View Full Version : Entscheidungs- und Verantwortungsethik
Ich möchte das Thema mit folgendem Beispiel einleiten, und mich würde diesbezüglich eure Vorgehensweise und vorallem eure "Rechtfertigungsversuche" interessieren.
Gehen wir von folgendem fiktivem Szenario aus:
Ein Zug steuert mit 300 Insassen sein Ziel an, muss dabei allerdings eine Brücke mit einem defektem Träger.
überqueren. In diesem Falle, würde die Brücke einstürzen, und alle 300 Passagiere würden sterben.
Man hat (wenn wir davon ausgehen dass wir am Ort des Geschehens sind) allerdings folgende alternative Möglichkeit offen:
Man kann den Zug, auf ein Nebengeleise umlenken, auf dem sich allerdings 4 Arbeiter befinden, die in diesem Falle ums Leben kommen würden.
Man hat also die Möglichkeit, dem Schicksal seinen Lauf zu lassen, und mitansehen wie die 300 Menschen sterben.
Dementgegen steht die Option, das man den Zug umlenken kann, dabei allerdings den Tod von 4 Menschen verschulden und verantworten muss.
Inwieweit selber, kann man sich als "Bestandteil" des Schicksals anderer ansehen? Bzw:
Hat man hier das Recht, die Entscheidung und Implementierung über Menschen "quantitativ" rechtzufertigen ?
sagen wir es mal so. wenn der zug nicht stoppbar were und man unweigerlich eines dieser beiden opfer wählen müste, so würde ich sagen, das man die vier arbeiter in anbetracht der masse opfern müsste. die masse geht vor einzelner. lieber nur vier särge, als dreihundert.
ich binn sowieso der ansicht, das man einem festem schicksahl folgt, welches man nur selten ändern kann. versucht man dies, muß man oftmals mit noch größeren verlusten rechnen, als man zufor geahnt hatte.
el primato
16.01.2005, 15:12
Nein, man hat nicht das recht menschenleben gegeneinander abzuwiegen. Wenn es so ist, dass 300 menschen sterben müssen, dann ist es halt so. Bitte versteht mich jetzt nicht falsch! Ich bin nich einer, der möglichst viele tote sehen will oder dem das egal ist wieviele sterben. Ich meine nur, dass ein leben genauso viel wert ist wie das leben von tausenden. Leben ist leben, da spielt die menge keine rolle. Ob ein mensch stirbt oder tausende macht moralisch keinen unterschied.
Wie sagte schon stalin? "Ein toter Mensch ist eine Tragödie. Viele tote Menschen sind nur eine Statistik"
Um ein anschaulicheres Beispiel zu bringen:
Wäre es vertretbar, einen Menschen zu opfern, wenn man dadurch Krebs heilen, und damit Millionen anderer retten könnte?
el primato
16.01.2005, 15:24
Wäre es vertretbar, einen Menschen zu opfern, wenn man dadurch Krebs heilen, und damit Millionen anderer retten könnte?
IMO wäre es nicht vertretbar, mit den oben von mir schon genannten argumenten. Es sei denn derjenige würde sich freiwillig dazu bereit erklären. Doch ihn unter anwendung von gewalt zu "opfern", ist pervers. Abgesehen davon dass er dann tot wäre, verletzt es seine würde und seine persönliche freiheit. Und diese beide sachen sind für mich wichtiger als der tod.
und dennoch ist es weit aus sinnvoller einen menschen zu opfern, um damit hunderte, gar tausende zu retten. zumal es glaub ich keinen geben würde der ,angesichts einer solchen situation wie sie von xray angesprochen wurde, sich dagegenstellen würde. schon allein all seine würde und uhre würde er damit selbst beflecken, sich den anderen aussetzen, welche ihn für den tod vonn all diesen leuten verantwortlich machen würden.
Man ist einer Art und Weise immer für das Schicksaal des anderen Mitverantwortlich (nicht im rechtlichen Sinne gesehen)
Folgende Sache wäre, das man den zug auf den anderen Gleis umleiten würde, wenn es nicht machbar wäre den Zug zu stoppen.
Somit wäre der jenige der den Befehl gab den Zug umzuleiten ein Mörder gegenüber den Angehörigen der getöteten (ermorderten).
Hätte man den zug nicht umgeleitet wären 300 menschen gestorben, aber man wäre diesbezüglich ein noch größerer Mörder.
Zu dem Falle, dass man den Zug umleiten würde, sage ich nur eins:
Man muss Opfer bringen, um Menschen zu retten.
Der Gote
16.01.2005, 15:48
Also Pollux, das ist ja wohl der Hammer. Egal was ich jetzt dazu schreibe: In der Haut des Verantwortlichen möchte ich nicht "wirklich" stecken.
Aber da ich mal von dem Standpunkt ausgehe, das es sicher ist, das der Pfeiler bricht würde ich den Zug auf das Nebengleis führen. Lieber vier Tote als 300. Das wäre dann einfache Mathematik und ich denke jeder würde so handeln, da ja ein bestimmter Faktor noch außer Acht gelassen wurde: Die Zeit.
Ich gehe mal davon aus, das der Verantwortliche unter enormen Zeitdruck steht und eine Handlung schnell erforderlich ist, denn sonst könnte er den Zug ja bremsen lassen. ;)
Also, würde er beim Unterlassen der Umleitung ja eine Gelgenheit verpassen 300 Leben zu retten.
Zum Allgemeinen:
Diese Aufgabe ist ja nun sehr theoretisch. Praktisch gesehen gibt es ja noch viele andere Faktoren wie: Der Pfeiler könnte ja doch noch halten oder: Die Arbeiter bemerken den Zug, wenn er umgeleitet wurde...
Um ein anschaulicheres Beispiel zu bringen:
Wäre es vertretbar, einen Menschen zu opfern, wenn man dadurch Krebs heilen, und damit Millionen anderer retten könnte?
Wenn sich derjenige freiwillig opfern würde um als Nationalheld zu sterben: gerne.
Wenn nicht, wäre ich wohl auch dagegen.
Diese ethischen Vorstellungen ist wohl auch eins der Hauptargumente der Gen-Technik-am-Menschen-Gegner. Weil dabei Fötuse (richtig?) verwendet werden würden sind diese dagegen da dies nach ihnen genauso Menschen sind und ein Recht auf Leben haben und mit diesem nicht gespielt werden darf um Krankheiten wie Aids zu heilen zu können.
Btw; Auch wenn hier manche so tun: Wenn man selbst in diesem Zug sitzt denke ich kaum das jemand dafür ist in den Tod zu stürzen um zu sterben damit keine 4 Bauarbeiter sterben. Und selbst wenn man zu diesem kleinen Teil gehört: Durch den Druck der Masse würde man sich trotzdem für "Leben" entscheiden.
In dieser Stresssituation sucht man Schutz bei den anderen denen es genauso geht. Und man weiss ja nicht was 200 Leute tun würden wenn man sich für deren Tod entscheidet.
Als Aussenstehender der diese Entscheidung zu treffen hätte, wäre ich einfach überfordert mit dieser Situation.
Chrischplak
16.01.2005, 15:57
und dennoch ist es weit aus sinnvoller einen menschen zu opfern, um damit hunderte, gar tausende zu retten. zumal es glaub ich keinen geben würde der ,angesichts einer solchen situation wie sie von xray angesprochen wurde, sich dagegenstellen würde. schon allein all seine würde und uhre würde er damit selbst beflecken, sich den anderen aussetzen, welche ihn für den tod vonn all diesen leuten verantwortlich machen würden.
Du würdest also dein Leben opfern wenn du dadurch dne Krebs heilen könntest?
@Topic: Ehrlich gesagt erscheinen mir beide Lösungen äusserst unatraktiv und ich kann mich für keine wirklich entscheiden. Beide Seiten haben ihre Aspekte für sich, könnte mich aber zu keiner hinreissne lassen o_O
@chrisplack
ja.!
wenn ich durch meinen tod anderen mehr helfen könnte, als wenn ich weiterleben würde, were ich bereit mein leben für das ihre einzutauschen.
Der Gote
16.01.2005, 16:09
@Topic: Ehrlich gesagt erscheinen mir beide Lösungen äusserst unatraktiv und ich kann mich für keine wirklich entscheiden. Beide Seiten haben ihre Aspekte für sich, könnte mich aber zu keiner hinreissne lassen o_O
Das Problem bei diesen theoretischen Fällen ist, das Du Dich ja in dem Rahmen entscheiden MUSST! Natürlich sind hier, wie ich schon schrieb, einige Faktoren außer Acht gelassen worden. Da zeigt sich natürlich auch der Unterschied zwischen dem Theoretiker und dem Praktiker!
Wie sagte schon stalin? "Ein toter Mensch ist eine Tragödie. Viele tote Menschen sind nur eine Statistik"Also erstens ist das wohl anders gemeint (im Sinne von "viele tote Menschen können mir wurscht sein") und zweitens würde ich Stalin nicht gerade als Chefethiker anführen.
Ich finde das Beispiel zwar reichlich überkonstruiert (wenn sich einem diese Frage mit dem Wissen um sämtliche Folgen stellen würde, wäre wohl noch Zeit genug, andere Optionen in Angriff zu nehmen, beispielsweise den Zug zu bremsen oder die Arbeiter zu warnen), auf der fiktiven Basis, dass es nun mal alternativlos so ist wie Pollux das darstellt würde ich aber sicher spontan eher die 300 als die 4 Personen retten.
Dies wäre dann aber dennoch keine Begründung meinerseits dafür, dass es ethisch vertretbar wäre selbst an Föten herumzuexperimentieren um möglicherweise Krebs zu heilen. In realen Fällen kann man auch eben nicht wirklich annehmen, dass dieses oder jenes Menschenopfer tatsächlich gesichert andere Leben rettet.
Chrischplak
16.01.2005, 16:32
@chrisplack
ja.!
wenn ich durch meinen tod anderen mehr helfen könnte, als wenn ich weiterleben würde, were ich bereit mein leben für das ihre einzutauschen.
Hm, respekt an dich wenn dus wirklich so handhaben würdest im ernstfall. Ich persönlich würde es wohl kaum so tun, auch wenns natürlich leicht wäre es jetzt zu behaupten aber ich könnte es mir bei mir nicht vorstellen da ich doch zu sehr an meinem Leben hänge auch wenn es natürlich rein theoretisch wohl die bessere Wahl wäre ._.
Das Problem bei diesen theoretischen Fällen ist, das Du Dich ja in dem Rahmen entscheiden MUSST! Natürlich sind hier, wie ich schon schrieb, einige Faktoren außer Acht gelassen worden. Da zeigt sich natürlich auch der Unterschied zwischen dem Theoretiker und dem Praktiker!
Natürlich müsstest du das. Selbst wenn du den Kopf vergraben würdest und garnichts tun würdest würdes damit theoretisch eine entscheidung getroffen. Ich bin mir nur sicher das ich restlos überfordert wäre .-.
el primato
16.01.2005, 16:38
Also erstens ist das wohl anders gemeint (im Sinne von "viele tote Menschen können mir wurscht sein") und zweitens würde ich Stalin nicht gerade als Chefethiker anführen.
Ich muss wohl dazu sagen, dass ich stalin nicht gerade mag da er praktisch nicht besser war als hitler. Doch dieses zitat find ich sehr schön. Und es ist wohl doch so gemeint, dass die menschen sich leider bei todesmeldungen sehr kontrovers verhalten. Wenn man hört im 2. weltkrieg sind soundsoviele millionen menschen gestorben, dann denkt man: "Tja, schlimm, aber kann cih ja auch nich mehr ändern" Wenn dagegen ein bekannter einen tödlichen autounfall hat, dann ist man zutiefst erschüttert. Da spielt natürlich die emotionale bindung auch eine rolle. Aber moralisch sollte doch der zweite weltkrieg mindestens ebenso schlimm sein. Und falls das zitat doch nicht so gemeint war (was ich aber immer noch denke) dann mein ich es jedenfalls so ;)
nochmal zum beispiel:
wenn der zug mit den 300 menschenleben in sein verderben fährt, wohingegen ich die möglichkeit besäße ihn umzulenken und stattdessen 4 menschen zu opfern damit die 300 überleben, dann würde ich nichts tun und der tragödie ihren lauf lassen. rechtlich gesehen ist man ohnehin auf beide arten zu bestrafen: unterlassene hilfeleistung oder eben (es wird sicherlich anders bezeichnet ich sag es jetzt laienhaft) mord.
allerdings: wer oder was gibt mir das recht einfach über leben zu entscheiden, egal in welcher größenordnung?
sydney hat etwas getan was bisher soweit ich es erlesen konnte niemand tat: er/sie hat sich in die opfer hineinversetzt und es mal aus ihrem winkel betrachtet. wer von denen würde sich für einen anderen opfern wollen? gar sicher zu 99% keiner.
man kann sich nicht einfach über eine situation hinwegsetzen und eingreifen, dazu hat niemand ein recht. ich glaube hingegen aber keinesfalls an eine höhere gewalt, aber wenn der zug da nunmal langfährt dann soll er da langfahren und abstürzen, es ist nicht an mir die geschicke der menschen dort zu verändern oder gar zu lenken.
und wie auch schon gesagt wurde wäre ein außenstehender mit der situation ohnehin überfordert, dem kann ich nur zustimmen.
und was die gentechnik angeht bzw föten die zu experimentellen zwecken genutzt werden sollen - warum nicht? kaum jemand protestiert wenn tagtäglich vermutlich hunderte - tausende(?) ratten in labortests verenden. was macht einen fötus anders, was macht den menschen überhaupt anders? es ist purer zufall das wir denken, sprechen und auf zwei beinen laufen können und nicht ein anderes säugetier oder insekt, warum sollten wir besser sein und einen unterschied zwischen mensch und tier machen? gut, es gibt wenige arten die einander leid zufügen, aber der mensch gehört sicherlich dazu. warum ist es jetzt plötzlich so verwerflich auch föten zu benutzen? ich sag´ jetzt mal ganz dreist das man bis man zwei jahre alt ist ohnehin nicht bewusst denken kann bzw erinnerungen bewahrt, was uns vom tier nicht unterscheidet. wenn wir also tiere für experimente nutzen so können wir das auch mit föten die im grunde nicht anders sind.
hat mal jemand gesehen wie wenig ein menschenfötus sich von einem schweine- oder kükenfötus, ja sogar einem fischei unterscheidet? der menschenfötus hat sogar noch kiemenansätze.
naja soviel von mir, ich hoffe ich hab niemanden mit meiner menschenfeindlichen position geschockt o.O
@arath
im gegenteil
der mensch ist an sich gesehen das schändlichste tier, das dieser planet, fileicht sogar das ganze universum jeh hervorgebracht hat. alles vernichtend was sich ihm in den weg stellt, zerstört der mensch seine eigene lebensgrundlage auf dem weg seine macht zu festigen.
und da menschen nichts weiter als fortschritlichere tiere oder eher im gewissen paradox degenerirtes tier ist, ist es meiner meinung nach nur recht und billig dieses auch als versuchobjet zu verfremden, wenn sie das leben andere tiere mit gleicher nichtigkeit behandeln.
@topic
ich gehe mal davon aus, das die bahnarbeiter in dem sinne überhaupt keine entscheidungsfreiheit haben genauso wie die fahrgäste, sondern das wir in diesem beispiel die gesamte verantwortung auf unseren schultern hätten. und in dem falle were das leben von 300 personen dem von gerade mal 4 vorzuzihen.
Der schmale Handlungsfreiraum bei diesem Beispiel ist ganz bewusst so gewählt, um die eigentliche Problematik etwas besser herauszukristallisieren.
Somit setzt man auch eine Handlung wenn man gar nichts tut . Das ganze ist eben nur aus einer theoretischen Perspektive zu betrachten.
Die bleibende Frage ist, inwieweit man das Recht hat, sich für die gezielte und "notwendige" Tötung der 4 Arbeiter, auf das Zahlenverhältniss zu berufen.
Natürlich kann man auch damit argumentieren, dass viele Famílien (da die Versoger vlt umgekommen sind) nacher am existenziellen Abgrund stehen würden...
Natürlich wären auch die sekundären Folgen bei 300 toten Menschen kein Vergleich zu 4 Toten.
dann würde ich nichts tun und der tragödie ihren lauf lassen.
Ich ersetzte mal Tragödie durch "Schicksal". Die Frage ist, inwieweit setzten wir nicht indirekte Handlungen die den Verlauf der Dinge von anderen beeinträchtigt werden und zwar ebenfalls in Größenordnungen von "Leben und Tod".
Sind wir nicht vielleicht auch ein aktiver Teil des Schicksals ?
(Wobei natürlich ein Unterschied besteht, ob nun jemand bewusst oder unbewusst,
beabsichtigt oder unbeabsichtigt durch meine Hand stirbt)
Sind wir nicht vielleicht auch ein aktiver Teil des Schicksals ?
Klar, sind wir das.
Du kannst durch dein Verhalten das Schicksaal eines anderen ändern, obwohl du hin nicht kennst.
z.B: Du musst Mehl kaufen gehen, es ist aber nur eins da. Du kaufst es.
Es kommt eine halbe stunde später wieder jemand in das Geschäft und muss unbedingt Mehl kaufen, weil er für Weihnachten bakcen muss. Es ist kein Mehl da. Derjenige ist gezwungen in ein anderes Geschäft zu fahren. Auf dem Weg zum anderen Geschäft passiert ein Autounfall mit Frontalen zusammenstoß. Alle beide Autofahrer sterben.
Jetzt hast du das Schicksaal eines anderen Verändert und duch diese Veränderug noch einen mit reingezogen.
Man könnte also sagen, Das Schicksaal ist nicht vorherbestimmt, es verändert sich die ganze Zeit.
el primato
16.01.2005, 17:36
Ich würd dazu sagen, dass man wenn dann beide (also die 300 im zug und die 4 arbeiter) retten sollte. Wenn das nicht geht, dann lieber gar keinen. Wir haben nicht das recht zu bestimmen, wer leben und wer sterben sollte. Dazu gabs doch auch noch ein zitat von gandalf...mir fällts grad nich ein und ich bin zu faul zum nachschlagen
@pollux
jehder ist ein teil des schicksals im weitgefächerten sinne, da jehder die geschicke jehglicher person in seinen umfeld mit bestimmt, oder gar unbewust mit eingreift.
zudem were es in einem rein logischen verhältnis unausweichlich, das die 4 bahnarbeiter ihr leben für eine menge von 300 leuten opfern müssen. jehder vernunftbegabte mensch müsste dies einsehen, das es nichts bringt, wenn man das leben von 4 personen schützt, nur um dafür 300 andere zu opfern. das were eine absolute fehlentscheidung. und ich denke mal das sich auch jehder, der vor solch einer entscheidung steht, sich am ende auf das wesentliche beruft und die masse einer kleinen gruppe vorziht.
Ich finde man kann diesen Fall ganz gut mit Flugzeugentführungen vergleichen.
In Deutschland gibt/gab es doch in letzter Zeit einige Diskussionen zu dem Thema. Ist es richtig ein entführtes Flugzeug abzuschießen, um damit (vielleicht) tausende von Menschen zu retten, obwohl dabei alle Farhgäste umkommen? Ich weiß nicht, wie es mit der jetzigen Rechtslage steht, aber ich meine erst neulich hätten einige Politiker gegen diese "Not-Abschuss-Maßnahme" protestiert.
Ich persönlich halte mich gern an den Spruch "Zwischen zwei Übeln sollte man das kleinere wählen". In dem von Pollux geschilderten Fall, wäre das ganz eindeutig das Retten von (300-4=) 296 Menschenleben. Und die Verantwortung würde auch nicht nur bei mir liegen. Schließlich wird ja normalerweise aufgepasst, dass Züge nicht auf kaputten Strecken fahren. Sollte es bei einer solchen Fahrt zu Unfällen kommen, ist in meinen Augen der Verantwortliche der, der zugelassen hat, dass der Zug dort entlangfährt, obwohl die Brücke kaputt ist. Eisenbahnbrücken gehen schließlich nicht von heute auf morgen kaputt und werden regelmäßig gewartet.
Also wären bei diesem Szenario wohl die Menschen verantwortlich, die den Zug über diese gefährliche Strecke fahren lassen. Genauso wie bei einem entführten und abgeschossenen Flugzeug nicht die Soldaten an den Geschützen, sondern die Entführer des Flugzeuges schuldig wären.
Natürlich ist es immernoch schwer eine Maßnahme zu treffen, wenn man die Schuld auf andere schieben kann. Aber ich wüsste klar, wofür ich mich entscheiden würde.
Wäre ich einer dieser Bauarbeiter würde ich die Entscheidung auch verstehen. Natürlich würde ich versuchen dem Schicksal zu entkommen, aber auf keinen Fall würde ich meinem Tod widerstadnslos in die Augen schauen.
edit:@pogo
Also, die 4 Arbeiter und die 300 Insassen des Zuges zu opfern wäre doch etwas zu kriminell. Und vorallem: Wie willst du das anstellen? Lässt du den Zug erst über die kaputte Brücke fahren und lässt danach noch einen Zug für die Arbeiter kommen? Das verstehe ich ehrlichgesagt nicht ...
freundliche Grüße, Rolus
Eben, unbewusst führen beeinträchtigen wir uns alle gegenseitig, und zum Teil in Dimensionen deren wir uns gar nicht Bewusst werden.
Ich ziehe mal ein etwas dramatischeres aber durchwegs realistisches Beispiel heran.
"Ich werfe unbewusst während ner Autofahrt ne Plastiktüte aus dem Fenster, die weht vorerst auf der Straße, und wird anschließend einem anderen Auto über den Scheibenwischer eingezogen, der Fahrer sieht nichts mehr und verursacht einen Unfall- mit tödlichem Ausgang."
Ich bekomme davon aber nicht mal mit, das durch mich jemand umgekommen ist.
Vielleicht sind durch unsere Handlungen schon mehr Menschen umgekommen als wir denken
Nur, ist es richtig, auch bewusst in das Schicksal einzugreifen ?
Ich finde man kann diesen Fall ganz gut mit Flugzeugentführungen vergleichen.
Der Vergleich hinkt ein klein wenig. Wenn man davon ausgeht, und erkenntlich wird, das das Flugzeug für eine terroristische Handlung hergneommen wird dann kann man davon ausgehen das Insassen wohl so oder so sterben werden. (Da bei ner Kollision mit einem vollgetankten Flugzeug die Überlebensschance gegen Null schwindet)
Ein Abschuss wäre vielleicht deswegen gerechtfertigt..
@Balbero
Ich habe mich ja noch auf nichts festgelegt, eine richtige Antwort gibt es ohnehin nicht.
Nur ich weiss nicht ob man das Recht hat, über das Leben anderer zu entscheiden.
Der Vergleich hinkt ein klein wenig. Wenn man davon ausgeht, und erkenntlich wird, das das Flugzeug für eine terroristische Handlung hergneommen wird dann kann man davon ausgehen das Insassen wohl so oder so sterben werden. (Da bei ner Kollision mit einem vollgetankten Flugzeug die Überlebensschance gegen Null schwindet)
Ein Abschuss wäre vielleicht deswegen gerechtfertigt..
Also, ich weiß nicht.
Wieviele entführte Flugzeuge werden den tatsächlich in so große Gebäude geflogen, dass tausende Menschen sterben? Nicht sehr viele. Oft gibt es lange Verhandlungen und die meisten/viele Geiseln werden freigelassen. Die Überlebenschance der Passagiere ist deshalb bei weitem höher als Null. Man würde das Flugzeug also abschießen, obwohl vielleicht kein enziger Mensch gestorben wäre. Nur um das Risiko, dass tausende sterben auszuschließen.
freundliche Grüße, Rolus
Ich ersetzte mal Tragödie durch "Schicksal". Die Frage ist, inwieweit setzten wir nicht indirekte Handlungen die den Verlauf der Dinge von anderen beeinträchtigt werden und zwar ebenfalls in Größenordnungen von "Leben und Tod".
Sind wir nicht vielleicht auch ein aktiver Teil des Schicksals ?nunja ich hab ganz bewusst tragödie geschrieben denn an schicksal glaube ich nicht. natürlich beeinfluss ich durch meine taten das umfeld ob ich nun will oder nicht, aber soll ich einfach tatenlos rumsitzen (so wie jetzt ^^) nur mit der begründung "durch alles was ich mache können menschen sterben"? es ist kein schicksal, schicksal bedeutet das alles vorbestimmt wäre, und dem ist einfach nicht so - ist meine meinung. nunja das wäre aber ein ganz andres thema und wir wollen ja nicht abschweifen *hüstel*
zur sache mit dem flugzeug und dem zug, das ist auch schon von philosophen diskutiert bzw bearbeitet worden, so zB john stuart mills. ich weiß jetzt so aus dem stegreif allerdings nicht mehr wie das thema benannt wurde. nunja auf jeden fall war er auch der auffassung das man das kleinere übel wählen sollte.
auf die eine art beeinflussen wir unser umfeld unbewusst und können nicht wirklich etwas dazu, aber wie schaut es nun mit dem flugzeug, dem zug aus? wir treffen bewusst eine entscheidung für andere menschen, und das können wir einfach nicht - dafür gibt es keine rechtmäßige begründung.
und rolus, ich glaube nicht das irgendjemand von uns verstünde das man für die anderen sterben soll nur weil man ein einzelnes wesen anstatt der gesichtslosen 300 menschen-masse. jeder mensch hat verdient zu überleben bzw zu leben, man kann niemals die entscheidung fällen oder befürworten, nicht einmal wenn man ein opfer ist. wer sich in dieses (ich muss dies wort leider benutzen weil die deutsche sprache kein mir andres bekanntes wort liefert) schicksal ergibt der muss schon von vorneherein keine lebensfreude mehr besitzen. das ist jetzt kein angriff, aber ich möcht nur sagen das keiner von uns sich wirklich in eine solche situation versetzen kann solange er sie nicht erlebt hat.
wir sehen das aus einem viel zu nüchternen beweggrund bzw einer objektiven perspektive, wirklich sagen wie wir handeln bzw was wir denken würden kann keiner von uns. behaupte ich jetzt einfach mal
Also, ich weiß nicht.
Wieviele entführte Flugzeuge werden den tatsächlich in so große Gebäude geflogen, dass tausende Menschen sterben? Nicht sehr viele. Oft gibt es lange Verhandlungen und die meisten/viele Geiseln werden freigelassen. Die Überlebenschance der Passagiere ist deshalb bei weitem höher als Null. Man würde das Flugzeug also abschießen, obwohl vielleicht kein enziger Mensch gestorben wäre. Nur um das Risiko, dass tausende sterben auszuschließen.
Wegen einer normalen Geiselnahme darf das Flugzeug imo nicht abgeschossen werden,
es ist demnach auch ganz im Interesse der Entführer, nicht mal den Verdacht zu erwecken, er habe terroristische Absichten. (Bei ner Epressung) Somit wird er wohl auch den Piloten dementsprechend instruieren.
Abgeschossen darf es auch nur werden, wenn eindeutig ersichtlich ist, dass damit eine terroristische Akt ausgeführt wird , oder aber (und das ist schon eher ne Streittfrage)
wenn die Situation unklar ist und der Pilot sich bsplsw. nicht meldet und trotzdem einen etwas dubiosen Kurs eingeschlagen hat.
Wegen einer normalen Geiselnahme darf das Flugzeug imo nicht abgeschossen werden,
'Imo' oder 'afaik'?
es ist demnach auch ganz im Interesse der Entführer, nicht mal den Verdacht zu erwecken, er habe terroristische Absichten. (Bei ner Epressung) Somit wird er wohl auch den Piloten dementsprechend instruieren.
Abgeschossen darf es auch nur werden, wenn eindeutig ersichtlich ist, dass damit eine terroristische Akt ausgeführt wird , oder aber (und das ist schon eher ne Streittfrage)
wenn die Situation unklar ist und der Pilot sich bsplsw. nicht meldet und trotzdem einen etwas dubiosen Kurs eingeschlagen hat.
Natürlich wird ein Flugzeug nicht abgeschossen wenn es irgendwo in Westafrika entführt wurde. Würde aber ein entführtes Flugzeug über ein stark bewohntes (mitteleuropäisches) Gebiet fliegen oder sich diesem nähern, würde man es vom Himmel holen. Da würde man dann auch nicht viel Wert darauf legen, welchen Eindruck die Entführer machen/machen wollen. Würde die Entführer versichern, sie wollen nur die Passagiere entführen, würde man das Flugzeug natürlich trotzdem abschießen. Auch wenn sie das Flugzeug tatsächlich nur entführen wollten, um vielleicht etwas Lösegeld zu fordern. Und soweit ich weiß gibt es während einer Flugzeugentführung recht wenig Kontakt zwischen Entführern und Geheimdienst o.ä. Schließlich ist es ja ein großer Vorteil der Entführer, dass ihr Vorhaben ersteinmal unbemerkt bleibt. Deshalb glaube ich kaum, dass die Entführer rechtzeitig sagen könnten: "Hey, wir wollen das Flugzeug nur entführen und Lösegeld erpressen.". Sobald es sich über bewohntem Gebiet befindet, wird es abgschossen, ohne Rücksicht auf die Passagiere. Deshalb passt der Vergleich imho schon etwas.
freundliche Grüße, Rolus
das stimmt zumal nicht wirklich, da ein dauerhafter funkverkehr gehalten wird, wobei die psychologen versuchen mit den entführern zu sprechen. selten wird solch ein gespräch für längere zeit eingestellt, da jehde der partein unter enormen stress stehet.
aber dies ist nicht die eigentliche frage. in einer solchen situation egal ob nun auf die bahn oder das flugzeug bezogen, muß man eine nüchterne entscheidung treffen, unbeirrt von gefühlen oder emotionen. man muß rein nach den gegebenen fakten handeln und muß sich das kleinere übel aussuchen. klar wird zuerst immer eine lösung gesucht, doch ist eine solche nicht erreichbar, muß man in den sauren apfel beißen und handeln. den das grübeln und denken über eine situation mag zwar schön und gut sein, doch darf man nicht vergessen im rechten moment zu handeln.
el primato
16.01.2005, 19:23
Also, die 4 Arbeiter und die 300 Insassen des Zuges zu opfern wäre doch etwas zu kriminell. Und vorallem: Wie willst du das anstellen? Lässt du den Zug erst über die kaputte Brücke fahren und lässt danach noch einen Zug für die Arbeiter kommen? Das verstehe ich ehrlichgesagt nicht ...
Ich will einfach nur darauf hinaus, dass 1 menschenleben genauso viel wert ist wie 300 menschenleben. Rein logisch betrachtet sind die 4 menschenleben natürlich eher zu opfern. Doch aus moralischer sicht hat man nicht das recht dazu sowas zu machen. Man draf nicht bestimmen wer leben darf und wer nicht.
Sinistro
17.01.2005, 01:29
Selbst wenn man versucht, das kleinere Überl zu wählen- rein theoretisch könnte ja in dem Zug, dessen Insassen man rettet, ein zweiter Adolf sitzen, dann muß man mit seinem Gewissen vereinbaren, dass man vier Arbeiter und ebenso Millionen andere Menschen umgebracht hat, da dieser Mann eben überlebt hat.
Um es auf den Punkt zu bringen- das ist eine Frage, die ich für mich nicht beantworten kann und die eigentlich niemand beantworten sollte, es geht einfach nicht, eine "gute" Lösung für dieses Problem zu finden, dazu ist es zu hypothetisch.
@ Arath: Die Fötendiskussion ist IMHO eigentlich zu interessant, als dass sie hier verkümmert, wobei ich deine Meinung in gewissen Punkten teile, jedoch haben Kleinkinder bereits mit der Geburt ein Bewußtsein, sich ihrer selbst klar werden sie in der Regel innerhalb des zweiten Lebensjahres.
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