View Full Version : Keine Wahl
Über die Insel Iringrod:
Über meine Insel wollt ihr etwas wissen? Nun, dann kommt näher, rutscht ein Stück rüber, hier ans Lagerfeuer. Die Nächte sind kalt hier draußen, wisst hier. Alles ist kalt auf Iringrod, einige behaupten sogar, die Menschen wären ebenfalls kalt. Doch genug davon, ihr wolltet keine rätselhaften Geschichten über die Bewohner der Insel hören. Iringrod... nun die Insel liegt hoch oben, im nördlichsten Teil der bekannten Welt. Vielleicht sind die Gefilde größer als Khorinis, vielleicht nicht einmal halb so groß, niemand weiß es genau. Nur der südliche Teil der Insel ist bewohnt und den Norden hat niemals jemand genauer erforscht. Denn dort ist so unvorstellbar kalt, dass kein Mensch dort lange überleben kann. Euer Nordmar ist dagegen ein sonniges Paradies, in Iringrod hingegen ist es so das ganze Jahr über so kalt, das keine Pflanzen auf den Feldern gedeihen. Nur selten, im Hochsommer, tauen die südlichen Küstenstreifen ab, ansonsten bleibt die Insel eine kalte Einöde. Doch wir Menschen halten uns trotzdem... die Orks haben diese Insel noch nie heimgesucht, vielleicht wissen sie nicht einmal, dass sie existiert... wer weiß das schon? Jedenfalls leben in fünf Dörfern die Menschen, welche sich ausschließlich vom Fischfang und der Jagd erbähren. Vier der Dörfer liegen in der Nähe der Küste und sind recht klein. Sie werden jeweils von einem provisorischen Statthalter, welcher alle paar Jahre neue gewählt wird, geführt. Die eigentliche Hauptstadt, wenn man es denn so nennen kann, ist Iringrod, etwas weiter im Landesinneren. Eigentlich ist die Stadt kaum größer als die anderen Dörfer, doch immerhin hat sie eine provisorische Palisade und einen echten Adligen Statthalter, welcher gleichzeitig der Regent des Volkes ist.
Eine Karte wollt ihr? Ihr verlangt viel... nein, eine Karte von Iringrod ist nie erstellt worden, das Gebiet ist nicht genau genug erfasst um eine Karte zu erstellen, die einem Wanderer auch hilft und nicht irre führt.
David/Edge
05.06.2007, 18:21
Rauh bließ der Wind und die Mighty Maggie wurde herumgeschleudert, als sei sie ein kleines Spielzeugboot. Doch seine Auftraggeber hatten ganze Arbeit geleistet, das Boot war wirklich ein hervorragendes Stück Handwerkskunst und schien selbst dieser Form der Naturgewalt stand zu halten. David stand am Bug des Schiffes und spähte angestrengt gen Norden, zwar war Iringrod noch nicht in Sicht und es würde wohl auch noch eine ganze Weile dauern, bis sie die Insel im hohen Norden erreichen würden, doch man konnte nie sicher sein. Dies war eines seiner ersten Prinzipien, welches ihm schon einige Male das Leben gerettet hatte. Selbstvertrauen und Vertauen in das Wissen seiner Auftraggeber war gut und schön, doch Kontrolle war weitaus besser. Außerdem hatte er genügend Zeit, denn einer seiner Begleiter, der junge Lentin, steuerte das Boot. Nicht, dass David es nicht selbst gekonnt hätte, im Gegenteil, er konnte es wahrscheinlich deutlich besser als sein Helfer, doch trotzdem hatte ihm Lentins seemännische Begabung in die Karten gespielt. Sie lieferte ihm zumindest einen halbwegs plausiblen Grund, warum er zwei völlig unerfahrene, kampfunfähige Grünschnäbel auf seine Reise mitnahm. Für Lentin wäre das nicht nötig gewesen, der junge Mann schien außerordentlich zutraulich und vorallem neugierig zu sein, doch der zweite im Bunde, Cheron, war ein anderer Typ. Ihn hatte ersteinmal überzeugen müssen. Überhaupt machte ihm dieser Schreiner sorgen, er war zu misstrauisch, stellte hier und da eine Frage zuviel, nach Davids Geschmack. Auf den Mann musste er aufpassen, denn auch wenn die beiden ihn in einem Kampfe nicht einmal berühren würden, stellten sie doch einen großen Risikofaktor dar.
Denn es war ihnen jederzeit möglich, Wachen zu alarmieren, oder nachts durchzubrennen und seine Ausrüstung zu stehlen. Trotzdem brauchte er die Beiden unbedingt. Zum einen erregte er mit zwei anderen Personen weniger Aufmerksamkeit, da sonst Dörfler dazu neigten, drohendes Unheil immer einer fremden Person im Dorf in die Schuhe zu schieben. Zum anderen war es gut möglich, dass er Hilfe brauchte um die Milizen zu verwirren oder Informationen über die Opfer einzuholen. Er hatte einige recht sichere Möglichkeiten Fluchtversuchen einen Riegel vorzuschieben und würde den beiden schon lehren, dass ein Versuch die örtlichen Milizen zu aktivieren nur eins Kosten würde. Menschenleben. David straffte sich innerlich, er dachte zuviel nach, deutlich zuviel, er musste sich auf seine Ziele konzentrieren und nicht jedes Wenn und Aber im Vorraus bedenken. Also entschloss er sich, Cherons misstrauen noch etwas abzubauen, indem er das Gespräch, welches er in den letzten anderthalb Tagen eher gemieden hatte, suchte. Er warf einen letzten Blick gen Norden, doch es war kein überraschender Streifen am Horizont zu sehen, welcher auf eine entfernte Küste hindeute und schlenderte dann, bemüht es beiläufig aussehen zu lassen, zu Cheron herüber. Sein Gefährte lehnte mit dem Rücken gegen die rechte Bordwand, hatte die Beine ausgestreckkt und blickte gedankenverlorden gen Himmel, noch immer regnete es, nicht besonders heftig, aber beständig. Für David sah diese Position recht unbequem aus, doch er zögerte nicht lange und ließ sich, in ähnlicher Haltung, neben dem Grünschnabel nieder. Der Andere hatte ihn durchaus bemerkt, doch er sprach ihn nicht an und schien auch nicht sonderlich erpicht auf ein Gespräch zu sein. Trotzdem setzte David nach kurzem schweigen an:
"Was bedrückt dich?"
"Nichts", bestritt Cheron, in einem Ton der seine Antwort Lügen strafte, nur um den Bruchteil einer Sekunde später fortzufahren, "Oder doch, ich habe eine Frage. Warum... hast du ihn getötet."
"Er wollte mich töten", erwiderte David trocken, der soetwas bereits befürchtet hatte. Cheron folgte den kleingläubigen moralischen Grundsätzen, die irgendwelche Menschen vor ihm festgelegt hatten. Einen momentlang war er sogar enttäuscht, er hatte sich mehr von diesem Kerl erhofft.
"Er hat sein Schwert beiseite geschleudert, du hattest ihn besiegt, warum musstest du ihn auch noch töten?" fragte Cheron unerbittlich und David erkannte, dass er um Respekt bei diesem Menschen gewinnen zu können, seine Meinung vertreten musste, auch wenn sie seinem Gegenüber nicht passte.
"Auf dieser Erde wandeln unzählige Menschen, und sicher die gleiche Anazhal an Orks, was macht da der eine mehr oder weniger?" argumentierte David.
"Was würdest du sagen, wenn sich jemand über deine Leiche beugt und genau das gleiche behauptet", bohrte Cheron. David ließ sich einige Sekunden um sich eine Antwort zu Recht zu legen, dann erwiderte er:
"Nun, das ist der Ernst des Lebens, du musst dafür sorgen, dass du nicht mit dem Gesicht im Schlamm liegst."
"Was?? Das kann doch nicht dein Ernst sein! Der einzige Sinn des Lebens besteht darin zu..", ereiferte sich Cheron, nun wirklich entrüstet.
"Zu überleben", vollendete David noch bevor Cheron etwas anderes sagen konnte.
"Warum strebst du dann nach Reichtum.. du hast doch alles was du brauchst... du lebst!" giftete Cheron.
"Ich habe vor aus meinem Leben auch etwas zu machen", philosophierte David.
"Das hatte der Bandit sicher auch vor", murrte Cheron.
"Sicher, er wollte Met aus deinem ausgehölten Schädel trinken", antwortete David mit einem kühlen grinsen und erhob sich lässig.
Mit einem mekrwürdigen Geräusch, grub sich die Spitze der Mighty Magie in den schlammigen Sand, an der Küste der Insel. Dieser war von den vielen Wellen völlig aufgeweicht, sodass das Boot noch einige Meter vorwärts rutschte und erst im wirklich trockenen Sand zum stehen kam. Cheron zog noch den Mantel ein wenig enger und Band die Schnüre seiner Kapuze, als David und Lentin schon mit knirschenden Geräuschen auf dem Sand landeten. Jetzt sprang auch Cheron leichtfüßig über die Reling und landete im trockenen Sand, der nicht besonders nachgiebig war, sondern eine harte, fast massive Fläche unter seinen Füßen bildete. Sie hatten Iringrod erreicht und das unbeschadet, Lentin und David hatten es tatsächlich geschafft die Mighty Maggie unbeschadet durch Stürme, über Sandbänke und Untiefen zu führen, ohne dass nenneswerte Zwischenfälle vorgekommen waren. Doch die Welt die sie erreicht hatten, schien nicht gerade gastfreundlich zu sein. Schon einige hundert Meter landeinwärts, noch gut im Sichtfeld der Gefährten, waren erste Schneefelder zu sehen, welche sich schließlich über den ganzen Horizont erstreckten. All das machte einen merkwürdig grotesken Eindruck, da der Strand ohne jegliche Grünstreifen in das alles bedeckende weiß überging. Nur wenige spärliche Bäume rundeten das karge Bild, welches sich ihnen bot ab. Ganz weit in der Ferne zeichnete sich offenbar ein mächtiges Gebirge ab, doch Cheron konnte es nur erahnen. Ein Dorf war nirgends zu sehen, doch das musste nichts heißen, laut Davids Informationen leben nur wenige Menschhen auf Iringrod, folglich gab es keine allzu großen Siedlungen.
"Wir müssen das Boot befestigen, dort drüben ist ein großer Felsbrocken, wenn wir es mit einem Tau festbinden, sollte uns das Schiffchen nicht abhanden kommmen", meinte Lentin und riss Cheron aus seinen Gedanken. Der Findling war tatsächlich kaum zu übersehen, gut zehn Meter landeinwärts ragte er jäh aus dem Boden, sicher drei Meter hoch und fast zwei Meter breit. Also platzierten sich Cheron und Lentin hinter dem Boot und schoben kräftig, während David am vorderen Ende des Bootes zog, bis sie nach einigen Minuten den Findling erreicht hatten. Dort banden sie die Mighty Maggie fest und schnauften erstmalig durch.
"Ich denke wir sollten hier rasten, heute schaffen wir es ohnehin nicht mehr zu einem der Dörfer, außerdem haben wir noch genügend Proviant", meinte David und Cheron dachte unwillkürlich an ihr gestriges Gespräch. Es gibt unzählige Menschen auf dieser Erde.... was macht da der eine mehr oder weniger, dies waren sinngemäß seine Worte gewesen und Cheron war noch immer erschüttert von dieser verschrobenen Weltsicht. Was, wenn David ebenso leichtfertig ihr Leben aufs Spiel setzten würde, nur um an den Schatz zu kommen?
"Haben wir auch noch Feuerholz, oder müssen wir das Boot zu Kleinholz schlagen", fragte Lentin und holte Cheron zu den praktischen Problemen des Lebens zurück. Denn nun gab es ohnehin keinen Weg zurück, sie mussten den Schatz finden, welcher ihnen ein unbeschwertes Leben ermöglichen würde und als Triumphatoren zurückkehren, oder auf der Insel sterben. Eine Zwischenlösung gab es nicht.
"Nein, wir haben Holz... genug für heute, es ist alles im Boot, ich schlage vor ihr baut ein provisorisches Lager auf, ich werde ein wenig die Umgebung erkunden. Sprachs und machte sich auch schon mit eiligen Schritten, doch ohne Hast, auf den Weg. Cheron und Lentin machten sich daran, dass Lager aufzuschlagen und da sie darin bereits ein wenig Übung hatten, prasselte in wenigen Minuten ein beachtliches Lagerfeuer, windgeschützt durch den Findling und die beiden Freunde begannen etwas zu Essen zuzubereiten. Unvermittelt entschloss sich Cheron mit Lentin über ihren Führer zu sprechen:
"Jetzt wo er nicht da ist, kann ich es dir ja sagen... David gefällt mir nicht."
Lentin war die Überraschung deutlich anzusehen, damit hatte Cheron jedoch gerechnet, es war offensichtlich das Lentin David bewunderte. Genau dies missfiel Cheron, Lentin vertraute einfach zu schnell.
"Warum das? Er ist ein großartiger Kämpfer, hat Informationen über den Schatz und will ihn mit uns teilen. Außerdem ist er ein wirklich netter Kerl."
"Ja, er ist geradezu perfekt", höhnte Cheron und klang noch sehr viel sarkastischer als er eigentlich gewollt hatte, "die Frage ist nur, warum gibt er sich mit uns ab?"
"Wie meinst du das?"
"Warum nimmt er uns überhaupt mit? Was will er von uns, wir futtern seinen Proviant, besetzten sein Schiff, können aber weder kämpfen, noch wissen wir etwas über diese Insel, oder den Schatz", zählte Cheron auf und er war sich in diesem Moment sicher, dass Lentin bei diesen Argumenten auch klein bei geben musste, doch sein Gefährte hatte eine weitere Antwort parat:
"Ich habe das Schiff gesteuert, nur weil du krankhaft misstrauisch bist..", moserte Lentin, doch Cheron unterbrach ihn wütend, "Ich? Du bist es, der uns mit deiner verdammten Neugier immer Ärger macht. Ach... ich rede dummes Zeug... eigentlich waren Jasper und seine Drogenschmuggler ja ganz nette Jungs", giftete Cheron.
"Ein Fehler", gestand Lentin um direkt hinzu zu fügen, "Aber ich habe immer noch das Schiff gesteuert, was fällt dir dazu ein?"
Dieser Punkt ließ sich wahrhaft nur schwer wegdisskutieren und Cheron war ein wenig besänftigt und da in diesem Augenblick David wieder auftauchte, war ihr Gespräch ohnehin beendet.
"Aufwachen, meine jungen Freunde, ihr schlaft schon zu lange", drängte sich eine Stimme in Cherons müdes Bewusstsein. Müde blinzelnd blickte er sich um, David hatte ihn geweckt, ihr Anführer trat gerade die letzten Reste ihres Lagerfeuers aus. Lentin lag, genau wie er selbst in einen warmen Mantel gewickelt, noch im trockenen Sand und schnarchte halblaut vor sich hin. Mehr oder weniger sanft knuffte Cheron seinen Freund, unter murmelnden Protesten des Schläfers, wach. Als er dieses Werk vollbracht hatte, setzte er sich, mit dem Rücken an den Findling gelehnt, auf und beobachtete David der schweigend all ihre verstreuten Reste auflaß und, so erkannte Cheron verwundert, jegliche Überbleibsel ihres Lagers sorgfältig verwischte.
"Was soll das?" fragte Cheron.
Überrascht blickte David, der noch nicht gemerkt hatte, das Cheron wirklich wach war, auf und blickte ihn fragend an.
"Was?"
"Na das hier", meinte Cheron vielsagend und ließ den Arm ein wenig hin und her schwenken, "du verwischt unsere Spuren, warum?"
Einige wenige Augenblicke schien David ernsthaft verwirrt, dann begann er zu Cherons Überraschung plötzlich zu lachen.
"Alte Gewohnheit, du musst wissen, das ist nicht das erste Mal, dass ich auf der Suche nach einem Schatz bin und die wenigsten fremden Länder, Inseln oder Städte waren besonders erfreut über Besucher."
Nun war es an Cheron, verwirrt zu sein. David behauptete ein erfahrener Schatzjäger zu sein. Aber dann müsste er doch ausgesorgt haben, es sei denn...
"Hast du jemals etwas gefunden?"
Erneut lachte David und warf einen verkohlten Ast meterweit fort von ihrem Lagerplatz.
"Wäre ich dann hier?" fragte er.
"Aber diesmal weißt du genauer Bescheid als bei den letzten Versuchen", mutmaßte Cheron doch er glaubte die Antwort zu kennen.
"Legenden, Gerüchte, ein paar Gespräche, nichts greifbares", gestand David.
Cheron antwortete nicht, denn alles was es zu sagen gab, war gesagt. David hatte sie ohne genaueres Wissen in diese eisige Wüste geführt und sie waren einem Schatzjäger aufgessesen, der wahrscheinlich sein halbes Leben verschwendet hatte. Lentin schien das jedoch nicht zu kümmern.
"Und wenn schon, ich bin überzeugt, dass wir etwas finden", bemerkte er. Cheron konnte es nicht fassen, spätestens jetzt musste Lentin doch erkennen das David nicht der tolle Kerl war, für den er ihn gehalten hatte. David hatte es doch selbst gesagt.
"Richtig, Cheron, Lentin hatt völlig Recht, ich bin guten Mutes, doch wenn wir hier herumstehen und wurzeln Schlagen, gibt das sicherlich nichts. Wir müssen das erste Dorf aufsuchen, es liegt im Westen, wir müssen nur an der Küste entlang wandern."
"Woher weißt du das?" bohrte Cheron.
"Ich weiß einiges über Iringrod, zumindest habe ich vieles gehört", wich David aus und Cheron spürte deutlich, dass er zum ersten Mal eine Schwachstelle in der Deckung des Abenteurers gefunden hatte. Wütend sprang er auf und machte eine ärgerliche Geste mit der Hand.
"Dann sag es uns, erzähl uns was du weißt, ich habe es satt dir blind folgen zu müssen", forderte Cheron aufgebracht.
"Ihr wisst alles was ihr wissen müsst", erwiderte David, der wieder zu seine unahbaren, kühlen Art zurückgefunden hatte. Cheron spürte, wie ihm der Vorteil, den er sich gerade erspielt hatte, wieder entglitt, wenn er nicht entschlossen vorging, würde er weiter wie ein Schaf David folgen müssen.
"Lügner, wir wissen gar nichts, nun rück schon raus mit der Sprache!" rief Cheron und deutete anklagend mit dem Finger auf den Abenteurer. Jetzt endlich sprang Lentin ihm bei, wenn auch weniger energisch, als er erhofft hatte.
"Komm schon, David, wenn du mehr weißt als du gesagt hast, haben wir das Recht es zu erfahren, meinst du nicht?"
"Na schön", gab David klein bei, plötzlich wirkte er irgendwie erschöpft und angegriffen, "Iringrod ist groß, doch nur in Küstennähe gibt es fünf Dörfer, vier direkt an der Küste, eins liegt etwas weiter im Landesinneren. Wir sollten eines dieser Dörfer aufsuchen um uns genauere Informationen über den Schatz einzuholen."
"Gerüchte, Legenden... nichts greifbares", äffte Cheron nach.
"Genau", bestätigte David und schulterte seinen Teil des Proviants.
"Also los jetzt, wir haben einen schönen Fußmarsch vor uns!"
Erschöpft schritt Cheron am ersten Haus vorbei, welches gleichzeitig das äußerste Haus des Dorfes war. Sie hatten Frigoling erreicht, denn so hieß dieses Dorf wie ihnen ein Holzschild verkündetete. Der Weg war länger gewesen, als David, welcher noch immer ihr unbestrittener Anführer war, geschätzt hatte, offenbar kannte sich der Abenteuerer hier tatsächlich nicht so gut aus. Das Dorf bestand aus einer Reihe an windschiefen Hütten, einem Dorfplatz welcher um eine verkrüppelte Eiche herum entstanden war, einer kleinen Anlegestelle, an welcher drei Fischerboote lagen und zwei größeren Gebäuden. Das eine war die Taverne, zum tanzenden Troll, was Cheron an dem großen Namenschild, welches schon vom Rand des Dorfes zu sehen war, erkannte. Insgesamt machte Frigoling einen ziemlich ärmlichen Eindruck, zwar der Ort lag noch jenseits der Schneegrenze, doch nur am Hafen gab es Pflastersteine, der restliche Ort war einfach auf Sand gebaut. Es gab keine Mauer oder Palisade und es wohnten, so schätzte Cheron vielleicht fünfzig bis siebzig Menschen in diesem kümmerlichen Dorf. Auch Lentin schien vom Anblick des Dorfes ein wenig enttäuscht, zumindest war sein Blick nicht gerade erfreut, als er sich die aus morschem Holz gezimmerten Hütten besah. David hingegen schien nichts anderes erwartet zu haben und schritt weiter aus, direkt auf die Taverne zu.
Nur wenige Menschen waren momentan auf der Straße, doch alle blieben verwundert stehen, als sie Cheron und seine Gefährten erblickten. Einer, ein hagerer Kerl, mit einem Bogen über der Schulter, offensichtlich ein Jäger, sprach sie schließlich auch an:
"Woher kommt ihr denn, Reisende?"
"Vom Festland", erwiderte David knapp und ging weiter.
"Leute, Leute Besuch vom Festland", schrie der Mann aufgeregt und gestikulierte wild herum. David fuhr herum und packte den Mann am Arm.
"Pass auf Freundchen, wir legen keinen Wert darauf, hier auf offener Straße von allen angestarrt zu werden, lass den Blödsinn!"
Wütend dreinblickend, risss sich der Einheimische los, befolgte jedoch Davids Weisung. Gemeinsam setzten sie ihren Weg fort.
"Wir sollten uns eine Unterkunft in der Kneipe mieten und uns Morgen nach Informationen umhören", schlug David. seinen Gefährten über die Schulter hinweg vor.
"Denkst du, dass es eine gute Idee ist? Ich habe nicht das Gefühl, dass uns deine Aktion gerade weiter gebracht hat. Die Leute werden sicher nicht freundlicher zu uns sein und uns vielleicht das ein oder andere Verschweigen", moserte Cheron aufgebracht.
"Keine Sorge...", antwortete David und dann mehr an sich selbst gewand, "die reden schon..."
Nun hatten sie die Taverne erreicht und David stieß die Tür zu dem zweistöckigen Gebäude auf. Die typische Tavernenluft wehte den drei Gefährten, die nacheinander eintraten, entgegen. Es stank nach verbrannten Fleisch, Bier und schwitzenden Menschen, doch alles schien eine Spur erträglicher und dezenter, als noch in Nordmar. Gleich darauf erkannte Cheron auch den Grund dafür, im Schankraum waren nur drei Menschen anwesend, die alle an einem Tisch saßen und ein Spiel mit Karten spielten. Zudem war noch der Wirt hinter der Theke zugegen. Dieser machte ein erstauntes Gesicht, als er die Wanderer erblickte und nicht erkannte.
"Bei allen Göttern, wer seit ihr denn?" fragte der Mann, anscheinend beunruhigt.
"Kein Grund so verschreckt zu sein", meinte David und Cheron sah, dass er dem Wirt ein Lächeln schenkte, welches sich jedoch nciht auf seine Augen erstreckte, welche wie immer kalt und ernst blieben.
"Ich kenn euch nich", stellte der Wirt überflüssigerweise fest.
"Wir kommen vom Festland und sind weit gereist um-", setzte Lentin an, doch Cheron fuhr ihm hastig dazwischen und vollendete seinen Satz:
"Um... ja... die wunderschönen Gefilden von Iringrod zu erkunden."
Lentin wollte ihm widersprechen, doch er erkannte jetzt endlich die tödlichen Blicke, die Cheron ihm zusandte und schloss den Mund wieder.
"Um Iringrod zu erkunden... nun... mhh.. das ist zwar ungewöhnlich, aber solange ihr für etwas zu Essen gut bezahlt, soll es mir Recht sein", murrte der Wirt.
"Los rein da, jetzt", forderte David sie zum wiederholten Mal auf. Es war bereits Abend und langsam sanken die Temepraturen wieder unter den Gefrierpunkt. Cheron war es nicht gerade genehm, bei dieser Grabeskälte vor dem großen Gebäude zu stehen und zu frieren, doch ebensowenig wollte er in das Gebäude hinein. Denn in diesem Gebäude, welches eine Art provisorisches Rathaus darstellen sollte, wartete das Oberhaupt der Stadt auf sie. David wollte sie vorschicken um ein paar Erkundigungen einzuziehen. Cheron und auch Lentin verstanden nicht, warum der Abenteurer partout nicht mit hinein wollte.
"Ich frage dich jetzt noch einmal, warum schickst du uns vor?" fragte Cheron, verärgert über das merkwürdige Verhalten ihres Anführers. Genervt wedelte David mit der Hand und bedeutete ihnen hineinzugehen, doch Cheron verschränkte die Arme vor der Brust und machte ein trotziges Gesicht.
"Ihr sollt doch bloß mit diesem Dorfoberhaupt reden und ein paar Erkundigungen über die Gegend einziehen. Ich werde derweil die Bewohner nach dem Schatz ausfragen, den ihr bitte auf keinen Fall erwähnt!!" Diese Anweisung war Cheron jedoch völlig neu und daher erkundigte er sich:
"Was hat das für einen Sinn, vielleicht weiß dieser... wie heißt er?"
"Brogir", sprang Lentin ihm bei.
"...Ja danke, vielleicht weiß dieser Brogir ja etwas über den Schatz und kann uns helfen!"
"Vertraut mir einfach", bat David.
"Wie komm ich dazu?" fragte Cheron verärgert, doch Lentin schritt erneut ein.
"Jetzt ist aber echt gut, wir können doch einfach tun was David von uns verlangt, er weiß schon was er tut", argumentierte sein Freund. Diese Worte besändtigten Cheron einigermaßen, auch wenn es ihn störte, dass Lentin immer wieder Partei für David ergriff.
"Also gut, wir machens, aber wo treffen wir uns?"
"Wieder in der Taverne", schlug David vor und, woran Cheron und Lentin nichts auszusetzten hatten. Also verabschiedete sich David und die beiden Freunde wandten sich der übergroßen zweiflügligen Tür vor ihnen zu.
"Du zuerst", orderte Lentin und Cheron verdrehte die Augen. Er hatte nicht die geringste Lust als erster in das kalte Wasser zu springen, doch auf eine Diskussion wollte er sich ebenso wenig einlassen, also stieß er schwungvoll beide Türenteile gleichzeitig auf, welche auseinander schwangen. Flüchtig schoss Cheron durch den Kopf, dass es keine Wachen gab, die etwas gegen ungebetene Besucher tun könnten, doch das war wahrscheinlich nicht weiter verwunderlich, denn es gab anscheinend überhaupt keine Besucher auf Iringrod.
Der Anblick der sich ihm und Lentin, der nun hinter ihm eintrat, beeindruckte ihn wenig. Das Ganze gebäude war eine einzige große Halle, welche, wie alle anderen Häußer in Frigoling, einfach aus Holz gehauen war. Die Wände waren nicht verziert, es gab weder Wandteppiche noch Gemälde. Am anderen Ende der Halle war ein Tisch, dahinter ein Stuhl, auf welchem ein glatzköpfiger Mann saß und sie erwartungsvoll anblickte. Nervös schritt Cheron den langen Weg entlang, welcher zu dem Mann, anscheinend Brogir, führte, Lentin folgte ihm dicht auf. Schließlich hatten sie sich auf wenige Schritte genähert und Brogir ergriff dankenswerter Weise als erster das Wort:
"Ihr müsst die Fremden sein von welchen schon das ganze Dorf sprecht... ich hatte gehört ihr seit zu dritt. Aber ich werde unhöflich... wie ihr vielleicht schon gehört habt, ist mein Name Brogir und ich bin so etwas wie der Bürgermeister oder Statthalter oder einfach nur der Verwalter von Frigoling. Doch nun zu euch, was führt euch in den rauhen Norden, warum sucht ihr die unwirtlichsten Gefilden der Welt auf?"
Dieser Mann wuste sich auszudrücken, erkannte Cheron sofort und er wirkte auf ihn auch recht freundlich. Er hatte sanfte, ein wenig rundliche Gesichtzüge und war soweit Cheron es einschätze konnte, etwas Älter als David. Da Lentin auf den Mund gefallen zu sein schien, antwortete Cheron nach kurzem Schweigen, dem Dorfoberhaupt:
"Wir kommen aus Nordmar um diesen entlegenen Teil der Welt zu erkunden und wenn möglich zu... kartographieren. Es ist richtig, dass uns ein dritter Mann begleitet, er fühlt sich nicht recht wohl und ist in der Taverne verblieben. Doch wir wollten uns nach euren Ortskenntnissen erkundigen", Cheron war einen Momentlang fast entsetzt, wie glatt ihm diese Lüge über die Lippen gekommen war, doch Brogir ließ ihm keine Zeit für Gewissensbisse.
"Kartographieren mhh... das gefällt mir... wisst ihr, es gibt keine einzige brauchbare Karte und unsere Jäger sterben regelmäßig weil sie sich verschätzen. Dabei leben so oder so schon zu wenig Menschen auf Iringrod. Ist es möglich, dass wir, solltet ihr eure Expedition erfolgreich beenden ebenfalls ein Exemplar erhalten?"
"Eine solche Erhebung dauert eventuell Jahre, daher kann ich nichts versprechen, doch prinzipiell... schon", log Cheron kühl.
"Nun gut, unter diesen Umständen will ich euch alles sagen was ich über dieses Land weiß. Frigoling ist das östlichste aller Dörfer. Wenn ihr weiter an der Küste entlang wandert, werdet ihr auf drei andere Dörfer, von ähnlichen Außmaßen stoßen. Zudem liegt jenseits der Schneegrenze die Hauptstadt der Insel, ebenfalls Iringrod genannt. Sie ist schwer zu verfehlen, denn der Weg ist beschildert. Doch nehmt euch in Acht, die Gegend ist gefährlich und wenn ihr jagt, kann es vorkommen, dass ihr plötzlich zum Gejagten werdet. Viel mehr gibt es nicht zu sagen, außer das die Nächte bitterkalt sind, selbst in diesen recht warmen Tagen."
"Ich danke euch, wir werden uns nun zurück ziehen und die nächsten Schritte besprechen", sagte Cheron und gemeinsam mit Lentin machte er sich auf den Rückweg zur Taverne,
David/Edge
09.06.2007, 23:23
Die Dunkelheit brach herein, so stellte Edge fest, als er aus dem Fenster blickte. Es war an der Zeit, im schutze der Dunkelheit sollte der eigentliche Auftrag beginnen. Wie seine Gefährten ihm beschrieben hatten, war die große Halle unbewacht, ein ziemliches närrisches vorgehen, doch umso besser für Edge. Noch saß er mit Lentin und Cheron an einem Tisch und trank sein Wasser, wieder und wieder mussterte er dabei Cheron. Der junge Mann drohte zu einem echten Hinderniss zu werden, immer wieder versuchte er seine Barrikade zu durchbrechen und hinter seine eigentlichen Bewegründe zu steigen. Doch heute Nacht würde er es vielleicht erfahren.
"Ich werde noch einmal mit diesem Brogir sprechen", verkündete David unvermittelt, erhob sich und wand sich bereits zur Tür.
"Warum?" fragte einer und David war nicht erstaunt, als er feststellte, dass Cheron die Frage gestellt hatte.
"Eure Auskünfte sind mir nicht genau genug, ich werde versuchen mehr aus ihm herauszuholen", log Edge.
"Wir kommen mit", bestimmte Cheron und erhob sich, Lentin tat es ihm gleich.
Edge wollte widersprechen, doch dann überlegte er sich es anders, dann würden seine Gefährten es halt erfahren. Er würde die beiden schon im Auge behalten, sodass sie keinen Ärger machen konnten. Edge fühlte sich den beiden jungen Männern deutlich überlegen. Also zuckte er teilnahmslos mit den Schultern und schritt zur Tür hinaus, die beiden anderen folgten ihm geräuschvoll.
Auf den Straßen von Frigoling patrullierte ein Miliz, welcher eine Fackel bei sich trug, doch der Mann war keine Bedrohung für Edge, denn er konnte nicht durch Wände sehen. Sollten Cheron oder Lentin Alarm schlagen, musste er den Mann töten, doch David bezweifelte, dass ein verschlafener Stadtwächter eine große Herausforderung für ihn war.
Draußen war es sehr kalt, deutlich unter dem Gefrierpunkt, doch Edge ignorierte die Kälte. Langsam ergriff ihn eine wohlige Anspannung, welche vor jedem seiner Morde Besitz von ihm ergriff. Nicht das das töten ihm Freude bereitete, es war ihm bloß egal und die Bezahlungen war fürstlich. Mit weit ausgreifenden Schritten ging er zur Ratshalle hinüber, am Eingagstor waren wieder keine Wachen postiert, was Edge ein schwaches Lächeln entlockte. Das war fast zu einfach. Nun musste er nur die beiden Störenfriede ruhigstellen, damit sie ihm nicht dazwischen funkten.
"Meine Freunde, ihr wartet draußen, ich möchte alleine mit dem Mann sprechen", versuchte Edge es gütlich zu lösen, doch er ahnte bereits, dass Cheron jeden dieser Versuch unterbinden würde.
"Nein", kam es wie aus der Armbrust gefeurt, von Cheron und David verdrehte die Augen. Blitzschnell fuhr seine Hand vor, packte Cheron am Kragen und zog ihn zu sich heran. Obwohl der Schreiner Edge eigentlich um einiges überragte, war er in diesem Moment doch deutlich kleiner als der Mörder.
"Hör zu, ich habe keine Zeit für solche Spielerein, ihr wartet draußen, oder geht zurück in die Taverne, verstanden?"
Lentin drängelte sich zwischen Edge und Cheron und zwang den Mörder dazu, den anderen los zu lassen.
"David, ist gut, wir warten, aber mach sowas nie wieder", funkelte Lentin, offenbar zum ersten Mal wütenn auf ihn.
"Bleibt einfach hier und haltet euch bereit, achja und lasst niemanden herein", orderte David vielsagend und stieß die Tür auf, noch bevor die beiden Freunde lästige Fragen stellen konnten.
Im Schein einer einsamen Fackel, welchem am anderen Ende der Halle vor sich hin flackerte, saß Brogir in seinem Stuhl, über seine Aufzeichnungen gebeugt. Offenbar konnte er lesen und schreiben, was David verwunderte, denn er glaubte nicht, dass es auf Iringrod so etwas wie eine Schule gab. Vielleicht war Brogir ein Zugereister. Edge straffte sich innerlich, dass spielte nun keine Rolle mehr, die letzten Takte im Leben des Dorfoberhaupts waren angeschlagen und Edge war der Dirigent. Brogir hob seinen barhäuptigen Schädel, als er die beiden Türenflügel ins Schloss schlagen hörte.
"Besuch zu solch später Stunde?" fragte er. Doch David antwortete nicht sondern schritt nur, immer schneller werdend, auf den Mann am Schreibtisch zu.
"Wer seit ihr, der dritte Besucher?" wollte Brogir, der sich zusehends ungehaltener anhörte, wissen. Doch erneut beschleunigte Edge nur seine Schrittfolge, er war jetzt nur noch fünf Meter vom Tisch entfernt.
"Was wollt ihr", brüllte Brogir, jetzt hörbar in Panik und sprang von seinem Stuhl auf auf. Edge der längst rannte, setzte zum Sprung an und zog sein Schwert. Brogir versuchte zur Seite zu hechten, doch seine Bewegungen erschienen Edge lächerlich langsam, David übersprang den Tisch und traf Brogir mit den Knien an der Brust. Keuchend und schreiend ging das Dorfoberhaupt zu Boden und David landete auf ihm, wobei er ihm mindestens eine Rippe brach. Blitzschnell stand Edge wieder und setzte dem Bürgermeister die Klinge an die Kehle.
"Warum, sagt mir nur warum", bat Brogir, dem das blanke entsetzten in den Augen stand. David zuckte beiläufig mit den Schultern, es konnte nicht Schaden diesem Kerl seine letzte Bitte zu erfüllen, Edge hatte nichts gegen ihn persönlich.
"Sagen wir so, eure Freunde zahlen weniger als eure Feinde", erklärte Edge gelassen, stieß mit einem leichten Druck zu und tötete Brogir.
Nun begann der etwas härtere Teil, er musste fliehen, jetzt und hier, mitten in der Nacht, mit zwei Risikofaktoren am Bein. Doch Edge war sich sicher, dass er es schaffen konnte, mit gezogenem, bluttriefenden Schwert, stürmte er die lange Halle wieder zurück, auf die Tür hinzu. Binnen weniger Augenblicke hatte er sie erreicht und stieß sie auf.
"Was... David, da ist..... BLUT! Blut an deiner Klinge", stellte Lentin mit kreischiger Stimme fest.
"Du SCHWEIN", schrie Cheron, der als erster Begriff, mit diesen Worten stürzte er sich, ohne Waffe auf David. Lächerlich, war das Wort, welches David dazu einfiel, mit einem eleganten Schritt zur Seite ließ er den Schreiner ins Leere stürzen und versetzte ihm noch einen Tritt, der ihn endgültig zu Boden schickte.
"ALAAAARM!" brüllte Lentin geistesgenwärtig, noch bevor David ihn daran hindern konnte. Zur Strafe schnellte David vor, packte Lentin an der Gurgel, drückte hart und kurz zu, schleuderte ihn ebenfalls in den Schlamm und versetzte ihm einen Tritt.
"Nun sieh die Folgen deines Fehlers", befahl David, denn der Nachtwächter kam gerade um die Ecke gebogen, mit gezogenem Schwert und grimmiger Mine. David erwartete ihn mit gezogener Kline
"Was ist hier los, ich habe Schreie gehört und... bei allen Göttern, an eurer Klinge...", erkannte der Stadtwächter, doch noch bevor er seine Schlüsse daraus ziehen konnte, schrie Cheron, der wieder zu Bewustsein gekommen war,aber noch immre im Schlamm lag:
"Er hat Brogir getötet, er hat Brogir getötet!"
"Ihr..", setzte der Wächter an, doch seine Worte gingen in einen gurgelnden Laut über, da Edge ihm das Schwert kaltblütig in die Brust rammte und sofort wieder hinauszog. Mit weit aufgerissenen Augen viel der Mann auf die Knie, sein Schwert klatschte auf den Boden, seine Fackel ebenfalls und ganz langsam kippte er vornüber in den Schlamm.
"Du hast ihn umgebracht, jetzt hast du auch ihn umgebracht", stellte Cheron, der mittlerweile wieder halbewegs aufrecht stand, mit vor Zorn bebender Stimme, fest.
"IHR habt ihn", David deutete auf den Stadtwächter, "umgebracht, hättet ihr Ruhe gegeben, und wäret mit mir gekommen, würde er jetzt noch Leben. Also los jetzt, hilf Lentin wir verschwinden! Bevor andere Leute hier vorbeikommen!"
"WAS? Nein ich werde..." begehrte Cheron auf, doch David schnellte vor und stieß ihn, mit der waffenfreien Hand, abermals zu Boden, "Gar nichts wirst du? Verstehst du mich nicht, es müssen keine Menschen mehr sterben, wenn du jetzt Ruhe gibst!"
"Ich kann nicht", wimmerte Cheron, "Ich... kann nicht..", wiederholte er.
Grob riss David ihn wieder auf die Füße, er hatte keine Zeit für solche Schwacheiten.
"Helf ihm hoch, oder ich muss ihn töten, er kostet Zeit", befahl David hart und deutete mit dem Schwert drohend auf Lentin. Entsetzten machte sich in Cherons Gesicht breit und verdrängte Zorn, Trauer und Widerwillen, hastig beugte er sich über Lentin und beförderte ihn ins Reich der Lebenden zurück.
"Los jetzt, keine Dummheiten mehr, ihr geht voran und zwar hurtig", orderte David. Cheron stüzte Lentin, der noch immer nicht so recht zu wissen schien, was hier vor sich ging und David marschierte mit gezogener Klinge hinter ihnen her. Er hatte es geschafft.
Doch vier standen noch aus.
Regen, zum ersten Mal regnete es auf Irignrod und die unfreiwilligen Helfer blickten überrascht gen Himmel. Der Schreiner hatte nicht gedacht, dass es in Iringrod regnete, da die Temperaturen meistens unter dem Gefrierpunkt lagen. Auch jetzt war es noch kalt, doch wärme als gewöhnlich, der Tag war sozusagen außergewöhnlich heiß, für diese Gefilde. Sie gingen schon den gesamten Tag über in zügigem Tempo, offenbar befürchtete David, dass Verfolger aus Frigoling an ihren Fersen hefteten. Doch bis jetzt hatte sich niemand gezeigt.
Vor ihnen tauchte das Schild auf, Taurodingen, in Cherons Blickfeld zeichneten sich zwei Häuser ab. Sie erreichten die zweite Siedlung und Cheron schüttelte sich vor entsetzten, er, ebenso Lentin, wusste was das bedeutete, in wenigen Stunden, vielleicht in einem Tag, würde wieder ein Mensch, wenn nicht sogar mehrere sterben. Ihr Peiniger ging hinter ihnen, in den letzten anderthalb Tagen hatte er keine drei Sätze mit ihnen gesprochen, nur das allernotwendigste in sehr knapper Form. Nachts hatte er sie beide aneinander gefesselt und an einen der spärlichen Bäume gebunden. Doch Cheron wäre ohnehin nicht weg gelaufen, ihm fehlte jegliche Kraft, noch immer quälten ihn die Bilder jener schiksalschweren Nacht. David, der Lentin an der Grugel packte und zu Boden schleuderte, das Blut an seiner Klinge, die Wache, welche ihnen zur Hilfe kommen wollte, wieder die blutige Waffe Davids.
"IHR habt ihn umgebracht, klang es in seinen Ohren nach und Cherons Gesicht verzog sich, zu einer schmerzverzerrten Grimasse. War es so, wie der Mörder geasgt hatte, trugen er und Lentin Schuld am Tod des Wächters, nur weil sie Alarm geschlagen hatten. Cheron konnte sich diese Frage nicht beantworten, vielleicht wollte er es auch gar nicht, ein Teil seines Verstandes blockte krampfhaft jeden Gedanken an seine Schuld. Auch jetzt wechselte er schnell zu einem anderen Thema. Flüchtig warf er Lentin einen Blick zu, der Jäger sah ungefähr so schlecht aus, wie Cheron sich fühlte, sicher, körperlich waren keine Anzeichen festzustellen, doch hätte die Verwandlung des Menschen nicht tiefgreifender sein können. Auch Lentin hatte in den letzten Tagen beharrlich geschwiegen und es war, als ob ein bedrohlicher Schatten sich über sein Gesicht gelegt hatte. Nachts schlief der Jäger nicht, oder kaum, starrte stattdessen mit offenen Augen den Nachthimmel an.
"Bleibt stehen", kam es urplötzlich von David und natürlich gehorchten Lentin und Cheron. Schöne Haushunde, hat er sich gezüchtet, blitzte es irgendwo in dem Teil seines Verstandes, der nicht gelähmt war, auf.
"Passt auf, ich habe euch jetzt... fast zwei Tage lang über die Dinge nachdenken lassen die geschehen sind, aber jetzt... lässt es sich nicht länger aufschieben, ihr müsst eine Entscheidung treffen."
"Was, eine Entscheidung? Wir haben keine Entscheidungen mehr frei, du hast uns in diese gottverlassene Einöde geführt, uns belogen, genarrt und dazu gebracht dir bei einem Mord zu helfen, was gibt es da noch zu entscheiden... wir", zunächst brüllte Lentin mit hochrotem Schädel, doch die letzten Worte gingen in Schluchzern unter, Tränen rannen über das Gesicht des jungen Jägers, der offenbar noch schwerer mit der Schuld und den letzten Ereignissen zu kämpfen hatte. Cheron wollte ihm beispringen, irgendetwas sagen, doch stattdessen starrte er bloß stumm von David zu Lentin und wieder zurück, seine Gedanken waren furchtbar träge. Endlich, nach endlosen Moment der Stille, welche nur von Lentins leisem wimmern unterbrochen wurde, sagte David etwas:
"Ich weis... dass es schwer ist, für dich... für euch zu begreifen, ich verlange nicht von euch, dass ihr versteht oder vergebt. Doch wenn ihr in den nächsten Tagen das tut was ich sage, muss niemand sterben, der nicht auf meiner Liste steht und ihr werdet nach Hause zurückkehren können."
Mit diesen Worten, die so unverfroren und kühl über Davids Lippen kamen, dass sie Cheron einen Schauer über den Rücken jagten, erwachte der Schreiner aus seiner Trance, wütend fuhr er den Mörder an:
"So, keine Tote die auf deiner Liste stehen, wer steht denn noch auf deiner Liste, irgendwelche Wächter, Bürger, Jäger, Handwerker? Soll ich dir was verraten, ich spiele dieses verdammte Spiel nicht mit, sobald wir in der Stadt sind, wird sich schon eine Möglichkeit ergeben, dich zu verpfeifen und dann werden sie dich hängen, oder erschießen... oder es ist mir egal was genau sie mit dir anstellen, aber du wirst deine eigenen Mittel zu spüren bekommen."
"Du Narr", plötzlich schien auch der Killer in Rage, "Glaubst du es bereitet mir Freude zu töten? Hast du wirklich geglaubt Gewalt würde mir Spaß machen? Ich habe Nachrichten für dich, falsch gedacht! Ich lebe davon, es ist meine Arbeit. Doch trotzdem kann ich nachts ruhig schlafen, was zählt schon das eine Menschenleben? Ich muss mich entscheiden was wichtiger ist, mein Leben oder das Andere... mir fällt diese Entscheidung leicht. Willst du wissen warum? Weil ich erkannte habe, was es heißt zu LEBEN. Zu LEBEN, ihr Narren. Fressen oder Gefressen werden, so ist der Lauf der Welt."
Das waren die verblendeten Worte eines Irren, redete sich Cheron ein und erstickte das zwarte Pflänzchen des Zweifels. Gleichzeitig nahm er war, dass Lentin wie von Sinnen den Kopf schüttelte.
"Nein, nein, das kann nicht dein Ernst sein, nciht wirklich, diese verdrehte Moral ist doch nur eine Entschuldigung für dich selbst, du...", setzte Lentin an doch David funkelte ihn wütend an und Lentin verstummte. Dann blickte der Mörder von einem zum anderen und durchborhte sie mit seinen Blicken, doch die beiden Gefährten hielten stand.
"Also gut, meine Freunde", die Art und Weise in der er das Wort betonte, kam einer Beleidigung gleich, "in einem Punkt hattet ihr Recht. Ihr habt keine Wahl mehr, ihr werdet mich begleiten und ihr werdet mir helfen", einige Sekunden ließ er die Worte wirken, dann fügte er leise, kaum hörbar hinzu "Ich wollte euch bloß die Möglichkeit geben, die Art und Weise zu bestimmen." Einen Moment lang wirkte David wirklich enttäuscht, ja auf seine Wiese sogar einsam und verletzt, doch der Augenblick ging zu schnell vorüber und Cheron war sich nciht sicher, ob er sich nicht gettäuscht hatte, als David sehr viel lauter sagte:
"Los jetzt, es geht weiter!
Die Zeit war gekommen, seit zwei Tagen waren sie nun Taurodingen und David hatte alle Vorbereitungen getroffen. Geschickt hatte er die beiden Gefährten dazu gezwungen, ihm Informmationen zu beschaffen, die er brauchte um seinen Mord durchführen zu können. Nun war der Auftragsmörder bereit, er hatte sich den Anführer des Dorfes, einen klapprigen Alten, dessen Name Grimbald war, auf sein zimmer in der Dorftaverne bestellt um mit ihm über die kartographischen Möglichkeiten zu diskutieren. Natürlich war das kompletter Unsinn, wenn Grimbald das Zimmer betrat, würde er es nicht lebend verlassen. Doch Cheron und Lentin konnten nichts tun, sie saßen eingeschlossen in ihrem Zimmer und starrten stumm vor sich hin. Warum haben wir nichts getan, um David zu hindern, fragte sich Cheron überflüssigerweise immer und immer wieder, auch wenn er wusste, dass er nichts tun konnte. Sicher, es gab örtliche Milizen, doch die drei Dorftrottel, welche mit besseren Messern kämpften, hätte der Mörder spielend leicht erledigt. David versuchte lediglich jedes Risiko zu minimieren, doch wahrscheinlich hätte er auch einfach in die Haupthalle stürmen, das Dorfoberhaupt töten und abhauen können. Nein, sie hatten keine Wahl und doch fühlte sich Cheron schuldig und er wusste, dass Lentin noch stärke Qualen litt. Sein Freund hatte sich zunächst immer wieder auf die Seite des Mörders geschlagen, bevor David sein wahres Gesicht gezeigt hatte. Sein Vertrauen in Gott und die Welt war erschüttert, das grausame Handeln ihres Peinigers zerstörte sein Bild von Menschlichkeit, während Cheron zumindest schon genug Leid gesehen hatte, um nicht völlig durchzudrehen.
"Ich höre Schritte, jemand kommt aus dem Schankraum hinauf", bemerkte Lentin plötzlich. Tatsächlich, nun als Cheron darauf achtete, nahm er deutlich die schweren Schritte lederner Stiefel wahr, welche sich hinauf schleppten. Offenbar war die betreffende Person nicht besonders schnell, wahrscheinlich etwas älter.
"Das muss er sein", stellte Lentin fest und der Jäger, welcher auf seinem Bett saß und zur Wand starrte, hinter welcher sich das Zimmer des Mörders verbarg, begann zu zittern.
"Wir müssen etwas tun, jetzt... Cheron.. wir MÜSSEN, wir müssen doch.... wenn er stirbt... das kann ich einfach nciht...", Lentin sprang auf und tigerte ein, zweimal im Zimmer auf und ab. Der Schreiner hingegen war wie paralysiert, es war als wäre sein Körper von seinem Gehirn abgeschnitten, er konnte sich nicht bewegen, er lag einfach auf seinem Bett und seine Augen folgten dem Jäger, der offensichtlich am Rande eines totalen Zusammebruchs stand. Plötzlich, Cheron vernahm noch das Klopfen einer Faust an der benachbarten Tür, Davids Tür, warf Lentin sich mit aller Macht, die Schulter voran, gegen seine Zimmertüre. Das massive Stück Holz gab wie zu erwarten nicht nach, schleuderte Lentin stattdessen ein wenig zurück, der Jäger schlug mit einem dumpfen Knall auf dem Boden auf und stöhnte auf.
David und Grimbald schien das nicht zu stören, Cheron vernahm Stimmen, offenbar hatte David seinen Gast nun in sein Zimmer gebeten, noch immer nahm er alles furchtbar teilnahmslos, ja desinteressiert zur Kentniss, war aber unfähig darauf zu reagieren.
Nur aus den Augenwinkeln nahm er wahr, dass Lentin mit zwei langen Schritten auf ihn zu stürzte und plötzlich spürte er zwei Hände an seinem Oberteil, welche wütend rüttelten und zogen.
"CHERON, WAS SOLL DIESE VERDAMMTE NUMMER, DIESES SCHWEIN TÖTET GLEICH GRIMBALD!!!" brüllte Lentin und schlug förmlich auf Cheron ein. Der Schreiner zuckte zusammen, eine Sperre in seinem Kopf löste sich, Cheron glaubte fast, es klicken hören zu können, hastig sprang er aufund packte nun seinerseits Lentin am Kragen.
"Junge, hör mir zu, wenn du den nächsten verdammten Morgen sehen willst, dann halt einfach den Rand, wir können nichts mehr tun, nur hoffen das wir beiden heil hier herraus kommen!"
"Nein,Nein, das kann ich nicht... das ist doch widerlich, wie kannst du so etwas sagen?", schluchzte Lentin und trommelte mit den Fäusten auf Cherons Brust ein, sodass es ernsthaft schmerzte.
Plötzlich ertönte aus dem Nebenraum lautes Gepolter, gefolgt von einem kurzen Aufschrei. Lentins Augen weiteten sich unnatürlich, plötzlich nur noch flüsternd stellte er fest:
"Er hat es getan, er hat es getan", und sackte an Cherons Schulter zusammen. Just in diesem Moment flog ihre Zimmertüre auf, David ließ gerade das Schwert in die Scheide gleiten und wischte sich mit der anderen Hand ein wenig Blut aus dem Gesicht.
"Schnell wir müssen, weg hier", sagte er, furchtbar gelassen.
Cheron packte Lentin und schüttelte ihn grob, er durfte nicht schlapp machen, nicht jetzt.
"Los, los", drängte David, schon etwas weniger gelassen.
Cheron blickte in Lentins Augen, der Jäger war wieder bei klarem Bewusstsein, doch der Schmerz in den Augen seines Freundes war unendlich tief, wenn sie das hier heil überstanden, würde Lentin trotzdem nie wieder der selber Mensch sein.
"Wir müssen weiter", sagte Cheron, betont ruhig.
"Ja....", murmelte Lentin träge und folgte dem Schreiner wie in Trance zur Tür hinaus.
Der Wirt stellte keine Fragen und schon nach wenigen Sekunden waren sie draußen, auf dem Dorfplatz.
"Weiter, weiter nach Westen", drängte David, "Keine Dummheiten!"
Doch dazu waren die beiden Freunde gar nicht in der Lage.
"Meine Freunde", sagte David, als sie das Schild mit der Aufschrift, Njodelgir, passierten, und bedeuteten ihnen stehen zu bleiben.
"Die Spielregeln haben sich gerade etwas geändert", stellte er fest, als Cheron und Lentin stehen geblieben waren und ihn aus leeren Augen anblickten. Die beiden Freunde waren am Ende mit ihren Kräften, die ganze Nacht und den ganzen Tag waren sie vor David, der offensichtlich absolut unermüdlich war, hergelaufen um das zu erreichen.
"Was willst du denn noch... lass uns doch einfach... gehen, du brauchst uns nicht...", flehte Cheron, auch wenn er sich selbst nicht sehen konnte, wusste er, dass sein Gesicht vor Schmerzen und trauer verzerrt war. Lentin sah nicht besser, eher noch schlechter aus und wíeder einmal rann eine einsame Träne an seiner Wange hinunter.
"Oh, ihr wart bisher eine große Hilfe und werdet es auch weiterhin sein, also hört euch an was ich zu sagen habe", forderte David und sein Tonfall ließ keinen Widerspruch zu. Cheron hätte ohnehin nichts mehr gesagt, es hatte keinen Sinn. Warum sollte er sich noch gegen etwas auflehnen, was er nicht verhindern konnte. Er wünschte sich nur einfach gehen zu können.
"Ihr könnt nicht weglaufen, so einfach ist das Leben nicht, nun reißt euch zusammen", fügte David, der, so stellte Cheron, beinahe teilnahmslos fest, auch noch Gedanken lesen konnte, hinzu.
"Also, ich habe nun alle Informationen, die ich benötige, dieser Grimbald hat mich über alles aufgeklärt, auch das dritte Oberhaupt der Dörfer regiert von einer großen Halle, am Dorfplatz aus. Ich brauche euch also tatsächlich für diesen Auftrag kaum. Daher werde ich sofort hineingehen und die Mission vorantreiben. Ihr beide passt bloß auf, dass uns niemand bei... der Abwicklung der Geschäfte... stört."
"SAGS DOCH!!! Du tötest wieder, du gemeiner Mörder", brüllte Lentin wieder, instinktiv wirbelte David herum und blickte sich nach einem Zeugen um, den er eventuell ermorden musste, doch niemand war zu finden.
"Mach das nicht noch einmal, du verdammter Narr", zischte David und packte Lentin am Kragen, "Wir haben keine Zeit für so etwas, wir werden verfolgt verstehtst du? Von nun an seit ihr endgültig an mich gebunden!"
Verfolgt? Das hörte sich gut an, vielleicht konnten die vereinten Milizionäre diesen eiskalten Mörder aufhalten.
"Was hindert uns daran, den Verfolgern in die Hände zu spielen?" fragte Cheron gehässig und glaubte fast einen Schwachpunkt entdeckt zu haben.
"Weil ihr dann genauso sterben werdet wie ich, oder glaubt ihr ernsthaft, sie glauben euch?"
Das war nicht von der Hand zu weisen und Cherons Mut sank wieder ins Bodenlose.
David erklärte die Unterredung für beendet, indem er einfach weiterstiefelte, die Gefährten folgten ihm widerwillig. Auf dem Weg zum Rathaus trafen sie die üblichen Gaffer, die noch nicht wussten, dass zumindest einer der Fremden, das personifizierte Böse zu sein schien. So zumindest wirkte David mittlerweile auf Cheron, er war kühler als Eis und doch war es schwer ihm keine Symphatie entgegen zu bringen, wenn man ihn bloß nicht kannte. Spielend brachte er die Dorfoberhäupter dazu nach seiner Pfeife zu tanzen, bevor er sie umbrachte. Zudem war er so unwahrscheinlich schlau, dass Cheron und Lentin nicht die geringste Chance hatten. Schon erreichten sie das provisorische Rathaus von Njodelgir. Es Unterschied sich nur in unwesentlichen Punkten von den ersten Beiden, die Cheron gesehen hatte. Im großen und ganzen war auch dieses Rathaus nur eine bessere Holzhütte, welche zumindest annähernd grade aufgebaut worden war.
"Wir machen das ganz einfach... Lentin, du bleibst draußen, Cheron, du kommst mit rein. Lentin... wenn du versuchen solltest jemanden zu informieren, dann töte ich Cheron auf der Stelle. Komm jetzt, Cheron", mit diesen berechnenden Worten stieß er die zweiflüglige Tür auf und betrat die lange Halle. Cheron, der vor Panik kaum noch klar denken konnte, warf Lentin einen flehenden Blick zu und huschte hinter dem Mörder her, kurz bevor die Torflügel wieder ins Schloss fielen. Hoffentlich behielt Lentin die Nerven. Denn in Sekundenschnelle war Cheron ein verzweifleter, geradezu lächerlicher Plan gekommen, den er jedoch sofort in die Tat umzusetzten gedachte. Was hatte er schon zu verlieren?
"Wer seit ihr", tönte es ihnen vom anderen Ende der Halle. David setzte zu sprechen an, doch Cheron, der etwas schräg versetzt hinter dem Kaltblütigen ging, brüllte stattdessen eine Antwort:
"Past auf, er will euch Töten, er ist ein Mörder", und warf sich noch mit diesen Worten mit seinem gesamten Gewicht gegen David. Tatsächlich erwischte er David auf dem falschen Fuß, gemeinsam mit Cheron stürzte der Mörder zu Boden, der Aufprall war alles andere als sachte. Trotzdem vernahm er ein entferntes Schleifen, ganz so als würde jemand sein Schwert ziehen und innerlich jubilierte Cheron schon auf. Doch David stieß ihn just in diesem Augenblick grob von sich herunter und sprang in einer unnatürlich schnellen Bewegung wieder auf die Beine. Cheron hingegen war unendlich langsam und erfasste gerade noch, dass das Oberhaupt der Stadt mit gezogenen Schwert auf sie zustürmte und sie fast erreicht hatte. Doch David schein sich in einer anderen Zeit zu bewegen, er zog einen Wurfdolch und schleuderte ihn in einer präzisen, fließenden Bewegung nach dem Mann, welcher im Gesicht getroffen wurden und brutal zurückgeschleudert wurde.
Natürlich war er tot. Cheron lag noch immer bäuchlings auf dem Boden und hatte kaum die Kraft gefunden, den Kopf zu heben um das grausame Schauchspiel zu begutachten. Nun jedoch riss ihn der Mörder brutal hoch und schleifte ihn hinter sich her.
"Das hättest du nicht tun sollen", zürnte er und stieß die Tür auf...
Nun standen sie also vor Iringrod, dem Dorf, benannt nach der Insel. Dafür hatten sie die Schnee und Eisgrenze hinter sich gelassen und standen nun vor dem verschneiten Dorf. Es war kaum größer als die vorherigen Dörfer, doch immerhin gab es eine kleine hölzerne Palisade und einie grimmig aussehende Torwache. Den vierten Bürgermeister hatte David ebenfalls ermordet, mit beinahe lcächerliche Gelassenheit und Ruhe. Mittlerweile jedoch war ihnen sicherlich die halbe Bevölkerung der Insel auf den Fersen, für David musste es jetzt sehr schnell gehen, wenn er noch eine Chance haben wollte die Insel lebend zu verlassen und Cheron machte sich keine Illusionen, auch für Lentin und ihn sah es schlecht aus, wenn man sie auf diese Art mit dem Täter in Verbindung bringen würde. Langsam schritten sie auf die Torwache zu und Cheron war hin und her gerissen zwischen der Befürchtung, enttarnt und mit dem Mörder gehängt zu werden und dem Wunsch, David endlich das Handwerk zu legen. Denn wenn sie eine Chance hatten, dann sicherlich in Iringrod, hier waren sicherlich die besten Gardisten und Wachen, vielleicht reichte es um David zu stellen.
"Wer seit ihr, woher kommt ihr, was wollt ihr?" fragte die Wache, offenbar vorschriftsgemäß.
"Vom Festland, wir suchen den obersten Mann in diesem Dorf, den Adligen, welcher einem Geschlecht vom Festland entsprungen ist", eröffnete David eiskalt und Cheron war drauf und dran loszubrüllen. "Er ist ein Mörder und mieser Verräter, glaubt ihm kein Wort", natürlich tat er es nicht und sah, wie Lentin ebenfalls, tatenlos zu, wie die Wache überrascht nickte und sie anstandslos passieren ließ.
"Meine Freunde," begann David, "Hier der Plan, wir werden....", wollte er ihnen erklären doch Lentin unterbrach ihn, die Jäger hatte in den letzten Tagen nicht mehr gesprochen, weder mit Cheron noch mit David und der Schreiner wandte sich überrascht um.
"Gar nichts werden wir.... pass auf!!" in einer geschmeidigen Bewegung sprang er vor, und schlug auf den Auftragsmörder ein und traf ihn tatsächlich, mitten im Gesicht, David reagierte gar nicht. Offenbar benommen taumelter er zurück und Lentin witterte Morgenluft, hastig setzte er nach und warf David zu Boden, sekunden später war er über ihm. Cheron stand noch immer paralysiert dabei und bewegte sich nicht vom Fleck, da stimmte etwas nicht, da stimmte etwas gar nicht, schoss es ihm immer wieder durch den Kopf, während Lentin wie von Sinnen auf den Mörder einschlug, der nicht die geringste vorm von Gegenwehr aufblitzen ließ. Inzwischen waren die Umstehenden auf die Kämpfenden aufmerksam geworden und Cheron hörte die schweren Schritte von Männern in Rüstungen, das klirren von gezogenen Waffen.
Plötzlich wurde ihm heiß und kalt zugleich.
"Leeeeentin, neiiiin, hör auf", er wollte noch vorspringen und seinen Freund wegreißen, doch es war zu spät, Lentins hatte dem mörder einen Dolch entwendet und wollte gerade zustoßen, als die Wachen heran waren.
Brutal packte sie Lentin mit zwei Männern und wollten ihn wegzerren, doch es war, als wäre der Leibhaftige selbst in den Jäger gefahren, Lentin brüllte:
"Lasst mich, ich töte dieses miese Schwein, hier und jetzt!" er sprang wieder vor und wollte zustoßen. Jetzt erst reagierte David und rollte sich zur Seite weg, ganz so als wäre er das Opfer. Lentins Stoß ging ins leere und er fiel beinahe zu Boden.
"Waffe weg, Freundchen oder ich leg dich um", schrie eine der Wachen.
"Lentin, hör auf, bitte", rief Cheron seinem Freund panisch zu, doch er hörte noch immer nicht, sondern rappelte sich auf und setzte dem eigentlichen Mörder nach.
"Ich krieg dich und wenns das letzte ist...", japste der Jäger.
"Helft mir, helft mir, Beliar ist in seiner Seele!!" kreischte David, der Lentin eigentlich meilenweit überlegen war. Natürlich legte er es darauf an, dass die Wächter Lentin umbrachten und er als Opfer da stand. Natürlich bemerkte der Jäger selbst, in seinem Zorn, nichts davon.
"Lentin, hör auf bit...", wollte Cheron voller panik rufen doch es war zu spät.
Das metallische Klacken zweier Armbrüste ertönte, ein Aufschrei, Lentin ging zu Boden. Cherons Augen weiteten sich unatürlich, schreiend warf er sich neben seinem Freund zu Boden, welcher mit dem Gesicht im Schlamm gelandet war, zwei Bolzen im Rücken. Cheron drehte ihn hastig herum, während David sich in seinen Augenwinkeln erhob. Lentin lebte noch... doch er war verloren, Cheron sah es in seinen Augen, sie waren gebrochen und ein Schleier schien sich über sie zu legen.
"Warum hast du das getan", schluchzte Cheron und fuhr sich mit dem ärmel über die Augen.
Lentin versuchte zu lächeln doch nur eine hässliche blutende Fratze kam dabei herum.
Plötzlich spürte Cheron einen eisernen Griff auf seiner Schulter. David.
Er zog Cheron auf die Beine und verkündete lautstark.
"Komm weg hier, nciht das dieser Irre noch einmal aufspringt!"
Cheron wollte ihn schlagen, beißen, treten, herumbrüllen, das sie gerade seinen einzigen Freund ermordet hatten, weil sie auf diesen Mörder herinfielen. Doch er tat nichts von alledem, sondern folgte David, geistig völlig gelähmt.
David/Edge
18.06.2007, 22:25
Sein verbliebener Begleiter erwachte plötzlich aus seiner Gedankenstarre und begann von hinten auf ihn einzuschlagen. Wütend fuhr David, dessen Plan zu scheitern drohte, herum und packte die geballte Faust Cherons.
"Du hast ihn umgebracht!!!!" der Schreiner schrie sich die Seele aus dem Leib, als ob es kein Morgen gäbe. Und wenn er nicht aufpasste, gab es das vielleicht wirklich nicht. Diser Narr, dachte David verärgert und zog Cheron grob hinter sich her, bis sie in einer schlammigen Seitenstraße, unweit des Rathauses zum stehen kam.
"Halt den Rand, ich habe ihn nicht umgebracht, oder habe ich den Bolzen abgefeuerte, der sich durch seinen Körper bohrte abgefeuert?"
"Nein, aber du wusstest es und du wolltest es", brüllte Cheron aufgebracht.
David packte ihn mit beiden Händen an den Schultern und rüttelte ihn brutal.
"Ich wollte gar ncihts, nur meine Arbeit erledigen, verstehst du? Lentin sollte nicht sterben. Er selbst hat es darauf angelegt!!"
"Du wolltest es", stieß Cheron verborht hervor.
"Niemand, der nciht auf meiner Liste stand,wäre gestorben wenn ihr euch verdammt noch Mal vernünftig verhalten hättet. Auch Lentin nicht, gerade Lentin NICHT. Ist es denn so schwer?"
"Ja verdammt, du Drecksschwein!!" spie Cheron aus und wehrte sich gegen Davids Griff, doch Edge dachte nicht daran loszulassen.
"Hör zu, wenn wir das jetzt durchziehen, dann kommst wenigstens DU lebend hier runter!"
"Nein... nein, ich kann nicht... ich kann nicht... du hast... Lentin..", von einem Moment auf den anderen war der Schreiner ein schluchzendes Nervenbündel.
"Du wirst jetzt mitkommen und ich werde diesen verdammten Auftrag zu Ende bringen", befahl Edge und ließ Cheron endlich frei, um ihm die Illusion zu geben, er könne frei entscheiden.
"Was bliebt mir schon", schniefte, "Aber ich schwöre dir, irgendwann bringe ich dich um!"
"Damit kann ich leben", murmelte Edge und stiefelte, mit Cheron im Schlepptau, auf das Rathaus zu. Nun würde er es zu Ende bringen, es konnte nicht so schwer sein, die Menschen hier waren wie Cheron. Hinterher waren sie immer schlauer, doch vorsichtiger wurden sie davon nicht. Auch vor der Residenzs des Adligen waren keine Wachen zu finden, er konnte einfach hineinspatzieren. Einige, die von der Schlägerei mit blutigem Ausgang Wind bekommen hatten, schenktem ihm fragende Blicke, doch keiner hatte Verdacht geschöpft, alle hielten ihn für das arme Opfer.
Die Ratshalle war kürzer als gewohnt, jedoch mit wertvoll aussehenden Steinplatte ausgelgt, zudem hingen einige Wandteppiche an der Wand.
"Tretet ein, Reisende, ich nehme an ihr seit die Fremden, die in diesen bedauerlichen Zwiscehnfall mit dem wahnsinnigen verwickelt waren? Wie konnte es dazu kommen, ihr brachtet gehörig Unruhe in mein Dorf", begrüßte sie der Adlige, welcher Etheniel hieß tadelnd.
"Verzeiht, euer Hoheit, er war von Beliar bessesen und hielt mich offensichtlich für einen irren Mörder, er war nie ganz richtig im Kopf, doch wir dachten, wir hätten ihn unter Kontrolle", antwortete Edge und hielt auf den Adligen der an einem prunkvollen Tisch saß und zu ihm aufsah, zu.
"Nun... bedauerlich... wirklich traurig, doch was führt euch zu mir" wollte der Adlige wissen.
"Nun...", setzte Edge an und zog gemächlich einen der Wurfdolche aus dem Gürtel, "Manchmal...", er erkannte das entsetze Erstaunen in den Augen des Adligen der noch aufspringen wollte um seinem Wurf zu entgehen, "liegen die Geschöpfe Beliars gar nicht so falsch", rief David und schleuderte den Dolch nach Etheniel. Die kleine Klinge bohrte sich in den Brustkorb des Mannes, welcher regelrecht an den Stuhl genagelt wurde und in sich zusammensackte.
Hastig wandte er sich an Cheron.
"Wir trennen uns hier, versuche keine dummen sachen anzustellen ja? Du musst eine ganze Weile nach Osten reisen, bist du wieder zum Schiff kommst, es gehört dir. Hier", er warf seinen gesammelten Proviant, samt Wasserflaschen vor Cheron hin, er würde ihn nicht mehr benötigen.
"Du wirst es brauchen."
Verduzt klaubte Cheron seine neuen Habseligkeiten zusammen.
"Warum?" fragte der Schreiner, als ob sie alle Zeit der Welt hätten.
"Ich lebe davon, aber meine Aufgabe ist nun beendet, ich hoffe du schaffst es", mit diesen Worten drückte er sich an Cheron vorbei und verließ die Residenz, einige Meter weiter, verschwand er in den Schatten der Stadt.
Ende
Anm: Cheron schafft es binnen der nächsten zwei Wochen zurück zum Schiff zu gelangen, mehr muss dazu nicht gepostet werden.
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