View Full Version : [GM] Der Herzensbrecher
Die Sorgentöter
07.01.2005, 17:12
Schon Tage waren die 3 Sorgentöter jetzt schon auf der Insel unterwegs und noch immer war die Höhle, vor der sich ein durch die Bestie Terruel ausgelöstes Massaker zugetragen haben sollte, nicht in Sicht. Dass der Weg weit war, hatte Lawrence ihnen ja gesagt, aber soweit?
Und die Karte, die sie bei sich trugen war auch mehr schlecht als recht. Entweder Cedric konnte, was eigentlich sehr unwahrscheinlich war, keine Karten lesen oder der Zeichner hatte eindeutig unter Drogen gestanden, als er sie angefertigt hatte. Die unterschiedlichen Relationen aller auf der Karte eingezeichneten Merkmale schienen stark verschoben zu sein und einen festen Maßstab gab es scheinbar auch nicht. Ah... wahrscheinlich wären sie schneller gewesen, hätten sie sich nicht auf diesen alten Fetzen verlassen.
Cedric wurde allmählich ungeduldig. Sie befanden sich jetzt schon beinahe 2 Wochen an diesem verdammten Ort und waren ihrem Ziel, die Bestie zu finden und zu töten, nur wenige Schritte näher gekommen. Irgendwann würde der Vorteil, dass Terruel stark geschwächt war, zu Rauch und Nichts verpuffen, und was dann alles geschehen konnte, daran wollte Cedric noch nicht einmal denken. Auf jeden Fall aber, würde der Kampf härter als geplant werden.
Mit einem Ruck blieb der Hoch-Exorzist stehen und ging in die Hocke. Den anderen bedeutete er, es ihm gleich zu tun.
Wenn es das war, was Cedric vermutete, dann hatten sie es endlich fast geschafft! Solange waren sie nun schon unterwegs gewesen. So viele Male hatten sie schon rasten müssen. Und so viele Male hatten Cedric schon beinahe nicht mehr daran geglaubt seine Karriere mit dem Töten eines Nachfahren Terruels beenden zu können. Doch nun? Nun befand sich da nur wenige Meter von den Büschen, in denen sie hockten, der Enigang zu einer Höhle mit einigen Gräbern davor. Das musste die Höhle sein, ganz sicher.
Cedric ließ sich von George sein Langschwert geben und ging dann damit aus der Deckung heraus und auf die Höhle zu, während die anderen beiden warteten. Nachdem er sich versichert hatte, dass sich sowohl in als auch vor der Höhle keine Gefahr befand, winkte er die anderen beiden zu sich herüber.
Knapp über ein Dutzend rostige Schwerter steckten vor ihnen in der Erde. Die Gräber, deren Grabsteine sie bilden sollten, waren mit kleineren Kieseln und Steinen abgegrenzt. Das waren wohl die Opfer des Massakers, welche Lawrence begraben hatte.
Cedric warf Elaine einen Blick zu und bemerkte, dass sie schon damit angefangen hatte, nach der Magiepsur der Bestie zu suchen. Tatsächlich war es dabei so, dass sie ein wenig in der Luft schnüffelte.
"In Ordnung", sagte sie schließlich, "ich habe die Fährte aufgenommen. Sie führt in die Höhle, jedoch geht noch eine etwas schwächere Spur von der Höhle ab."
"Gut, meine Liebe. Sehen wir uns zuerst die Höhle an. George bleib hier draußen und warne uns, falls sich jemand nähert."
"Wie ihr befehlt, Sire." Antwortete der Knappe und bezog eine etwas erhöhte Position, von der aus er die gesamte Fläsche vor der Höhle im Blick hatte und ihm niemand in den Rücken fallen konnte. Cedric und die Wappenträgerin begaben sich währendessen in die Höhle.
In der Höhle war es noch kälter, als vor ihr, so dass beide Sorgentöter ein leichtes Frösteln durchfuhr. Vielleicht war es auch einfach ihre Psyche, die den beiden einen Streich spielte, aber der Tod und die Schrecken, die hier stattgefunden hatten, waren schon beinahe zu spüren. Diese Höhle wollte niemanden mehr in sich haben... Die kahlen, dunklen Wände, die nur von dem kleinen Lichtzauber erhellt wurden, den Cedric per Schriftrolle gewirkt hatte, schienen sie fast erdrücken zu wollen und der unablässige Drang, diesen Ort endlich zu verlassen, war selbst für Cedric, der eigentlich schon erfahren und abgebrüht war, nur schwerlich zu unterdrücken.
"Machen sie bitte schnell, wir sollten hier nur solange wie notwendig bleiben." Sagte Cedtric und setzte dann noch nicht gerade überzeugend "Hier können wir leicht Opfer eines Hinterhalts werden, es gibt schließlich nur einen Ausgang." nach.
Sie drangen nun schnell immer tiefer in die kleine Höhle vor und erreichten schließlich ihr Ende. Scheinbar hatte sich hier vor langer Zeit ein Mal eine Feuerstelle befunden.
Elaine begann wieder zu "schnüffeln" und begann dann zu sprechen.
"An dieser Stelle ist etwas passiert. Irgendetwas hat ihn plötzlich enorm geschwächt. Ich nehme an, die geschwächte Spur draußen vor der Höhle ist die frische. Ihr müssen wir weiter folgen."
"Gut, dann ist also alles geklärt? Gehen wir wieder. Wir dürfen nicht noch mehr Zeit vergehen lassen."
Cedric wollte sich gerade wieder hastig zum Gehen umwenden, da ergriff Elaine wieder das Wort.
"Nur so nebenbei, aber um ehrlich zu sein, war ich auch persönlich an dieser Mission interessiert. Nicht nur von wegen des Befehls kam ich mit."
Das Gesagte ließ den Hoch-Exorzisten stutzen. Was interessierte ihn bitteschön, warum sie hier war, es galt schließlich einen mächtigen Dämonen zu töten.
"Äh... So gut wie jeder Sorgentöter würde an solch einer Mission gerne teilnehmen. Wann erhält man schon die Möglichkeit dem Erzfeind direkt gegenüber zu stehen?"
"Das meinte ich nicht. Wissen sie, ich habe mich schon immer für sie und ihre Karriere interessiert und viel über sie in Erfahrung gebracht. Es würde mich freuen, wenn wir nach der Mission noch etwas in Kontakt bleiben könnten."
Cedric blickte sie mit vewirrtem Gesichtsausdruck an.
Was sollte das denn jetzt?! Und sie guckte auch schon wieder, als hätte man sie als Kind zu oft fallen gelassen. Ein paar Schweißperlenen waren auf ihrer Stirn zu sehen. Moment Mal...
Sie war doch wohl nicht... Nein! Das war doch gar nicht möglich. Obwohl... Nein, in einen alten Mann wie ihn doch nicht! Und wenn doch? Ach Quatsch, Frauen gingen doch nicht so plump vor, oder? Na ja, Cedric würde sie nach der Mission wohl noch ein Mal ansprechen, aber jetzt wollte er lieber wieder hier raus.
Und das nicht nur, weil ihn die Finsternis bedrückte.
"Gut, nach der Mission dann also... Jetzt müssen wir weiter." Sprach er ohne eine weitere Miene zu verziehen und verschwand dann eilig aus der Höhle.
Puh... was war er froh, endlich wieder der Höhle entkommen zu sein.
Ehe sie vielleicht noch etwas sagen konnte, wies Cedric Elaine an, der anderen Spur zu folgen und ging dann mit George hinter ihr her. Ihr Weg führte sie zwischen die Bäume und wieder in den Wald hinein.
Im gleichen Wald zur gleichen Zeit saß auf einem Baumstumpf der völlig ahnungslose Knörx. Er wusste nichts von den Gefahren, die die Fremden und seinen Freund Veilyn bedrohten und bedrohen werden, nein, er hatte ganz andere Sorgen. Wenn auch nicht von so welterschütternden Belang wie die der Sorgentöter, so waren sie doch wichtig für ihn selbst. Er führte einen Kampf mit einer Sache, die viele Menschen wie ihn plagen, die tagelang in der Wildnis verbrachten, nur im Kontakt mit den Bäumen, Sträuchern, Gräsern und Sumpflöchern, eben solche Dinge wie Hunger, Verletzungen, Einsamkeit oder, was noch viel schlimmer sein konnte, ...
"Beim Schläfer, ist das öde hier!"
...Langeweile.
Knörx saß da und warf gerade den Ast weg, an dem er so lange geschnitzt hatte, bis von ihm nicht mehr als ein kleiner Span zurückgeblieben war. Dieser landete auf einem Haufen anderer Späne, die wohl alle mit der gleichen Art behandelt worden waren. Das Werk von 2 nutzlosen Tagen! dachte er sich und trat nach dem Haufen, so dass die Splitter über den Waldbogen flogen.
Wenn nicht bald was passiert, werd ich noch so verrückt, dass ich den Troll doch noch angreife.
Die Rede war von einem jungen Troll, der sich einen Lagerplatz zwischen zwei großen Felsen eingerichtet hatte. Dummerweise war diese Stelle der einzige Weg, der in das Tal führte, in dem Knörx seit geraumer Zeit festsaß. Über die Berge zu klettern war zu gefährlich, der Fels war rutschig und brüchig und Wölfe streunte zwischen ihnen herum. Ein paar mal hatte Knörx versucht, an dem Troll vorbei zu schleichen, wenn dieser schlief, was jedoch immer in einer irren Flucht in den Wald endete. Langsam wusste Knörx nicht mehr, was er noch versuchen sollte, der Vorrat an geschossenen Kaninchen ging auch zur Neige. Zumindest musste er sich keine Sorgen um Trinkwasser machen, da ein kleiner Bach die Berghänge hinunterlief, das Tal durchquerte und durch eine Felsspalte wieder in den Berg floss.
Trübsinnig tauchte Knörx einen Stock in das eiskalte Wasser fallen und sah zu, wie er langsam richtung Felsspalte getreiebn wurde. Zumindest konnte der dieses Tal verlassen. Ein paar Regentropfen platschten auf Knörx Gesicht und flossen langsam die Wangen hinunter. Sie wirkten wie Tränen und genau so traurig fühlt sich Knörx auch. Sollte hier sein Ende sein? Verrecken in Gefangenschaft? Inzwischen wurde der Regen stärker und Wind kam auf. Wie dicke Schwaden fiehl das Wasser auf die Blätter und den Boden. Schnell stand Knörx auf und rannte durch die dicken Schwaden unter einer dicken Eichen in Deckung. Das setzt dem ganzen doch wirklich die Krone auf! fluchte Knörx innerlich und grummelte vor sich hin. Das Schicksal schien sich gegen ihn verschworen zu haben.
Unterlegt von einem gewaltigen Donnern zuckte ein Blitz über den Himmel und tauchte den Wald kurz in helles Licht. In Panik flüchteten viele Tiere des Waldes aus ihren Behausungen und rannten, krochen oder flogen Hals über Kopf in alle Richtungen davon. Knörx duckte sich unter den großen Baum und begann langsam zu beten. Er war gefangen inmitten dieser Vorhölle, die da über ihm hereinbrach und konnte nichts tun. O mächtiger Schläfer, bitte verlass mich jetzt nicht! Ich weiß, ich war nicht der beste Anhänger und geraucht hab ich auch nicht... Vielleicht hätte ich ein bisschen debiler sein sollen... Ein weiterer Blitz unterbrach Knörx in seinen Gedanken. Mit einem gewaltigen Krachen Schlug ein weiterer in die dicke Eiche ein, die sofort Feuer fing.
Knörx rannte, wie er es noch nie in seinem Leben getan hatte, während um ihn herum Baume einstürzten und das Feuer um sich griff. Als Knörx auf den pass zuhastete, stellte er mit Freuden fest, dass der Troll anscheinend ähnlich panisch auf das gewitter reagiert haben muss, da er keine Spur von ihm erkennen konnte. Mit großen Schritten verließ er eilig das Tal und floh in die Dunkelheit des Waldes.
Als der Regen in langsam in einen Nieselregen überging und Knörx mitlerweile ein ganzes Stück gerannt war, ließ er sich erschöpft gegen einen Baum sinken. Er keuchte schwer und hielt sich die Seite, aber er lachte über die Tatsache, immer noch zu leben und dem Tal entkommen zu sein. Er wollte gerade aufstehen und den Bestand seiner Sachen prüfen, als er aus der Ferne Stimmen vernahm. Hastig zog Knörx einen Pfeil aus dem Köcher und legte ihn an die Sehne. Wer mochte so spät wohl noch unterwegs sein? Er würde es auf jeden Fall nicht darauf ankommen lassen. Vorsichtig späte er an dem Baum vorbei und sah durch den Nieselregen in der Ferne drei Gestalten, die durch zwei Fackeln ihren Weg erleuchteten. Nach den Klang der Stimmen zu schließen, waren es zwei Männer und eine Frau, aber sehr viel mehr konnte er auch nicht ausmachen. Vorsichtig duckte er sich in den Schatten des Waldes, während er bereits den Bogen spannte.
Als die Gestalten näher gekommen waren, konnte Knörx bereits erkennen, dass beide Männer gut bewaffnet waren. Vielleicht Drachentöter von dem Bauernhof? Zu dumm, dass er noch nie einen gesehen hatte. Auf jeden Fall schienen sie stark zu sein. Da hieß es also abwarten und eine Begegnung vermeiden, es könnte das Leben davon abhängen.
Die Gruppe kam an dem Baum vorbei und ging normal weiter. Erleichtert ließ sich Knörx gegen den Baum sinken und atmete auf. Wäre doch zu dumm gewesen, wenn er jetzt ein paar Banditen in die Hände gefallen wäre.
Dann sah Knörx gerade noch eine Schwertklinge im Fackelschein aufblitzen, als bereits die beiden Männer mit gezogenen Schwertern auf Knörx zugerannt kamen. Wie haben die mich nur gesehen? schoss es Knörx durch den Kopf, aber viel wichtiger war nun, abzuhauen, bevor diese Typen ihn abschlachteten. Aber er kam nicht weg, da er über eine Wurzel stolperte und der Länge nach hinfiel.
Die Gestalten kamen nun auf ihn zu, beide richteten ihre Schwertspitzen auf Knörx' Kehle, während die Frau mit einer Fackel nachkam. Der eine Mann - offensichtlich der jüngere - knurrte ihn an, während er langsam immer näher kam:
"Keine hastigen bewegungen, Freundchen, oder ich verpass dir ein drittes Nasenloch!" Er sprach mit einem merkwürdigen Akzent, aber seine Bewaffnung ließ Knörx darüber hinwegsehen. Kalter Angstschweiß lief Knörx den Rücken herunter und begann zu zittern. Nun war es endgültig aus mit ihm.
Die Sorgentöter
08.01.2005, 02:39
Vor Kurzem hatte es zu regnen begonnen und die Sorgentöter hatten eigentlich schon ein Nachtlager aufschlagen wollen, als sie plötzlich eine große, brüllende Kreaturen nur wenige Meter an sich vorbei hetzen sehen. Die blanke Angst war in den Augen der affenartigen Kreatur zu sehen gewesen.
Lawrence hatte sie vor diesen Wesen gewarnt. Trolle nannte man sie und selbst einen gut ausgebildeten Kämpfer konnten sie mit ihren brutalen Kraft kinderleicht in der Luft zerreißen oder ihm mit einem Fausthieb alle Knochen im Leibe brechen.
Nach diesem Vorfall waren alle drei noch etwas vorsichtiger geworden und weiter gezogen, bis sie schließlich in einiger Entfernung, wenn auch nicht sehr gut zu erkennen einen Mann ausgemacht hatten. Höchstwahrscheinlich war das nur irgendein Wandersmann, der genauso wie sie nur Schutz vor dem mittlerweile etwas abgeschwächten Regen suchte, aber besser man blieb vorsichtig. Das konnte schließlich genauso gut irgendein gedungener Mörder oder Bandit sein.
Schließlich passierten sie den Baum, hinter dem er sich verborgen hatte. Kurz darauf konnten sie alle das erleichterte Aufatmen des jungen Mannes hören.
Dieser Moment der Unachtsamkeit des Fremden wurde sofort genutzt, um sich ihm mit gezogenen Waffen zu nähern. Doch der Fremde verschnaufte nur kurz und bemerkte schon im nächsten Augenblick die sich ihm nähernden Sorgentötern. Sofort ergriff er die Flucht, doch war sie nicht von langer Dauer, denn schon wenige Meter später stürtzte er über eine Wurzel und zu Boden.
Die Sorgentöter waren binnen weniger Sekunden bei ihm und richteten nun ihre Klingen auf den mit einem Bogen bewaffneten Mann.
"Keine hastigen Bewegungen, Freundchen, oder ich verpass dir ein drittes Nasenloch!" Sprach George rasch, um den vermeintlichen Banditen einzuschüchtern. Die Schwertklingen und Georges Worte verfehlten ihre beabsichtigte Wirkung nicht, so dass der Knappe auch sogleich den Bogen des Fremden und einige Messer, die dieser bei sich trug, an sich nehmen konnte. Schon bald wurde durch den leicht ängstlichen Ausdruck auf dem Gesicht des Mannes und dessen eher schwache Bewaffnung klar, dass eine wirklich Gefahr eigentlich nie bestanden hatte und Cedric forderte den jungen Fremdling dazu auf, aufzustehen. Eigentlich hätte er ihn jetzt nach Rang und Namen ausfragen wollen, doch als in diesem Moment ein Blitz ganz in der Nähe einschlug und sich der Regen wieder verstärkte, hielt der Hoch-Exorzist es doch für besser einen geschützteren Ort aufzusuchen.
Nach kurzem Suchen hatten sie auch schon eine kleine Erdhöhle gefunden und sich dort ein Nachtlager hergerichtet. Am nächsten Tag wollten die Sorgentöter dann ihren Gefangen befragen. Cedric übernahm nun die erste Nachtwache, George später die zweite.
Nun am nächsten Tag hatte es gerade wieder aufgehört zu regnen und die Befragung des Fremdlings begann.
"Also gut, vor ein paar Stunden kamen wir ja nicht mehr dazu, dich auszufragen. Sag uns jetzt deinen Namen und Rang, falls du einen besitzen solltest." Sagte Cedric befehlend.
"Mein name ist Knörx. Und mein Rang? Hm...eigentlich hab' ich keinen. Oh, falsch, so gesehen schon. Ich bin Novize, ein Novize der Bruderschaft des Schläfers." Antwortete der junge Mann zögerlich.
"Hm... Moment mal. George, komme mal her." Cedric winkte seinen Knappen zu sich herüber und tuschelte kurz mit ihm. Schließlich wandt er sich wieder diesem "Knörx" zu.
"Du sagst also, du bist aus dieser seltsamen Bruderschaft? Interessant, durchaus interessant... Nun, wir suchen jemanden aus eurer Bruderschaft. Schwarze Haare, große, dürre Statur, hellbraune Hautfarbe, ziemlich dünne Nase, männlich und etwa so alt wie ihr. Schon mal geseh'n den Knaben? Wir suchen ihn seit einiger Zeit und er soll sich auch in eurer Gilde befunden haben."
Tatsächlich schien es so, als ob der junge Mann den Wirt der Bestie kannte, jedenfalls zögerte er auffällig lange, bis er antwortete.
"Ähm... dürfte ich vorher bitte erfahren, warum ihr ihn sucht?"
Cedric seuftzte, irgendwie hatte er diese Frage erwartet. Ob er es dem jungen Mann erzählen sollte? Womöglich würde der zu einer Gefahrenquelle werden, sollte er herausfinden, dass sie einen Freund, falls es sich bei der gesuchten Person überhaupt um einen solchen handelte, von ihm suchten und, darauf ließ ihre Bewaffnung ja schließen, ihn töten wollten.
"Nun, wir suchen ihn, da er...", verdammt, wie sollte er das jetzt am besten formulieren, "eine Gefahr für alles Leben auf diesem Planeten ist. Wie wir mit ihm verfahren, werden wir erst sagen können, wenn wir ihn gefunden haben. Doch zum Schutze allen Lebens und im Appell an das Gute in dir, Knörx, bitte ich dich uns jegliche Information zu geben, die du über diese Person besitzt." Ha! Na, wenn das nicht überzeugend geklungen hatte... Der Fremdling würde hoffentlich so auf die Worte reagieren, wie es der Hoch-Exorzist erwartete. Reden war zwar noch nie seine große Stärke gewesen, aber in diesem Fall glaubte er, tatsächlich die bestmöglichen Worte gefunden zu haben. An das Gute in den Menschen, sofern sie nicht gerade Halsabschneider oder Schlimmeres waren, zu appellieren und ihnen zu sagen, dass es um etwas so Großes wie das Überleben des ganzen Planeten ging, war noch immer der beste Weg, die Leute für die eigene Sache zu gewinnen. Besonders wenn man sie zusätzlich noch duzte und ihnen das Gefühl gab in gewisser Weise von besonderer Wichtigkeit zu sein, weswegen sie unbedingt das Richtige tun müssten.
"Nun, es tut mir leid... aber ich kenne die von euch gesuchte Person nicht."
Cedric beherrschte seine Mimik perfekt und verzog keine Miene, auch wenn das zuversichtliche Lächeln in seinem Gesicht beinahe zu einer unechten Grimasse gefroren wäre.
"Schade, zu schade... Nun gut, wir lassen euch ziehen, denn ich bin mir sicher ihr wolltet uns nichts Böses. Was ihr hier getrieben habt ist eure Sache, aber ich warne dich, uns ja nicht zu folgen oder irgendetwas zu tun, was uns am Ausüben unserer Pflichten hindert. Diese Sache ist zu gefährlich für einfache Leute wie dich, Junge."
Mit diesen Worten, die so ausgesprochen waren, dass sie keine weitere Antwort duldeten, ließ Cedric George noch die Ausrüstung des Fremdlings namens Knörx, an eben jenen zurückgeben und drehte sich auf den Fersen um. Schon im nächsten Augenblick hatten sie das ehemalige Nachtlager verlassen und folgten weiterhin der schwachen magischen Spur, die die Bestie hinterlassen hatte.
Dass der Fremde, der sie womöglich belogen hatte, ihnen versuchte möglichst unauffällig zu folgen, registrierten sie zwar, aber noch wollten sie ihn nicht mit Gewalt davon abbringen. Sollte es zu gefährlich werden, würden sie ihn zum eigenen Schutz aber niederschlagen und fesseln müssen, nicht dass er am Ende noch, wenn vielleicht auch unbeabsichtigt, dem Dämon zum Sieg verhalf oder zu als eigentlich unschuldiger Tode kam.
Als Knörx nun da stand und seinen Krempel in den Armen hielt, war er immer noch wie vom Donner gerührt. Er war vorsichtig vorgegangen, die Fragen dieser offensichtlichen Halsabschneider zu beantworten, speziell, als sie von ihrer Suche nach ihrem vermeindlichen Opfer geredet hatten. Und um dieses handelte es sich zweifellos um Veilyn, die Beschreibung passte genau. Seit nun schon mehr als einem halben Jahr hatte er nichts mehr von seinem ehemaligen Sumpfbruder gehört und nun erfuhr er, dass mehrere offensichtlich auf Khorinis fremder Krieger (das ließ sich an ihren seltsamen Akzent erkennen) Jagd auf ihn machten. Was mochte Veilyn getan haben? Wie viel war eigentlich schon passiert, seitdem er damals Khorinis verlassen hatte? Oder lag die Ursache von alldem schon viel länger zurück? Das alles war etwas viel für Knörx und er musste sich setzen. Der Wind wehte wieder durch die Bäume und spielte mit Knörx Haar, doch der nahm davon keine Notiz, sondern legte den Kopf in Hände und grübelte.
Was hatte der Mann von Veilyn erzählt? Er sei eine Gefahr für den Planeten? Das ist ja völlig absurt. Ich kenne Veilyn, der ist zahm wie ein Rehkiz. Der könnte keiner Fliege was zur Leide tun. Apell an das Gute, dass ich nicht lache! Diese Halunken wissen doch nicht einmal, was das bedeutet. Was auch immer die von Veilyn wollen, sie werden ihn wohl nicht so einfach zum Teetrinken einladen und die Sache ist geregelt. Ich muss ihnen folgen!
Stürmisch stand Knörx auf, verstaute Hastig seine Messer an seinem Gürtel und lud sich den Köcher auf. Dann eilte er mit großen Schritten los, besann sich jedoch wieder leiser zu gehen, da er sich der Worte des Mannes wieder gewahr wurde.
"Ich warne dich, uns ja nicht zu folgen oder irgendetwas zu tun, was uns am Ausüben unserer Pflichten hindert."
Er wollte es auch lieber nicht darauf ankommen lassen.
Die Sorgentöter
09.01.2005, 00:05
Die Sorgentöter marschierten nun schon wieder einige Stunden ununterbrochen durch den Wald, während der Fremdling ihnen weiterhin, wenn auch jetzt ein wenig unauffälliger als zuvor, folgte.
Unglaublich, dass die "Bestie", wie die Kommiss-Köpfe des Ordens den Dämonen Terruel und seine Nachfahren nannten, obwohl sie, seit dem sie in der Höhle gewesen war, extrem geschwächt sein musste, dennoch soweit gekommen war. Ob ihr vielleicht jemand geholfen hatte? Vielleicht galt es ja doch sehr viel mehr Gegner zu beseitigen, als nur Terruel?
Elaine warf Cedric einen nervösen Blick zu. Hoffentlich hatte der für einen solchen Fall schon voraus geplant, sonst würde diese Mission ein unglücklicheres Ende nehmen als geplant. Hach, aber mir dem Hoch-Exorzisten hatte sie ja leider auch so schon genug Probleme.
Persönlich war er leider ganz anders, als sie erwartet hatte. So schroff, leicht abgestumpft vom vielen Kämpfen und unnahmbar... Und wie er die Wappenträgerin in der Höhle angeschaut hatte, so voller Verwirrung und ein wenig Furcht. Hm, so konnte das ja nichts werden, wenn er sich schon vor ihr fürchtete, war an weitere Annäherung ja gar nicht erst zu denken.
Aber Elaine schweifte ab. Sie sollte sich besser auf die Spur konzentrieren, sonst kamen sie nie an ihrem Ziel an.
Der Wald öffnete sich nach wenigen Minuten vor ihnen und sie kamen an einer gut 30 oder 40 Meter hohen Klippe an.
"Terru- ... Die Bestie ist hier stehen geblieben und vor ein paar Metern hat sich seine Energie wieder ein wenig erhöht. Hm... es riecht nach Zorn und Angst." Sagte die Wappenträgerin.
"Es riecht nach Zorn und Angst? Das könnt ihr anhand der magischen Spur erkennen?" Fragte George erstaunt, während sein Herr nur skeptisch zu der Frau herüber schaute.
"Je nach dem, welche Gefühle ein Lebwesen besitzt, so hinterlässt es, wenn meist auch ungewollt, einige markante Merkmale in seiner Aura und der schwachen magischen Spur, die es hinter sich herzieht. Die meisten Lebwesen, ob nun Tier oder Dämon hinterlassen die gleichen Merkmale, aber kaum jemand, selbst viele der besten Sucher nicht, beherrscht diese Fähigkeit. Nun, es lässt sich schwer beschreiben, genauso wie das Spüren von Magie allgemein auch nur schwer zu beschreiben ist, aber sogar jetzt lässt sich der Hass und die panische Angst, die die Bestie empfunden hat gut spüren. Es ist ähnlich wie in der Höhle, irgendetwas hat sie urplötzlich extrem geschockt."
Elaine ging einige Schritte weiter, machte dann kurz vor der Klippe halt und hockte sich hin.
"Nun? Die Bestie ist doch wohl nicht hier hinab gestiegen, oder?" Fragte Cedric, der in der Umgebung etliche bessere Abstiegsgelegenheiten erkennen konnte.
"Nein, sie ist hier nicht hinab gestiegen. Die Spur führt noch ein wenig durch die Luft und über den Abgrund hinweg weiter." Antwortete Elaine.
"Soll sie etwa über den Abgrund hinweg geflogen sein? Wären ihre Kräfte schon soweit entwickelt gewesen, hätten die Sucher, auch wenn ich deren Fähigkeiten nicht wirklich vertraue, das doch wohl gemerkt, oder?"
"Nun, ich glaube auch nicht, dass sie geflogen ist. Sie sehen doch selbst, wie weit die Bestie noch gekommen ist, obwohl sie schon so geschwächt war. Ich glaube, sie ist hinab geworfen worden. Es können nur normale Menschen gewesen sein, denn ich erkenne ansonsten bis auf die des Wirts und der Bestie keinerlei andere magische Spuren."
"Hinabgeworfen? Normale Menschen? Wieso sollte das jemand tun? Und wer sollte vor Allem wissen, dass gerade zu diesem Zeitpunkt die perfekte Gelegenheit gekommen war?" Fragte Cedric. Irgendwie konnte er nicht glauben, dass sich die gefürchtete Kreatur so einfach, auch wenn sie geschwächt war, von irgendwelchen daher gelaufenen Bauern quer durch den ganzen Wald schleifen und dann eine Klippe hinab schmeißen ließ.
"Ich denke... auch wenn die Chance extrem gering ist, dass sich der Wirt vielleicht gegen die Bestie aufgelehnt hat und sie mit sich in den Tod reißen wollte." Elaine erhob sich und drehte sich wieder zu Cedric um. Fragend blickte sie ihm entgegen, um seine Meinung zu ihrer Theorie zu hören.
"Jetzt hören sie aber mal auf. Wie oft ist in den 1000 Jahren der Jagd bisher geschehen, dass sich ein Wirt gegen eine der Bestien aufgelehnt hat? Genau, kein einziges Mal. In keinem Bericht, wurde je etwas in diese Richtung erwähnt. Die Bestien ziehen die Wirte auf ihre Seite bis nichts Menschliches mehr an ihnen ist. Da lehnt sich garantiert keiner mehr auf."
"Möglich wäre es aber. Um uns sicher zu sein, müssen wir auch darunter."
"Also gut, dann tun wir's eben." Sagte Cedric seufzend und warf noch einen letzten Blick auf den Baum, hinter dem sich der Fremde verbarg.
Der Abstieg ging, nachdem sie eine geeignete Stelle gefunden hatten, relativ schnell von statten und schon bald waren sie am Fuße der Klippe und der Stelle, an der die Bestie hinab gestürzt war, angekommen.
Cedric warf der Wappenträgerin einen fragenden Blick zu. Sie schüttelte den Kopf.
Dann hatte die Bestie den Sturz also überlebt.
"Hier ist noch etwas." Sagte Elaine und winkte Cedric zu sich herüber. "Es ist kaum zu erkennen, aber hier ist noch eine Spur, von einer anderen Person. Derjenige, dem sie gehört, muss magisch ziemlich begabt sein, denn er hat sie verdammt gut verwischen können."
"Woher wollen sie wissen, dass der Typ nicht einfach ein einfältiger, junger Magier war? Irgendein schwacher Bauernsjunge, der mit einer magischen Schriftrolle gespielt hat vielleicht. Das würde diese schwache und verwischte Spur sehr viel leichter erklären." Sprach Cedric mit argwöhnischem Unterton.
"Ihr Misstrauen gegenüber den Menschen, die die Gabe des Findens besitzen, ist unbegründet. Die Sucher und ich wurden dafür ausgebildet so etwas zu erkennen und zu unterscheiden."
"Na, wenn sie meinen. Also... sonst noch irgendwas interessantes an der Spur dran?"
"Der Magier, oder was immer das war, hat die Bestie mitgenommen."
"Wie bitte?" Fragte Cedric leicht fassungslos.
"Die Person muss gewusst haben, was sie da vor sich hatte. Dafür reichen ihre Kräfte mit Leichtigkeit aus. Aus purer Hilfsbereitschaft wurde die Bestie bestimmt nicht mitgenommen."
"Sie denken also, jemand könnte vielleicht die Bestie gerettet haben, um ihre Kräfte für sich zu nutzen oder zu erforschen? Verdammte Magier... neigen alle zur Selbstüberschätzung."
"Noch wissen wir nicht, was die Person wirklich von der Bestie will. Die Verfolgung sollten wir für heute aber Abbrechen. Wenn wir auf die Person treffen und sie uns angreift, benötigen wir alle Kraft, die wir aufbringen können. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass sie die größere Gefahr darstellt."
"Nun, das wird sich noch zeigen. Aber sie haben recht... George bereite ein Nachtlager vor."
"Natürlich, Sire." Sagte George wie immer.
Verdammt, andauernd musste er die Nachtlager errichten, musste er die Ausrüstung schleppen und musste er das Feuerholz zusammen suchen. Ach, so ein Leben als Knappe war schon nicht leicht.
Hm, na ja, aber vielleicht sollte er mal mit dem ihnen folgenden Fremden sprechen, der war etwa genauso alt wie er und brachte mal wieder etwas Abwechslung in diese bisher eher dürftig verlaufene Mission. Die anderen beiden Sorgentöter hielten ihn schließlich genauso wie alle anderen älteren Ordensmitglieder noch immer für ein Kind, dabei hatte er nicht viel weniger oft seinen Mut bewiesen und Dämonen getötet, wie es so manch ein Exorzist es getan hatten.
Aber was brachte das schon? Vom Protestieren wurde das Nachtlager auch nicht fertig, also begann George endlich mit dem Aufbau.
Mann, hatten die einen Zahn drauf! Den ganzen Tag hatte Knörx schon versucht, mit möglichst großen Abstand der Gruppe zu folgen. Er war über Wurzeln und Äste gestolpert, durch Pfützen gewatet und über Felsen geklettert. Jede Faser seines Körpers schien zu schmerzen, seine Haut war mit unzähligen Kratzern und Abschürfungen übersäht und der Hunger zehrte schwer an seinen Kräften. Mit dem Gefühl, dass ihm gleich die Beine abfallen würden, erklomm er den nächsten Hügel und sah in der Ferne die Gestalten an dem Rand einer Klippe stehen. Geistesgegenwärtig ließ er sich sofort auf den Boden fallen, um in Deckung zu gehen. Er unterdrückte einen gedämpften Schmerzensschrei, da er mitten auf den knorrigen Auswuchs einer Baumwurzel gelandet war, aber er biss die Zähne zusammen und kroch den Hügelhang zurück.
Diese Situation wurde von mal zu mal miserabler, zumal er auch nichts anderes machen konnte, als den Leuten zu folgen. Da er schon so lange nichts mehr von Veilyn gehört hatte, erschien es Knörx fast ein bisschen unwirklich, dass einfach drei Ausländer aus dem Nichts daherkamen, alles mögliche über Veilyn zu wissen schienen und ihn dann auch noch umbringen wollten. Meister Wilbur hatte mal wieder Recht mit seiner Vermutung, einer seiner Freunde sei in Gefahr. Hätte er doch nur gründlicher nach ihm gesucht, dann hätte er ihn sicher gefunden und dann hätte er wohl auch nicht diese Probleme. Die Frage war nur, ob der Veilyn, den er kannte, überhaupt noch existierte und nicht ein anderer, ein neuer Veilyn an seine Stelle getreten war. Knörx kannte nur zu gut, wie das Leben einen verändern konnte, wenn man zu viel erlebt hatte. Aber was soll Veilyn schon wiederfahren sein? Nun gut, er war die Art von Personen, die oft aus Versehen in Schwierigkeiten gerieten, aber dass ihn deswegen gleich jemand an den Kragen wollte, das bezweifelte er doch stark. Vielleicht hatte es etwas mit dem sonderlichen Verhalten zu tun, dass Veilyn bei ihrer letzten Begegnung innehatte.
Knörx spähte über den flachen Hügel und sah die Gruppe gerade mit Abstieg die Klippe hinunter beginnen. Woher wussten die nur so genau, wo sie hin mussten? Hier war doch pure Wildnis, was sollte es hier schon geben?
Eine Weile, nachdem die Gruppe hinabgestiegen war, folgte Knörx ihnen und späte über den Rand der schroffen Steine. Die Gruppe baute gerade ihr Lager etwas entfernt von dem Abhang auf, der ältere Mann wirkte aufgelöst. Am Fuße der Steine konnte Knörx eine kleine Blutlache erkennen. Was war passiert? War einer der Fremdlinge gestürzt? Keiner von ihnen schien verletzt zu sein. Vielleicht war das der Grund, warum sie hier lang wollten. Hoffentlich ging es Veilyn gut.
Hastig begann Knörx, sich ein Nachtlager zu errichten, er konnte jedoch kein Feuer entzünden, da der Rauch ihn den Fremden verraten hätte. Also musste Knörx getrocknete Beeren und Wurzeln essen die er dabei hatte und auf dem kalten Waldboden ruhen, nur mit seinem Mantel zugedeckt. Einige Zeit lang verbrachte er damit, sich noch ein paar Holzsplitter und Dornen aus allen erdenklichen Körperteilen zu ziehen, dann machte er sich für die Nachtruhe fertig. Hoffentlich würde er morgen rechtzeitig aufwachen.
Die Sorgentöter
10.01.2005, 19:28
Schon über einen Tag waren sie nun schon wieder unterwegs und noch immer hatten sie ihr Zeil nicht erreichen können. Der Magier, falls es sich denn bei der Person, die die Bestie mit sich geschleppt hatte, überhaupt um einen solchen handelte, musste wirklich etwas von seinem Metier verstehen, so gut, wie er es geschafft hatte, seine Spur beinahe vollständig zu verwischen. Nicht allzu selten kam es vor, dass Elaine stehen bleiben musste, da sie die Spur verloren hatte und sie weder neu finden musste. Natürlich, das alles kostete immer nur ein paar Sekunden Zeit, aber auf Dauer und durch die Häufigkeit dieser Vorfälle summierte sich der Zeitverlust doch auf eine stattliche Zahl von mindestens 2 Stunden. Und das, wo sie doch so schon kaum voran kamen.
Am Vortag waren sie noch etwa eine halbe Stunde, durch das kleine Tal gewandert, welches sich am Fuße der 30 Meter hohen Klippe befand, bis sie schließlich einen Wald erreicht hatten. Schon nach kurzer Zeit hatte sich die Steigung ihres Weges enorm erhöht, und der Wald sich in einen vegetationslosen, kahlen Hügel verwandelt, der auf einer zerklüftete Hochebene voller Eis und scharfkantiger Felsen endete. Doch nicht nur, dass der beißende Wind, die glatten "Wege", wenn man sie denn überhaupt als solche bezeichnen konnte, und die gefährlichen Felsen ihren Weg schon stark behinderten, nein vom Schnee verborgene Erdlöcher gab es hier auch noch. Schon die Nacht hatten sie hier verbringen müssen und noch war kein Ende in Sicht.
Cedrics Respekt vor dem Magier (oder waren es vielleicht sogar mehrere?), der bisher hierher gekommen war, obwohl er die Bestie schleppen musste, wuchs immer mehr und auch er sah es nun nicht mehr als besonders unwahrscheinlich an, dass der Magier über enorme Kräfte verfügte.
Ach, aber diese Magier hatte er eh noch nie wirklich gemocht. Ständig wussten sie nicht, wo ihre Grenzen lagen, versuchten an mehr Macht zu gelangen, als ihnen zustand, und andauernd kamen sie bei irgendwelchen seltsamen Experimenten ums Leben. Würde man eine Liste mit allen Sorgentötern, die über die Jahrhunderte den Experimenten überheblicher, viel zu sehr von sich selbst überzeugter Magier zum Opfer gefallen waren, anlegen, sie würde wohl endlos werden. Ja natürlich, Cedric selbst besaß auch einige magische Fähigkeiten, aber er neigte wenigstens im Gegensatz zu den meisten Magiern, die er bisher kennengelernt hatte, nicht zu grenzenloser Selbstüberschätzung und wusste welche Gefahr und damit verbundene Verantwortung von dieser schier unermesslichen Macht ausging.
Der Hoch-Exorzist hielt in seiner Bewegung inne. Die Hochebene hatte so abprupt geendet, wie sie begonnen hatte und vor ihnen erstreckte sich nun ein weiteres kleines Tal und ein dazugehöriger Nadelwald.
Der Abstieg gestaltete sich als härter, als es zuerst den Anschein gehabt hatte, denn neben den tödlichen, spitzen Felsen und glatten Eisflächen wehte hier auch ein unablässig blasender, kalter, stürmischer Wind, der jeden von ihnen mehr als ein Mal beinahe zu Boden gerungen hätte, so dass sie das nur rund 20 Höhenmeter entfernte Tal erst nach einer ganzen Stunde erreicht hatten.
Elaine führte sie gleich nach Ende des Abstiegs direkt auf den dichten Wald zu, der sich vor ihnen befand. Vorrangig Kiefern und Tannen gab es hier.
Je weiter sie nun in den Wald vordrangen, desto nervöser wurde jeder einzelne von ihnen. Irgendetwas unnatürlich Bedrohliches befand sich in diesen Wäldern. Es konnte einfach nicht hieher gehörten, so fremdartig fühlte es sich an. Auch Elaine bestätigte dies nach einiger Zeit, als Cedric sie darauf ansprach. Zwar konnte sie nicht sagen, wo und was es war, aber dass es magisch war, wusste sie mit Sicherheit. Wahrscheinlich eine Schutzmaßnahme des Magiers, um ungebetene Besucher abzuwehren, wie auch Cedric vermutete.
Plötzlich, tat sich vor ihnen aus der Düsternis und Undruchdringlichkeit der Wälder eine große Lichtung auf, in deren Mitte eine kleine, fensterlose Holzhütte stand. Keiner von den drei Sorgentötern hatte die Lichtung auch nur erahnt, denn die dicht bei einander stehenden Bäume hatten schon kaum Licht weder von vorne, noch von hinten durchgehen lassen, so dass die Lichtung wie aus dem Nichts vor ihnen aufgetaucht war.
So leise wie möglich bewegten sich alle drei auf die Hütte zu und machten schließlich vor der schlichten, aber robust wirkenden Türe halt. Ob hier überhaupt noch jemand lebte?
Cedric klopfte vorsichtig an. Keine Antwort...
Hm, irgendetwas stimmte hier nicht, da waren sich alle drei einig. Ohne ein weiteres Wort zogen sie ihre Waffen.
Mit klopfenden Herzen rannte Knörx den "Pfad" entlang, oder sagen wir, dass er es versuchte. Aber seine Beine gaben kaum noch Kraft, sein Körper bettelte schmerzhaft um etwas Brennstoff, doch Knörx gab ihm nicht nach. Sowas würde er schon durchhalten müssen, er hatte schließlich sich selbst diese Lage eingebrockt. Völlig erschöpft von den gestrigen Strapazen war Knörx sofort in einen tiefen Schlaf gefallen und merkte leider viel zu spät, dass die anderen bereits aufgebrochen waren. Seinem hastiger Versuch, den brökligen und glitschigen Fels herunter zu klettern hatte schließlich damit geendet, dass Knörx die Hälfe der Strecke eher rutschte als kletterte unddie letzten zwei Meter im freien Fall verbracht hatte. Er war danach ziemlich unsanft auf seinem rechten Arm gelandet, der jetzt höllisch schmerzte, wenn Knörx versuchte, ihn zu strecken. Mit einem Fetzen seines Hemdes hatte er sich dann eine Schlaufe binden müssen, um den Arm noch tragen zu können ohne ihn zu gefährden. Dummerweise fror er jetzt ziemlich, da sein Hemd nur noch einen spärlichen Schutz gegen die Kälte darstellte. Schließlich versuchte er vergeblich auf einen Arm gestützt die steilen Hügel zu erklimmen, die sich hinter dem Wald aufgetan hatten und ihn mit ihren steinigen Boden zu Fall brachten und mit den scharfkantigen Steinen die Haut aufschlitzten.
Knörx erklomm gerade die Spitze eines Hügels, als ihn schließlich die Erschöpfung übermannte. Es war bereits spät am Abend, er hatte jedoch keine Zeit gefunden, etwas zu essen, sodass sein Magen sich wie ein großer Schlund anfühlte, der langsam sein Innerstes aufzuessen begann. Die Haut an seiner linken Hand war in Fetzen gerissen, Blut floss ihm den Arm hinunter und Dreck stach in die Wunde. Überall brannten die Abschürfungen an Knörx' Körper wie kleine Kohlen, die man darauf verteilt hätte. Am Ärmelansatz und Ellbogen war der Stoff des Hemdes durchgescheuert. Knörx zitterte vor Kälte, als der kalte Wind über seine verkümmerte Statur strich, die sich dort am Boden krümmte. Und über allen Schwebte eine Müdigkeit, die schwerer als alles war. Er müsste nur die Augen zu machen, nur ein paar Minuten schlafen, dann würde es ihm besser gehen. Nur einen Moment...Schlafen...ruhen...alles für einen Moment vergessen...alles war so schwer....
Während er so da lag und langsam in eine andere Welt hinüberglitt, bemerkte er nicht die Kreatur, die sich ihm langsam, lautlos und mit stoischer Unfehlbarkeit näherte. Der Körper besaß kein Fleisch und keine Haut, trotzdem war die Kraft dieser Gestalt enorm. Als es neben den am Boden liegenden Knörx trat, zog es mit tödlicher Langsamkeit den großen, verrosteten Zweihänder aus der Rückenscheide und holte leise zum Schlag aus, während es sein Opfer mit der immerzu grinsenden Fratze seines Gesichts fixierte. Dann schlug es zu.
Knörx schreckte auf. Nein, er durfte nicht hier liegen bleiben! Veilyn war noch da draußen. Wenn er ihn nicht rechtzeitig finden würde, könnte er schon bald tot sein. Er musste los!
Dann wanderte sein Blick nach oben und er blickte in die leeren Augenhöhlen eines Totenschädels. Dann fuhr sein Blick zu der verwitterten Klinge und seine Augen weiteten sich.
"Beim allmächtigen Schlä-"
Bevor er seinen Satz zu Ende bringen konnte, sauste das Schwert schon herunter. Geistes gegenwärtig drehte sich Knörx blitzschnell zur Seite, sodass die Klinge auf den Fels traf. Funken sprühten. Langsam hob das Skelett seine Waffe wieder an und wandte sich Knörx zu. Doch hastig rappelte dieser sich auf und versuchte, von dem Skelett weg zu kommen. Immer wieder musste er sich vor den starken Schlägen ducken und aus der Reichweite springen. Er stolperte und viel unsanft auf den Rücken. Das Skelett nutzte die Gelegenheit und holte zu einem mächtigen Schlag aus.
"Nein!", schrie Knörx und trat mit voller Wucht gegen das Brustbein seines gegners. Das allein hätte das Skelett nicht zu Fall gebracht, aber auf dem rutschigen Boden fand es keinen Halt mehr und fiel um. Knörx kam wieder auf die Beine, ehe er sich dessen gewar wurde. Dann bageann er zu rennen und hörte nicht auf, bis er den nahen Wald erreichte.
Die Sorgentöter
13.01.2005, 20:17
Kaum dass Cedric die Tür geöffnet hatte, schon war ihm und den anderen beiden Sorgentötern ein dreckiges Dutzend bewaffneter Skelette entgegen gekommen. Tze... Was für ein lächerlicher Schutz, dafür dass der Magier doch so stark sein sollte.
Auf einen Angriff dieser Art vorbereitet gewesen, hatten die Sorgentöter es schnell geschafft, die Skelette vom Haus weg und zu zwei großen Gruppen auseinander zu drängen. Cedric übernahm 7 von ihnen und George und Elaine den Rest.
Schon bald waren die ersten zwei Skelette unter den immer wieder blitzschnell auf einander folgenden Schlägen Cedrics zusammengebrochen, doch die restlichen 5 hatten es durch die nun neu entstandene größere Bewegungsfreiheit sehr viel leichter den Hoch-Exorzisten zu bedrängen, so dass dieser sich an den Rand der Lichtung zurückzog und dort versuchte die Bäume als Deckung vor den Schlägen der Skelettkrieger zu nutzen. In der Gruppe waren sie stark, das wusste er, aber zwischen den Bäumen konnten sie ihn nur einzeln oder allenfalls zu zweit beharken.
Mit einem kräftigen Hieb nach oben schleuderte Cedric seinem ihm einzeln gegenüber stehenden Gegner die Waffe aus der Hand und setzte gleich mit einem enthauptendenden Vertikalschlag nach, was dazu führte, dass das Skelett jetzt nur noch ziemlich kopflos und unkontrolliert mit den Armen fuchtelnd in die Richtung seines Feindes rannte. Dieser machte schnell einen Schritt zur Seite und ließ das Skelett in seinen Kameraden laufen, der sich hinter dem Hoch-Exorzisten befunden hatte, wodurch beide zusammenbrachen. Verzweifelt versuchten sie möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen doch Cedric näherte sich ihnen schnell genug, hob das Schwert zum Schlag und zerteile anschließend beide knapp unter dem Brustkorb angesetzt in zwei Teile.
Doch schon im nächsten Augenblick musste er auch schon ausweichen, da sich einer der letzten drei Skelettkrieger hinter einem Baum versteckt angeschlichen hatte, und im Moment der Zerteilung der anderen beiden Skelette aus seiner Deckung hervorgebrochen und mit erhobenem Schwert auf den Sorgentöter zugestürmt war. Der Schlag hatte das Genick nur knapp verfehlt und trotz der Stumpfheit des verrosteten Schwertes einige Haare aus Cedrics Nacken entfernt. Nach der ausweichenden Rolle war Cedric sofort wieder auf den Beinen und wich dem nächsten Hieb aus. Gut, jetzt stand er seinem Gegner gegenüber und konnte ihn klar sehen. Es bestand keine Gefahr mehr.
Nach einem kurzen Schlagabtausch, den das Skelett nur mit Mühe und Not überstanden hatte, entdeckte der Hoch-Exorzist eine gravierende Lücke in der Verteidigung seines Gegenübers und nutzte diese umgehend aus. Schon im nächsten Moment durchbohrte das Langschwert den Brustkorb des Skeletts und ließ dieses kurz stocken.
Ein paar Sekunden lang blickte die knochige Fratze auf die Klinge herab, die da in ihrem Brustbein steckte, dann setzte sie ihren Angriff fort, holte mit der Klinge Schwung und schlug dann auf den Kämpfer vor sich ein. Im letzten Moment schaffte es Cedric noch zu reagieren und das Skelett am Handgelenk der Schwerthand zu packen, wodurch der Schlag gestoppt wurde. Mit für ihn nur wenig Kraft brach er nun die vermoderten Knochen auseinander, und riss dem anschließend scheinbar schockiert auf seinen Stumpf guckenden Skelett die Hand ab. Doch die Verblüffung über die Aktion des Menschen hielt nicht lange an und so begann es auch sofort mit dem Stumpf und der verbliebener Hand auf seinen Widersacher einzuschlagen.
Cedric hörte schon wenige Sekunden später das Sirren einer sich nähernden Klinge und zog blitzschnell den Kopf ein, was dazu führte, dass nun auch das Skelett, dem er gerade die Hand abgerissen hatte, keinen Kopf mehr besaß. Doch kaum, dass Cedric den Kopf eingezogen hatte, sprang er auch schon wieder auf, um der Klinge unter seinen Füßen Pzu entgehen, welche nun dem gerade eben erst enthaupteten Skelett auch noch beide Beine vom Körper abtrennte.
Schnell fuhr Cedric herum und stand den letzten zwei verbliebenen Skeletten gegenüber, die auch schon sofort wieder nachsetzten und nach ihm schlugen. Der Sorgentöter hob abwehrend das Schwert, an dem immer noch die Überreste des vorherigen Gegners hangen. Nun wurden auch noch beide Arme abgetrennt, und nur noch der Torso blieb weiterhin aufgespießt an der Waffe hängen.
Mit einer Agilität, die man dem stämmigen und schon relativ alten Mann auf den ersten Blick wahrscheinlich niemals zugetraut hatte, bewegte sich dieser innerhalb weniger Sekunden hinter seine zwei Gegner und zog dem nächstbesten der Beiden sofort den am Schwert hängenden Brustkorb über den Schädel. Knochensplitter von sowohl dem getroffenen Schädel als auch dem Brustkorb flogen durch die Luft und verfehlten Cedric nur knapp. Gut, er war das nicht zu unterschätzendes Risiko eingegangen, von einem heranfliegenden Knochensplitter getötet zu werden, aber mit dem Brustkorb am Schwert hatte er nicht vernünftig kämpfen können, so dass es im Grunde genommen eine Notwendigkeit gewesen war, ihn zu entfernen. Zum Glück zeigte sich auch schon gleich, dass Cedric keinen Fehler begangen hatte, denn schon kurz darauf durchbrach er die Verteidigung des Skelettes, welchem er gerade noch den Schädel mit dem Brustkorb eingeschlagen hatte. Die morschen Knochen wurde in der Mitte zerrissen und ließen das Skelett in zwei hälften auseinander fallen.
Der Schlag des letzten Skelettes streifte währenddessen den linken Oberarm des Sorgentöters und fügte diesem einen nur kleinen Kratzer zu. Zur Sicherheit wollte Cedric die Wunde aber im Nachhinein lieber noch von George untersuchen lassen. Es konnte ja gut sein, dass sich das Dinge am Ende noch entzündete und ihn umbrachte.
Der Hoch-Exorzist und das Skelett befanden sich nun ganz in der Nähe der Hütte, also auf freiem Feld mitten im Schnee. Ob George und Elaine mit den anderen Skeletten fertig wurden? Ach bestimmt, Cedric konnte sich also gerne noch kurz bei einem kleinen Duell mit dem Skelett amüsieren. So etwas musste bei dem Beruf ja auch mal sein.
George und Elaine fiel es anfangs auch nicht viel schwerer, die Skelette zu töten. Sie kämpften Rücken an Rücken zwischen den Bäumen, so dass immer einer den anderen warnen und verteidigen konnte. Nachdem aber die ersten zwei Skelette ähnlich schnell wie bei Cedric getötet worden waren, setzten die Untoten plötzlich weniger auf grobe Frontalangriffe als viel mehr darauf, die zwei Sorgentöter aus dem Hinterhalt und gezielt aus bestimmten Richtungen heraus anzugreifen. Bis auf die Kampfgeräusche aus Cedrics Richtung war es nun still um den Knappen und wie Wappenträgerin geworden.
Moment mal! War das dort zwischen den Bäumen gerade eine dieser modrig grün-braunen Knochenfratzen gewesen? Verdammt, bei so viel Tannengrün konnte man einfach nicht erkennen wo sich der Feind befand. Vielleicht sollten sie doch auf die Lichtung zurückkehren...
"Ähm... Madam, hier scheint mir nicht das beste Schlachtfeld zu sein. Vielleicht sollten wir..."
"... auf die Lichtung zurückkehren. Ich bin zwar kein Militär, aber dass wir hier mit unserer begrenzten Wahrnehmung stark im Nachteil sind, ist mir auch klar. Diese verdammten Viecher stoßen zu wenig Magie aus, so dass ich sie nicht richtig orten-"
Doch weiter kam Elaine nicht, denn plötzlich sprangen ihr und George aus drei Tannenwipfeln die verbliebenen Skelettkrieger entgegen. In diesem kurzen Moment war es beiden unmöglich irgendwelche halbwegs effektiven Gegenmaßnahmen zu ergreifen, so dass sie nur noch versuchen konnten, die schartigen Waffen ihrer Feinde so gut wie möglich abzuwehren und abzulenken oder ihnen auszuweichen. Es gelang ihnen dann besser als sie gedacht hätten, so dass keine der Waffen sie wirklich ernsthaft verletzte, jedoch rissen die fliegenden Knochengerüste sie schon im nächsten Moment zu Boden.
Mit ein paar Schlägen und einigen gezielten Tritten entledigte sich George dem Skelett, welches auf ihm Platz genommen hatte und machte sich sofort daran wieder auf die Beine zu kommen, doch der Schwerthieb eines anderen Skelettes brachte ihn dazu sich notgedrungen zur Seite in Sicherheit rollen zu müssen. Jedoch endete dies auch nur darin, dass er nun wieder zu Füßen des Skelettes lag, welches er vor ein paar Sekunden erst von sich herabgeprügelt hatte. Zwar schaffte auch dieses es nicht, ihn zu töten, doch nagelte es ihn am Boden fest, indem es die Waffe durch die Rüstung hindurch und in den Boden hinein jagte.
Einzig und allein die Tatsache, dass Elaine sich auch gerade von ihrem Gegner hatte befreien können, rettete dem Knappen das Leben vor dem noch immer bewaffneten Skelett, welches schon kurz davor gestanden hatte, die Waffe auf ihn niederfahren zu lassen. Nun aber lag es nur noch als harmloser Knochenhaufen neben ihm auf dem Boden. George schaffte es nun in diesem kurzen Augenblick der Unachtsamkeit des anderen Skeletts, nach dessen Beinen auszuholen, diese vom Unterleib abzutrennen und es so zu Boden zu bringen. Schnell hatte er sich danach von der ihn festhaltenden Waffe befreit und auch erhoben.
Dem letzten noch halbwegs kampffähigen Skelett gelang es nicht mehr, sich in die schützende Tarnung der Bäume zurückzuziehen und so war es durch die vereinte kraft beider Sorgentöter schon wenige Sekunden später besiegt. Das Skelette, dem George die Unterschenkel abgetrennt hatte und jetzt versuchte davon zu kriechen, wurde auch noch schell vernichtet und schon begaben sich die Wappenträgerin und der Knappe zurück zu der kleinen Hütte.
Vor Cedric brach gerade dessen schwächlicher Duellpartner zusammen, als der Hoch-Exorzist George und Elaine wieder auf die Lichtung treten sah. Für Willkommensfreude war jedoch keine Zeit, denn von der Seite her konnte Cedric schon einen weiteren Gegner herannahen sehen.
Aber es war kein Skelett, dem sich Cedric nun gegenüber sah, sondern der seltsame Fremde namens Knörx, der ihnen schon tagelang gefolgt war. Seine Rüstung sah noch schlimmer aus als beim ersten Mal und überall am Körper befanden sich eine ganze Menge blauer Flecke und kleinerer Schrammen. Hinter dem Fremdling folgte ein weiteres Skelett, das den geschundenen, jungen Mann scheinbar bis hierher verfolgt hatte.
Cedric warf George einen Blick zu und deutete dann auf den Verletzten. Der Knappe wusste nun, was er zu tun hatte und der Hoch-Exorzist stürzte sich auch schon ungebremst in den Kampf.
Als Knörx auf die Lichtung stolperte, hatte er die Hoffnung schon aufgegeben, den nächsten Tag noch zu erleben. Er war völlig am Ende mit seinen Kräften, seine Füße und Beine waren taub und fühlten sich matschig an. Im offenen Kampf hatte er keine Chance, weder in Stärke noch in Kondition und diese Skelette schienen völlig unaufhaltsam zu sein. Doch dann erblickte er die drei Menschen auf der Lichtung und ein kurzer Funke flammte in ihm auf. Er war gerettet! Doch dann erkannte sein Verstand die Gesichter vor ihm. Es waren die Banditen, die Veilyn an die Gurgel wollten.
"Nun bin ich verloren.", schoss es ihm noch durch den Kopf, als einer der
Männer auf ihn mit gezogener Waffe zurannte. Die Beine gaben ihm nach und er kippte nach vorn.
"Verdammt, Veilyn...", waberte ihm ein Gedanke durch den Kopf, als mit den Knien auf dem Boden aufschlug und sein Kopf vornüber kippte.
"Verzeih mir, Wilbur..."
Dann umfing ihn Schwärze...
Als Knörx' Gedanken wieder zusammenfanden, war ihm, als ob er schwebe. Er befand sich auf einer weiten Steppe aus mannshohem Gras, das im Wind wog und rötlich schimmerte durch den Schein der Sonne, die gerade über die entfernten Bergwipfel kletterte und ihr Licht in dem frischen Tau auf den Halmen brach. Er brauchte einen Moment, bis ihm gewar wurde, dass er seine Heimat sah. So viele Jahre war er nicht hier gewesen, doch es sah genau aus wie in seiner Erinnerung.
Eng geschmiegt an den Hang eines Hains von Eschen stand eine kleine Holzhütte, das Dach gedeckt mit Stroh, aus dem der kleine Schornstein emporwuchs, der lange Rauchschwaden in die morgendliche Luft eintließ und den harzigen Duft brennender Holzscheite in seine Nase trug. Es roch nach würzigem Eintopf und gebratenen Speck. Und hinter den kleinen Fenster, das meisterhaft in die Außenwand des Hauses eingelassen war, konnte er ein Mädchen sehen, das in der Küche hantierte.
Sie hatte mittellanges, blondes Haar, das mit vielen Haarnadeln zu einer imposanten Frisur hochgestackt war. Sie war klein und ihr Gesicht war rund, doch voller Lachfalten und Lebensfreude. Sie schien ein Lied zu singen, während sie kochte, doch durch das Glas des Fensters konnte man nichts hören. Dann trat ein Mann zu ihr, er war groß und kräftig, sein braunes Haar hatte bereits einen leichten Grauansatz. Er streichelte ihr über das Gesicht und als sie aufblickte, küsste er sie auf die Stirn. Sie lächelte und umarmte den Mann, wandte sich dann jedoch wieder dem Eintopf auf dem Herd zu.
Ein Rascheln hinter ihm ließ Knörx herumfahren. Ein Mann schien sich durch das hohe Gras zu kämpfen, allem Anschein nach kam er auf ihn zu. Schnell überlegte Knörx, ob er nicht vielleicht schnell ein versteck suchen sollte, doch es war zu spät. Ein junger Mann von vielleicht 16 Jahren ging an ihm vorbei, mit einem kurzem Stab drückte er das Gras zu Seite. Aber er schien ihn nicht zu bemerken, sondern folgte weiter seinem Weg. Knörx jedoch war wie vom Donner gerührt, als er das Gesicht des Jungen gesehen hatte. Es war bräunlich, die ersten Anzeichen eines Bartes umspielten sein Kinn und eine Narbe verlief über seine linke Wange. Die Haare waren lang und schwarze, sie wurden von einem Band hinten zusammengehalten. Diesen frmenden Jungen kannte Knörx doch besser, als jeden anderen Menschen. Er war es selbst.
Die Sorgentöter
16.01.2005, 01:04
Das Skelett war mittlerweile von Cedric besiegt und in einen kleinen, regungslosen Knochenhaufen verwandelt worden, während sich George um den verletzten Fremden gekümmert hatte. Anschließend hatten sie den Fremden in die Hütte, die nur aus einem Zimmer bestand, getragen, damit der Knappe ihn dort besser versorgen konnte.
In den vielen Regalen, in denen sich Unmengen an Büchern, in Gläsern eingelegte Tiere (oder Teile von diesen) und anderer für den Normalsterblichen unnützer Kram stapelte, waren einige Kerzen aufgestellt, die, wenn sie angezündet waren, sicherlich eine warme, heimelige Atmosphäre im Raum verbreiteten. Momentan wurde der Raum nur von einem kleinen Lichtzauber erhellt, den Elaine gewirkt hatte. Neben den vielen Regalen gab es außerdem noch ein eng an die Wand geschmiegtes Bett und einen Arbeitstisch, auf dem sich einige Klingen verschiedenster Form und Größe, allerlei seltsam anmutende Arbeitsgeräte und ein paar Bücher über Biologie und Chemie befanden.
Der Magier schien wirklich nicht damit gerechnet zu haben, dass jemand diese Hütte fand und sich auch noch der in ihr befindlichen Wächter entledigte, so unaufgeräumt wie alles hier war.
George hatte den Fremdling, der mittlerweile vor Erschöpfung zusammengebrochen und eingeschlafen war, auf das Bett gelegt, größtenteils entkleidet und auf Verletzungen untersucht. Nun, der Knappe war kein professioneller Heiler - darauf wies er auch immer wieder hin - weswegen er seiner eigenen Aussage nach einfach nicht die nötigen Kenntnisse besaß, um komplexe, schwer erkennbare Verletzungen oder Krankheiten zu identifizieren, jedoch reichte es, wie er sagte, aus, um das Gröbste zu entdecken und zu heilen. Der Fremdling hatte einige leichtere und schwerere Prellungen, eine ganze Menge Abschürfungen, dazu noch blaue Flecken und ein paar kleinere Schnittwunden. Ansonsten aber war er laut Georges Beurteilung größtenteils unverletzt.
Einige der Bücher auf dem Arbeitstisch waren mit Jahreszahlen beschriftet.
Hm, welches Jahr hatten die Menschen laut Lawrence hier noch gleich? Ah ja, genau...
Auf dem obersten Buch des unordentlichen Haufens stand sie geschrieben. Dann waren das vielleicht Tage- oder Studienbücher, in denen die Ereignisse des jeweiligen Jahres geschrieben standen?
Cedric blickte zu den anderen beiden herüber. George war gerade dabei, die Verletzungen des Fremden auszuwaschen und anschließend mit einer desinfizierenden Salbe einzureiben, während Elaine die Regale nach allen brauchbaren Informationen durchsuchte. Gerade wollte auch der Hoch-Exorzist nach einigen Informationen suchen und nach dem aktuellsten Buch des Arbeitstisches greifen, da knarrte es plötzlich kaum hörbar neben ihm.
Schnell hatte er sich dem potentiellen Feind zugedreht, in Verteidigungsposition gebracht und sein Schwert gezogen. Neben dem Tisch stand eine hellrote, menschengroße Tonfigur, die einen Diener darstellte, wie man sie oft in Adelshäusern fand. Sie starrte stumm in Cedrics Richtung.
"Antares, können sie mal diese Figur überprüfen?" Fragte er in Richtung der verblüfft auf seine Kampfhaltung blickenden Wappenträgerin.
"Mal sehen, ob das klappt. In diesem Zimmer ist die gesamte Luft von Magie durchsetzt, da wird das verdammt schwierig, eine einzelne Quelle zu orten."
Elaine trat auf die extrem lebensecht wirkende Figur zu und blickte ihr prüfend in die kalten, stumpfen Augen. Eine Weile lang schwieg sie nun, doch dann drehte sie sich zu Cedric um und nickte.
"Angst, die Figur hat Ang-" Urplötzlich hatte die Tonfigur sich zu bewegen begonnen und stürzte sich nun mit den Fäusten um sich schlagend auf Elaine. Cedric war mit einem Satz bei ihr und schaffte es trotz der Enge der Figur mit einem schnellen Hieb beide Unterarme abzuschlagen. Kurz darauf war auch der Rest von ihr nur noch ein großer Scherbenhaufen am Boden.
"Hm... schwächer als die Skelette... Ich bezweifle, dass dieses Ding zum Schutz gedacht war."
"Um ein Kind oder einen Verletzten umzubringen hätte es ausgereicht. Danke für die Hilfe."
"Wie auch immer... suchen sie weiter nach Informationen." Brummte Cedric abweisend und wand sich mit wieder weggesteckter Waffe den Büchern auf dem Arbeitstisch zu. George schwieg derweil und kümmerte sich weiterhin um den Verletzten.
Der Hoch-Exorzist begann das Buch von hinten her durchzublättern, um die neuesten Beiträge zuerst zu finden. Da das Jahr bei diesen Menschen aber gerade erst vor einiger Zeit neu begonnen hatte, fand er nur auf den ersten paar Seiten die letzten Einträge. Rasch nahm er sich auch noch das Buch des letzten Jahres hinzu, und suchte dort nach dem Eintrag, in dem der Magier das Finden der Bestie schilderte. So ein wichtiges Ereignis ließ der Typ bestimmt nicht unkommentiert.
Als er beim Überfliegen der Einträge über eine leere Seite stieß, blätterte der Sorgentöter schnell wieder zu dem darauffolgenden Eintrag um, der genauso wie die anderen kein Datum besaß, jedoch durch die Markierung mit Hilfe des Leerlassens einer ganzen Seite offenbar von großer Wichtigkeit war.
07. 12.
Bin immer noch total aufgeregt... Kann es gar nicht fassen.
Vor einer knappen Stunde hab' ich etwas entdeckt. Kaum zu
glauben, dass es in diesem Zustand überlebt hat. Zum Glück
konnte ich es noch schnell genug heilen, sonst wär' es mir
wahrscheinlich glatt an Ort und Stelle weggestorben.
Oh... ich hab' ja noch gar nicht gesagt, was ich gefunden
habe.
Es ist ein Mann, etwa 20 Jahre alt. Aber die Kraft, die
von ihm ausgeht, spottet jeder Beschreibung. Die bisherigen
Dämonen waren nur Fliegen, im Gegensatz zu ihm! Ein
einfacher Mensch ist das bestimmt nicht.
20. 12.
Ich hab' den Mann, oder besser gesagt "Es", vollends untersucht.
Mein Verdacht hat sich bestätigt. Es ist ein Halbdämon. Als
ich den Feuertest gemacht habe, wäre ich beinahe selbst in
Flammen aufgegangen.
05. 01.
Die Kräuter betäuben es im Moment noch, aber ich
muss mich beeilen. Wenn es aufwacht und sieht, was ich
getan habe, wird es mich in Stücke reißen.
Morgen werden ich den Transport zum Labor durchführen.
Hoffentlich geht nichts schief...
10. 12.
Bei allen Heiligen, ich hätte sie mit dem Blut um ein Haar
umgebracht. Und das, obwohl es schon so dünn ist...
Mit dieser Energie werde ich Jahre durchhalten können,
aber es macht mir Angst. Das ist zu viel Macht für
jemanden wie mich. Ich darf nicht zu weit gehen.
Vielleicht schaffe ich es aber sogar sie damit wiederzubeleben?
Der Tag des Sieges ist nicht mehr weit. Bald...
Möge Innos mir gnädig sein und mir mein Handeln verzeihen.
"Ich habe hier etwas gefunden, was sie interessieren könnte... Cedric." Sagte Elaine an den Hoch-Exorzisten gewand, der leicht beanstandend die rechte Augenbraue hob. "Dieses Regal hier ist voll von Büchern, die die Beschwörung von Dämonen beinhalten. Unter anderem steht dort auch, wie man aus den unterschiedlichen Körperteilen von Dämonen bestimmte Energien extrahieren kann."
"Nun... was glauben sie, könnte der Magier wohl vorhaben? Sich den Dämon zu nutze machen, um die Macht über die Insel an sich zu reißen? In diesen Tagebüchern hat er... oder sie, was auch immer... voller Euphorie davon geschrieben, wie viel Macht die Bestie doch besitzt. Er fürchtet sich sogar vor ihr und schreibt davon, dass er damit beinahe jemanden umgebracht hätte. Von einem baldigen Sieg ist hier auch die Rede... hm..."
"Wie schon gesagt, wird in diesen Büchern hier von der Beschwörung dämonischer Kreaturen geschrieben. Unter anderem werden auch Zeremonien beschrieben, bei denen Körperteile von Dämonen genutzt werden, um noch Mächtigere zu beschwören."
"Die Bestie ist schon mächtig... extrem mächtig. Meinen sie, der Magier könnte versuchen, einen..."
"... noch mächtigeren Dämon zu beschwören? Um ehrlich zu sein, ja. Vielleicht sogar einen Erzdämon. In der Geschichte Sammthains kam es schon oft vor, dass Magier versuchten sich mächtige Dämonen oder eben sogar Erzdämonen Untertan zu machen. Von einer geglückten Beschwörung und Unterwerfung ist bisher nie berichtet worden und wie sie wissen, ist dies überhaupt auch der Grund dafür, wieso die Lage in unserem Land so furchtbar ist."
"Nun gut, es deutet scheinbar alles darauf hin. Wenn wir diesen Größenwahnsinnigen nicht aufhalten, ist die gesamte Insel und wahrscheinlich auch das Land, zu dem sie gehört, dem Untergang geweiht. Am besten wir verlassen diesen Ort nun schnell, trotz der späten Stunde. Die Vernichtung seiner Diener wird der Magier sicherlich bemerkt haben. Besonders bei dem hier", er deutete auf den Scherbenhaufen, der einmal die Tonfigur gewesen war, "sorge ich mich darum, dass es nicht unbemerkt bleibt. Natürlich, hier auf den Magier zu warten, und ihn dann zu entmachten, wäre durchaus vorteilhaft, immerhin kämpfen wir dann nicht vollends auf seinem Territorium, sondern an der Grenze zu eben diesem, aber wir wissen nicht, was dann aus der Bestie wird. Was, wenn sie, sollte der Magier sterben, nicht mehr länger eingeschläfert ist - so wie es in den Tagebüchern beschrieben steht? Was, wenn die Bestie in des Magiers Labor - dorthin hat er sie laut den Büchern gebracht - etwas findet, mit dem sie ihre Macht noch steigern kann? Oder vielleicht Verbündete? Oder Zauber?!
Es hilft nichts. Wir müssen in die Höhle des Löwen vordringen und ihn töten." Cedric hielt kurz inne und blickte in Georges Richtung und die des Verletzten. "Ist er transportfähig?"
"Nun, Sire..." Der Knappe blickte besorgt zu seinem Herrn herüber. "Seine Verletzungen sind nicht lebensgefährlich, aber er ist stark geschwächt. Bei einem Transport kann ich nicht für sein Überleben garantieren."
"Das Risiko müssen wir wohl leider eingehen." Sprach Cedric mit einem Hauch von Bitterkeit in der Stimme. "Bereite alles vor, um ihn tragen zu können. Die restliche Ausrüstung wird auf Antares und mich verteilt."
Nach wenigen Minuten war alles vorbereitet. Sie gingen wieder los, verließen die Lichtung, folgten weiterhin der Spur und stapften zwischen den Bäumen durch Schlamm und Schnee.
Ach, Cedric hasste es, Menschen zu töten. Jedes Mal, wenn er es tat, hatte er das Gefühl einen weiteren kleinen Teil seiner Menschlichkeit zu verlieren. Eine Art Verkauf der eigenen Seele auf Rate könnte man sagen.
Jetzt galt es auch noch einen vermutlich größenwahnsinnigen Magier zu stoppen. Einen Menschen, der unwissend über die Konsequenzen dessen, was er tat, den Verstand verloren hatte und am Ende vielleicht doch noch etwas Menschlichkeit besaß. Und dann war da außerdem noch Knörx, der Fremde, dessen Körper durch den Weg zur Lichtung und die Monstren des Magiers beinahe bis zum Tode geschunden worden war. Ob er den Weg zum Labor des Magiers überstehen würde, war mehr als nur ungewiss.
Tja, und am Ende existierte da auch die Bestie, die einstmals ein Mensch gewesen war. Die Bösartigkeit Terruels hatte diesen jungen Mann, der das ganze Leben noch vor sich gehabt hatte, pervertiert und ihm jegliche Menschlichkeit und Würde geraubt. Cedric war sich sicher, ihm mit seiner Tötung einen Gefallen zu tun. Schon oft war es geschehen, dass Menschen Dämonen zum Opfer fielen und selbst zu welchen wurden. Und genauso oft hatte der Hoch-Exorzist sie getötet und so von ihrem Elend erlöst. Kein einziges Mal hatte er Erbarmen gezeigt und kein einziges Mal waren sie ihm entkommen. Aber es belastete ihn nicht, denn es waren ja keine Menschen mehr und nur Befehle gewesen, die er ausgeführt hatte. Das beruhigte sein Gewissen ungemein.
Natürlich einige Male schon hatte er sich Gedanken darüber gemacht. Gedanken darüber, was er tat und den Sinn der hinter seinen Taten steckte. War es richtig, dass er Lebewesen tötete, die vielleicht noch menschlich genug waren, um eine Chance auf Rettung erhalten zu können? War es notwendig immer wieder zu töten, keinen Frieden zu finden und weiterhin zu töten?
"Ja... " Dachte er. Sein Handeln war richtig. Nicht ein Mal war ihm ein Dämon begegnet, der Reue für seine Taten empfunden hätte oder wenigstens die Rettung des Menschen in sich erbeten hatte, wenn er schon sterben musste. Auch in den Geschichtsbüchern hatte auch nie etwas davon gestanden, dass sich jemals ein Wirt gegen seinen dämonischen Herrn gewendet und um Rettung gebeten hätte. Natürlich, die Geschichtsbücher waren von Sorgentötern geschrieben und besaßen dadurch auch einen relativ voreingenommenen Inhalt, doch wenn man schon nicht mehr der Geschichte und den eigenen Leuten vertrauen konnte, wem dann?
Knörx Traumwelt hatte sich wieder geändert, diesmal stand er auf einem hohen Hügel und blickte über ein weitläufiges Tal. Die natürlichen Grenzen dieses Areals bildeten die zwei Bergamassive, die aus Osten und Süden zusammentrafen. Die beiden einzigen Wege aus diesem Tal führten entweder zu dem von aus rötlich-grauem Schiefer bestehenden Klippen umrahmten Strand oder durch einen über die Berge führenden Pfad, der sich zum größten Teil natürlich durch den harten Fels schlängelte, manchmal jedoch war ein Teil der Felswand abgetragen worden oder schmale Holzbrücken führten über bis zu 50 Meter tiefe Abgründe. Es war der einzige Pfad zum Dorf Firn'Handell, seinem Geburtsort, dessen kleine Holzhütten eng an die Hänge der Hügel geschmiegt lagen und den Weg zu dem direkt aus dem Berg geschlagenen großen Tempel säumten, der sich imposant von den schroffen Berghängen abhob. Dieser Tempel war das größte Adanosheilligtum von Firn'Handell gewesen und Pilgerer aus den entferntesten Ecken des Landes kamen hierher und brachten Waren und Geschichten von dort. Knörx hatte ihnen immer voller Erfurcht und mit glänzenden Augen gelauscht. Beim Anblick seiner Heimat spührte er, wie ihm die Tränen in die Augen flossen. Damals hatte er so gerne all die Länder sehen wollen, jetzt wünschte er sich nichts sehnlicher, als wieder daheim zu sein.
Im Dorf lag bereits Schnee, der Pass war bedeckt von einer Decke aus Eiskristallen, die von den Hängen des Berges gefallen waren. Knörx erinnerte sich, dass der Pass im Winter für gewöhnlich völlig unzugänglich war und das Meer keinen Atemzug stillzuliegen schien. Er konnte die tosenden Wellen hinter sich hören, die an die Klippen schlugen, als wollten sie mit feuchten Händen nach allen greifen, das dumm genug war, sich ihnen zu nähern.
Auf einmal verschwamm die Szene und tauchte sogleich wieder verändert auf. Es war hell, obwohl es Nacht war. Die Hütten im Dorf brannten lichterloh. Die Orks waren gekommen! Wie ein Schwarrm stieben sie aus dem dunklen Tempelgebäude, das bedrohlich und schwarz im Schatten des Berges emporragte. Dorfbewohner rannten voller Panik zwischen den Häusern, verfolgt von Orks und ihren Kampfhunden. Niemand entkam.
Neben sich hörte Knörx auf einmal ein Schluchzen und er drehte sich schnell dorthin. Neben ihm auf der Hügelkuppe lag zusammengesunken ein junger Mann mit langen schwarzen Haaren und einen tiefen Schnitt, der sich quer über seine linke Wange zog. Mit einem Mal warf der Junge die Hände zum Himmel zum Himmel und schrie:
"Warum? Warum tut ihr mir das an, ihr Götter? Was habe ich getan?"
Dieser Mann war wieder mal kein anderer als er selbst. Knörx hatte immer versucht, diese Erinnerung aus seinem Kopf zu verbannen, aber es war ihm nie gelungen. Sein Heimatdorf in Flammen, seine Eltern, Freunde und alle, die er liebte, waren tot. Nur er war noch übrig. Die Tränen stiegen ihm wieder in die Augen, als er sich selbst so dasitzen sah. Nein, es konnte keine Götter geben, die so etwas zulassen könnten. An diesem Tag hatte Knörx seinen Glauben an sie verloren.
Dann wurde es schwarz um Knörx...
Langsam kam Knörx wieder zu Bewusstsein. Er begann wieder zu fühlen, er spührte Schmerzen, er roch ein Lagerfeuer und er hörte Stimmen. Aber er konnte nichts verstehen. Sein Körper war wach, doch sein Verstand wollte das noch nicht so schnell akzeptieren. Wo war er? Und warum? Vermutlich hatte er das schon einmal gewusst, aber das schien irgendwo zu liegen, weit weg von ihm.
"...wir müssen es tun, es hat keinen Zweck..."
Knörx vernahm eine tiefe Stimme. Sie kam ihm bekannt vor. Seine Erinnerung schien wie eine Blase vor ihm zu schweben, doch konnte er sie nicht erreichen. Wenn er nach ihr greifen wollte, entglitt sie seinen Fingern wie ein nasser Frosch.
"...glaube, er kommt zu sich. Ich werd mal nach ihm..."
Wieder etwas. Das war ja zum Verrücktwerden! Er musste doch Klarheit in diese Sache bekommen können. Vielleicht sollte er die Augen öffnen, dann würde er sicher mehr erfahren. Aber was, wenn er das garnicht sehen wollte? Was, wenn die Erinnerung sowieso besser nicht da sein sollte? Ach was, so konnte er nicht weitermachen! Er musste das Risiko eingehen.
Langsam öffnete er die Augen und war geblendet von dem Licht, das ihm entgegenflutete. Als sich seine Augen langsam daran gewöhnt hatten, blickte er auf und sah in das Gesicht eines Mannes.
Der Bandit!
Wie ein Fisch schien seine Hand nach der Blase seiner Erinnerungen zu greifen und als sich sein Grif um sie schloss, platzte sie und ergoss einen Strom von Informationen in seinen Kopf. Er konnte sich wieder an alles erinnern. Sein Training. Sein Überleben in der Wildnis. Die seltsamen Fremden. Seine Verfolgung. Doch plötzlich brannte sich ein Gedanke mehr als jeder andere in seinen Geist: Veilyn!
Überlastet von so vielen Gedanken auf einmal durchzuckte ein jäher Schmerz Knörx' Kopf. Er schrie auf und warf sich nach hinten. Er rollte etwas über den unebenen Boden, die Hände über die Augen gedrückt. Nach einer Weile legte sich der Schmerz wieder und Knörx merkte, dass er zusammengekauert im Schnee lag und zitterte.
"Was ist denn mit dir los? Los, schnell unter die Decke. Du unterkühlst dich doch noch!"
Er spürte, wie er mit sanfter Gewalt unter ein paar Decken gesteckte wurde. Als er zur Seite blickte, sah er das Gesicht eines der Fremden.
"Na, ausgeschlafen?", sagte dieser zu ihm und nahm einem Schluck aus einem Becher.
"Ich...ich...Was ist...passiert? Wo bin ich?"
"Nichts ist passiert. Du bist einfach zusammengebrochen und da haben wir dich mitnehmen müssen. Du siehst richtig fertig aus. Erzähl doch mal, wie das passiert ist..."
Die Sorgentöter
19.01.2005, 19:11
Der Fremde hatte sich mittlerweile schon seit einigen Tagen wieder erholt und war sogar schon wieder erwacht. Es war an einem Abend geschehen, und er war immer noch sehr geschwächt gewesen, aber es hatte ausgereicht, um ein wenig sprechen und essen zu können. Cedric hatte ihn schließlich am nächsten Morgen kurz vor dem Weitermarsch darüber aufgeklärt, dass sie ihn nun auf keinen Fall mehr allein gehen lassen konnten und er sie begleiten musste, wollte er nicht sterben. Außerdem hatte der Hoch-Exorzist erfahren wollen, warum der Fremde, den er und die anderen Sorgentöter jetzt auch unter einander nur noch bei seinem Namen, also Knörx, nannten, ihnen die ganze Zeit gefolgt war. Knörx hatte nicht antworten wollen und die Vermutung Cedrics, dass es sich bei der Bestie um einen Freund des jungen, schwarzhaarigen Mannes handelte, verstärkte sich.
Anschließend hatte er noch George darauf angesprochen, ob dieser der Ansicht war, dass Knörx schon wieder selbstständig gehen konnte. Der Knappe hatte daraufhin gemeint, dass er diesbezüglich eigentlich keine Bedenken hätte, und man den "neuen" Begleiter ruhig selbstständig gehen lassen konnte, jedoch bei der einen oder anderen schwierigen Stelle dann doch lieber helfen sollte. Als Folge aus dieser Antwort musste George nun fortan wieder die gesamte Ausrüstung schleppen.
Über zwei Tage waren sie jetzt schon wieder unterwegs und der Wald wollte und wollte kein Ende nehmen. Das stetige Gefühl, beobachtet zu werden, lastete auf jedem Einzelnen von ihnen. Sicherlich waren es einige der restlichen Skelette, die hier in diesem Wald ihren Posten hatten, die sie aus jeder Richtung aus beobachteten. Aber warum griffen sie nicht an? Normalerweise stürzten sich Untote ohne Befehlshaber doch auf alles, was sich ihnen näherte... Jedenfalls wenn sie den Auftrag dazu hatten. Vielleicht hatte der Magier ja doch damit gerechnet, dass es irgendwann vielleicht jemand schaffen könnte, seine Dienerschar mit spielerischer Leichtigkeit zu besiegen, und den Skeletten den Befehl gegeben, in einem solchen Fall nicht mehr anzugreifen, sondern nur zu beobachten und wenn möglich Meldung zu erstatten.
Wahrscheinlich wusste der Magier jetzt ganz genau, mit wem er es bei den Angreifern zu tun hatte.
Ab jetzt würden sie sich wahrscheinlich auf sehr starken Widerstand gefasst machen müssen. Aber gut, hatten sie denn eine andere Wahl, als weiter zu gehen? Im Grunde genommen... Nein.
In dem mehr oder weniger großen, abseits vom Rest Khorinis’ liegenden Wäldchen mit Namen Aargrün, befand sich so manche Lichtung und auf einer von ihr stand eine kleine Hütte, nicht größer, als dass sie maximal 3 Person ein Zuhause bieten konnte.
Erich Wassermann, ein grauhaariger, ausgemergelter Mann von fast 70 Jahren und dennoch erhabener Statur näherte sich in einen dicken, von getautem Schnee leicht durchnässten Ledermantel gekleidet dieser Hütte, stieg über einige Knochenhaufen hinweg und blieb dann vor der Tür stehen. Seine knochigen, alten Hände berührten das Holz und sendeten jegliche aufgenommene Information sofort an das Gehirn. Erich sog genießend und gleichermaßen prüfend die holzig riechende Luft ein. Kurz darauf atmete er sie verschnaufend wieder aus und sofort verlor sein Körper jegliche Anspannung. Übrig blieb nur noch der alte Mann, der Erich eigentlich auch war.
Gut, die Hütte war noch immer sein Heim und die Eindringlinge hatten sie nicht zerstört...
Aber so wie es um die Wächter stand, die ihre verdammte Arbeit nicht ordentlich erledigt hatten und nun größtenteils nur noch Knochenmehl waren, stand es höchstwahrscheinlich auch um Hendrik, seinen Diener, nicht gerade gut. Als Erich den einzigen Raum der Hütte betrat, konnte er anfangs bis auf ein paar kleinere, kaum wahrnehmbare Blutflecken, die sich auf seinem Bettlaken befanden, und ein paar umgestellten Büchern keine wirkliche Veränderung feststellen. Schließlich fiel sein Blick jedoch auf einen kleinen Haufen aus zertrümmertem Ton und das faltige Gesicht, welches gerade eben noch den Ausdruck leisen Bedauerns und Verunsicherung über das, was ihn erwartete, getragen hatte, verwandelte sich in eine Maske noch stärkerer Wut, als sie der Magier im Moment überhaupt verspürte.
Kurz leuchtete seine rechte Hand indigofarben auf und schon wurde aus den Tonscherben wieder die menschengroße Tonfigur, die sie zuvor gewesen waren. Erich schloss sie in die Arme.
Einen Moment lang meinte der alte Mann, die Figur würde vor Freude, ihn zu sehen, weinen, doch dann besann er sich wieder eines Besseren. Tonfiguren, die gerade noch die Finger halbwegs gut bewegen konnten, konnten nicht einfach so ihre Gesichtszüge verändern oder weinen. Welch Glück es doch da war, dass Erich die Emotionen seiner Diener, die er ihnen ja überhaupt erst gegeben hatte, spüren konnte und so bei diesem hier gemerkt hatte, dass er kurz vor seinem Ende noch einmal extrem verängstigt gewesen war. Stumm fragte er die Figur, was genau geschehen war und erhielt genauso stumm eine Antwort.
So so, es waren also gut ausgerüstete und noch besser ausgebildete Kämpfer hier gewesen, um nach bestimmten Informationen zu suchen. Und als einer der drei Männer, die die Hütte betreten hatten, dann nach den Tagebüchern Erichs hatte greifen wollen, hatte der Tondiener beinahe reagiert, um das Gut seines Meisters zu schützen, war dann jedoch gleich darauf, als die Kämpfer seiner Anwesenheit gewahr geworden waren, von ihnen "getötet" worden. Erich strich sich, während er aufmerksam zuhörte, nachdenklich über den grauen Bartstreifen, der sich zwischen Unterlippe und Kinn befand.
Aber, was fiel diesen degenerierten Schwachköpfen eigentlich ein?!
Erst drangen sie in sein Haus ein, töteten anschließend kampferprobte Wächter und hilflose Diener, besudelten danach sein Bett mit Blut, sorgten schließlich für eine phänomenale Unordnung und durchstöberten, um dem Ganzen noch eins oben drauf zu setzen auch noch seine Tagebücher?! Wahrscheinlich würden sie, nun da sie gelesen hatten, was Erich vor hatte, sein Labor aufsuchen. Also gut... Sie wollten Krieg? Den konnten sie haben!
"Räum bitte etwas auf und such dann draußen alle brauchbaren Knochen für eine mögliche spätere Wiederbelebung der Skelette zusammen, okay?" Fragte der Magier mit leise hauchender Stimme. Die rote Tonfigur nickte beflissentlich.
Kaum dass er vor die Tür getreten war, setzte Erich den Geschwindigkeitszauber ein und war im nächsten Augenblick schon im Wald und aus jeglicher Sicht verschwunden.
Knörx stapfte missmutig durch den kalten Nieselregen, der ihn nun schon seit ungefähr 2 Stunden zu plagen pflegte. Ihm war kalt, alles schmerzte und müde war er auch. Aber dieser Cedric schien keine Ruhe zu finden, bis einer seiner Gruppe zusammenbrechen würde, so schien es zumindest. Knörx war sich nicht sicher, ob er sich dann auch zu dieser Gruppe zählen konnte. Alles war so verdammt mysteriös, vor allem, da sie seit Tagen kaum ein Wort wechselten. Knörx wollte verflucht noch mal wissen, was diese Kerle eigentlich wollten. War er jetzt ein Begleiter oder ein gefangerner? Er wusste es nicht genau. Auf jeden Fall war immer einer der drei, zwei Männer und eine Frau, wie sich herausgestellt hatte, in seiner Nähe, wenn er sich etwas von der Gruppe entfernen wollte.
Inzwischen hatte Knörx herausgefunden, dass George, der geplagte Packesel, immer noch am gesprächigsten war, obwohl das eigentlich auch nur bedeutete, dass er mehr Wörter benutzte, um die gleichen wenigen Dinge zu formulieren wie "Halt!", "Wir rasten!" oder "Trödel nicht herum!".
Dieser ewige Dauerlauf, die Winterkälte mit nur unzureichender Bekleidung und jeden Tag ein paar neue Kratzer, das alles wirkte schon ziemlich erschöpfend auf die meisten. So fühlte sich Knörx im großen und ganzen auch und wollte viel lieber im Sumpf sitzen vor einem Lagerfeuer und etwas nettes kochen, aber in seinem Innern war ihm doch schon irgendwie bewusst, dass all diese Strapazen ihn abhärten und trainieren würden. Und dieser Gedanke war ermutigend. So konnte er eigentlich aus allen unangenehmen Sachen etwas gutes schließen.Das Leben schien ih merklich geprägt zu haben.
Als es Knörx schließlich vor Langeweile kaum noch aushalten konnte und drauf und dran war, einfach stehen zu bleiben und nicht mehr weiter zu gehen, da schickte sie Elaine urplötzlich an, stehen zu bleiben.
"Die Spur führt da hinein.", sagte sie. Knörx war es noch immer ein Rätsel, welcher Spur diese Frau überhaupt zu folgen schien.
"Nun gut, wir sehen uns das mal an.", entgegnete Cedric, der bereits wieder weiterging. "Aber vorsichtig."
Langsam schlichen sie sich um ein Gruppe Beine und standen schließlich vor einer hohen Fels wand. Knörx dachte schon, sie wären im Kreis gelaufen und wieder zurück, bis er das große Loch bemerkte, das in den massiven Stein gehauen war.
"Die Spur führt da hinein:", sagte Elaine mit einem Hauch von Unbehagen in der Stimme.
"Also gut, hier wird es jetzt wohl gefährlich. Elaine, du kommst mit mir in die Höhle. George, du passt auf den Kleinen hier auf und deckst uns den Rücken."
"Verstanden, Sire. Ich werde ein vorläufges Lager errichten.", antwortete George.
"In Ordnung. Aber mach dich auf einen schnellen Rückzug gefasst. Noch wissen wir nicht, was uns erwartet."
Dann verschwanden Cedric und Elaine in der Höhle. George packte ein paar Sachen aus, während er ohne ihn anzusehen mit ihm sprach.
"Geh du Feuerholz hohlen, während ich hier das mache."
Sicher, Herr Sklaventreiber, ganz nach ihren Wünschen! Verdrießlich und mit hochgezogenen Schultern machte sich Knörx an, etwas Holz zu finden, dass noch nicht zu nass von dem stärker werdenden Regen geworden war.
Die Sorgentöter
21.01.2005, 16:53
Am vorherigen Abend waren Elaine und Cedric weiter in die Höhle vorgedrungen, waren aber dann nach einer Weile kurz vor einer Biegung umgekehrt, da die Wappenträgerin auf eine seltsame Weise beunruhigt gewesen war. Am nächsten Tag hatte sie schließlich ihren Verdacht geäußert. Hinter der Biegung hatte sich wahrscheinlich eine große Zahl Skelette befunden. Normalerweise waren die Energien von Untoten für Elaine eher schwierig aufzuspüren und zu erkennen, aber in diesem Moment musste es eine extrem große Gruppe dieser Kreaturen gewesen sein, so gut, wie sie sie gespürt hatte. Wahrscheinlich waren die knochigen Kämpfer noch immer dort, wo sie sich gestern befunden hatten und genauso wahrscheinlich war es gestern besser gewesen, nicht weiterzugehen.
Nun aber waren sie wieder auf dem Weg zu den Untoten, um weiter in die Höhle und zu der Bestie vordringen zu können. Cedric hatte sich von George den schweren Prunkharnisch, weitere Rüstungsteile und einiges an Waffen, Heiltränken und magischen Schriftrollen mitgeben lassen, um für den Kampf besser gewappnet zu sein. Jedoch nicht er, der sich, wie er sagte, für den Kampf schonen musste (was ja im Grunde auch wahr war), trug die Ausrüstung, sondern Elaine. Gut, sie war keine schwache Frau. Kein einziger Sorgentöter, ob nun Kämpfer, Wissenschaftler oder Magier, war untrainiert oder konnte nicht mit dem Schwert umgehen, aber eine Ausrüstung von diesem Gewicht zu schleppen, war sie als Wappenträgerin einfach nicht gewohnt. George musste, obwohl man es ihm überhaupt nicht ansah, ein wahres Kraftpacket sein, wenn er es schon die ganze Zeit schaffte, diese Unmengen an Gewicht mit sich zu tragen. Na ja, wahrscheinlich war der Knappe sogar ganz froh jetzt mit diesem Knörx am warmen Lagerfeuer sitzen zu können und nichts schleppen zu müssen.
Jetzt aber waren die zwei hochrangigen Sorgentöter nur noch wenige Meter von der Biegung und den hinter ihr stehenden Wachen entfernt, so dass Cedric seiner Begleiterin gebot anzuhalten und anschließend mit ihrer Hilfe die Rüstung anlegte. Darin würden seine Bewegung zwar nicht mehr ganz so schnell und geschmeidig sein, aber zum Ausgleich bot sie wenigstens einen exzellenten Schutz gegen alle herkömmlichen und auch so manche dämonische Waffe. Nun nahm er noch das Bastardschwert, beschwor mit Hilfe der mitgebrachten Lichtspruchrollen einige Lichter, die die Umgebung taghell erstrahlen ließen und klappte dann das Visier seines Helmes herab, welches nur einige enge Schlitze zum Hindruchblicken und Atmen besaß. Elaine nahm indes die verbliebenen Waffen und den großen Turmschild, den bis hier hin ausnahmsweise Cedric getragen hatte.
In den nächsten Sekunden waren sie schon um die Biegung herum und standen nun gut 40 eng zusammengepferscht stehenden Skeletten gegenüber. Die erste und zweite Reihe bestand aus rund 15 teils knienden, teils stehenden Skelett-Bogenschützen, die sofort ihre Bögen spannten, und dahinter befanden sich noch einmal etwa 25 Nahkämpfer.
Oh ja, man hatte sie erwartet, ganz sicher.
Nachdem sie sich verborgen hinter dem Turmschild, den sie für einen solchen Fall mitgenommen hatten, bis zu den ersten Skeletten vorgearbeitet hatten, war Cedric hinter ihm hervor gesprungen und hatte sich wie ein Berserker in die feindlichen Reihen hinein geworfen. Zwar hatten sich die Skelett-Nahkämpfer schon in Position gebracht, als die Sorgentöter nur noch wenige Schritte von den Bogenschützen entfernt gewesen waren, doch der Hoch-Exorzist ließ ihnen keine Zeit, um irgendwie zu reagieren, und beseitigte schon gleich zu Beginn vier Bogenschützen und einen Nahkämpfer. Mitten im Getümmel hatten die Skelette nun ihren vorherigen Vorteil durch die Bogenschützen, die den Schild in ein übergroßes Nadelkissen verwandelt hatten, verloren und mussten alle gleichermaßen in den Nahkampf übergehen.
Elaine kämpfte, nachdem sie die restlichen Waffen hinter dem aufgestellten Schild zurückgelassen hatte, immer nur gegen einen Gegner, den sie aus der sich ständig bewegenden Knochenmasse lockte, und arbeitete sich auf diese Weise langsam aber sicher vorwärts. Tja, es waren zwar nur einfache "Standard-Skelette" ohne besondere Fertigkeiten oder Intelligenz, aber es waren viele, zu viele... Jedem einzelnen von ihnen war die Wappenträgerin überlegen, aber mit jedem Gegner wurden ihre Kraft weniger und ihre Bewegungen immer langsamer und schwerer. Cedric hingegen schien überhaupt keine Probleme zu haben.
Wie ein junger Gott pflügte er sich mit seinem Schwert durch die Reihen der Skelette, die zwar oft versuchten die Angriffe zu blocken, aber unter der gewaltigen Kraft der Schläge mit ihren Handgelenken einfach wegbrachen oder mit ansehen mussten, wie sich die Klinge des Sorgentöters durch ihre eigenen Waffen und anschließend durch ihre knochigen Leiber arbeitete. Das simple Geheimnis hinter dieser riesigen war ein Zauber namens "Prankenhieb". Mit seiner Hilfe konnte man gesammelte Magie in der Klinge und dem Arm des Zaubernden sammeln, falls dieser gerade einen Schlag ausführte, und dadurch gewaltige Kräfte freisetzen. Selbst Felsen und Stahl brachen nach kurzer Zeit unter dieser schlichtweg brutalen Schlagtechnik. Jedoch musste man auch vorsichtig sein, denn schon oft war es vorgekommen, dass sich ein Hoch-Exorzist überschätzte und den nur schwer zu erlernenden Zauber zu stark einsetzte, wodurch sowohl die Klinge als auch der Arm, der sie führte, in Stücke gerissen wurden. Die wenigen Schläge, die Cedric letzten Endes bei dem Kampf noch einzustecken hatte, glitten größtenteils von seiner Rüstung ab oder schafften es aufgrund ihrer Schwäche nicht die Panzerung vollständig zu durchdringen.
Schon nach kurzer Zeit war kaum noch eins der Skelette kampffähig und es wurde klar, dass sie von Anfang an keine sehr großen Siegeschancen gehabt hatten. Plötzlich bewegte sich die Felswand hinter Cedric.
Einen bizzaren Anblick bot diese unerwartete Attacke dort. Zum einen war da Cedric, der gerade ein Skelett zweiteilte und zum anderen die Felswand, die sich von einem auf den anderen Moment aufbäumte und nun anscheinend versuchte den Hoch-Exorzisten zu verschlingen.
Gerade noch so hatte Cedric auf die blitzartig ausgestossene Warnung Elaines reagiert und es geschafft dem senkrecht geführten Schlag des bisher verborgen gebliebenen Steingolems auszuweichen. Der Hieb hätte wahrscheinlich mit Leichtigkeit alles in Cedric kinderleicht zermalmt und ihn so in kürzester Zeit mit der gleichen brutalen Kraft getötet, mit der er gerade eben noch die Skelette vernichtet hatte.
Ha! Endlich ein starker Gegner, dem es auch gebührte das Labor zu verteidigen.
"Antares, den Kriegshammer schnell! Mit dieser Waffe hier kann ich gegen dieses Vieh nicht viel ausrichten!" Rief er der Wappenträgerin zu, die sich in der Zwischenzeit um ein weiteres Skelett gekümmert und den Turmschild wieder erreicht hatte.
Einen Moment später hatte Cedric den Hammer in der Hand und stürzte sich erneut in den Kampf. Die Schläge des Steingolems folgten Sekunde auf Sekunde und keinerlei Lücke war in der Deckung dieses grauen Monsters zu erkennen. Cedric musste also dauerhaft in der Defensive bleiben und versuchen den Schlägen so gut wie nur irgend möglich auszuweichen. Doch da sah er seine Gelegenheit gekommen, als der Golem mit seinem rechten Arm zu weit nach links schlug und so auch den linken Arm blockierte, bis der Rechte wieder zurückgezogen war. Mit aller Kraft ließ der Sorgentöter den Hammer auf den Kopf des steinernen Ungetüms hernieder fahren.
Der Steingolem geriet in ein gefährliches Beben, als der Hammer krachend auf Kopf einschlug, und sank anschließend mit einem Bein auf die Knie. Die nun noch folgenden Schläge glichen mehr dem verzweifelten Kampf eines Betrunkenen mit seinem eigenen Schatten und Cedric hatte wenig Mühe ihnen auszuweichen. Schließlich enthauptete ein gewaltiger Schlag den ohnehin schon durch den vorangegangenen Treffer stark ledierten Steingolem und der massige Körper sank endgültig besiegt und kraftlos zu Boden.
Nachdem zeitgleich auch das letzte Skelett noch von Elaine besiegt wurde, ließ Cedric müde den Hammer sinken und schob sich anschließend das Visier nach oben. Das gesamte des Gesicht des über 50 Jahre alten Mannes triefte nur so vor Schweiß. Er atmete schwer.
"Eine Pause..." Murmelte Cedric keuchend. "Nur... eine kurze Pause, bitte." Anschließend ließ er sich vom Kampf entkräftet zu Boden sinken.
Überall tropfte es. Der Regen hatte schon vor Stunden aufgehört und dennoch wollten die Wassertropfen nicht aufhören, auf den löchrigen Unterschlupf zu tropfen und durch diesen hindurch auf die Köpfe der beiden Menschen, die sich diesen als Schutz vor der Nässe dieser Jahreszeit errichtet hatten. Das Plätschern der kleinen und großen Tropfen auf hohle Baumstämme, Blätter, Steine und Moos sowie in Pfützen und Tümpeln erfüllte den ansonsten stillen Wald, der seit dem Anbeginn des Niederschlags den Atem anzuhalten schien. Kein Knacken von berstenden Ästen, kein Rascheln von Kleinstgetier im Blätterdach, kein Pfeifen von Vögeln oder Wind an den schroffen Felshängen. Nur ein beständiges Plätschern.
Normalerweise wahr Knörx immer entspannt, wenn er die Natur in einer solchen Reinheit erlebte. Sein Geist wurde ruhig, sein Körper entspannte sich und das Konzentrieren und Überlegen fiel ihm leichter. Doch dieses Mal machte es ihn rasend. Aber das sollte auch nichts heißen, schließlich waren seine Nerven auch alles andere als entspannt in letzter Zeit. Seit zwei Tagen war er nun schon hier vor dem Eingang dieser Höhle und nichts war passiert, seit die beiden anderen in sie hinein gegangen waren. Diese Ungewissheit war zermürbend, aber er konnte nicht hinterhergehen oder das Lager verlassen, da George jedes Mal mahnend zu ihm aufsah, die Hand bereits am Schwertgriff. Dies machte ihm jedes Mal wieder bewusst, dass er so gesehen doch eigentlich ein Gefangener war. Ob George wirklich seine unausgesprochene Drohung war machen würde war ungewiss, aber Knörx konnte diesen Leuten doch alles zutrauen.
"Warum sitzen wir hier rum?", fragte Knörx schließlich, während er in den Wald starrte, als würde er etwas sehen. Doch da war nichts, nur die Tropfen und das Plätschern.
"Wir bleiben hier und warten auf die Rückkehr von Sire Menkent und Miss Antares.", antwortete George, als würde er dies schon zum hundertsten Mal erkären.
"Was machen sie denn überhaupt da drinnen? Was habt ihr denn vor?", entfuhr es Knörx ein bisschen zu heftig als er es gewollt hatte.
George schwieg, mit einem Ast stocherte in der Asche. Trotz des Feuers hätte die Stimmung nicht kälter sein können.
"Was wollt ihr von Veilyn?", stachelte Knörx sichtlich gereizt weiter. Langsam hatte er genug von der ewigen Geheimnistuerei. "Wieso wollt ihr ihn töten? Was zum Teufel wollt ihr von ihm?"
Den letzten Satz schrie er förmlich. Er wollte endlich Klarheit.
Eine Zeit lang sagte George nichts und starrte nur kontinuierlich in die Flammen, bis Knörx dachte, er hätte ihn vergessen. Dann sprach er jedoch mit unbewegter Stimme, ohne ihn dabei anzusehen.
"Du kanntest diesen...Veilyn?" Es machte ihm offenbar Schwierigkeiten, den Namen richtig auszusprechen.
Knörx sagte nichts. Gerade in dieser Hinsicht war er sich nun nicht mehr so sicher. "Früher kannte ich ihn gut. Er war quasi ein Freund von mir. Ich hab ihn aber seit über einem halben Jahr nicht mehr gesehen."
George schien nachzudenken. Als er anfing zu sprechen, schien er merkwürdig bedrückt.
"Mein Heimatland liegt weit entfernt von hier.", fing er an. Knörx fragte sich, warum er ihm das erzählte. "Es war ein schönes Land, mit Bergen, Seen und Wäldern. So hat man mir das zumindest erzählt. Aber ich habe es anders kennen gelernt. Seit ich denken kann sind in unserem Land die Dämonen, eine Horde von Monstern, die nur existieren, um die Existenz anderer zu vernichten. Das ganze Land ist in einem permanenten Kriegszustand. An den Hängen der Berge liegen die Körper der Gefallenen, die Seen sind rot von dem Blut der derer, die den Bestien in die Klauen gefallen sind und die Wälder abgeholzt für den Bau von Kriegsmaschinen. Ich habe schon viele Freunde und Familienmitglieder an sie verloren. Doch es gibt immer noch Leute, die den Dämonen Einhalt gebieten, ein Orden von Rittern und Magiern, der allein für das Töten und Austreiben von Dämonen da ist. Sie heißen Sorgentöter, weil sie die größte Sorge unseres Volkes zu vernichten wissen. Ich, Sire Menkent und Miss Antares, wir alle sind Sorgentöter. Und wir sind hier um einen Dämon zu töten, wie er kaum mächtiger sein kann. Sire Menkent erzählte mir, dass er stark, gerissen und ein mächtiger Magier ist, aber das schlimmste soll seine Fähigkeit sein, nach seinem Tot seinen Geist mit dem eines Sterblichen verschmelzen zu lassen. Und das ist der Grund, warum wir deinen Freund finden müssen."
Knörx war geschockt. Könnte das der Grund für das merkwürdige Verhalten gewesen sein? Aber das klang alles so übersinnlich, so verrückt. Doch eine Frage brannte Knörx auf der Seele, sodass er sie nicht für sich behalten konnte: "Wie wollt ihr den Dämon aus ihm herausbekommen?"
Geogre fuhr fort, als wäre er gar nicht unterbrochen worden.
"Der Geist des Dämons versteckt sich zunächst im Unterbewusstsein seines Wirtes, hin und wieder nimmt er Kontakt in Form einer Stimme an. Doch nach und nach nimmt der Geist des Dämons überhand und der Geist des Wirtes wird mehr und mehr verdrängt. Irgendwann hat er dann die völlige Kontrolle über den Körper. Es ist uns kein Bericht bekannt, indem der Geist des Wirtes über den des Dämons siegen konnte und unser Orden hatte schon oft Begegnungen mit der Bestie. Wir werden also das tun, was wir mit allen gemacht haben. Wir dürfen kein Risiko eingehen, dass der Dämon seine alte Macht wiedererlangen könnte und desshalb müssen wir ihn mitsamt seines Wirtes töten."
Knörx war entsetzt. Wenn sie Veilyn finden würden, wäre das also sein sicherer Tod. Man konnte ihn doch nicht einfach für etwas hinrichten, das er doch gar nicht verantworten konnte. Kannten diese Sorgentöter kein Mitleid?
Schnell stand Knörx auf und wandte sich zum Höhleneingang.
"Halt!", rief George und stand ebenfalls auf. Seine Hand ruhte am Schwertgriff. "Wo willst du hin?"
"Ich werde meinen Freund vor euch retten.", erwiederte Knörx bloß und stapfte Richtung Höhleneingang. George folgte ihm.
"Du wirst uns nicht aufhalten. Wir müssen diese Bestie vernichten!"
"Ich werde nicht zulassen, dass ihr ihn einfach tötet. Ihr seid doch nicht besser als dieser Dämon."
Dann rannte er in die Höhke. George stand noch kurz fassungslos da, dann lief er ihm hinterher.
"Dieser elende Narr!", schnaubte er durch die zusammengebissenen Zähne. Seine Wut hätte nicht größer sein können.
Die Sorgentöter
23.01.2005, 22:51
Die Höhle schien sich ewig vor Elaine und Cedric in den massiven Fels hinein zu ziehen, solange wie sie nun schon gingen. Unterwegs waren sie noch auf einige vereinzelte Skelett-Trupps gestoßen, doch hatten diese keinerlei Bedrohung dargestellt. Sie waren genauso Cedrics und Elaines Waffen zum Opfer gefallen, wie die etwas größere Gruppe aus Skeletten, die sie vor einem Tag erst besiegt hatten.
Keiner von beiden hatte während dieser Zeit ein unnötiges Wort gesprochen, denn wer wusste schon, was ihnen noch alles bevor stand, wenn sie ihrem Weg weiter folgten. Ein Steingolem war ihnen ja schon begegnet und wenn der Magier wirklich so mächtig war, dass die Skelette im Vergleich zu ihm nur kleine Fliegen waren, würden sie im Kampf gegen ihn alle Kraft gebrauchen können, die sie besaßen.
Nach ein paar weiteren Minuten kamen sie wieder einmal an eine Biegung. Cedric, der immernoch in voller Kampfmontur unterwegs war, blickte prüfend in Elaines Richtung.
"Dahinter... Dahinter befinden sich keine Feinde..." Sie stockte bei jedem Wort ein wenig mehr. "Dahinter befindet sich, glaube ich, das "Labor"."
Hm, jetzt sollten sie wohl besser noch ein vorsichtiger sein, als zuvor. Vielleicht erwartete sie ja nur wenige Meter entfernt schon der Magier, der nur gerade seine magische Aura verbarg und deswegen von Elaine nicht entdeckt wurde?
Okay, wenn sie dann im Labor waren und immer weiter vordrangen, würde sie der Magier aber auch erwarten. Es machte schlussendlich also doch keinen Unterschied. So oder so mussten sie weiter und sich ihrem möglichen Ende stellen.
Leise knirchten einige Steine unter ihren Füße, als sie um die Biegung traten und nun einer massiv wirkenden, den Gang vollends ausfüllenden Steinmauer gegenüberstanden. In der Mauermitte befand sich eine schlichte Eichenholztür, mit eiserner Klinke. Als Cedric versuchte die Tür zu öffnen, ließ sich die Klinke ohne Probleme herunter drücken. Sie war also weder per Magie oder durch komplizierte Schlösser gesichert... Irgendwie beunruhigend.
Knarrend öffnete der Hoch-Exorzist die Tür in seine Richtung.
Kaum einen Augenschlag später kam Cedric mit rasender Geschwindigkeit eine große, steinerne Faust entgegen. Wie zu erwarten fiel ihm das Ausweichen in dieser kurzen Zeit extrem schwer und so wurde er im nächsten Moment schon von den Beinen gerissen und mehrere Meter nach hinten weggeschleudert. Elaine riss er dabei mit zu Boden.
Aber es blieb nicht viel Zeit zum Verschnaufen, denn der Golem, der einfach durch die Mauer gerannt war und dabei auch die Tür mitgerissen hatte, näherte sich ihnen mit einer unwahrscheinlich hohen Geschwindigkeit, die man diesem kurzbeinigen Wesen auf den ersten Blick überhaupt nicht zugestehen wollte.
Elaine lenkte nun, nachdem sie sich aufgerichtet hatte, den Golem erst einmal ab, bis Cedric es geschafft hatte, wieder auf die Beine zu kommen. In der schweren Rüstung fiel dies jedoch ohne jegliche Hilfe Anderer verdammt schwer, und in der in der Rüstung, die im Bereich der Bauchpanzerung durch den Schlag des Golems stark eingedrückt war, war auch so schon ein einfaches Umdrehen, um sich aufzurichten, kaum mehr möglich. Unter enormen Anstrengungen schaffte der Hoch-Exorzist es schließlich doch noch ziemlich wackelig auf die Beine zu kommen und sich seinem Gegner zu zuwenden. Sofort klaubte er den bei der restlichen Ausrüstung auf dem Boden liegenden Kriegshammer auf und näherte sich von hinten dem Golem, der immer heftiger auf Elaine eindrang. Doch der Golem hatte auch Notiz vom Aufstehen des Sorgentöters genommen und wirbelte nun blitzschnell herum. Cedirc schaffte es dieses Mal dem Schlag auszuweichen und taumelte ein paar Meter zurück, während der Golem erneut auf Elaine einschlug. Wenige Sekunden später sauste Cedrics Hammer auf den Rücken des steinernen Ungetüms zu und ließ anschließend einen breiten Riss senkrecht durch die magische Kreatur verlaufen.
Nachdem der Golem in seine Bestandteile zerbrochen war, blickte Cedric zu Elaine herüber. Ihr Unterarm stand in einem unappetlichen Winkel vom Oberbarm ab und allgemein waren hier und da auch so einige Abschürfungen zu sehen. Um Cedric stand es wahrscheinlich auch nicht besser. Er nahm an, dass sicherlich die eine oder andere Rippe gebrochen war und er dies bisher nur durch den Kampfrausch nicht bemerkt hatte.
Gerade wollte er etwas zu der verletzten Wappenträgerin sagen, da hielt er plötzlich inne. Hastige Schritte näherten sich ihnen aus dem Höhlengang.
Atemlos rannte Knörx den gang entlang, immer wieder musste er um Kurven laufen. Nahe des Eingangs lagen viele Knochen, vermutlich wieder so eine Truppe von diesen wandelnden Skelettkriegern. Sie waren Knörx unheimlich. Er hatte noch nie welche von ihnen gesehen, nur aus Alptraumgeschichten, die Großväter ihren Enkeln abends am Kamin zu erzählen pflegten. Und wer solche Horror-Geschöpfe erschaffen konnte, verfügte womöglich über noch größere Kräfte. War es einer dieser Schwarzmagier aus der Burg in den Bergen? Man erzählte sich ja einiges von ihnen, unter anderem, dass sie Tote wieder in's Leben rufen konnten. Und was wäre, wenn Veilyn diesen Typen in die Hände gefallen war? Oder war es vielleicht soagar Veilyn selber, der das alles gemacht hatte und dem der Dämon in seiner Seele eine schreckliche Macht verschafft hatte? Das klang so abgedroschen. Wie konnte ein Wesen in einen Menschen schlüpfen? Das war doch unmöglich! Nun ja, bald würde sich auch alles aufklären und diese Irren, die ihn suchten, würden ihre gerechte Strafe bekommen. Das dumme war nur, dass sie doch recht gut bewaffnete Irre waren.
Knörx hastete um die nächste Biegung und sah sich schließlich den beiden anderen "Sorgentötern" gegenüber, beide bewaffnet und gerüstet. Verdammt! Jetzt hatte er so lange gegrübelt, jetzt wusste er gar nicht, was er gegen die beiden unternehmen sollte! Einer der beiden, dieser Cedric, der in voller Rüstung und mit einem großem Schwert vor ihm stand, fixierte ihn intensiv, schien jedoch mit etwas Schlimmeren gerechnet zu haben, da er sich kurz darauf entspannte und die Waffe runternahm. Vorsichtig ging Knörx rückwärts, um Abstand zu gewinnen, spürte jedoch auf einmal ein Pieksen im Rücken. George schien ziemlich schnell aufgeholt zu haben.
"Verzeiht, Sire", sagte er und verbeugte sich leicht. Sein Schwert hinterließ einen Kratzer in Knörx' Haut. "Er ist einfach in die Höhle gerannt. Es scheint, er hatte eine ziemlich gute Beziehung zu dem Dämonenwirt."
Cedric nahm den schweren Helm vom Kopf und wischte sich mit dem Handrücken die schweißgebadete Stirn ab. "Das wundert mich nicht. Aber langsam wird er lästig. Vielleicht sollte ich in Erwägung ziehen, in zu fesseln."
Er lehnte das Schwert und danach sich selbst gegen die Höhlenwand. Er schien völlig überanstrengt.
"Verbinde ihm die Hände und komm dann wieder zu uns. Der Kampf hat uns schwere Verletzungen gekostet."
"Zu Befehl, Sire."
Geogre band Knörx mit einem Strick grob die Handgelenke hinter den Rücken aneinander, dann kümmerte er sich um die Verletzungen. Knörx ließ er zurück in einer Ecke des Gewölbes. Da hatte er nun den Salat! Jetzt war er erst recht ein Gefangener. Was, wenn die ihn einfach töten würden, wenn er zu sehr störte? Und wie sollte er jetzt bitteschön Veilyn befreien können?
Müde lehnte sich Knörx gegen die Wand und schloss die Augen. Er war einfach zu schwach. Zu schwach um sich selbst oder seinen Freunden helfen zu können und zu dumm um zu erkennen, dass er einfach blind in sein Verderben gelaufen war. Das war einfach nicht gerecht! Aber warum sollte auch Innos gerade ihm wohlgesonnen sein?
"Bitte Schläfer, schenk mir Kraft.", murmelte Knörx und eine Träne kullerte seine Wange hinunter.
Die Sorgentöter
24.01.2005, 22:33
Es war zum Glück nur Knörx gewesen, der um die Biegung gekommen war. Aber was hatte der hier überhaupt zu suchen? Sollte der nicht eigentlich mit George am Höhleneingang warten? Ah... Da kam der unzuverlässige Kerl ja schon angekrochen!
"Verzeiht, Sire. Er ist einfach in die Höhle gerannt. Es scheint, er hatte eine ziemlich gute Beziehung zu dem Dämonenwirt." Sprach der Knappe erklärend.
Na ja, Cedric hatte ja bisher schon irgendwie etwas in diese Richtung gehahnt. Dieser Knörx war sicherlich mal mit dem Wirt der Bestie befreundet gewesen und wollte nun auch in Erfahrung bringen, was mit diesem passiert war. Ein Verwandter war es aber bestimmt nicht, sonst hätte Elaines "Magiesensor" wohl schon längst ausgeschlagen, immerhin kamen die Wirte, wie es hieß, allesamt aus einer Familie.
Cedric wies George nun an, Knörx die Hände zu fesseln, damit dieser es nicht mehr so einfach hatte, einfach davon zu rennen, ihnen aber immer noch folgen konnte. Nachdem der Knappe damit fertig war, musste er auch noch die Verletzungen der anderen beiden Sorgentöter behandeln. Gekonnt schaffte er es Elaines Arm wieder einzukugeln, ohne dass dabei irgend ein Knochenstück absplitterte oder anderweitig Negatives geschah. Anschließend behandelte er noch die kleineren Wunden Elaines und begann dann Cedrics Verletzung zu untersuchen.
Nachdem der Steingolem den Hoch-Exorzisten am Bauch getroffen hatte und dieser zu Boden gegangen war, hatte es ihm in dem damaligen Moment zwar den Atem geraubt, aber als George sich nun im Nachhinein die Verletzung besah, konnte er von Außen her nichts erkennen. Zwar bereitete es Cedric, wie dieser sagte, ziemlich starke Schmerzen drückte man auf Bauch und Rippen, allerdings konnte George aufgrund fehlender Fachkenntnis leider nicht feststellen, ob tatsächlich schwerere Verletzungen vorhanden waren oder nicht. Aber sie waren jetzt schon so kurz vor dem Ziel, da musste eben das Risiko eingegangen werden, nach Erfüllung des Auftrags den eigenen Verletzungen zu erliegen. Die Tötung der Bestie war es Cedric alle Mal wert, denn dafür lebte er.
Hm, aber was würden sie wohl mit diesem Knörx machen müssen? Der war ein ernstzunehmender Risikofaktor. Was, wenn er am Ende versuchen würde, seinen Freund vor den Sorgentötern zu retten? Obwohl... wenn der junge Mann erstmal sah, was aus seinem früheren Freund geworden war, würde er wahrscheinlich selbst nichts anderes als die Erlösung durch den Tod für ihn wollen. Und wenn nicht, dann würde er wohl doch keine ernstzunehmende Bedrohung darstellen, denn wenn die Sorgentöter tatsächlich Gefahr liefen sollten, von ihm besiegt zu werden, dann waren sie ohnehin schon so in Bedrängnis, dass auch er mit dem Tode zu rechnen hatte. Und wer, wenn es nicht gerade ein Wahnsinniger war, würde in diesem Fall schon dafür sorgen wollen, sein eigenes Ende nur noch zu beschleunigen?
Wenige Minuten später waren sie alle versorgt. Das Labor wollten sie jedoch noch nicht betreten. Der Magier hatte bisher schon solange auf sie gewartet, da würde er sich wohl auch noch einen weiteren Tag gedulden können, oder? George holte die restliche Ausrüstung vom Höhleneingang und richtete ein neues Nachtlager her.
Am nächsten Tag schritten sie durch das zerstörte Tor in die dahinter liegenden Räume. Ein gerader, perfekt gehauener Gang führte tief hinein in den Berg, immer mit einem leichten Gefälle. Die Wände des Ganges waren aus massiven Granit, nach einer Zeit waren sie jedoch mit Backsteinen verkleidet. Schwere Samtvorhänge und Wandteppiche schmückten das Mauerwerk, in kleinen rußgeschwärzten Nischen ruhten leere Fackelhalten und hin und wieder hing ein prächtiges Gemälde an der Wand, eingefasst in kostbare Rahmen aus Silber und gebeizten Kupfer. Wer immer hier leben mochte, war bestimmt kein armer Schlucker. Aber warum lebte dieser jemand dann in einer Höhle, mitten im Niemandsland? Entweder war er nicht nicht sehr gesellig oder er versteckte sich.
Knörx stolperte den schmalen Gang entlang und verfluchte innerlich ein um's andere Mal sein schweres Schicksal. Die Stricke schnitten schmerzhaft in seine Handgelenke, aber das überdeckte nur die anderen Schmerzen, die seinen Körper und Geist im Griff hatten. So viel hatte er noch nie auf einmal durchgemacht. Wenn das alles vorbei war, würde er sich wohl erstmal einen richtigen Urlaub gönnen. Falls das denn überhaupt enden würde.
Die Sorgentöter schritten voran, mit einem Seil war Knörx mit dem Waffenknecht George verbunden. Die Frau ging weiterhin als Spürhund voran, obwohl eigentlich klar sein sollte, dass es nur in eine Richtung gehen konnte. Der alte Krieger war wachsam wie immer, Knörx sah ihn keinen Moment ohne Helm. Die Beiden sahen ziemlich fertig aus. Die untoten Kreaturen hatten ihnen anscheinend schwer zugesetzt. Das war eine Chance für Knörx. Wenn sie unachtsam sein würden, könnte er vielleicht entkommen. Er würde auf jeden Fall bereit sein, wenn es soweit war.
Sie kamen an eine weitere Tür, diese war jedoch größer und massiver als die vorige. Die beiden Flügel durchschnitten beinahe den ganzen Tunnel. Ein roter Samtteppich begann kurz vor der Schwelle und führte allen Anschein nach in den Raum dahinter. Cedric ging zu der Tür, legte ein Ohr daran und lauschte. Nach kurzer Zeit entfernte er sich wieder davon und legte die Hand auf die Klinke.
"Der Weg scheint frei zu sein. Das muss das Labor sein." Er drückte die Klinke hinunter und öffnete die Tür. Knörx sah sich auf einmal völlig in Licht getaucht.
Die Sorgentöter
26.01.2005, 19:42
Knörx schien leicht geblendet zu werden, als sie die durch das Tor traten. Doch anstatt nun gleich ins Labor zu kommen, hatten sie einen weiteren Gängen vollgestopft mit langen, teuren Wand- und Bodenteppichen und einigen Gemälden betreten. Statt Fackeln hingen nun jedoch kleinere Laternen an den Wänden, die alles erhellten und den einen oder anderen Bilderrahmen zum Glänzen brachten.
Als sie weitergegangen waren, waren zu jeder Seite immer wieder Öffnungen gekommen, die in weitere Zimmer führten. Wahrscheinlich war das hier die eigentliche Wohnung des Magiers. Da waren dann unter anderem ein großes Wohnzimmer mit Kamin (Wobei allerdings auch fraglich war, wohin der Rauch denn inmitten des Felsens überhaupt abziehen sollte.), eine gut ausgestattete Küche, ein Arbeitszimmer mit vielen, bis oben angefüllten Regalen und diverse andere Räumlichkeiten gewesen. Insgesamt musste man sagen, dass der Magier tatsächlich einen recht guten Geschmack haben musste, auch wenn manche Stellen der großen Wohnung durch die vielen Läufer, aufgehängte Tiertrophäen und Gemälde ein wenig kitschig wirkte. Vom Labor fehlte bisher aber noch jede Spur.
Natürlich untersuchten die Sorgentöter zuerst noch jeden Raum, an dem sie vorbeikamen, auf mögliche Feinde oder Geheimtüren, damit sie am Ende nicht auch noch von Hinten angegriffen werden konnten. Hier und da waren ihnen ein paar Skelette und einige der Tonfiguren begegnet, die, bis auf die, die es geschafft hatte tiefer in die Wohnung zu fliehen, alle schnell erledigt wurden. Aber wirklich auf einen Kampf an diesem Ort schien es der Magier nicht angelegt gehabt zu haben, sonst wären sie wohl schon längst auf stärkeren Widerstand gestossen.
So sehr sie aber auch suchten, Geheimgänge oder ernstzunehmende Gegner waren einfach nicht zu finden.
Gerade hatten sie sich noch das letzte Zimmer angeschaut, welches im Gegensatz zu den anderen Räumen sehr schlicht eingerichtet und auch nicht besonders groß war, aber auch wieder nichts gefunden. Ein Kleiderschrank und ein Bett stellten das Möbeliar des schon beinahe winzigen Zimmers dar und der einzige Prunk den man finden konnte, war ein wunderschön gemaltes, aber schon ziemlich altes Ölgemälde über dem Bett. Dargestellt wurde eine Gruppe von etwa 10 bis 13 jungen Menschen, die alle sehr vergnügt aussahen. Ihrer Kleidung nach zu urteilen, befanden sich sowohl arme als auch reiche Menschen und Kämpfer und Magier unter ihnen. Eine Gruppe Abenteurer, wie Cedric vermutete. Aber es musste schon ewig her gewesen sein, dass dieses Bild angefertigt worden war und wenn überhaupt noch jemand von der Gruppe am Leben war, musste er schon steinalt sein.
In der Wand des Flurs, an dessen Ende sie nun angelangt waren, befand sich eine weitere Doppeltür, dei jedoch nicht ganz so massiv zu sein schien, wie die durch die sie in die Wohnung gekommen waren. Ein beißender, künstlich riechender Geruch ging von ihr aus. Wahrscheinlich würde sich dahinter das Labor befinden. Zum Glück schmerzte Cedrics Torso nicht mehr so, wie vor einem Tag noch.
Jeder überprüfte nun noch ein Mal seine Ausrüstung und George ließ alles unnötige Gepäck zurück. Sie waren bereit für den Kampf, und so durchschritten sie schließlich auch die letzte Tür.
Auf der anderen Siete angekommen, fanden sich in einem wirklich großen Labor wieder. Nach oben hin waren es sicherlich 5 Meter Abstand und wie weit es nach hinten und zur Seite ging, konnte man nicht wirklich erkennen, da überall sichtversperrende Glasbehälter standen, in denen sich eine schleimig wirkende, türkise Flüssigkeit befand. Manche der Behälter waren menschengroß, manche noch größer und wieder andere nur noch kleiner, so dass gerade mal ein Vogel hineingepasst hätte. Hin und wieder konnten sie auch etwas einstmals sicherlich Lebendiges in der Flüssigkeit treiben sehen, was in einer seltsamen Halterung aus Mettalstangen und Schläuchen befestigt war. In den Glasbehältern, die etwa der Größe eines Menschen entsprachen oder ein wenig größer waren, konnte man teilweise auch human anmutende Wesen erkennen, jedoch waren ihre Gliedmaßen oft auf irgendeine Weise verstümmelt oder durch die anderer Menschen (oder Tiere) ersetzt worden. Vielleicht misslungene Experimente?
Als sie mit einem Schauer auf dem Rücken, ausgelöst durch den Anblick der bemitleidenswerten Kreaturen, weiterginen, schienen sie die Mitte des Labors zu erreichen. Hier befand sich ein großer Stahltisch, auf den man selbst besonders schwere Lebewesen legen konnte. Einige eigenartige Arbeitsgeräte, die nur die Funktion zu haben schienen dem "Patienten" möglichst viele Schmerzen zuzufügen, und schließlich auch wieder ein riesige Zahl an scharfen Messern und Scheren waren auf ihm verteilt. Der Tisch war außerdem bis auf wenige Stellen von oben bis unten mit eingetrocknetem Blut überzogen, als hätte jemand darauf eine kleines Schlachtfest veranstaltet und anschließend vergessen, aufzuwischen. Das Erschreckendste waren aber weder die grausigen Arbeitsgerätschaften oder das viele Blut, sondern der große Haufen verwesender Herzen, in dem auch teilweise einige blutfarbene und im Inneren gebrochene Edelsteine befanden.
"Dämonenherzen." Sagte Elaine aufklärend. "Sie haben zwar nur noch einen Fingerhut voll ihrer einstmaligen Energie in sich, aber diese Macht ist so markant... Das können nur die Herzen von Dämonen sein. Größtenteils sind es niedere Wesen, aber auch einige früher scheinbar beachtlich Starke befinden sich auch unter ihnen. Übrigens, sehen sie diese Edelsteine? Das sind auch Dämonenherzen, allerdings besitzen sie keinerlei Energie mehr."
"Energielose Dämonenherzen... Aus allen möglichen Körperteilen zusammengesetzte Lebewesen... Will sich der Kerl etwa eine kleine Armee übermächtiger Dämonen aufbauen, oder was?! In den Tagebüchern stand etwas davon, dass er irgendetwas wiederbeleben will. Ich nehme an, er meint diese Wesen, oder was denken sie, Antares?" Fragte Cedric in Richtung der Wappenträgerin.
"Ja, das wäre sehr wahrscheinlich. Ein mächtiges Wesen wie die Bestie lässt sich womöglich nicht so gut kontrollieren wie viele etwas schwächere Wesen. Dafür kann man die Energie eines solchen Dämons aber gut dazu benutzen, andere zu stärken. Ich nehme an, er will der Bestie, sofern er es nicht schon getan hat, auch das Herz entfernen."
Hm... Moment, was ist das hier?" Der Hoch-Exorzist ging auf die andere Seite des Tisches, wo sich einige KLeidungsfetzen und anderer Kram befanden. "Der Besitz des Wirtes, oder was denken sie?"
Elaine schritt nun auch herüber zu der zerfetzten Kleidung und begann daran zu schnüffeln. Nach einiger Zeit war sie zu einem Ergebnis gekommen.
"Der Wirt hat mit diesen Gegenständen Kontakt gehabt, ganz sicher. Übrigens... die Bestie ist nicht mehr weit. Nur noch ein paar Meter entfernt."
Sofort setzte sich die kleine Gruppe wieder in Bewegung und kam schon wenig später vor einem sehr großen Behälter an, in dem ein nackter Mann trieb. An der Stelle, an der normalerweise das Herz saß, befand sich bei ein großes, dunkles Loch, in das viele Schläuche hinein führten. Neben dem Behälter war außerdem eine Pumpe aufgestellt, die von vier der Tonfiguren bedient wurde, und nur etwa 10 Schritte von den Sorgentötern entfernt stand ein dürrer Greis. Er hatte die Hand an das Glas gelegt und blickte verträumt zu der Gestalt herauf, die in dem Behälter trieb.
Erich hatte gewartet - tagelang sogar - und nun waren die elenden Störenfriede endlich da. Viele seiner Diener hatten sie vernichtet, auch die zwei Golems. Wahrlich... Sie mussten wirklich mächtige Krieger sein, doch mit ihm würden sie es nicht aufnehmen können.
Für diesen Kampf trug er wieder seinen alten Lederharnisch, sein altes Breitschwert und ansonsten nur einfach Kleidung. Er war hierfür auch ausgeruht und bis in die Fingerspitzen angefüllt mit Magie. Skelette und weitere Kreaturen standen für den Kampf zusätzlich schon bereit, und seine magischen Runen lagen gut greifbar in der Güteltasche, die er dem Halbdämon abgenommen hatte.
Momentan blickte er nur zu dem Wesen herauf, in welches er alle Hoffnung steckte. Ach, wie lange hatte er darauf gewartet. So viele Jahre und sie waren alle verronnen wie Minuten, doch die letzten Wochen waren ihm vorgekommen, als wären es Jahre. Ein deutlich hörbarer Schritt hinter ihm brachte ihn schließlich dazu, sich von dem Halbdämon abzuwenden und in Richtung seiner Feinde zu drehen.
Es waren zwei Männer, eine Frau und eine in eine metallene Rüstung gekleidete Person. Einer der Männer, der noch ziemlich jung schien, sah eher weniger gefährlich aus, war jedoch gefesselt. Ob sich die anderen vor seiner Kraft fürchteten?
Der zweite Mann, der auch noch relativ jung war, trug keinerlei besondere Rüstung oder besondere Waffen. Ein durchschnittlicher Kämpfer, wie sich Erich dachte, der allerdings eine erstaunlich hohe Zahl weiterer Waffen mit sich führte. Wahrscheinlich war er so etwas wie ein Träger oder ein anderweitiger Diener.
Die Frau, schien auch nicht viel gefährlicher zu sein als der Diener, jedoch ging von ihr irgendeine unheimliche Kraft aus. Erich wusste nicht, was es war, aber ihm zum Vorteil gereichen, würde ihm ihre Fähigkeiten sicher nicht.
Und dann war da noch das stählerne Ungetüm. Das würde wohl der dritte Mann sein müssen, von dem sein Diener ihm berichtet hatte. Bewaffnung und Rüstung nach zu urteilen war er die wahre Kraft hinter der Gruppe. Um ihn müsste Erich sich wahrscheinlich persönlich kümmern.
"So... seid ihr also doch noch hier angekommen, wie ich sehe." Begann Erich in scharfem Ton.
"Magier,", sagte der Mann in der Rüstung, "gib uns die Bestie, die du dort in deinem Behälter lagerst, und dir wird nichts geschehen, obwohl deine Dienerkreaturen versuchten uns zu töten!"
"Ach... ihr glaubt also wirklich, in der Position für Forderungen zu sein? Verschwindet! Ihr habt meine Diener getötet, auch wenn sie euch nicht attackierten und im Grunde genommen wehrlos waren. Doch auch ich habe Gnade. Versucht nie wieder mich zu behelligen und ich lasse euch das Leben."
"Das ist leider unmöglich. Außerdem wissen wir von deinen Plänen. Unsere Ehre und unsere Pflicht als Sorgentöter gebietet es uns, dich daran zu hindern."
"So? Ihr wisst also von meinen Plänen? Ja?" Erich begann leise und bitter vor sich hin zu lachen. "Ach, ihr würdet mein Handeln doch niemals verstehen, oder?" Der alte Mann schaute die Sorgentötern fragend an. "Nein, das würdet ihr nicht. Ihr seid zu verblendet vom Stolz und dem falschen Eifer, alles zu tun, um das "Böse" zu bekämpfen. Eure Herzen sind rein, das spüre ich... Aber hattet ihr niemals Zweifeln an dem, was ihr tatet? Doch, die hattet ihr..." Sagte Erich in Richtung des Kämpfers. Die Frau und der Diener blickten leicht überrascht zu ihm herüber.
"Das tut nichts zur Sache! Wir werden unseren Auftrag erfüllen, koste es, was es wolle!" Der Anfüher der Gruppe, brüllten nun schon fast.
"Aber wie wollt ihr eure Taten vor euch und zukünftigen Generationen rechtfertigen, wenn ihr nie die ganze Wahrheit kanntet? Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille und ich will euch genauso wenig Böses, wie ihr es mir wollt... Genauso wenig werde ich aber auch weichen. Also... Tut was ihr tun müsst, doch bedenkt auch die Konsequenzen."
"Gut, eure Wahl, Magier. Ihr werdet sterben!"
Die beiden Konrahenten zogen fast gleichzeitig ihre Schwerter, Cedric drang sofort auf seinen Gegner ein. Der Alte duckte sich geschickte unter dem ersten Hieb weg, für sein Alter war er recht gelenkig. Knörx sah gerade noch, wie er einen kleinen Stein von seinem Gürtel löste, als Cedric schon mitsamt seiner Rüstung ein paar Meter durch den Raum flog. In der Luft lag der beißende Geruch von Ozon.
"Narr!", sagte der Greis und lachte. "Glaubst du, mit tumben Draufhauen kannst du mich fällen?" Knörx duckte sich etwas weg, als der Mann die Hände gen Himmel warf, ein weiterer Stein befand sich bereits in seiner Hand. Plötzlich grollte und rumpelte die Erde wie bei einem Steinschlag, schmale Risse zogen sich über die weite Decke und Staub rieselte auf sie herab. Cedric hatte es mittlerweile mit Georges Hilfe geschafft, sich aufzurichten. Sein Brustpanzer war rußschwarz und dünne Rauchfäden stiegen von ihm auf.
Das Grollen hörte urplötzlich auf, dann öffnete sich der Boden an vier Stellen vor dem Magier und lodernde Flammensäulen wuchsen daraus empor. Langsam konnte Knörx erkennen, wie sich Gestalten in den Flammen bildeten. Es waren große, dunkle Wesen, mit Körpern wie große Maden und zwei Armen, die in fürchterliche Klauen ausliefen. Aus den Rücken wuchsen ihnen Flügel.
Der Magier sank erschöpft zu Boden, ein Lächeln umspielte jedoch seine Mundwinkel. Als er seinen Blick wieder Cedric zuwandte, war davon jedoch nichts mehr zu sehen. Die Flammensäülen waren inzwischen wieder verschwunden.
"Das ist meine wahre Macht!", rief der Magier und wies mit der Hand in die Runde der schrecklichen Geschöpfe.
Die Kreaturen wandten ihren Blick von ihrem Meister ab und ihren neuen Opfern zu. Einer der Dämonen blickte direkt in Knörx' Augen. In diesem Moment schoss Knörx jäh ein Schmerz durch den Kopf, wie er ihn noch nie erlebt hatte. Es wummerte und dröhnte und stach, doch erkonnte nichts dagegen machen. Und zu alldem vernahm er deutlich eine tiefe Stimme, die direkt aus seinem Kopf zu kommen schien:
"Ich bin die Dunkelheit."
Die Stimme war tonlos, ohne jede Emotion. Doch Knörx spürte förmlich den Hass, der von ihr ausging.
"Ich bin die Macht."
Von wo kam diese Stimme? Wer sprach da? Was machte er hier?
"Ich bin dein Tod."
Es war der Dämon. Er sprach in seinem Kopf. Er konnte den Blick nicht von dieser entstellte Kreatur lassen. Und sie kam näher.
"Das Tier erschlug den Menschen und er ging ein in Beliars Reich."
Er konnte sich nicht bewegen. Und es kam immer näher. Er musste fort. So schnell und weit wie möglich. Aber seine Beine wollten nicht.
"Stirb!"Schläfer, steh mir bei. Allmächtiger Schläfe, lass dein Licht über mich scheinen. Der Schläfer erwache!
Der Dämon zuckte zurück. Seine Klauenhände fuhren an seinen Kopf. Ein heftiger Schmerz schien ihn zu durchzucken. Knörx fühlte, wie seine Starrheit wie ein dunkler Mantel von ihm abfiel. Schließlich merkte er sogar, wie rings um ihn der Kampf tobte. Die Zeit schien kurz stillzustehen. Skelette waren da, sie drangen auf die Sorgentöter ein. Cedric zerschlug einen Gegner nach dem anderen, und kämpfte gegen zwei Dämonen gleichzeitig. Aus viele Wunden rann sein Blut. George schlug mit seinem Schwert eine Bresche durch die Knochenarmee, während Elaine vor einem Dämon reisaus nahm. Dieser zertrümmerte mit jedem Schlag einen Teil der Laboreinrichtung. Dann ging die Zeit schlagartig wieder weiter. Knörx sah sich um und enddeckte schließlich wieder den Dämon, der mit ihm gesprochen hatte. Er schien sich gerade von seinen Schmerzen erholt zu haben. Von Panik gepackt rannte Knörx davon in das Labor.
Mit einem Mal stand ein Skelett vor ihm, die Klinge hoch über den Kopf haltent. Aber Knörx konnte seine Geschwindigkeit nicht mehr bremsen und prallte mit dem Skelett zusammen. Knörx fiel der Länge nach hin, mit zusammengebundenen Händen konnte er nicht mehr sein Gleichgewicht halten. Er schlidderte ein kurzes Stück über den Marmorboden und stoppte erst an einer Säüle. Das Skelett hatte sich wieder hochgerafft, und ging auf ihn zu.
Warum war er schon wieder in so einer Situation? Knörx schoss der Gedanke schlagartig durch den Kopf und machte ihm seine Lage bewusst. Auf einmal war er gefesselt und in einem Labor voller Leichen und Leichenteilen, mit denen unausprechliche Dinge gemacht worden waren. Wandelnde Skelette wollten ihn töten, Dämonen ihn häuten und von Veilyn war keine Spur. Zudem war doch irgendein Magier, den er noch nie zuvor gesehen hatte und der ihn jetzt umbringen wollte. Und was war das für ein seltsames Wesen in dem großen Glas? Warum beschützte er es so sehr? Und was hatte Cedric gesagt? Er solle die Bestie rausrücken? Sollte das etwa Veilyn sein? Knörx schaute genauer hin. Das Wesen war einem Menschen sehr ähnlich, es war schlacksig und groß. Das Haar war kurz und schwarz. Und was war da mit seiner Brust? Wo war das Herz des Menschen? Sollte er am Ende noch leben?
Knörx spürte, wie sich Mut in ihm manifestierte. Was hatte dieser Typ nur gemacht? Menschen gefoltert? Das war einfach nicht möglich. Das durfte nicht sein. Nein!
Knörx Muskeln spannten sich an. Seine Wut kochte dermaßen in ihm hoch, dass er dachte, er würde verbrennen. Aber es war ihm gleich. Dieser Hund sollte leiden. Und wenn es das letzte war, was er tat.
Knörx Muskeln spannten sich mehr und mehr. Impulse schuüttelten seinen Körper, sein Gesicht war eine Fratze der Wut. Knörx konnte nicht mehr klar denken. Er wollte nur noch diesen Mann leiden sehen. Und selbst, wenn es nicht Veilyn wäre, er würde dafür büßen.
"AAAAaaaaaahhh!!!", schrie Knörx in den weiten Raum, er hörte sich an wie ein Tier. Doch er fühlte nichts, keinen Schmerz, keine Trauer, kein Mitleid.
Er nahm es kaum war, als seine Fesseln schließlich und der immensen Kraft, die er aufbaute, rissen und rannte los. Das Skelett fegte er mit einem Tritt beiseite und rannte weiter, immer den alten Mann in Blick, der sich inzwischen mit Cedric duellierte. Er würde dafür bezahlen! Sie alle würden es!
Die Sorgentöter
28.01.2005, 01:51
Unglaublich wie wendig dieser Magier doch war. Zwar war er im Kampfe nicht so gut wie Cedric, der den alten Mann anfangs stark unterschätzt hatte, jedoch noch ziemlich geschickt und reaktionsschnell, dafür dass er, vom Alter her gesehen, mit einem Bein schon im Grab stand.
Nachdem der erste Schlag des Hoch-Exorzisten sein Ziel verfehlt hatte, war von dem Magier direkt ein Feuerball hinter her gesetzt worden, der Cedric einige Meter zurückgeschleudert hatte. Im nächsten Moment hatte der Magier auch schon damit begonnen seine Schergen herbei zu rufen und aus allen Ecken des Labors stürmten plötzlich Skelette herbei. Zu allem Überfluss tauchten anschließend auch noch einige beschworene Dämonen auf, so dass den Sorgentötern nun auf einen Schlag klauenbewährte "Hände", rostige Klingen und hin und wieder auch das feurige Ausatmen eines Dämonen nach dem Leben trachteten. Jeder von ihnen hatte alle jetzt Hände voll damit zu tun, überhaupt selbst noch am Leben zu bleiben.
Cedric brach nun mit einem kräftigen Hieb durch die Reihen der Skelette und ließ die zwei niederen Dämonen, die ihn bisher bedrängt und zahlreiche Wunden zugefügt hatten, hinter sich zurück.
Um den Kampf am schnellsten gewinnen zu können, musste man der Schlange den Kopf abschlagen und genau das hatte der Sorgentöter jetzt vor. Zwischen ihm und dem Magier befand sich kein einziger Feind mehr und der Weg war auch schon binnen wenigster Sekunden überbrückbar, da sollte es kein Problem darstellen den Magier schnell genug in einen Nahkampf verwickeln und besiegen zu können.
Den Feuerbällen und einigen kleineren Flammen, die der Kerl Cedric jetzt noch entgegen schleuderte, schaffte dieser mehr oder weniger gut auszuweichen oder sie nur die besonders gut gepanzerten Stellen treffen zu lassen. Schon trennte ihn nur noch ein einziger Hieb vom Ende des Kampfes.
In diesen letzten Sekunden dachte er noch einen kurzen Moment darüber nach, was der Alte gesagt hatte. Cedric hatte Zweifel gehabt, wie der Magier gesagt hatte, und das war auch wahr, denn es war doch ganz natürlich, dass man sich in über 3 Jahrzehnten des Tötens und Schlachtens von Mensch, Tier und Dämonen irgendwann auch ein Mal fragte, ob das, was man tat, wirklich richtig war. Bisher hatte sich Cedric diese Frage immer mit einem Ja beantworten können, aber diese Magier war irgendwie anders, als die größenwahnsinnigen Wichte die der Hoch-Exorzist bisher erschlagen musste. Zwar war der Typ wie jeder andere seiner Sorte wahrscheinlich genauso größenwahnsinnig, da er sich ja schließlich eine Armee höherer Dämonen zur Eroberung der Insel versuchte aufzustellen, und vielleicht handelte es sich bei dem Gesagten auch nur um eine List, aber diese Ruhe und unterschwellige Friedfertigkeit, die von dem Mann ausging, war schon irgendwie erschreckend. Aber genauso, wie er friedfertig und unschuldig aussehen konnte, so konnte er auch rasch ein anderes Gesicht aufsetzen. Ein Gesicht voller Zorn und dem Willen alle Störfaktoren erbarmungslos zu beseitigen.
Na ja, bisher hatte der Sorgentöter aber alle seine Feinde nur in bösartiger Rage, verblendet von der eigenen Macht oder "zerfließend" und flehend aus Angst vor dem Tode vorgefunden. Der Magier aber war von Anfang an standhaft und beherrscht gewesen. Die Stimme hatte zwar einen harschen und befehlenden Ton gehabt, aber... Cedric konnte es sich einfach nicht erklären, obwohl der grauhaarige Alte großen Zorn gegenüber ihnen gehabt hatte, hatte er ihnen gewährt ohne weitere Gewaltakte zu gehen. Warum nur?
Doch Befehl war Befehl und Cedric würde den Seinen bis zum Schluss ausführen. Er durfte sich nicht von den trickreichen Täuschungen des Magiers überlisten lassen, dann war der Sieg schon gekommen!
Der Schlag wurde endlich vollendet und sauste nun mit tödlicher Geschwindigkeit auf sein Opfer zu. Der Magier würde keine Chance mehr haben, zu entkommen oder anzugreifen, dafür war die Klinge zu schnell, doch immer noch schien der Alte ziemlich selbstsicher zu sein.
In alle Richtungen spritzend flog mitten im Schlag, der abrupt zum Stoppen gekommen war, eine erkleckliche Zahl Eissplitter durch die Luft, denn eine große Menge kleiner Eiskristalle war urplötzlich zwischen Cedrics Klinge und deren Ziel gekommen. Vermutlich hatte der Magier diesen eisigen Schild, den es durch die auf ihn eingewirkte Kraft nun nicht mehr gab und der die Klinge soweit gebremst hatte, dass es kinderleicht war ihr auszuweichen, im letzten Augenblick noch beschwören können.
Und schon schoss dem Hoch-Exorzisten, der seine Arme gerade noch so zum Schutze hochreißen konnte, eine riesige Stichflamme entgegen. Er wurde nun wieder einige Meter zurück geschleudert, jedoch zusätzlich landete er auch noch direkt in der lauernden Masse seiner weiteren Gegner. Im ersten Moment hatte er selbst nicht gedacht, dass er daraus teilweise sogar einen Vorteil ziehen konnte, denn die vielen Skelette fingen ihn, seine verschmorte Gesichtbehaarung und seinen Schwung auf, so dass er auf den Beinen blieb und sofort wieder auf seinen Feind losstürmen konnte.
Doch der Magier wurde plötzlich von irgendwem oder irgendetwas zu Boden gerissen. Bei genauerem Hinsehen erkannte Cedric in dem wild zappelnden, menschlichen Knäuel Knörx, der versuchte auf seinen Gegner einzuschlagen. Tja, da hatte es der junge Kerl doch tatsächlich geschafft sich zu befreien und begriffen, dass es besser war, mit den Sorgentötern und nicht gegen sie zu arbeiten.
Länger konnte er sich diesen Gedankengängen jedoch nicht hingeben, denn schon kam die nächste Dämonenpranke auf ihn zu und Cedric musste sich wieder mit dem Kampf befassen.
Die Sorgentöter
29.01.2005, 03:20
Von den Skeletten war kaum eines noch kampffähig und George und Elaine mussten "nur noch" gegen zwei Dämonen kämpfen, doch für Cedric sah es nicht so gut aus. Seitdem der Magier ihn erneut von sich weg geschleudert hatte und von Knörx niedergerissen worden war, musste sich der Hoch-Exorzist erneut gegen zwei Dämonen und eine kleine Gruppe Skelette zur Wehr setzen.
Wenn diese verdammten Dämonen nur nicht so schnell wären, er hätte sie schon längst getötet, aber immer, wenn er nach ihnen zu schlagen versuchte, flatterten sie nur ein paar Meter weg und kamen dann mit einem schwungvollen Schlag zurück. Um eigene Verluste schienen sich diese Mistviecher aber nicht zu sorgen, denn die Skelette, die stets zwischen den Fronten der drei Kämpfenden standen, wurden einfach in Stücke gerissen, sollten sie zufälligerweise gerade den Weg für einen weiteren Schlag versperren. Nun, Cedric konnte das ja nur recht sein, schließlich erhöhten sich dadurch ganz unweigerlich seine eigenen Siegchancen. Aus dem Augenwinkel heraus konnte der Hoch-Exorzist nun erkennen, wie die anderen beiden Sorgentöter gerade einen ihrer Gegner gemeinschaftlich von beiden Seiten aufschlitzten. Na, dann stand es also doch nicht so schlecht um sie, wie Cedric erst gedacht hatte.
Durch den kleinen Triumph angespornt, kämpfte er nun noch verbissener und schon wenige Attacken später durchbohrte sein Schwert einen der zwei Dämonen. Unglücklicher Weise hing es dadurch nun aber auch in dem schweren, durch den Tod langsam in Flammen aufgehenden Dämonenleib fest und Cedric hatte arge Mühe nicht von den Schlägen des anderen Dämons getroffen zu werden, während er versuchte seine Waffe wieder aus dem vorherigen Gegner heraus zu bekommen. Schließlich gelang es ihm dann doch endlich und er stolperte vom eigenen Schwung mitgerissen ungelenk nach hinten. Im selben Moment schoss plötzlich ein kleiner, gleißender Blitzstrahl am Gesicht des Sorgentöters vorbei, was diesen dazu veranlasste sich nach zurückerlangtem Gleichgewicht sofort umzuwenden.
Der Magier hatte es geschafft, sich wieder aufzurichten und scheuchte Knörx nun mit den tödlichen Blitzen hin und her. Auch der Dämon, der nun näher an dem jungen Mann war, als an Cedric, bemerkte das und versuchte sich nun auf diese offensichtlich leichte Beute zu stürzen. Allein würde Knörx in dieser Zwickmühle wohl keine 10 Sekunden mehr überleben können. Cedric musste etwas tun und stürmte sofort auf den Magier zu. Zwischenzeitlich würde sich wohl Knörx um den verbliebenen Dämonen kümmern müssen.
Der erste Hieb schlug dem alten Mann seine magische Rune aus der Hand und der nächste zielte auf den Hals des dürren Kerls. Die Klinge trat tief ein - bis zum Brustkorb hin - doch es spritzte keinerlei Blut und auch der Magier verzog keinerlei Miene. Langsam begann die Illusion zu verblassen und ein heißer Schlag erwischte Cedric am Rücken. Der Feuerball hätte den Sorgentöter beinahe wieder zu Fall gebracht, doch schaffte er es gerade noch, sich so auf die Knie fallen zu lassen, dass er das Gleichgewicht behalten und sich anschließend sofort wieder aufrichten konnte.
Ein gellender Schrei ging plötzlich durch das gesamte Labor und ein Arm kam geräuschvoll neben Cedric auf dem Boden auf. Ein rascher Blick verriet ihm, dass George und Elaine auch ihren letzten Dämon getötet hatten, doch zu einem hohen Preis, denn der Wappenträgerin fehlte plötzlich der komplette linke Arm.
"George, nimm Elaine und verschwinde von hier! Wenn du glaubst, noch genügend Kraft zu haben, teleportiere dich mit einer der verbliebenen Schriftrollen zu Imbloc!" Sofort tat der Knappe, was sein Meister ihm auftrug und kramte in seinen Taschen nach einer der Schriftrollen. Wenig später hatte er sie gefunden, ließ einige Waffen für Cedric zurück und teleportierte sich dann mit Elaine aus der Höhle heraus. Ob sie es zu zweit und bei diesen Verletzungen schaffen würden, war ungewiss.
In der Zwischenzeit stürmte Cedric wieder auf seinen Gegner zu und durchbohrte ihn im nächsten Moment mit seiner Waffe. Als der Magier auch dieses Mal wieder zu verschwinden begann, wirbelte Cedric sofort herum und schlug auf die Person hinter sich ein. Ha! Als ob der selbe Trick zwei Mal funktionieren würde!
Doch auch diese Illusion verschwand sofort, als Cedric sie berührte. So ein Mist, aber auch, der Typ konnte schneller zaubern, als erwartet.
Indem er sich nun sofort nach vorne auf Knie und Arme fallen ließ, entging der Hoch-Exorzist knapp einem weiteren Feuerball, der seinem Kopf gegolten hatte. Die Attacke war von links gekommen und in genau diese Richtung ließ Cedric, der sich zum Schlagen gleich wieder bis in die Hocke aufgerichtet hatte, nun etwa 20 Zentimeter über dem Boden sein Schwert entlang wirbeln. Der Magier sprang hoch, um dem Schlag auszuweichen, doch da kam auch schon Cedrics freie Hand heran und packte den Kerl am linken Bein.
Mit einem dumpfen Geräusch kam der Magier auf dem Boden auf und konnte sich erst mal nicht rühren. Seine Runen lagen irgendwo am Boden verteilt und Cedric nutzte diese Gelegenheit, um über seinen Gegner zu gelangen und ihm ein für alle Mal den Gar aus zu machen.
Doch auch dieses Mal blieb ihm der Sieg verwehrt, denn kaum dass er zum Schlag ausgeholt hatte, da schlug auf einmal mit lautem Knall etwas sehr Hartes gegen seinen Helm und ließ ihn zur Seite und von dem alten Mann fort stolpern. Als er sich umdrehte, flogen ihm schon die nächsten Skelett-Knochen entgegen, die der Magier mit irgendeiner seltsamen Runen zum Schweben brachte. Diesen Moment der Paralyse seines Gegners ließ der Magier nicht ungenutzt und rannte, nachdem er wieder auf die Beine gekommen war, sofort zu der Feuerball-Rune herüber. Wenige Sekunden später befand sie sich wieder in seinem Besitz und begann damit einen neuen Feuerball zu beschwören.
Auch Cedric wollte gerade wieder losstürmen, doch etwas ließ ihn jäh stoppen. Ohne es zu merken waren er und der Magier direkt neben den Behälter gelangt, in dem die Bestie lagerte.
Er hatte nun die Wahl. Entweder er versuchte erneut mit geringen Chancen auf Sieg den listenreichen Magier zu töten und konnte dann in aller Ruhe die Bestie vernichten, oder aber er zerschlug den Behälter und die Bestie sofort mit einem Male. Die Entscheidung war schnell gefällt, denn Befehl war Befehl.
Mit lautem Krachen schlug die Klinge auf der durchsichtigen Behälterwand auf und Tausende kleiner Scherben flogen durch die Luft. Auch Cedrics Waffe war nun nicht mehr als ein sich in alle Richtungen verteilender Splitter Hagel. Um seinen Arm und die darin enthaltenen Knochen hätte es beinahe genauso schlimm gestanden, denn beinahe hätte die unglaubliche Energie Cedrics Arm in ein paar kleine, blutige Fetzen gerissen. Nun gut, wenigstens hatte er durch seinen Hieb den Behälter in seinen Grundfesten erschüttert. Überall bildeten sich Risse in der Behälterwand und mit einem lauten Knacken brachen plötzlich Stücke aus ihr heraus. Auf einer Seite war es besonders Schlimm, so dass die Behälterkuppel, die bisher nur gefährlich gewankt hatte, in diese Richtung fiel und am Boden in Millionen kleiner Teile zerfiel. Ein paar Sekunden später waren nur noch die Bestie, die Halterung, in der sie hing, und der Boden des Gefäßes übrig. Die Tonfiguren, die die Pumpe bedient hatten, lagen unter einem großen Teil der Behälterwand begraben.
Für einen kurzen Moment hatte Erichs Herz ausgesetzt, doch vermutlich hatte er davon gar nichts mitbekommen, so tief saß ihm der Schock über das, was er sah, in den Knochen. Die Rune in seiner Hand ließ er los und auch die Arme ließ er schlaff herabsinken.
Das was geschehen war, konnte einfach nicht sein! Nein... Das war unmöglich! Er hatte die Behälter doch extra mit einigen Schutzzaubern belegt, und nun das?! Nein! Nein! Nein! Das war einfach nicht möglich!
Aber er konnte sich nicht selbst belügen und so stand er einfach nur mit offenem Munde und ins Nichts starrenden Augen da und blickte auf den zerstörten Behälter. All die Jahre... All die Toten... Die ganzen Bemühungen... und doch umsonst. Das Ganze war einfach zu absurd, als dass der alte Mann in diesem Moment etwas empfinden konnte.
Die in eine schwere Rüstung gekleidete Person lag von der eigenen Kraft zurückgeworfen am Boden. Aber es war egal... Alles war egal... so bedeutungslos. Innerhalb weniger Sekunden... einfach so. Menschen, Dämonen, Freunde, Feinde, Liebe, Hass... Wie mit einem Fingerschnippen verschwunden...
Doch dann glitt sein Blick über die Scherben hinweg auf die Gestalt, die noch immer in der Halterung hing und mit Schläuchen verbunden war. Und jetzt erst realisierte Erich wirklich, was geschehen war. Der Hass auf den fremden Kämpfer und seine Vasallen, wurde jedoch sofort von gewaltiger Bestürzung verdrängt. Verdammt, was hatte er hier nur getan?
In den Behältern lagerten sie. Freunde, die alle an einem einzigen Tag verletzt, verstümmelt und getötet worden waren. Ja, er hatte versucht sie zu retten, aber wie sahen sie nur aus?! Manche hatten Teile anderer Menschen oder von Tieren, anstatt ihrer eigenen. Damit hatte er sie und ihre Körper retten wollen, doch zu welchem Preis? Wie viele mussten dafür leiden und wie viele sterben? Am Ende war er tatsächlich zu einem der Monster geworden, die er sonst immer beschwor...
Nun, für seine Freunde konnte er jetzt nichts mehr tun. Das Auswechseln der Energiequelle für die Körper und die Lebenserhaltungsbehälter, war so schon kompliziert und gefährlich genug, doch jetzt, nachdem die Verbindung mit einem Male gekappt war? Seine Diener pumpten nicht mehr, denn sie waren von einer großen Platte des Energiequellenbehälters erschlagen worden. Es gab aber noch jemanden, den man retten konnte.
Der Halbdämon war noch am Leben. Schnell eilte Erich zu ihm herüber.
Ach, was hatte er dem armen Kerl nur angetan? Schläuche, wo hin man sah und ein großes Loch in der Brust. Der alte Mann hätte ihn wahrscheinlich noch länger hier behalten. So lange, bis das Herz keine Energie mehr abgegeben hätte...
Erich hob unter großen Anstrengungen und nach einigen komplizierten Handgriffen den jungen Mann aus der Halterung heraus und legte ihn vor sich nieder. Anschließend begann er die Schläuche aus und von dem Körper zu lösen. Jetzt musste er nur noch die Löcher verschließen und sein Werk war getan. Eine Weile lang hielt er seine leicht leuchtende Hand über das große Loch in der Brust des Mannes und nach und nach begann es kleiner zu werden, bis es schließlich vollkommen verschlossen war.
Erich richtete sich wieder auf, atmete tief durch und schlurfte dann einem weiteren Behälter ganz hinten im Labor entgegen. Hinter sich konnte er hören, wie der Mann in der Rüstung sich wieder auf die Beine quälte.
In dem Behälter, den Erich nun erreichte, trieben die schemenhaften Umrisse einer jungen Frau. Inge war ihr Name. Trübsinnig setzte sich Erich auf den Boden und lehnte sich gegen den Behälter. Die Frau ließ er dabei aber nie aus den Augen.
Ach, seine geliebte Inge. Sogar im Tode wirkte sie noch so bezaubernd, wie vor 50 Jahren, als sie kurz vor dem Kampf gegen Stray gestanden hatten... Ach, dieser verdammte Magier, er war an allem schuld! Er hatte sie getötet - alle mit einander, einen nach dem anderen. Nur Erich war damals mit dem Leben davon gekommen.
Das Schlimmste daran war, dass er sich nie bei Inge hatte entschuldigen können. Ihr Herz hatte er gebrochen, kurz vor dem Kampf. Und warum? Weil er adlig war... Verdammt, er hatte sie doch auch geliebt und doch hatte er es nicht geschafft über die Grenze zwischen ihren Klassen hinweg zu kommen. Ein Adliger und eine Bauerntochter, das passte doch einfach nicht!
Erich blickte nun wieder in Richtung des jungen Mannes, den er so schändlich als Energiequelle missbraucht hatte. Der alte Kämpfer in der Rüstung, würde ihn wahrscheinlich umbringen...
"Ach... Inge verzeih mir. Ich hatte euch doch nur retten wollen! Dass ich zu so einem Monster werden würde... Und noch immer komme ich nicht aus dieser Rolle heraus. Bitte verzeih mir! Mein Zorn auf diesen Mann dort, der meint das Richtige zu tun und im Namen des Guten mordet, ist noch immer vorhanden. Ich bin ihm dankbar dafür, dass er es endlich zu Ende gebracht hat... Doch mein Traum... ihr solltet wieder leben und ich stand so kurz davor... Verzeih mir Inge... Verzeiht mir Freunde... Mein Morden darf nicht weitergehen, doch... dieser Mann dort wird sterben!"
Erich begann nun damit unverständliche, scheinbar rituelle Sätze vor sich hin zu sprechen.
Und dabei hatte er doch gehofft, sie nicht einsetzen zu müssen...
Knörx lag am Boden, der inzwischen verkohlte Fetzen Stoff, der ihm um den verbrannten Oberkörper lag und mal sein Hemd dargestellt hatte, riss er sich vom Leib, als er sich langsam und unter Qualen aufrichtete. Sein Bart, der über lange zeit gewachsen war, hatte sich in kurzer Zeit ziemlich aufgelöst, als der Feuerball des Magiers ihn im Gesicht getroffen hatte. Der wiederlich-süße Geruch von verbrannter Haut und Haaren lag in der Luft. Dieser alte Mann war einfach zu stark für ihn. So sah also Magie aus, wen sie im direkten Kampfeinsatz war. Einfach schrecklich, was das alles ausrichten konnte. Er konnte sich nicht erinnern, jemals einen Baal des Lagers zaubern gesehen zu haben. War die Magie des Schläfers auch so verhehrend? Jemanden bei lebendigen Leib zu verbennen, das war einfach schrecklich. Knörx hatte es ja am eigenen Leib erfahren, wie sehr so etwas schmerzte. Doch zu seiner Überraschung empfand er von dem einstigen Schmerz kaum noch etwas, nur das Brennen, das er sowieso schon von seinen anderen Wunden kannte. War er nun schon so abgehärtet? Oder war es nur eine vorrübergehende Empfindungslosigkeit, die bald aufhören würde? Was auch immer es war, es wäre auf jeden Fal besser, wenn er jetzt aufstehen würde. Vom Rumliegen wurde nichts besser.
Mühsam rappelte er sich hoch und versuchte auf den wacklgen Beinen zu stehen. Noch eben gerade war er voller Wut auf den alten Mann losgegangen, jetzt empfand er gar nichts mehr. Woher war seine ungeheure Kraft gekommen, die Fesseln zu zerreißen? Sowas hatte er sich garnicht zugetraut. Aber jetzt fühlte er sich ausgelaugt, seine Kraft war versiegt und schien ein bisschen seiner alten mitgenommen zu haben. Müde taumelte er etwas durch die Gegend, sein Geist schien noch Teile seines Verstandes zu überdecken. Langsam kamen aber seine Gedanken wieder in's Rollen. Er schien kurz bewusstlos gewesen sein, auf jeden Fall hatte sich die Kampfszenerie verändert. Von den Skeletten war nichts mehr zu sehen, sie hatten wieder die Form, die ihnen zugedacht war: Knochenhaufen. Hier und da lagen auch ein paar große Aschehaufen, die immer noch rauchten. Knörx konnte keine Dämonen sehen, aber auch die Sorgentöter schienen fort zu sein. Wie lange mochte er geschlafen haben? Doch dann drang das Geklirr aneinander scheppernder Waffen an sein Ohr. Als er sich umdrehte, sah er Cedric, wie er gegen den alten Magier kämpfte. Der alte Sorgentöter schlug wild nach dem Mann, der sich plötzlich in Luft auflöste. Cedric war plötzlich umgeben von vielen Abbildern des Magiers, er schlug auf einen nach den anderen ein, aber alle verblassten nach dem ersten Schlag. Feuerbälle surrten durch die Luft und ehe man sich versah, hatte der Sorgentöter seinen Feind schon auf den Boden gebracht. Doch plötzlich erhoben sich die Knochen der Haufen um sie herum und gegannen auf Cedrc prasseln. Der Magier rappelte sich hoch und rannte zu seiner Rune herüber, die er auch gleich einzusetzen versuchte. Doch der Sorgentöter ging nicht in einen Angriff über, er hielt nur kurz inne und hieb dann mit voller Wucht gegen den Behälter, in dem der schlacksige Mann lag. Unter ohrenbetäubenden Krach zerbrach der mächtige Zweihänder des Exorzisten, welcher zusammen mit seinem Besitzer durch die Wucht des Rückschlags zu Boden geschleudert wurde. Tiefe Risse zogen sich durch die ganze Kuppel, dann kippte der Behälter und fiel um. Der alte Mann wirkte wie ausgewechselt, er stand nur da und starrte fassungslos auf den zerstörten Behälter. Langsam und vorsichtig humpelte Knörx näher ran. Der Magier hiefte inzwischen den Mann aus seiner Halterung. Kein Zweifel, das wahr Veilyn. Jetzt, wo Knörx sein Gesicht sehen konnte, war er sich ganz sicher. Er blieb stehen, sein Atem stockte. War er nun tot? Warum regte er sich nicht?
Sein Blick fiel auf das Loch in der Brust seines alten Freundes und ihm wurde mulmig. Was hatte man mit ihm gemacht? Der Alte legte nun behutsam die Hand auf die Wunde des Verletzten, welche sich nach und nach zu verkleinern schien. Dass die Magie zu so etwas fähig war, das war viel erstaunlicher als das Umher-wandern-lassen von Skeletten oder das Schleudern von Feuerbällen. Als die Wunde schließlich nicht mehr sichtbar war, entfernte sich der Mann von Veilyn und ging langsam weg zu einem anderen Glaskasten. Eine Frau trieb in der Flüssigkeit darin. War das der Grund, weswegen er Veilyn gebraucht hatte?
Doch Knörx schreckte sofort aus seinen Gedanken auf, als er ein Keuchen vernahm. Es kam von Veilyn. So schnell er konnte humpelte er zu ihm hinüber, beachtete gar nicht erst Cedric, der aufgestanden war und eine seiner Waffen nahm. Veilyn lag am Boden und spuckte die Flüssigkeit aus, in der er gelegen hatte. Er sah noch genauso aus, wie er ihn in Erinnerung hatte. Schnell kniete er sich neben ihn.
"Veilyn!", sprach er zu ihm. Die Augen seines Freundes waren nur leicht geöffnet, der verklärte Blick schien ziellos umher zu schweifen. Knörx nahm seine Schultern und rüttelte ihn.
"Veilyn! Wach auf, Veilyn!" Der Blick von Veilyn wanderte noch etwas umher, schließlich blieb er auf Knörx' Gesicht liegen. Seine Lippen schienen ein Wort zu formen, aber es kam kein Laut hervor. Sein Blick wanderte an einem Punkt neben Knörx' Kopf, die Augen weiteten sich kurz und kaum merklich, dann vielen sie zu. Reflexartig sah Knörx hinter sich. Vor ihm stand der alte Sorgentöter, in der Hand einen großen Streithammer, sein Blick lag auf dem Gesicht Veilyns.
"Geh aus dem Weg.", sagte er mit kalter Stimme zu Knörx. "Ich muss den Dämon vernichten."
"Das wirst du nicht!", entgegnete Knörx laut und drehte schützend seinen Körper vor Veilyns. "Wenn du ihn töten willst, musst du mich auch töten."
"Ich wünschte, ich müsste das nicht tun. Aber du lässt mir keine Wahl."
Cedric nahm den Kriegshammer und hohlte weit aus. Ein Schlag mit dieser Waffe konnte Knörx den Kopf abreißen. Aber er war zu schwach zum Kämpfen und wenn er fliehen würde, würde dieser Typ einfach Veilyn zur Strecke bringen. Vielleicht könnte Knörx ihm noch ein paar wertvolle Sekunden verschaffen, wenn er sich für ihn opferte. Auf jeden Fall war er auf den Tod gefasst. Wenn er Schläfer wollte, dass das sein Ende sein würde, dann sollte es so sein. Er würde auf jeden Fall nicht winseln vor diesem Bastard. Knörx schloss die Augen. Seine letzten Gedanken sollten dem Schläfer gebühren, desshalb stimmte er im Geiste ein Gebet an.
Dann schlug Cedric zu.
Das Klirren von Metall auf Metall ließ Knörx hochschrecken. Er sah den Sorgentöter, wie er schreiend mit einer Hand auf's Gesicht gepresst davontaumelte. Dann sah er den großen Mann, der neben ihm stand. Er sah aus wie ein ganz gewöhnlicher Mensch, doch sein Körper schien aus schimmernden Stahl zu bestehen. In seinen Händen lag ein großer Zweihänder, an dessen Klinge Blut klebte. Vor Knörx lag der schwere Kriegshammer des Sorgentöters. Der mit Metallstreben verstärkte Schaft war einfach durchgehackt worden und achscheind hatte der Stahlmann dem Sorgentöter gleichzeitig einen Streich quer über das Gesicht verpasst.
Mit eintöinger Langsamkeit setzte sich Stahlmann in Bewegung auf den Sorgentöter zu, welcher sich auf die Schnelle den verrosteten Zweihänder eines Skelettes beschafft hatte. Doch Knörx versuchte lieber, die Gunst der Stunde zu nutzen und machte sich daran, den bewusstlosen Veilyn hochzuhiefen.
Nach mehreren Versuchen hatte er es schließlich geschafft. Veilyn lag auf seinen verbrannten Schultern und Knörx schleppte sich mühsam und schwer keuchend durch das Labor. Hinter sich vernahm er die Geräusche von Kämpfen, aber er beachtete sie nicht. Stoisch schleppte er sich und Veilyn durch den großen Raum Richtung Ausgang. Als er die große zweiflüglige Tür durchschritt, die immer noch offen stand, erspähte er sogleich einige weitere Stahlkrieger, die langsam auf ihn zu kamen. Schnell zerrte er Veilyn in einen Seitenkorridor und durch eine Tür in ein bis auf einen kleinen Schreibtisch, einen Sessel und einigen Bücherregalen leeres Zimmer. Er legte Veilyn auf den Sessel und machte sich gleich daran, eines der Bücherregale umzuschubsen und vor die Tür zu schieben. Dann sank er erschöpft gegen eine Wand. Ein paar seiner Wunden waren aufgebrochen und die Müdigkeit kroch langsam in ihm hoch. Aber die Hauptsache war, dass sie erstmal in Sicherheit waren. Die Frage war nur, wie lange noch.
Veilyn Odeseron
30.01.2005, 23:20
Wie ein Stein fiel Veilyn die Klippe herab und in seinen Ohren konnte er immer noch das hysterische Kreischen Terruels hören. Als er wenige Sekunden später aufschlug, wurde es schwarz um ihn herum.
Einen Moment blieb er, ohne an irgendetwas zu denken, so liegen. Doch dann fühlte er sich plötzlich, als wären seine Lungen mit Wasser oder sonst irgendeiner Flüssigkeit gefüllt, und er begann heftigst zu husten und zu spucken, um wieder richtig atmen zu können.
Als er nun langsam die Augen öffnete, bemerkte er nach dem ersten Blinzeln, dass er sich nicht mehr in der Wildnis befand oder irgendetwas die Sonne verdecken musste. Im nächsten Moment begann jemand ihn heftig zu schütteln und ihm irgendetwas zu zu rufen, allerdings kamen nur gedämpft klingende, unverständliche Laute zu ihm durch.
Hm, wenn man sich diesen Ort nun aber so recht besah, könnte man fast meinen, sich in einer großen Höhle zu befinden, doch wie sollte das funktionieren? Gerade eben hatte er sich doch noch in den Tod gestürzt und nun sollte er sich in irgendeiner Höhle oder eine Haus befinden? Das war doch lächerlich. Obwohl, was wenn dies das Jenseits war? Gut beleuchtet war dieser Ort nicht, und wer mochte laut dem Volksmund die Dunkelheit? Genau, Beliar.
Das hieß also, dass das hier der Ort war, an dem man hinkam, wenn man starb... Eigenartig, Veilyn hatte zwar nie eine feste Vorstellung vom "Leben" nach dem Tod gehabt, aber dass es sich in Form eines großen, dunklen, kalten Steinraumes präsentieren würde, hatte er nicht erwartet.
Nun betrachtete er die Gestalt, die ihn da so heftig schüttelte. Moment mal, war das nicht Knörx?
'Also bis du doch Tod...' hatte Veilyn, sagen wollen, doch er schaffte es einfach nicht, Lippen und Zunge dazu zu bringen, sich so zu bewegen, wie er es wollte und Worte zu formen.
Hinter Knörx baute sich eine stark angeschlagen aussehende Gestalt in Rüstung auf. Sie war mit einem großen Hammer bewaffnet, den sie wahrscheinlich gegen die beiden jungen Männer richten wollte. Hm, schon wieder eigenartig... Dass man in Beliars reich gequält werden konnte, davon hatte Veilyn ja schon gehört, aber noch einmal getötet werden? Das war schon irgendwie befremdlich.
Die Müdigkeit erlangte jedoch schon nach wenigen Sekunden erneut die Oberhand über ihn und die Augen schlossen sich wieder.
Wie Meeresrauschen drangen die wenige Worte Knörx' und der Gestalt zu ihm hrüber und nach kurzer Zeit gab es ein gedämpftes Knallen. Veilyn spürte wie man ihn scheinbar anhob. In Hast wurde er nun weggeschleppt, weswegen er wieder die Augen öffnete.
Überall an diesem Ort standen Glasbehälter, in denen die seltsamst anmutenden Dinge lagerten. Nicht weit weg von ihm stand die Gestalt in der Rüstung, deren Hammer nun aber am Stiel zerstört war, und die nun mit einem Streitkolben weiter kämpfte. Ihre Gegner waren drei mettalisch glänzende Männer, die nicht gerade schnell wirkten, ihre Schläger aber scheinbar mit enormer Wucht ausführen konnten. Neben den Kämpfenden befand sich eine nasse Plattform, an deren Rand einige Glasscherben aus dem Boden heraus ragten. Um sie herum lagen auch über all größere und kleinere Scherben verteilt.
Während er so von dem abgehetzt keuchenden Knörx getragen wurde, spürte Veilyn einen seltsam frischen Lufthauch zwischen den Beinen und auch sonst wirkte alles um ihn herum irgendwie ein wenig windiger und kälter, als sonst. Als Veilyn an sich herabsah, bermerkte er schließlich, dass er keinerlei Kleidung am Körper trug. Wieso waren dann bitte die Gestalt und Knörx angezogen? Herrschten im Jenseits etwa keine gleichen Rechte für alle? Tze, nicht mal mehr den Göttern konnte man vertrauen.
Es gab da allerdings auch noch eine andere Möglichkeit: Veilyn befand sich möglicherweise tatsächlich noch in der gewohnten Welt und war nach dem Aufschlag bis zu dem Zeitpunkt, da man ihn geweckt hatte, ins Koma gefallen. Hatte dieser Terruel etwa noch genug Kraft gehabt, um sich und Veilyn das Leben zu retten? Aber, dann... Dann lebte Knörx ja vielleicht noch und...
Veilyn wollte gar nicht mehr weiter denken. Diese Gestalt, die sich mit den seltsamen Metallmännern prügelte, hatte tatsächlich versucht sie umzubringen! Veilyn drehte es den Magen um. Hoffentlich verlor der Kerl den Kampf.
Die Umgebung wechselte nun. Statt noch immer durch den großen Raum mit den vielen Behältern zu laufen, waren sie nun in einem von kleinen Laternen erhellten und mit Bildern geschmückten Gang. Der Boden war mit einem großen, schön gemusterten Teppich bedeckt und wärmer schien es hier auch zu sein.
Knörx bog plötzlich in einen der vielen Räume ein, die von dem Gang abzweigten. Als Veilyn seinen Blick den Gang hinab richtete, sah er, dass sich ihnen 4 weitere Männer aus Metall näherten, was wohl der Grund für Knörx' hastigen Kurswechsel gewesen war.
Kaum dass sie nun den Raum betreten hatten, legte Knörx den noch immer ziemlich entkräfteten und müden Veilyn in einem Sessel ab und machte sich danach daran mittels einiger Regale den einzigen Zugang zu diesem Zimmer zu blockieren. Anschließend ließ er sich erschöpft gegen eine Wand sinken. Von draußen konnten sie noch die lauten Kampfgeräusche hören, doch sie interessierten Veilyn nicht mehr, denn schon im nächsten Moment war er trotz seiner Nacktheit und der gefährlichen Situation in dem weichen Sessel eingeschlafen und schlummerte seit langer Zeit wieder einen natürlichen Schlaf.
Die Sorgentöter
31.01.2005, 22:04
Scheppernd flog einer der stählernen Krieger quer durch das halbe Labor und knallte anschließend neben seinem leblosen Kameraden, dem der komplette Brutskorb aufgerissen worden war, gegen eine Wand. Kraftlos sank er zu Boden.
Cedric derweil hielt sich jedoch wackerer, als er selbst erwartet hatte. Zwar waren diese kämpfenden Stahlklötze extrem stark und bei der Ausführung ihrer Schläge präzise und geschickt, so dass ihre Schläge bei einem Treffer durch Waffe und Rüstung des Sorgentöters schneiden würden, als wären sie aus Butter gemacht, doch hatten die Kämfper den entscheidenden Nachteil, viel zu schwer zu sein. Ihr metallener Körper schützten sie zwar vor jeder normalen Attacke, doch waren sie dadurch auch nicht besonders schnell, so dass es Cedric sogar in seiner Rüstung leicht fiel ihren Schlägen auszuweichen, obwohl schon 4 dieser Wesen - zählte man die eben erst besiegten Gegner nicht mehr mit dazu - auf ihn einschlugen. Einziges Problem stellte es dar, durch ihre Deckung zu dringen, denn blockten sie einen Schlag, so half selbst ein "Prankenhieb" nicht mehr weiter.
Schnell duckte er sich nun unter einigen Hieben weg und schlug von der Seite her einem der Wesen das linke Bein unbrauchbar. Doch es war noch lange nicht besiegt und schlug nun humpelnd mit seinen Kameraden weiterhin auf den Sorgentöter ein. Hastig ging Cedric wieder auf Abstand und suchte nach der nächsten Gelegenheit, um einen Schlag anbringen zu können. Sie ließ nicht lange auf sich warten.
Gekonnt wich er den ersten beiden Gegnern durch schnelle Beinarbeit aus, duckte sich dann unter dem Schlag des Dritten hindurch und kam dann vor dem Humpelnden zum stehen, dessen Stich nur knapp an Cedrics linker Schulter vorbei surrte. Die Schläge des Sorgentöters war präziser, und so geschah es, dass der metallene Krieger schon bald einen klumbig geschlagenen Kopf und einen weit nach innen eingedrückten Brustkorb hatte.
Aber die anderen Gegner ließen auch nicht auf sich warten und deckten Cedric´sofort wieder mit einem neuen Schlaghagel ein, dem er dieses Mal nur mit knapper Not ausweichen konnte. Dies hatte allerdings auch zur Folge, dass er sich nun inmitten der kleinen Gruppe feindlicher Kämpfer befand. Keine besonders gute Lage, doch schaffte er sie zu seinem Vorteil zu nutzen und riss so einem seiner Feinde den stahlharten Körper von links oben nach rechts unten bis zu dem Punkt auf, wo normalerweise der Magen saß. Entkräftet brach auch diese Kreatur zusammen und Cedric fuhr herum, um dem nächsten Gegner den Kopf einzuschlagen. Es gelang, doch genauso gelang es dem letzten Gegner auch, ihm den linken Arm aufzuschlitzen. Die Wunde ging nicht tief, aber gefährlich und vor allem schmerzhaft war sie dennoch, so dass Cedric vor Schmerz brüllend von seinem Gegner davon stolperte und sich dann wieder zu ihm herumdrehte. Von der eigenen Wut getrieben, schlug der Sorgentöter nun wie nie zuvor am heutigen Tage auf seinen Gegner ein und brachte auch ihn schon bald zu fall.
Müde und überanstrengt ließ er sich gegen die Laborwand gelehnt zu Boden sinken.
Verdammt, er kämpfte jetzt schon über einen Tag, trug zahlreiche Verletzungen am Körper, war kurz vor dem Ende seiner Kräfte und die Bestie war drauf und dran mit diesem Knörx zu entkommen. Phantastisch... Aber er musste diesen Auftrag dennoch zu Ende führen. Anders ging es nun mal nicht.
Unter starken Schmerzen richtete er sich auf und trabte zu der Ausrüstung herüber, die George zurückgelassen hatte. Seine Hand griff nach einem der kleinen Fläschchen und hob sie auf. Nachdem er sie mit Hilfe des Mundes geöffnet hatte, schluckte er die in ihr enthaltene Flüssigkeit in einem Zug herunter.
Die Wunden hörten sofort auf zu schmerzen und alle seine Lebensgeister schienen in Cedrics Körper zurückzukehren. Natürlich war dies mehr eine Illusion, der in dem Trunk enthaltenen Drogen. Allerhöchstens die gröbsten Verletzungen waren geheilt worden und einen wirklich enormen Kraftzuschuss hatte Cedric auch nicht erhalten. Na ja, es würde aber wohl reichen, um die nächsten paar Stunden noch den einen oder anderen Dämonen zu Boden zu befördern.
Er machte sich nun daran, das Labor zu verlassen. Den Magier, der die Bestie gefunden hatte, konnte er nicht mehr sehen, scheinbar war er hinter irgendeiner geheimen Wand verschwunden, aber dem Hoch-Exorzisten konnte das auch egal sein, denn er stand nun schon wieder vier stählernen Kriegern gegenüber. Also gut... Ihn würden sie nicht mehr aufhalten. Ihn nicht!
Inzwischen war Knörx wieder etwas zu Kräften gekommen, er konnte sich wieder aufrichten und auf den Füßen stehen bleiben, aber auch das nur mit größter Mühe. Wenn er sie nicht brauchte, ließ Knörx seine Arme schlaff am Körper herunterbaumeln. Jede Anstrengung, sie hochzuheben, trieb ihm den Schweiß auf die Stirn, welcher wieder in seinen zahllosen Brandwunden schmerzte. Er musste aussehen wie zusammengeflickt. Mehrere tiefe Risse zogen sich über sein Gesicht, desgleichen war auch bei seinen Beinen, Armen und dem Torso der Fall. Seine Hände und sein Gesicht war mit getrocknetem Blut bedeckt, die verkohlten Reste seines Bartes waren kaum zu sehen. Jede Bewegung der Gesichtsmuskeln schmerzte und ein rasendes Stechen quälte seine rechte Brust. Er wollte schlafen, nur noch schlafen und nie wieder aufwachen. Doch damit wäre niemanden geholfen, nicht mal ihm selbst.
Er blickte hinüber zu Veilyn, der noch immer in dem Sessel lag und schlief. Er war immer noch nackt, desshalb nahm Knörx einen Wandteppich von der Wand und wickelte seinen Freund behutsam darin ein. Nach allem, was er jetzt von ihm gesehen hatte, müsste Veilyn halbtot sein. Doch er sah so gesund aus, wie ein Mann nur sein konnte. Sie würden sich wohl viel zu erzählen haben, wenn er wach war.
Draußen schepperte und klirrte es, der Kampf war wohl inzwischen in den Gängen draußen entfacht. Die wütenden Schreie des Sorgentöters hallten gedämpft surch die dicke Holztür, doch nach kurzer Zeit verstummten die Kampfgeräusche. Knörx konnte hören, wie jemand die Gänge entlang schritt und schließlich die Klinke der Tür heruntergedrückt wurde. Doch diese bewegte sich kein Stück, selbst nach ein paar Minuten nicht. Ein leises Summen erreichte sein Ohr, dann zersplitterte die Tür unter lautem Getöse und Holzsplitter flogen durch den Raum. In den rauchenden Trümmern der Tür stand Cedric, der alte Sorgentöter, ebenfalls völlig mit Blut besuhlt und mit zerbeulter Rüstung. In seiner Rechten hielt er einen Streitkolben.
Nun denn, ein weiteres Mal sah er sich dem Tod gegenüber. Es gab keine Chance zu entkommen und kämpfen war sowieso undenkbar, zumal sein Gegener viel stärker und er total entkräftet war. Andere würden sich angesichts solch einer Situation kreischend und wimmernd in eine Ecke verziehen oder flehendlich um ihr Leben betteln, aber Knörx hatte dem Tod jetzt schon zu viele Male in's Gesicht gesehen. Er hatte keine Angst davor. Das Jenseits konnte schließlich auch nicht schlechter sein als dieses Leben, wenn es denn überhaupt eines gab.
Der Sorgentöter blickte an Knörx vorbei auf den nicht mehr schlafenden Veilyn, der jetzt im Sessel lag und sich verwirrt umsah.
"Ich hege keinen Groll gegen dich", begann der Sorgentöter, als ob er auf eine Frage geantwortet hätte. "Aber das Wesen, das dir innewohnt, ist zu böse und zu mächtig. Verzeih mir also bitte. Aber womöglich vernimmst du meine Worte gar nicht mehr." Er wog den Streitkolben in der Hand, den festigte er seinen Griff und ging einen Schritt über die Trümmer. Plötzlich war Veilyn auf den Beinen, seine dünnen Arme umklammerten den Teppich, seine bloßen Füße zitterten auf dem kalten Steinboden, aber er blickte Cedric fest in die Augen. Was hatte er bloß vor?
Veilyn Odeseron
01.02.2005, 21:44
Veilyn wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, aber er wurde urplötzlich aus seinem tiefen Schlummer gerissen, als Tür und Regal, mit deren Hilfe Knörx den Zugang zu diesem Raum versucht hatte zu blockieren, unter einem gewaltigen Schlag zersplitterten und nur ein etwa großes Loch in ihnen zurückblieb. Die seltsame Gestalt von vorhin, Veilyn erkannte nun dass es ein Mann war, stand in der neu geschaffenen Öffnung und trat langsam ein.
Die Rüstung des Mannes und dieser selbst sahen noch mitgenommener aus als zuvor. Das Visier des Helmes war weggerissen, einige weitere Rüstungsteile fehlten oder waren nur noch zu einem kleinen Teil vorhanden und überall waren kleinere und größere Beulen zu sehen. Blut war auch eine ganze Menge auf dem Brustpanzer verteilt und der linke Arm hing schlaff, auch irgendwie zerquetscht wirkend vom Körper herab. Aber der Mann schien immer noch enorme Kräfte zu haben, denn den Streitkolben hielt der trotz seines furchtbaren Zustands noch fest in der Hand.
"Ich hege keinen Groll gegen dich... Aber das Wesen, das dir innewohnt, ist zu böse und zu mächtig. Verzeih mir also bitte... Aber womöglich vernimmst du meine Worte gar nicht mehr." Sagte er ruhig und begann dann langsam auf Veilyn, der ihm verängstigt entgegen blickte, zuzuschreiten.
Das... Das konnte doch nicht das Ende sein! Gerade eben, war Veilyn aus seinem "Koma" (oder in was für einen Zustand er sich auch immer befunden hatte) erwacht und diesem Typen entkommen, da konnte es doch nicht gleich wieder so schnell zu Ende sein!
Oder etwa doch?
Na ja, eigentlich sollte Veilyn glücklich darüber sein, dass man ihn und damit auch diesen Terruel endlich tötete. Aber nun, da er nicht mehr die unmittelbare Bedrohung Terruels spürte, und genug Kraft besaß, klar über das nachzudenken, was gerade geschah, jagte ihm die Vorstellung, gleich sterben zu müssen, unglaubliche Angst ein. Verdammt, es musste hier doch noch irgendwie eine Fluchtmöglichkeit geben. Irgendeine!
Aber der einzige Ein- und Ausgang war tatsächlich nur der gewesen, durch den der Mann in der Rüstung gerade getreten war. Ob Veilyn vielleicht wegrennen könnte? Vielleicht würde ihn der Kerl mit dem Streitkolben ja nicht mehr treffen können? Aber Veilyn verwarf den Gedanken genauso schnell wieder, wie er ihm gekommen war, denn aus diesem Raum gab es kein Entkommen mehr. Er war eine Todesfalle - auch wenn diese ein wenig besser eingerichtet war, als andere Todesfallen es normalerweise waren.
Gut, wenn es schon keinen anderen Ausweg mehr gab, dann musste es wohl so sein. Vielleicht konnte er ja wenigstens noch Knörx retten, wenn er nun aufstand und sich dem Mann mit seinem Streitkolben freiwillig stellte. Wer wusste schon, was mit denen gemacht wurde, die den Opfern des Kriegers halfen? Vielleicht war das, was der Kerl gerade gesagt hatte, warum auch immer, ja alles nur Täuschung gewesen.
Mit einem Mal stand Veilyn aus seinem Sessel auf und machte zitternd (und das nicht nur wegen der Kälte des Fußbodens), aber dennoch zielstrebig einen Schritt auf den Kämpfer zu.
"Gut... ", begann er nervös, "Du willst mich also töten. Ich weiß zwar nicht warum, aber ich habe es eingesehen. Es gibt kein Entkommen mehr für mich. Hier wird es also schließlich enden. Doch tu es bitte schnell. Ich will keinen weiteren Gedanken mehr an dieses widerliche Wesen namens Terruel verschwenden müssen. Einmal habe ich versucht mich umzubringen, um es auch mit in den Tod zu reißen, doch es misslang. Ein weiteres Mal, werde ich es wohl nicht schaffen, mein eigenes Leben selbst zu beenden. Also... töte mich! Ich will diesen Bastard mit mir nehmen, auf dass er nie wieder Leid über andere bringen kann."
Der Mann in der Rüstung stockte plötzlich. Scheinbar dachte er angestrengt über das Gehörte nach, doch dann brach es plötzlich aus ihm heraus:
"NEIN!!! Nein! ... Das... Das... ich meine... das... NEIN! Verdammt noch mal! Nein! DU... Du... du..." Er stockte erneut und schluckte ungläubig. "lügst nicht..." Ein bitteres Lachen fand nun seinen Weg aus der Kehle des Mannes heraus und wurde mit jeder Sekunde lauter. Den Streitkolben ließ er einfach zu Boden fallen, ohne sich weiter darum zu kümmern. "Die ganzen Jahre kein einziges Mal, und dann so was."
Sein Gesicht wirkte traurig und erfreut zugleich, doch nach einiger Zeit verlor sein Gelächter an Bitterkeit und der Mann setzte sich erschöpft, aber immer noch lachend auf den Teppich.
Veilyn und Knörx blickten immer noch überrascht auf den lachenden, alten Krieger. Alles hätten sie erwartet, nur das nicht.
Die Sorgentöter
01.02.2005, 23:48
Ach, das konnte es doch einfach nicht geben. Kein einziges Mal, aber auch wirklich kein einziges Mal, war Cedric in seiner Laufbahn einem von einem Dämon besessenen Menschen begegnet, der nicht irgendwann doch dem dämonischen Einfluss erlag und dadurch geistig vollkommen verkümmerte. Menschen, mit denen das geschehen war, besaßen keinerlei eigenen Willen mehr, sondern waren einfach nur noch die Schatten ihrer selbst und konnten leicht von den Dämonen unterdrückt oder gesteuert werden. Tja, und jetzt stand da dieser junge Mann und sprach mit eigenem Willen...
Hinter seinen Worten steckten weder dämonische Tücke, noch eine Lüge des Menschen, sondern schlicht und ergreifend die Wahrheit. Er wollte die Bestie bekämpfen, sich sogar selbst dafür opfern. Der Kerl war nicht willenlos... war kein Schatten seiner selbst mehr. Er war noch immer ein Mensch und er hatte sich gegen den Dämon in sich aufgelehnt.
Diese Erkenntnis hatte Cedric erst einmal verarbeiten müssen und deswegen zuerst gebrüllt, um den Schock zu überwinden, doch lange hatte er dafür nicht gebraucht. Schließlich hatte er es einfach nicht mehr unterdrücken können und plötzlich damit begonnen vor sich hin zu lachen. Halb enttäuscht, halb glücklich lachte er und setzte sich dann immer noch lachend auf den Boden.
Der Sorgentöter musste den Wirt nun nicht mehr umbringen, denn es gab einen anderen Weg.
War die Machtübernahme des Dämons noch im Anfangsstadium und der Wirt besaß noch seinen eigenen Willen, so konnte man es schaffen den Dämon zu bannen. Jeder Hoch-Exorzist besaß die Ausbildung dafür, allerdings wurde sie in hundert Jahren vielleicht nur ein oder zwei Mal eingesetzt. Nun, man konnte Dämonen dadurch in Gegenständen oder Räumen einschließen, das war relativ leicht, wenn der Dämon stark genug geschwächt war, doch diese Kreaturen der Dunkelheit in ein lebendes Wesen zu bannen, dafür benötigte es die Zustimmung des jeweiligen Lebewesens. Meistens war dies leider nicht möglich, denn ein Wirt ohne Willen konnte im Normalfall auch nicht mehr viel entscheiden.
"Weißt du... Veilyn... Ich meine, so heißt du doch, oder? Knörx hat dich jedenfalls vorhin so genannt... Na ja, du hast dir gerade dein Leben gerettet." Cedric lächelte dem immer noch ziemlich verdattert guckenden, nur in einen Teppich gehüllten Veilyn freundlich entgegen. "Du hast diesen ganzen Unsinn beendet, denn... es gibt noch einen anderen Weg, als dich und damit auch den Dämon zu töten."
"Aber... aber... aber..." Stotterte Veilyn hervor.
"Aber ja, natürlich, du musst verwirrt sein... Nun, du hast deinen freien Willen noch und das gibt mir die Möglichkeit den Dämon in dir zu versiegeln. Für eine gewisse Zeit jedenfalls..."
"Wie bitte? Ich... ich verstehe nicht. Gerade eben, wolltest du mich doch noch umbringen!"
"Ja. Das war nötig um den Dämon Terruel Duero Jalónn Huesca Mijares zu vernichten." Veilyn blickte ihn zwar nicht mehr ganz so verwirrt wie zuvor an, schien aber immer noch genug unbeantwortete Fragen zu haben. "Gut, vielleicht sollte ich ganz von vorn anfangen... Ich und zwei weitere Kämpfer wurden vom Orden der Sorgentöter ausgesandt, dich und den Dämon ausfindig zu machen und Letzteren dann zu töten, was tragischer Weise auch deinen Tod zur Folge hätte. Aber das waren annehmbare Verluste, denn der Gründer unseres Ordens, der ehrewerte Lord Geoffrey Karrington, hatte, wie es heißt, während seines Lebens einige ziemlich unangenehme Begegnungen mit Terruel und seitdem steht dieser Dämon ganz oben auf unserer Jagdliste. Aber wer oder was sind wir Sorgentöter überhaupt? Dämonenjäger.
Das Land, in dem wir leben, wurde einst von gewaltigen dämonischen Heerscharen überrannt. Chaos herrscht nun, wohin man geht, doch wir, die Sorgentöter, versuchen seit etwa über einem Jahrtausend diesen Zustand zu verändern, und jagen Dämonen. Niedere Dämonen werden von "einfachen" Soldaten als Armee vernichtet, jedoch gibt es natürlich auch besonders mächtige Dämonen, die nicht so einfach beseitigt werden können. Für solche Fälle gibt es Exorzisten und Hoch-Exorzisten, wie ich, Cedric Menkent, einer bin. Wir machen gezielt Jagd auf bestimmte Dämonen, stellen sie und bringen sie dann zur Strecke. Du warst mein nächstes Ziel und solltest im Grunde genommen den Höhepunkt meiner Karriere darstellen..." Cedric hielt inne und versuchte wieder etwas zu verschnaufen, denn der Kampf hätte ihn beinahe umgebracht und ihm einen großen Teil seiner Kräfte geraubt. "Tja, Terruel hatte allerdings kurz vor seinem Tod, über den wir nichts weiter wissen, als dass er durch andere Dämonen herbeigeführt wurde, irgendwie geschafft, Nachfahren mit einem Menschenweib in die Welt zu setzen, um für den Fall, dass er stirbt, seinen Geist in ihnen weiterleben lassen zu können. Du bist einer seiner Nachfahren. Das Besondere hierbei ist, dass nur männliche Nachfahren geboren werden, die für gewöhnlich ziemlich blass sind. Diese Form hat Terruel wohl am meisten gefallen."
"Aber, ich... bin nicht weiß oder anderweitig blass. Meine Hautfarbe ist braun."
"Dann nehme ich an, dass deine Vorfahren sich schon lange mit dunkelhäutigen Menschen fortpflanzen. Über die Generationen hinweg wird das Erbe des Dämons immer schwächer und der menschliche Teil beginnt nach und nach zu überwiegen. Wahrscheinlich ist der dämonische Teil in dir nur noch extrem schwach vertreten, obwohl der Dämon in dir immer noch sehr mächtig ist. Na ja, wie auch immer... es gibt einen Weg die Dämonen aufzuhalten, ohne ihren Wirt töten zu müssen." Nun erläuterte Cedric die einfache Alternative, die ihnen zur Verfügung stand.
"Das heißt also, ich könnte wieder ein ganz normales Leben führen?" Fragte Veilyn schließlich freudig erregt.
"Nicht ganz... eine Sache gibt es da noch. Du darfst den Gegenstand unter keinen Umständen verlieren! Trage ihn stets nah bei dir, am besten an einer Kette, sonst wirkt der Bannzauber nicht mehr... außerdem benötigen wir auch noch einen Gegenstand, um die Energie der Bannung fokussieren zu können. Der Gegenstand muss zu einem Wesen gehört haben, dass schon viele Menschen getötet hat, denn die "Seelen" oder irgendwelche anderen Kräfte der Toten - ich weiß ja noch nicht mal, ob es so etwas wie Seelen gibt - verstärken den Zauber und halten so den Dämon in Schach. Dieser Schutz hält einige Jahre oder Jahrzehnte, bis die "Seelen" schließlich ins... äh... Jenseits zurückkehren. Sollte der Bannzauber aber irgendwann zusammenbrechen, wird die Bestie, also Terruel, wieder an Macht gewinnen... In diesem Fall bitte ich dich, dich sofort zu dem Informanten, den wir Sorgentöter auf dieser Insel stationiert haben, zu begeben. Was das angeht, vertraue ich auf deine Vernunft... hoffentlich mache ich damit keinen Fehler."
"Aber, wie soll ich diese Person-"
"Ich werde dir, seinen Aufenthaltsort zeigen, falls ich das alles hier überlebe. Und wenn nicht... dann wird er dich wahrscheinlich finden. Na ja, aber jetzt", Cedric hielt kurz inne, um zu gähnen, "muss ich schlafen..." Ohne ein weiteres Wort kippte er schlafend nach hinten um.
Eine Weile ruhten sie sich noch aus, bis der alte Cedric wieder aufgewacht und zu Kräften gekommen war. Knörx war überglücklich, das der Horror anscheind sein Ende genommen hatte, doch ging ihm dies etwas zu schnell. Dieser Cedric schien ziemlich schnell seine Meinung ändern zu können. Aber es bestand eigentlich keine wirkliche Gefahr für sie. Wenn sie Cedric sie hätte töten wollen, dann würden sie bereits tot im Staub liegen.
Veilyn war der einzige, der sich tedelloser Gesundheit erfreute, Knörx undCedrix sahen aus wie gerade dem Grabe entstiegen. Aber dafür war veilyn ziemlich wackelig auf den Beinen, schließlich schien er sie Wochen lang nicht benutz zu haben. Doch nach und nach setzte ein neues Problem ein, und das war die aufkommende Kälte. Da alle Dienerkreaturen des Magiers entweder zerstört oder wohl mitsamt ihres Meisters geflohen waren, betrieb niemand mehr die verschieden Feuer. Langsam wurde die Temperatur wieder so, wie man es von einer Höhle tief in einem Berg im Winter erwartete. Deswegen rafften sie sich bald auf, um wieder Wärme in die Glieder zu bekommen. Am nötigsten brauchte Veilyn neue Kleidung, der einzelne Teppich war doch recht spärlich. Aber auch Knörx benötigte ein neues Hemd, da sein altes ja irgendwo zerfetzt im Labor lag. Irgendwie wurden alle seine Kleidungsstücke von irgendetwas in Stücke gerissen, es schien ihr Schicksal zu sein.
Als sie wieder aus dem engen Korridor in den Gang traten, erblickten sie ein Bild der Zerstörung: Demolierte Statuen und Lampenhalter lagen auf dem Boden, durch Bilder und Rahmen zogen tiefe Schnitte die meisterwerke an den Wänden, zertrümmerte Stahlsoldaten lagen verteilt auf dem zerrissenen Teppichboden. Dieser Cedric schien trotz seines Alters und seiner Angeschlagenheit ein formidabler Kämpfer zu sein. Als Knörx einen Blick in's Labor erhaschte, bot sich ihm eine ähnliche Szenerie. Die Glaskästen waren zerstört, die Knochen am Boden erinnerten an einen Friedhof und das diffuse Licht von verschiedensten Lichtquellen erhellte den Anblick nur matt. Sie betraten einen anderen Raum.
Dieser war mit einem bett, einer Komode, einem Kleiderschrank und weiteren Gemälden ausgeschmückt. Cedric ging zielstrebig zum Kleiderschrank und warf Knörx und Veilyn kurz darauf ein paar Klamotten zu. Knörx zog sich sein neues Hemd über, dass insgesamt etwas zu groß für ihn war, während Veilyn sich in die kurzen hosen zwängte.
Cedric sagte nebenbei: "Hast du irgendwelche Gegenstände gehabt, die für die Bindung des Dämons nützlichen wären? Etwas, dass du lange am Körper getragen ahttest und dessen besitzer viele Tode verursacht hat?"
"Ich weiß nicht", antwortete Veilyn, der gerade beim Anziehen das Gleichgewicht zu halten versuchte.
"Ich schau mal im Labor nach, vielleicht finde ich etwas von deinen Sachen."
"Das wäre nett, diese Kleider sind doch etwas beängend."
Cedric ging daraufhin nochmal in's Labor, während sich die beiden Sumpfler anzogen. Nach kurzer Zeit kam er wieder, in der Hand zwei Gegenstände.
"Erkennst du etwas davon? Das waren die einzigen Gegenstände, die ich bei den Labortischen finden konnte."
In seiner Hand befand sich ein amulett, dass dem Schläferzeichen in Knörx' handfläche ähnelte und ein vermutlich abgebrochener Zahn eines Raubtieres.
"Ja, die gehören beide mir.", sagte Veilyn, der die Hand bereits danach ausstreckte.
"Was ist das für ein Zahn?", fragte Cedric, der diesen näher vor die Augen hielt, sodass Veilyn in's Nichts griff.
"Äh...den hab ich mal bekommen, bei meiner Einhand-Prüfung. Der bescheuerte Novize sagte, er hätte ihn von einem Ork und das Zahnfleisch davon abgekaut..."
"Hm, das hört sich gut an. Der Zahn könnte ein gutes Medium für die Dämonenseele darstellen. Bist du einverstanden?"
"Äh...klar", erwiederte Veilyn, etwas Unbehagen lag in seiner Stimme.
"Nun gut, dann mache dich bereit."
Veilyn Odeseron
04.02.2005, 03:17
Veilyn hängte sich nun wieder die Orkzahnkette um den Hals und stellte sich in einigem Abstand gegenüber von diesem seltsamen, alten Krieger auf. Bevor der Kerl jedoch mit der "Bannung" anfing, goss er sich noch den gesamten Inhalt einer kleinen, roten Flache den Rachen hinab und warf den anschließend leeren Behälter achtlos hinter sich. Die rote Substanz schien ihm Kraft zu geben, denn kaum, dass sie in ihm verschwunden war, straffte sich seine gesamte Haltung wieder und er schien noch ausgeruhter als zuvor zu sein.
Der Mann hob nun seinen rechten Arm und hielt sich die flache Hand seitlich gedreht vors Gesicht. Ein Funkeln tauchte in seinen Augen auf, dann ließ er plötzlich die Hand nach vorne und auf den Orkzahn zu schießen, bis der Mittelfinger ihn schließlich berührte. Ein warmes Gefühl breitete sich kurz in Veilyns Körper aus, verschwand jedoch genauso schnell, wie es gekommen war.
"Ach... Das war's schon?" Fragte er überrascht an den alten Krieger gewandt, der kraftlos keuchend vor ihm stand. "Oh." Die Frage hatte sich erübrigt.
Es dauerte einige Minuten, bis der alte Mann wieder normal atmete und sich halbwegs erholt hatte.
"Ähm... nur nebenbei gefragt." Begann Veilyn. "Aber seid ihr sicher, dass diese zwei Schmuckstücke die einzigen Dinge waren, was ihr hattet finden können? Ihr habt nicht zufällig noch irgendwelche Runensteine gesehen, oder?"
"Runensteine?" Der Mann schien ziemlich verblüfft über diese Frage zu sein. "Nein, wtwas Derartiges habe ich leider nicht finden können. Vielleicht hat sie ja der Magier an sich genommen?"
"Na gut, dann ähm... äh..." Verdammt, Veilyn wollte partout der Name des Alten nicht einfallen.
"Cedric. Nennt mich einfach Cedric."
"Ah ja, gut... Cedric. Was meint ihr? Ähm... Sollten wir die Nacht hier verbringen?"
"Das könnten wir wohl tun, aber wirklich sicher fühle ich mich nicht. Wer weiß, was für Fallen der Magier hier für ungebetene Gäste wie uns aufgestellt hat. Vermutlich war es bisher nur Glück, dass noch keiner von uns in eine hineingetreten ist. Aber egal, vielleicht finden wir hier ja einige Karten und dadurch auch einen schnelleren Weg zurück zu anderen Menschen... die uns nicht umbringen wollen." Im nächsten Moment verließ Cedric auch schon schleunigst den Raum, trat hinaus auf den Gang und verschwand dann wieder in einem anderen Raum. "Wusst ich's doch, dass ich eine gesehen hatte. Kommt mal her!" Rief er ihnen durch die vielen Wände hindurch gedämpft zu.
Die Sumpfler ließen nicht lange auf sich warten und waren schon nach wenigen Sekunden bei Cedric angekommen, der vor einer etwa 1 m² messenden Karte stand.
"Hier, denke ich, sind wir." Sagte er nachdenklich und deutete auf eine kleine, schwarze Kreuzmarkierung auf der Karte. "Gut, dann ist das hier also die Stadt und hier befindet sich die Hütte von diesem Lawrence."
"Hm, das hier müsste das Sumpflager sein." Sprach Knörx schließlich unvermittelt und deutete auf den hellen Fleck, auf dem eine große Pyramide dargestellt wurde.
"Gut, wenn das dann also die Hauptwege der Insel sind, dann... Aha. Wir könnten in etwa zwei Stunden da sein, wenn wir diese Höhle verlassen und uns dann immer an der Felswand halten. Tss... Da sind wir mehrere kraftzehrende Tage lang bis hierher unterwegs und dann ist unser Ausgangspunkt nur einen Katzensprung entfernt. Sachen gibt’s..."
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, begann Cedric sofort damit die Karte einzupacken und etwas Proviant für die kurze Reise zusammenzusuchen. Schon nach wenigen Minuten stand er marschbereit im Gang.
"Aber... seid ihr nicht viel zu sehr verletzt? Und außerdem, was ist mit der Kälte? Und dieser Ort hier... ich meine... hier gibt es doch sicherlich noch die eine oder andere Kostbarkeit. Und auch so, wollt ihr euch hier nicht noch ein wenig umschauen?" Fragte Veilyn verunsichert.
"Keine Sorge, durch den Trank, den ich vorhin zu mir genommen habe, bin ich die nächsten Stunden stark, gesund und ausdauernd, wie ein junger Hirsch. Was die Kälte angeht, hier." Er warf ihnen ein paar Mäntel zu, die er scheinbar im Schrank des Magiers gefunden hatte. Er selbst trug einen eigenen Mantel. "Tja, und mich hier umschauen? Ich sagte ja vorhin schon, dass ich es hier für viel zu gefährlich halte, aber wenn du später noch mal hier vorbei schauen willst, kannst du das gerne machen. Allerdings warne ich dich, denn genauso wie mächtige Lebewesen die Eigenschaft haben, mächtige Gegenstände "anzulocken", so haben unheimliche und gefährliche Orte die Eigenschaft, unheimliche und gefährliche Lebwesen anzulocken. Du verstehst?"
"Äh, ich denke schon. Aber was wird aus eurer Ausrüstung?"
"Das Wichtigste trage ich schon bei mir, und der Rest? Der Rest ist ersetzbar. Können wir jetzt aufbrechen?" Cedric wurde immer ungeduldiger. Scheinbar behagte ihm dieser Ort wirklich nicht.
"Jetzt gleich? Na gut. Knörx denkst du, du schaffst das?"
"Werd’s schon schaffen, keine Sorge."
"Na, dann mal los." Sagte Cedric schließlich und setzte sich in Bewegung.
Der Weg durch die Höhle nahm glücklicherweise kaum Zeit in Anspruch und schon bald standen sie vor der Höhle im kalten Schnee und konnten zu dem sternklaren Himmel hinaufblicken. Doch damit hielten sie sich nicht sehr lange auf und schon bald verdeckten die dicht beieinanderstehenden Nadelbäume jegliche Sicht zu den Sternen. Erhellt wurde ihr Weg, auf dem hin und wieder auch einige Skelettknochen mit Schwert und Rüstung lagen, nur von dem kleinen Lichtzauber Cedrics.
Nach ungefähr drei Stunden erreichten sie dann endlich mit durchgefrorenen Knochen den Weg, der auf der Karte dargestellt wurde und den sie die ganze Zeit angesteuert hatten.
"So, hier trennen sich nun also unsere Wege." Cedric hatte endlich die Stille unterbrochen, die bisher zwischen den drei ungleichen Wanderern geherrscht hatte. "Die Hütte des Kontaktmanns befindet sich den Weg dort hinab. Irgendwann wird ein kleiner Pfad bei einem Teich und einer großen Buche von dem Hauptweg abzweigen. Dieser Pfad verliert sich irgendwann in der Wildnis. Wenn unser Kontaktmann dich dann noch nicht entdeckt hat, ist er wahrscheinlich tot oder nicht da. Falls das passiert, ist es wohl am besten, du wartest einige Zeit lang auf dem kleinen Pfad. Irgendwann wird er, falls er nicht tot ist, schon vorbeischauen, keine Sorge.
Oh, und noch etwas. Glaube ja nicht, dass die Sorgentöter dich jetzt für immer und ewig in Ruhe lassen werden. Terruel ist für den Orden viel zu wichtig, als dass man ihn einfach so bannen dürfte. Sie wollen den Dämon tot sehen, deswegen wird mir nichts anderes übrig bleiben, als zu behaupten, du wärst entkommen. Ich denke, meine Aussage wird man nicht besonders auf ihre Richtigkeit und ihren Wahrheitsgehalt kontrollieren, immerhin bin ich jetzt schon mehrere Jahrzehnte treu und ergeben. Und die dämonischen Kräfte bleiben ja auch so lange verborgen, bis der Bannzauber seine Wirkung verliert."
"Nun, aber, was wird aus meiner Familie? Wird bei denen nicht auch irgendwann mal einer von euch vorbeischauen um sie allesamt umzubringen?!"
"Falls das passiert, werde ich mein Bestes versuchen, die Nachfahren Terruels nur bannen zu lassen... Zum Glück habe ich einen ziemlich weitreichenden Einfluss."
"Nun, ich danke euch, aber... Warum tut ihr das alles für mich?"
"Sagen wir’s so: Mich hat dieses ganze Töten schon seit einer Ewigkeit... ähm, wie soll ich sagen... angekotzt. Ich habe mich schon länger gefragt, ob es nicht doch auch nach längerer Zeit noch Rettung für von Dämonen besessene Menschen gibt. Jedenfalls eine andere, als den Tod. Tja, und du hast mir gezeigt, dass es möglich ist. Dafür danke ich dir. Vielleicht werden in Zukunft sehr viel mehr Menschenleben gerettet, als zuvor, sollte sich diese Art der Dämonenbekämpfung durchsetzen können."
"Aha... dann… ich denke mal, auf Wiedersehen. Obwohl, eine Frage hätte ich da noch. Sie ist relativ persönlich."
"Na... fragt schon."
"Glaubt ihr an Gott?"
"Wie bitte?"
"Na ja, glaubt ihr an irgendein absolut höheres Wesen oder sogar mehrere dieser Art?"
"Oh... hehe... mich das zu fragen, ist vielleicht nicht so günstig, denn in Sammthain sind wir fast alle Atheisten. Allerdings gab es schon oft mächtige Dämonen, die vorgaben Götter zu sein. Wir haben jeden von ihnen vernichtet und weißt du... Ein Gott wäre für mich nur ein wahrer Gott, wenn er allmächtig ist. Irgendwelche Wesen, die besondere Macht besitzen und sich gegenseitig damit den Schädel einschlagen, sind für mich keine Götter. Ein wahrer Gott, würde seine Gegner einfach hinwegfegen können. Aber... das ist nur meine Ansicht. Seinen Frieden, was das angeht, muss jeder für sich selbst finden."
"Ich bin euch erneut zu danke verpflichtet. Und das obwohl wir uns kaum kennen... Wie auch immer, gehabt euch wohl und gute Heimreise."
Der kurze Abschied fiel noch ziemlich kühl aus, aber das war eigentlich jedem von ihnen egal. Hauptsache sie lebten noch. Knörx und Veilyn machten sich nun in die entgegengesetzte Richtung auf, um das Sumpflager zu erreichen. Derweil sprachen sie jedoch kein einziges Wort, obwohl es doch so viel zu sagen gab. Nun gut, vielleicht war das für den Anfang auch besser so.
Einige Meter den Weg Richtung des Pyramidentals hinauf, saßen auf den Zweigen einer alten Esche zwei kleine Kohlmeisen (http://www.sierra-arcanum.de/media/soundtrack/Arcanum.02.The%20Demise%20of%20the%20Zephyr.mp3). Interessiert blickten sie auf die zwei wandernden Gestalten herab, die sich den zugeschneiten Weg hinauf kämpften.
Als die eine von den beiden Gestalten, - ein schlaksiger, junger Mann mit wirren, schwarzen Haaren und hellbrauner Haut - die zwei Vögel bemerkte, blickte sie zu ihnen herauf und erwiderte ihren Blick. Sofort flogen die Tiere aufgeregt mit ihren Flügeln schlagend davon.
Die Dunkelheit der Nacht verschluckte sie schon nach wenigen Metern.
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