View Full Version : Thema Bildung
meditate
16.01.2005, 01:52
alle parteien schreiben es sich ins programm und jede hat einen anderen ansatz. das allgemeine bildungsniveau sinkt und bildung wird von immer weniger leuten als wert angesehen.
ich bin noch in einer familie groß geworden, die sich der normalen humanistischen bildung verpflichtet sah. ich hab von meiner mutter bücher bekommen, die ich zu lesen hatte, ob ich wollte oder nicht. meine eltern waren mit mir im theater, in der oper und im ballett. ich durfte ein instrument lernen und wurde auf eine spezialschule geschickt. meiner schwester gings genauso und sie steht direkt vor dem abi und es wird mit hoher wahrscheinlichkeit ein einser-abi.
wenn ich die zahlen von schulabbrechern sehe und die zahlen derjenigen, die keine ausbildung haben, dann wird mir manchmal angst vor der zukunft. dieser bildungsnotstand setzt sich ja fort mit der nächsten generation.
studiengebühren und große klassen, schulen mit schlechter ausstattung, überalterte lehrer, das modell der einheitsschule - alles in meinen augen zeichen für eine bildungspolitik, die fast schon eine anti-bildungs-politik ist. dann wird in den ländern und der bundesregierung über föderalisitsche strukturen verhandelt und auf der strecke bleiben die schüler, denn die fragt einfach keiner, was sie wollen.
deutschland sinkt zurück in die kleinstaaterei in fragen der bildung. noten und abschlüsse, die in einem bundesland gemacht wurden, werden in anderen nicht anerkannt! und da wird länderübergreifend schon verhandelt, dass die abschlüsse in europa und amerika gegenseitig anerkannt werden. wir aber basteln weiter an unserem flickenteppich der bildung, über den man eigentlich lachen müsste, wenn es nicht so zum heulen wäre.
meine frage: was versteht ihr unter bildung? ist sie für euch wichtig? wie schätzt ihr bildungspolitik in deutschland ein?
Maln kleiner Einschub:
Ich denke, Bildung geht auch Hand in Hand mit der Erziehung, dem jeweiligen Elternhaus und den familiären Bildungsverhältnissen.
Bevor das Kind überhaupt erst in die Schule kommt, unterliegt es bis zum 6 ten Lebensjahr einigen wichtigen Prägungsphasen die auch für das weitere Leben entscheidend sein können.
Wenn hier von Seiten der Eltern, die klarerweise in den ersten Jahren Hauptbezugsperson sind, schwerwiegende Fehler gemacht werden, wird sich das negativ auf das Kind auswirken. Bereits hier sollte schon gearbeitet werden. Das Kind vor den Fernsehr zu setzten, um sich die Arbeit zu ersparen, ist denke ich der falsche Ansatz.
Ich denke, dass viele Eltern die Verantwortung zu sehr auf die Schule abschieben und ihre Kinder, was die Betreuung anbelangt, vernachlässigen.
Auch die pädagogischen Richtlinien in der Schule selber sind meines Erachtens teilweise zu liberal. Es werden immer wieder neue Konzepte überdacht, um einen möglichst reibungslosen und schülerfreundlichen Unterricht zu gestalten. Die Zeit und -Arbeitsverhältnisse werden von eigenen Psychologen und Pädagogen optimiert.
Wenn man jedoch versucht, den ganzen Druck vom Schüler zu nehmen wird er sich schlicht und einfach nicht mehr für die Materie und die Schule interessieren ... was sich dann aber wiederrum schlecht auf die Noten auswirkt.
Anderseits ist das Inventar der Klassenräume bsplsw. hoffnungslos veraltet, "aktuelle Medien" (Internet) , werden zu wenig oder gar nicht in den Unterricht eingebunden.
Ich denke hier wäre eine Menge Arbeit nötig ...
el primato
16.01.2005, 14:55
Das bildungssystem in deutschland ist meiner meinung nach vollkommmen veraltet und überholt. Es wird zeit dass es da eine umfangreiche schulreform gibt.
Erstmal muss die bildung wieder aufgabe des bund werden und nicht von den einzelnen ländern selbst gestaltet werden. Jetzt ist es ja unmöglich mit einem schulabschluss aus niedersachsen in bayern zu studieren. Überall in deutschland muss das gleiche bildungsniveau herrschen.
Außerdem sollte das 3-gliedrige bildungssystem abgeschafft werden. Der beste beweis für die qualität einer gesamtschule ist pisa. Dort haben die staaten, die auf gesamtschulen setzen, überdurchschnittliche ergebnisse erreicht.
Wenn ich sehe wie ungebildet einige jugendliche sind, dann find ich das wirklich traurig. Zumal ich ja auch zu dieser generation gehöre. Leider wollen die meisten auch gar nix wissen...
EDIT: @pollux, ich denke nicht das bildung zu liberal ist. Genau das ist der richtige ansatz. Wenn man jugendliche nur mit zwang zum lernen bringt, dann verliert sich schnell die lust daran. Das merke ich ja an mir selbst. Die älteren lehrer bei uns an der schule machen das immer noch und gerade der unterricht wird am häufigsten geschwänzt. Verbote und zwänge bringen da überhaupt nix. Sieht man doch auch am thema pc-spiele: viele politiker würden die am liebsten verbieten. Doch trotzdem oder vielleicht gerade deswegen spielen wir alle gerne. (Okay, das geht jetzt ein wenig am thema vorbei, is nur ein beispiel)
Ja da kann ich dir nur zustimmen medi. die bildung geht in deutschland wirklich immer weiter zurück. aber es beginnt schon zuhause!
die meisten eltern haben nicht mehr die zeit, um sich wirklcih um ihre kinder zu kümmern, wenn die kleinen nach hause kommen werden sie for den fernseher, den rechner oder der nächstbesten spielekonsole gesetzt, um die eltern zu entlasten.
seit jeher habe ich vorgelesen bekommen und hab später selbst gelesen (troztdem is meine rechtschreibung nicht bessergeworden v.v). aber wenn ich mir da so meine kleinen stiefgeschwister ansehe, welche das lesen als negative ansehen und sich dagegen streuben auch nur einen kleinen text sich zu gemüte zu führen so erschrickt mich dies.
ich will damit sagen das nicht nur die schulen immer schlechter werden, sondern selbst die erzihung zu hause lässt immer mehr nach. die kinder werden immer mehr zur last, welche man versucht ruihg zu stellen.
in der schule sind die lehrer total überfordert. die jugend wird imemr frecher und sind weit aus früher ausgereift, als die vorhergehende generation. dies stellt für die lehrer ein großes problem dar. die kinder sind zwar schon ausgereift, wollen erwachsen sein, können aber ihren kindlichen übermut nicht ablegen. dazu kommen die sozialen probleme. kinder die aus einer sozial schwachen familie kommen legen auch nicht soviel wert auf ihre bildung wie welche aus einer besseren. wir entwickeln uns langsam aber sicher zu einer klassengesellschaft, wie sie in amerika vorgelbt wird. früher konnte man die freischwimmer noch besser abfangen, aber jetzt fehlt es an personal, zeit und geduld.
weiter geht es dann in der ausbildung, sofern überhaupt eine gefunden wird.
deutschland ist ein land, wo man noch eine ausbildung macht,was sehr löblich ist. doch auch da sind die meisten lehrkräfte überaltert und überfordert. dazu kommt, das diese besonders in den bereichen der sich immer weiterentwickelnden sparte von medizin, technik und wissenschaft bei weitem nicht mehr auf den neusten stand sind. ich persönlich habe das glück noch auf eine der besten schulen für elektrotechnik in ganz s-h gehen zu dürfen. aber fielen ist solch ein glück verwehrt.
zudem ist das aufgaben feld imens gestiegen. vor einigen jahren braucht man nur seinen beruf erlernen. heute hat man ganze aufgaben gebiete, welche in andere berufe mit eingreifen und überlappend sind. die absprungsquoten sind enorm und auch derer die durchfallen.
und sollte es so weitergehen, wird es hier bald genau so wie in den restliche eu-staaten sein, das man morgens aufwacht und einfach einen anderen beruf ausübt.
Fazit:
die ausbildung ist das wichtigste gut, welches wir der nächsten generation geben können. wissen ist die wahre macht. und dies fängt nicht erst in der schule oder dem kindergarten an. den familien muß ebendso geholfen werden. man muß den eltern klar machen, das es dem kind eher schadet, wenn es schon in frühen jahren dauerhaft sich den schund im fernsehn ansehen lässt.
ich kann mich noch gut daran erinnern, das wir früher tag ein und tagaus draußen gespielt haben. haben unsere fantasy angeregt. doch heute wird den kleinen alles vorgekaut.
edit:
@pollux
japp. aber die bundesregierung versucht schon seit einigen jahren jehdeschule internet fähig zu machen, um zumindest einen groben anschein einer besserung wirken zu lassen was ihnen aber nicht sonderlich gut gelingt.
ich wander da noch mal kurz zu meiner schule ab^^
wie oben schon erwähnt binn ich ja auf einer der besten in s-h. da wir dort nicht nur elektroniker haben, sondern auch noch vereinzelte elektroinstallateure, so wie die ganzen it-leute wahrt die schule sich ihren guten ruf. wir haben eine große anzahl an laboren, insgesamt 9 pc-labore, sowie mehrere werkstätten.
so sollte an sich jehde schule ausgestattet sein. aber stattdessen werden in den meisten schulen bücher ausgegeben, welche schon unsere eltern bekommen haben v.v
meditate
16.01.2005, 15:05
ich denke ja eher, dass das damit nix zu tun hat. genauso hätte man sagen können, die außentemperatur und die länger anhaltende winterdunkelheit ist am besseren bildungssystem schuld.
meines erachtens haben sich die SPD-politiker ein ding rausgegriffen und machen da das schlechte abschneiden fest, nur weil sie ihr schulmodell durchdrücken wollen.
in wirklichkeit seht euch mal die klassenstärke in finnland an (20 kinder), wie früh die kinder in gemeinschaftseinrichtungen geschult werden (ab 4) und wie die ausstattung der dortigen bildungseinrichtungen ist. außerdem kann man den ausländeranteil in finnischen schulen eher vernachlässigen. die SPD vergleicht hier äpfel mit birnen.
in berlin haben die schulen inzwischen eine klassenstärke von 37 schülern und die lehrerausstattung wird immer schlechter. die fachräume sind größtenteils 15 jahre alt, wenn denn überhaupt welche da sind. das sind die wirklichen probleme.
und dann natürlich das gesamte bildungskonzept.
edit: noch was zur rolle der eltern. meines erachtens wird das überbetont. in keiner gesellschaft hatten eltern so viel zeit für ihre kinder wie heute. die kinder wuchsen früher (seit eltern arbeiten) bei großeltern in großfamilien auf. gelernt haben sie von ihren geschwistern und spielkameraden. das wird einfach unterschätzt. kleine kinder gehören zu andern kindern, kleinen wir großen. dann klappts auch mit der erziehung. ;)
Für mich persönlich bedeutet Bildung eine erweiterung meines Horizonts und meines Wissens, dazu nutze ich eigentlich jede Möglichkeit ob Printmedien, TV oder Internet. Meine Eltern haben eigentlich immer drauf geschaut was ich mache, aber nie richtige Zwänge ausgeübt. Das erlernen des Instruments, die Wahl der Schule zum Beispiel war mir komplett selbst überlassen. Hinzu haben sie mich immer in meinen aktivitäten unterstützt.
Bei all den Debatten über Bildung und Pisa, muss ich aber sagen, dass das was jetzt als allheilmittel propagiert wird leider nicht so einfach is wie die Politik der Öffentlichkeit weismachen will (oder es vll. selber nicht besser weiß).
Zum Beispiel spricht man immer wieder von der Gesamtschule und das in Deutschland eine zu frühe Selektion passiert. Mag sein, aber ein Umstieg direkt auf Gesamtschulen von heute auf morgen is sicher nich die Lösug, denn man vergisst hier, dass dann in einer Klasse viele Schüler unterschiedlichster "Leistungsklassen" zusammenwirft und ohne eine gezielte Personenbezogene Förderung ist es garnicht möglich zu verhindern das es zu Unter bzw Überforderungen einiger kommt. Und für diese spezielle Förderung braucht man, was wohl, Geld für Personal und Material. Auch wird nicht bedacht, dass zB in den PISA-führenden Ländern schon im Kindergartenalter die Förderung beginnt, also wieder zusätzliche Kosten.
Wenn also solche Vorschläge von den "Köpfen der Nation" kommen, dann wird da zu wenig bedacht, dass alle diese Vorschläge einen Haufen Geld kosten. Und schon beim jetztigen "billigeren" System fehlt es an allen Ecken.
Typisch Politik: neue Systeme zu fordern ohne die alten ordentlich zu optimieren, eine Aussage darüber, wie effizient unser jetztiges Bildungssystem wäre, wenn es voll finaziert ist, wird nämlich gar nicht getroffen.
Des Weiteren würde ein solches System ein Kurssystem mit Wahloptionen mit sich bringen bei denen sich jeder Schüler gemäß seiner Fähigkeiten einträgt. Schauen wir jetzt mal nach Baden-Württemberg, wo es vor nicht allzu langer Zeit eine Bildungsreform gab, die genau in die andere Richtung geht. Hier muss in der Oberstufe Mathe, Deutsch und eine Fremsprache als !!LK!! belegt werden dadurch geht man ja genau weg von der gezielten Förderung. Grade in Mathe, wo die Begabteren früher den LK belegten und die andern die GK's, müssen jetzt völlig unterschiedlich begabte in großen Kursen klarkommen, damit ist keinem Geholfen, weder den schlechten, noch den guten.
Außerdem gibt es weitere Fragen denen kritisch gegenübergestanden werden muss, zB schreit alles nach Sozialarbeitern an den Schulen. Das mag für Brennpunktschulen eine richtige Lösung sein, da hier Verbote und selbst drakonische Strafen die Schüler recht unbeeindruckt lassen. Wiederrum auf "Elite"-Schulen, wo großteils gut betuchte Schüler verkehren bringen Kontrollmaßnahmen und Strafen wesentlich mehr Erfolg. Beispiel: Internat Salem, dort werden bei den Schülern stichprobenartig Drogentests durchgeführt, wer positiv getestet wird muss gehen und das wirkt, aber an einer Hauptschule wo ein großteil Unmotivierter ist, wird das niemanden interessieren, da Schule sowieso als lästig angesehen wird.
Zusammenfassend würde ich sagen, dass viele Wunderlösungen, die uns die politik präsentiert gar nicht so überragend sind und im Moment einfach zur Vertröstung genutzt werden "Die Politik ist doch bemüht"
Der Gote
16.01.2005, 16:45
Ich denke, das es wenig Streitpunkte darüber gibt, das die Politik in Sachen Bildung momentan am versagen ist. Dennoch kann nur das finanziert werden, wofür man auch das Geld hat und das ist im Moment wohl eher knapp.
Des weiteren nutzt immer noch jeder das "Bildungsschlaraffenland" Deutschland und geht aber dann zum Geld verdienen und Steuerzahlen ins Ausland, da man ja da viel bessere Steuersysteme hat und man echt noch Geld bekommt. Welchen Schaden diese "gebildeten" Menschen ihrem Land antun interessiert nicht weiter... Da beißt sich die Katze selbst in den Schwanz.
Da knüpft auch gleich das Problem an, das hier nur noch alte Lehrer beschäftigt sind. Mal abgesehen von der Geldknappheit und dem daraus resultierenden Stellenabau bei Lehrern, gehen viele fähige Jung-Pädagogen ebenfalls lieber ins Ausland um dort zu unterichten. Ich habe mich in letzter Zeit bei menen Kindern immer gewundert wie unfähig Lehrer doch sein können und war froh, das sie noch einige "Alte" hatten, die echt noch fähig waren und man noch anhand der Noten feststellen konnte, das bei diesem Lehrer, den Kindern das Engagement zum Lernen noch Spaß gemacht hat.
Also liegt das Problem nicht "nur" in der Politik, sondern die Gesellschaft hat auch enorm dazu beigetragen.
Auch die pädagogischen Richtlinien in der Schule selber sind meines Erachtens teilweise zu liberal. Es werden immer wieder neue Konzepte überdacht, um einen möglichst reibungslosen und schülerfreundlichen Unterricht zu gestalten. Die Zeit und -Arbeitsverhältnisse werden von eigenen Psychologen und Pädagogen optimiert.
Wenn man jedoch versucht, den ganzen Druck vom Schüler zu nehmen wird er sich schlicht und einfach nicht mehr für die Materie und die Schule interessieren ... was sich dann aber wiederrum schlecht auf die Noten auswirkt.
§dito
Du hast vollkommen Recht.
Im Prinzip müsste zwar jeder Schüler aus eigener Motivation lernen, aber das ist in der heutigen Zeit einfach nicht mehr so.
Es gibt im Alltag einfach zu viele verlockende Nebenbeschäftigungen wie z.B. den Computer oder den Fernseher, als dass die Schüler den Stoff, den sie in der Schule lernen noch ansprechend geschweige denn intressant finden.
Ein Lehrer, der nun auf freiwilliger Basis ansetzt hat sofort verloren!
Die Schüler lernen einfach nicht, denn es ist ihnen völlig egal, ob es für ihr zukünftiges Leben wichtig ist.
Natürlich gibt es Ausnahmen, aber ein Großteil denkt genau so!
Wenn jetzt jedoch ein Lehrer daherkommt, der die Schüler mit regelmäßigen Abfragen zum Lernen bringt, ist das etwas ganz Anderes.
Die Schüler lernen, weil sie für die Abfrage vorbeireitet sein wollen und keinen Ärger kriegen wollen.
Ich spreche da aus Erfahrung, denn ich hatte im siebten Schuljahr einen Schleifer der übelsten Sorte, der Englisch unterrichtete.
Wir mussten jeden Tag einen Aufsatz schreiben und das wurde dann kontrolliert.
Ich hatte nach diesem Jahr so viel Vorwissen in Englisch, dass ich noch jetzt sehr gut damit auskomme.
Hätte ich diesen Lehrer nicht gehabt, könnte ich Englisch garantiert nicht so gut.
Lehrer, die sich nicht durchsetzen können haben in einer Schule nichts verloren.
Die Schüler merken das und er wird gnadenlos vorgeführt.
Des weiteren wird dringend eine Änderung der lehrpläne nötig.
Das, was heute in den Schulen gelernt wird, ist teilweise völlig realitätsfremd und bringt gar nichts.
Die wirklich wichtigen Sachen, wie z.B. der Dreisatz werden dabei völlig vernachlässigt.
Wie bereits erwähnt wäre ich ebenfalls dafür, dass Bildung Bundessache wird und nicht länger Sache der Länder ist.
Mir scheint es nämlich, dass alle, außer vielleicht Bayern, nicht in der Lage sind
die Bildung vernünftig zu koordinieren.
el primato
16.01.2005, 19:49
Dem muss ich mal wieder widersprechen. Ein schüler sollte für das lernen das ihn interessiert und nicht für das was ihm vorgeschrieben wird. In einigen schulfächern, die mich überhaupt nicht interessieren, mach ich nix acuh wenn wir da so strenge lehrer haben. Doch ich habe es von alleine ohne druck von außen geschafft HTML, PHP, C++ zu lernen. Das sind sachen für die ich mich sehr interessiere. Und wer sich damit auskennt, der weiß das man solche sachen genau wie richtige sprachen (zb englisch) lernen muss. Man muss sich jeder tag wieder dahinter klemmen und lesen, lesen, lesen. Und man muss es verstehen. Und man muss im übertragenen sinne auch vokabeln üben. Warum hab ich das wohl geschafft auch wenn kein lehrer hinter mir stand?
@Mithras
Dito.
Natürlich kann man die Frage stellen, was bringt es mir, wenn ich Biologie lerne, wenn ich später mal einen Beruf micht Informatik ausüben möchte.
Aber ich denke, eine gewisse Allgemeinbildung ist einfach auch im weiteren Leben wichtig. Man arbeitet ja nicht nur im Beruf, es gibt genügend andere Teilbereiche des Lebens wo einem ein etwas erweitertes Grundwissen sehr gelegen kommt.
Wie heisst es so schön: Wissen ist Macht.
Auf einen speziellen Themenbereich kann ich mich immer noch nacher spezialisieren wenn ich beispielsweise studiere.
Dann sprechen wir gleich nocht das Thema "Respekt" an.
Der Lehrer verkörpert doch eine Autoritätsperson und sollte sich auch dementsprechend verhalten (können). Leider ist es oft schon so, das die Lehrer vor den Schülern Angst haben.
Wenn der Lehrer aber mal eine Maßnahme einsetzt um sich zu behaupten stößt das oft auf Missfallen bei "Pädagogen" was unter anderem sogar das Aus seiner Karriere darstellen kann.
@Pogo
Ja leider gibt es ihm Leben oft Dinge die uninteressant sind, und gibt es auch mal Situationen wo du dankbar auf dein Wissen zurückgreifst, von dem du anfangs gedacht hast, es ist nur langweilig und uninteressant.
Hyperion
16.01.2005, 20:33
Da war wohl jemand schneller mit diesem Thema. :)
Patentlösungen gibt es hier natürlich keine, sonst wäre das Thema bereits erledigt. ;)
Ich poste aber ein paar Dinge, die ich aus meiner Schule/Jungend bzw. aus der Schweiz her kenne:
(Anmerkung: Da der Schweiz so ziemlich alle Rohstoffe fehlen, hat die Bildung einen höheren Stellenwert in der Bevölkerung. Gespart wird aber auch hier!)
Föderalismus:
Bildung ist in der Schweiz Sache der Länder (Kantone genannt). Erst ab den Hochschulen greift der Bund (also die landesweite Regierung) aktiv ein.
Ein Vorteil ist da natürlich, dass die Bildungsverantwortlichen klar näher zu den Bürgern ist. Probleme kann jedes Gebiet so lösen, wie es für die Bevölkerung besser ist. Ich kann mir vorstellen, dass es in Deutschland ähnlich wäre, da die gesellschaftlichen Werte z.B. von Bayern nicht jenen von Niedersachsen entsprechen. Ich glaube auch kaum, dass sich der Bundestag mehr einsetzen würde, wenn in Gebiet X im Bundesland Y die schlechteste Bildung vorweist. Bundesland Y wird sich jedoch wohl mehr dafür einsetzen, die rote Laterne schnellstmöglich wieder abgeben zu könnn.
Anerkennung von Schulabschlüsse geht unter "Administratives" und ist Sache der Kantone untereinander. Die Länderregierungen sind natürlich daran interessiert, dass Schüler aus ihrem Gebiet möglichst viele Alternativen auch ausserhalb des Kantons offen stehen; ähnlich wie nun auch Möglichkeiten geschaffen werden soll, in EU-Ländern Hochschulen u.ä. studieren zu können. Natürlich müssen die Länder miteinander arbeiten und nicht - wie leider zum Teil zu oft - gegeneinander.
Dass dieses System nicht so schlecht ist wie viele befürchten, beweist, dass die Schweiz in PISA klar vor Deutschland liegt. Die Schweiz ist ein mulitkulturelles Land, so dass Vorwände wie "Ausländeranteil" das bessere Ergebnis nicht rechtfertigen würde.
Schulklassen:
Wenn ich immer wieder höre, dass Klassen über 35 - zum Teil sogar über 40 - Schüler aufweisen, wundert mich einfach gar nichts mehr. Je grösser eine Klasse ist, desto weniger kann gelernt werden. Dies bewiesen immer wieder Studien aus aller Welt.
Es gibt zwar auch eine untere Grenze bei Gruppen, doch aus finanziellen Gründen könnte die niemals erreicht werden (ausser vielleicht durch Luxus-Privatschulen). Ein guter Kompromiss ist IMHO (sagen aber auch viele Experten) Klassen von 18-25 Schülern. Die Lehrer haben es so auch erheblich einfacher, da eine grössere Ruhe während den Lektionen herrscht und Schüler individueller unterstützen.
Erst bei Hochschulen sind grössere Klassen möglich. Diese Schulen sind ja auch freiwillig (wenn man nicht gerade von z.B. Eltern einer Ärztefamilie gezwungen wird), so dass eine gewisse Eigenmotiviation erwartet werden kann, welche das Manko der Klassengrösse wieder kompensiert.
Schuleintritt:
In der Schweiz geht man grundsätzlich ein Jahr später in die Schule als in allen anderen Ländern. Dank etwas kleineren Klassen (Ich war meistens in Klassen von 18-20 Schülern) kann man das "Verpasste" schnell wieder aufholen, wie die PISA-Studien beweisen.
Eltern:
Sie haben bestimmt auch Einfluss auf das Kind. Sie waren auch in den wichtigsten 6 Jahren des Lebens (jedenfalls was das Lernen angeht) die Bezugspersonen und sollten IMHO die Verantwortung während der Schulzeit nicht abgeben (z.B. dem Lehrer).
Natürlich müssen Eltern nicht 24h lang um das Kind kümmern. Doch sie sollten wirklich wissen, was ihr Kind tut. Man darf sein Kind IMO TV schauen lassen. Doch die Eltern müssen wissen, was ihr Kind schaut. Nebenbei gibt es auch viele Sendungen, bei denen Kinder auf spielerische Weise zum Lernen bringt (Ich erinnere mich da z.B. an Zeichentrickserien wie: "Was ist.... der Mensch" etc.)
So wird Interesse an Wissen geweckt, was IMHO viel effektiver ist, als wenn man seine Kinder zwingt, ein Buch zu lesen.
Erschreckend finde ich, dass es einigen Eltern (natürlich nicht alle) nicht interessiert, was ihre Kinder in der Schule/Freizeit tun. Zum Teil scheint es einigen Eltern nicht wichtig zu sein, ob ihr Kind zur Schule geht oder diese schwänzt. Mir wäre nicht im Traum eingefallen, zu schwänzen, da es meine Eltern 100%ig herausgefunden hätten und sehr erbost gewesen wären.
Es ist also auch ein gesellschaftliches Problem, dass auch Erwachsene keinen grossen Wert auf Bildung legen. Sonst würden diese Eltern sich mehr darum sorgen, dass ihre Kinder mit einer guten Bildung in die Arbeitswelt einsteigen können.
Leistungskurse:
Als Schweizer kenne ich das System der Leistungskurse nicht so gut. Wenn ich es richtig verstehe, kann sich ein Schüler auf einige Fächern (meistens, wo man gut ist) zusätzlich konzentrieren, während andere Fächer eher vernachlässigt werden (wenn ich etwas falsches behaupte, korrigiert mich und nehmt den folgenden Abschnitt nicht ganz so ernst, da dieser auf falsche Tatsachen beruht ;) ).
In der Schweiz gibt es ein solches System eigentlich nicht. Ich wüsste auch nicht, ob es seit meiner Schulzeit geändert hätte.
Eine dritte Fremdsprache (in der deutschsprachigen Schweiz ist Französisch obligatorisch) kann man freiwillg wählen. Meistens wird Englisch gewählt (zum Teil wählen Schüler auch Italienisch). Ansonsten kann man noch Zusatzkurse in Mathematik und Französisch wählen (gibt je 2 Kurse je nach Stärke).
Diese Kurse werden an Stunden durchgeführt, wo man sonst keine Lektionen hat. Es werden also keine Lektionen anderer Fächer gestrichen/vernachlässigt. Es gibt jedoch eine obere Grenze von Lektionen, die ein Schüler pro Woche leisten darf (damit Eltern keinen Druck ausüben können, alle Kurse zu wählen). Wer z.B. freiwillig Englisch und Italienisch sowie die Zusatzkurse in Mathematik und Französisch belegt, hat pro Woche zu viele Lektionen. Der Schüler streicht dann ein bestimmtes Nebenfach, um wieder unter die Grenze zu kommen. Meistens sind es Fächer wie Zeichnen, Musik oder Turnen (dies jedoch nur, wenn der Schüler neben der Schule Sport treibt z.B. in einem Verein).
Es wird also ein grossen Allgemeinwissen vermittelt. Spezialisierung gibt es erst z.B. in Berufschulen u.ä., also dann, wenn man wirlich mehr Wissen für den Beruf benötigt.
Wie gesagt: In der Schweiz ist Bildung wichtiger, da einfach die Rohstoffe fehlen. Deshalb legen wohl auch grundsätzlich Schüler mehr Wert aufs Lernen (gibt natürlich Ausnahmen). Aber Schwänzen ist natürlich auch dann weniger möglich, da man in einer Klasse von 18 Schülern schneller durch Abwesenheit auffällt als in 40er Klassen. ;)
el primato
16.01.2005, 20:58
Ja leider gibt es ihm Leben oft Dinge die uninteressant sind, und gibt es auch mal Situationen wo du dankbar auf dein Wissen zurückgreifst, von dem du anfangs gedacht hast, es ist nur langweilig und uninteressant.
Ist was wahres dran, glaub ich aber nicht ganz.
Man braucht ein gewisses grad an allgemeinbildung, da stimm ich zu. Doch finde ich dass schüler sich viel früher spezialisieren sollten. Zum beispiel könnte man ja wahlkurse schon ab der siebten klasse einführen. Dann meiner erfahrung nach gehen ab dem alter die interessen auseinander. Jeder fängt an sich seine eigene meinung, seinen eigenen charakter zu bilden. Ich selbst interessier mich auch sehr für geschichte und hab im internet sehr viel über sachen gelesen, die wir noch gar nicht im unterricht hatten. Andere wollen vielleicht lieber mehr über bio erfahren, was mich regelrecht ankotzt (sry für die ausdrucksweise :D). Ich denke wenn man so an die schüler herangeht macht ihnen das lernen auch spaß.
BTW, wir verquatschen alle interessanten themen schon am ersten tag. Was für ne verschwendung ;)
Doch finde ich dass schüler sich viel früher spezialisieren sollten. Zum beispiel könnte man ja wahlkurse schon ab der siebten klasse einführen.
Sehr richtig.
Ich für meinen Teil sehe zum Beispiel keinen Sinn darin den Verlauf von Parablen zu errechnen, da ich das in meinem späteren Beruf mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht einmal anwenden werde!
Nun kommt man schnell wieder zu dem Problem der Lehrpläne, die einfach völlig schwachsinning sind und imo nicht mehr wirklich tauglich für den Alltag sind.
Man sollte sich wieder auf elementare Dinge spezialisieren und nicht Sachen lernen, die wirklich sehr stark in einen Fachbereich einschneiden.
Da wäre eine Spezialisierung ab der siebten Klasse gar nicht mal so schlecht.
So könnte man nämlich z.B. schwerere Sachen in der Mathematik erst in diesem Zweig besprechen und die elementaren Dinge schon vorher abhaken.
Die, die diesen Zweig nicht gewählt hätten würden dann von solchen Dingen verschont bleiben.
ich finde es ja schön und gut, wenn ihr jetzt schon alle wist, was ihr später in eurem leben machen wollt, doch ist euch auch wirklich garantiert, das ihre euren traumberuf überhaupt ausüben könnt? das ihr angenommen werdet und die chance bekommt diesen auszuüben, oder ob ihr nicht zeitweise erst einmal etwas anderes lernen müsst. oder gar erst in der lehre bemerkt, das euch der beruf doch nicht so liegt, wie uhrsprünglich angenommen, wie es bei ca. 1-2/3 aller auszubildenen ist. und was macht ihr dann? dann habt ihr seit der siebten klasse nur für den einen beruf gelernt, habt aber nicht das nötige wissen um eine andere tätigkeit auszuüben, wodurch wir in deutschland 2-3 mal so viele arbeitslose hätten.
genau das ist der falsche weg. heutzutage muß man ein fachman auf fielen gebieten sein. jeh mehr man lernt, desto mehr ist man wetrt. das heist auch, das man möglichst viele unterschiedliche themen in der schule behanderlt, auch wenn einem diese nicht behagen.
Was das Allgemeinwissen angeht, werft doch mal einen Blick nach ganz oben:
"Politik und Gesellschaft"
Wie soll ich mir eine Meinung über Gentechnik bilden wenn ich nicht mal weiß was eine Zelle ist? Wie soll ich den grandiosen Witz hinter Eichels Rechnungen verstehen, wenn ich nict Grundzüge der Ökonomie kenne? Wie eine Statistik interpretieren wenn ich nicht mal eine Parabel ausrechnen kann? Und so weiter und so fort. Wir haben zwar eine repräsentative, keine Basisemokratie aber wenn wir unsere Repräsentanten kontrollieren wollen müssen wir fähig bleiben die Sachverhalte zumindest oberflächlich beurteilen zu können.
ich finde es ja schön und gut, wenn ihr jetzt schon alle wist, was ihr später in eurem leben machen wollt, doch ist euch auch wirklich garantiert, das ihre euren traumberuf überhaupt ausüben könnt? das ihr angenommen werdet und die chance bekommt diesen auszuüben, oder ob ihr nicht zeitweise erst einmal etwas anderes lernen müsst. oder gar erst in der lehre bemerkt, das euch der beruf doch nicht so liegt, wie uhrsprünglich angenommen, wie es bei ca. 1-2/3 aller auszubildenen ist. und was macht ihr dann? dann habt ihr seit der siebten klasse nur für den einen beruf gelernt, habt aber nicht das nötige wissen um eine andere tätigkeit auszuüben, wodurch wir in deutschland 2-3 mal so viele arbeitslose hätten.
genau das ist der falsche weg. heutzutage muß man ein fachman auf fielen gebieten sein. jeh mehr man lernt, desto mehr ist man wetrt. das heist auch, das man möglichst viele unterschiedliche themen in der schule behanderlt, auch wenn einem diese nicht behagen.
Schön und gut.
Aber was ist wenn man zum Beipsiel (so wie ich), absolut gar keine Ahnung von Mathematik hat und seit der Grundschule! 4-5 steht und absolut demotiviert ist und das Fach hasst mehr als alles Andere?
Ich gebe zu, dass es z.T. an mir liegt, da ich nie wirklich viel dafür gelernt habe.
Mir fehlt aber völlig der Draht dazu und ich würde in der Zukunft nie einen Beruf ausüben, der differenziertes Fachwissen in Mathematik benötigt.
Ich denke ein Beruf sollte auch Spaß machen.
Was wäre das denn für ein Leben, wenn man einen Beruf ausübt, der einem selbst keinen Spaß macht.
Man würde doch nach einiger Zeit seelisch zu Grunde gehen, wenn man sechs mal in der Woche etwas tun müsste, was einem eigentlich absolut gegen den Strich geht.
§gnah
DarkwingDuck
17.01.2005, 00:08
Als ich medis Post gelesen habe (den ersten) kam mir so ziemlich das in den Sinn, was Pollux in Sachen Kinderstube sagte.
Die meisten Leute, egal wie unordentlich sie mal waren, haben nach dem Wehrdienst immer ein aufgeräumtes Zimmer. Das hält Jahre an. Soweit meine Meinung zum Thema liberal (vgl. Pollux's Respektperson). Wenn der Lehrer sich zu viel dem Schüler anpassen muss ist IMO was schief gelaufen.
Zum Thema Ausstattung der Schulen: Mein Gymnasium(NRW) hat erst kürzlich 3 hochmoderne Chemie- , 2 Physik und 2 Biologie Räume spendiert bekommen. Die Informatikräume wurden vor Jahren schon erneuert, werden vielleicht nicht immer up-to-date gehalten, sind aber brauchbar. Vielleicht sollte noch mehr Geld für Material bereitgestellt werden. Wie es in Berlin ist weiß ich nicht, aber AFAIK ist das Land auch pleite.
Wahlkurse sind eine schöne Sache, aber nur solange, wie sie nicht die normalen Kurse beeinflußen/stören. Es bringt nunmal nix, wenn ein Schüler perfekt Mathe und Informatik kann, von Rechtschreibung und Sozialwissenschaften aber keine Ahnung hat (überigens die Fächer deren Fachwissen von Arbeitgebern am meisten vermisst wird).
@Hyperion: Der Vergleich zur Schweiz ist IMO problematisch, schon alleine wegen der Mehrsprachigkeit. Was mir aber grade einfällt ist das auf einer Schule in Mittelhessen im Abitur Themen kammen die ich in der 11. hatte...
Edit: Hyperion, sry, hab wohl überlesen das du das häufiger gesagt hast, um die Uhrzeit passiert mir das schonmal! ;)
Sinistro
17.01.2005, 00:37
Ich glaube ganz ehrlich nicht, dass momentan nur die Politik in Sachen Bildung versagt, es handelt sich leider um ein gesellschaftliches Problem, das viele Ursachen hat.
Zuallererst hat medi Recht wenn sie sagt, dass heutzutage viele Eltern mehr Zeit für die Kinder haben als früher- die Frage ist dabei nur, ob das denn wirklich so gut ist. Denn wenn ich mir die heutigen Einzelgänger angucke denke ich, dass Eltern eben ihre Kinder z.T. gut fordern und fördern, sei es mit Sport- oder Musikunterricht, jedoch der soziale Aspekt dabei vernachlässigt wird. Viele Kinder lernen es nicht, mit ihren Mitmenschen umzugehen, Eltern entschuldigen Fehlverhalten damit, dass er oder sie ja noch sooo klein ist etc. Und wenn diese Kids sich dann zu kontaktlosen Individuen entwickeln ist das kein Wunder. Irgendwie wird heutzutage auch der Begriff Individuum „zu stark“ gefördert und die Sozialkompetenz lässt mehr und mehr nach, was in meinen Augen eigentlich ein wichtiger Teil der Bildung sein sollte.
Nun mal zur Politik- ich finde, der Weg, den man mit Ganztagsschulen beschreiten will, nicht schlecht, jedoch sollte das ganze eher in einer Art „betreutes Lernen“ stattfinden. Die Lehrer sollten Hilfestellungen geben, Spiele fördern, ebenso das Spielen am PC erlauben und sportliche Aktivitäten fördern- und wenn „die Kleinen“ dann nach Hause kommen stelle ich mir vor, dass die Hausaufgaben fertig sind und man eben innerhalb der Familie Zeit miteinander verbringt (nun gut, ich gebe zu, ein wenig illusorisch!). Und ich sag ganz ehrlich- ich hab in dem Fall, dass die Eltern eben keine Zeit haben auch nichts gegen ein Kindermädchen- aber dieses sollte sich eben mit dem Nachwuchs beschäftigen und als eine Art Ansprechpartner fungieren.
Was ich jedoch als Hauptproblem ansehe ist die Tatsache, dass viele Lehrer einfach überfordert sind- die sollen die fehlende Erziehung aus dem Elternhaus nachholen, ihren Schülern Stoff vermitteln etc.- und sie haben leider keine Ahnung mehr, wie man das am Besten anstellt. Denn inzwischen geht es eben leider nicht mehr so „einfach“ wie früher, man muss es schaffen, die Schüler zu motivieren und daran scheitert es doch häufig, da eben die Lehrer dazu nicht in der Lage sind.
Und wenn ich mir angucke, dass z.B. an deutschen Universitäten immer noch so gelehrt wird wie vor dreißig oder vierzig Jahren, nur dass eben inzwischen Dias durch eine obligatorische und schlechte Powerpoint-Präsentation ersetzt wurde, kann ich mir nur an den Kopf fassen, das ist eben nicht mehr zeitgemäß und bei Folienfilmen schläft man eben einfach ein.
Was ich ebenfalls bemerken möchte ist, dass ich es erschreckend finde, wie wenig Allgemeinbildung es heute in Deutschland gibt. Da wissen doch selbst Erwachsene nicht, wer z.B. Innenminister ist oder wie der Präsident in der Ukraine heißt, der doch noch vor Tagen durch die Nachrichten geisterte. Und ich sehe es leider so, dass ein grossteil der Bevölkerung zwar von einer Flutkatastrophe weiß, aber nicht, welche Städte denn betroffen waren. Und das liegt einfach daran, dass man sehr gut sich vom Fernseher berieseln lassen kann, statt die Nachrichten zu verfolgen. Und das gilt nicht nur für Jugendliche- das gilt durch alle Altersgruppen.
Eine frühstmögliche Spezialisierung ist imo der falsche Weg, eher sollte versucht werden, in den einzelnen Fächern mehr Bezug zum Leben zu schaffen- eben wie K. Murx schon bemerkte, zu zeigen, worüber man sich mit diesem Wissen informieren kann. Die Verbindung zum Leben und die Anwendbarkeit des Lehrstoffes kommen einfach zu kurz.
Und ganz im Ernst- lasst uns daran arbeiten und so wählen, dass endlich die regionalen Unterschiede im Lehrplan beseitigt werden, denn jeder Schüler, der mal zwischen zwei Bundesländern umziehen muss (am Besten noch während eines Schuljahres) steht da wie ein Idiot, entweder, weil er schon alles weiß und sich dann auf die faule Haut legt, oder weil er in allen Fächern nacharbeiten muss und dadurch auf keinen grünen Zweig mehr kommt.
Hyperion
17.01.2005, 00:42
@Hyperion: Der Vergleich zur Schweiz ist IMO problematisch, schon alleine wegen der Mehrsprachigkeit.
Das verstehe ich und deshalb erwähnte ich dies mehrfach ausdrücklich, damit keine Missverständnisse aufkommen. Trotzdem: Ein Drei-Schulensystem gibt es genauso in der Schweiz. Vergleiche sind so aussagekräftiger als bei Ländern mit Gesamtschulen.
Die Mehrsprachigkeit sollte aber da das kleinste Problem sein. Schliesslich kann ich von Geburt an nicht besser Französisch, nur weil ein Teil des Landes diese Sprache spricht. ;)
Nebenbei sollte IMHO in der heutigen globalen Wirtschaftswelt Englisch und Französisch Pflichtfächer sein. Selbst wenn man die Sprache nicht im Beruf benötigen wird; es wäre recht sinnvoll, wenn man auch Leute versteht, die "weiter weg wohnen als im Nachbardorf".
Ich wollte nur aufzeigen, dass eine dezentrale Bildungsverantwortung durch die Länder (ohne die Hochschulen) und verstärkte "Wissensspezialisierung" erst ab Berufsschule sehr wohl funktionieren kann und nicht gleich negativ bewertet werden soll. ;)
Nur weil der "Klassenbester" der PISA-Studie ein bestimmtes System hat, muss dieses System nicht unbedingt in Deutschland funktionieren. Genau so gut könnte ein anderes Schulsystem auch funktionieren wie es eben die Schweiz zeigt (dass in der Schweiz auch Verbesserungen möglich wären, bestreite ich btw. nicht. Aber ein perfektes Schulsystem kann es auch nicht geben.).
Fraglich ist aber vielleicht bei diesem Beispiel mehr, ob das Schulssystem (Gesamtschule, Drei-Schulen-System, etc.) wirklich den Ausschlag macht. Dies bezweifle ich sehr!
Auschlag über den Bildungsstand scheint IMHO wirklich a) die Gesellschaft (wie viel Wert sie auf Bildung legen) und b) die Klassengrösse zu sein.
Den genau in diesen Punkte unterscheidet sich Deutschland recht stark mit den skandinavischen Ländern oder der Schweiz (welche eben ein ähnlicheres Schulsystem aufweist als jener der Nordländer).
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