Azagur
15.06.2007, 21:45
Thema: Fantasy und Melancholie
Wer?
Das Land
Diese Welt, kalt und fest
Eisenspeere sich auftun
Hoffnungs letzter Rest
Im Grabe längst ruhn
Doch was wird es geben?
Dies die Frage ist
Wer wird froh noch leben?
Wer ein Leben trist?
Wo sind sie hin?
All die Wünsche und die Träume
Wer ist ihrer Kind?
Sie sind es, die ich versäume
Doch noch gibt es einen Weg
Er ist mir bestimmt
Des Hoffens gold’ner Steg
Für den, der ihn annimmt
Auf geht’s in ferne Gestirne
Haltet bereit euer Gepäck
Packt ein, Apfel, Brot und Birne
Denn schon bald sind wir für immer weg
Denn dort wo wir hinreisen werden
Gibt es Friede und auch Freude
Hoffnung wird hier nicht sterben
Eher die Angst, guter Leute!
Und so sehen wir dies schöne Land
Mit den Bächen, Flüssen, Seen
Den Dörfern, Städten ohne Schand’
Wir die Schöpfung könn’ nun verstehen
Es ist schön und so kommet jedermann
Dies Land ist für alle da
Es gibt nichts, was zu erreichen man nicht kann
Dieses Land besteht für jetzt und für immerdar
Dumak
Der Prinz und der Drache
Ein neuer Tag die Welt erreicht,
die Dunkelheit dem Lichte weicht.
Was gestern hoffnungslos erschien,
wird heute schnell vorüber ziehn,
hat Platz zu machen neuen Dingen,
von manchen werde ich nun singen.
Vor vielen Jahren, fern von hier,
in einer Zeit, als Mensch und Tier
noch sprachen mit der selben Zung
und die Welt noch schön und jung,
wuchs auf in einem fernen Reich
ein Jüngling, klug und schön zugleich.
Sein Name ist mir nicht bekannt,
auch der von jenem fernen Land,
des’ Thron sein Vater einst besessen,
ist heutzutage längst vergessen.
Nur noch ein ferner Widerhall
dringt durch des Vergessens Wall.
Doch alles ist noch nicht verklungen,
von alten Taten wird gesungen
und solang noch Menschen leben,
wird es diese Lieder geben.
Denn viele Dinge sind es wert,
daß man sie auch in Zukunft hört.
So laßt mich denn mein Lied erzählen,
nicht länger soll euch Neugier quälen.
Es geht um Liebe, Schmerz und Leid,
um Trauer und um Einsamkeit,
doch auch für Freude ist hier Platz
und gutem End’ im letzten Satz.
Der Königssohn, von dem ich sprach,
ihn plagte einst ein Ungemach.
Zu eng das Schloß des Vaters schien,
so bat er ihn: ›Oh laß mich ziehn,
zu sehn, was in der Welt passiert,
mein Herz nach Abenteuern giert.‹
Des Königs Herz jedoch fast brach
und unter großem Weh und Ach,
es hätt den Kummer nur vermehrt,
wenn er den Wunsch ihm hätt verwehrt,
ließ er ihn voller Trauer gehen.
Würd er ihn jemals wiedersehn?
Den Jüngling jedoch focht das nicht,
die Freude stand ihm im Gesicht.
Er schnallte um das Schwertgehänge,
stieg auf sein Roß und mit Gepränge
ritt er zum Tore dann hinaus
und verließ der Jugend Haus.
Lange führte ihn sein Weg
über manchen schmalen Steg,
hörte Wind in Wäldern rauschen,
tat so manchem Vöglein lauschen,
ritt über Brücken, schwamm im Fluß,
setzt’ hier- und dorthin seinen Fuß.
Erfuhr die größte Einsamkeit,
traf keinen Menschen weit und breit,
mußte gar in großen Städten
sich vor dem Gewimmel retten,
ritt über Wiese, Flur und Feld,
lernte kennen so die Welt.
Doch die Lust auf Abenteuer
brannte in ihm wie ein Feuer,
noch war nicht gelöscht die Glut,
die ständig nährte seinen Mut
und ihn trieb auf diese Weise
zu seiner langen, fernen Reise.
Und als er ruht auf einem Steine,
schlägt übernander Bein auf Beine
und er seine Rüstung lupft –
das Roß derweil an Gräsern zupft -
sein Schwert hell in der Sonne blinkt,
ein Vogel ihm ein Liedlein singt.
Da läßt er einen Seufzer fahren:
›Ach, nach wieviel langen Jahren
soll ich denn nach Hause gehen,
kein einz’ges Wunder ich gesehn?
Meine Reise war vergebens,
nur Verschwendung meines Lebens.‹
Da des Vogels Lied erklingt
und er in klaren Worten singt.
Der Prinz versteht es Satz für Satz,
wie er erzählt von einem Platz
umrahmt von Bergen hoch und steil,
nicht zu erklimmen ohne Seil.
Dort in einem tiefen Tal,
die Berge ringsum sind ganz kahl,
lebt ein Drache, alt und schlau,
gefangen hält er eine Frau,
ein einsam Mädchen, jung und schön,
läßt sie niemals von sich gehen.
Traurig klingen ihre Lieder,
doch sie singt sie immer wieder,
wenn ihr goldnes Haar sie kämmt
und die Spangen sie sich klemmt,
sitzt sie an eines Baches Quell
und ihre Stimme klingt so hell.
Der Jüngling hörte ganz gebannt,
dies Gefühl er nie gekannt,
lang schon war der Vogel fort,
doch er saß noch an diesem Ort.
Er ans Mädchen nur noch dachte
und sich auf die Suche machte.
Tags er suchte nach der Stelle
mit der ihm beschrieb’nen Quelle,
nachts er fiebrig von ihr träumte.
Unter ihm sein Roß sich bäumte,
wenn er es hastig trat mit Sporen.
War die Hoffnung schon verloren?
Schließlich er im Bergland stand,
keinen Weg von hier er fand,
irrte tagelang umher
›Nach Hause find ich nimmermehr.‹
Und sein Kopf sank in die Hände,
er erwartete sein Ende.
Stunden rannen, ungezählt,
lange er sich hat gequält
und sich nach Erlösung sehnte,
endlich sich im Himmel wähnte.
Sein Körper lag auf weichem Moos,
der Kopf auf eines Mädchens Schoß.
Lieblich einer Quelle Klang
plätschernd an sein Ohre drang.
Und das Mädchen sprach zu ihm:
›Eile dich, du mußt schnell fliehn,
verweile nicht und lauf schnell fort,
dies ist ein verfluchter Ort.‹
Ungläubig und voller Staunen
hört’ er sie die Worte raunen.
›Du schönes Mädchen, sage mir,
an welchem Orte bin ich hier?
Ich will nicht ohne dich mehr gehen,
so lange bleib ich bei dir stehn.‹
Und er sprang auf und sah sie an,
so wie man es nur tun kann,
wenn man im Innersten entzückt
und die Seele ganz entrückt.
›Oh komm doch mit mir, Schönste mein
und Königin wirst du bald sein.‹
Da sagte sie: ›Ich kann nicht weg,
gefesselt bin an diesen Fleck.
Von einem Drachen wohl bewacht
bin ich eingesperrt bei Nacht.
Und aus den Augen läßt er nicht
mich auch beim hellsten Tageslicht.‹
›Ich will das Ungeheuer töten
und dich befrein aus deinen Nöten‹,
sprach beherzt der Königssohn.
Und auf sein treues Pferd er schon
stieg auf und legt die Rüstung an,
nimmt seine Lanze an sich dann.
Das Mädchen warnt ihn: ›Fürchte dich,
der Drache ist gar heimtückisch.
Vor seiner List kein Mensch gefeit,
stets zu Ränken er bereit,
die du nicht hast vorhergesehn
nie läßt er dich lebend gehen.‹
›Hab keine Angst, mein schönes Kind,
wir bald wieder zusammen sind.
Ich habe keine Furcht vorm Drachen,
werde ins Gesicht ihm lachen,
schlag mit dem Schwerte auf ihn drauf,
spieß ihn mit meiner Lanze auf.‹
Da schlug die Maid die Augen nieder
›Ich hoffe sehr, ich säh dich wieder.
Nimm diesen Ring und noch den Rat,
wenn du reitest nun zur Tat,
Drachen niemals Tränen weinen,
selbst wenn sie noch so menschlich scheinen.‹
Und so ritt er zum Drachen hin,
ihn zu töten, stand sein Sinn.
In der Höhle Windung tief
auf einem goldnen Schatze schlief,
der angehäuft mit großer Gier,
das garstig schöne Schuppentier.
Mit langem Schwanz und großen Schwingen
lag er auf all den prächtig Dingen,
Pokalen, Silber, Gold, Geschmeide,
es war die reinste Augenweide.
Ein großes Glitzern und ein Funkeln,
man sahs von Weitem schon im Dunkeln.
Und ohne noch zu zögern lang,
um des Pferdes Zügel schlang
die Faust, gepanzert, voller Mut,
der Prinz, und dann mit grimmer Wut
er sein Roß zum Angriff lenkt,
zum Stoß die Lanze niedersenkt.
Jetzt war der Drache aufgewacht,
im Rachen seine Glut entfacht,
das Maul aufreißt, die Zähne blitzen
mit ihren messerscharfen Spitzen,
die krall’nbewehrten Pranken hebt,
auf daß die ganze Höhle bebt.
Der Drache war ein Ungeheuer,
verbrannt den Prinz mit heißem Feuer,
daß des Ritters Schutzschild schmolz,
als wäre es aus morschem Holz.
Doch der Jüngling nicht verzagt
Und mutig er den Angriff wagt.
Gegen das Untier reitet an,
hebt die Lanze er und dann
einen Stich mit voller Kraft,
daß in des Drachens Körper klafft
eine Wunde tief und schwer
er bringt ihm bei mit seinem Speer.
Ein letztes Mal der Atem rasselt
und die Flammenhitze prasselt,
dann der Drache ist besiegt
und er geschwächt am Boden liegt.
›So laß mir wenigstens mein Leben,
ich will dir auch die Jungfrau geben.‹
Und so kriecht er denn auch fort,
läßt zurück nur seinen Hort,
an dem der Prinz sich gütlich tut
und ihn auf sein Streitroß lud.
Dann er zu dem Mädchen eilt,
sie erscheint ihm seltsam kalt.
Hebt auf sein Roß sie unverzagt,
dann er mit ihr von dannen jagt.
Findet nun mit etwas Glück
den Weg nach Hause er zurück.
Die Menschen dort die Straßen säumen
vor Freude jubelnd überschäumen.
Der Prinz vor seinen Vater tritt
›Ich bringe meine Frau dir mit.
Sie soll die Königin hier werden,
wenn wir dein Königreich einst erben.‹
Der König sagt: ›So soll es sein,
sie sei mir lieb als Töchterlein.‹
Doch das Glück, das einst gewonnen,
ist nach kurzer Zeit zerronnen:
Im Königreich der Tod geht um,
die Menschen werden still und stumm.
Jung oder alt, ob arm, ob reich,
vorm Schwarzen Tod sind alle gleich.
Er macht nicht halt vor hohen Mauern,
kann hinter jeder Ecke lauern
und seine lange Knochenhand
zerreißt nun auch das Lebensband
des Königs, der voll Gram regiert,
das Volk die Hoffnung nun verliert.
Und in all den trüben Tagen
hört die Prinzessin man nie klagen,
nie traurig ihre Worte klangen,
nie Tränen netzten ihre Wangen.
Als tapfer dies Benehmen galt,
doch war ihr Herz wie Stein so kalt.
Doch schon das nächste Unglück droht,
es folgte eine Hungersnot.
Das Korn verdorrte auf dem Feld,
Brot gabs bald nur für teures Geld.
So mußten viele Menschen darben.
und sie zuletzt vor Hunger starben.
Des Prinzen Last ward immer mehr,
der Kummer drückte ihn gar sehr,
doch die Prinzessin focht das nicht,
nie Tränen netzten ihr Gesicht.
Hartherzig der Prinzessin Tun
schien manchen, die sie sahen, nun.
Ob zweie nicht genügend sein,
die nächste Plage brach herein:
Ein Heer die Grenzen überrennt
und alle Dörfer niederbrennt.
Der Königssohn die Schlacht verliert,
der Feind nach noch mehr Beute giert.
Der Prinz sodann in wilder Flucht
die Rückkehr in sein Schloß versucht.
Als er im Hof vom Pferde steigt,
kein Rühren die Prinzessin zeigt.
Da merkt auch er: Etwas nicht stimmt
und er auf eine Prüfung sinnt.
So zeigt er ihr den goldnen Ring,
den er einst von ihr empfing.
›Wo hab ich diesen Ring hier her?‹
Sie sagt: ›Das weiß ich nimmermehr.‹
Nun endlich er den Fehler findet:
Vor ihm sich der Drache windet.
Beherzt sein scharfes Schwert er zückt,
dem Drachen schnell zu Leibe rückt,
genug hat der ihn nun getäuscht,
nicht nochmal er ihm entfleucht.
Der Zorn ihm alle Sinne raubt,
flugs spaltet er des Mädchens Haupt.
Und noch im Todeskampf verwandelt,
des Drachens Leib den Hof verschandelt.
Der Prinz des klugen Rats gedenkt,
den die Maid ihm einst geschenkt:
›Drachen niemals Tränen weinen,
auch wenn sie noch so menschlich scheinen.‹
Schnell auf sein treues Roß er springt,
den Feind dann mutig niederringt,
und danach gleich voller Hast
zur Drachenhöhle ohne Rast
reitet er in einem fort,
denn er weiß das Mädchen dort.
Und als er dann das Tal erreicht,
findet er sie dort ganz leicht,
sieht der Prinz sie traurig sitzen,
in ihren Augen Tränen blitzen.
›Der Drache ist nun endlich tot,
zu Ende ist jetzt unsre Not.‹
Und er nimmt sie bei der Hand,
führt sie nach Hause in sein Land,
und ganz plötzlich kommt zurück
in sein Königreich das Glück.
So lebten sie noch viele Jahr
Als hochgeliebtes Königspaar.
Des Schläfers Brut
Des Schläfers Brut
Knappe des Blutes, Maid des Blutes
Der Knappe, der um sie geworben
Ward eingezogen in den Krieg.
Und dennoch, selbst bei einem Sieg,
Was sollt sie tun, sei er gestorben?
Er war gewiss nicht ihr erster Freier,
Doch war’s nach großem Glück das Streben
Das ihr auf immer gab Freude im Leben;
Bald nähte man schon einen Hochzeitsschleier.
Doch ach! Wie ein Keil
Der zwischen sie trat
Lockte Heldentat
In den Krieg voller Eil!
Auch der Knappe folgen tat
Dem Ruf seines Königs,
Dem Gottessohn, Phönix,
In den Tod für den Staat.
Alsbald denn schoss die Blutfontäne,
Grausam die Schlacht in finsterer Nacht,
Und so manchem ward der zum Opfer gebracht:
Dem Tod, der lauernden Hyäne.
Die Jahre verstrichen, und Gott ließ es sein
Dass der Knappe, der sich als Ritter nun wusste
Nicht im finstern Krieg fallen musste,
So kehrte er zur Geliebten heim.
Wehe aber! Der Ritter musst sehen,
Seine zurückgebliebene, liebste Maid
War inzwischen dennoch gefreit
Besaß Mann, Kind und großes Lehen.
Hatte man ihn denn Leben lassen
Um nun dies Schrecknis zu erblicken?
An seiner Trauer wollt er ersticken,
Wollte morden; wollte hassen.
So stellte er abends ihren Mann,
Es zog sich zu dessen Schlinge,
Denn der Ritter ergriff seine Klinge
Und spaltete den Herrn sodann.
Er sah auf das Blut, fühlte sich schlecht,
Und doch war der Ritter zufrieden.
Wie konnte ihn dieses Weib nicht mehr lieben,
Hatten sie sich’s nicht versprochen, zurecht?
Ceyx
Melacholeja: Alcyone
Wellen schlagen gegen das Schiff,
der Mast ächzt, drohend das Riff.
Wind reisst an Segel, an Seil,
verloren ist der Männer Seel' und Heil.
Ein Mann steht g'en den Sturm an,
sein Körper noch voll von Drang.
Doch dies, so die Götter droben,
wurd' zu seinem End' und Tod erhoben.
Anderswo
steht eine Frau
entsagt
dem Meeres Blau.
Anderswo
weiss sie genau - Sie verzagt:
"S'ist alles ... kalt und grau."
Die Götter donnern vom Himmel,
Regentropen bilden ein blendend' Gewimmel.
Der Mann stolpert, der Mann kämpft,
Wünsche, Hoffnung, die Lebensflamme gedämpft.
Dies soll dein Ende sein, Wurm,
zereissen soll dich unser Macht Ansturm,
so brüllen, schreien die Herren versessen,
bald ist der Mann tot, bald vergessen.
Anderswo
steht eine Frau
entsagt
dem Meeres Blau.
Anderswo
weiss sie genau - Sie verzagt:
"... alles ... kalt und grau."
Der Gedanke wird klar, s'ist vorbei,
die Natur schlägt das Schiff entzwei.
Der Mann wird gepackt und gezogen,
von Wellen und Wogen aufgesogen.
Seine Reise findet eine Ende,
kalt seine Seele, seine Hände.
Endlich kommt er wieder an Land,
endlich Ruhe, endlich der letzte Stand.
Doch anderswo
steht eine Frau
entsagt
dem Meeres Blau.
Anderswo
weiss sie genau.
Sie verzagt:
"... so bin's auch ich ... tot und grau."
Tybald
Der Werdegang unserer Welt
Im Elbenlande ein Haus war gebaut, groß und mondbeschienen,
Sollte es allem Gutem Volke vorn Arda als Wohnstätte dienen,
Fast ewig lebte Jeder nach seinem Ermessen glücklich und froh,
Keiner, der gewagt hätte zu sagen, morgen wäre es anders als so.
Doch Anders kam es und Schrecken brach herein, den keiner je erahnt,
Mit Mordsucht in den Augen, hatten sie sich einen Weg in die Stadt gebahnt,
Mit dem Blanken schwarzen Stahl gezogen, fielen sie über das Elbenvolke her,
Schlachteten Kind, Frau und Alte nieder, töteten mit rauen Klingen und Speer,
Doch der Elben Krieger waren wenige, dagegen Feinde waren es viele und wild,
Orks, Böse Menschen und wildes Getier gaben in der Schlacht ein grauenhaft Bild,
Die Krieger der Elben kämpfen lange und töteten viele Feinde mit Pfeil und Schwert,
Doch als Große dunkle Bestien kamen, hatte der Sieg den Elben den Rücken gekehrt.
Das hohe Heim der Elben ward niedergebrannt und keiner stand mehr auf Füßen,
Doch sollten Blumen, welche auf Asche wuchsen jedem den Anblick versüßen,
Und nach einem Jahrzehnt hatte der grüne Wald die Stadt eingenommen,
Keine Ruine war mehr zu sehen, Vogelsang ward überall vernommen.
Mensch kam und siedelte auf uralter Schönheit und Heldentaten,
Baute eigenes Heim, Beseelt von Erinnerung des Elben Saten,
Leben wir für Tausend Jahre in dem alten Land der Väter,
Doch geschändet wurde es vom üblen Missetäter.
Und der Täter war Mensch, Ohne Gewissen,
Hatte Ehre und Freundschaft zerrissen,
Trampelnd auf alter Schönheit,
Bis Wildes Tier kommt um der Rache zu dienen.
Khadron
AM STRAND
Er läuft am Strand zum Tagesende
Ihm rinnt der Sand durch beide Hände
Hinfort, hinfort so will er ziehen
Hinaus aus seinem Leben fliehen
Grad eben hat er sie gesehen
Und kann die Welt nicht mehr verstehen
Warum nur macht er sich's so schwer
So fühlt er sich hier öd und leer
"Tu's nicht", so scheint der Wind zu sagen
"Tausende sich schwerer plagen
Und keinem geht's so gut wie dir
Drum geh nicht fort, tu was dafür"
"Was soll's? Denn helfen kannst du nicht"
Sagt er dem Wind, der mit ihm spricht
"So lass mich ziehen in meiner Not
Ich wünschte endlich, ich wär tot."
Mit ihren letzten Sonnenstrahlen
Meint sie: "Woher entsteigen deine Qualen?
Sind sie nicht deinem Geist entsprungen?
Du bist doch frei und ungezwungen."
"Ach still! Mein Leben kennst du nicht
Ich steh vor dir nicht zu Gericht
Mein Leben ist ein einzig Schmerz
Sie so zu sehn, bricht mir das Herz"
Dann, plötzlich wird der Himmel grau
Ein Sturm zieht auf, es wird ihm flau
Es kracht und donnert, blitzt und weht
Sein eignes Wort er nicht versteht
"Und jetzt? Mehr bieten kannst du nicht?"
Stolz erhebt er sein Gesicht
"Meinst du mit dieser flauen Brise
Reißt du mich raus aus meiner Krise?"
Der Wind wird stärker, ohne Gnade
Und Wellen rollen ans Gestade
Auch Hagel, Blitz und Donnerschlag
Erschüttern alles bis ins Mark
So geht's die ganze Nacht hindurch
Nie wird's nur für Sekunden ruhig
Die Urgewalten der Natur
Von Hoffnung sieht man keine Spur
Der nächste Tag kommt leicht verspätet
Den Wanderer auch das nicht rettet
Er ist verschwunden und am Strand
Ist alles still - überall Sand.
nEo
Die vollkommene Freiheit:
Gefangen in einem Meer von Gedanken
Ist die Menschheit seit je her
Egal wie sehr sie sich diesem Schicksal wanden
Ist ihr Herz innerlich leer
Eingesperrt in einer Schein-Existenz
die sich Grenze nennt
Gibt es einen der diesem Frevel davon rennt
Hinaus aus seinen Gedanken
weg von seinen Pflichten
Logik wird vergessen sein
Grenzen werden verschwinden
Der Schwerkraft
wird er trotzen
Physikalische Gesetze
wird er umgehen
Das Unmögliche
wird für ihn ein Fremdwort sein
Und er wird
den Himmel auf Erden sehen
Wer sich einredet
Das Dies und Jenes niemals geschieht
und Tag und Nacht trauert
Wieso alles so aus den Fugen gerieht
Der hat bereits sein eig'nes Schicksal untermauert
Wer sich aber
offenkundig dazu bekennt
Und dem Gruppenzwang entgegen rennt
Wer sich alles Leide zufügen lässt
Und seine Geliebte
auch in schwersten Zeiten nicht verlässt
Wer für einen Augenblick rennt
von Ost nach West'
Und für eine Person
einfach alles liegen lässt
Der wird die Vollkommenheit erfahren
wird frei sein von Leid
frei sein von Schmerz
Unter Voraussetzung
das er genug ist gedeiht
Glauben, wird für so etwas nicht reichen
Einstig und allein das Wissen
wird dich dazu leiten.
Und wenn du einmal davon überzeugt bist
das Grenzen nicht existieren
Dein Herz und deine Seele in dem Wissen sind
das diese nur deine Gitterstäbe zieren
Wenn du die Logik für dich einfach neu setzt
Verstehst, wieso es sinnlos ist
wenn du deine Messer wetzt.
Dann bist du vollkommen
Dann bist du befreit
Dann bist du einfach alles
Was ein Mensch jemals hat erreicht.
Die Freiheit wird deinen Körper durchfließen
Dein Charakter wird wie die Flora sprießen
Du wirst Vollkommen sein
Und frei wie ein Vogel den Himmel durchstreif'n.
by nEo
exact.
http://img528.imageshack.us/img528/9942/111hz2.jpg
Folter des Sieges
Die gold'ne Steppe starr und still,
erscheint doch so wirr und schrill.
Die silber Stadt belebt und froh,
wirkt grau und leer, kalt und roh.
Die stolze Flagge zerissen, kaputt,
weinend im Winde, hart, abrupt.
Kaum eine Stund' ist's hergewesen,
da tobt' hier ein Kampf um Tod und Leben.
Keine Helden, keine Legenden,
Nur Tote, die die Stätte schänden.
Umjubelt die, die überlebten,
doch selbst sich kaum in selb'gen wägten.
Jede Stund' des Kampfes Wut,
Nahm ihn'n doch ganzen Mut.
Jeder Klinge Schnitt ins Fleisch,
dem Herz ein Stück entreißt.
Besiegt der Feind und doch,
mächt'ger wird das schwarze Loch.
Droht zu verschlingen das Leben,
was gewonnen war im Kriegesbeben?
Leerer wirkt die Welt,
Gewonnen? Macht? Geld?
Der Preis höher als der Lohn,
Die Menschen zu zerbrechen droh'n.
Und die Leichen verbrannt,
Auf ewig verbannt.
Umfrage und Wertungen in Kürze. Als neues Jurymitglied begrüßen wir Redsonja!
Wer?
Das Land
Diese Welt, kalt und fest
Eisenspeere sich auftun
Hoffnungs letzter Rest
Im Grabe längst ruhn
Doch was wird es geben?
Dies die Frage ist
Wer wird froh noch leben?
Wer ein Leben trist?
Wo sind sie hin?
All die Wünsche und die Träume
Wer ist ihrer Kind?
Sie sind es, die ich versäume
Doch noch gibt es einen Weg
Er ist mir bestimmt
Des Hoffens gold’ner Steg
Für den, der ihn annimmt
Auf geht’s in ferne Gestirne
Haltet bereit euer Gepäck
Packt ein, Apfel, Brot und Birne
Denn schon bald sind wir für immer weg
Denn dort wo wir hinreisen werden
Gibt es Friede und auch Freude
Hoffnung wird hier nicht sterben
Eher die Angst, guter Leute!
Und so sehen wir dies schöne Land
Mit den Bächen, Flüssen, Seen
Den Dörfern, Städten ohne Schand’
Wir die Schöpfung könn’ nun verstehen
Es ist schön und so kommet jedermann
Dies Land ist für alle da
Es gibt nichts, was zu erreichen man nicht kann
Dieses Land besteht für jetzt und für immerdar
Dumak
Der Prinz und der Drache
Ein neuer Tag die Welt erreicht,
die Dunkelheit dem Lichte weicht.
Was gestern hoffnungslos erschien,
wird heute schnell vorüber ziehn,
hat Platz zu machen neuen Dingen,
von manchen werde ich nun singen.
Vor vielen Jahren, fern von hier,
in einer Zeit, als Mensch und Tier
noch sprachen mit der selben Zung
und die Welt noch schön und jung,
wuchs auf in einem fernen Reich
ein Jüngling, klug und schön zugleich.
Sein Name ist mir nicht bekannt,
auch der von jenem fernen Land,
des’ Thron sein Vater einst besessen,
ist heutzutage längst vergessen.
Nur noch ein ferner Widerhall
dringt durch des Vergessens Wall.
Doch alles ist noch nicht verklungen,
von alten Taten wird gesungen
und solang noch Menschen leben,
wird es diese Lieder geben.
Denn viele Dinge sind es wert,
daß man sie auch in Zukunft hört.
So laßt mich denn mein Lied erzählen,
nicht länger soll euch Neugier quälen.
Es geht um Liebe, Schmerz und Leid,
um Trauer und um Einsamkeit,
doch auch für Freude ist hier Platz
und gutem End’ im letzten Satz.
Der Königssohn, von dem ich sprach,
ihn plagte einst ein Ungemach.
Zu eng das Schloß des Vaters schien,
so bat er ihn: ›Oh laß mich ziehn,
zu sehn, was in der Welt passiert,
mein Herz nach Abenteuern giert.‹
Des Königs Herz jedoch fast brach
und unter großem Weh und Ach,
es hätt den Kummer nur vermehrt,
wenn er den Wunsch ihm hätt verwehrt,
ließ er ihn voller Trauer gehen.
Würd er ihn jemals wiedersehn?
Den Jüngling jedoch focht das nicht,
die Freude stand ihm im Gesicht.
Er schnallte um das Schwertgehänge,
stieg auf sein Roß und mit Gepränge
ritt er zum Tore dann hinaus
und verließ der Jugend Haus.
Lange führte ihn sein Weg
über manchen schmalen Steg,
hörte Wind in Wäldern rauschen,
tat so manchem Vöglein lauschen,
ritt über Brücken, schwamm im Fluß,
setzt’ hier- und dorthin seinen Fuß.
Erfuhr die größte Einsamkeit,
traf keinen Menschen weit und breit,
mußte gar in großen Städten
sich vor dem Gewimmel retten,
ritt über Wiese, Flur und Feld,
lernte kennen so die Welt.
Doch die Lust auf Abenteuer
brannte in ihm wie ein Feuer,
noch war nicht gelöscht die Glut,
die ständig nährte seinen Mut
und ihn trieb auf diese Weise
zu seiner langen, fernen Reise.
Und als er ruht auf einem Steine,
schlägt übernander Bein auf Beine
und er seine Rüstung lupft –
das Roß derweil an Gräsern zupft -
sein Schwert hell in der Sonne blinkt,
ein Vogel ihm ein Liedlein singt.
Da läßt er einen Seufzer fahren:
›Ach, nach wieviel langen Jahren
soll ich denn nach Hause gehen,
kein einz’ges Wunder ich gesehn?
Meine Reise war vergebens,
nur Verschwendung meines Lebens.‹
Da des Vogels Lied erklingt
und er in klaren Worten singt.
Der Prinz versteht es Satz für Satz,
wie er erzählt von einem Platz
umrahmt von Bergen hoch und steil,
nicht zu erklimmen ohne Seil.
Dort in einem tiefen Tal,
die Berge ringsum sind ganz kahl,
lebt ein Drache, alt und schlau,
gefangen hält er eine Frau,
ein einsam Mädchen, jung und schön,
läßt sie niemals von sich gehen.
Traurig klingen ihre Lieder,
doch sie singt sie immer wieder,
wenn ihr goldnes Haar sie kämmt
und die Spangen sie sich klemmt,
sitzt sie an eines Baches Quell
und ihre Stimme klingt so hell.
Der Jüngling hörte ganz gebannt,
dies Gefühl er nie gekannt,
lang schon war der Vogel fort,
doch er saß noch an diesem Ort.
Er ans Mädchen nur noch dachte
und sich auf die Suche machte.
Tags er suchte nach der Stelle
mit der ihm beschrieb’nen Quelle,
nachts er fiebrig von ihr träumte.
Unter ihm sein Roß sich bäumte,
wenn er es hastig trat mit Sporen.
War die Hoffnung schon verloren?
Schließlich er im Bergland stand,
keinen Weg von hier er fand,
irrte tagelang umher
›Nach Hause find ich nimmermehr.‹
Und sein Kopf sank in die Hände,
er erwartete sein Ende.
Stunden rannen, ungezählt,
lange er sich hat gequält
und sich nach Erlösung sehnte,
endlich sich im Himmel wähnte.
Sein Körper lag auf weichem Moos,
der Kopf auf eines Mädchens Schoß.
Lieblich einer Quelle Klang
plätschernd an sein Ohre drang.
Und das Mädchen sprach zu ihm:
›Eile dich, du mußt schnell fliehn,
verweile nicht und lauf schnell fort,
dies ist ein verfluchter Ort.‹
Ungläubig und voller Staunen
hört’ er sie die Worte raunen.
›Du schönes Mädchen, sage mir,
an welchem Orte bin ich hier?
Ich will nicht ohne dich mehr gehen,
so lange bleib ich bei dir stehn.‹
Und er sprang auf und sah sie an,
so wie man es nur tun kann,
wenn man im Innersten entzückt
und die Seele ganz entrückt.
›Oh komm doch mit mir, Schönste mein
und Königin wirst du bald sein.‹
Da sagte sie: ›Ich kann nicht weg,
gefesselt bin an diesen Fleck.
Von einem Drachen wohl bewacht
bin ich eingesperrt bei Nacht.
Und aus den Augen läßt er nicht
mich auch beim hellsten Tageslicht.‹
›Ich will das Ungeheuer töten
und dich befrein aus deinen Nöten‹,
sprach beherzt der Königssohn.
Und auf sein treues Pferd er schon
stieg auf und legt die Rüstung an,
nimmt seine Lanze an sich dann.
Das Mädchen warnt ihn: ›Fürchte dich,
der Drache ist gar heimtückisch.
Vor seiner List kein Mensch gefeit,
stets zu Ränken er bereit,
die du nicht hast vorhergesehn
nie läßt er dich lebend gehen.‹
›Hab keine Angst, mein schönes Kind,
wir bald wieder zusammen sind.
Ich habe keine Furcht vorm Drachen,
werde ins Gesicht ihm lachen,
schlag mit dem Schwerte auf ihn drauf,
spieß ihn mit meiner Lanze auf.‹
Da schlug die Maid die Augen nieder
›Ich hoffe sehr, ich säh dich wieder.
Nimm diesen Ring und noch den Rat,
wenn du reitest nun zur Tat,
Drachen niemals Tränen weinen,
selbst wenn sie noch so menschlich scheinen.‹
Und so ritt er zum Drachen hin,
ihn zu töten, stand sein Sinn.
In der Höhle Windung tief
auf einem goldnen Schatze schlief,
der angehäuft mit großer Gier,
das garstig schöne Schuppentier.
Mit langem Schwanz und großen Schwingen
lag er auf all den prächtig Dingen,
Pokalen, Silber, Gold, Geschmeide,
es war die reinste Augenweide.
Ein großes Glitzern und ein Funkeln,
man sahs von Weitem schon im Dunkeln.
Und ohne noch zu zögern lang,
um des Pferdes Zügel schlang
die Faust, gepanzert, voller Mut,
der Prinz, und dann mit grimmer Wut
er sein Roß zum Angriff lenkt,
zum Stoß die Lanze niedersenkt.
Jetzt war der Drache aufgewacht,
im Rachen seine Glut entfacht,
das Maul aufreißt, die Zähne blitzen
mit ihren messerscharfen Spitzen,
die krall’nbewehrten Pranken hebt,
auf daß die ganze Höhle bebt.
Der Drache war ein Ungeheuer,
verbrannt den Prinz mit heißem Feuer,
daß des Ritters Schutzschild schmolz,
als wäre es aus morschem Holz.
Doch der Jüngling nicht verzagt
Und mutig er den Angriff wagt.
Gegen das Untier reitet an,
hebt die Lanze er und dann
einen Stich mit voller Kraft,
daß in des Drachens Körper klafft
eine Wunde tief und schwer
er bringt ihm bei mit seinem Speer.
Ein letztes Mal der Atem rasselt
und die Flammenhitze prasselt,
dann der Drache ist besiegt
und er geschwächt am Boden liegt.
›So laß mir wenigstens mein Leben,
ich will dir auch die Jungfrau geben.‹
Und so kriecht er denn auch fort,
läßt zurück nur seinen Hort,
an dem der Prinz sich gütlich tut
und ihn auf sein Streitroß lud.
Dann er zu dem Mädchen eilt,
sie erscheint ihm seltsam kalt.
Hebt auf sein Roß sie unverzagt,
dann er mit ihr von dannen jagt.
Findet nun mit etwas Glück
den Weg nach Hause er zurück.
Die Menschen dort die Straßen säumen
vor Freude jubelnd überschäumen.
Der Prinz vor seinen Vater tritt
›Ich bringe meine Frau dir mit.
Sie soll die Königin hier werden,
wenn wir dein Königreich einst erben.‹
Der König sagt: ›So soll es sein,
sie sei mir lieb als Töchterlein.‹
Doch das Glück, das einst gewonnen,
ist nach kurzer Zeit zerronnen:
Im Königreich der Tod geht um,
die Menschen werden still und stumm.
Jung oder alt, ob arm, ob reich,
vorm Schwarzen Tod sind alle gleich.
Er macht nicht halt vor hohen Mauern,
kann hinter jeder Ecke lauern
und seine lange Knochenhand
zerreißt nun auch das Lebensband
des Königs, der voll Gram regiert,
das Volk die Hoffnung nun verliert.
Und in all den trüben Tagen
hört die Prinzessin man nie klagen,
nie traurig ihre Worte klangen,
nie Tränen netzten ihre Wangen.
Als tapfer dies Benehmen galt,
doch war ihr Herz wie Stein so kalt.
Doch schon das nächste Unglück droht,
es folgte eine Hungersnot.
Das Korn verdorrte auf dem Feld,
Brot gabs bald nur für teures Geld.
So mußten viele Menschen darben.
und sie zuletzt vor Hunger starben.
Des Prinzen Last ward immer mehr,
der Kummer drückte ihn gar sehr,
doch die Prinzessin focht das nicht,
nie Tränen netzten ihr Gesicht.
Hartherzig der Prinzessin Tun
schien manchen, die sie sahen, nun.
Ob zweie nicht genügend sein,
die nächste Plage brach herein:
Ein Heer die Grenzen überrennt
und alle Dörfer niederbrennt.
Der Königssohn die Schlacht verliert,
der Feind nach noch mehr Beute giert.
Der Prinz sodann in wilder Flucht
die Rückkehr in sein Schloß versucht.
Als er im Hof vom Pferde steigt,
kein Rühren die Prinzessin zeigt.
Da merkt auch er: Etwas nicht stimmt
und er auf eine Prüfung sinnt.
So zeigt er ihr den goldnen Ring,
den er einst von ihr empfing.
›Wo hab ich diesen Ring hier her?‹
Sie sagt: ›Das weiß ich nimmermehr.‹
Nun endlich er den Fehler findet:
Vor ihm sich der Drache windet.
Beherzt sein scharfes Schwert er zückt,
dem Drachen schnell zu Leibe rückt,
genug hat der ihn nun getäuscht,
nicht nochmal er ihm entfleucht.
Der Zorn ihm alle Sinne raubt,
flugs spaltet er des Mädchens Haupt.
Und noch im Todeskampf verwandelt,
des Drachens Leib den Hof verschandelt.
Der Prinz des klugen Rats gedenkt,
den die Maid ihm einst geschenkt:
›Drachen niemals Tränen weinen,
auch wenn sie noch so menschlich scheinen.‹
Schnell auf sein treues Roß er springt,
den Feind dann mutig niederringt,
und danach gleich voller Hast
zur Drachenhöhle ohne Rast
reitet er in einem fort,
denn er weiß das Mädchen dort.
Und als er dann das Tal erreicht,
findet er sie dort ganz leicht,
sieht der Prinz sie traurig sitzen,
in ihren Augen Tränen blitzen.
›Der Drache ist nun endlich tot,
zu Ende ist jetzt unsre Not.‹
Und er nimmt sie bei der Hand,
führt sie nach Hause in sein Land,
und ganz plötzlich kommt zurück
in sein Königreich das Glück.
So lebten sie noch viele Jahr
Als hochgeliebtes Königspaar.
Des Schläfers Brut
Des Schläfers Brut
Knappe des Blutes, Maid des Blutes
Der Knappe, der um sie geworben
Ward eingezogen in den Krieg.
Und dennoch, selbst bei einem Sieg,
Was sollt sie tun, sei er gestorben?
Er war gewiss nicht ihr erster Freier,
Doch war’s nach großem Glück das Streben
Das ihr auf immer gab Freude im Leben;
Bald nähte man schon einen Hochzeitsschleier.
Doch ach! Wie ein Keil
Der zwischen sie trat
Lockte Heldentat
In den Krieg voller Eil!
Auch der Knappe folgen tat
Dem Ruf seines Königs,
Dem Gottessohn, Phönix,
In den Tod für den Staat.
Alsbald denn schoss die Blutfontäne,
Grausam die Schlacht in finsterer Nacht,
Und so manchem ward der zum Opfer gebracht:
Dem Tod, der lauernden Hyäne.
Die Jahre verstrichen, und Gott ließ es sein
Dass der Knappe, der sich als Ritter nun wusste
Nicht im finstern Krieg fallen musste,
So kehrte er zur Geliebten heim.
Wehe aber! Der Ritter musst sehen,
Seine zurückgebliebene, liebste Maid
War inzwischen dennoch gefreit
Besaß Mann, Kind und großes Lehen.
Hatte man ihn denn Leben lassen
Um nun dies Schrecknis zu erblicken?
An seiner Trauer wollt er ersticken,
Wollte morden; wollte hassen.
So stellte er abends ihren Mann,
Es zog sich zu dessen Schlinge,
Denn der Ritter ergriff seine Klinge
Und spaltete den Herrn sodann.
Er sah auf das Blut, fühlte sich schlecht,
Und doch war der Ritter zufrieden.
Wie konnte ihn dieses Weib nicht mehr lieben,
Hatten sie sich’s nicht versprochen, zurecht?
Ceyx
Melacholeja: Alcyone
Wellen schlagen gegen das Schiff,
der Mast ächzt, drohend das Riff.
Wind reisst an Segel, an Seil,
verloren ist der Männer Seel' und Heil.
Ein Mann steht g'en den Sturm an,
sein Körper noch voll von Drang.
Doch dies, so die Götter droben,
wurd' zu seinem End' und Tod erhoben.
Anderswo
steht eine Frau
entsagt
dem Meeres Blau.
Anderswo
weiss sie genau - Sie verzagt:
"S'ist alles ... kalt und grau."
Die Götter donnern vom Himmel,
Regentropen bilden ein blendend' Gewimmel.
Der Mann stolpert, der Mann kämpft,
Wünsche, Hoffnung, die Lebensflamme gedämpft.
Dies soll dein Ende sein, Wurm,
zereissen soll dich unser Macht Ansturm,
so brüllen, schreien die Herren versessen,
bald ist der Mann tot, bald vergessen.
Anderswo
steht eine Frau
entsagt
dem Meeres Blau.
Anderswo
weiss sie genau - Sie verzagt:
"... alles ... kalt und grau."
Der Gedanke wird klar, s'ist vorbei,
die Natur schlägt das Schiff entzwei.
Der Mann wird gepackt und gezogen,
von Wellen und Wogen aufgesogen.
Seine Reise findet eine Ende,
kalt seine Seele, seine Hände.
Endlich kommt er wieder an Land,
endlich Ruhe, endlich der letzte Stand.
Doch anderswo
steht eine Frau
entsagt
dem Meeres Blau.
Anderswo
weiss sie genau.
Sie verzagt:
"... so bin's auch ich ... tot und grau."
Tybald
Der Werdegang unserer Welt
Im Elbenlande ein Haus war gebaut, groß und mondbeschienen,
Sollte es allem Gutem Volke vorn Arda als Wohnstätte dienen,
Fast ewig lebte Jeder nach seinem Ermessen glücklich und froh,
Keiner, der gewagt hätte zu sagen, morgen wäre es anders als so.
Doch Anders kam es und Schrecken brach herein, den keiner je erahnt,
Mit Mordsucht in den Augen, hatten sie sich einen Weg in die Stadt gebahnt,
Mit dem Blanken schwarzen Stahl gezogen, fielen sie über das Elbenvolke her,
Schlachteten Kind, Frau und Alte nieder, töteten mit rauen Klingen und Speer,
Doch der Elben Krieger waren wenige, dagegen Feinde waren es viele und wild,
Orks, Böse Menschen und wildes Getier gaben in der Schlacht ein grauenhaft Bild,
Die Krieger der Elben kämpfen lange und töteten viele Feinde mit Pfeil und Schwert,
Doch als Große dunkle Bestien kamen, hatte der Sieg den Elben den Rücken gekehrt.
Das hohe Heim der Elben ward niedergebrannt und keiner stand mehr auf Füßen,
Doch sollten Blumen, welche auf Asche wuchsen jedem den Anblick versüßen,
Und nach einem Jahrzehnt hatte der grüne Wald die Stadt eingenommen,
Keine Ruine war mehr zu sehen, Vogelsang ward überall vernommen.
Mensch kam und siedelte auf uralter Schönheit und Heldentaten,
Baute eigenes Heim, Beseelt von Erinnerung des Elben Saten,
Leben wir für Tausend Jahre in dem alten Land der Väter,
Doch geschändet wurde es vom üblen Missetäter.
Und der Täter war Mensch, Ohne Gewissen,
Hatte Ehre und Freundschaft zerrissen,
Trampelnd auf alter Schönheit,
Bis Wildes Tier kommt um der Rache zu dienen.
Khadron
AM STRAND
Er läuft am Strand zum Tagesende
Ihm rinnt der Sand durch beide Hände
Hinfort, hinfort so will er ziehen
Hinaus aus seinem Leben fliehen
Grad eben hat er sie gesehen
Und kann die Welt nicht mehr verstehen
Warum nur macht er sich's so schwer
So fühlt er sich hier öd und leer
"Tu's nicht", so scheint der Wind zu sagen
"Tausende sich schwerer plagen
Und keinem geht's so gut wie dir
Drum geh nicht fort, tu was dafür"
"Was soll's? Denn helfen kannst du nicht"
Sagt er dem Wind, der mit ihm spricht
"So lass mich ziehen in meiner Not
Ich wünschte endlich, ich wär tot."
Mit ihren letzten Sonnenstrahlen
Meint sie: "Woher entsteigen deine Qualen?
Sind sie nicht deinem Geist entsprungen?
Du bist doch frei und ungezwungen."
"Ach still! Mein Leben kennst du nicht
Ich steh vor dir nicht zu Gericht
Mein Leben ist ein einzig Schmerz
Sie so zu sehn, bricht mir das Herz"
Dann, plötzlich wird der Himmel grau
Ein Sturm zieht auf, es wird ihm flau
Es kracht und donnert, blitzt und weht
Sein eignes Wort er nicht versteht
"Und jetzt? Mehr bieten kannst du nicht?"
Stolz erhebt er sein Gesicht
"Meinst du mit dieser flauen Brise
Reißt du mich raus aus meiner Krise?"
Der Wind wird stärker, ohne Gnade
Und Wellen rollen ans Gestade
Auch Hagel, Blitz und Donnerschlag
Erschüttern alles bis ins Mark
So geht's die ganze Nacht hindurch
Nie wird's nur für Sekunden ruhig
Die Urgewalten der Natur
Von Hoffnung sieht man keine Spur
Der nächste Tag kommt leicht verspätet
Den Wanderer auch das nicht rettet
Er ist verschwunden und am Strand
Ist alles still - überall Sand.
nEo
Die vollkommene Freiheit:
Gefangen in einem Meer von Gedanken
Ist die Menschheit seit je her
Egal wie sehr sie sich diesem Schicksal wanden
Ist ihr Herz innerlich leer
Eingesperrt in einer Schein-Existenz
die sich Grenze nennt
Gibt es einen der diesem Frevel davon rennt
Hinaus aus seinen Gedanken
weg von seinen Pflichten
Logik wird vergessen sein
Grenzen werden verschwinden
Der Schwerkraft
wird er trotzen
Physikalische Gesetze
wird er umgehen
Das Unmögliche
wird für ihn ein Fremdwort sein
Und er wird
den Himmel auf Erden sehen
Wer sich einredet
Das Dies und Jenes niemals geschieht
und Tag und Nacht trauert
Wieso alles so aus den Fugen gerieht
Der hat bereits sein eig'nes Schicksal untermauert
Wer sich aber
offenkundig dazu bekennt
Und dem Gruppenzwang entgegen rennt
Wer sich alles Leide zufügen lässt
Und seine Geliebte
auch in schwersten Zeiten nicht verlässt
Wer für einen Augenblick rennt
von Ost nach West'
Und für eine Person
einfach alles liegen lässt
Der wird die Vollkommenheit erfahren
wird frei sein von Leid
frei sein von Schmerz
Unter Voraussetzung
das er genug ist gedeiht
Glauben, wird für so etwas nicht reichen
Einstig und allein das Wissen
wird dich dazu leiten.
Und wenn du einmal davon überzeugt bist
das Grenzen nicht existieren
Dein Herz und deine Seele in dem Wissen sind
das diese nur deine Gitterstäbe zieren
Wenn du die Logik für dich einfach neu setzt
Verstehst, wieso es sinnlos ist
wenn du deine Messer wetzt.
Dann bist du vollkommen
Dann bist du befreit
Dann bist du einfach alles
Was ein Mensch jemals hat erreicht.
Die Freiheit wird deinen Körper durchfließen
Dein Charakter wird wie die Flora sprießen
Du wirst Vollkommen sein
Und frei wie ein Vogel den Himmel durchstreif'n.
by nEo
exact.
http://img528.imageshack.us/img528/9942/111hz2.jpg
Folter des Sieges
Die gold'ne Steppe starr und still,
erscheint doch so wirr und schrill.
Die silber Stadt belebt und froh,
wirkt grau und leer, kalt und roh.
Die stolze Flagge zerissen, kaputt,
weinend im Winde, hart, abrupt.
Kaum eine Stund' ist's hergewesen,
da tobt' hier ein Kampf um Tod und Leben.
Keine Helden, keine Legenden,
Nur Tote, die die Stätte schänden.
Umjubelt die, die überlebten,
doch selbst sich kaum in selb'gen wägten.
Jede Stund' des Kampfes Wut,
Nahm ihn'n doch ganzen Mut.
Jeder Klinge Schnitt ins Fleisch,
dem Herz ein Stück entreißt.
Besiegt der Feind und doch,
mächt'ger wird das schwarze Loch.
Droht zu verschlingen das Leben,
was gewonnen war im Kriegesbeben?
Leerer wirkt die Welt,
Gewonnen? Macht? Geld?
Der Preis höher als der Lohn,
Die Menschen zu zerbrechen droh'n.
Und die Leichen verbrannt,
Auf ewig verbannt.
Umfrage und Wertungen in Kürze. Als neues Jurymitglied begrüßen wir Redsonja!