte, obwohl er sie Minuten vor Eintreffen des Briefs erfunden hatte. Es bestand kein Zweifel, dass der eigenartige Bote gelauscht und es dann aufgeschrieben hatte. Malkav entzifferte die zeilenlangen Namen darunter und prägte sich die letzten davon ein.
    Van Rughenheim
    LaHolmstrom
    O'Malley
    Wittgenstein


    »Sicher habt Ihr keine Verwendung für ein Stück Papier. Ich werde es... verzeiht, darf ich sprechen?«, sagte Gutman.
    »Fünfundzwanzig "Erbauer, vergib uns".«, sagte Malkav und gab es zurück, »Sprecht.«
    »Ist es recht, wenn ich Eure Audienz beim Ordensoberhaupt auf morgen ansetze? Ich verstehe, dass Ihr inkognito bleiben wolltet, doch angesichts der Umstände würde das den Orden nur weiter verunsichern.«
    »... natürlich.«
    »Klärt Ihr mich auf, was in meiner Fabrik geschah?«
    Malkav gestikulierte dramatisch, »Der widerwärtige Prophet des Waldfürsten stahl hinterlistig meine Kraft und gab mir diese Gestalt! Dann tötete er Eure Brüder, fraß ihr Fleisch, befreite die Untoten, und täuschte Euren Brüdern vor, ich sei dafür verantwortlich! Schnappt ihn! Vernichtet diese Abscheulichkeit!«
    Gutman rief einen Boten herbei, dem Malkav Aussehen und Namen beschreiben sollte. Nach kurzem Zögern beschrieb er Slyven, woraufhin ein immenses Kopfgeld ausgesetzt wurde.
    »Was passierte auf dem Dach? Ich sah einen Blitz.«
    »Ich zeigte Euren Brüdern das Licht der Wahrheit... doch ich war zu geschwächt und gezwungen zu fliehen. Noch nie wurde ich so gedemütigt! Verdoppelt das Kopfgeld!«
    »Verdoppeln... so sei es. Ein Inspekteur der Stadtwache verschwand, zusammen mit einem gefangenen Untoten.«
    »Untot?«, er rieb sich die Lippe, »Von wem außer Mareju sollte er sprechen? Merkwürdig« »Ungläubige. Beute. Vergesst sie. Ihr kostetet mich Kraft, ich verliere an Stofflichkeit... Ihr bietet mir kein Festmahl an?«
    »Oh, natürlich!«, sprang der Priester wie elektrisiert auf, »Verzeiht, stärkt Euch, ruht! Ich lasse Euch Kleidung bringen!«
    »Ein Bad wäre vor der Audienz ebenfalls angemessen. Als Zeichen, dass ich nicht nachtragend bin, erlaube ich, dass Ihr es persönlich einlasst. Ihr dürft nun gehen.«


    Im luxuriösen Gemach allein warf er sich in das Himmelbett. Noch nie hatte er sich so nach Schlaf und einer Verarbeitungspause gesehnt, doch noch war es zu früh. Nachdem die Abspannung abflaute, realisierte er, was er gerade durchgezogen hatte. Die unerwartete Unterstützung hatte ihn gerettet.
    »Wenn dieser Bote und seine Freunde mich lebend wollen, wer benutzt Sly? Die Blüte.«, dachte er und murmelte dann halblaut, als klar war, dass niemand lauschte. »Was wollten sie mir damit sagen? Dass die Truhe sie nicht interessiert?... Warum offenbaren sie sich nicht, wenn sie mir wohlgesonnen sind? Ist es sicher, sie zu ignorieren und sich auf die Truhe zu konzentrieren? Auch ohne Störung wird das sehr schwer. Heute morgen hätte ich es noch "unmöglich" genannt... Aber ich verliere die Kontrolle, mir bleibt nicht genug Zeit, ich kann nicht entscheiden, was ich tun soll! Verflucht!«, er boxte ins Kissen und sah sich um, als suche er jemanden, und wurde dann wehmütig.
    Die Fenster boten Ausblick auf die Nacht und das umnebelte Stadtviertel. Die Flucht würde leicht, obwohl ihm der Luxus gefiel. Schließlich schnürte er zwei der goldenen Kerzenständer, eine hochwertige Schatulle und einen Silberteller mit Silberbesteck zusammen.
    »Wo ich herkomme, gibt es kein Wort für Diebstahl...«, murmelte er dabei und gestand sich ein, ebensolchen Spaß und Genugtuung zu empfinden wie dabei, Gutman herumzukommandieren, doch es befriedigte nicht.
    Grübelnd lief er den menschenleeren Weg bis zur Kapelle hinunter. Auch sie war verwaist. Er suchte die Weihwasserbecken. Mit dem Finger rieb er sich den Tränenkanal des geröteten Auges und wusch ihn dann lächelnd in allen Weihwasserbecken ab.
    »Hammeriten, Slyven... ihr seid raus.«
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  16. #76 Reply With Quote
    Ritter Mordry's Avatar
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    ,, Wo ist das verdammte Medallion?", fragte Mordry den am Boden liegenden Taschendieb. ,, Ich habe es doch schon gesagt! Zu weit weg um es irgendwie noch erreichen zu können!" Mordry wurde allmählig ungeduldig mit dem Taschendieb.

    Nachdem er aus der Hammeritenfabrik wieder zurückkehrte, durfte er sich erstmal einem weniger freundlichen Verhöhr unterziehen. Der Kommandant erkannte die List, die Mordry anwendete um seine Komplizen in die Fabrik zu bekommen. Der Kommandant schlug und schimpfte aber Mordry konnte während dem "Verhöhr" eine Geschichte erfinden, die ihn wenigstens etwas zufrieden stimmte.
    Laut seiner Geschichte hat er zwar die anderen durch ein Fenster hineingelassen aber nur, um das Medallion schneller zu finden. Er heuerte Diebe an, damit sie dieses schneller finden können, zur Belohnung durften sie einige Sachen mitgehen lassen. Es war angeblich nie sein Plan, dass alles so ausartete. Der Kommandant war wegen dem Medallion sauer und ließ seine Wut dafür an einem Gefangenen aus, armer Bastard. Jetzt hat er wohl zwei Arme und zwei Beine weniger... vielleicht auch noch eine Niere oder andere Gedärme.
    Mordry wurde offiziell aus der Stadtwache entlassen und angeblich bereits getötet worden sein, wegen Verrat. Insgeheim ließen sie Mordry aber leben und schmissen ihn in die Gosse, weiterhin um als Spion zu arbeiten und dieses Medallion zu finden. Seine Rüstung haben sie weggenommen aber sein Schwert haben sie ihm gelassen. Was war überhaupt so wichtig an diesem Schmuckstück? Der neue Deal sieht folgendermaßen aus: Da Mordry offiziell tot ist, darf er nicht mehr so oft an die Öffentlichkeit, die Hammeriten sind immernoch stinksauer auf Mordry weil sie wissen, dass nur er es sein konnte. Deswegen darf er danach einen Wachposten im hinteren Teil des Gefängnis bekommen, nahe der Truhe. Die Truhe war das Einzige, was ihn irgendwie interessierte.

    Nachdem viele Hehler und Informationshändler bestochen und überredet wurden (welche hauptsächlich mit Mordrys Sold und Schmiergeldern vom Kommandanten bezahlt wurden) fand er endlich genug Hinweise, um den Taschendieb zu finden. Er hatte ein Zimmer in einem Gasthaus am Rande der Stadt und wartete dort auf irgendwas.
    Mordry stattete dem Dieb einen kleinen Besuch ab. Der Dieb wollte abhauen, als er Mordry sah, doch war Mordry schneller und das Fenster zu weit von der Tür in das Zimmer entfernt. Der Wirt hatte keine Probleme wenn Mordry ein wenig aufräumte, er meinte, es würde immer mal wieder passieren das irgendein Abschaum in seinem Gasthaus ein Versteck sucht.

    ,, Was meinst du mit weit weg?", fragte die ehemalige Stadtwache sauer, der Dieb grinste nur. Als Antwort flog Mordrys Faust, er lernte tatsächlich was vom Kommandanten, wo es am meisten im Gesicht schmerzt, wenn man zuschlägt.
    Der Dieb antwortete mit gebrochener Nase und blutüberschmiertem Mund:,, Die... die Mechanisten... sie bezahlen mich für jeden gestohlenen Hammeritengegenstand. Außerdem scheinen sie Interesse an Hammeriten Informationen zu haben!" Mordry war verwundert:,, Die Mechanisten? Was haben die damit zu tun?, was wollen die überhaupt damit?" Der Dieb röchelte wegen dem Blut, was seine Kehle hinunterfloß aber antwortete:,, Ich weiß es nicht, ich arbeite nur für sie, sie bezahlen immer gut und stellen keine Fragen."
    Mordry konnte keine logische Lösung finden, warum sollten die Mechanisten so versessen auf Hammeritengegenstände sein? Reicht das, was sie schon benutzen nicht mehr aus?
    Mordry half dem Dieb auf und fragte:,, Wie ist eigentlich dein Name?"
    Der Dieb antwortete verwirrt:,, Mirius, warum fragst du jetzt nach dem Namen nachdem du mich verprügelt hast?"
    Mordry antwortete scherzhaft:,, Weil mir deine Fresse nach dem einschlagen sympathischer vorkam!"
    Der Dieb schaute noch verwirrter und Mordry klärte ihn auf:,, Ich scherze nur, ich kann dich noch gebrauchen. Du arbeitest für den Höchstbietenden, nehme ich an?"
    Der Dieb nickte und Mordry flüsterte:,, Gut, ich muss den Mechanisten hier in der Stadt wegen dem Medallion und ein paar Antworten einen kleinen Besuch abstatten, DU weißt wo sie sind und wie das innere der Mechanistenstation aussieht."
    Der Dieb erwiderte überrascht:,, Das kann ich nicht machen! Egal wie viel man mir bezahlt, das kann ich nicht machen! Ich werde ihr ansehen verlieren und dann... erwarten einen schlimmere Dinge als der Tod..."
    Mordry fragte:,, Schlimmere Dinge als der Tod? Meinst du etwa Folter?"
    ,, Schlimmer, lebenslange Sklaverei, sie haben die Fähigkeit, Tote in Maschinen wiederzubeleben, sagen sie jedenfalls. Sie nennen sowas "Befreiung"."
    ,, Das hört sich nicht gut an wenn es denn wahr sein sollte, weißt du denn warum sie ein solches Interesse haben in Hammeritengegenstände?"
    ,, Nein, sie wollen nur soviel haben wie sie irgendwie kriegen können."
    ,, Vielleicht haben sie kein Material mehr? Wie auch immer, ich bleibe dabei: Du wirst mich in die Eingeweide der Mechanisten bringen und dafür darfst du ALLES Wertvolle mitnehmen, was ich oder du finden solltest. Bis auf das Medallion selbstverständlich."
    Der Dieb fragte:,, Was passiert, wenn ich ablehne?"
    ,, Dann fliegen Fäuste und verlass dich darauf, ich kann und werde dich jederzeit finden! Es gibt kein Versteck, wo man sicher ist oder nicht gefunden werden kann! Wir treffen uns morgen hier vor dem Gasthaus!"
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  17. #77 Reply With Quote
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    Mareju wachte in seinem Bett wieder auf. Leicht benommen merkte er, wie sein Knie ihm weh tat, und sein Kopf brummte. Nur spärlich konnte er sich daran erinnern, was passiert war. Geschweigeden, wie er in sein Bett kam. Dann riss Mareju die Augen schlagartig auf und schnellte aus dem Bett. Das Buch! Hektisch griff er danach. Doch irgend etwas war anders daran. Es zog ihn nicht mehr magisch an, wie früher. Und es sah auch irgendwie anders aus. Wie konnte Mareju nicht beschreiben, doch es war anders. Er legte es aufs einen Schoß, und öffnete es. Mareju erschrack. Es war kein Geschichtsbuch mehr, es war ein Buch über Hexerei. Über Todesmagie. Mareju schauderte es. Was war damit passiert? Und was passierte mir ihm? Er legte das Buch beiseite und zog sich um. Er wollte in Reiher, unter Leute, das Buch erst mal vergessen.

    Auf den Treppen nach unten wurde ihm leicht schwindelig, als ob er einen leichten Drehwurm hatte. Er griff nach dem Geländer und stieg die letzen Stufen hinab. Wieder spürrte er diese Hitze in seiner Brust, wieder spürte er die Angst der Menschen. In der Ecke neben der Treppe befand sich ein Wasserfass. Mareju blickte hinein. Erleichtert sah er sich, normal, mir Farbe im Gesicht. Nur die Augenringe waren noch etwas zu sehen. Erfreut über sein normales Ausehen ging er zum Wirt und bestellte etwas zu Essen und zu Trinken. Er hatte seit tagen nichts mehr gescheites gegessen. So setze Mareju sich auf seinen Stuhl und beobachtete die Menschen, die ebenfalls im Reiher saßen. Doch etwas war merkwürdig. Man schien ihn zu meiden. Wie am Vortag erhaschte Mareju einige ängstlich verstohlene Blicke. Dann kam sein Essen. Déna'dul, der Wirt, verschwand aber auch sofort und wortlos, als er Mareju das Essen brachte. Mareju schlang es wie wild in sich hinein, so schnell, dass ihm fast wieder übel wurde. Mit gefüllten Magen machte er es sich in seinem Stuhl bequem und streckte die Beine aus. Sien Knie tat immer noch weh, doch er ignorierte einfach den Schmerz. Er starrte auf den leeren Teller und das Besteck. Der Anblick des Bestecks fesselte ihn. Einige Minten starrte er darauf, bis er zitrig die Hand in Richtung der Gabel streckte. Ohne sie zu berühren, fing diese an zu vibrieren. Als Mareju dies bemerkte, erschrak er abermals an diesem Tag, so stark, das er rückwärts mit den Stuhl nach hinten Kippte. Es wurde ruhig im Reiher. Alle Blicke waren auf ihn gerichtet. Mareju blickte verschmitzt. Dann schauten alle augenblicklich wieder woanders hin, als wäre nie etwas passiert. Mareju rappelte sich auf, und starrte wieder auf die Gabel. Was zur Hölle war das eben? Er konnte es sich nicht erklären. War er das gerade? Oder halluzinierte er wieder? Eins war sicher, dass, obwohl er gerade gut gegessen hatte, wieder Hunger hatte. Noch leicht zitternd bestellte sich noch einen Braten. Dèna'dul blickte ihn zwar entgeistert an, einen zweiten Braten für eine Person zu machen, doch erfüllte ihm seinen Wunsch, ohne weiter nach zu fragen. Er musste mir irgendjemand darüber reden, nur mit wem, der ihn nicht völlig für verrückt halten würde. Mordry oder Malkav vielleicht, schließlich kamen sie doch angeblich aus einer anderen Welt. Doch sie waren nicht hier. Er musste sie suchen...
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  18. #78 Reply With Quote
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    »Den Rest kennst du.«, erzählte Malkav, der seine übergroßen Treter mit den globigen Hammeritenlederstiefeln tauschte. Der einzige Teil der neuen Klamotten, den er gefahrlos tragen konnte. »Sau eng...«
    »' genau deine Größe...«, Ramien schüttelte seinen rotblonden Strohkopf. »Großer Gott, jedem andern hätt' ich aufs Maul gehauen, weil ich denken würde, er verarscht mich! Ein Hammeriten-Verhör überhaupt zu überleben...«
    »Man muss ihre Sprache sprechen. In meiner Heimat zieht ständig einer diese Nummer ab.«
    Ramien begutachtete die edelsteinbesetzte Schatulle. »Gottgesandte? Bei euch? Ich dachte, ihr glaubt an Schicksal?«
    »Schicksalsboten, Dämonen, Jacke wie Hose. Es gibt schrägere Versuche, zweihundert Jahre nach seinem Tod ein Top-Gesprächsthema zu bleiben. Wer weiß. Vielleicht täte ich’s auch, hätte man mich nicht verbannt.«, er schnürte alles zusammen, was er aus dem Versteck geborgen und bei Ramien zurückgelassen hatte. »Ist verboten, über mich zu sprechen.«
    »Und deine Truhe kann das wirklich ändern?«
    »Ah, ich mag gar nicht dran denken, dass es nicht reicht. Wenn ich versage, vergisst mich die ganze Welt, und dann blüht meinen Freunden dasselbe. Im ewigen Nichts gefangen... was gibt es schlimmeres?«
    »Aber wieso riskierst das für diesen Mareju?«
    Malkav verdrehte die Augen, als hätte Ramien etwas idiotisches gesagt. »Hörst du nie zu? Man sagt, wer mit uns Verbannten in Kontakt kommt, habe nichts als Unglück. Darum ja die Verbannung. Ich dachte, Mareju wäre dem Fluch zum Opfer gefallen. Wäre das wahr, hätte es keinen Sinn gehabt, nach Hause zu segeln. Dass ich ihn befreien konnte, beweist das Gegenteil! Außerdem deutete alles darauf hin, dass ich mich stellen muss.«
    Ramien beäugte den Silberteller kritisch. »Dachte schon... ihr Koy seid manchmal so sentimental mit den schlimmsten Mistkerlen.«
    »Nur mit dir...«
    »Wobei du deine Truhe mit dieser Nummer allein nicht zurückkriegst...«
    »Mhm. Aber was gestern als unmöglich galt, ist heute geschehen, oder nicht? Egal, erst kümmere ich mich um meine "Retter".«, er warf ihm die eingetrocknete Blüte rüber, sodass Ramien vor Schreck den Teller fallen ließ. »...dass sie sich nicht offenbaren, ist kein gutes Zeichen.«
    »Könnten es... Slys Freunde sein?«, schauderte Ramien. »Aber vielleicht arbeitet er ja allein...«
    »M-M.«, verneinte Malkav. »Hunde bleiben im Rudel und sind ohne Herrchen aufgeschmissen. Er hat keine Initiative. Die Blütenversender halfen mir und hätten die Truhe längst nehmen können. Aber ich will nicht im ungünstigsten Moment rausfinden, dass sie andere Hintergedanken haben. Ausgehend davon, wie empfindlich diese Pflanze ist, kann man sie nicht monatelang übers Meer transportieren. Ein Heide muss diese hier nachgezüchtet haben.«
    »Malk! Sly, gruselige Koy, Hammeriten, Heiden... beim Waldfürst, musst du mit den gefährlichsten Leuten des Universums anecken? Ihre Anführerin soll nicht mal menschlich sein!«
    »Darum brauche ich jemanden, der mich ihr vorstellen kann oder ihr Heiligtum kennt. Die Absendernamen der Depesche nützen wenig.«, er warf sich den ausgebeulten Sack über die Schulter. Das Gewicht mehrerer Wälzer spannte.
    »Herrje, Malk, keine Ahnung! Hätte ich Feinde wie du, hätte ich das Logischste getan und wäre ausgewandert... Du kommst nur noch zu mir, weil du das erste mal in deinem Leben länger als 2 Stunden allein denken musst!« (Malkav schwieg) »Dabei hast du die Lage ganz gut im Griff, oder? Ich bin schon froh, wenn nicht alle Welt meine neue Adresse kennt...«
    »Ja, nette Hütte. Besser als der Kerker, in dem du ohne meine Warnung gelandet wärst. Übrigens hat mir mein Freund von der Stadtwache erzählt, dass man Hehler fast nur noch überführt, indem man auffälliges Diebesgut zurückverfolgt...«, er zuckte grinsend mit den Schultern. »Atme durch. Sly ist jetzt mit verkriechen dran, die Hammeriten suchen überall nach kräftigen Kerlen. Ich bin heute gut aufgelegt. So gut, dass ich dir nachsehen werde, wie du mich verleugnet hast. Tu mit dem Kristall, was wir vereinbarten, dann trennen sich unsere Wege. Endgültig.«
    »Oke.«, fiepte Ramien kleinlaut. »Dann hättest du mir nicht die komplette Sache erzählen sollen... ich kaufe nur diese Klamotten. 40 Silber, Freundschaftspreis. Jetzt geh' schon!«

    Sicher hätte er sich einen schöneren Abschied vorgestellt als ein Jetzt geh' schon! mit paranoiden Blicken, doch er erwartete nichts anderes mehr von Stadtbewohnern. Umso gespannter erwartete er die Heiden.
    Selbst nachts patrouillierten Hammeriten die Straßen, doch niemand behelligte ihn. Bald würde er der Meistgesuchte sein.
    Im Blauen Reiher fand er weder Mordry, Mareju, Corvus und nicht einmal Dèna'dul, ein anderer Mitarbeiter handelte mit ihm die Miete für ein neues Zimmer aus. Zusätzlich zu den Reparaturkosten für das alte, welches Sly in Kleinholz verwandelt hatte. Minuten saß er auf seinem Bett und dachte alles durch, ehe er zwei Hände voll Pulver aus der gelb-weißen Schachtel einwarf und dem verlockenden Bett nachgab.

    Das erste Durchschlafen seit Tagen. Als er hervorragend ausgeruht erwachte, war schon wieder Abend.

    ***

    Kaum dass er in den Schankraum hinabstieg, fiel ihm ein nervöser Gast neben der Treppe auf. Neben dessen Abendessen lag ein Brief, doch man konnte erkennen, dass der Mann sich weder darauf, noch aufs Essen konzentrierte. Malkav hatte oft beobachtet, wie frischgebackene Kriminelle in der Öffentlichkeit versuchten, unschuldig und beschäftigt zu wirken, dann aber diesen eingeschüchterten und nervösen Eindruck hinterließen. Ein seltener Anblick im Reiher, wo sich nur richtige Psychopathen oder Musterknaben Feinde machten. Doch dann beobachtete er dieses Verhalten auch bei älteren Gästen. Bei jedem. Das Unwohlsein griff um sich wie eine Infektion und ging von einer alleinsitzenden Person aus.

    Mareju staunte nicht schlecht, als er Malkav auf sich zukommen sah.
    »Ich dachte, es hätte dich erwischt!«, platzte es ihm heraus, ehe er bemerkte, wie still der Schankraum geworden war. »Ich meine, schon erholt
    »Oh, so eine Kräuterhexe hat genau das richtige Mittelchen vorbeigebracht. Schade nur, dass mich keiner von euch besuchen kam... Du siehst aus, als solltest du auch mal an die frische Luft.«
    Mareju verstand und ging mit ihm vor die Tür. Sie umrundeten den Reiher bis in den Hinterhof.
    »Wow, wenn jemand sagt "dem will ich nicht nachts auf der Straße begegnen"... dann spricht er von dir.«, bemerkte Malkav. »Man fühlt wirklich nicht wohl in deiner Nähe. Hat das mit mir zu tun?«
    »Ähm, nein, kaum. Gibt nur nicht viele andere, denen man es erzählen könnte.«
    »Mh, klingt nicht sehr schmeichelhaft oder verlockend, aber war dir anzusehen, dass du reden wolltest. Wie wäre es mit einer kleinen Koy-Tradition? Ich höre mir die Sache erstmal an, dann sehen wir weiter. Und du erledigst einen harmlosen Gefallen für mich.«
    Sercil is offline

  19. #79 Reply With Quote
    Moderator Mareju's Avatar
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    "Wernn ich nicht wieder in Knast lande, von mir aus." Mareju atmete tief durch, dann fing er an zu erzählen. Den Einbruch in das Herrenhaus kannte Malkav bereit, so begann Mareju gleich von dem Buch zu erzälhen. Wie er immer und immer wieder dieses Gelächter hörte, von seinen Schwindelattacken, seiner Bessenheit das Buch zu lesen, das nie zu Ende lesbar war und über das Buch selber, wie es sich veränderte. Malkav hörte gespannt zu, bis Mareju zu dem Punkt kam, als er nach unten in den Reiher ging und vollkommen anders aussah.
    "Malkav, du musst mir helfen. Ich war nicht mehr ich selber. Ich sah aus, wie...wie..." Mareju rang nach Worten. "Ja, wie der wandelnde Tod auf Erden! Du glaubst mir doch, oder? Bitte glaub mir, ich tu es ja selber nicht mehr." Malkav schwieg, dann lächelte er Mareju an. "Warum lachst du?" Sag es mir!"
    "Weißt du, sowas nennt man Magie. In deinem Fall, würde ich sogar sagen, Todesmagie." Als Mareju das hörte, taumelte er wie benommen nach hinten. Er stütze sich an der Mauer, um nicht nach hinten weg zu kippen.
    "Todes...magie?" keuchte er. Er, Mareju, ein gewitzer Meisterdieb mit vielleicht eigenartigen Weltanschauungen und Verstand, besaß ein Buch über Todesmagie?
    "Deswegen meiden mich die Leute..." murmelte er kaum verständlich in sich hinein.
    "Hey, Kopf hoch. Immerhin biste ja nicht tot" scherzte Malkav. "Außerdem, ich würde mich glücklich schätzen so ein Buch zu besitzen. Es gibt sicher nicht viele solche Bücher."
    "Du hast gut reden Malkav. Was mach ich jetzt?" Mareju keuchte immer noch. Ihm war nicht wohl bei der Sache. Was sollte aus ihm werden? Ein strohdoofer Untoter ohne Hirn?
    "Ich würde weiter lesen und mehr darüber erfahren."
    Mareju dachte nach. Wer weiß was man mit so einen Buch alles anstellen könnte? Vielleicht war es sogar nützlich. Denn, wer sollte einen Dieb mit magischen Fähigkeiten aufhalten können? Ihm stand quasi jede Tür öffen, oder auch das Tor zur Welt. Die Hitze in seiner Brust kam zurück. Mareju spürrte wie gut diese Hitze tat, ein unbeschreibliches Gefühl tat sich in ihm breit, als wäre er nun unbesiegbar. Am liebsten wäre er jetzt direkt in sein Zimmer gerannt, das Buch geschnappt und darin mehr über Magie gelesen. Mareju hatte Malkav ganz vergessen. Dieser stand immernoch rührungslos da, und bebachtete Marejus Blitzen in seinen nun großen Augen.
    "Siehst du, du bist wieder ganz der Alte" sagte er und riss Mareju aus seinen Gedanken.
    "Was meinst du?"
    "Ach nur so." lachte er. Kommen wir jetzt zu meinen Gefallen..."
    Mareju is offline

  20. #80 Reply With Quote
    Hobby Hochstapler  Sercil's Avatar
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    Er wiederholte seine Theorie über die Blüte.
    »Ich will, dass du Augen und Ohren nach Leuten offen hältst, die mit Heiden in Kontakt stehen. Bestenfalls ein Mitglied, dessen Vertrauen man gewinnen könnte. Je schneller, je besser. Ebenfalls interessant wären Pflanzenbegeisterte... Mittelsmänner, welche sich auf Geschäfte mit Außenseitern einlassen.«
    »Ach, das ist alles? Mit den ganzen Mechanisten und Stadtwachen ist es lebensgefährlich für Heiden-Freunde geworden. Man darf kaum zugeben, Zimmerpflanzen zu halten, wie soll ich da jemanden erkennen? Die meisten haben sich schon in ihren Wald verdrückt und schießen, bevor sie fragen, wer du bist.«, antwortete Mareju.
    »Darum die Frage. Alles Verdächtige, was dir auffällt, könnte helfen. Ich möchte diese Stadt verlassen, aber mindestens eine der beiden Gruppen wird das verhindern. Außerdem bin ich neugierig. Seit ich die Truhe verloren habe, trieb mich nichts als eine leise Idee, wer dahintersteckt. Ich muss die Truhe vorerst lassen wo sie ist, doch allmählich wird die Zeit knapp.«
    »Ja schön, aber die Heiden trauen Fremden nicht. Die Hälfte ihrer Monster wartet nur auf einen Außenseiter zum fressen.«
    Malkav horchte auf. »Dann kommt das ja nicht mehr überraschend. Dir würde es auch nicht schaden, deinem Auftraggeber Herr Nekromant nachzuschnüffeln.«
    »Wie du meinst...«, zuckte Mareju, der offensichtlich ungeduldig wartete zu gehen, »Wenn ich was höre, finde ich dich im Reiher?«
    Er nickte und grinste schadenfroh. »Sly ist vorerst verhindert. Kein Grund mehr, durch die Stadt zu rennen.«
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