16.11.2005, 22:36
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#1
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Ritter
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[Story]|Die Nacherzählung|
Kapitel 1:
Die Welt der Verbannten
Die Kolonie der Gefangenen
Mein Kopf dröhnte, als ich mein Bewusstsein wiedererlangte. Als ich den Mund öffnete, um meine nach Luft lechzenden, schmerzenden Lungen zu füllen, atmete ich statt frischer wohltuender Luft nur einen Schwall Wasser ein. Überrascht riss ich die Augen auf, stieß durch die Wasseroberfläche und begann zu husten. Als meine Lungen endlich zu brennen aufgehört hatten und ich wieder einigermaßen normal atmen konnte, wischte ich mir das Wasser aus den Augen und sah mich um.
Ich kniete in einem Teich, der in der Mitte eine Tiefe von etwa drei bis vier Metern erreichte. Zu meiner Linken erblickte ich eine Vorrichtung, die wohl dazu diente, Waren von der circa fünf Meter hohen Klippe hinter mir, von der ich wahrscheinlich auch herunter gefallen war, sicher zu Boden zu schaffen und um sie wieder zurück auf die Klippe zu bringen. Die Vorrichtung bestand aus einem schienenartigen Holzgerüst, auf dessen unterem Ende eine große hölzerne Plattform stand, wo eine Kette angebracht war, die zu einer Winde führte, mit deren Hilfe man die Plattform hochziehen konnte.
Ein seltsames Knistern lag in der Luft, als wäre ich inmitten einer Gewitterwolke erwacht, ein blauer Schimmer umgab die Klippe und die umliegenden Hügel und Wege. Ich konnte nicht ausmachen, woher das blaue Schimmern und das eigenartige Knistern kamen.
Ich schaute vor mir auf den Boden, das leise Brechen eines morschen Astes und das darauf folgende Knirschen des Sandes unter schweren Füßen verrieten mir, dass jemand kam. Als ich aufsah, standen drei Männer in roter Rüstung vor mir. Der Vorderste von ihnen, ein Mann, ungefähr so groß wie ich, mit schwarzem, kurzem Haar, half mir auf, er sagte in einem ziemlich fiesen Tonfall „Willkommen im Lager“. Das nächste, was ich sah, war eine Faust, die auf mich zuraste.
Der stechende Schmerz, der von meinem Kinn ausging und sich über mein ganzes Gesicht ausbreitete, raubte mir die Sinne. Dunkelheit umschloss mich von neuem, ich fühlte und hörte nichts mehr.
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17.11.2005, 15:50
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#2
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Ritter
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Als ich mein Bewusstsein wiedererlangte, war das Erste, was ich spürte, mein schmerzendes Kinn, noch bevor ich meine Augen öffnen konnte, hörte ich ein Stimme in einem bestimmenden Ton: „Das reicht! Lasst ihn in Ruhe. Macht, dass ihr weg kommt.“
Eine klebrige Flüssigkeit rann aus meinem Mund. Meine Füße lagen noch im Wasser und mein Kopf war unsanft auf dem felsigen Rand des Sees gelandet. Ich schlug die Augen auf und fuhr mit meiner Hand über den Mund. Die rote klebrige Flüssigkeit, die nun meine Hand überzog, roch stark nach Eisen und war angenehm warm. Blut. Mit dieser Erkenntnis durchzuckte ein weiterer Schmerz meinen Unterkiefer. Einer meiner Zähne hatte sich unter der Wucht des Schlags gelockert. Vor mir stand ein Mann, der mir, als er bemerkte, dass ich wach war, seine Hand entgegenstreckte. „ Steh auf.“
Es war die Stimme, die mich vorher vor weiteren Schlägen bewahrt hatte. Ich packte seine raue, kräftige Hand, und er half mir beim Aufstehen. Er war ungefähr so groß wie ich, hatte aber im Gegensatz zu mir kein braunes, sondern rabenschwarzes Haar, das er wie ich zu einem Zopf gebunden hatte. Er trug dieselbe rote Rüstung wie die anderen, mit kurzen Ärmeln, die nahezu komplett mit schwarzen Panzerplatten aus Stahl bedeckt war, und darunter ein etwas längeres Kettenhemd.
Er hatte einen freundlichen Blick, der trotzdem darauf schließen ließ, dass er nicht zögern würde, sich mit allen Waffen zu verteidigen, die ihm zu Verfügung standen.
An seiner Hüfte hing ein blank poliertes Schwert, welches im Licht der Sonne blinkte. Es reichte fast bis auf den Boden und war, nach dem Aussehen des Griffes zu schließen, schon oft im Kampf benutzt worden, denn die Lederriemen, die dem Benutzter zusätzlichen Halt geben sollten, waren schon an manchen Stellen fast durchgescheuert. Und wenn man genau hinsah, konnte man in den winzigen Rillen zwischen den Streifen noch Reste von getrocknetem Blut erahnen.
Über seinen Rücken spannte sich ein riesiger Bogen, der kunstvoll mit mir nicht bekannten Schriftzeichen und Runen verziert war. Über dem Griff hatte sich schon eine Kerbe gebildet, die vom immer gleichen Auflegen und Vorbeischnellen des Pfeils stammte. Man sah der Sehne an, dass sie vor kurzem ausgetauscht worden war, aber sie war in der Mitte trotzdem schon wieder sehr abgegriffen.
Er musterte mich mit seinen braunen Augen.
„Warum hast du mir geholfen?“, fragte ich leicht skeptisch, mit der Befürchtung, dass er eine Gegenleistung für seine Hilfe wollte. Doch ich hatte ja nichts außer meinem zerschlissenen Hemd und meiner abgetragenen Hose, in der meine letzten fünf Goldmünzen klimperten.
„Weil du Hilfe gebraucht hast.“, sagte er. „Ich bin Diego. Ich kümmere mich um alle Neuen.“
„Mein Name ist...“ begann ich. Doch so sehr ich mich auch bemühte, ich konnte mich nicht erinnern. Um ehrlich zu sein, konnte ich mich an gar nichts erinnern, was vor meinem Erwachen in diesem Tümpel geschehen war.
Geändert von Schreibfeder (17.11.2005 um 21:58 Uhr).
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18.11.2005, 17:22
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#3
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Ritter
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„Ich kann mich an nichts mehr erinnern.“, sagte ich eher zu mir selbst als zu Diego. Aber er hatte mich wohl gehört, denn er meinte: „Dann weißt du auch gar nicht mehr, wo du bist und weshalb sie dich in dieses Tal geworfen haben?“
„Geworfen? Man hat mich diese Klippe dort hinten hinunter geworfen. Aber wieso?“, fragte ich erstaunt.
„Das ist eine lange Geschichte, aber ich versuche, mich kurz zu fassen. Alles begann mit dem Krieg gegen die Orks. Wir haben in diesem Krieg schon viel zu viele Verluste hinnehmen müssen. Unsere einzige Chance, doch noch einen Sieg davon zu tragen, ist das magische Erz aus den Minen von Khorinis. Der hohe Bedarf an diesem seltenen Erz zwang König Rhobar dazu, alle Gefangenen, egal welchem Verbrechen sie sich schuldig gemacht hatten, zu lebenslanger Arbeit in den Minen hier im Tal zu verurteilen.
Um eine Flucht unmöglich zu machen, sandte er die mächtigsten Magier dieser Zeit aus, um eine riesige magische Barriere um das Minental zu errichten. Doch irgendetwas störte das magische Gefüge und die Barriere breitete sich viel weiter aus, als es die Magier beabsichtigt hatten. Sie waren nun selbst Gefangene der Barriere.
Die Barriere ist nicht einfach nur eine Mauer, die alles zurückhält, was versucht, sie zu überwinden, sondern eine Barriere, die nur verhindert, dass etwas Lebendiges aus dem Minental entkommen kann. Sie lässt aber alles, selbst Lebewesen, ins Minental hereinkommen. Und so werden immer mehr Gefangene hier hinein geworfen. So wie es scheint, bist du einer von ihnen. Doch unsere Position hat sich geändert. Der König muss mit uns verhandeln, damit wir ihm weiterhin das Erz liefern, das er so dringend benötigt. Und so können wir alles für das Erz verlangen, was wir wollen.
Wir, das sind dabei nicht alle Gefangenen der Barriere. Nur das Alte Lager, welches auch das größte ist, ist bereit, mit dem König zu verhandeln. Wir hängen nicht sinnlosen Fluchtplänen nach, wie das neue Lager. Und wir hoffen auch nicht auf die Hilfe eines Gottes, wie die Sektenspinner im Sumpf. Also ist mein Vorschlag, dass du dich dem Alten Lager anschließt.“
„Wo ist das Alte Lager?“, fragte ich, als Diego aufgehört hatte zu erzählen. „Und wie kann ich aufgenommen werden?“
Geändert von YoTcA (18.11.2005 um 19:35 Uhr).
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19.11.2005, 02:59
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#4
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Ritter
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„Du musst einfach nur dem Weg hier folgen,“ sagte er und deutete auf den Weg, der hinter ihm zwischen zwei Felswänden verschwand. „bis du an eine Brücke kommst, die über den Fluss führt. Von dort müsstest du das Lager auf der anderen Flussseite schon sehen können. Aber sei vorsichtig. Auf dem Weg zum Lager treiben sich allerlei Monster und Banditen herum. Du solltest nicht versuchen, ohne Waffe loszuziehen. Wenn du eine Waffe brauchst, kannst du dich ja mal in der eingestürzten Mine ein wenig umsehen. Da wird bestimmt noch was Brauchbares herumliegen.
Für die Aufnahme bin allerdings nicht ich zuständig, sondern Thorus. Er bewacht den Eingang zur Burg im Inneren des Alten Lagers. Du kannst ihn leicht an seiner dicken Stahlrüstung erkennen, die nur die obersten Gardisten tragen. Sag ihm, dass ich dich geschickt habe, und dass du bei uns mitmachen willst. Er wird dann entscheiden, was weiter passiert.“
„Muss ich sonst noch irgendwas über die Gegend hier wissen?“ fragte ich ihn.
„Du siehst mir nicht so aus, als könntest du dich all zu gut gegen Angriffe wehren, deshalb solltest du dich auf den Wegen halten und auf keinen Fall zu tief in den Wald gehen. Dort lauern schlimmere Gefahren, als du dir vorstellen könntest. Also, wir sehn uns dann im Lager.“ Sagte Diego, ging den gezeigten Weg entlang und verschwand hinter einer Biegung.
Ich überlegte, was ich jetzt machen sollte. Da mir nichts anderes einfiel, folgte ich Diegos Rat und machte mich auf, um ihm zu folgen. Schon nach einigen Metern traf ich auf einen Holzzaun, dessen Durchgang von zwei Gardisten bewacht wurde. Ich war mir nicht sicher, ob die beiden mich so einfach durchließen, deshalb sprach ich den Einen an.
„Hi, ich bin neu hier. Wie heißt du?“ fragte ich den Einen.
Als Antwort bekam ich nur ein grimmiges „Hmm. Geh weiter.“.
Der Andere sah auch nicht aus, als wäre ihm mehr nach Reden zu mute und deshalb ging ich weiter.
Hinter dem Zaun öffnete sich der Weg ein wenig, wurde aber immer noch links und rechts von hohen Felswänden eingerahmt. Ein paar Meter vor mir erhob sich ein besonders hoher Berg, in dessen Felsen einige große Löcher klafften. Einige waren gänzlich mit Geröll verstopft, aber andere reichten noch ein paar Meter hinein. Das musste die eingestürzte Mine sein, von der Diego berichtet hatte. Ich sah etwas, das mein Interesse weckte. Vor einem der Eingänge stand eine alte, vermoderte Holzkiste. Vielleicht würde ich darin etwas finden, was sich als Waffe gebrauchen ließe. Ich kniete mich vor ihr nieder und rüttelte am Schloss der Truhe. Das Schloss ging nicht auf. Ich zog etwas fester daran und plötzlich gab es nach. Aber nicht das Schloss, sondern das vermoderte Holz der Truhe. Ich kippte nach hinten und ließ das Schloss das ich nun in den Händen hielt, fallen.
Als ich die Truhe öffnete, schlug mir moderiger Geruch entgegen. Aber die Truhe war nicht leer. Auf ihrem Boden lag eine noch gut verschlossene Flasche Bier. Ich nahm sie und steckte sie in meine Tasche. Ich wollte sie mir für schlechte Zeiten, die mir höchst wahrscheinlich noch bevorstanden, aufbewahren. Jetzt bemerkte ich, dass meine Tasche gar nicht leer war, wie ich vermutet hatte, sondern ganz unten am Boden der Tasche lag ein zusammengerollter, durchnässter Brief. Er war mit einem Siegel versehen. In das rote Wachs war eine kleine Flamme eingedrückt. Ich konnte mir den Brief mit dem seltsamen Siegel nicht erklären und beschloss deshalb, Diego danach zu fragen, da ich mich auch nicht getraute, das Siegel zu brechen.
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20.11.2005, 11:46
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#5
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Ritter
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Da ich immer noch keine Waffe hatte, beschloss ich, mich in einem der Minenstollen etwas genauer umzusehen. Schon nach einigen Metern war es so dunkel, dass ich warten musste, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Als ich endlich wieder ein wenig sehen konnte, ging ich weiter. Gleich darauf bemerkte ich, dass ich nicht umsonst gewartet hatte, denn vor mir war der Tunnelboden in einen weiter unten gelegenen Tunnel gestürzt und hatte ein zwei Meter tiefes Loch hinterlassen.
Hinter dem klaffenden Loch im Boden lag ein großer Haufen aus Schutt und Geröll, und zwischen den Steinen sah ich etwas blitzen. Ich umstieg das Loch und machte mich daran, die Steine wegzuräumen. Nach kurzer Zeit erkannte ich, dass es eine Spitzhacke war, die ich wohl zumindest für den Anfang als Waffe benutzen konnte. Ich grub weiter, bis ich meinte, sie weit genug freigelegt zu haben, um sie herauszuziehen. Aber es ging nicht. Als ich stärker daran zog, hörte ich ein hässliches Splittern und ich hielt die Hacke in der Hand. Aber noch eine andere Hand hatte sich um die Spitzhacke geschlossen. Sie bestand nur noch aus Knochen und vereinzelten fauligen Fleischstücken, welche die Maden und andere Tiere noch nicht abgefressen hatten. Ein Schaudern lief mir über den Rücken, es war ein grässlicher Anblick.
Es war wohl die Hand eines Minenarbeiters, dem diese Spitzhacke gehört haben musste und der sie bis zuletzt in der Hand gehalten hatte. Ich schüttelte die Spitzhacke, bis die Hand klappernd zu Boden fiel. Dann schulterte ich die Spitzhacke und ging wieder aus der Höhle. Das Licht der Sonne brannte in meinen Augen, als ich wieder ins Freie trat.
Da ich jetzt eine Waffe hatte, beschloss ich, dem nun abfallenden Weg weiter zu folgen.
Nach ein paar Schritten hörte ich ein Gurren wie von einem Huhn, nur viel lauter. Ich blickte mich erschrocken um. Und als ich den Ursprung des Geräuschs entdeckte, blieb mir gerade noch genug Zeit, meine Spitzhacke in die Hand zu nehmen und sie auf den heranrasenden, etwas über einen Meter großen Vogel hinabsausen zu lassen. Ich hatte ihn getroffen, er brach mit einem letzten Röcheln zusammen und blieb bewegungslos liegen.
Nun blieb mir Zeit, ihn etwas genauer zu betrachten. Er hatte leicht graues Gefieder und einen riesigen Schnabel, der mich, hätte er mich getroffen, wohl mühelos in Stücke gerissen hätte.
Er hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Flamingo, war aber kräftiger gebaut. Ein Rinnsal aus rotem Blut hatte sich gebildet, das sich seinen Weg durch die Ritzen und Rillen im Boden suchte und sich weiter unten im Gras verlor.
Als ich mich vom ersten Schrecken erholt hatte, ging ich weiter, die Spitzhacke aber immer bereit, falls es noch mehr von diesen Biestern gab.
Geändert von YoTcA (20.11.2005 um 12:13 Uhr).
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21.11.2005, 13:42
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#6
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Ritter
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Ich hatte Glück, zunächst wenigstens. Auf dem Weg hinunter zum Fluss, der sich am Berg entlang in die tiefe schlängelte, traf ich kein weiteres Monster an. Als ich endlich am Fuß des Berges angekommen war, entspannte ich mich ein wenig. Ich atmete tief die nach Blumen duftende Luft ein. Zu meiner Linken rauschte der Bach an mir vorbei und zu meiner Rechten zirpten die Grillen.
Plötzlich fuhr eine Hand aus dem Gebüsch und zerrte mich von der Straße. Mir blieb keine Zeit zu reagieren. Meine Spitzhacke fiel polternd zu Boden. „Still.“, raunte mir eine Stimme in mein Ohr. Ein Mann hatte mich durch die Büsche auf eine Art kleine Lichtung gezogen, die komplett von Büschen umgeben war. Der Griff lockerte sich. Ich sah den Mann an, der mich hierher gezerrt hatte. Er war nicht allein. Neben ihm stand noch ein anderer Mann, der wie er eine Art Rüstung trug, wie ich sie noch nicht gesehen hatte. Diese bestand zum größten Teil aus Leder, war aber an den Schultern und am rechten Arm mit Eisenplatten verstärkt. Außerdem war sie an manchen Stellen mit Fell verziert worden. Auf ihren Rücken hatten beide einen großen Bogen und die dazu gehörigen Pfeile.
„Du wärst schier in ein ganzes Rudel Scavenger reingelaufen.“ flüsterte mir der mit dem festen Griff ins Ohr.
„In ein Rudel was?“ fragte ich.
„Sca-ven-ger.“, sagte er, während er einige der Zweige beiseite drückte und so einen Blick auf gut ein Duzend der Vögel freigab, von denen ich vorher schon einen erledigt hatte.
„Bist wohl neu hier.“ sagte der andere. „Wenn ich dir einen Tipp geben darf, dann würde ich dir raten, dich dem Neuen Lager anzuschließen.“
„Lass mich raten, ihr seid aus dem Neuen Lager und nur hier, um alle Neuen abzufangen und ihnen zu sagen, dass sie sich dem Neuen Lager anschließen sollen.“, sagte ich, mich schon fragend, wo ich den ersten aus dem Sumpflager treffen würde.
„Nein!“ erwiderte der eine entschlossen. „Wir sind hier, um Scavenger zu jagen, und falls du etwas Erz dabei hast, bring ich dir auch bei, wie man sie richtig ausnimmt. Mit Jagtrophäen kann man sich nämlich eine goldene Nase verdienen.“
„Ich hab kein Erz, aber diese Goldstücke hier.“ womit ich die fünf Goldmünzen aus meiner Tasche zog.
„Die sind hier nichts wert. Hier in der Barriere zählt nur Erz. Aber wenn du was zu trinken dabei hättest, würde ich das als Bezahlung annehmen.“
Ich wollte schon sagen, dass ich auch das nicht hätte, da erinnerte ich mich an das alte Bier aus der Truhe bei der Mine. Ich zog sie heraus und reichte sie ihm. Er sah sie kurz an und steckte sie dann ein.
„Also gut, Scavenger sind eigentlich nur im Rudel gefährlich. Sie sind nicht sonderlich intelligent und lassen sich leicht von ihrer Gruppe trennen. Trotzdem solltest du aufpassen. Sie sind zwar einfach zu erlegen, aber wenn dich Einer mit seinem Schnabel erwischt…“ er machte eine vielsagende Pause, „- nun, versuch einfach, schneller zu sein und dich nicht erwischen zu lassen. Sie haben leider keine brauchbaren Trophäen, aber ihr Fleisch schmeckt gebraten köstlich und ist eines der Hauptnahrungsmittel hier in der Barriere.“
„Vielen Dank für den Tipp. Jetzt zu was anderem.“, sagte ich, als er fertig war. „Wie komme ich von hier zum Alten Lager?“
„Was willst du denn bei denen?“ fragte er nun etwas unfreundlicher.
„Diego hat gesagt, dass ich ihn dort treffen solle.“
„Ach, hat dich der Spinner schon angeworben. Aber ich kann dir nur noch mal den Tipp geben: geh zum Neuen Lager. Wir kooperieren nicht mit dem König. Wir versuchen, hier raus zu kommen. Unsere Magier arbeiten ununterbrochen an einem Ausbruchsplan.“
„Ich überleg es mir, aber wie komme ich jetzt ins alte Lager?“
„Dich kann man wohl nicht davon abbringen.“ Sagte er etwas enttäuscht. „Also, eigentlich würde ich sagen, du gehst den Weg einfach weiter, nach etwa tausend Metern führt eine Brücke über den Fluss und auf der anderen Seite siehst du dann schon das Lager, aber das Rudel Scavenger ändert das Ganze ein wenig. Du musst irgendwie an ihnen vorbei. Am besten, du schwimmst direkt hier über den Fluss und gehst am anderen Ufer entlang.“
„Vielen dank für die Hilfe.“ Sagte ich und wollte gehen, als der andere mich noch mal festhielt und sagte: „Pass auf. Hier sind nicht alle so nett wie ich und mein Kumpel hier.“
Er ließ mich los. „Ich werd es mir merken.“ Und mit diesen Worten brach ich wieder durch die Äste ins Freie.
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22.11.2005, 12:51
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#7
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Ritter
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Seltsamerweise fühlte ich mich erleichtert, als ich mich endlich von ihnen entfernen konnte. Die beiden hatten eine seltsame Ausstrahlung. Vielleicht war es auch nur der Umstand, unter dem wir uns begegnet waren, ich weiß es nicht.
Ich hob meine Spitzhacke auf, schnallte sie mir auf den Rücken und schlich, wie es mir der Eine beschrieben hatte, hinunter zum Flussufer, immer hoffend, das mich die Scavenger nicht bemerken würden.
Und ich schaffte es. Doch als ich den ersten Fuß ins Wasser streckte, merkte ich, auf was ich mich da eingelassen hatte. Das Wasser war eiskalt. Da ich aber einsah, dass es keinen anderen Weg gab, als durch diesen Fluss aus flüssigem Eis zu schwimmen, schloss ich die Augen und sprang in die Fluten.
Das kalte Wasser umschloss mich und ich konnte spüren, wie sich jede Zelle in meinem Körper zusammenzog. Meine Lunge verkrampfte sich und als ich wieder an die Wasseroberfläche kam, zitterte mein ganzer Körper in der Hoffnung, sich durch diese Bewegung noch einige Sekunden länger warm zu halten. Ich versuchte zu atmen, aber meine Lungen verweigerten den Dienst, ich konnte nur in schnellen kleinen Zügen die zum Wasser vergleichsweise warme Luft einsaugen, was aber bei weitem nicht ausreichte. Und das zusätzliche Gewicht der Spitzhacke auf meinem Rücken zerrte mich unter Wasser.
Obwohl der Fluss nur wenige Meter breit war, erschien mir die Entfernung doch wie eine halbe Ewigkeit.
Ich dachte schon, ich würde in diesem Rinnsal ertrinken. Meine einzige Chance bestand darin, die Spitzhacke von meinem Rücken zu lösen. Als sie in den Fluten versank, kam ich wieder hustend an die Oberfläche.
Der Überlebenskampf weckte zusätzliche, ungeahnte Kräfte in mir. Ich schwamm mit zwei, drei kräftigen Zügen zum anderen Ufer.
Als ich endlich wieder Boden unter meinen Beinen spürte, kroch ich auf allen Vieren und mit Aufbringung meiner letzten Kraftreserven aus dem Wasser und brach auf dem Sand in der wärmenden Sonne zusammen.
Die Sonne wärmte meinen Rücken und ich spürte, wie langsam die Lebensgeister in meinen Körper zurückkrochen. Meine Lunge stieß die längst verbrauchte Luft aus und sog wohltuend die frische Luft ein.
Ich blieb noch einige Zeit auf dem Bauch liegen und drehte mich dann um, damit die Sonne auch meine andere Körperhälfte trocknen konnte.
Als ich nach einiger Zeit aufstand, hatte sich die Sonne schon dem Horizont beträchtlich weit genähert, weshalb ich beschloss, mich zu beeilen, weil ich auf eine Nacht im Freien wirklich verzichten wollte. Ich ging also zügig weiter am Fluss entlang.
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23.11.2005, 17:17
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#8
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Ritter
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Es war schon fast dunkel, als am Horizont endlich ein Turm und anschließend die dazugehörenden Palisaden auftauchten. Das musste das alte Lager sein. Ich umrundete es, um nach einem Eingang zu suchen. Schon nach wenigen Metern erblickte ich zwei Wachen, die vor einem riesigen hochgezogenem Fallgitter Wache hielten. Mein Ziel nun endlich vor Augen, beschleunigte ich meinen Gang noch weiter, so dass ich schon fast zu rennen begann.
Als ich mich dem Tor näherte, rief mir schon eine Wache mit der Hand am Schwert zu: „Halt, wer bist du und was willst du?“ Als ich nicht sofort anhielt, sah ich, wie sich die Hand der Wache fester um den Schwertgriff schloss. Ich blieb sofort stehen, da ich wusste, dass ich gegen eine ausgebildete Wache keine Chance hätte, zumal die zweite Wache auch schon unruhiger wurde.
„Ich bin neu hier,“ sagte ich zu der Torwache, „und Diego hat gesagt, ich solle ihn hier im Lager treffen.“ Die Hand der Wache entspannte sich wieder und der Mann, der mich vorher noch so grimmig angesehen hatte, sagte nun schon fast freundlich: „Okay, du kannst rein, aber mach keinen Ärger.“
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23.11.2005, 17:19
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#9
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Ritter
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Das Alte Lager
Erleichtert, endlich angekommen zu sein, trat ich durch das große Tor und sah mich um. Das Lager bestand aus vielen schäbigen, mehr schlecht als recht zusammengezimmerten, windschiefen Holzhütten, die alle aussahen, als würden sie bei der kleinsten Berührung zusammenbrechen und ihre Bewohner erschlagen. Etwa hundert Schritte hinter dem Tor erhob sich vor mir eine riesige Burg, vor der drei schwer gepanzerte Wachen standen. Vor dieser Burg saßen drei Männer um ein Lagerfeuer und tauschten Geschichten aus, zwei davon mit den hier sehr beliebt zu sein scheinenden roten Rüstungen, einer nur mit einer grünen dicken Hose, festen Schuhen und einem olivgrünen, eng anliegenden Hemd ohne Ärmel bekleidete.
Unter ihnen saß auch Diego, der an einer langen, dünnen Pfeife zog und Rauchringe in die Luft blies.
Ich ging sofort auf ihn zu, wurde aber von einem Mann in schwerer, im Licht des Lagerfeuers glänzender Rüstung aufgehalten. „Du bist neu hier?“ ohne eine Antwort abzuwarten, sprach er weiter. „Ich bin einer der Gardisten, die hier im Außenring Wache halten. Wir beschützen alle, die in Probleme geraten und ihre kleine Unterstützungsspende regelmäßig zahlen. Die übliche ’Spende’ beträgt 10 Gramm Erz. Also, zahlst du?“
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24.11.2005, 16:06
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#10
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Ritter
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Ich sah ihm an, dass seine Hilfe wohl nicht zu unterschätzen wäre, aber ich hatte immer noch kein Erz. „Ich kann nicht zahlen, ich habe nichts außer fünf Goldmünzen.“ Sagte ich notgedrungen.
„Zu schade für dich, Kleiner, dann musst du wohl auf dich selbst aufpassen.“ Und mit diesen Worten ging er davon und verschwand kurze Zeit später scheppernd hinter einer kleinen Hütte.
Ich ging nun, da ich nicht mehr aufgehalten wurde, weiter in Richtung des Lagerfeuers.
„Ah, da bist du ja endlich.“ Rief mir Diego entgegen, als ich schon fast am Lagerfeuer angekommen war. „Komm, setz dich zu uns.“
Mit leichtem Zögern ließ ich mich neben ihm nieder.
„Und, hattest du Probleme auf dem Weg hierher?“ fragte er.
„Nein, ich wurde nur von einem Scavenger angegriffen, wäre beinahe in einem Fluss ertrunken und wurde von einem Gardisten erpresst.“ Antwortete ich in einem nicht zu überhörenden sarkastischen Ton.
„Tja, daran musst du dich wohl gewöhnen.“ sagte einer der nur mit einer Hose und einem Hemd Bekleideten und nun, von Nahem betrachtet auch schmutzigen Männer, der mit am Lagerfeuer saß „Mir ging es am Anfang genauso. Aber wenn du regelmäßig dein Schutzgeld zahlst, passen die Gardisten schon auf dich auf.“
„Eben das ist ja mein Problem, ich habe keinen Krümel Erz.“, antwortete ich.
„Dann solltest du es wie ich machen und Buddler in den Minen werden, oder du versuchst, hier im Lager aufgenommen zu werden.“ sagte der Mann mit der Hose.
Ich überlegte kurz, dann wandte ich mich an Diego:
„Du sagtest, dass ich mich dem Lager anschließen könnte. Ich bin dabei!“
„Halt, halt. So einfach geht das nicht.“ Sagte er mit einem Schmunzeln auf den Lippen. „Du musst erst beweisen, dass du es wert bist aufgenommen zu werden.“
„Also, was soll ich tun?“ fragte ich ihn, in der Hoffnung, dass es nicht all zu schwer sei, aufgenommen zu werden.
„Bei uns hier läuft das so.“ begann Diego zu erzählen, “Die wichtigen Schatten hier im Lager müssen entscheiden, ob du aufgenommen wirst oder nicht.“
„Schatten?“ fragte ich ihn verdutzt.
„Ja, du musst wissen, dass es hier im Alten Lager eine strenge Hierarchie gibt. Jeder, der hier ankommt, ist zunächst einmal Buddler. Sie übernehmen die niederen Arbeiten, wie zum Beispiel das Schürfen nach dem magischen Erz in der Alten Mine, woher sie auch ihren Namen haben. Es gibt aber die Möglichkeit, sich hochzuarbeiten. Wo wir dann wieder bei den Schatten wären. Sie sind für die Organisation des äußeren Ringes zuständig und dienen den Erzbaronen, außerdem kannst du sicher viel von ihnen lernen. Zum Beispiel kann dir Scatty eine Menge über den Schwertkampf beibringen. Ich kann dir beim Trainieren deiner Stärke helfen, aber nur wenn du bereit bist, auch hart dafür zu trainieren. Die nächste Stufe sind die Gardisten, die Gomez und die Feuermagier beschützen. Die Garde besteht aus den größten Kriegern unseres Lagers. Über ihnen stehen die Erzbarone, die wahren Herrscher dieses Lagers. Ihr Anführer ist Gomez, dem wir alle treu ergeben sind. Dann gibt es da noch die Feuermagier. Sie stehen außerhalb der Hierarchie, weil sie Innos dienen und seine mächtige Magie des Feuers erforschen. Niemand würde es wagen, sie anzugreifen. Ich habe gehört, dass es einmal einer versucht hat. Man hat ihn im äußeren Ring wiedergefunden und zwar an verschieden Stellen!“ erklärte mir Diego nachdrücklich. „Noch Fragen?“
Ich wollte etwas sagen, aber mir versagte die Stimme.
„Das heißt wohl nein. Ok, wo war ich stehn geblieben? Ach, ja, du solltest also versuchen, dich mit den Schatten gut zu stellen und zu tun, was sie dir auftragen. Außerdem werde ich dir, wenn ich denke, dass du bereit bist, die Prüfung des Vertrauens stellen.“
„Was ist die Prüfung des Vertrauens?“ fuhr ich ihm ins Wort.
„Das erfährst du dann, wenn du soweit bist.“ Fuhr er fort. „Wenn du all das geschafft hast, musst du zu Gomez, dem obersten Erzbaron hier und Herrscher des Alten Lagers. Wenn er mit deiner Aufnahme einverstanden ist, bist du dabei. Du solltest außerdem zusehen, dass du was Ordentliches zum Anziehen bekommst, in den Klamotten hast du keine Chance, lange in der Wildnis zu überleben.“
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25.11.2005, 14:36
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#11
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Ritter
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„Noch etwas, ich habe hier noch einen Brief in meiner Ta....“
„Lass uns in meine Hütte gehen.“ Unterbrach mich Diego hastig.
Ich sah ihn verwirrt an, folgte ihm jedoch ohne weitere Fragen.
Er führte mich zu einer der zahllosen Holzhütten, die ganz in der Nähe des Feuers standen.
Als ich drin war, schloss er behutsam die Tür und schaute mich verschwörerisch an.
„Was sollte das?“ fragte ich ihn verwirrt.
„Das erkläre ich dir gleich, aber zeig mir zuerst den Brief.“
Ich kramte den Brief, der inzwischen getrocknet war, aus meiner Tasche und reichte ihn Diego. Er schaute ihn sich kurz kritisch an und gab ihn mir dann wieder zurück.
„Ich habe dir wieder einmal den Hals gerettet.“ Sagte Diego, nun nur noch leise flüsternd. „Weißt du überhaupt, was das ist?“
„Nein.“ Ich sah ihn nur verdutzt an. Was sollte an solch einem Stück Papier so wichtig sein?
„Das ist ein Brief an die Feuermagier. Einer muss ihn dir gegeben haben, bevor sie dich hier hineingeworfen haben. Du hast großes Glück, dass ich mich bei den Magiern nicht mehr sehen lassen kann, denn jeder andere hätte dir wegen dieses Briefes mit Freuden die Kehle durchgeschnitten. Du musst nämlich wissen, dass die Magier ihre Boten meist großzügig belohnen.“
„Weshalb kannst du dich bei den Magiern nicht mehr blicken lassen?“ fragte ich neugierig.
„Das tut jetzt und hier nichts zur Sache. Viel wichtiger ist, dass die Magier den Brief erhalten. Aber dazu musst du erst ins Lager aufgenommen werden, denn nur Gomez Leute werden in die Burg gelassen, wo das Kloster der Feuermagier steht.“
„Ok dann werd ich mich mal bemühen. Ähh. Ich hab nur noch eine Frage.“ sagte ich „Wo kann ich hier schlafen?“
Diegos Mundwinkel begannen zu zittern, und dann prustete er los vor Lachen. Als er sich beruhigt hatte, wischte er sich die Tränen aus den Augen und sagte immer noch kichernd:
„Tut mir Leid, aber das war wirklich die letzte Frage, die ich jetzt erwartet hätte…
Also, du gehst am Besten zu Guy, er wird dir sagen, ob gerade eine Hütte frei ist. Du findest ihn oberhalb der Arena, auf der anderen Seite der Burg. Am schnellsten kommst du dorthin, wenn du an der Burg links entlang läufst.“
Ich verabschiedete mich und verließ die Hütte. Es war in der Zwischenzeit ganz dunkel geworden und im ganzen Lager waren Fackeln angezündet worden, welche die Finsternis nahezu völlig vertrieben.
Ich beschloss, mir das Lager erst morgen anzusehen, da ich mich vor Erschöpfung kaum noch auf den Beinen halten konnte.
Ich wandte mich nach links und begann, die Burg zu umrunden.
Auf dem Weg zur Arena begegnete ich immer wieder kleinen Grüppchen von Buddlern und Schatten, die sich um ein Feuer geschart hatten und zu Abend aßen. Dabei bemerkte ich auch, wie hungrig ich war. Ich wusste nicht, wann ich das letzte Mal richtig gegessen hatte, aber es musste wohl schon einige Zeit her sein.
Nach kurzer Zeit kam ich an der Arena an. Sie war ein von einer hohen Mauer umgrenztes Loch. Auf dem Boden waren rostbraune Flecken, die von früheren Kämpfen zeugten.
Auch hier saßen Männer um ein Lagerfeuer herum und aßen.
„Hi, bist du neu hier? Ich hab dich hier noch nie gesehen.“, rief mir einer der Männer entgegen, als ich mich näherte.
„Ja, ich bin heute angekommen.“ antwortete ich ihm. „Ich bin auf der Suche nach einem gewissen Guy. Diego hat gesagt, ich soll mich an ihn wenden, wenn ich einen Platz zum Schlafen brauche.“
„Da bist du hier genau richtig.“ Sagte einer der Männer und stand auf, um mir die Hand zu reichen. „Ich bin Guy. Du hast Glück, vor kurzer Zeit ist eine Hütte frei geworden. Es ist nicht weit von hier. Komm mit, ich zeig sie dir.“
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26.11.2005, 15:29
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#12
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Ritter
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Es war wirklich nicht sehr weit. Er führte mich zu einer ebenso alten wie klapprigen Hütte mit einem Vordach auf der anderen Seite des Platzes.
„Hier ist dein Schlüssel. Viel Spaß mit deiner neuen Hütte.“ Sagte er grinsend.
Er hatte sich schon umgedreht, als ihn ein lautes Grummeln meines Magens innehalten ließ.
„Du hast nicht zufällig Hunger?“ fragte er. Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr er fort: „ Ich hol dir was vom Lagerfeuer.“
Ich war zu müde, um zu widersprechen, und so kam Guy nach einiger Zeit mit einem Teller zurück, auf dem eine große, gebratene Fleischkeule lag. Ich nahm den Teller dankend entgegen.
Als ich mich von ihm verabschiedet hatte, öffnete ich die Tür meiner neuen Hütte.
Ein modriger Geruch schlug mir entgegen. Ich beschloss, die Tür offen zu lassen, um ein wenig durchzulüften.
In der Hütte standen ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl und eine Truhe. Ich war froh, dass es schon dunkel war und ich keine Einzelheiten erkennen konnte. Also setzte ich mich an den Tisch gegenüber der Tür und begann gierig, das Fleisch hinunter zu schlingen.
Nach der ausgiebigen Mahlzeit konnte ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten.
Ich schloss die Tür und legte mich in mein Bett. Es roch zwar nicht gerade frisch, aber das bemerkte ich nur noch am Rande. Kaum, dass ich meine Augen geschlossen hatte schlief ich auch schon ein.
Es war ein unruhiger Schlaf. Ich träumte von einem langen Gang, den ich entlanglief. Dann hörte ich den erstickenden Schrei eines Mannes. Es war ein Schrei voll Furcht und Angst – Todesangst. Ich begann zu rennen. Ich rannte den Gang entlang in die Richtung, aus der jener fürchterliche Schrei kam.
Nach wenigen Metern erreichte ich eine offen stehende Zimmertür. Ich blieb stehen und blickte hinein. Vor mir lag ein Mann auf dem Boden. Eine Blutlache hatte sich unter seinem Körper gebildet und aus seiner Brust ragte ein langes Schwert. Seine vor Furcht aufgerissenen Augen starrten mit einem erschreckend leeren Blick an die Decke.
Schweißgebadet fuhr ich aus meinem Bett hoch. Ich sah mich um, aber da war keine Spur einer Leiche. Hatte ich das alles nur geträumt? Es kam mir so real, so wirklich vor. Nicht wie ein normaler Traum, eher wie eine Vision.
Durch die schmutzigen Fenster der Hütte drangen schon die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen, was bei weitem noch nicht genügte, um die Hütte ausreichend zu erleuchten, aber ich konnte schon mehr erkennen als am Abend zuvor und ich war froh, am Abend zuvor nicht so viel gesehen zu haben.
In der ganzen Hütte hingen Spinnweben und der Boden war mit einer dicken, nicht zu identifizierenden Schmutzschicht bedeckt.
Ich stand schnell auf, mit dem festen Vorsatz, mir heute als Erstes einen Besen zu suchen, um die Hütte sauber zu machen.
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27.11.2005, 11:27
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#13
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Ritter
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Verschlafen trat ich aus der Hütte und sog die frische Morgenluft tief ein. Es waren noch andere so früh aufgewacht wie ich und gingen bereits ihrem Tagwerk nach.
Auch Guy saß wieder am Feuer, das inzwischen heruntergebrannt war und nur noch leicht glühte. Er hielt einen dicken Laib Brot in der Hand, von dem er immer wieder ein kleines Stück mit einem großen Messer abschnitt und aß.
Ich ging zu ihm. „Guten Morgen.“ sagte ich, als ich bei ihm angekommen war.
Er drehte sich überrascht um: „Guten Morgen, bist du schon wach? Ich hatte erwartet, dass du bis Mittags schläfst. Willst du ein Stück Brot?“ fragte er, und reichte mir schon ein großes Stück.
Ich nahm es dankend an und begann zu essen. Nach einigen Bissen war mein Mund trocken wie Leder, was Guy wohl auch schon vorausgesehen hatte. Er reichte mir eine Flasche. „Trink so viel du willst.“
Langsam wurde es mir unangenehm, die ganze Zeit auf Guys kosten zu leben, aber ich nahm die Flasche trotzdem dankend an und auch sofort einen großen Schluck des darin befindlichen Wassers.
Als ich fertig gegessen hatte, stand ich auf, bedankte mich für alles und ging los, um mir das Lager anzusehen. Ich umrundete als Erstes die Arena.
Auf der anderen Seite sah ich auf einem kleinen Platz mehrere Kämpfer trainieren.
Ich ging schnell weiter, um sie nicht zu stören, beschloss allerdings, später noch einmal vorbeizuschauen. Ich ging weiter nach links.
Es gab lange nichts Interessantes zu sehen. Nur eine Hütte neben der anderen und ab und zu einen Schatten, der vor ihr auf der Bank saß.
Doch dann kam ich an die südliche Ecke der Burg, an der einer der beiden riesigen Türme, die sich an der südlichen und westlichen Ecke der Burg in den Himmel streckten, abgebrochen und in die Tiefe gestürzt war. Die mehreren Tonnen Gewicht hatten die Turmspitze tief in den Erdboden gerammt, wobei sie aber kaum beschädigt worden war. Ich fragte mich, was einen solch widerstandsfähigen Turm dazu bringen konnte, einfach abzubrechen. Ich entdeckte, dass sich irgendwer die abgebrochene Turmspitze als neue Wohnung ausgesucht hatte und es sich in ihrem Inneren wohnlich eingerichtet hatte. Ich konnte ein Schmunzeln nicht vermeiden. Die Menschen hier im Lager waren wirklich sehr erfinderisch, wenn es ums Überleben ging.
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28.11.2005, 14:34
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#14
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Ritter
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Neben der Turmspitze stand ein weiteres Tor des Lagers. Es war zwar nicht so groß wie dasjenige, durch welches ich am vergangenen Tag hereingekommen war, sah aber viel schwerer befestigt aus. Auch hier standen zwei Wachen vor dem Tor, die nach möglichen Feinden Ausschau hielten und, wie die beiden am Haupttor, ebenfalls schwer bewaffnet waren.
Doch das Überraschende war, dass auf dem kleinen Platz vor dem Tor, eindeutig als solches erkennbar, ein Mitglied des Neuen Lagers stand.
Der Mann trug nicht wie die Bewohner des Alten Lagers eine rote Rüstung, sondern hatte die gleiche Rüstung an, wie die Jäger des Neuen Lagers, die ich auf dem Weg hierher getroffen hatte.
Ich musste ihn eine ganze Zeit lang angestarrt haben, denn er winkte mir zu und sagte freundlich: „Komm nur her.“
Also ging zu ihm hin. „Du bist doch ein Mitglied des Neuen Lagers, oder nicht?“
„Ja. Ich bin Händler aus dem Neuen Lager. Falls du günstige Waren brauchst, kann ich dir sicherlich weiterhelfen.“
„Ich hab leider kein Gramm Erz, aber ich werde es mir merken.“ sagte ich und ging weiter.
Nach etwa hundert Metern traf ich auf den bisher größten Platz, den ich bisher hier im Lager gesehen hatte.
In seiner Mitte war eine große Feuerstelle und auf dem ganzen Platz herrschte fröhliches Treiben. Es musste der Marktplatz sein. An den Rändern hatten einige Händler ihre Stände aufgebaut und priesen ihre Waren mit lautem Rufen an.
Da ich immer noch kein Erz hatte, beschloss ich, mich nicht lange aufzuhalten, überquerte den Platz und bog um eine Ecke der Burg.
Auf dieser Seite der Burg hatte sich in einer Grube ein kleiner See gebildet, der bis an die Mauer reichte, an seinem Rand stand ein aus Stein gemauerter Brunnen.
Ich hatte die Burg inzwischen wohl schon wieder umrundet, denn ich konnte bereits das große Haupttor und den Zugang zur Burg sehen. Auf der mir gegenüberliegenden Seite des Sees stand eine einzelne Hütte und daneben, an der Burg, eine Art Bühne. Vor der Hütte saß ein alter Mann an einem Lagerfeuer und hob eine brutzelnde Pfanne darüber. Er hatte graues Haar und einen grauen Vollbart, er trug eine einfache Hose und ein zerrissenes, verdrecktes Hemd. An seiner linken Seite hing ein kleines, handliches Beil im Gürtel.
Als ich mich näherte, sah er mich an.
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29.11.2005, 17:46
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#15
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Ritter
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„Hallo, ich bin seit gestern hier. Wer bist du?“ fragte ich.
„Ich bin Gravo. Ich kann dir helfen, wenn du Ärger mit einflussreichen Leuten hast.“
„Kannst du mir sagen, wer von den Schatten hier zu den einflussreichen Leuten gehört?“ fragte ich.
„Du willst die richtigen Leute beeindrucken, he?
Diego hat von allen Schatten am meisten zu melden. Zu seinen Vertrauten zählen Fingers, Whistler und Sly.
Dexter und Fisk verscherbeln ihre Sachen auf dem Marktplatz. Sie haben viele Kunden, selbst unter den Gardisten, und sind dementsprechend einflussreich.
Und dann wäre da noch Scatty, er leitet die Arena, bestimmt, wer kämpft und so. Es gibt viele hier, die ihm noch Erz schulden – auch an ihn kannst du dich halten.“
„Danke für deine Hilfe.“
„Keine Ursache, ich wünsch dir Glück bei deiner Aufnahme. Ach noch was, hast du schon mit Thorus geredet?“
„Nein, das hab ich ganz vergessen, warum fragst du?“
„Nur, weil ich eigentlich alles mitkriege, was am Tor passiert, und ich hab dich noch nie mit ihm reden sehen. Falls du es nachholen willst, er steht dort drüben am Tor.“
„Vielen Dank.“ Mit diesen Worten verabschiedete ich mich von ihm und ging zu Thorus.
Als ich auf ihn zuging, sah ich, wie mich seine dunklen Augen skeptisch Musterten. Ich ließ mich nicht davon abschrecken und ging weiter.
„Halt! Buddler haben keinen Zutritt zur Burg.“ Rief er mir entgegen, als ich mich ihm bis auf wenige Meter genährt hatte. Ich sah, wie seine Hand langsam nach seinem Schwertgriff tastete. Ich hielt kurz inne, ging dann aber weiter.
„Mich hat Diego geschickt. Ich soll mich bei dir wegen der Aufnahme ins Lager melden.“ Sagte ich zu Thorus, der darauf seine Hand wieder unauffällige von dem Schwertgriff entfernte.
„Ach so. Was hat den Diego gesagt?“ fragte er mich mit tiefer Stimme.
„Er sagte, das er für die Neuen zuständig sei, aber das letzte Wort hättest immer noch du.“
„So, sagt er dass? Ok, wenn er denk dass du es Wert bist, kann er sich gern mit dir rumschlagen. – Ist sonst noch was?“
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30.11.2005, 18:56
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#16
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Ritter
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„Nein.“ Sagte ich schnell und ging. Es schien mir besser Thorus nicht zu reizen.
Ich wollte gleich mit Diego über das Gespräch reden, aber er war nirgends zu sehen, deshalb beschloss ich zu Scatty zu gehen, um mit ihm über meine Aufnahme im Lager zu sprechen. Ich ging also zwischen dem Tor der Burg und Diegos Hütte hindurch in Richtung Arena. Nach einiger Zeit stieg mir ein wohlriechender Duft in die Nase. Es roch nach gebratenem Fleisch und einer delikaten Pilzsoße.
Dieser Duft ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen und ich wollte wissen, wer hier im Lager so gut kochen konnte.
Der Duft wurde immer kräftiger, als ich weiter ging. Als ich um eine Ecke Bog, sah ich einen Mann mit einer Kochmütze, der in einem riesigen Topf rührte.
Ich ging zu ihm. „Wer bist du?“ fragte ich den Mann neugierig.
„Ich bin Snaf, der Koch in diesem verdammten Drecksloch.“ antwortete er.
„Ich wusste gar nicht, dass es hier auch einen Koch gibt.“
„Gibt es auch noch nicht allzu lange. Ich bin erst seit einem Monat hier, glaub ich zumindest. Schon bald ist mir klar geworden, dass man hier drinnen mehr Geld mit Kochen verdienen kann als mit Jagen.
Also hab ich es mal probiert und es hat geklappt. Jetzt kann ich meinen Eintopf für ein schönes Sümmchen an jeden verkaufen, der vorbeikommt und Hunger hat.“ sagte Snaf mit einem unüberhörbarem Stolz in der Stimme.
„Aber zur Zeit habe ich Probleme mit meinem Lieferanten. Bisher hat immer Nek meine Zutaten geholt, aber seit einiger Zeit kommt er nicht mehr und meine Vorräte gehen langsam zur Neige. Kannst du vielleicht für mich die Zutaten holen gehen? Ich bezahle gut und außerdem werde ich dir einmal pro Tag eine Ration Eintopf umsonst geben.“
„Welche Zutaten brauchst du?“ fragte ich, in der Hoffnung, mir endlich mein erstes Erz zu verdienen und auch noch eine kostenlose Mahlzeit pro Tag zu bekommen.
„Ich brauche drei Fleischwanzen und fünf Höllenpilze. Hier hast du einen Beutel, damit kannst du sie fangen.“
„Du kochst Eintopf aus Wanzen?“ fragte ich ihn bestürzt.
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02.12.2005, 14:55
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#17
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Ritter
Registriert seit: Nov 2005
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„Ja. Ich habe lange mit den verschiedenen hier vorkommenden Tierarten experimentiert, und da fand ich heraus, dass Fleischwanzen ein äußerst delikates Fleisch haben. Und in Verbindung mit Höllenpilzen sind sie einfach unwiderstehlich.“
„Und wo findet man Höllenpilze und Fleischwanzen?“ fragte ich, immer noch leicht skeptisch, ob man das Gemisch aus diesen Zutaten wirklich essen könnte.
„Fleischwanzen findet man überall, wo es dunkel und feucht ist. Du könntest mal in den alten Hütten in der Nähe des Südtores suchen. Und wenn du zum Südtor hinausgehst, findest du in dessen Nähe auch Höllenpilze.“ antwortete Snaf.
„Also gut. Ich mach es.“ sagte ich.
„Okay, aber beeil dich. Ich muss bis heute Abend die Zutaten haben.“
Ich ging sofort los. Natürlich hatte ich den Besen für meine Hütte immer noch nicht und mit Scaty zu reden war in diesem Moment auch nebensache. Der neue Job war wichtiger, alles andere konnte warten.
Ich umrundete wie schon zuvor die Burg und kam schließlich zu den verfallenen Hütten auf der Südseite. Die Dächer der meisten Hütten waren eingestürzt, aber die Wände standen noch.
In der gesamten Gegend hatte sich ein modriger Geruch ausgebreitet und an manchen Hüttenwänden hatte sich weißer Schimmel gebildet.
Da ich außerhalb der Hütten keine Fleischwanzen finden konnte - ich glaubte zumindest keine gesehen zu haben, denn ich wusste ja nicht, wie sie aussahen - beschloss ich, in den Hütten nachzusehen.
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03.12.2005, 12:56
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#18
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Ritter
Registriert seit: Nov 2005
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Sie waren zwar alle mit Türen verschlossen, einem starken Tritt gaben sie jedoch schnell nach. In den Hütten roch es genauso wie vor ihnen, was wohl daran lag, dass sie durch das Dach gut belüftet waren. Ein leises Kratzen von kleinen spitzen Beinen auf Erde und Gestein war im Raum zu hören.
Auf dem Boden hatte sich seit vielen Jahren eine dicke Schmutzschicht angesammelt.
Dann sah ich, dass sich an manchen Stellen der Schmutz zu bewegen schien.
Angeekelt schob ich mit meinem Fuß das Gemisch aus verfaultem Holz und anderem undefinierbarem Schmutz beiseite.
Darunter kam eine ekelige, riesengroße schwarze Wanze zum Vorschein. Sie war an die zwanzig Zentimeter lang und nicht flach, wie normale Wanzen, sondern eher Rund wie ein Käfer. Überraschenderweise versuchte sie nicht zu flüchten, sondern kroch gemütlich weiter. Ihr Panzer war gänzlich schwarz und nur unten am Bauch rötlich gefärbt, wahrscheinlich war er auch steinhart, sodass man ihn ohne Hilfsmittel wohl nicht aufbrechen konnte.
Da die Wanze nicht gefährlich zu sein schien, griff ich zu meinem Beutel, stieß die Wanze mit dem Fuß hinein und zog die Schnur schnell zu.
Wenig später fand ich im Haus noch eine weitere Fleischwanze, die der ersten in den Beutel folgte. Nachdem ich den ganzen Boden abgesucht hatte, ging ich wieder hinaus und betrat sogleich die benachbarte Hütte durch die morsche Tür.
Hier sah es ähnlich aus wie in der Ersten, und auch hier konnte ich mehrere Fleischwanzen unter dem Schmutz entdecken. Ich stieß die letzte benötigte Fleischwanze in den Beutel und verließ erleichtert die Hütte.
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04.12.2005, 12:20
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#19
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Ritter
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Ich beschloss, zuerst die Fleischwanzen bei Snaf abzugeben. Auf dem Weg zu ihm - ich benutzte eine kleinere Nebengasse, die ich bisher noch nicht erkundet hatte - hörte ich plötzlich ein gleichmäßiges Hämmern. Es kam von einer Schmiede, in der zwei Männer schweißgebadet arbeiteten. Man konnte deutlich erkennen, welcher der Beiden der eigentliche Schmied war, und wer sich noch in der Ausbildung befand.
Fasziniert vom Spiel des Feuers und dem Zischen des glühenden Metalls, wenn es mit dem immer wieder angefeuchteten Hammer in Berührung kam, schaute ich den Beiden bei ihrer Arbeit zu. Und sie verstanden sich auf das, was sie taten. In kürzester Zeit verwandelten sie eine einfache Metallstange in eine kunstvoll gefertigte Schwertklinge, die sie mit einem lauten Zischen in einem Eimer mit Wasser härteten.
Ich kam nicht umhin, sie anzusprechen. „Hi, wie viel kostet ein solches Schwert?“
„Du musst neu sein, denn sonst wüsstest du, dass wir die Waffen nicht selbst verkaufen, es sei denn, du hast einen speziellen Wunsch. Wie dieser Whistler. Der Typ steht voll auf Ornamente. Na ja, seine Vorlieben sind mir eigentlich egal, solange er genügend zahlt.“ sagte der Meister mit einem verschmitzten Grinsen, während der Auszubildende weiter an einem Schwert feilte, um es noch schärfer zu machen.
„Also, was würde es kosten, wenn ich mir von dir ein ganz normales Schwert machen lassen wollte?“
„Nun, billig wird das garantiert nicht. Mit hundert Gramm Erz müsstest du auf jeden Fall rechnen. Aber das auch nur, wenn es ein Kurzschwert ist. Für größere Schwerter nehme ich bis zu Zweihundert. Und wenn es verziert sein soll, gibt es nach oben praktisch keine Grenzen.“
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05.12.2005, 12:10
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#20
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Ritter
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„Gibt es keine Möglichkeit, auch günstiger an ein Schwert zu kommen?“ fragte ich.
„Also wenn du keines „findest“, gibt es nur noch die Möglichkeit, dass du dir selbst ein Schwert schmiedest. Ich könnte dir die nötigen Rohstoffe verkaufen, aber dazu müsstest du natürlich ein wenig schmieden können.“ erklärte er.
„Ich habe noch nie in meinem Leben geschmiedet, aber gibt es vielleicht etwas das ich für dich erledigen kann, was dir ein Schwert wert wäre?“
„Also wenn du so fragst, ... Ich muss eine Ladung Schwerter zu Fisk am Marktplatz bringen, aber eigentlich kann ich hier nicht weg. Also, wenn du die gesamte Ladung zu Fisk bringst, würde ich dir ein Kurzschwert schmieden. Ich muss dich aber warnen, es sind insgesamt neunzehn Schwerter und die sind ganz schön schwer. Was sagst du?“
Ich war von dem Vorschlag begeistert, wie schwer konnten so ein paar Schwerter schon sein, kurzum, ich sagte zu.
„Der Sack mit den Schwertern steht in meiner Hütte dort drüben.“ er zeigte auf eine Hütte auf der anderen Seite des Weges. „Die Tür müsste eigentlich offen sein. Sag Fisk, die Schwerter kommen von Huno, er weiß dann schon Bescheid. Und lass dir bloß nicht einfallen, mit den Schwertern abzuhauen.“
Ich willigte ein, ging zur Hütte und öffnete die Tür. Sie war nur spärlich eingerichtet und eignete sich eigentlich nur zum Schlafen und Essen. In der Hütte standen nur ein Bett, ein Stuhl und ein Tisch, neben dem ich den großen Sack mit den Schwertern entdeckte.
Ich ging hin und wollte ihn hochheben, aber er bewegte sich keinen Millimeter. Ich versuchte es noch ein weiteres Mal, aber das einzige, was ich damit erreichte, war, das mir der Rücken schmerzte.
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