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View Full Version : Auf dem Meer #9



Kialar
25.10.2011, 15:10
Es war alles recht schnell gegangen.
Kialar hatte gerade erst die Nachricht verdaut, mit einer Truppe von Ordensrittern in Richtung Festland zu segeln, um dort einerseits dem Pilgerzug als magische Unterstützung beiseite zu stehen und dem Innosrat in Vengard den versiegelten Brief zu übergeben, da ging es schon Schlag auf Schlag.
Zuallererst hatte er sich nur beiläufig nach besagtem Schiff Esmeralda erkundigt und sogleich herausgefunden, dass sie seebereit war; ja tatsächlich dass sie bald auslaufen würde. Es war ihm also nichts anderes übrig geblieben, als seine wichtigsten Utensilien – was bestenfalls eine bescheidene Tasche ergab – zu packen, seinen Schüler aus der unmittelbaren Stabkampfübung zu reißen und das Schiff zu betreten.

Eine Nacht war inzwischen ins Meer gezogen und der Feuermagier stand unschlüssiger, doch guter Dinge am Deck. Obwohl ihm der Wind das Frösteln lehrte und seine Hände immer bläulicher wurden, freute er sich über diese Reise.
Es tat dem gebürtigen Varanter stets gut, aus den alltäglichen Gewohnheiten gerissen zu werden. Er nahm die Dinge, wie sie kamen und wenn er sich auch nicht ganz darüber im Klaren war, worin sein Auftrag bestand und die Vorstellung von Nordmar ihm auch nicht gerade das Herz erwärmte, so freute er sich doch auf das Festland, wo sein weiter Weg als Diener Innos’ begonnen hatte.
Die Besatzung des Schiffes war ein ziemlich zusammen gewürfelter Haufen, deren Mitglieder von strengen ehemaligen Soldaten, über grobe Säbelschwinger bis zu streng Innosgläubigen reichten. Dies hatte er gestern bei einem kleinen Würfelspiel der Truppe beobachten können. Da wurde geflucht, gepriesen, gezankt, gelacht, getrunken und der übliche Seemannsgarn gesponnen.
Kialar war fast in einen Streit geraten, als er bei einer dieser Szenen laut auflachen musste.
„Siehst du meine Hand, Junge…siehst du sie?!“, hatte ein alter Matrose mit erhobener Hand einem Burschen gedroht. Der Wüstensohn konnte nicht an sich halten, als er den Gesichtsausdruck des Jungen gesehen hatte.
„Was gibt’s da zu lachen, häh?“, war der Fokus des Alten sofort auf ihn gefallen. „DU siehst mir auch so aus, als hättest schon lange keine Ohrlasche mehr erhalten?“
Glücklicherweise war die Wutspanne des Mannes so kurz gewesen, dass sie bald wieder auf jemand anderes gefallen war und sich der Magier davonstehlen konnte.

Ansonsten waren auf dem Schiff jede Menge Ordensbrüder, Ritter, Soldaten, wobei Kialar nur ein paar Namen und Ränge aufgeschnappt hatte und der Rest ihm ohnehin unbekannt war. Lediglich Rodeon kannte er bereits ein wenig, ein paar andere hatte er bei seiner Weihe gesehen, aber nicht mit ihnen gesprochen. Demnach war er gespannt, wie sich die Reise mit ihnen entwickeln würde.
Außerdem war da noch Iolaus, dessen Meinung er gar nicht eingeholt hatte. Was der Adlatus von der Reise hielt, ob sie ihr Stabkampftraining weiterhin fortführen wollten…das alles hatten sie nicht besprochen.
Diesen Unklarheiten zum Trotz, blickte der Feuermagier in den weiten Ozean hinaus und freute sich über jede Welle, die das Schiff nahm.

Iolaus
25.10.2011, 18:17
„Ich habe nichts gegen diese Reise“, sprach Iolaus, während er und sein Lehrmeister in der Kombüse mit der Crew saßen. Lange Zeit beherrschte Schmatzen, Schlürfen und das Klackern von hölzernem Besteck den Raum, ehe sich der junge Adlatus eher flüsternd an den Feuermagier gewandt hatte. „Ich habe Eure Blicke gesehen, fast so als würdet Ihr erwarten, dass ich bald meinen Unmut äußere. Aber der Gedanke, bekannte Lande wieder zu sehen … behagt mir wirklich“, erklärte sich Iolaus grinsend.
Die Crew interessierte sich nicht sehr für sie. Ab und zu wurden sie in höfliche Konversation verwickelt, aber meist ließ man sie in Ruhe. Thema bei den Seeleuten war das, was man am letzten Tage beim Auslaufen gesehen hatte. Die Masten eines Kriegsschiffes der Myrtanischen Marine ragten schief aus dem Wasser des Hafens heraus, boten ein Heim für freudig kreischende Möwen. Die Stadtwache war an der Stelle des Kais gewesen und hatte alles abgesperrt und die neugierigen Bürger und Arbeiter verscheucht. Scheinbar war eines der Schiffe unerklärlicherweise gesunken. Zumindest sagten dies die Seeleute.
„Kialar, wie geht es nun eigentlich weiter? Üben wir hier auf dem Schiff weiter, bei dem Seegang?“, fragte er, wohl wissend, das das Meer gerade in der stürmischeren Jahreszeit wahrlich ruhelos war. „Oder werden wir erst in Vengard – wenn wir festen Boden unter den Füßen haben – weitermachen?“
Fragend blickte der Adlatus den Magier an, während er seinen Zwieback in der wässrigen Suppe aufzuweichen versuchte.

Kialar
25.10.2011, 18:56
Kialar hatte tatsächlich darauf gewartet, dass sich Iolaus zur Reise äußern würde. Froh darüber, auch in seinem Schüler ein Abenteuerherz schlagen zu sehen, schlug er ihm aus einer Laune heraus freundschaftlich auf die Schulter, was ihm im Nachhinein etwas albern vorkam, besonders beim Essen.
Der Adlatus blickte ihn unschlüssig an, dann nahm er den nächsten Löffel Suppe und schien sich in Geduld zu üben, bis sein Stabkampflehrmeister endlich antworten würde. Kialar nahm unterdessen noch ein Stück Brot, biss genüsslich ab und meinte „Ich würde vorschlagen, wir machen hier weiter. Es ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, dass du irgendwann Mal gezwungen bist ausgerechnet auf einem Schiff zu kämpfen…und so ein langer Stab bietet sich da auch nicht unbedingt an, aber egal. Das Schiff wankt und das allein ist schon ein Grund, den Grund unter den Füßen als neues Hindernis in unsere Übungen einzubauen.“ Er schmatze, das Brot schmeckte ihm und während er mit diesem auf Iolaus zeigte, führte er aus. „Wir sind zwar keine Akrobaten, hmnam, aber…Geschick ist immer gut.“
Sein Schüler nickte nur. Ob seine Ausführung doch zu wirr waren?
Nachdem sie ihr Mahl beendet hatten und der Rest der Leute noch vertieft in ihre Suppen waren, packten die zwei Stabkämpfer ihre Waffen und verließen die warme Stube, um sich dem sicher ungemütlichen Wetter am Deck des Schiffs zu stellen. Glücklicherweise war das Meer sanft, die weitere Schiffsroute unproblematisch und so wurden sie zumindest während der klassischen Aufstellung zweier Duellanten noch nicht von herumtollenden Matrosen beirrt.

„Ich habe das letzte Mal nur DICH angreifen lassen, während ich verteidigte. Du bist nicht durch meine Verteidigung durchgedrungen, das war aber auch nicht weiter überraschend…“ Er lächelte und Iolaus schien mit den Augen zu rollen.
„Dennoch, die Schläge waren nicht schlecht ausgeführt, jetzt fehlt es aber natürlich noch an Feinschliff und einer eigenen persönlichen Note. Die Technik der Grundschläge beherrscht du aber denke ich schon Mal.“ Dies kleine Lob schien ihm gerade recht.
Während er den Stab kreisen ließ, erzählte er „Ich habe den Stabkampf zusammen mit einem anderen Mann gelernt, der sich darauf spezialisiert hat, ausladende, kräftige Schläge anzubringen, während ich eher schnelle Attacken bevorzuge.“ Sein Schüler hatte sich auf den Stab gelehnt und hörte nur zu. Umso überraschter schien er zu sein, als nun Kialar ein paar kleine Schläge auf dessen Stab nieder regnen ließ und Iolaus damit in eine etwas unangenehme Schieflage beförderte. Fast verlor dieser den Stab, als er zur Seite kippte und erst nach einem Augenblick das Gleichgewicht zurück gewann, während sich Überraschung auf seinem Gesicht breit machte.
„Sowas in etwa will ich damit bewirken, ja.“, grinste der Feuermagier.
„…und genau das musst du herausfinden. Bist du ein flinker, geschickter Stabwirbler oder ein gefährlicher, kräftiger mit Wucht zuschlagender Stabkrieger.“ Er blickte seinen Schüler kurz fragend an, dann nickte er und kam zum eigentlichen Punkt. „Aber das nur als kleine Ergänzung zu unserer letzten Lektion. Heute möchte ich – und ich habe ja bereits begonnen -, dass DU verteidigst. Ich werde langsam starten und nur jene Schläge anwenden, die ich dir bereits gezeigt habe. Bereit?“
Sein Schüler nickte und er verbeugte sich.
Dann holte er zu einem ersten kräftigen Schlag von Links aus…

Iolaus
25.10.2011, 22:10
Der erste Schlag kam von links. Kräftig mit gutem Schwung. Der Adlatus hatte nur einen Augenblick, um zu reagieren, weswegen er flink die Hände weit auseinander an den Stab legte, den hob und den Hieb so abwehrte. Gerade da merkte er, dass selbst ein eher schlanker Mensch wie Kialar mit einem Stab hart zuschlagen konnte.
Es folgten mehrmals Schläge von der linken Seite, ehe sich der Lehrmeister dazu entschloss, von rechts in schneller Folge Hiebe zu verteilen, die mehr oder minder erfolgreich geblockt wurden.
Unschön für Iolaus wurde es erst, als der Stabmeister zustieß. Zwar nicht mit voller Kraft, aber ordentlich genug, dass der Schüler in die Knie ging und keuchte.
„Verdammt“, fluchte er, während er sich versuchte aufzurichten. Gerade in dem Moment jedoch nahm das Schiff eine Welle, deren Auswirkungen den Schüler erneut wanken ließen. Zu dem Keuchen gesellte sich einen Moment ein Würgen, im zweiten Moment ein noch heftigeres Würgen und im letzten Moment jagte der Adlatus zur Reling und erbrach das spärliche Essen des Tages in die See. „Ich hasse Schiffsfahrten. Wo war mein Fehler, Kialar? Wie soll ich“ – er wischte sich kurz mit dem Ärmel über den Mund – „die Stöße aufhalten?“

Kialar
25.10.2011, 22:57
Kialar lächelte gutmütig.
„Sieht so aus, als wäre das Schiff doch nicht so optimal für unsere Übungsstunden. Komm, wir gehen besser unter Deck, in der Mitte merkt man das Schwanken nicht so…bilde ich mir zumindest ein.“
Er half Iolaus beim Hinabstolpern in die unteren Kajüten. Gerade, als er die Treppe hinab ging, kam ihm ein Ordensritter entgegen.
„Innos mit dir.“, sagte er beim Vorbeigehen. Dieser nickte ihm ehrerbietig zu und erwiderte den Gruß. Bisher hatten sich die Ordensbrüder kaum gezeigt, schienen untereinander zu bleiben oder waren ganz einfach nicht auf frische Luft erpicht, vermutete der Feuermagier. Spätestens am Festland, würde sich aber wohl eine Gelegenheit ergeben, mit ihnen zu reden.

Netze, Kisten, lose Bretter, ein paar Fässer, Hängematten, enge, dunkle und stickige Räume…er bereute es bereits, hier hinab gestiegen zu sein und Iolaus ebenso, dem wohl die frische Luft besser getan hätte. Spätestens jedoch, als sich der Adlatus niedergesetzt hatte, schien es etwas besser zu gehen.
Das Schiff ächzte und wankte, während oberhalb Schritte zu hören waren. Die meisten hatten sich aber wohl schon zur Nachtruhe zurückgezogen. Eigentlich wollte Kialar zu dieser späten Zeit ungern stören, doch die heutige Lektion musste er noch abschließen.
„Die Sache ist die…“, begann er mit leiser Stimme zu sprechen. „…es war nur eine Frage der Zeit, bis deine Kondition streikt. Ich habe das natürlich herausgefordert, ich gebe es zu…“ Er grinste. „…aber für das erste Mal hast du dich wacker geschlagen. Was deine Frage betrifft, wie du den Stoß abwehrst. Stabkampf heißt, nicht nur mit der Waffe gut umgehen zu können. Die Beinarbeit und die körperliche Geschicklichkeit spielt genauso eine Rolle. Bei unserem nächsten Kampf möchte ich dich also tänzeln sehen…besonders bei so einem Stoß kann ein kleiner Schritt zur Seite Wunder wirken.“
Iolaus schien sich etwas von seiner Seekrankheit erholt zu haben, sah aber etwas zerschlagen und müde aus. Dennoch nickte der Adlatus mit leicht herabhängendem Kopf.
„Naja, aber die nächste Lektion wird wieder auf festem Boden stattfinden…wobei, vielleicht auch auf Schnee und Eis, wer weiß?“ Kialar zuckte mit den Achseln. „Ich gehe noch mal an Deck…und du solltest schlafen gehen, hehe. Innos mit dir!“
…und mit diesen Worten begab sich der Feuermagier zurück auf das Deck der Esmeralda und blickte in Richtung Festland.
Wo und wann würden sie wohl ankommen?

Hiroga
26.10.2011, 10:35
"Nicht mehr weit...", murmelte er und blickte zur langsam näher heranrückenden Küste. Müde streckte er sich und begrüßte den Tag nach einer Nacht auf hoher See. Vengard würden sie bald erreicht haben. Dann hieß es aufsitzen und rasch nach Nordmar. Dort lag sicherlich schon Schnee. Der Weg würde auch für ihre tierischen Begleiter nicht einfach werden, zumal Avik wohl noch nie auf einem Gaul gesessen hatte. Jetzt würde er genug Zeit dazu haben. Selbst wenn sie nur langsam ritten, sodass auch der junge Knappe keine Probleme bekommen würde, wären sie immer noch schneller als die andere Truppe. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sie einholten. Das Land war so weitläufig, dass es in jedem Fall gelingen würde. Spätestens wenn Avik sein Reittier so gut zu kontrollieren wusste, dass es schneller vorangehen konnte.
"Guten Morgen, Avik.", begrüßte er den jungen Mann und reichte ihm die Hand. "Wie war die Nacht auf See? Ist dir übel?", fragte er grinsend und wandte seinen Blick wieder von seinem Untergebenen ab. Das kleine Schiff war schnell. Eine Kogge, wunderbar um von A nach B zu kommen, oder wie hier von Thorniara nach Vengard. Baruch war wahrlich ein Genie.
"Komm, du sollst dir deinen neuen Gefährten anschauen. Zumindest wird er das sein, bis wir wieder zurück sind.", meinte er und führte den Soldaten zu den Pferden. Juna blickte ihn mit ihren großen Augen an. Ob sie wohl spürte, dass sie nah der Heimat waren? Ihm war fast schon schwer ums Herz, Vengard wieder so schnell verlassen zu müssen, dabei waren sie nicht einmal da.
"Wie man aufsitzt und die Zügel hält muss ich dir wohl nicht erklären oder? Du siehst die Steigbügel am Sattel da hinten? Du sattelst dein Pferd wenn wir am Hafen sind und sitzt auf, den Fuß im Steigbügel... deswegen heißt das Ding auch so. Die Zügel fasst du schön mit beiden Händen. Achja, das Geschirr muss dementsprechend auch angelegt werden. Das kannst du dir von mir abschauen, wenn wir da sind. Und dann musst du eigentlich erst einmal nur das Gleichgewicht halten und ein wenig lenken indem du an den Zügeln ziehst. Ob das Pferd schneller wird oder langsam hast du in der Hand. Drückst du mit deinen Stiefeln in die Flanken wird es den Druck spüren und schneller werden. Ziehst du die Zügel zu dir heran und verringerst den Druck, dann wird es wieder ruhiger voranschreiten. Alles klar? Den Rest klären wir, wenn wir angelegt haben."

Ptah
26.10.2011, 22:15
Mit dem Rücken gegen den Mast gelehnt saß Ptah auf dem Deck und blickte ins Leere. Seit einiger Zeit musste er nun schon dort sitzen und hatte sich seitdem auch nicht mehr wirklich vom Fleck gerührt. In Gedanken vertieft lauschte er stumm den Rauschen der Wellen und dem Ächzen des Holzes, wenn wieder ein stärkerer Wind das Segel erfasste.

Was würde ihn sie bei ihrer Ankunft in Al Shedim erwarten? Stand Al Shedim noch? Was hatte Rhobar mit den Magiern des Wassers angestellt? Was hatte er den Söhnen der Wüste angetan?

Fragen, die jedoch nicht lange in seinem Kopf verweilten, rasch gingen sie unter im Widerhall der einzigen Frage, die von Belang war: Wo anfangen? Welchen Anhaltspunkt sollte er sich nehmen?

Jaryvils Frage riss ihn schließlich aus seinen Gedanken, doch er schwieg noch eine geraume Weile bis er dem Magier eine Antwort gab:

"Was wollt Ihr mit dieser Frage bezwecken? Glaubt Ihr, dass ich nicht schon genug eigene Zweifel habe? Wie soll ich denn wissen, ob ich bereit bin? Glaubt Ihr, dass ich noch eine Wahl habe? Dass ich diese Reise aus freien Stücken antrete? Ich kann gar nicht anders."

Jaryvil
26.10.2011, 23:22
"Es war nicht mein Ziel, euch noch weiter zum Zweifeln zu bringen, entschuldigt." Langsam näherte er sich ein paar Schritte, postierte sich ein paar Schritte neben ihm, während sein Blick kurz über die Planken schweifte, hinauf zum Segel, zu Betty, die ab und zu noch durch das Blickfeld streifte und wohl auf die restlichen Mitfahrer wartete, bis er wieder zurück zu Ptah gelangte, der noch immer dort vor ihm saß. "Ich wollte euch nur fragen, wie ihr euch fühlt, jetzt wo wir tatsächlich nach Varant, in die ewige Wüste aufbrechen."

Jary hatte nicht die leiseste Ahnung, wo Ptah mit der Suche beginnen wollte, doch seine Vermutungen bezogen sich auf den Schlüssel, den er für den Adepten hatte aufbewahren sollen. Bei diesem Gedanken stockte ihm kurz der Atem. Lange hatte er nicht mehr geprüft ob der Schlüssel noch immer an der metallenen Kette hing, die er sich extra dafür besorgt hatte. Hastig suchte seine Hand den Weg zu seinem Hals, tastete nach dem Metall und zog sie dann unter der Robe hervor und erst als er den Schlüssel daran baumeln sah, beruhigte er sich wieder. Gerade den Schlüssel zu verlieren, wäre das schlimmste Gewesen, was ich ihm hätte antun können. Doch nun, da er sicher war, im Besitz dieses Gegenstandes zu sein, konnte er sich wieder an Ptah wenden. "Euer Schlüssel.. Nachdem ihr ihn mir nach meinem Sturz in den Brunnen wiedergegeben habt, habe ich ihn auch weiterhin aufbewahrt. Möchtet ihr ihn für die Reise bei euch tragen? Oder soll ich weiterhin auf ihn aufpassen, bis wir Verwendung für ihn finden? Mir ist beides recht, nicht dass ihr denkt ich möchte ihn loswerden." Im Gegenteil, er wunderte sich immer noch, einen Gegenstand der so wichtig für den Adepten war, bei sich zu tragen und er hatte keineswegs vor, das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde, zu verletzen.

Ptah schien eine Weile nachzudenken, doch bevor er zu einer Antwort kommen konnte, hörte man Stimmen und das Geräusch, welches nur von Rudern stammen konnte, die immer wieder ins Wasser tauchten und es wegdrückten, um das Boot vorwärts zu bewegen. "Melaine scheint da zu sein, dann können wir ja los." Er schickte ein aufmunterndes Lächeln in Richtung Ptah, bevor er sich an die Reling begab.

Melaine
26.10.2011, 23:57
Ein einzelnes Wort brachte der Hauptmann der Schwerter nur über die Lippen, doch es sollte der Rothaarigen für den Anfang genügen. Sie ahnte, dass sie ihm damit mehr einen Gefallen tat, als ihr noch vor einigen Wochen recht gewesen war, doch selbst sie hatte erkannt, dass es kaum eine andere Möglichkeit gab, nachdem der Ahne Colodis beinahe verzehrt hatte. Wenn er seine Kraft aus dem Blutband gewann, weil er während der Bindung dabei gewesen war, konnte man nur hoffen, dass die sich einstellende Entfernung zwischen ihm und den anderen Schwertern die Kraft des Bandes mildern würde und damit auch die Macht des Ahnen. Es war eine einfache Idee, doch vielleicht besaß sie genug Potential, um sich als richtig und weise herauszustellen. Außerdem konnte sie ihm sowieso nicht im Weg stehen. Sämtliche ihrer Versuche, ihm ohne seinen Willen zu helfen, waren gescheitert. Sie konnte nur hoffen, dass er sich bei dem, was er vorhatte, nicht übernahm und mit heiler Haut zurückkehrte oder sie ihn rechtzeitig fand.

Das kleine Boot erreichte das größere Schiff und eine Strickleiter wurde ausgeworfen, um an Bord zu gehen. Melaine trat als erstes über die Reling und ließ ihren Blick über die versammelten Männer und Frauen schweifen. Es war nur eine Frau anwesend, die etwas abseits von Ptah und Jaryvil stand.

„Wie lange sind wir hier?“, fragte Melaine leise, als sie näher an Ptah herangetreten war. Sie wusste, wie sie die Frage meinte, aber sie wollte eine Antwort, wie Ptah die Frage verstand. Vielleicht um zu sehen, wer er noch war, was er werden konnte oder warum er überhaupt hier war. Vielleicht auch nur, weil die Wehmut in ihrem Inneren mehr der Realität entsprach, als sie sich zugestehen wollte. Etwas schien zu enden… nur wusste sie nicht, was.

Ptah
27.10.2011, 00:18
Der Adept hob den Blick. Nicht sehr viel, aber gerade genug um Melaine zu zeigen, dass er von ihrer Ankunft auf dem Schiff Notiz genommen hatte. Hatte er das wirklich? Die Spitzen seiner Lippen kräuselten sich zu einem vieldeutigen Lächeln.

"Eine gute Frage, Herrin, aber dennoch ist es die falsche.", murmelte Ptah, "Die Information über die Dauer einer Zeitspanne ist nur hilfreich, wenn ihr entweder Anfang oder Ende des Intervalles kennt. Was würde es Euch also nützen die Antwort zu erfahren ohne eine der beiden erforderlichen Zusatzinformationen zu wissen?"

Hatte er das gerade wirklich gesagt oder war es eine Stelle aus einem Buch, das er irgendwann mal gelesen hatte? Gab es einen Unterschied zwischen beidem, wenn es einen gab, vermochte ihn der Varanter nicht mehr zu erkennen, gesetzt dem Fall, dass er irgendeine Bedeutung trug.

"Diese Reise, Meisterin Melaine, ist allerdings nicht bestimmt durch Anfang, Dauer und Ende, sondern Wieso, Warum und zu welchem Zweck."

Melaine
27.10.2011, 00:54
Melaine hockte sich vorsichtig neben den am Mast lehnenden Adepten und schaute ihm nachdenklich in den schwankenden Blick, der den ihren nicht halten konnte. Seine Welt schien sich in einem besonderen Maße aus den Fugen bewegt zu haben, doch das Ziel, welche sie genommen hatte, war nicht klar. Seine Worte hingegen deuteten auf eine Ahnung hin. Oder waren sie nur von dieser Schärfe gewürzt, weil er zeigen wollte, wie wenig ihm danach war, darüber zu reden?

„Meisterin?“, fragte die Rothaarige leise und schüttelte den Kopf, „Erinnert ihr euch der Antwort auf meine Frage nicht mehr, dass ihr sie so verlassen abweist, oder seid ihr der Antwort zu feige, weil sie Fehler offenbaren würde, derer ihr euch grämtet?“

Ihre Augen drückten eine sanfte Kälte aus, nicht wissend, was der Tag bringen würde, da das, was den Adepten belastete, seinen Höhepunkt fand. Ihre Hand legte sich auf die Schulter des jungen Mannes. „Beantwortet sie mir. Und dann fügt ihr euer Warum, wieso und zu welchem Zweck an. Es sind gute Frage.“

Ptah
27.10.2011, 19:33
"Solange bis wir etwas gefunden haben, oder bis ich sterbe.", hatte er ihr geantwortet und dabei irgendeinen Punkt angestarrt, der aus der Mitte ihres Schädels bis an das Ende des Horizonts zu rasen schien. "Ich weiß nicht, wie lange wir hier sein werden, noch weiß ich, ob es später noch ein wir geben wird. Ich habe keinen von euch gebeten mich zu begleiten und doch habt ihr alle darauf bestanden mitzukommen, ohne zu wissen, worauf ihr euch einlasst. Ich weiß es selbst noch nicht, doch befürchte ich, dass meine Geschichte für Euch wohl vor allem nur unsägliche Ödnis bereithalten wird. Ich bin in einfachen Verhältnissen aufgewachsen; nichts, was für einen Außenstehenden von Interesse sein könnte."


Danach hatte er einfach nicht mehr reagiert. Melaine schien sich damit zufrieden gegeben zu haben. Zumindest konnte er sich nicht an weitere Gesprächsteile danach erinnern, als er eben die Augen geöffnet hatte. Er musste einfach eingeschlafen sein oder war er einfach nur weggetreten? Wann hatte er zuletzt geschlafen?

Der Wind blähte die Segel, schien sein ganzes Gewicht in das Tuch zu legen. Sie waren weit auf dem Meer, denn in keine Richtung war Land in Sicht, was vielleicht auch der Tatsache geschuldet war, dass es stockfinster war. Das Meer schien fast noch schwärzer als die Nacht selbst zu sein, als es mit leichtem Bewegungen das Schiff hob und senkte. Schliefen die anderen? Wie spät war es überhaupt?

Melaine
27.10.2011, 20:31
Melaine starrte in die Flamme einer kleinen Kerzen, die flackernd von dem ihr inhärenten Leben sprach, und dachte darüber nach, was es sein könnte, was sie fanden, wenn sie sich auf die Suche nach der Vergangenheit des jungen Adepten machten. Er war Varanter, soviel wusste sie. Doch was zu finden er hoffte, was er finden wollte oder warum dies gerade jetzt eine unsägliche Dringlichkeit bekommen hatte, wusste sie nicht zu sagen.
Colodis hatte sich auf dem Schiff die Füße vertreten wollen und wirkte dabei wie ein hinter Gittern gesperrtes Tier, welches nicht wusste, was es mit seiner ihm von der Natur aus gegebenen Kraft anfangen sollte. Sie war in dem Raum zurückgeblieben, hatte das kleine schwarze Buch gezückt, welches sie immer mit sich herumtrug, und wahllos darin geblättert. Die Seiten waren leer. So leer wie sie immer gewesen waren. Nur manchmal eröffneten sie ihr einen Blick, doch das letzte Mal war schon zu lange her, um noch von einer Regelmäßigkeit sprechen zu können. Es war vor ihrem Aufbruch nach Argaan gewesen. Vielleicht war sie endlich dort angekommen, wo das Buch ihr nichts mehr zu erzählen hatte. Oder es harrte der Zeit, bis es wieder nötig war.

Melaine seufzte leise und versuchte das Schwanken des Schiffes zu ignorieren. Ihr war nie wohl dabei, auf einem dieser aus Holz gebauten Dinger zu sitzen und konnte es kaum noch abwarten, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, bei dem sie sich nicht darüber sorgen musste, dass er nachgab, wenn das Feuer oder ein anderes, menschliches Missgeschick es verzehrte.

Ptah war am gestrigen Abend eingeschlafen. Einfach so, als hätte das Leben oder die Kraft ihn verlassen. Sie hatte seinen Puls gefühlt, doch das schwache Pumpen seiner Venen hatte ihr gezeigt, dass ihre letzte Idee der Wahrheit am nächsten kam. Wer wusste schon, was in seinem Kopf vor sich ging, wenn nicht einmal er fähig war, dies zu erklären. Sie hätte nur allzu gerne einen Blick hinein geworfen. Doch nicht nur sein Zustand hielt sie davon ab. Sie schien davon in letzter Zeit nur allzu leichtfertig Gebrauch zu machen und allzu oft erschien es ihr, als hätte sie keine andere Wahl mehr. Vielleicht sollte sie darüber nachdenken, was dies wiederum bedeuten mochte, anstatt ständig in Gedanken zu den Menschen abzuschweifen, die problembehaftet wie Motten dem Licht zu ihr zu schwirren schienen. Natürlich hatte Ptah nicht darum gebeten, dass sie mitkam. Er hatte sich dem jedoch auch nicht verweigert, selbst unter dem Aspekt nicht, dass sie ihm keine andere Wahl gelassen hatte. Darüber musste sie nachdenken, bevor sie nicht mehr war…

Ptah
29.10.2011, 16:18
Das Gefühl war unbeschreiblich gewesen, als am Horizont ein dünne, dunkle Linie auszumachen war. 'Das Festland.', schoss Ptah durch den Kopf und die Erkenntnis schien der erste klare Gedanke zu sein, den er in den letzten Stunden gefasst hatte. Beflügelt durch das Etappenende in Sichtweite schien sich auch sein Geist wieder zu klären. Denkmuster wurden allmählich deutlicher und der Adept begann von Neuem so etwas wie Struktur in sein weiteres Vorgehen zu bringen. Binnen kurzer Zeit hatte er bewerkstelligt, wozu er während der Schiffsreise bisher unfähig gewesen war. Eine rudimentäre Planung der Abläufe sobald die dicke Kuh in Al Shedim vor Anker lag.

Je nachdem wie groß Rhobars Einfluss auf die ehemalige Heimstatt der Nomaden nun war, würden sich Dinge wohl schwieriger oder leichter gestalten, müsste auf Tarnung geachtet werden. Fest stand, dass er sich nicht lange mit dem Suchen einer Unterkunft aufhalten würde. Nein, oberste Priorität hatten die Nachforschungen und wenn irgendwo Aufzeichnungen über seine Familie überdauert hatten, dann wohl in der Bibliothek des Wüstenjuwels. Dort würde er beginnen. Würde alles durchwälzen, von dem er annehmen konnte, dass eine unscheinbare Familie dort aufgelistet würde oder vielleicht nur die Oase, wo sie gelebt hatten. Der Sand konnte sie vielleicht verborgen haben, aber es musste doch Karten geben. Womöglich war es auch keine schlechte Idee einen Nomaden zu Rate zu ziehen. Einen Alten vielleicht, jemand der noch Wasserstellen kannte, die vielleicht bereits versiegt waren.

Er würde dieser Recherche maximal drei Tage geben. Es würde - nein, es musste reichen. Wer wusste schon wie lange er sich den rauschhaften Schub durch die nahende Rückkehr in die alte Heimat bewahren konnte. Jeder Augenblick war kostbar. Nach drei Tagen musste er aufgebrochen sein, irgendeine Spur verfolgen, die sich bis dahin ergeben hatte, selbst wenn sie noch so schwach war. Er würde die anderen nicht bitten ihn zu begleiten. Gut möglich, dass sie bis dorthin auch schon seiner überdrüssig waren.

"Varant..."

Viraya
02.11.2011, 19:02
Sie hatten es geschafft, waren auf einem Schiff. Wenn sie von Piraten, Stürmen und Seeungeheuern verschont blieben, segelten sie direkt auf Argaan zu. Aber sie hatten dafür bezahlt, nicht nur mit Gold sondern mit dem Blut ihrer Freunde. Ein teurer Lohn und Viraya fragte sich noch immer, ob sie bei Troan hätte bleiben sollen. Natürlich wollte sie zurück ins Kastell, um sich weiter in Magie unterrichten zu lassen, was sie jedoch im Endeffekt davon abgehalten hatte zu bleiben war nicht ihre Aufgabe dort, sondern Redsonja. Immer dieselbe rothaarige Kriegerin.

Die Magierin blickte aufs Meer hinaus. Es lag dunkel zu ihren Füssen und liess sie über sanfte Wellenberge tanzen. Dann blickte sie sich in andere Richtungen um. Waren sie wirklich die einzigen Passagiere, wie ausgemacht?
"Sohn eines Königs also? Du darfst mir gerne noch mehr erzählen?"
Hörte sie Redsonja gerade sagen und obwohl sie die Antwort interessiert hätte, ging sie unter Deck, um jeden einzelnen Winkel zu durchsuchen. Sollten die anderen plaudern, es war sowieso besser, wenn sie sich für einmal von Gefahren fern hielten.

Da stand ein verdächtiges Fass, dort eine Kiste und anderswo hätte man sich unter Säcken verbergen können. Doch nirgendwo war ein Mensch zu finden, bis der Koch mit seinem Fleischermesser, das er wie zufällig in den Händen hielt hinter ihr stand.
"Was machst du denn hier meine Süsse. Du sollst doch nicht herumschnüffeln."
Warnte er sie liebenswürdig.
"Bis Setarrif gehört das Schiff uns, ich kann also machen, was mir beliebt."
Wies ihn die Magierin zu Recht, wobei ihr mehr als unwohl war. Allerdings konnte und wollte sie das nicht zeigen. Sie überlegte, ob sie ihm eine Schattenflamme um die Ohren hauen sollte, doch war sie sich nicht ganz sicher, wie sinnvoll das sein würde.

Erzähler
03.11.2011, 22:47
Die raue, ruhige See. Das Meer nahe der Küste des Landes, in dem es einst Asche regnete, war um diese Jahreszeit für seine raschen, unvorhersehbaren Wetterumschwünge bekannt. Heftige Herbststürme wechselten sich mit vermeintlich sicherer Wetterlage ab. Die Heimwind hatte die Gunst der Götter und günstige Winde auf ihrer Seite. Sie machte schnelle Fahrt auf offener See, als ob sie dieses Land und seine Gewässer möglichst schnell hinter sich lassen wollte. Als ob sie die Wünsche der drei Passagiere, die sie an Bord genommen hatte, teilen würde.
Die beiden Frauen an Bord waren Flüchtlinge. Auf der Flucht vor widrigen Umständen und der Sorge, anderen Unheil zu bringen. Der junge Hauptmann Kortis, der sie begleitete, war ebenso auf der Flucht. Auf der Flucht vor einer Schicksalskreuzung, an der ihm in diesem Land kein Weg vorbei führen würde. Vor einer Bestimmung, die er nie gewählt hatte. Nicht als Gefangener der Rothaarigen, sondern als freier Mann war er an Bord gegangen.
Gefasst hatte er den Entschluss vor drei Tagen, nicht lange nach der geglückten Flucht aus Mandalei. Einige Landstreicher hatten den Weg des Trios gekreuzt, Glückritter in Zeiten des Unglücks. Sie hatten Dinge gewusst, die man in Mandalei noch nicht gewusst hatte. Von einer neuen Schlacht weiter nördlich. Von Blut und Verwüstung, von Leid und Kummer. Von einem Sieg der Anhänger Innos’. Aber vor allem von einer für viele unglaublichen Nachricht. Der König war gefallen. Jorvik hatte sein Leben auf dem Schlachtfeld gegen die Inquisition gelassen. Wie er zu Tode gekommen war, malten sich abenteuerlichste Geschichten aus, um sich gegenseitig zu überbieten. Doch in einem waren sie alle einig: Der König war tot und der Verbleib seiner beiden legitimen Söhne unklar. Einige meinten, sie seien mit ihm gefallen. Andere wollten es besser wissen. Doch Kortis wollte es überhaupt nicht wissen. Das einzig wichtige für ihn war die Erkenntnis gewesen, dass er nun keine Nacht mehr ohne eine blanke Klinge unter dem Kissen würde schlafen können. Dass viele für ihn nun etwas Neues im Sinn haben würden und dass ebenso viele ihn auf direktem Weg zu seinem Vater würden schicken wollen. Und dass er keinen Augenblick länger in diesem Land bleiben wollte.
Nun stand dieser Königssohn am Deck der Heimwind an der Seite der Kriegerin, die ihm selbst für eine Frau schon eine ganze Menge Ärger eingebracht hatte. Ärger, ohne den er jetzt vielleicht schon tot wäre, auch wenn das keiner hatte vorher ahnen können.
„Da gibt es nicht viel zu erzählen. Könige bekommen Kinder auf dieselbe Art und Weise wie jeder“, sprach er zu der schwangeren Frau. Beim Blick auf ihren Bauch kam ihm für einen Moment der abwegige Gedanke, dass sie seinen Vater getroffen haben könnte. Aber so etwas war Unsinn, den er getrost auf Übermüdung und den Stress der letzten Tage schieben konnte.
„König Jorvik hat … oder hatte zwei legitime Söhne aus der Ehe mit seiner Frau Leonore. Æthelred und Æthelstan. Er gab ihnen die Namen alter, legendärer Könige, um ihren künftigen Anspruch zu unterstreichen. Die Treue zu seiner Frau konnte er damit allerdings nicht unterstreichen, denn mit der war es nicht weit her. Wie viele Halbbrüder ich habe weiß ich nicht genau. Man munkelt von einem halben Dutzend. Vor den Großen seines Reiches hat er allerdings nur zwei anerkannt. Mich und Godwin, der schon vor vielen Jahren das Land verlassen hat. Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist, aber seit seinem Weggang sahen Adlige, die Probleme mit Jorviks Regiment hatten, in mir eine potentielle Galionsfigur für eine Rebellion. Mein Vater hat versucht mich da herauszuhalten, indem ich zum einen in seine Truppen eingespannt wurde, zum anderen aber nie einen Rang erreichte, der mir genug Einfluss gegeben hätte, um ihm gefährlich zu werden. Vielleicht hätte er mich auch umbringen lassen, wenn er gekonnt hätte, aber es gab anscheinend Männer, die dagegen standen.“
Der Passagier blickte auf die dunkle See hinaus. Irgendwo hinter ihnen lag seine Heimat. Ein Land, in das er nicht würde zurückkehren können, sofern er nicht den Tod suchte.
„Nun ist er zu Innos gegangen und ob ich will oder nicht, in meiner Heimat würde ich zum Führer in einem Bürgerkrieg. Als ob wir davon nicht schon genug hätten. Aber ich habe nicht vor für irgendwelche Lords einen Thron zu erstreiten oder mich auf dem Weg dorthin von Meuchelmördern töten zu lassen. Also bin ich nun hier bei euch.“ Auf dem Weg in ein unbekanntes Land in der Ferne. Hoffentlich ging die Fahrt weit genug.
„Aber wenn ich das richtig in Erinnerung habe, sind Meuchelmörder euch nicht fremd, nicht wahr?“


Medin

Redsonja
04.11.2011, 00:11
"Mehr als genug. Dennoch habe ich jeden einzelnen gezählt."
Antwortete Redsonja, deren Zunge durch Kortis' Offenheit ebenfalls gelockert worden war. Er hatte einiges von sich erzählt in den vergangenen Tagen, die sie zusammen unterwegs waren. Dennoch wusste die rothaarige Kriegerin nicht, ob sie ihn mochte oder nicht. Nur eines war sie sich sicher. Wenn er ihren Rücken frei hielt, dann war darauf Verlass.

"Weisst du was? Ich habe keinen blassen Schimmer warum es schon derart viele versuche gab mich zu ermorden. Ich wurde einfach eines Tages entführt und nach Khorinis gebracht. Damals war ich noch beinahe ein Kind. Obwohl ich es selber nicht mehr so sah. Ein anderer Teil der Geschichte begann, als ich in einer kalten Winternacht einen Mann namens Frost aus einem See gerettet habe. Jäger waren hinter ihm her. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sie mich als wichtig genug erachtet haben, um Meuchelmörder auf mich zu hetzen. Später tauchte Viraya auf und mit ihr wieder Gefahren. Ich weiss bis heute nicht, ob sie mich beschützt oder irgendwann meine Kehle durchschneiden wird. Dennoch würde ich sie als Freundin bezeichnen. Seltsam, nicht?"

Sie legte ihre Hände auf den Bauch und spürte, wie das Leben in ihr strampelte. Ein feines Lächeln legte sich auf ihre Lippen und gleichzeitig fragte sie sich, ob es nicht zu grausam war ein Kind in diese Welt zu setzen. Ein Kind, dem bereits vor der Geburt nachgesagt wurde, dass es den Untergang der Welt bedeuten würde.

"Glaubst du an Vorherbestimmung? Können Träume die Zukunft weisen?"

Fragte sie, als sie am Horizont bereits die Küste Argaans auszumachen glaubte. Waren sie wirklich bald da? Bedeutete Setarrif Sicherheit? So viele Fragen und kaum Antworten darauf.

Viraya
04.11.2011, 18:26
Der Koch hatte Einsicht gezeigt, dennoch behielt ihn die Schwarzmagierin von jenem Zwischenfall weg in den Augen. Er war ihr nicht geheuer. Aber vielleicht hatte sie einfach zu viel gesehen in den vergangenen neun Monaten. Zu viel Schrecken, zu viel Leid. Sie war gescheitert. Die Erkenntnis war allgegenwärtig, doch langsam wendete sie sich. Es war nicht alles ihre Schuld. Im Gegenteil sie hatte es ihr Leben lang nicht besser gewusst und jetzt ging es darum einigen Menschen einige unangenehme Fragen zu stellen, doch erst musste Redsonjas Kind überleben.

Mit diesen und einigen anderen Gedanken stand sie an den Mast gelehnt und blickte dem nahenden Ufer entgegen. Steile Klippen, wilde See direkt vor Setarrif.

Yared
20.11.2011, 18:45
Immer dann, wenn man gerade dabei war, etwas zu tun, - aufgehört hatte nur darüber nachzudenken oder darüber zu sprechen, es zu tun - kam das Schicksal und warf einem Steine in den Weg. Das glaubte Yared zumindest allmählich. Arvideon hätte natürlich gesagt, dass das alles System hatte, aber der Kapitän hatte das bislang nicht bestätigen können. Manchmal waren diese Steine auch mehr wie ein Wind, wie die heftige Brise, die vom Meer her kam und gen Südwesten durch den Dunkelwald fegte. Die Kälte biss ihn in die laufende Nase.
Es hatte in der vergangenen Nacht das erste Mal in diesem Jahr Bodenfrost auf der Insel gegeben, wie Yared von einem der Bauern aus dem Dorf im Vorbeigehen erfahren hatte. Über Nacht war der Herbst auf Feshyr angekommen. Blätter färbten sich gelb, rot und braun. Bei jedem Schritt wurde der Kapitän vom Rascheln zertretenen Laubs und dem schmatzen von Matsch unter seinen Sohlen begleitet, während der Wind kahle Baumkronen ächzend schwanken ließ und am Boden die herunter gewehten Blätter gen Dorf durch die Baumreihen jagte. Einzig die Sonne schien hin und wieder fahl aber warm durch das lichter werdende Blätterdach und die von Tag zu Tag unmerklich dichter werdende graue Wolkenschicht und vermochte den stürmischen vergänglichen Eindruck des Dunkelwaldes und dessen normale Düsternis zu durchbrechen.
Doch es war nur eine Frage der Zeit bis der Wolkenteppich Tage- und Wochenlang nicht mehr aufreißen würde, bereit den Forst nachts mit gänzlicher sternenloser Finsternis zu überziehen. Und wie Niesel- und Platzregen waren auch Krankheiten jederzeit bereit über das eigene Haupt hereinzubrechen.

Endlich hatte Yared die Grippe überwunden, die ihn seit einem guten Dutzend Tagen an seine Koje gefesselt hatte und er konnte die Verfolgung seines ursprünglichen Ziels, einem Besuch bei Lyrca, wieder aufnehmen, auch wenn er nicht wirklich wusste, ob er das wollte, ob er herausfinden wollte, was er insgeheim schon zu wissen glaubte. Der Kapitän hatte es lange herausgezögert, nun konnte er nicht mehr anders.
Ihre Hütte lag weit im Norden der Insel, dort wo der Dunkelwald an das bergige Rückgrat des Eilandes stieß, vom Dorf an der Bucht gut eine viertel Tagesreise entfernt und auch wenn der Kapitän ein strammes Tempo an den Tag legte, war doch mindestens eine halbe Wache vergangen, bis er schließlich die Hütte unter dem alten Baum am Rande einer schmalen Schlucht, durch die ein kleiner Bach rauschte, fand. Auf einer Lichtung vor dem hölzernen Hexenhäuschen hatte die alte blinde Seherin einen Gemüsegarten angelegt, auf dem zur Zeit große orange Kürbisse der letzten Ernte vor dem Winter harrten.
In der Tristesse des hereinbrechenden Winters mit seinem nasskalten Wetter und den üblichen lebensgefährlichen Unannehmlichkeiten schien dieser Ort am Randes des Gebirgsrückens mehr von Vergänglichkeit berührt, als der Rest des scheinbar stoisch ausharrenden Waldes. Hier ging etwas zu Ende, auch wenn Yared nicht wusste, ob es nur der jährliche Naturkreislauf war oder ob sich hinter der nächsten Weggabelung vielleicht ein grausames, auf jeden Fall endgültiges Schicksal bereit hielt, sich auf ihn zu stürzen.

Allein stieg er die wenigen morsch anmutenden, hölzernen Stufen hinauf, allein klopfte er an die Tür der Hütte und allein trat er ein, nachdem von drinnen keine Einladung dazu erklungen war.
Der schmale Bau aus mehr schlecht als recht und recht schief zusammengezimmerten und mit eine großen Baum verwachsenen Wänden hatte nur zwei Zimmer, die durch eine Türöffnung mit Vorhang abgetrennt waren. Die Luft war angefüllt mit Wasserdampf, der geschwängert war vom Geruch nach Großmutters Hühnersuppe und einen Kessel auf einer gemauerten Feuerstelle seine Quelle nennen konnte. Die blinde Frau stand darüber gebeugt und rührte irgendeine Kräutermischung unter den Sud, dessen Anreicherung um einige ätherische Öle mehr dem Kapitän kräftig Wasser in die Augen schießen ließ.
Der Schiffsbauer kniff die tränenden Augen zusammen und schloss die Tür hinter sich. Immerhin die Luft befreite seine in den letzten Tagen arg strapazierten Atemwege.
"Das hat aber lange gedauert mein Junge, hä?"

"Bewahret, Lyrca. Ihr habt vorhergesehen, dass ich euch aufsuchen würde?"
Diese Frau schien mächtiger zu sein als er es bei ihrer letzten Begegnung gedacht hatte.
Sie lachte krächzend und etwas heißer.
"Nicht so, wie du denkst, Círdan, auch wenn das durchaus im Rahmen des Möglichen ist. Ich war vor Wochen im Dorf und habe deinen Kahn in der Bucht gesehen."
Yared musst über seine eigene Naivität breit grinsen. Jeder der ihn und die seinen etwas kannte und bemerkte, dass das Schliff Wochenlang vor der Küste lag, ohne dass sie großartig Geschäfte und Verhandlungen mit den ansässigen Händlern, Bauern oder vereinzelten Handwerkern vorantrieben oder mit Reparaturen beschäftigt waren, konnte darauf schließen, dass sie wegen anderer Angelegenheiten hier hergekommen waren, wie beispielsweise die alte Hexe im Dunkelwald zu besuchen.
"Was führt dich zu mir, Käpt'n, hä?"
Besagte Hexe wandte sich zum Tisch und goss sich heißes Gebräu aus der dort stehenden Teekanne in einen irdenen Becher, der am Rand nicht wenige Sprünge aufwies.
"Nun, es geht um Angelegenheiten der Ratte ..."
Aufgebracht fuhr sie herum und starrte ihn mit ihren milchig weißen leeren Augen an.
"Wie kannst er es wagen!? Ich habe es ihm doch schon beim letzte Mal gesagt, dass ein für allemal ..."
Der Kapitän war unmerklich etwas zusammengefahren, aber er hielt ihrem Zorn stand.
"Ich bin nicht hier, um Euch in seinem Namen etwas aufzutragen, Lyrca. Ich bin in eigener Sache unterwegs und ich erbitte Euren Rat."

Yared
20.11.2011, 18:50
"... Ich hatte gehofft Ihr könntet mir sagen, wie viel davon wahr ist.", endete Yared, nachdem er Lyrca vom Inhalt der Abschrift aus Setarrif berichtet hatte.
Die blinde Frau hatte aufmerksam zugehört und nur wenige Nachfragen gestellt. Jetzt nickte sie bedächtig.
"Wahrscheinlich mehr oder weniger alles, junger Círdan, auch wenn ich mir sicher bin, dass die Geschichte übertrieben geschwollen verfasst war, mit einer Pathosschicht, die so dick war wie eure schwieligen Schiffsbauerhände. Wer, sagtest du, hat sie dir ausgehändigt?"
"Ein Freund."
Der Kapitän hielt das absichtlich knapp, Arvideon hätte es bestimmt nicht anders gemacht.
"So so. Und du willst jetzt wissen, was du dagegen tun kannst, dass die Ratte deine Lebenskraft für sich entwendet, hä?"
Der Schiffbauer nickte.
"Ich sehe keinen Ausweg, ohne dass ich dem schaden muss, dem ich die Treue geschworen ..."
"Es gibt keinen.", unterbrach in Lyrca. Die Hexe lächelte süffisant. "Es gibt keinen, Círdan. Du bist schlau genug, um jede Möglichkeit zu kennen, die sich dir bietet, dennoch bist du zu feige, dich zu entscheiden. Du betrügst dich selbst mit der Hoffnung es gäbe einen Ausweg."
Yared wurde rot im Gesicht, rot vor Zorn, vor Scham. Es war, wie ein kräftiger Schlag ins Gesicht - die Wahrheit in den Worten der Seherin.
Ohne ein weiteres Wort verließ er die Hütte der Hexe, die Augen starr, die Gedanken nach innen gekehrt. Dort aber sah er nichts als gähnende schwarze Leere.

Als Yared Lyrcas Hütte verließ empfingen in dicke Nebelschwaden, die sich zwischen den Stämmen und Ästen der Bäume verfangen zu haben schienen. Nur unmerklich schimmerte das Mondlicht vom verschleierten Nachthimmel herab durch das dichte Grau, als sich der Kapitän auf den Weg zu seinem Schiff machte.
Es gab keinen Ausweg und das war verdammt nochmal nicht seine Schuld. Die Ratte hatte diesen Weg gewählt, der ihn vor die Wahl stellte. Entweder ging er drauf oder die Ratte. Entweder ließ er sich aussaugen, wie eine Schildkröte vom Strandglibber oder er setzte dem allen ein für alle Mal ein Ende.

Delos Seytz
28.11.2011, 21:33
Die beiden Brüder standen eine ganze Weile auf dem Deck und beobachteten, die Nacht und das Meer, das sich gleichmäßig bewegte.
"Weißt du was? Ich hasse zwar Khorinis aber trotzdem. Irgendwas fehlt jetzt in mir. Dort hatte ich wenigstens eine Heimat und eine Familie und meine Zukunft war gewiss." Er ließ eine Pause entstehen und schaute in die Richtung wo die Hafenstadt lag. Aber sie waren zu weit weg um noch irgend etwas zu erkennen. "Doch jetzt weiß ich gar nichts mehr. Werden wir die Reise überleben? Wenn ja, was erwartet uns bei diesen Inseln von denen der Händler sprach? Werden wir dort überhaupt Coragon treffen? Denn die Matrosen meinte ja, er würde eine Schenke in Tonarie oder so besitzen. Waren sich aber nicht sicher. Was wenn wir ihn nicht dort antreffen? Werden wir dann weiter herumsegeln und weiter suchen? Oder werden wir dort weiter vermodern? All diese und noch mehr Fragen, schwirren mir zu Zeit in meinem Kopf rum", er seufzte.

Narzuhl
02.12.2011, 20:12
Mittlerweile war der Priester schon einige Tage unterwegs und seit ein paar Stunden sogar zur See. Sein Aufenthalt in Gorthar war glücklicherweise relativ kurz bedachte man einmal wie er und Sinistro bei ihrer Ankunft behandelt wurden. Narzuhl hätte mit mehr Komplikationen gerechnet, aber an ihn schien man sich weniger zu erinnern als an seinen verschollenen Lehrmeister. Alle anderen möglichen Probleme hatte er bereits im Keim mit dem einen oder anderen dämonischen Gespräch erstickt und fand sich nun auf einem Schiff nach Thorniara wieder. Die Überfahrt sollte eigentlich ruhig verlaufen, niemand der Besatzung schien ernsthaftes Interesse an der dunkel gekleideten Person zu haben, geschweige denn den Mut mit ihm zu sprechen. Ein Umstand den der Priester sehr begrüßte, ihm lag nichts daran sich mit diesen einfachen Seeleuten anzufreunden, sie sollten einfach nur ihre Arbeit tun, er würde sie nicht stören und sie sollten ihn in Ruhe lassen. ‚Hoffentlich komme ich möglichst schnell als Thorniara raus, die Zeit ist noch nicht Reif dieser Stadt den Untergang zu bringen.’ Ein Hauch von Ekstase stieg bei dem Gedanken an einen Weltenriss empor, der sich mehr und mehr in Wehmut wandelte, je näher er dem Kastell kam. Er war ziemlich lange mit dem Hohepriester unterwegs gewesen und freute sich bereits jetzt wieder auf eine etwas ruhigere Zeit in den dunklen Hallen. Die Annehmlichkeiten die das Kastell bot waren einfach perfekt für jemanden, dem lange Studien bevorstanden. Schon aus blanken Interesse wollte Narzuhl wissen was mit Sinistro passiert war, vielleicht ließ sich dabei ja sogar was lernen…

Putorius
05.12.2011, 23:23
Putorius sah auf, um ihn herum sah er das Gleiche wie die letzten Tage, Wasser endloses bis zum Horizont reichendes Wasser.
Er lag in einem kleinen Beiboot, in dass er sich vor, wie ihm schien, unendlich langer Zeit retten konnte, als das Schiff mit dem er unterwegs war in einen schrecklichen Sturm geriet und mit Mann und Maus unterging. So trieb er ohne Proviant und Wasser auf offener See. Und noch dazu war seine Zunderbüchse so durchnässt, dass er sich nichteinmal zur Beruhigung eine Pfeife anstecken konnte, was ihn in seinem Zustand noch mehr nervte wie dieser brennende Durst. 'Wenn ich schon sterben soll dann bitte nicht auf Entzug' war sein letzter Gedanke bevor er wieder ins Delirium versank.

Djorak
08.01.2012, 18:03
Sie waren schon eine Weile auf dem Meer. Djorak war es gewohnt, doch nach den fünf Tagen wurde auch ihm langsam etwas schlecht. Das Essen war immer das Gleiche und auf der kleinen Fläche mit so vielen Männern eingesperrt zu sein nagte an den Nerven.
Außerdem war überall Wasser bis zum Horizont, nichts anderes. Er fühlte sich in einer Endlosschleife gefangen, immer auf dem Wasser gefangen, es gab kein Land mehr und sie würden ewig so weiterfahren ohne jemals anzukommen.
Natürlich wusste er, dass sowas nicht gehen würde, aber die Angst blieb. Jetzt fragte er sich langsam, wie er es früher geschafft hatte, zur See zu fahren. Er war ja meistens auf der Insel, die zwar auch von See umgeben war, aber sie war nicht zu klein. Sie hatte sich angefühlt wie eine eigene, kleine Welt.
In diesem Augenblick stand Djorak an der Reling des Schiffs und schaute nach vorne, immer auf der Hoffnung, Land zu sehen. Aber bei dieser Dunkelheit war das fast unmöglich. Er hoffte ja, ein Licht am Horizont zu entdecken, eine Stadt vielleicht, ein Dorf oder einfach eine Fackel, die vom Meer wiedergeworfen wurde.
Auf dem Schiff war Ruhe eingekehrt. Der Wind blies ihnen ruhig in den Rücken und lies sie vorwärts kommen. Viele aßen in diesem Moment, außer einem Steuermann, dem Ausguck und einer kleinen Gruppe Händler, die würfelten.
Der Barbier spielte mit dem Gedanken, schlafen zu gehen. Dann verging die Zeit schneller und er würde aus der ewigen Monotonie befreit.
Auf dem Weg in die Kabinen traf er auf Hoffi, der eine Flasche Rum dabeihatte. Da würde Djorak doch noch nicht schlafen gehen.
"Bewahre. Wie kommst du mit der Schiffsfahrt klar?"

hoffi
08.01.2012, 18:58
Fünf Tage waren sie nun schon auf dem Schiff, das sie aufs Festland bringen würde, nach Vengard genaugenommen. Doch hoffi wusste nicht genau wann sie ankommen würden und deshalb besorgte er sich eine Flasche Rum und machte sich auf den Weg nach draußen um die Frische Seeluft einzuatmen. Auf dem Weg nach draußen traf der Jäger auf Djorak, der wohl schlafen gehen wollte.
"Bewahre! Ich komme ganz gut mit der Schiffsfahrt klar, aber ich währe natürlich lieber auf festen Boden. Ich hätte auch nichts dagegen wenn ich wieder etwas Fleisch zwischen die Zähne kriegen würde. Nicht immer nur diese Fischsuppe oder die Grütze oder was das sein soll. Aber du willst doch noch nicht schlafen oder? Na los komm noch mal mit nach draußen und wir machen die Flasche noch leer. Vielleicht kommen wir heute Nacht ja noch in Vengard an", meinte hoffi zu Djorak und die beiden Männer gingen wieder nach draußen.
"Sag mal, ich unterrichte dich ja im Umgang mit dem Bogen und die beste Übung ist natürlich immer noch die Jagd, also was hältst du davon, wenn ich dir neben dem Bogenschießen auch noch gleich das jagen beibringe?", fragte hoffi und nahm einen Schluck Rum.

Djorak
08.01.2012, 19:12
"Klingt gut, ich habe auch ein wenig darüber nachdgedacht. Das wäre natürlich nicht schlecht, es wäre eine gute Übung und so komme ich nicht raus."
Die beiden holten sich zwei Hocker und einen kleinen Holztisch, den die Matrosen normalerweise zum Kartenspielen benutzten.
Dort stellten sie Becher ab und füllten sie sogleich mit Rum. Djorak nahm einen kräftigen Schluck und schüttelte den Kopf hin und her. Dieses Gesöff war er nicht gewöhnt, er trankt normalerweise nur Bier. Aber zur Not trank er es. Es half über die Schiffsfahrt hinweg zu kommen.
Langsam gingen ein paar Männer raus und nahmen Laternen mit, die das Schiff erhellten. Aber viele schienen bereits ins Bett gegangen zu sein.
"Außerdem muss ich nicht immer auf den Markt gehen, um mich mit essen einzudecken. Naja, außer vielleicht Brot oder Gemüse...
Jedenfalls wäre es sehr gut, wenn du es mir beibringen könntest."
Sie schaukelten vorwärts und die Monotonie ging ihm langsam auf die Nerven.
Er versuchte sich mit einem Gespräch abzulenken, aber irgendwann konnte er nicht mehr.
"Wie wärs, hast du Lust kurz in den Ausguck zu klettern und nachzuschauen, wie es mit Land steht? Ich weiß, wahrscheinlich sehen wir garnichts, aber ich kann diese Spannung nicht mehr aushalten."

hoffi
08.01.2012, 19:25
"Gut sobald wir aufm Festland sind bring ich dir das über die Jagd bei, was ich weiß!", antwortete hoffi und leerte seinen Becher, den er gleich wieder auffühlte. Nach einem weitern Schluck des guten Getränkes sage hoffi:" Machen wir es so, du gehst zum Kapitän und bezahlst unsere Überfahrt und holst auch noch ne Flasche Rum und ich klettere da mal hoch und gucke was ich sehen kann."
Nachdem Djorak zugestimmt hatte, gab hoffi ihm sein Gold und sein Schüler machte sich auf, Elvos Gold zu holen. Der Langhaarige stand von seinem Platz auf und machte sich daran den Ausguck hoch zu klettern. Nach einem kleinen Stück des Weges merkte der Jäger den Alkohol, das Gefühl könnte natürlich auch von der Höhe kommen doch da war sich hoffi nicht sicher.

Oben angekommen fragte er den Kerl der hier oben stand, ob er schon was erkennen könnte.
"Hier, nimm das Guckrohr und blick in diese Richtung da", meinte der Mann und gab hoffi ein komisches Rohr mit einem großen und einem kleinen Ende. Der Seemann erklärte dem Jäger wie er es benutzen musste. Als hoffi durch das Rohr blickte, war der Jäger verwundert, es schien als würde alles viel näher sein, als wenn er mit seinen Augen gucken würde.
"Ich sehe...Lichter. Na ja, eigentlich ist es nur ein Licht. Ist das Vengard?"
"Es ist der Leuchtturm, dann sind wir also bald da. Ich werde schnell dem Kapitän bescheid geben."
"Wie lang wird es noch dauern?"
"Nicht mehr lange!", sagte der Matrose und kletterte den Ausguck wieder runter.
Einen Augenblick blieb hoffi noch dort oben und blickte Richtung Vengard, dann folgte er dem Matrosen um Djorak davon zu berichten...

Djorak
08.01.2012, 19:38
Djorak ging in Richtung Schlafsaal, wo alle Hängematten aufgehenkt waren. Doch dort war Elvo nicht. Also ging Djorak weiter zur Kombüse, wo der Koch gerade den Letzten Hungrigen einen Eintopf servierte.
Der Geruch ließ den Barbier eher schlecht werden als hungrig, da es die letzten Tage fast nichts anderes gegeben hatte.
"Bewahre Elvo, ich bräuchte dein Geld für den Kapitän."
Elvo stand auf.
"Komm mit."
Djorak folgte ihm wieder zurück zum Schlafsaal, wo Elvo aus ihrer gemeinsamen Kiste einen Lederbeutel holte. Zu dritt stand den Mitfahrern immer eine Kiste zur Verfügung, die sich nur welche teilten, die sich vertrauten oder nahe standen. Diebstahl auf See wurde auch hart bestraft, weshalb sich das auch niemand wagte.
Hoffi, Djorak und Elvo hatten durch Holzbretter die Kiste geteilt, rechts Elvo, in der Mitte Hoffi und links Djorak.
Der Barbier nahm das Gold entgegen und machte sich auf zum Kapitän, währrend Elvo zurück zur Kombüse ging. Bald schon stand Djorak vor der Kapitänskajüte. Er klopfte und öffnete langsam die Tür. Der Kapitän saß über einem Buch gebeugt, in das er reinschrieb. Vor ihm lagen Karten und merkwürdige Gerätschaften.
"Bewahre.", grüßte ihn der Barbier.
"Ahoi."
"Hier habe ich das Geld von mir und meinen Gefährten für die Überfahrt."
"Ah ja, sehr gut. Lege es vor mich, ich zähle später nach."
Djorak tat wie ihm geheißen und wollte gerade wieder das Zimmer verlassen, als aus der Tür ein Matrose und Hoffi kamen.
"Ahoi Käpten!", grüßte der Erstgenannte. "Land in Sicht, der Leuchturm von Vengard."
Die Vier eilten an Deck zurück.

hoffi
08.01.2012, 19:49
Unten angekommen eilte hoffi dem Matrosen nach. Die beiden gingen einen gang entlang, gradewegs auf die Kajüte vom Kapitän zu.
"Land ins sicht, der Leuchtturm von Vengard!", meinte der Seemann.
Der Schiffskapitän nickte, legte sein Buch und die Feder zur Seite und die vier Männer machten sich auf den Weg nach draußen.
Dort angekommen rief der Kapitän ein paar Befehle und der Großteil der Mannschaft machte sich an die Arbeit.
Hoffi stellte sich zu Djorak und sagte:" Sobald wir in Vengard eingetroffen sind, machen wir uns sofort auf den Weg nach Silden. Mir kam nämlich zu Ohren das und die Rotröcke für Vogelfreie halten...was wir ja im in Ferntesten Sinne auch sind. Aber egal, ich möchte so schnell wie möglich aus der Stadt raus!"
Sie kamen Vengard immer näher und hoffi gab Djorak mit einer Handbewegung das Zeichen, die Sachen zu packen und sich für die Reise vorzubereiten.
In ihrer Kajüte trafen sie auf Elvo, der auch dabei war seine Sachen zu packen und hoffi wiederholte alles, was er zu Djorak gesagt hatte.

Als die Sachen gepackt waren, gingen die drei Männer wieder aufs Deck und warteten darauf, bis das Schiff anlegte.
Als dies geschehen war, gingen die drei Sofort runter vom Schiff und machten sich auf den Weg durch Vengard nach Silden.

Cécilia
10.01.2012, 20:41
Es war wohl Glück gewesen, dass sie Maris' Nachricht noch vor der Abreise bekommen hatte. Die Mama hatte sie ihr gegeben, ein paar Tage vor Beginn der Reise, die für Cé völlig überraschend kam. Wenigstens hatte sie so Gelegenheit gehabt, Schreibmaterial zu besorgen und hatte ihre Antwort noch in der Gespaltenen Jungfrau auf den Weg bringen können. Es hätte schlimmer kommen können, dann hätte sie den Brief erst auf dem Festland oder nach ihrer Rückkehr verschicken können. Je weiter es sein würde, desto teurer würden die Boten werden.

Werter Maris,
es freut mich, dass du Fortschritte machst, allerdings brauchst du noch Übung, deine Magie zu spüren, sie also zu wecken, bevor du mit dem Lenken beginnen kannst. Es ist einerlei, seine Magie lenken zu können, aber dazu muss die Magie auch wach sein, dir also zur Verfügung stehen. Übe, deine Magie so lange wie möglich wachzuhalten, auch während du andere Dinge tust. Du musst sie nach Belieben wecken und wieder in dir versickern lassen können. In einem Kampf hast du keine Zeit, dich zu sammeln und zu meditieren, es muss schnell gehen. Das Wachhalten ist nur die Basis, wenn du später zauberst, darfst du dich nicht darauf allein konzentrieren müssen.
Ich werde ebenfalls Schwarzwasser verlassen, um unverhofft aufs Festland zu reisen, vermutlich nach Beria, falls dir der Ort etwas sagt. Mit Sicherheit weiß ich es leider nicht, im schlimmsten Fall kann ich deine Antwort erst lesen, wenn ich wieder in Schwarzwasser bin.

Richte Aniron meine Grüße aus.
Cécilia

Den Brief hatte sie vor der Abfahrt einem Boten in der Gespaltenen Jungfrau anvertraut, nachdem sie ihn versiegelt hatte. Nur kurz darauf war es auch schon an Bord gegangen, wo sie und die andere Frau, die wohl Manon hieß, in der Küche helfen mussten. Für heute waren sie mit der Küchenarbeit fertig. Eins musste Cé der Arbeit lassen: Die Beschäftigung lenkte von Seekrankheit ab. Die Novizin trat aufs Deck und machte die Gestalt Meister Ornlus aus, desjenigen, der sie so überraschend mitgenommen hatte. Sie wusste nur, dass es aufs Festland gehen sollte, wusste allerdings nicht, wohin dann.
"Es ist Zeit, dass du mehr wirst. So sehen wir die Druiden es. Es ist Zeit deine Vergangenheit in die Gegenwart zu holen und die Zukunft zu formen", das waren seine Worte gewesen, ehe er sie nahezu mitgeschleift hatte.
Cé zog den Mantel enger, ein wenig merkte man es, dass auf dem Festland zu dieser Zeit des Jahres Winter war, zumindest in Myrtana.
"Meister?", fragte sie behutsam, fast zögerlich. "Ich habe eine Frage zum Samhainfest. Zu den Erscheinungen nach dem großen Feuer ... Ich meine, Tote gesehen zu haben in jenen Nächten, und ich traf andere, die auch tote Bekannte getroffen hatten. Es kann auch Einbildung sein, woher auch immer, aber ich frage mich seitdem, ob man diese Menschen gekannt haben muss, damit man sie in der Samhainnacht sieht. Ob man in einem besonderen Verhältnis zu ihnen gestanden haben muss, als Verwandte oder sonstwie ...? Ich glaube, ich habe in beiden Samhainnächten, bei denen ich im Waldvolk war, Noreias Mann gesehen, obwohl ich ihm nie begegnet bin oder begegnet sein kann. Es müsste ein seltsamer Streich sein, den meine Fantasie mir spielt, wenn ich bedenke, dass Meisterin Noreia ihn auch zu sehen schien, sie hat ihm sogar zugewunken. Kann so etwas in der Samhainnacht geschehen, oder haben meine Sinne mir einen Streich gespielt?"
Zumindest beim letzten Samhainfest war sie sich nicht sicher, da hatte irgendwo das Sumpfkraut eine Rolle gespielt. Konnte man sich eine vollständige Person einbilden, die man noch nie gesehen hatte, und konnte man sich einbilden, dass lebendige Personen, die man kannte, auf die Einbildung reagierten? Eigentlich hatte Noreias Winken und die Reaktion des Mannes Cé darin bestätigt, dass es keine Einbildung war, dennoch war diese Sache denkwürdig.

Ornlu
10.01.2012, 21:28
Ornlu war froh, dass das Festland nicht mehr so fern war. Zumindest versprachen es gute Winde laut einen der Seemänner. Die Arbeit auf und unter Deck war zwar körperlich fordernd, aber tat auch gut. Mit anpacken war eben besser, als nur das auf und ab zu beobachten.
Als Cecilia erschien, endeten auch Ornlus Gedanken bezüglich seiner Ziele auf dem Festland. Ein paar Pläne hatte er, doch es gab auch Dinge die Vorrang hatten. Sei es Cécilia, die weit genug war oder auch Manon. Wenn man auf die Gemeinschaft blickte, mochte man denken es läuft schon alles. Doch der persönliche Einsatz war auch wichtig. Wichtig um Bande zu schaffen, aber auch wichtig um den ewigen Kreislauf zu sichern. Nun gut er hatte jetzt nicht vor mit beiden für Nachwuchs zu sorgen. Nein, viel mehr ging es um druidischen Nachwuchs in dem Sinne, überhaupt ein paar mehr Druiden zu werden. Viele waren sie zwar nie, aber manche verschwanden einfach und ob sie zurück kehren würden war wohl offen. Da musste man eben auf das setzen was da war.

"Erwartest du darauf wirklich eine Antwort? Ich will dir erzählen was ich jedes Samhain sehe. In der Ferne aus den Wäldern erklingt Wolfsgeheul. Tief und eine Gänsehaut schaffend. Sie rufen mich und ich folge ihrem Ruf. Und dann erblicke ich zwischen den Bäumen alle. Wölfe und Menschen in geisterhaften Erscheinungen. Meine Sippe die nicht mehr ist. Die Haare, die Augen, die Tätowierungen. Sie alle sind wie ich und doch aus einer Zeit die ich nicht kenne. Sie grüßen mich, sie lächeln mir zu, sie verabschieden sich. Keinen sah ich in meinem Leben und doch weiß ich, dass sie mich sahen. Es ist mein Geist der damals noch wohl zu jung war, um sich zu erinnern. Sie aber tun es scheinbar. Wohl, weil ich das letzte Kleinkind war, das sie bei Wölfen aussetzten, bevor sie alle starben. Und wohl der Letzte bin, der das alte Blut der Wolfssippe in sich hat. Wer weiß schon... - Und das ist meine Antwort, wenn es überhaupt eine gibt. Die Tatsache, dass du da jemanden siehst, ist natürlich merkwürdig, aber nicht ungewöhnlich. Wenn ich mich nicht irre - und das tue ich natürlich nie - dann kommst du ja aus der Ecke Montera. Und deine Eltern dort waren nicht deine wahren Eltern, nicht wahr? Noreias Mann - falls er es denn ist - und du scheinen irgendwie eine Geschichte zu teilen. Dein Alter entspricht wiederum der Zeit, seitdem Beria überrannt wurde. Ich denke Meister Porgan und Noreia, werden sich vielleicht erinnern können. An Orten wie Beria liefen auch vor dem Unglück nicht viele Kinder umher. Womöglich findet sich eine Antwort. Erwarte aber nicht zu viel. Vielleicht ist die Geschichte dahinter nichts Großes. Vielleicht rettete dich dieser Mann einst, bevor er starb und du warst sein letzter Gedanke. Doch spekulieren sollte man nicht. Erwählte der Natur müssen anstreben zu wissen, statt zu vermuten. - Kannst du dir denn eigentlich denken, wieso du hier mit mir gen Festland reist?", fragte Ornlu nach langer Rede.

Cécilia
10.01.2012, 22:43
Samhain schien eine sehr persönliche Sache zu sein ... aber Meister Ornlu sagte ihr immerhin nicht, dass es völlig lächerlich und unmöglich sei, dass sie diesen Mann gesehen hatte. Ein wenig ermutigte es sie, auch wenn das nichts darüber aussagte, weshalb sie diesen Mann gesehen hatte. Ornlu schlug vor, Noreia und Porgan zu fragen, eine Idee, die ihr gefiel, denn es gab nicht nur diese Zwischenfälle, die er angesprochen hatte. Es stimmte, Noreias Mann und Cé schienen irgendwie eine Geschichte zu teilen, und es war auch nicht das erste Mal, dass jemand bemerkte, dass ihr Alter dem Überfall auf Beria entsprach, doch worauf Ornlu nie geachtet zu haben schien, war die Ähnlichkeit der Magie von Noreia und Cé. Noreia hatte es durch einen Fuchs bemerkt, aber welche Schlüsse sie daraus gezogen hatte, wusste Cé nicht. Das Gesamtbild dieser Vorfälle ließ einen Schluss zu, der Cé zu gewagt erschien. Sie wollte sich keine großen Hoffnungen auf etwas machen, was wahrscheinlich nicht einträte. Vielleicht war es wirklich nichts Großes, ein Zufall, nur eine kleine Begegnung.
"Ja, ich denke, es wäre gut, in Beria einmal nachzufragen. Vermutungen können zu schnell nach hinten losgehen. Die Reise ... du sagtest vor der Abreise, es sei Zeit, 'meine Vergangenheit in die Gegenwart zu holen'. An anderer Stelle hast du und haben auch andere gesagt, man müsse sich seiner Vergangenheit stellen, und das ist in meinem Fall wohl Montera, wo meine Zieheltern zwar umgekommen sind, aber noch andere überlebt haben können, die vielleicht etwas wissen, über mich oder meine Zieheltern", überlegte Cé, bemerkte, wie ihr die Vorstellung missfiel, dass es Menschen geben konnte, die mehr über sie wussten, als sie selbst, mehr über ihre Vergangenheit wissen konnten, als sie selbst.
Im Notfall konnte das gefährlich werden, wenn nicht gar tödlich. Wenn sich durch ihre Vergangenheit eine Schwachstelle ergab, musste sie diese finden, bevor sie eines Tages einem Gegner schutzlos ausgeliefert wäre.

Ornlu
10.01.2012, 23:29
"So ist es. Man darf zwar nicht vergessen woher man kommt. Doch wenn du eines Tages die Mächte der Druiden besitzen solltest, darfst du nunmal nicht derart angreifbar sein, dass jemand dich zwingt etwas zu tun, was nicht im Sinne der Natur ist. Du musst auf und nach der nahenden Reise bereit sein, über jenen Dingen zu stehen die dich heute noch stärker beeinflussen würden. Wenn es jemanden gibt dessen Verlust dich sehr hart treffen würde, so musst du akzeptieren, dass du diesen zur Not opfern musst oder der Verlust auf irgend eine Art dich nicht beeinflusst, Cécilia. Es gibt vieles was uns all zu menschliche Dinge fühlen lässt und das ist nicht falsch. Es ist nicht falsch zu lieben, es ist nicht falsch zu hassen, es ist nicht falsch Angst zu haben - es ist nicht falsch sich genüsslichen Dingen hinzugeben wie Sumpfkraut oder der Fleischeslust. Es ist jedoch für einen Druiden falsch sich abhängig zu machen oder sich all zu leicht beeinflussen zu lassen. Die Mächte die du eines Tages haben kannst, denen musst du würdig werden. Würdig werden bedeutet zu erkennen und sich bewusst zu sein, was die Natur aus einen gemacht hat. Deswegen beginnen wir diese Reise. Endet sie, heißt es nicht, dass du fertig bist. Du hast nur die ersten Schritte getan. Die Zukunft die dir dann bevorsteht, soll nicht von deiner Vergangenheit eingeholt werden. Deine Gedanken müssen frei sein, um womöglich einmal als Druidin auch frei zu handeln und entscheiden. Für unser Volk, für die Natur.", erklärte der Druide und hatte schon sein Sumpfkraut entzündet.

"Sag mir welche Orte du in Myrtana oder auf dem Festland aufsuchen willst und wir werden sie aufsuchen. Meinst du, es gibt auch extremere Fälle? Irgend eine Liebschaft aus einst? Oder jemand der großen Einfluss auf dich hat? Sonst irgendwas, was uns überraschen wird? - Und wie schaut es in dir aus? Rachegelüste, unerfüllte sexuelle Wünsche oder sonst etwas was dich im Kopf blockiert? - Meine Fresse wie ich mich anhöre. Naja gehört wohl zum Programm und ich wurde es damals auch ausgefragt. Aber bitte denk jetzt nicht wir lckieren uns die Finger, machen uns die Haare und sprechen über süße Jungs. Nein, ich denke du weißt, was ich damit meine und vertraue mir einfach. Ich mag nicht der Einfachste sein und auch nicht der Allernetteste, aber viele im Volk vertrauen mir und wissen um meinen Wert. Auch was?", fragte der Druide und reichte ihr etwas Sumpfkraut.

Cécilia
11.01.2012, 00:14
Cé schaute auf das Meer hinaus, während sie überlegte und Ornlus Worte für sich wiederholte. Es war nicht falsch, zu lieben, zu hassen, dem Genuss zu frönen, solange man nicht abhängig wurde ... leichter gesagt als getan. Womit man wieder bei Konsequenzen war. Sie erinnerte sich an ihre Kindheit in Montera zurück, an Keala und Aramee, ihre Zieheltern, die anderen im Dorf. Dann an Silden, an Oparilames und Samarus, die Pest, die ihr gezeigt hatte, was geschehen konnte, wenn es Ungleichgewicht gab. Dort hatte sie Opferbereitschaft kennen gelernt, aber auch die Angst, die der nahende, sichere Tod mit sich brachte. Schließlich dachte sie an Beria, an die Zeit dort, geprägt durch Misstrauen. Zuletzt erinnerte sich an das, was seit ihrer Ankunft auf Argaan passiert war.
"Ich möchte das Schlachtfeld der Schlacht um Montera besuchen, wegen meiner Zieheltern, und mich in Montera umsehen, Überlebende fragen.
Liebschaften ... es gab zwei in Silden, aber beide haben mich sitzen lassen, mehrfach. Es gab eine Zeit, da habe ich nach Leibeskräften verhindert, dass sie sich gegenseitig umbrachten. Es wäre wohl schmeichelhaft, wenn sie sich meinetwegen wieder an die Gurgel gehen würden, aber mehr auch nicht. Sie sind auch nur Menschen, und überall bringen sich Menschen gegenseitig um", sagte sie leise, mit kaltem Ton in der Stimme. Eigentlich überlegte sie lediglich laut. "Lina und Silelen haben mich dem sicheren Tod überlassen, aber das kann ich ihnen nicht übel nehmen. Ich hätte es auch tun müssen, wenn eine von ihnen erkrankt wäre, und die Bande der Freundschaft, die uns während der Pest verband, ist auch gebrochen. Bartimäus und Alon habe ich beide lange nicht mehr gesehen, bei beiden müsste ich im Zweifel darauf vertrauen, dass sie wissen, was ihr Opfer bedeutet, besonders bei Bartimäus."
Sie schaute zu Ornlu und sah, dass er Sumpfkraut rauchte. Selbst hatte sie keines bei sich, nur die wenigen Habseligkeiten, mit denen sie seit der Pest umherzog.
"Argaan ... da wäre jemand, dem ich liebend gern eine persönliche Demütigung heimzahlen würde, aber allzu genau verfolge ich dieses Ziel nicht, und es geht mir nicht darum, ihn dafür direkt umzubringen. Wenn ich mit dem zusammenarbeiten müsste, würde ich es gezwungenermaßen tun, und diese Sache hintenanstellen." Sie würde ja vielleicht noch hinterher genug Zeit haben, dieser Ratte Azil zu zeigen, dass man sich nicht mit ihr anlegte. Nicht, dass er sich seitdem wieder hätte blicken lassen. "Meine Ziehschwester Keala, sie macht ihr eigenes Ding, und es ist mir völlig gleich."
Es hatte gedauert, bis sie es geschafft hatte, sich das zuzugeben, aber sie hatte Keala nun schon lange nicht mehr getroffen, und eigentlich war es ihr egal, was sie tat. Auf dem Steg hatten sie sich nur gegrüßt und waren weitergegangen. Keala war diejenige, die sich gern auf Rachegelüste einließ; für Cé war diese Sache erledigt. Ebenso die Geschichte mit Faren, seit sie diesen seltsamen Waffenstillstand geschlossen hatten.

"Eine Blockade ... ich denke, du kennst meine Schwäche längst", sagte Cé etwas lauter, direkt an Ornlu gerichtet. "Sie liegt schon lange offen, die Angst, falsche Entscheidungen zu treffen. Wenn ich eine Entscheidung treffen muss, blockiert diese Angst mich, und ich tue das, wovor ich diese Angst überhaupt habe. Das soll keine Entschuldigung für vorangegangene Fehlentscheidungen sein, immerhin war ich zurechnungsfähig. Ich stand nur ... mir selbst im Weg."
Sie seufzte.
"Es ist spät. Ich sollte vermutlich noch prüfen, dass die Kombüse in Ordnung ist, bevor es morgen wieder Ärger gibt", sagte sie. "Gute Nacht."
Mit den Worten begab sie sich zur Kombüse. Manon und sie hatten schon einmal Ärger mit Tera gehabt und das war alles andere als schön gewesen, deshalb ging sie lieber sicher, bevor sie versuchen würde, zu schlafen. Ihr war nicht geheuer, wie schnell Tera ihr Schwert zur Hand hatte, wenn irgendwas war.

Ptah
15.01.2012, 20:00
Ahab, ihr Kapitän, stand am Bug des doch arg in Mitleidenschaft gezogenen Schiffs, welches sie angeheuert hatten, doch in Ermangelung von Alternativen hatten sie eben genommen was verfügbar war. Der Wind türmte das Meer, welches am Mittag vor Al Shedim noch geruhte hatte, zu immer höheren Wellenbergen auf, was ihrem Transportmittel gehörig Seegang verschaffte.

"Ich krieg' dich schon noch.", knurrte der erfahrene Seemann in seinen Bart, als Ptah beschloss dem Einbeinigen lieber den Rücken zu kehren. Die gegenwärtige Situtation verursachte auch ohne das seltsame Gemurmel des Kapitäns für ein ausgesprochen flaues Gefühl in seinem Magen. Doch unter Deck, wo die Luft salzig und dumpf war, wollte er auch nicht so recht.

Ein roter Farbfleck am Heck erregte seine Neugier und als er sich dem kupferfarbenen Haarschopf von Melaine schließlich näherte, hielt er kurz inne. War es eine gute Idee hier im Sturm ein Gespräch mit der Magierin zu beginnen? Zumindest würde es ihn von der leichten Übelkeit ablenken.

"Faszinierend nicht? Welche gewaltigen Kräfte das Meer entwickelt, sobald es in Bewegung gerät."

Melaine
15.01.2012, 20:16
Der Wind ließ die Segel knallen und das Holz des Mastes ächzen, gut genug, dass Brüllen eines Löwen oder das Jaulen eines Schakals zum imitieren, während sein immerwährendes Kreisen die Haare der Zauberin mal ihr Gesicht verbarg, mal es frei sich selbst aussetzte.

Melaine stand am Heck des Schiffes, die Hände das raue Holz der Reling umklammern lassend, und blickte in die Ferne, dorthin, wo nichts lag und doch so viel noch liegen konnte, wenn erst die Zeit verstrichen war. Dass sie Betty nicht mehr vorgefunden hatten bei ihrer Rückkehr, ließ auf vieles schließen, nicht zuletzt, dass sie ihren Handel nicht eingehalten hatte, obgleich sie eine Frau von Ehre gewesen zu sein schien. Vielleicht hatten sie zu lange gebraucht, dass die Geduld jener Kapitän verbraucht worden war.

Eine Stimme drang über das Brüllen des Windes hinweg an die Ohren der jungen Rothaarigen und entlockte ihren Mundwinkeln ein leichtes Zucken, dem die Kraft zu einem vollen Lächeln fehlte. „Faszinierend, solange man den Anblick genießen darf, anstatt die Gewalt spüren zu müssen.“, erwiderte die Magierin des Wassers und wandte dem Meer den Rücken zu, ihren Körper an der Reling abstützend und die Hände noch immer das Holz festhaltend.

„Einerlei. Es ist nicht das Meer allein, sondern das Zusammenspiel mit dem Wind und allem, was den Wind an diesen Ort getrieben hat.“, ergänzte sie ruhig, „Konntet ihr euch dennoch ausruhen?“

Ptah
15.01.2012, 20:29
Der Adept deutete die Verneinung mit einem sachten Schütteln des Kopfes an.

"Das wird noch eine Weile brauchen und im Moment bin ich ganz froh um die frische Luft an Deck." Vielleicht bildetete es sich der Hagere nur ein, aber die Mimik Melaines zeigte Züge von großer Erschöpfung. Mentaler mehr noch als physischer. "Gestattet, dass ich mir die Bemerkung erlaube, aber Euch scheint es auch nicht gelungen zu sein zur Ruhe zu kommen."

Eine wenig charmante Feststellung, doch im Augenblick war er für Komplimente und Darumherumreden nicht zu gewinnen, zu tief waren die Spuren, welche die listenreiche Rede Karnaks bei ihm hinterlassen hatte.

Melaine
15.01.2012, 20:50
Wie zur Bestätigung schüttelte die Rothaarige sachte den Kopf, während ihre linke Hand sich eine vom Wind gefasste Strähne aus dem Gesicht wischte. Ihre Augen funkelten im dämmrigen Licht der Nacht und den wenigen Fackeln, die an Bord eine dumpfe Gemütlichkeit weckten, für die ihr Geist in diesem Augenblick keinen Sinn hatte.

„Die Tage sind dunkler geworden, die Nächte finsterer. Dort, wo man nach Schlaf sucht, findet man nicht mehr als eine lose Dämmerung, wenn man nicht den Träumen dessen, was hinter uns liegt, erliegen will. Ich habe in letzter Zeit zu viel Leid gesehen, um darauf zu hoffen, dass diese Sphäre noch etwas Reines und Gutes birgt. Aber es widerspricht auch meinem Verständnis der Welt seit jeher nicht, sodass die trüben Gedanken mit der Zeit verfliegen und die Ringe unter meinen Augen verblassen.“, erwiderte Melaine ehrlicher, als sie es anfänglich beabsichtigt hatte. Doch sie fand keinen Grund, die Wahrheit zu mildern.

Igor Vectrex
15.01.2012, 21:07
Eine scharfe Brise wehte von Westen her, verwirbelte die langen Haare des an Deck neben Nael stehenden Beliardieners und ließ diesen frösteln. Die Kleidung der Wüstenbeduinen hatte er schon längst abgelegt und gegen seine alte Wildlederhose, ein weißes Hemd mit Rüschen und edlen schwarzen Umhang ausgetauscht. Die schweren Stiefel an seinen Füßen trugen sich sonderbar, nach den vielen Monden offenen Schuhwerks, die jedermann in der Wüste zu tragen pflegte. Und doch reichte es nicht. Igor fror so dermaßen, daß er sich beinahe wieder wünschte, zurück in die Wüste zu gelangen. Diese Reise ins Ungewisse zog sich bereits auch schon ein paar Tage hin und es schien, daß noch kein Ende in Sicht war.

»Sind wir bald da?« fragte er den gläubigen Nael genervt.

»Genau so bald wie vor einer Stunde, als Du mich das Gleiche fragtest!« erwiderte der Gewürz- und Kräuterhändler gelassen.

»Hmmpf, wenn Du die Frage wenigstens mal beantworten würdest, oller Zausel!« gab Igor ärgerlich zurück.

»Aber, aber. Warum denn so aufgebracht, D'ahbur? Lausche der wogenden Brandung, dem erzählerischen Wind und genieße Deine Überfahrt!« erdreistete sich Nael, den Verärgerten noch weiter zu reizen.

»Mir ist kalt und ich habe Hunger, das Meersalz verklebt meine Haare. Und ich will einen Schnaps. Ihr habt ja nichtmal welchen!« raunte der Schwarzäugige vor sich hin.

»Nun auf dem Meer ist es eben kalt, find' Dich damit ab. Hunger sagst Du, hier, nimm ein paar Datteln! Und Schnaps haben wir nicht, stimmt. Den hat Hassan vergangene Nacht alleine vernichtet. Er wird sonst seekrank, weißt Du? Du kannst einen Krautstängel haben!«

»Datteln! Wie ich die Dinger hasse! Ich habe soviele davon verputzt, daß es für ein gesamtes Leben ausreicht. Hmm, ich sehe da keinen Unterschied...« wies Igor auf die andere Relingseite, auf der besagter Säufer stand und seit Stunden bereits seine Seele aus dem Leib kotzte »seekrank oder volltrunken scheint da wohl egal zu sein. Und ich rauche keine Stängel, der Nebel um uns herum reicht mir, da muß ich mir nicht auch noch die Birne vernebeln!« erwiderte der Goldschmied. Langsam verzog sich sein Ärger.

Es vergingen einige Minuten des Schweigens, lediglich unterbrochen von einigen knarzenden Dielen, der aufbrausenden Gischt, die vor das Schiff donnerte, den Geräuschen der Segel im Wind und dem immer noch volltrunkenen Hassan.

»Sind wir bald da? unterbrach Igor die Stille erneut.

»Fängst Du schon wieder an?« entgegnete Nael, dessen Stimme nun genervt schien.

»Ja, solange, bis Du mir eine Antwort gibst. Ich vermute nämlich...« und nun wurde seine Stimme laut »...daß sich unser ehrenwerter Navigator verfahren hat. Da, die Welle habe ich vorhin schon mal gesehen!« rief Igor und stampfte dabei mit einem Fuß auf.

Der stämmige Tarek, dem die Worte nicht entgangen waren setzte eine finstere Mine auf, ließ das Steuer los und vergrub seine Fäuste in den Hüften. »Wie kannst Du es wagen, sowas zu behaupten. Na warte, du Landra...!« doch weiter kam er nicht.

»DA...DA VORNE. LA-LA-LAND IN SICHT. DA IST LA...BLÄÄÄRKSSS...« kotzte Hassan der Säufer vor.

Und tatsächlich, vor ihnen lag noch halb im Nebel verschleiert, die östliche Landzunge Argaans. Endlich.

»Wir können nicht anlegen, das Wasser ist nicht tief genug dort. Du wirst eins der Beiboote nehmen müssen, D'ahbur!« rief Tarek vom Oberdeck herunter.

Der Angesprochene zögerte keine Sekunde, ging in die Kajüte um seine lederne Umhängetasche zu holen und begab sich anschließend nach achtern. Löste die Verriegelung des Landungsstegs und wandte sich ein letztes Mal zu Nael um.

»Nun, das war es dann. Ich wünsche Euch noch eine gute Reise. Grüße Azdin von mir und überbringe ihm meinen Dank!«

»Ganz wie Du wünschst, D'ahbur. Möge Beliar Dich segnen, alter Freund. Auf Wiedersehen!«

Der Goldschmied kletterte in das Beiboot, welches dann an den Haltetauen langsam abgesenkt wurde. Ein Ruck ging durch den Rumpf der Nussschale, als es auf dem Wasser aufsetzte. Von hier hieß es nun rudern - der Landzunge entgegen...

Ptah
15.01.2012, 21:13
"Das ist eine sehr düstere Sicht auf die Welt.", gestand der Varanter offen, während um sie herum der Wind nochmal stärker wurde. Er musste die Stimme deutlich anheben, um noch zu der Magierin durchzudringen, "Wisst Ihr... all diese Jahre habe ich mit der Hoffnung gelebt, vielleicht irgendwann meine Familie wiederzufinden, ihre Gesichter zu schauen und so ein Zuhause zu haben. Einen Ort, an dem ich glücklich und alt werden kann. Nach den Geschehnissen der letzten Tage erscheint es mir beinahe ein wahnhafter Zustand, ja Besessenheit gewesen zu sein, gerade auch im Hinblick auf... die ernüchternde Herzlichkeit unseres letzten Aufeinandertreffens.", schob er bitter nach.

"Das Bizarre ist aber, dass ich nicht bereue diese leere Hoffnung auf eine Familie, die ich nie kannte, gehegt zu haben. Sie war mir auch Antrieb, gab mir Kraft und Zuversicht in Momenten, in denen ich unter anderen Vorzeichen wahrscheinlich gescheitert wäre." Kurz fuhr er sich mit der Hand über die Stirn, um das Wortgeflecht ein wenig zu ordnen. "Ich will sagen, dass ich dabei etwas Wichtiges übersehen habe. Ich war nicht allein, die Gemeinschaft hat mir in all der Zeit mehr Heimat und mehr Geborgenheit gegeben, als es meine Familie je tat."

Melaine
15.01.2012, 21:32
Melaine zeigte ein dünnes Lächeln, welches freundliche, wenngleich schwache, Zuversicht ausdrückte, die sie dem jungen Adepten gerne als Geschenk darbot. Es mochte aufmunternd wirken, obwohl sie wusste, dass ihre nachfolgenden Worte es wieder zerstören konnten, außer, wenn sie sich auf Halbwahrheiten und Lügen zurück zog, um das, was sie bereits gesehen hatte, in ein besseres Licht zu stellen.

„Es ist nicht so, dass ich nur Schlechtes gesehen oder erlebt habe. Aber überall dort, wo Licht ist, ist auch Schatten. In jedem Menschen, in jedem Tier, in jedem Ding, was diese Welt zu dem macht, was sie ist. Das ist das von Adanos geschaffene Gleichgewicht, gefangen in einem ewigen Werden und Vergehen.
Ihr habt Glück, dass ihr diese Hoffnung hattet, dass sie euch treu war und ihr sie nicht bereuen müsst. Doch die Gemeinschaft, von der ihr gesprochen habt, habe ich nie im Kreis des Wassers vernommen, und das, was in meiner Vergangenheit liegt, vermag ich nicht, zu enthüllen. Das unterscheidet uns. Und es ist keine finstere Sicht auf der Welt. Vielleicht erscheint es euch so, aber in mir ist sie aus dem erwachsen, was ich die letzten Jahre erleben durfte. Und durch meine Akzeptanz dessen, mag es für jene, die privilegiert genug sind, in Stoff gebettet ihrem Tagewerk nachzugehen, finster wirken. Doch glaubt mir. Die Enttäuschung ist geringer, wenn man sie erwartet.“

Ptah
15.01.2012, 21:50
"Vielleicht wart Ihr bloß nie für sie empfänglich.", spekulierte Ptah und wusste, dass er sich damit sehr weit aus dem Fenster lehnte, "Nehmt mein Beispiel. Als ich zu dieser Reise aufbrach, war ich näher am Wahnsinn, denn an der Vernunft. Ich hatte Glück vor meiner Abreise auf Euch und Jaryvil zu treffen. Wärt Ihr nicht gewesen, ich würde vermutlich irgendwo auf Varants Sand gebettet liegen - tot."

Sein Blick war fester dabei geworden und er ließ keinen Zweifel daran, dass seine Worte aus Überzeugung genährt waren.

"Doch begeht nicht den Fehler mich für einen dieser Privilegierten zu halten. Bei Adanos, Ihr habt es doch selbst gesehen...", kaum hatte er es ausgeprochen, wollte er sich am liebsten auf die Zunge beißen. Der Vorwurf, der in seinen Worten mitschwang, war schwerlich zu überhören. "Verzeiht bitte... es stand mir nie zu..."

Lopadas
17.01.2012, 21:10
Wie sooft konnte der Priester nicht lange unter Deck bleiben. Immer wenn er mit dem Schiff über die Meere fuhr, trieb es ihn nach oben. In seiner Kajüte kam ihm das Geschauckel wesentlich schlimmer vor, als hier. Besonders aber genoss er die kühle, bessere gesagt eiskalte, Luft an Deck. Der Meereswind hatte die Segel weitaufgeblasen, sodass das Schiff schnell durch die Wellen schnitt. Lopadas stand an der Reling und schaute in den nächtlichen Himmel. Viel gab es dort nicht zu sehen, aber er stand ja auch nicht hier, um weltbewegende Entdeckungen zu machen. Vielmehr wollte der Feuermagier die Erlebnisse in Quasar abschließen und sich auf das vorbereiten, was ihn nun auf Argaan widerfahren würde. Bisher konnte ihm noch niemand Auskunft geben, wie es auf der Insel aussah. Die Seeleute dieses Schiffes waren wohl eine Weile auf Khorinis gewesen und hatte nur zufällig einen Abstecher nach Gorthar gemacht. Es gab wohl Grog im Angebot oder soetwas in der Art. Oft verstand der Schriftgelehrte die brummige Seemannssprache nicht. Doch meist verbesserten ein paar Goldmünzen das Verständnis. Kostenlos kam keiner zwischen den Inseln oder dem Festland hin und her, jeder Kapitän wollte Gold für die Überfahrt. Jedesmal musste sich der Priester von seinem wenigem Gold trennen. Am liebsten hätte er alles irgendwo vergraben und niemals hervorgeholt. Wie sollte er irgendwelche Notfälle überleben, wenn er ständig Gold für solche Nichtigkeiten ausgeben musste?
In seinen Fingern drehte Lopadas das kleine Fläschchen, das Medin ihm mitgeben hatte. Er war wirklich gespannt, was Neoras oder ein anderer Alchemist dazu sagen würde. Der Schriftgelehrter selbst war ratlos, das einzige, was er zusammen mit dem Paladin schmerzlich herausgefunden hatte, war, dass diese Flüssigkeit leicht entflammbar war. Schnell verstaute er das Fläschchen wieder in seiner Robentasche, denn er wollte es nicht unachtsam den Fluten übergeben oder irgendeinem Seemann vorzeigen müssen. Sein Blick drehte sich zum Bug des Schiffes. In dieser Richtung musste bald Argaan zu sehen sein. Thorniara wartete sicherlich schon auf ihn.

Manuele
06.02.2012, 22:32
"Etwas üben? Warte noch ein bisschen, wir sind noch nicht ganz aus der Gefahrenzone raus, danach können wir ruhig etwas trainieren." Manuele wollte sich einfach sicher gehen, dass alles gut lief. Schliesslich war er der einzige Seemann an Bord, was die ganze Sache nicht leichter machte.
Er nahm eine Seekarte hervor, etwas veraltet, doch sie tat ihren Zweck. Wenn sie einige Meilen Abstand von der Küste hielten und immer jemand Wache schob, konnte er das Schiff von ganz alleine Segeln lassen. Es waren nirgends Sandbänke oder ähnliches eingezeichnet. Nach einem kurzen Kontrollgang kehrte er ins Zelt zurück, wo Seisuke ziemlich gelangweilt in der Ecke sass.

"Komm mit, wir üben etwas." Er schnappte seine Axt vom Schlafplatz und ging hinaus an Deck. Stella und ihr Diener sassen immernoch gemütlich an den Masten gelehnt und schauten sich die Sterne an. Manuele drehte sich um und blieb stehen. "Nun, hier wird es nicht einfach sein. Das Schiff schaukelt zwar nur leicht, doch du wirst merken, dass es nicht leicht ist die Hiebe auszubalancieren. Ausserdem möchte ich euch an neue Waffenarten heranführen. Nicht alle Gegner werden euch mit einem Schwert angreifen, das wäre zu einfach." Mit einem Wink gab er Seisuke zu verstehen, dass er sich bereit machen sollte.

Schnell zog er das Kriegsbeil und machte einen Schritt nach vorn, mit grosser Wucht schlug er die Klinge von unten nach Oben. Sein Gegenüber wich gekonnt aus.

Stella Lestrange
06.02.2012, 22:52
Stella und Vladimir unterhielten sich über mehrere Dinge und schließlich sahen sie zu wie Seisuke und Manuele. ,,Ich muss zugeben, er weiß wie man mit einer Axt umzugehen hat. Wobei ich an sich keine Ahnung davon habe wie man mit einer Axt kämpft.“, staunte Stella und ihr Augen weiteten sich vor Begeisterung. Vladimir legte eine Hand um ihre Schulter und zog sie zu sich her. Sie wurde leicht rot im Gesicht und sah den beiden beim Kampf zu. Sie wollte unbedingt genauso gut werden wie die beiden, doch für heute würde sie kein Training mehr hinlegen.

Nach einiger Zeit meinte ihr Diener:,, Stella, ich möchte dir gerne etwas geben.“ Sie sah ihn neugierig an und er holte einen einfachen silbernen Ring hervor:,, Ich habe diesen Ring, von deinem damaligen Geliebten bekommen. Ich denke es wird Zeit, dass du ihn wieder bekommst.“ Eine Träne rann ihr über die Wange und konnte kein Wort hervor bringen. Dies riss wieder diese alte Wunde auf und sie steckte den Ring sofort an. ,,Danke.“, murmelte sie leise und blickt ihn nicht an. Sie wollte gar nicht wissen warum er den Ring hatte.

seisuke
06.02.2012, 23:12
Wie erwartet hatte diese Axt einiges an Wucht und so wie Manuele sie schwang hätte er wohl einem Wolf mit einem Hieb den Kopf abschlagen können. In diesem Fall wäre es aber Seisukes Kopf gewesen, doch war er dieses Mal auf einen plötzlichen Angriff vorbeireitet und wich mit einem schnellen Schritt nach hinten aus. Sein Schwert hatte er schon gezogen und die Scheide musste er in der Linken festhalten, da sein Schwertgurt an der Lederrüstung war. Nach Manueles Hieb schritt Seisuke ohne zu zögern nach vorn und griff an. Sein seitlicher Hieb wurde aber von der Klinge der Kriegsaxt geblockt, die Manuele in diesem Fall wegen ihres Gewichts wie einen Schild benutzen konnte.

Mit seiner dünnen Klinge konnte Seisuke so lange erfolglos gegen die Axt drücken wie er wollte, dachte er sich. Also nahm er wieder Abstand, umkreiste Manuele mit ein paar Schritten und dachte daran die Technik auszuprobieren, die er am Nachmittag geübt hatte. Seisuke ließ das Schwert zurück in die Scheide gleiten, behielt die Hand am Griff und ging mit kleinen und langsamen Schritten auf Manuele zu, der etwas fragen schaute. Kaum war der Dieb kurz vor der Reichweite der Axt, beschleunigte er mit einem kräftigen Schritt und zog zugleich die Klinge aus der Scheide, um selbige Wucht in seinen Angriff zu legen. Die Geschwindigkeit des Hiebs überraschte anscheinend sogar Manuele, der seinen Parierversuch abbrechen musste und mit einem Schritt zur Seite aus der Reichweite des Schwertes sprang.

Seisuke auf der anderen Seite stolperte leicht, da er das Schwanken des Schiffes nicht so gut gegenbalancieren konnte, während er alle Hände voll damit hatte, die Wucht der Klinge zu kontrollieren. Manuele ließ ihm auch dabei keine Pause und kam mit dem nächsten Hieb von der Seite. Leicht panisch parierte der Silberhaarige indem er die Axt auf ihrem Weg von der Rückseite anschlug und so ein paar handbreit vor ihm vorbeigehen ließ. Wieder nahm Seisuke ein wenig Abstand. Schweißtropfen liefen seine Stirn herunter während er noch dachte, dass er die Axt glücklicherweise nicht von Vorne pariert hatte. Aber die Geschwindigkeit seines Schwertes beeindruckte ihn fast selbst und da er wohl nie besser als nun seine Techniken üben konnte, steckte er das Schwert wieder in die Scheide, legte es seitlich an seine Hüfte und bereitete sich vor. Dieses Mal würde er den Angriff defensiver einsetzen und warten bis Manuele sich in seine Reichweite trauen würde.

Manuele
06.02.2012, 23:24
Nicht schlecht, der Schüler fing selbst an neues aus zu probieren. Manuele ging dieses mal jedoch vorsichtiger auf ihn zu, da er in etwas wusste was kommen würde. Seisuke zog wieder seine gekrümmte Klinge nach vorn, fast hätte sie Manueles Hals getroffen.
Aus dem Reflex heraus hievte der Klingenmeister sein Beil nach oben und stiess die Klinge des Gegners beiseite und setzte einen weiteren Schlag nach. Seisuke trat flink zur seite. Mit aller Wucht fiel der Nordmann nach vorn, geradewegs auf Stella und Vladimir zu.
Er spürte wie die Axt sich in etwas hartes verhakt hatte und machte die Augen wieder auf. Sein Handgelenk schmerzte vom Aufprall. Angsterfüllt starrten ihn die anderen zwei an. Beinahe hätte er Vladimirs Kopf abgetrennt, stattdessen hing sein Beil jetzt am Hauptmast fest.


"Ist wohl besser wenn wir für heute schluss machen!" Er lächelte verlegen und zog mit beiden Händen die Axt aus dem Holz heraus. Einige Splitter fielen zu Boden, doch es war nichts was man nicht reparieren konnte. " Kommt wir sollten lieber ins Zelt gehen, in der Nacht kann es ziemlich kühl werden hier draussen. Nigel schob die erste Wache, danach wäre Vladimir dran.

Sie verkrochen sich in ihren Schlafplätzen. Viel Platz hatten sie nicht. Auf der rechten seite war das Steuer angebracht, was Manuele mit einem Tau festgemacht hatte. Hinten lagen Manueles und Nigels Strohbetten, während auf der Linken Seisuke Stella und Vladimier schlafen konnten. Suri hatte es vorgezogen auf offenem Deck zu liegen, er mochte es nicht so eingezwängt zu sein.

Manuele
07.02.2012, 12:16
Zufrieden begutachtete Manuele die Küste, die erste Nacht hatten sie unbeschadet überstanden. Auf ihrer Rechten erstreckte sich nun die öde Felslandschaft Ostargaans. Setarif und den Dschungel hatten sie bereits hinter sich gelassen, bald würden sie das verfluchte Kastell ereichen. Dem Nordmarer war überhaupt nicht wohl beim Gedanken daran. Hoffentlich konnten sie unbemerkt vorbeiziehen, auf ein wiedersehen mit diesen Schwarzmagiern hatte er überhaupt keine Lust. Zwar war der Bericht über Lord Hagens Machenschaften zwischen all den internen Problemen Setarifs untergegangen, doch Manuele hatte die Nachricht nicht vergessen. Er würde die Garde schon noch zur Rächenschaft ziehen, alles zu seiner Zeit. "Sella üb ein wenig mit Seisuke, nehmt dazu anstatt eurer Schwerter mal irgendwelche Gegenstände, ihr sollt lernen immer auf der Hut zu sein und alles nützliche als Einhandwaffe einsetzen zu können." Mit dem Training würde er sich ein wenig ablenken, doch jetzt musste er mit Suri noch die Segel straffen.

Manuele
08.02.2012, 11:12
Ein kalter Wind tobte über dem Meer und die Wellen schlugen immer fester gegen die Planken der kleinen Handelskogge. Manuele stand eingewickelt in seinem Mantel an Deck und starrte in den vernebelten Horizont. Nervzereissende Stille herrschte auf dem Boot. Die anderen schliefen alle noch, sie hatten eine anstrengende Nacht hinter sich, da ein Sturm aufgezogen war. Der Klingenmeister lehnte sich nervös an den Hauptmast. Er wusste, dass irgendwo im Nebel das Kastell emporragte und seine Bewohner sicherlich auch ein Auge auf die Umliegende Landschaft warfen. Kein gutes Gefühl, nein im gegenteil. Der Klingenmeister konnte sich gegen Männer in stählernen Rüstungen wehren und sogar Orks hatte er zur strecke gebracht, doch gegen Dämonen, nein da wusste er sich nicht wirklich zu helfen. Ausserdem misstraute er diesen Schwarzmagiern mehr als den Orks, bei denen wusste man zumindest auf welcher Seite der Klinge sie standen. Gerade wollte er zum Steuer zurückkehren, da ertappte er sich selbst beim Beten, die Hand hatte er an seine Halskette gelegt zum Gedenken an seine Ahnen. Ja, ap und zu schmerzte die Vergangenheit immer noch. Er würde vermutlich nie seine grosse Liebe vergessen, nicht durch eine andere Frau und nicht durch den Tod. Es gab dinge, die waren stärker als der Geist des Menschen. Manuele riss sich zusammen, blickte ein letztes mal zur verschleierten Küste und machte sich schliesslich an die Arbeit.

Stella Lestrange
09.02.2012, 18:16
Stella fiel hart auf den Boden und rieb sich den Hintern. ,,Du musst dich etwas mehr Konzentrieren.“, meinte Vladimir und zog sie wieder auf die Beine. Sie wurde rot als sie eine Hand ergriff und er sie auf die Beine zog ,, Danke.“, murmelte sie verlegen. Er schenkte ihr ein warmherziges lächeln und nahm wieder seine Kampfhaltung ein. Sie nahm ebenfalls ihre Kampfhaltung ein und sie fingen an wieder ein paar Hiebe auszutauschen. ,,Du bist gut.“, grinste Vladimir und ließ sein Schwert in einem Stich nach vorne schnellen. Stalla drehte sich seitlich weg, ließ die Klinge von unten nach oben hoch schnelle und führte die Feindliche Attacke auf ihren Feind zurück. Vladimir musste nach hinten springen und ließ sein Schwert von oben auf sie herab schnellen. Sie hob darauf hin ihr Schwert an, fing seinen Hieb ab und fragte:,, Ist das schon alles.“ Ihr Diener lächelte, zog die Klinge zurück und schlug nun mehrmals zu und trieb so die Adlige mehr und mehr zurück. Nun hatte er sie an den Masten gedrängt und ließ ihr keine Möglichkeit mehr seitlich zu fliehen und die Hiebe abzuwehren erwies sich auf Grund des Platzmangels als sehr schwierig. Schließlich stieß er zu und sie rutschte mit den Füßen weg. Wo gerade ihr Kopf war steckte im Masten nun Vladimirs Schwert.
,,Verzeiht.“, murmelte er und half ihr abermals auf die Beine. ,,Musst dich doch nicht entschuldigen.“, seufzte sie und sah betrübt den Masten an. ,,Was ist?“, fragte Vladimir, den man sah ihr die Betrübnis förmlich an. ,,Es ärgert mich einfach, dass ich immer noch nicht gegen dich gewonnen habe.“ Vladimir mied ihren Blick und antwortete:,, Ihr seid gut, sehr gut sogar. Aber ich trainiere seit vielen Jahren und man wird nicht von heute auf morgen ein Schwertmeister.“ ,,Das ist mir auch klar.“, murmelte sie und ließ sich niedergeschlagen auf eine Kiste nieder.

Nigel Ascan
09.02.2012, 20:10
Die See hatte sich einigermaßen beruhigt, ausnahmsweise.
Nigel stand an der Reling gelehnt an Deck und sah zur Küste hinüber, die stets in Sichtweite war. Wenn es denn die Lichtverhältnisse zuließen.
Er konnte es nicht mehr erwarten, endlich an Land zu gehen, denn er mochte die See nicht mehr so gern. Er war gern am Strand, liebte den salzigen Geruch und das Rauschen der Wellen, aber das ganze Geschaukel war ihm zuwider geworden. Als ehemaliger Fischer war er mit dem kleinsten Kahn in seine Bucht hinausgefahren, aber seit dem er davon abgeschworen hatte, war die Seefahrt nichts mehr für ihn.

Die Besatzung war, wie auch die Kogge, ziemlich klein. Für Nigel sogar zu klein für das Schiff, aber Manuele war der Chef und wenn der es für ausreichend befand, dann war Nigel damit einverstanden. Mit ihm war nur Keala gekommen, der Navigator stattdessen hatte den silberhaarigen Kerl mitgenommen, gegen den der Söldneranführer draußen im Dschungel vor Setarrif kämpfen musste. Außerdem war noch eine Frau mit an Bord, sowie dessen Hackendackel, denn er folgte ihr auf Schritt und Tritt. Andauernd kämpften die Zwei quer übers Deck. Sonst war nur noch ein weiterer Mann mit an Bord. Er hieß Suri, mehr wusste Nigel jedoch nicht über ihn.

Wieder einmal fiel Nigels Blick auf die Frau, die da andauernd kämpfte. Irgendwoher kam sie ihm bekannt vor. Dann fiel es ihm ein. Sie hatte Eodrian verführt. Eodrian, wo war der eigentlich abgeblieben? Nach dem Aufstand und dem Kampf auf dem Königsplatz hatte er ihn nicht mehr gesehen. Hatte er es etwa nicht überstanden? Wusste sie etwas über sein Verbleiben?
Nigel fühlte sich plötzlich ziemlich mies, da er den jungen Kerl total aus den Augen verloren hatte...

Er stieß sich kraftvoll aus seiner Lehnposition von der Reling ab und lief über das Deck zu der Frau und ihrem Dackel. Harsch packte er sie am Arm und drehte sie zu sich herum. Es gab kein Zweifel mehr, sie war die Frau und wusste mit Sicherheit etwas über den Jungen.

» Ich kenn dich doch. Du hast doch mit Eodrian rumgemacht. Was weißt du über ihn und sein Verbleib?! « sprach Nigel und ignorierte dabei die Drohgebärden des Kerls neben ihr.

Stella Lestrange
09.02.2012, 20:26
Was sie mit Eodrian gemacht hatte? Eine Träne rann ihr über die Wange und sie befreite sich aus dem Griff des Mannes und sie sprach mit leicht trauriger Stimme:,, Ich habe gar nichts mit ihm gemacht. Er und ich waren eigentlich wirklich glücklich miteinander. Aber er hat mich einfach ohne einen Brief ohne sich von mir zu verabschieden verlassen.“ Sie versucht nach bester Kraft ihre Tränen zu verbergen. Vladimir nahm sie sanft in den Arm und Stella fuhr fort:,, Ich versteh es selber nicht warum er das getan hat.“ Ihr Diener sah nun Nigel an und meinte:,, Bei allem Respekt. Aber dieses Thema geht ihr immer noch recht nahe.“ Sie löste sich von ihm und sprach:,, Ist schon gut.“ Sie mied die Blicke beider Männer, wusste aber das Vladimir jederzeit bereit war zu Kämpfen wenn er sich verscherzen würde. Aber sie war sich sicher, das selbst Vladimir gegen ihn verlieren würde.
Dann sah sie wieder den Fremden an und meinte:,, Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt, ich heiß Stella.“ Sie machte eine leichte Verneigung und lächelte nun ganz leicht, worauf hin ihr Diener mit den Augen rollte und wegsah. Als sie dies Bemerkte fuhr sie ihn an:,, Du könntest ruhig auch mehr Manieren zeigen und dich vorstellen.“ Während sie ihn beschimpfte schlug sie ihn einmal quer über das Deck, doch dann fing Vladimir an:,, Und du solltest nicht gleich Jeden deinen Namen verraten.“ Dabei drückte er mit einer Hand gegen ihren Kopf und schob diese ebenfalls einmal quer über das Deck und dabei zickten sie sich gegenseitig an wie Unfähig der andere sei.
Schließlich trat sie Vladimir zwischen die Beine und klatschte kurz in die Hände:,, Und jetzt hör auf zu meckern.“ Dann sah sie belustigt runter wie er sich vor Schmerzen am Boden wälzte und fluchte.

Nigel Ascan
09.02.2012, 20:37
Irgendwas hatte Nigel eindeutig nicht mitbekommen, sonst hätte er die Szene, die sich ihm bot, vielleicht ein wenig verstanden. Erst flennte Madame, die sich mit Stella vorstellte, dann zickte ihr Hofnarr rum, worauf sie zurück zickte und dann wurde er grob. Böser Hackendackel. Aber dafür bekam er auch die Quittung.

Nigel stand einfach nur da und grinste sich schließlich einen. Das war einfach zu herrlich. Aber nichts destotrotz hatte Nigel nicht ganz verstanden, was nun mit Eodrian war. War er gestorben oder was meinte Stella, als sie sagte, Eodrian habe sie verlassen.

» Nu lasst hier mal den Kindergarten, ist ja nicht auszuhalten. Was ist nun mit Eodrian? Was meinst du mit 'verschwunden'? « erhob Nigel erneut die Stimme.

Zur Unterstützung stemmte er die Fäuste in die Seite, was allerdings nicht wirklich sichtbar war, da das Schiff in nahezu absolute Dunkelheit getaucht war. Keine Ahnung, wie Manuele da wusste, wolang es ging, aber der Nordmann würde das Schiff schon schaukeln...

Stella Lestrange
09.02.2012, 20:48
,,Er hat mich Verlassen, ich habe keine Ahnung wo er jetzt ist.“, erklärte Stella abermals und ihr Diener hatte sich langsam wieder erholt, stellte sich hinter sie und schlug ihr von oben auf den Kopf und knurrte:,, Das nächste mal werde ich nicht so Feinfühlig sein.“ Stella rieb sich mit zusammen zusammengekniffenen Augen die Stelle und winselte ununterbrochen ,,Aua“ Ihr Diener verzog sich darauf hin mit einem wütenden Gemurmel.
Als die Schmerzen nachließen blickte sie wieder auf und wischte sich eine Träne ab. Mit einem Mürrischen Gesicht sah sie ihm kurz nach und streckte die Zunge aus. Dann sah sie wieder den Fremden an und erwiderte:,, Ich bin mir sicher, das Eodrian seine Gründe gehabt hatte Setarrif zu verlassen. Aber mich würde auch interessieren warum und wohin er gegangen ist.“ Sie fing an wieder zu grinsen und meinte:,, Ihr habt euch auch noch gar nicht vorgestellt, wie heißt ihr eigentlich?“

Nigel Ascan
09.02.2012, 21:03
Viel schlauer wurde Nigel nicht aus dem, was Stella von sich gab. Er gab es aber vorerst auf.

» Ich heiße Nigel Ascan, bin Söldnerführer und Meister der Klingen und gehöre dem Argaaner Widerstand an. Das dürfte so alles sein, was es über mich zu wissen gibt. Achja, ich bilde in Körperbeherrschung aus, wenn man das so sagen kann. « führte Nigel aus.

» Und du? Gut, dein Name ist Stella. Aber wer ist der Kerl, der sich nicht entscheiden kann, dein Diener oder dein Herr zu sein?! Und warum willst du den Umgang mit dem Schwert lernen. Oder warum lernst du ihn? «fügte er noch hinzu.

Dabei lehnte er gegen den Hauptmast der Handelskogge und blickte Stella, die in einiger Entfernung stand, an.

Stella Lestrange
09.02.2012, 21:15
Sie überlegte kurz wo sie am besten anfangen sollte, dann fing sie an zu sprechen:,, Also eigentlich ist Vladimir mein Kammerdiener und meine persönliche Wache. Manchmal ist er sehr Eigensinnig und Stur. Aber er ist nun mal ein guter Freund von mir. Jeden anderen hätte ich wegen einem solchen Verhalten entlassen.“ Sie musste bei dem Gedanken kurz lachen und fuhr fort:,, Und was das Lernen anbelangt, so bringt er mir bei wie man besser Kämpft. Es sei den Manuele ist da.“ Sie trat von einem Bein aufs andere und seufzte. Ihr ging so viel durch den Kopf, dann fügte sei an:,, Und ich für meinen Teil, bin froh das er manchmal so ist. Sonst wäre es langweilig wenn er alles sofort macht.“

Sie lief ein wenig auf Nigel zu und seufzte, dann blickte sie sich um und fragte:,, Wo geht es jetzt eigentlich genau hin? Weil Vladimir und ich schon gerätselt haben wohin die Reise geht.“ Sie hoffte, dass er ihr die Frage beantworten könne und sah ihn deshalb fragend an.

Nigel Ascan
09.02.2012, 21:21
Kammerdiener? Was hatte er denn da vor sich zu stehen?! Ungläubig schüttelte Nigel den Kopf.

» Das ist ja alles höchst interessant, aber ich hatte gefragt, warum du den Umgang mit dem Schwert lernst. Kann dein Kammerdiener dich nicht verteidigen?! « hackte Nigel nach, ohne auf die spitze Bemerkung zu verzichten.

Hatte Manuele nicht gesagt, wohin die Reise gehen würde?! Warum hatte er es verheimlicht? Aber wenn er seine Gründe hatte, würde Nigel mitspielen.

» Zum Ziel unserer Reise lasst euch sagen, dass ihr euch überraschen lassen solltet. Manuele hat euch mitgenommen, er wird schon wissen, warum. « antwortete Nigel diplomatisch wertvoll.

Stella Lestrange
09.02.2012, 21:33
,,Also ich habe eigentlich aus freien Stücken entschieden, den Umgang mit dem Schwert zu erlernen. Denn Vladimir kann nicht immer bei mir sein und mir beistehen und das kann man ja auch gar nicht erwarten.“, antwortete sie und wurde dabei leicht rot.
Die Frage wurde zu ihrem Glück auch gleich beantwortet, aber nicht so ausführlich wie sie es sich gewünscht hatte. Obwohl sie etwas verärgert war, ließ sie es sich nicht anmerken und nahm die Antwort ohne Wiederworte hin. Immerhin hat Manuele mich mitgenommen, dachte sie sich und fing an zu lächeln. Sie setzte sich auf eine Kiste und rieb sich die Hände. Nun fing sie an das Training zu spüren und ihre Beine schmerzten langsam ebenfalls, aber genau aus diesem Grund trainierte sie ja. Um irgendwann gegen ihren Vater bestehen zu können. ,,Wisst ihr, ich lerne aber auch aus einem anderen Grund den Schwertkampf. Mein Vater hat mich enterbt, aber das ist eine Lange Geschichte. Mein Vater und ich verstehen uns nicht gerade gut und ich habe das Gefühl, dass er alles unternehmen wird um mich hängen zu sehen.“ Sie atmete tief ein und aus. Allein der Gedanke an den Galgen ließ ein Gefühl von Übelkeit in ihrem Magen entstehen. Wenn sie vor etwas Angst hatte, dann vor dem Galgen.

Nigel Ascan
09.02.2012, 22:02
Nigel rollte unmerklich die Augen und seufzte leise. Nigel gab sich große Mühe, den Widerstand gegen die Besatzer vom Festland voranzutreiben und dann kam da so ein dahergelaufenes Weib, welches irgendeine private Fehde ausfechten wollte, selbst wenn sie familiär. So konnte das einfach nichts werden.
Doch bevor er etwas sagen konnte, kamen ihm die Worte von Raad in den Sinn. Es war Krieg, es gab ihn. Aber deshalb war er nicht immer und überall gegenwärtig. Das war wohl so und Nigel musste das so hinnehmen.

» Und du denkst, dass du mit einem Schwert den Strick umgehen kannst? Wenn dein Vater die Macht hat, dich hängen zu lassen, dann bringt dir kein Schwert der Welt etwas. Viel wichtiger sind da gute und einflussreiche Freunde. Alleine wirst du keine Chance haben. Aber immerhin lebst du noch. « äußerte Nigel sich.

Plötzlich riss in der Wolkendecke ein Loch auf und der Mond zeigte sich. Und damit kam etwas Licht ins Dunkel und Nigel sah das Gesicht Stellas sehr deutlich vor sich. Und sie tat ihm Leid.

» Wenn du uns im Widerstand unterstützt, dann werden wir nicht zulassen, dass dein Vater dir nach dem Leben trachtet. Von daher ist es wahrlich nicht schlecht, dass du den Umgang mit dem Schwert lernst. « fügte er schließlich noch hinzu.

Stella Lestrange
09.02.2012, 22:12
Sich dem Widerstand anschließen? Das war wirklich eine Möglichkeit dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Als die Wolkendecke aufriss, erblickte sie den Mond und er warf sein Fahles Licht auf das kleine Schiff und sie konnte nun Nigel erkennen. Sie meinte einen Hauch von Mitleid in seinem Gesicht erkannt zu haben, aber vielleicht bildete sich das die junge Frau auch nur ein.

Schließlich antwortete sie:,, Wenn ihr noch Leute braucht, ich würde mich mit großer Freude euch anschließen. Hauptsache ich kann meinem Vater das Leben erschweren. Denn ich lasse es mir nicht von ihm bieten, dass er mir alles vorschreibt und das er meinen damaligen Verlobten hatte hinrichten lassen wird er auch noch bereuen.“ In ihrer Stimme lag nun großes Selbstvertrauen und das Gespräch hatte ihr ein wenig geholfen. Sie sah noch mal Nigel an und wartete auf dessen Antwort.

Nigel Ascan
09.02.2012, 22:20
Nigel lächelte.

» Natürlich brauchen wir noch Leute. Immer und überall, bis die Insel wieder den Argaanern gehört. Oder bist du etwa für einen desinteressierten Großkönig, der sich nen feuchten Dreck für die Belange der Insel kümmert und euch horrende Steuern abverlangt für nichts?! « fragte Nigel mit spitzem Ton.

» Aber mach nichts Unüberlegtes wegen deinem Vater. Nicht dass du dann seinem Strick entgehst, aber dafür den Strick des Gesetzes spüren musst. « riet er auch noch.

Stella Lestrange
09.02.2012, 22:35
Sie bedankte sich mit einer Verbeugung und grinste:,, Nein, ich werde schon nicht durch das Gesetz gehängt.“ Dann gähnte sie:,, Verzeiht, aber ich bin ziemlich müde und erschöpft und werde mal ein wenig schlafen.“ Dann drehte sie sich um und machte sich auf die Suche nach Vladimir, welchen sie auch relativ bald gefunden hatte. Er hatte sich an eine Kiste gelehnt und mit einer Decke zugedeckt und sah sie nun lächelnd an. ,,Was lächelt du so?“, fragte sie grinsend. ,,Ach wegen dem Streit, von vorhin.“ ,,Ach so.“, lachte Stella und gesellte sich neben Vladimir, welcher die Decke auch über sie warf und so kuschelte sie sich an ihren Diener und sah zum Himmel hinauf. ,,Und wie war das Gespräch mit ihm?“, wollte ihr Diener wissen und die junge Adlige meinte:,, Er ist in Ordnung das muss man ihm lassen. Er hat mir angeboten, mich ihm anzuschließen damit ich zu einem helfen kann Argaan zu befreien und zum anderen, dass ich meinem Vater entkommen kann.“ Vladimir nickte knapp und Stella wurde langsam schläfrig bis sie schließlich einschlief und alles um sich herum vergaß.

Súri
13.02.2012, 18:31
Das Rauschen der Wellen, die wankenden Planken und der Wind der ständig über das Deck strich… er hatte es nicht vermisst. Die Sonne stand bereits tief, zumindest das was man davon sehen konnte.
Der Sturm von letzter Nacht hatte zwar aufgehört, allerdings waren die dunklen, unheilvollen Wolken geblieben… es sah sogar fast noch schlimmer aus.
Der Jäger lehnte seinen Bogen dessen Holz er sorgsam eingefettet hatte ganz so wie Lando es ihm vor Jahren beigebracht hatte, an die Rehling. Dann stand er auf und blickte über das Meer, es war unruhig…
Vor noch nicht allzu langer Zeit waren sie noch alle an der Barrikade, niemals hätte er damit gerechnet auf Manuele zu treffen… seinen alten Freund…
Suri hätte niemals erwartet das Manuele einmal zum Lehrmeister werden würde, er hatte Schüler bei sich denen er die Einhandkunst beibrachte.
Der Jäger erwischte sich dabei wie er eine Hand über die Klinge die an seinem Gürtel hing strich, vielleicht würde er selbst Manueles dienste beanspruchen…
Rasch waren sie von der Barrikade aus ausgebrochen, Suri, der dort eigentlich für die Söldner Jagen sollte erarbeitete an einem Tag so viel er konnte um dem vorgestreckten Teil seines Soldes gerecht zu werden und verließ die Truppen dann in Richtung Hafen wo er mit den anderen zusammen traf.
Eine etwas größere Welle traf das Schiff an der Seite und versetzte ihn in ein taumeln.
Manuele tauchte hinter ihm auf und hinderte ihn am Fallen, das dünne Kettenhemd unter Suris Panzer klirrte.
„Vorsicht, sonst fällst du noch ins Meer.“, spaßte der andere.
Suri richtete seinen Blick abermals auf das Meer, über die Wolken und dann mit ernster Miene zu Manueles Gesicht.
„Mir gefällt das nicht… ganz und gar nicht… der letzte Sturm hat uns schon einiges ab gekostet… wenn das hier noch schlimmer wird dann macht es das Schiff bald nichtmehr mit.“
Als ob es die Worte bestätigen und eine Warnung aussenden wollte ging ein tiefer Knarzer durch die Planken des Schiffes.
Manuele nickte nur stumm, dann schob er Suri in Richtung einer der Räume.
„Du machst dir zu viele Sorgen… komm rein und trink ein wenig… das wird dir gut tun.“
Suri willigte ein und sie entfernten sich langsam vom Schiffsrand, fast unmerklich drehte Manuele noch einmal den Kopf und schaute besorgt über das im Schatten der Wolken liegende Meer…“

seisuke
14.02.2012, 03:45
Eine windige Nacht war es, bei der ein kleines Schiff im Meer um Argaan herum schwamm und seine zusammengewürfelte Mannschaft den nun letzten Rest des Weges zur Westseite der Insel trug. An der Bugseite stand ein einzelner Kerl, gekleidet in eine leichte lederne Rüstung, gleich einem dunklen Mantel. Seine Hände gestützt auf den Griff seines Schwertes, welches er wie einen Gehstock vor sich gestellt hatte und den Weg des Schiffes beobachtete. Doch was niemand an Borg sah und sehen konnte war das, was diesen Mann umgab. Ein Strom jener Macht, der die Menschen mit Furcht und Ehrfurcht gleichermaßen begegnen. Jene Macht die Tote erwecken, den Geist der Lebenden brechen und reine Zerstörung in die Welt tragen konnte und obgleich der Mann das Äußere einen Kämpfers und das Herz eines Diebes besaß, so zeugten doch sein silbernes Haar und seine dunkle Seele von der Magie. Denn auch er war Herr jener Macht.

Ein Seufzer entwich seinem Hals und er öffnete die Augen für die einfach Realität vor ihm, den Strom der Magie versiegen lassend. „Es ist wie ich dachte. Hier mitten auf dem Meer lässt sich wohl mit meinen derzeitigen Fähigkeiten kein Fledermausskelett oder dergleichen beschwören. Knochen sind da unten im Meer genug, aber dort ein Fledermausskelett herauszufischen? Wenn das Schiff mal still stehen würde ginge es vielleicht.“, er ließ einen weiteren Seufzer hören, „Und ein Fischskelett zu beleben wird meine Langeweile nicht wirklich bekämpfen. Wie verbringen die anderen diese Wachrunden ohne an Langeweile zu sterben?“ Seisukes Blick wich zum Zelt auf der anderen Seite. Manuele und die Anderen schliefen wahrscheinlich alle. Deshalb nutze er die Gelegenheit seine Magie ein wenig zu erproben. Die linke Hand des Diebes verließ den Schwertgriff und von einem Moment auf den anderen brannte eine schwarze Flamme in der Hand. Seisukes Blick wanderte auf das dunkle, nach Zerstörung lechzende Gebilde und verlor sich in der unendlichen Schwärze.

„Warum bin ich hier? Wozu habe ich diese Macht, wenn ich sie nicht einsetzte? Ein Schwarzmagier ist Herr über die Toten, Meister von Angst und Schrecken. Sein bloßer Wille ruft Zerstörung in diese Welt. Aber was tue ich hier? Auf diesem winzigen Elend von seinem Schiff sitze ich und in Gegenwart dieser Menschen kann ich kaum meine Magie üben. Das Alles nur für das eine Ziel den Schwertkampf zu erlernen, meinen Geist und meinen Körper damit zu stärken, um letztlich die Magie zu meistern, welche mir angelehrt wurde. Aber dieses ewige Nichtstun zerrt ein meinem Verstand und falls meine Stiefel nicht bald festen Boden betreten, dann wird die größte Gefahr für diesen schwimmenden Haufen Holz nicht der nächste Sturm, sondern mein sinnloser Zerstörungsdrang und das kalte Feuer Beliars sein!“

Auf jene Worte erstickte der Dieb aber die Flamme in seiner Hand. Statt dessen rückte er noch einmal an seiner Rüstung herum und kontrollierte die Schnallen und Taschen. „Wenigstens bin ich diese Fischerkleidung von Manuele losgeworden. Die Rüstung ist wärmer und kommt mir bequemer vor. Liegt vielleicht daran, dass sie aus dem Kastell ist. Die Idee mit der Fischerkleidung war zwar verständlich, aber letztlich hat uns niemand aufgehalten.“ Und somit beendete der Silberhaarige seinen Monolog, atmete tief durch und schaute weiter gen Norden, während er geduldig darauf wartete sein Training auf festem Boden fortzuführen.

Iain
28.02.2012, 09:23
Er ruderte ohne Pause. Um nichts in der Welt würde er seiner Familie schaden wollen.
"Vater, vielleicht sollten wir heute mal woan...". Er verstummte. Der wütende Blick seines Vaters sprach Bände. So leise als möglich seufzte er resiginiert. Sein alter Herr wollte sich noch immer nicht eingestehen, dass ihr Fang stetig kleiner geworden war und sie nach neuen Fischgründen ausschau halten mussten. "Sein Generationen fischen wir dort mein Sohn", hörte er noch die Worte des Fischers im Ohr, als sie zuletzt darüber gesprochen hatte, doch vergebens. Überhaupt war die Stimmung in der Familie angespannt seit sein Bruder sie verlassen hatte und im Krieg gefallen war. "Taugenichts, geschieht ihm ganz Recht...Seine Familie im Stich lassen", hatte sein Vater gesprochen. Doch war es wirklich dumm gewesen, sollte man nicht für seine Überzeugungen einstehen?

"Du denkst doch nicht schon wieder daran deinem dummen Bruder in den Tod zu folgen?", erklang eine herrische Stimme hinter ihm. Die Antwort wohl wissend und ohne auf eine Ausrede zu warten gebot der alte Mann Iain seinem Tagewerk nachzugehen und die Netze auszuwerfen. "Das kann ich auch mit geschlossenen Augen", murmelte der junge Mann und fürwahr. Sein Lebenlang hatte er nichts anderes getan als zu fischen. Er warf die Netze aus und betete zu Adanos, er möge ihnen endlich wieder bessere Zeiten bescheren und die Kriegstreiber zu Beliar schicken.

Iain
28.02.2012, 14:10
Iain saß noch immer auf dem alten Fischerboot und starrte in die Ferne, während sein Vater neben ihm lauthals schnarchte. Armer alter Mann, dachte er bei sich. Er würde es nie zugeben, doch der Tod seines ältesten Sohnes hatte den Fischer am Boden zerstört. Er war der Stammhalter, der Erstgeborene, die Schultern auf denen die Familienzukunft gelegen hatte - und er war fort.
"Hoffentlich siehst du bald ein, dass es auch ohne ihn weiter gehen muss.", murmelt der junge Mann vor sich hin. Es folgte ein Moment des Schweigens, selbst seine sonst so regen Gedanken waren versiegt. Nur das Rauschen des Wellen und die Brandung die gegen die Felsen in der nahen Bucht schlugen, war zu hören. Der Schrei einer Möwe lässt ihn aufblicken und sich nach dem Störenfried umsehen. Solang der Alte schläft kann ich eigentlich auch meiner Wege gehen. Kurzerhand flogen die leider in eine Ecke des Bootes und er sprang Kopfüber ins Wasser. Das kühle Nass um ihn herum fühlte sich gut an. Ein schützender Mantel der Geborgenheit - eine Wellen brach tosend über ihn herein und drückte ihn gänzlich unter - und zugleich launisch wie ein altes Weib war.


Er erreichte das Ufer der nahen Bucht und ließ sich einfach in den weichen Sand fallen. Die Kälte machte ihm nicht viel aus. In ihrem Heim war es auch immer kühl, ob ihrer Armut. Nachdem er weitestgehend getrocknet war begann er einen kleinen Spaziergang, auf dem er konzentriert nach ein paar schönen Steinen und Muscheln suchte, die er seiner kleinen Schwester zum nahenden Geburtstag schenken konnte.

Iain
28.02.2012, 17:35
"Lass uns die Netze einholen und nach Hause fahren Junge.", sprach der alte Fischer mit etwas besserer Laune als am Morgen. Der Schlaf hatte ihm offenbar gut getan und der Ausflug seines Sohnes war unbemerkt geblieben. Dieser begann rasch mit der Arbeit um die Laune seines alten Herren weiter zu verbessern. Und vielleicht heute Abend nochmal mit ihm über die Zukunft zu sprechen, dachte er bei sich. Meter um Meter zogen sie die alten Fischernetze aus dem Wasser. Wie erwartet war die Ausbeute kläglich, doch immerhin mehr als befürchtet. Wenigstens müssen wir nicht verhungern, murmelt Iain vor sich hin.
Nachdems das letzte Netz verstaut war setzen sie Segel - am Abend war der Wind ihnen gewogener - und zogen zurück nach Setarrif wo ihre beiden Frauen sicher schon warteten.

Ornlu
28.02.2012, 18:26
Das Festland war nur noch eine schwache Kontur im goldenen Schein der untergehenden Sonne. Vor und hinter ihnen war das weite Meer und die Zuversicht bald wieder in der neuen Heimat zu sein.
Das Übersetzen auf das Schiff verlief problemlos und die Bezahlung war außerordentlich für den Kapitän und seine Schmugglerbande. So konnte man sie auf jeden Fall betiteln. Doch selbst unter Schurken gab es sowas wie Ehre und Regeln. Natürlich sollte man es nicht zu romantisiert sehen, doch irgendwoher mussten ja auch manch Geschichten von edlen Schurken stammen.
Geschäft war hier Geschäft und so mussten die beiden Waldvölkler auch nicht an Bord arbeiten oder wurden genervt.
Zwar war hier auch nichts Komfortabel und man hatte entweder Gelegenheit im Lagerraum zu schlafen oder an einem Tisch zu hocken und das Schiffsäffchen mit Rum aus einen Fingerhut abzufüllen. Laut der Crew war das Äffchen Alkoholiker und brauchte den Kram.
Wie dem auch war. Der Rasende Falke war wirklich verdammt schnell, wenn der Wind die Segel ganz ausspannte und das Schiff mit schnell schwimmenden Delfinen um die Wette durchs Wasser zu jagen schien.
So war es wohl kein Wunder, dass diese Schmuggler bisher immer entkamen.
Hätte er in Sildne niemals sein Volk gefunden, wäre er wohl Pirat und Schmuggler geworden. Ja, sowas irgendwie.

Iain
29.02.2012, 11:33
Iain lief erneut am Strand jenerkleinen Bucht entlang in der sie ihre Netze ausgeworfen hatten. Wie üblich verschlief sein alter Herr den Tag, während der Träumer nackend über den Strand lief und den weichen Sand unter seinen Füßen genießt. Da er bereits genug Muscheln, für das Geschenk seiner Schwester, beisammen hatte, legte er sein Augenmerk auf etwas Außergewöhnliches. Er wollte unbedingt noch ein herausragendes Element, sozusagen als Herzstück der Kette, doch bisher war nichts dabei. Etwas enttäuscht klettert er schließlich auf einen mannshohen Felsen und lässt sich nieder. Von hier hat man ja eine tolle Aussicht. Wieso ist mir dieser Ort früher nie aufgefallen?
Zur Linken konnte er seinen Vater im Boot schnarchen sehen, währenddessen sich zu seiner Rechten eine etwas kleinere aber irgendwie schönere Bucht erstreckte. Besonders eine Unregelmäßigkeit in den Bewegungen der Welle fesselte seinen Blick. „Ist das etwa ein Fischschwarm?“, murmelte er skeptisch. Da der Tag noch jung war entschloss er sich kurzerhand das Unbekannte zu ergründen und sprang herunter in den Sand - und rutschte prompt auf einer angeschwemmten Alge aus. Noch vergebens, wild mit den Armen ruderndfiel er mit einem lauten Platschen mit der Nase in eine noch viel größere, ekligere Alge. „Hmpf...gitt“. Angewidert spuckt er die ungewollte Mahlzeit aus. Da stand er nun, voller Sand, mit grünen Strähnen im Haar und einem pelzigen Belag auf der Zunge.
„Womit hab ich das nur verdient!?“ Geknickt trottet er, weit weniger euphorisch, zur Nachbarbucht und versucht nebenher das Gemüse aus den Haaren zu fischen.

Iain
29.02.2012, 18:30
"Iain hol die Netze ein. Es wird Zeit heute habe ich ein gutes Gefühl", sprach der alte Fischer. Sein Sohn tat wie geheißen. Auch er hatte ein gutes Gefühl, allerdings wohl nicht in der selben Sache. Der Fang würde wieder unterdurchnittlich ausfallen, da war er sicher, denn er hatte die Ursache des Übels oder zumindest die Lösung gefunden. Die Wellen, die er am Mittag in der Nachbarbucht entdeckt hatte, waren wirklich auf einen Fischschwarm zurückzuführen. Nun galt es nur den alten Mann zu überzeugen endlich den Drängen seiner Familie nachzugeben und die Bucht zu verlassen - Familienstolz hin oder her. Zum Glück war eben jener damit beschäftigt das Knüpfwerk einzuholen und sah die Träumerei seines Sohnes nicht, denn das hätte nur wieder endlose Diskussionen und Zorn in beiden Männer geschürt, den sie ohnehin zu oft verspürten und langsam aber sicher voneinander entfernte. "Was mach ich nur.", murmelte Iain vor sich her. "Arbeiten m'in Jung arbeiten.", wäre wohl die Antwort des Fischers gewesen.
Nach getaner Arbeit setzten sie Segel und nutzten den schwachen Abendwind um gemütlich gen Hafen zu segeln.

Iain
01.03.2012, 09:30
Das gewohnte Prozedere nahm seinen Lauf. Sie ruderten in die Bucht - Iain hatte sich noch nicht getraut seinen Vater auf die anderen Fischgründe anzusprechen, nach der üblen Diskussion ab Vorabend - warfen die Netze aus und der alte Herr legte sich zu Ruh'. Der junge Fischer hingegen zog sich aus, klemmte sein Messer zwischen die Zähne und sprang ins kühle Meer. Das erfrischende Nass am frühen Morgen belebte seinen Geist und alsbald war er an den Strand geschwommen.

"Heute keine Algen mehr.", dachte er sich und lief deutlich aufmerksamer als die Tage zuvor über den Sand gen Nachbarbucht. Er erkannte die Stelle schnell wieder. Unentschlossen über das weitere Vorgehen ließ er sich auf einem Felsen nieder und starrte nachdenklich auf die See. "Für eine Angel sind sie zu weit weg...", grübelte er, "...ans tauchen ist gar nicht zu denken...vielleicht ein kleines Netz. Aber dorthin schwimmen?" Eine Idee nach der anderen ging ihm durch den Kopf, doch keine schien die rechte Lösung zu sein. So ließ ser ich entspannt der Länge nach nieder. Immer wieder störten Erinnerung an den vergangenen Abend seine Konzentration. Die Worte Selinas schienen nicht richtig. "Niemand sollte wider der Natur handeln und etwa Fische....umsiedeln. Komische Gedanken haben sie...diese...Magier..."

Iain
01.03.2012, 17:23
"Ich sollte mich langsam beeilen und zurück schwimmen.", murmelte der junge Fischer vor sich hin. "Ich werd sie einfach über die Nacht stehen lassen." Ein letzten Blick auf seine Reuse werfend verließ er die Bucht und schwamm zurück ins Boot. Mit einem Ruck schwang er sich zurück ins Boot.

"Wir Zeit das du zurück kommst.", grummelt sein alter Herr. Erschrocken fuhr Iain herum. "Du bist wach?"
"Mehr oder weniger...", murmelte sein Vater, "...und schau nicht so entsetzt. Als ob ich nicht wüsste, dass du dich tagsüber auf der Insel rumtreibst." Der junge Mann wusste gar nicht was er sagen sollte. Sein Mund öffnete und schloss sich zwar ein paar Mal doch es kam kein Ton hervor. "Hör auf wie ein Fisch zu blubbern. Es ist mir egal wo du tagsrüber rumrennst. Du bist alt genug, so lang du rechtzeitig wieder hier bist und deiner Arbeit nachkommst." Dabei war so etwas wie ein Lächeln auf seinen Lippen - ein Anblick der seit vielen Monden nicht mehr zu sehen war. Eifrige machte sich Iain an die Arbeit, um die Netze einzuholen und ihre Abreise vorzubereiten.

"Ein gelungener Tag in mehrerlei Hinsicht.", freute sich der junge Mann. Er hatte schließlich eine Lösung für sein Problem gefunden und den Großteil des Tages damit verbracht eine Reuse zu bauen. Alles nötige hatte er im nahen Wald gefunden. Eigentlich war Iains erster Gedanke gleich noch den Erfolg seiner Vorrichtung zu prüfen, doch so konnte er gleich erproben, ob das Holzgeflecht eine Nacht stürmischer See überstehen konnte.

"Auf nach Hause", rief sein Vater und sie segelten los.

Iain
02.03.2012, 08:56
"Juhu!" Ein lauter Schrei erfüllte den sonst so stillen Ort. Der junge Mann fiel auf die Knie und sprach in Gedanken ein Gebet des Dankes. "Ich danke dir Adanos", murmelte Iain, als er sich schließlich erhob und zum wiederholten Male seine Beute ansah. Vor dem Fischer, im dunklen Sand, lag die Reuse die er Tags zuvor gebaut und versenkt hatte. Wind und Wetter, Wellen und Brandung hatte sie wiederstanden und zwei schwere, ellenlange Kohlfische. Iain schnappte sich die Fangvorrichtung und rannte in Richtung ihres Bootes, hinein ins Wasser. Es ließ sich nicht sonderlich gut schwimmen mit dem schweren Korb, doch die Euphorie beflügelte den jungen Mann.

"Vater, Vater...", rief er atemlos, noch ehe er in Griffweite des Seglers war. "Ich hab.....hmpf..." Ein große Welle stürzte über ihn herein und beschenkte ihn mit einem kräftigen Schluck Meerwasser. Beinahe hätte er die Reuse fallen lassen, doch zu viel hing davon ab. Wild strampelnd kämpfte er sich zurück an die Oberfläche und erreichte schließlich seinen Vater, der ihn ins Boot zog. "Sie nur..." Hustend und noch außer Atem, doch Stolz auf seinen Erfolg, deutete Iain auf die stattlichen Köhler.

Ein Moment der Stille folgte in denen die beiden Fischer die Fische anstarrten.

Iain
07.03.2012, 10:28
"So Junge, nun erklär mir noch mal genau was da passiert ist.", sprach der alte Mann, der das erste mal seit vielen Monden nicht die Zeit des Wartens mit Schlafen verbrachte. Seufzend setzte Iain an die Geschichte zum mindestens hundersten Mal zu erzählen. Doch vielleicht war sein Vater nun nach einer erholsamen Nacht aufnahmefähiger. "Also...", begann der junge Fischer zu erzählen.

Er berichtete seinem alten Herren davon, wie sie gerade abbrechen und heim kehren wollten, als zwei seltsame Gestalten aufgetaucht waren die noch etwas kaufen wollten. Doch sie wollten sich nicht mit ein oder zwei Fischen begnügen wie die anderen Kunden, sondern wollten aller verbliebenen und zusätzlich noch die ganze nächste Tagesladung. "Anderthalb Fass voll Fisch", murmelte Iains Vater. "Als ich nachhakte wie er das zu bezahlen gedachte, meinte er nur er hätte jemand Zahlungskräftigen zur Hand.", fuhr der Fischer fort. Doch das seltsamste was er zu berichten wusste, waren die letzten Wort des Mannes, der sich Raad nannte. Sie sollten nach dem Leiter der Akademie fragen. "Er sah fürwahr nicht wie das Oberhaupt der Krieger aus." Natürlich hatten sie von jenem Ort gehört, an dem die besten Männer und Frauen sich einfanden um angeblich uralte Künste zu erlernen, doch taten sie dies für Seemansgarn ab, was betrunkene Fischer eben so am Abend erzählen. "Wenn es wirklich wahr ist, dann hat er auf jeden Fall genug Gold", grummelte der alte Herr. "Du gehst dort heute Abend hin und lieferst den Fisch ab und schau dich nur gut um. Merke dir alles was du siehst, damit du mir heute Abend berichten kannst." "Ja Vater", erwiderte Iain resigniert. Auch dies hatten sie schon etliche Male besprochen.

Iain
11.03.2012, 10:25
Dies ist die Strafe für meine Gier, dachte Iain der sie mühte das Wasser aus dem Boot zur bringen und das Leck notdürftig zu flicken. Kaum hatte er sich am vergangenen Abend darüber Gedanken gemacht wofür er seinen winzigen Verdienst ausgeben konnte, schon erinnerte ihn das Erbstück daran, wie alt es war. Seit Generationen fischen wir mit diesem Boot, waren stets die Worte seines alten Herren gewesen. Seufzend hockte er da. Die Reparatur musste allmählich ein Fachmann übernehmen, denn das ständige geflicke stoppte zwar fast gänzlich den Wasserlauf, doch eben nicht ganz und die Struktur des Bootes war auch gefärdet. Ein neues war sicherlich auch eine Überlegung, nun da sie einen zahlungskräftigen, festen Abnehmer für zumindest einen Teil ihres Fisches hatten. Sie würden also schon ein wenig sparen können, doch... Vater wird das nie zulassen. Doch nun galt es sich erstmal auf die Arbeit zu konzentrieren, sonst gäbe es keinen Fisch, kein Gold und kein seetüchtiges Schiff.

Iain
27.03.2012, 13:08
Das Boote schwankte stärker als sonst ob der kräftigen Wogen des Meeres. "Junge, lass uns zum Strand rudern, es sieht nach einem Sturm aus.", sprach der alte Fischer und drückte seinem Sohn die hölzernen Stangen in die Hand. Dieser stimmt nickend zu und machte sich daran dem sicheren Land entgegen zu fahren. Iain hatte zu tun unter den stärker werdenden Wellen voranzukommen. Der aufkommende Wind zehrte zusätzlich an seiner Ausdauer und seine Kraft ging allmählich zu ende. Unter Mühe und Not erreichten sie das sichere Land und sprangen hastig aus der Kahn und zogen ihn gemeinsam an Land. Fast panisch rannten sie in den Schutz des nahen Waldes und suchten Deckung.


Es begann zu regnen. Ein kalter Schauer, der sie unterstützt durch die frische Meeresluft, durchfror. Kein Feuer konnte sie wärmen, keine Höhle sie schützen. So kauerten die beiden Fischer am aufweichenden Boden im stummen Gebet - Adanos möge sie beschützen und sicher nach Hause führen. Während die Gedanken des alten Herren seiner Frau und Tochter galten erglomm der Funken in Iain heller. Die Mischung aus Sehnsucht nach Wissen, Angst vor dem Unbekannten, Hoffnung seinen irdenen Fesseln zu entfliehen und Wunschtraums einmal ein Wassermagier zu werden prasselten auf ihn ein wie die Wellen der See und schwemmten seine Gedanken mal mehr in die Eine mal mehr in die andere Richtung. "Ich will lernen!", murmelte er entschlossen. "Ich will wissen was meine Heimat - die See - bewegt...Ich will Adanos' Schöpfung und Wesen verstehen..."

Sergio
02.04.2012, 21:22
Erst als Sergio mit seinen Reisegefährten in irgendeinem Raum an Bord des Schiffes saß, kam sein Hirn auf den Gedanken, dass es wohl eine sehr dumme Idee war, sich vor einem Sturm in Sicherheit zu bringen, indem man auf einen Kahn flüchtete, der ohne weiteres zum Spielball der Wellen werden konnte. Warum war eigentlich niemandem eingefallen, dass es trotz des Unwetters erheblich sicherer gewesen wäre, nach Setarrif zurückzukehren? Wahrscheinlich die Aufregung. Und nun war es zu spät.
Das Schwanken des Schiffes erinnerte Sergio an seine letzte Fahrt übers Meer. Als das Wetter genauso angenehm wie in diesem Moment gewesen war, hatte irgendeine dämliche Welle das Schiff kentern lassen. Und jetzt war es dasselbe Schauspiel. Mit dem Unterschied, dass sie noch nicht auf dem offenen Meer waren und daher wohl bessere Chancen hatten, nicht unterzugehen.
Doch nur kurze Zeit später bemerkte er noch einen Unterschied: Das Schwanken wurde immer stärker und war allmählich nicht mehr mit der Situation kurz vor Ende seiner letzten Schiffsreise zu vergleichen.
Sergio sah besorgt in die schweigsame Runde.
„Der verdammte Anker!“, brüllte plötzlich irgendjemand im Bauch des Schiffes herum. „Der Anker hat sich gelöst! Wir treiben ab!“
Das hatte noch gefehlt. Nun wurde es wirklich interessant.

Edon Mesotes
02.04.2012, 21:42
Das Schiff schaukelte, als hätte es auf einem Wal geparkt, der nun damit begonnen zu versuchen, jenes Schiff mit möglichst viel Gewalt zu zerprügeln. Als irgendeine inkompetente Persönlichkeit von irgendwoher brüllte, dass sie jetzt fröhlich aufs Meer schippern würde, schlang Edon seinen Reiseumhang, den er ob der Nässe abgelegt hatte, um seine Apfelkiste und band ihn fest, schließlich hatte er das Obst ja nicht gekauft, damit es am Ende zertrampelt wurde, für seinen Met konnte er im Moment nichts tun, außer zu hoffen, dass der Sturm nicht die Flaschen zerschlagen wird.

Zum Glück war Edon nicht nur standfest, was das Trinken betraf, sondern auch leichtfüßig, was die Balance betraf, sodass er wenigstens nicht alle Nase auf selbige oder sein Gesäß fiel. Das Kind der Rothaarigen brüllte, als würde es gerade in das Gesicht von zehn myrtansichen Adeligen blicken und auf so einem Boot hatte in den Schlaf Wiegen wenig Sinn.

Edon hatte einige Mühe damit, nicht von herumkullernden Fässern, Kisten und Matrosen getroffen zu werden, dass er gar kein Auge dafür übrig hatte,wohin sie gerade schipperten und was die anderen so trieben, aber Edon für seinen Teil bezweifelte, dass sie gerade in gemütlicher Runde beieinander saßen und Karten spielten.

Redsonja
03.04.2012, 19:19
Redsonja war definitiv gut geschüttelt. Taumelnd suchte sie nach Halt und fand ihn in Form eines Türrahmen ohne Tür, zwischen den sie sich klemmte. Danach galt es einfach zu warten und Darjel fest in den Armen zu halten. Gleichzeitig versuchte sie ihn zu beruhigen. Irgendwann gelang es ihr sogar. Das war wohl zu dem Zeitpunkt, als die rothaarige Kriegerin selber wieder etwas ruhig wurde. Denn Anne hatte es tatsächlich geschafft das relativ wendige Schiff von den Klippen weg zu steuern.

Danach kamen allerdings die ersten Anzeichen von Seekrankheit. Sie begann jede einzelne Welle zu zählen. Alles war in Ordnung, wenn sich das Schiff langsam auf den Wellenberg schob. Es war wie Erholung, bis es schlussendlich rasant ins Tal hinunter krachte. Dabei schlug ihr Magen jedes Mal Purzelbäume. Ein Elend, das kein Ende nehmen wollte. Doch irgendwann flachten auch diese Riesenwellen ab und Redsonja wagte es sich zu erheben. Sie begab sich zurück in den Flur. Es roch nach Erbrochenem. Das war nun definitiv zu viel. So kam es, dass sie sich einmal mehr oder minder elegant über die Reling entleerte. Danach war es irgendwie wieder besser oder zumindest so gut, dass sie Anne Bonny in ihrer Kapitänskajüte aufsuchen konnte. Die Piratin wirkte beneidenswert munter.

"Haben wirs überstanden?"

Fragte Redsonja, deren Gesicht bleich wie Käse war.

"Das Schlimmste bestimmt."

Entgegnete Anne, worauf hin die Waffenmeisterin sichtlich aufatmete, um darauf zu warten, dass noch jemand anders auftauchte, denn mit herumlaufen war noch gar nichts. Sie setzte sich einfach auf den Boden und ruhte erstmals.

Edon Mesotes
03.04.2012, 19:47
Der Sturm hatte das Schiff tüchtig durchgewackelt. Ein paar Leute hatten sich erbrochen, andere lagen immer noch auf dem Boden herum und wieder andere hatten sich bereits in ihren Kajüten verschanzt, um etwaigen Nachzüglern des Sturms auf möglichst wenig Boden zu begegnen. Edon selbst hatte der Sturm nicht minder durchgeschüttelt, aber der hatte fast zwei Jahrzehnte Leben hinter sich, das oft genug aus durchgeschüttelten Schiffen, polternden Würfeln und Geschäftspartnern, die einen auch sehr gerne durchgewackelt hatten, hinter sich, dass er sich damit abgefunden hatte, dass die wenigsten Dinge in seinem Leben lange auf einem Fleck blieben. So was machte so dermaßen seekrankheits- und schwindelfrei, dass Edon vermutlich erst kotzen müssen würde, wenn sich die Welt alle paar Sekunden Kopf stellte... oder er einmal einer ganzen Schar Feuermagier bei der Predigt lauschen musste.

Er beachtete das heillose Chaos nicht weiter, Ordnung war nie sein bester Freund gewesen, und machte sich stattdessen daran, seine Apfelkiste und seinen Reisesack zu bergen, was für ihn momentan mit Abstand den größten Schatz hier an Bord bedeutete.

Seinen Freund, den Reisesack, fand er unter in einer kleinen Nische begraben, die ihn davon abgehalten hatte, allzu heftig durchgerührt zu werden, mit dem erfreulichen Ergebnis, dass die Flaschen sogar allesamt ganz geblieben waren, und die Apfelkiste hatte ihren Inhalt, im Gegensatz zu einigen unglückseligen Gestalten an Bord, auch noch bei sich behalten, was bedeutete, dass Edon weder verdursten, noch verhungern, noch großartig schnorren musste.

Für ihn war damit die Überfahrt gerettet.

Sergio
03.04.2012, 21:12
Sergio, der zwar mal Käpt‘n Gregs Piraten angehört hatte, aber nie Seemann gewesen war, hing im noch immer kräftigen Wind über der Reling und wartete darauf, dass sich die Übelkeit aus dem Staub machte. Leider schien die ihr neues Zuhause nicht mehr verlassen zu wollen. Übergeben war nicht mehr drin, denn dieses Erlebnis hatte er während des Sturms zweimal gehabt. Einer der Gänge im Schiffsinnern konnte das bezeugen. Wahrscheinlich war es da drin jetzt so rutschig, als hätte die heilige Putzfrau Adanos‘ zehnmal feucht durchgewischt. Denn dank des Wellengangs hatte sich das frisch Erbrochene (das nicht nur von Sergio stammte) ordentlich verteilen können.
Inzwischen hatte die Besatzung des Schiffes es geschafft, die Segel zu setzen, was angesichts des Meeres, das noch immer etwas unruhig war, nicht leicht gewesen sein musste. Bei dem Sturm, der sie durchgeschaukelt hatte, war das unmöglich gewesen. Doch nun waren sie nicht mehr Spielball der Wellen. Was den einen oder anderen Magen an Bord sicher aufatmen ließ.
Plötzlich tippte etwas Weiches auf Sergios Schulter. Er fuhr herum und blickte in das Gesicht eines der Männer, die zur Mannschaft der seltsamen Piratenbraut gehörten. Vor lauter Bart war das Gesicht kaum zu sehen.
„Du dachtest wohl, keiner hätte gesehen, wie du mitten in den Gang gekotzt hast. Aber ich habs gesehen“, sagte der Typ, während Sergio darüber nachdachte, wie man mit einem derart von Barthaaren überwucherten Mund sprechen oder gar essen konnte.
Gab es da irgendwo einen Reißverschluss?
„Hallo! Ich rede mit dir!“
„Äh... hä?“
„Du nimmst jetzt den Lappen und den Eimer hier und putzt deine Kotze weg.“
„Aber ich war nicht der Einzige, der...“
„Du warst der Einzige, den ich beobachtet hab. Mir egal, wer da sonst noch sein Essen verteilt hat.“
„Ich kann gar nicht putzen.“
„Noch ein Wort und ich schmeiß dich über Bord!“
„Edon wars!“, versuchte Sergio es, obwohl das gelogen war.
„Wer?“
„Der Typ mit den Äpfeln.“
„Äpfel? Hier gibts niemanden mit Äpfeln. Also marsch jetzt! An die Arbeit!“
Im nächsten Moment wurden Sergio Lappen und Eimer in die Hände gedrückt.
„Penner...“, murmelte er, dann stapfte er los, mit noch immer flauem Gefühl im Magen und leicht schwankend.
„Was hast du gesagt?“
„Nichts. Gar nichts.“
„Dämliche Landratte...“, war noch zu hören, doch Sergio ignorierte es.

Redsonja
03.04.2012, 23:10
Wer nun denkt, dass die See spiegelglatt und ruhig da lag, der täuscht sich gewaltig, doch im Vergleich zu vorher mochte es so erscheinen, da die akute Lebensgefahr vorbei schien. Auch Darjel hatte sich langsam wieder beruhigt, allerdings wagte Redsonja es noch immer nicht sich wieder zu erheben. Aber sie kam nicht in Versuchung sich zu langweilen, denn der Templer betrat die Kajüte.

"He Gor Na Jan. Da wir nun Zeit haben. Kannst du mir erzählen, was du für ein Mensch bist?"

Suchte die rothaarige Kriegerin zu erfahren, während sie ihn aufmerksam beobachtete.

Gor na Jan
04.04.2012, 18:49
Gor Na Jan stoppte noch bevor er die Kajüte gänzlich betreten hatte und blickte mit skeptisch erhobener Augenbraue in Richtung der Rothaarigen.

Kann das überhaupt irgendjemand?

Entgegnete er sanft und setzte seine Schritte fort. Nachdem der Sturm sich beruhigt hatte und er seine Aufmerksamkeit nicht länger darauf lenken musste, vor den anderen Reisenden diszipliniert seine Seekrankheit zu verbergen, hatte er beschlossen, sich mal genauer nach dem Kapitän des Schiffs zu erkundigen. Man zog ja auch nicht in den Krieg, ohne in Erfahrung zu bringen, wer eigentlich das Heer führte. Doch die Rothaarige hatte ihn mit ihrer Frage aus dem Konzept gebracht und seine Gedanken in andere Bahnen gelenkt.

Die Kriegerin saß auf dem Boden der Kajüte und hielt das Kind, von dem der Gor Na annahm, dass es nur ihres sein konnte, schützend im Arm. Er respektierte das. Mit einem entspannenden Seufzen setzte sich der Hüne neben ihr auf den Boden und blickte einen Moment nachdenklich an die Wand.

Eine schwierige Frage... Doch ich will mich an einer Antwort versuchen.

Der Templer griff ohne nachzudenken in seinen Lederbeutel und holte einen Krautstengel hervor. Plötzlich jedoch hielt er inne, blickte zur Rothaarigen und ihrem Kind und ließ das Kraut wieder im Beutel verschwinden.

Was ich bin, folgt wohl aus dem was ich war. Ich war ein Krieger. Doch nicht, um zu bekämpfen, sondern um zu beschützen. Als ich Templer wurde, habe ich aufgehört, für meine eigenen Interessen zu stehen und wurde zu einem Wächter der Bruderschaft, ihrer Menschen und ihrem Glauben. Mit dem Fall der Bruderschaft...

Er unterbrach sich selbst. Etwas zu überwinden, bedeutete nicht, etwas zu vergessen. Und wenn er den Erinnerungen auch keinen Schmerz mehr widmete, so widmete er ihnen zumindest diesen Atemzug.

Mit dem Fall der Bruderschaft fiel auch meine Kaste. Wir hatten uns selbst aufgegeben. Wir lebten nur noch für unsere Funktion. Für den Schutz unserer Brüder und unseres Glaubens. Doch als erst unsere Brüder fielen und dann unser Glauben... was blieb von uns übrig?[i]

Der Gor Na erwartete keine Antwort. Dennoch ließ er die Frage für einen Augenblick im Raum stehen und blickte an die Decke. Er versuchte ein Muster in den Furchen des Holzes zu erkennen, während er seine Gedanken sortierte.

[I]Es ist seitdem viel Zeit vergangen. Es gäbe zahlreiche Geschichten zu erzählen, um Eure Frage zur Gänze zu beantworten, doch ich erspare euch die Einzelheiten. Eure Frage lautete: Was für ein Mensch bin ich? Ein Teil des Kriegers in mir ist noch immer ein Beschützer. Neben dem Glauben, der euch vielleicht bekannt ist, hatten die Templer ein Ideal. Zum Schutz der Bruderschaft strebte jeder Templer nach der Perfektion im Kampf. Viele, so wie auch ich einst, sahen darin eine körperliche Herausforderung. Den Weg, den Körper zu meistern, um zu den besten Kriegern zu reifen. Doch es ist mehr als das. Und so ist der andere Teil der Kriegers in mir ein Suchender. Ein Suchender, nach dem tieferen Grund des Kampfes. Nach der Vervollkommnung der Einheit von Körper und Geist. Nach der Wahrheit...

Der Templer hielte erneut inne, doch dieses Mal, als er bemerkte, dass er begonnen hatte, seine Worte gestikulierend zu unterstreichen. Er hatte noch nie gestikuliert. Es verriet ungewollt viel zu viel über die eigenen Empfindungen und wurde ihm schon im frühen Training abgewöhnt. Doch dieses Thema war...

Es ist... kompliziert. Beachtet es nicht weiter. Wirre Gedanken eines alternden Kriegers, der sich langsam mit der Tatsache auseinandersetzen muss, dass jeder Körper im Alter seinen unüberwindlichen Gegner findet.

Jan zog die Beine zu sich heran, verschränkte sie und legte die Hände wortlos in den Schoß. Hier saß er, Gor Na Jan, wortkarg, verschlossen und misstrauisch und diskutierte das Wesen seiner Person mit jemandem, den er nicht kannte, ja dessen Namen er noch nicht mal kannte. Und dennoch hatte er nicht das Gefühl einen Fehler begangen zu haben. Nach einer Weile blickte er wieder zur Seite und fixierte die Rothaarige mit dem lebenden und dem trüben Auge.

Entspricht das der Antwort, die ihr erwartet habt?

Madlen
04.04.2012, 19:17
Madlen hatte sich zwar während dem Sturm nicht übergeben – wenn man mit Kamelen wochenlang oder gar monatelang in der Wüste reitet, verliert man die Seekrankheit – doch hatte sie unvorstellbare Angst empfunden. Ein großes, tonnenschweres Schiff wird zum Spielball der Elemente. Die Wellen brachen sich immer wieder an der Reling und schwappten aufs Deck über. Der Wind pfiff den Matrosen und Passagieren um die Ohren und ließ jeden Gedanken an ein Gespräch ersterben, selbst wenn man sich anschrie, verstand man nichts…aber nun ja, an Reden war eh nicht zu denken. Die junge Frau hatte sich an einem Seil festgeklammert, auch wenn ihr schlecht war und sie einen Nervenzusammenbruch erlitt, so war doch eine gewisse Faszination dem ganzen abzugewinnen. Dunkle Wolken ballten sich am Himmel, Blitze tauchten alles in ein grelles Licht und der Donner grollte mal fern mal nah, mal laut mal noch lauter…
Jetzt hatte sich alles einigermaßen beruhigt und Madlen lehnte wieder an der Reling und dachte nach…
Kein leichter Nieselregen, der sich friedlich sammelt und die Welt von Sünden befreit. Nein, es war ein Regen, der zu allem entschlossen war, vor allem einem bis auf die Haut zu durchnässen und einen frieren zu lassen. Er konnte Tod und Verderben bringen, anstatt Frieden und Freiheit. Ein Regen, der dazu fähig war zu zerstören, anstatt aufzubauen.
Wie nah Leben und Tod doch zusammen waren. Das eine ohne das andere gibt es nicht. Das Leben ist bittersüß, ja…ich glaube, das ist der richtige Begriff. Bittersüß. Man kann nicht feiern ohne zu trauern. Doch der Tod macht den Tag erst lebenswert. Nichts ist für die Ewigkeit. Wenn ich doch auch nur etwas hätte, wo ich mit dir reden könnte, Süßer. Aktekin, wären wir uns wo anders, in einem anderen Leben begegnet, dann wäre es vielleicht anders gekommen…aber so, mein weißer Prinz, so war unsere Liebe von vornherein zum Scheitern verurteilt. Nichts hätte den Untergang aufhalten können…doch eines kannst du dir sicher sein, ich werde dich rächen…du weißt genau, dass ich dich niemals hätte töten können, dein Blick damals hat es mir verraten.
Das Schiff pflügte sich seinen Weg durch das Meer und ließ ein aufgewühlte See und Dunkelheit zurück. Der Regen schlug weiterhin auf den Wellen auf und die weißen Schaumkronen türmten sich auf und fielen zusammen. Es war ein Wetter gemacht dafür, zu zerstören, nicht aufzubauen…zu töten, nicht zu leben.

Edon Mesotes
05.04.2012, 14:35
Das Schaukeln des Schiffes hatte inzwischen zumindest so weit nachgelassen, dass nicht alle Meile einer die Gänge des Schiffes mit seinem Mageninhalt verzierte. Edon lief gut gelaunt auf Deck entlang und hatte einmal auch das Vergnügen gehabt, diesen blonden Friseursschreck in Begleitung der Rothaarigen dabei zusehen zu dürfen, wie der auf seinen Knien herumrutschte und sein Frühstück wieder vom Boden schrubben musste.

Während er gerade mit einem Apfel bewaffnet den Wellen beim herumwellen zusah wollte ihn einer aus der Mannschaft zu Selbigem verdonnern.

"Hey Junge, bist du Edon? Brauchst gar nicht zu antworten, du bist der Einzige, der hier mit 'nem Apfel rumrennt. Schnapp dir gleich mal 'nen Lappen und hilf deinem blonden Kumpanen, eure letzte Mahlzeit aus den Gängen zu schrubben!"


Edon guckte den Piraten einmal kurz schief an... vielleicht war der arme Kerl einfach nur besoffen?

"Entweder nimmst du entschieden zu viel Sumpfkraut oder du solltest dir mal die Füße waschen... damit der Dreck aus den Ohren nachrutschen kann. Also erstmal esse ich schon aus Gewohnheit alleine und dann bin ich nicht der Babysitter von unserem blonden Dielenschrubber, sprich, der kann sein Frühstück alleine einem Lappen spendieren."


Der Mann starrte ihn nur an, als würde er Edon gleich über die Reling schmeißen und machte eine bedrohende Geste in Richtung seiner Waffe.

"Unser blonder Freund hat dich aber dabei gesehen,wie du auf unser Schiff gereiert hast."

Das passte schon eher in ein Bild, als der vornehme Herr Freibeuter sagen wollte.

"Ein seekranker Mann, der einem anderen dabei zusieht, wie er sich aufs Schiff übergibt?Ja, ist klar. hauptsache ist doch, dass euer Schiffchen wieder schön sauber wird und da ist unser, naja nicht gerade Freund, genau der Richtige für. Und noch als Geheimtipp: er ist auch ein makelloser Tellerwäscher."

Redsonja
08.04.2012, 00:21
"Ich habe keine Erwartungen mehr an meine Mitmenschen."

Entgegnete die rothaarige Kriegerin, als würde sie sagen. "Heute hängen noch immer an paar Wolken am Himmel." Sie lächelte dabei und stellte fest, dass sie auf dem Meer Darjel noch nicht einmal hin und her zu wiegen brauchte. Er würde sich früh an die See gewöhnen.

"Und warst du einmal vollkommen?"

Fragte Redsonja in derselben Beiläufigkeit, wie zuvor.

Edon Mesotes
08.04.2012, 18:59
Das Meer rauschte an dem Schiff vorbei, dass Edon und eine ganze Ladung bedröpelt dreinblickender und stetig verbohrter Krieger nach Gorthar bringen sollte. Edon stand an der Reling und versorgte nicht, wie man meinen konnte, die Fische mit seinem Frühstück, sondern schaute einfach den Wellen zu, wie sie sich darum balgten am Schiff zerschlagen zu dürfen.

Die schwarze Pfeife, die er irgendwann mal einem Setarrifer Bürger anstatt eines Geldbeutels geklaut hatte, hatte er entzündet und paffte zufrieden daran, während er mit der Hand den Takt eines alten Liedes klopfte und ein wenig geistesabwesend leise vor sich hin sang:

"Bevor wir einmal sterben werden,
haben wir die Welt bereist,
doch nicht reiten auf den hohen Pferden,
an keines Königs Tisch gespeist.

Nein, wir sind Gauner und Halunken,
ohne Anstand, ohne Ehr',
der letzte Adel ist im Meer versunken,
lange, lange ist es her.

Doch mag man uns verbannen,
bleiben wir doch wie wir sind.
ziehen lachend dann von dannen,
wir sind frei wie der Wind!"

Gor na Jan
09.04.2012, 04:00
Der Gor Na betrachtete die Rothaarige eine Weile wortlos von der Seite und hob eine Augenbraue. Man verlor seine Erwartungen üblicherweise dann, wenn sie zu oft enttäuscht wurden. Die Aussage der Kriegerin hatte einen bitteren Beigeschmack, den man nur in der Bedeutung ihrer Worte fand und in keinster Weise der Melodie ihrer Stimme oder den Zügen ihres Gesichts entnehmen konnte

Vollkommen? Eine interessante Frage...

Unwillkürlich wandte er seinen Blick zu seiner linken Seite, wo er den Roten Wind nicht wie sonst üblich auf dem Rücken befestigt hatte, sondern an der Scheide fest umschlossen an seiner Seite trug. Er stellte das Schwert auf und betrachtete es einen schier endlosen Augenblick schweigend.

Die Vollkommenheit, die ich früher verspürte, war eine andere. Eine zerbrechliche. Nicht von Dauer. Ich brauchte meine Gemeinschaft, meine Aufgabe, vielleicht sogar meine Titel, die mich wissen ließen, wo mein Platz in der Welt war.Heute kenne ich meinen Platz in der Welt. Und der Pfad in der Kunst des Kampfes ist ein besonderer und scheinbar widersprüchlicher. Denn egal auf welchem Abschnitt des Weges zur Vervollkommnung man sich befindet, man ist bereits zu jeder Zeit vollkommen.

Der Templer blickte zu seiner Waffe, lächelte und warf das gleiche Lächeln der rothaarigen Kriegerin zu.

Ich habe alles verloren außer dieser Waffe und einem Ideal und fühle mich dennoch so vollkommen, wie nie zuvor in meinem Leben. Ergibt das für euch einen Sinn?

Das Lächeln blieb, wie unbeholfen es auch aussehen mochte. Das Leben war zur kurz geworden, um es zu verbergen.

Redsonja
09.04.2012, 15:54
Sie hatten lange gesprochen, aber die letzte Antwort war Redsonja dem Templer schuldig geblieben. Es war Zeit geworden Darjel zu stillen und das tat sie lieber wenn sie alleine war. Später traf sie nicht nur Gor Na Jan auf Deck wieder, sondern hörte auch, wie Edon etwas trällerte. Sie musste lächeln.

"Darjel gefällt dir das?"

Er antwortete nicht, schien nur zufrieden zu sein, dass sie sich mit ihm unterhielt und plauderte irgendetwas weiter. Sie liess ihn noch etwas dem Dieb zuhören, dann gesellte sie sich wieder zu dem Krieger, während sie auf das Land Gorthar blickte das sich ihnen langsam näherte. Es war wie eine Heimkehr.

"Ich habe darüber nachgedacht. In meinen Augen ist nichts vollkommen. Nichts Menschliches zumindest und alles, was ich als vollkommen zu bezeichnen versucht war, musste ich wieder verwerfen, denn die Vollkommenheit an und für sich ist doch so langweilig, dass es unvollkommener gar nicht sein kann. Sprich ja, was du gesagt hast ergibt einen gewissen Sinn."

Wieder lächelte sie, dann kam jene Frage, die ihr schon länger im Kopf herumspukte hervor:

"Glaubst du, dass du dich gegen etwas - nenne wir es mal - Böses, das dich versucht im Kampf zu beeinflussen, zur Wehr zu setzen? Würdest du dem Lockruft der Macht, die ein süsser Dämon versprechen kann, widerstehen können?"

Edon Mesotes
09.04.2012, 18:53
Gorthar näherte sich. Edon beobachtete, wie sich das Schiff auf das Land zubewegte, in dem er vor ein paar Jahren das letzte mal geklaut hatte. Er biss auf einen der Äpfel, die er sich aus Setarrif mitgebracht hatte, während er die Bilder seines letzten Besuches an sich vorüber ziehen ließ: ein paar Goldbeutel, ein paar sehr ärgerliche Gesichter, einige Gestalten, die wutentbrannt hinter ihm her rannten und eine Dame, die fast in Ohnmacht gefallen wäre. Edon fragte sich, ob es nur ihm so ging, dass sich Erinnerungen an alle Länder, die man besucht hatte, extrem ähnelten.

Edon nahm noch einen schnellen Schluck Met, bevor er wieder unter Deck ging. Endlich würden sie wieder an Land gehen, wo man ihn als Dieb nicht sofort und als einzigen verdächtigte, wenn etwas abhanden kam. Er holte sich ein Kartenblatt hervor und mischte einmal kräftig durch, dann hob er die obersten Karten eine nach der anderen ab: Kreuz Ass, Pik Ass, Herz Ass, Karo Ass. Und wieder durchmischen und wieder die obersten angucken: Kreuz Ass, Pik Ass, Herz Ass, Karo Ass und wieder durchmischen, wieder die karten angucken, wieder die vier Asse.

Edon hatte also nichts verlernt.

Gor na Jan
09.04.2012, 21:06
Der Geist des Templers so wie seine Mimik blieben ruhig und fokussiert, obwohl in diesem Augenblick mehrere Dinge gleichzeitig geschahen. Eine minimale Anspannung durchfuhr seinen Körper, seine Haltung begann sich ganz unmerklich zu verändern und die Finger, die um die Scheide des Roten Windes gelegt waren, schoben das Schwert ein Stück vom Gürtel her näher in Griffweite. Dies alles geschah so subtil und natürlich, dass es ein Wunder gewesen wäre, wenn es jemand bemerkt hätte. Sein Blick musterte die Rothaarige ein weiteres Mal, doch diesmal eindringlicher. Es gab hypothetische Fragen und solche, die versuchten hypothetisch zu wirken, um eine finstere Wahrheit zu verbergen. Und die Frage der Kriegerin gehörte ohne Zweifel zu letzteren.

Nein. Das könnte ich nicht.

Antwortete der Templer ebenso bestimmt wie vernichtend deprimierend. Jan lehnte sich über die Rehling und starrte in die Wellen, die in der Nacht pechschwarz erschienen und nur vereinzelt von den fernen Lichtern der Stadt gespickt wurden.

Ich habe zahlreiche Geschichten von Kriegern gehört, die mit inneren Dämonen zu kämpfen hatten und sie schlussendlich bezwingen konnten. Doch das sind alles Märchen, um Kinder vor der Grausamkeit der Wirklichkeit zu schützen. Die Wirklichkeit ist viel finsterer.

Der Gor Na gab sich alle Mühe, um seine Worte so wirken zu lassen, als kämen sie aus der Weisheit, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hatte... und nicht aus seiner persönlichen Erfahrung.

Die Stimme eines Dämons, der versucht, euch zu verführen, könnt Ihr bekämpfen. Doch wie bekämpft ihr eure eigenen Gedanken, wenn ihr auf einmal beginnt, euch Fragen zu stellen? Fragen, die Ihr euch noch nie gestellt habt, doch die euch völlig logisch erscheinen? Wenn sich euer Weltbild durch neue Erfahrungen auf einmal – wie schon so viele Male zuvor – verändert? Versprechungen von Ruhm, Ehre und Stärke oder dem Lockruf der Macht... ja, ich bin mir sicher, dass mich die Jahre gelehrt haben, derlei Dingen zu widerstehen. Doch es ist selten so einfach...

Der Templer schwieg für einen Augenblick und trat näher an die Rothaarige, wobei er sich ihr direkt zuwandte. Er überragte die Kriegerin bei Weitem, versuchte seine Haltung jedoch so wenig bedrohlich wie irgend möglich zu gestalten. Dann dachte er an Malar, seinen einstigen Mentor. Er war einer der stärksten Templer gewesen. Nicht nur im Kampf, sondern vor allem im Geiste. Und er war durch die Stimme des Bösen zu Fall gebracht worden. Er hatte gerade genug Kraft besessen, um die Bruderschaft hinter sich zu lassen, bevor schlimmeres geschah. Und auch Gor Na Jan selbst war bereits der Versuchung anheimgefallen, als die Stimme seines Gottes ihn in die unterirdische Stadt der Orks rief, um für das Recht und Wahrheit zu kämpfen. Nicht Macht oder Unsterblichkeit, sondern Ideale, die ihm heute noch würdig erschienen... Er hatte Blut vergossen. Unschuldiges Blut. Sie beide hatten das. Doch sie beide waren den Fängen der Finsternis entkommen... doch keiner nur aus eigener Kraft.

Das Böse hat nichts zu bieten, was ich nicht auch aus eigener Kraft erreichen kann. Der Pfad des Kriegers, des wahren Kriegers, schützt mich vor derlei Versuchungen, befähigt mich, dagegen anzukämpfen. Doch das Wichtigste ist, dass ich immer weiß, wo ich Hilfe finde, wenn ich spüre, dass ich dem Kampf nicht gewachsen bin.

Mit einem flüchtigen Blick wandte sich der Gor Na nach Taeris um, schaute zu Darjel herab, blickte dann zurück zur Rothaarigen und nickte unterstützend.

Und ich hoffe, Ihr wisst das auch.

Freiya
13.04.2012, 23:01
Freiya hing über der Reeling wie ein Sack Kartoffeln. Inzwischen war es wieder ruhiger geworden, der starke Wellengang hatte nachgelassen, aber die Übelkeit hielt noch fest in ihrem Griff.
"Du solltest versuchen, etwas zu essen", sagte Willbor, ihr Begleiter. "Mir wird immer schlecht, wenn ich nichts im Magen habe."
Der hochgeschossene, schlacksige Kerl stand neben ihr und hatte einen Teller mit ein wenig Pökelfleisch in der Hand. Nach jedem Bissen leckte er sich jeden Finger einzeln ab. Der Duft des Fleisches stieg Freiya in die Nase und tatsächlich spürte sie, wie ihr Magen nach Inhalt verlangte, doch noch hielt die Übelkeit sie ab, sich überhaupt zu bewegen.
Ein Offizier trat an die beiden heran:
"Zum ersten Mal auf nem Schiff, was Mädchen?"
Freiya schüttelte den Kopf und hob die rechte Hand, mit dem Zeige- und Mittelfinger erhoben.
Überrascht nickte der Offizier, sein schütteres Haar wurde vom Wind durchfahren.
"Die erste Überfahrt war von Vengard nach Thorniara", sagte sie leise. Sie fragte sich, warum sie damals nicht seekrank gewesen war. Der Seegang war nicht viel anders gewesen. Vielleicht lag es daran, dass sie in einer anderen Verfassung gewesen war, ganz davon abgesehen, dass sie bei Hiroga war.

"War irgendwie besser", murmelte sie.
"Wenn ich mich nicht irre, haben wir morgen wieder Festland unter den Füßen. Aber macht Euch nichts draus, die See kann den härtesten Krieger umhauen. Ich hab schon Paladine über die Reeling kotzen gesehen, die habens mit Dämonen aufgenommen, die größer waren als Häuser. Mutige Männer oder auch Frauen, aber soblad sie einen Fuß auf ein Schiff setzen... Meistens ist es schon im Kopf der Leute drin, manchen wird schlecht, wenn sie nur ein Boot sehen. Oder Wasser. Andere fahren zehnmal zur See und beim elften Mal geht es ihnen dreckig... tja..."
Freiya hatte nach dem ersten Satz des Mannes aufgehört zuzuhören. Willbor neben ihr stellte angewidert seinen Teller auf die Planken.
"Vielen Dank für die Auskunft", sagte sie und lächelte matt.

Der gesprächige Mann entfernte sich wieder. Die Rothaarige spürte, wie ihre angespannten Muskeln langsam locker ließen. Ein Loch tat sich in ihrem Bauch auf. Hunger!
Wahrscheinlich war es wirklich nur eine Sache des Kopfes. Sie hatte sich einerseits gern auf diesen Botengang - wenn man es so bezeichnen könnte - begeben, immerhin war sie aus Thorniara raus gekommen und dem Trott der Wache entkommen, der sie sonst gern nachgegangen war. Immerhin hatte man sie mit einen enorm wichtigen Auftrag losgeschickt. Aber es war eben auch nicht ganz das, was sie sich gewünscht hätte. Aber welches Recht hatte sie, sich zu beschweren? Mit Willbor war ihr ein ganz angenehmer Reisegefährte an die Seite gestellt worden, er war etwas erfahrener als sie und vor allem größer und stärker. Besonders seine Gesprächigkeit begleitete sie durch Tag und Nacht. Eine Tatsache, die die Soldatin mit ewig gleicher Ruhe hinnahm.

"Und du hast diesen... Sir Jun schonmal gesehen?" fragte Willbor. Freiya nickte, während sie auf den Teller des Soldaten schielte.
"Mindestens zweimal, wenn ich mich recht erinnere. Eine sehr imposante Erscheinung, gesprochen habe ich nicht persönlich mit ihm. Aber er blieb mir in Erinnerung."
"Ich bin ja mal gespannt, was denkst du, wird er dem Ersuchen nachkommen?"
Freiya zuckte mit den Schultern.
"Willst du das noch essen?" fragte sie und deutete auf den Teller auf der Reeling. Willbor schüttelte den Kopf.
"Jetzt hast du wohl Hunger, hm? Ist die Übelkeit weg?"
Das Mädchen nahm den Teller:
"Mir ist schlecht vor Hunger."
"Gutes Zeichen."
Freiya steckte sich ein Stück des Fleisches in den Mund.
"Ich hoffe nur, dass er uns überhaupt empfängt, aber wir haben ja einen Brief von Hagen. Aber wer weiß, was da überhaupt drin steht, Hagen kann uns ja sonstwas erzählen..."
Das Schiff suchte sich seinen Weg durch die Dunkelheit und durch das Wasser, Freiya wusste, dass Ruhe einkehren würde, sobald Willbor die Augen geschlossen hatte...

Yared
15.04.2012, 01:57
Yared presste die Augen fest zusammen, dann öffnete er sie, zog die Augenbrauen weit nach oben und gähnte.
Er lag mal wieder an einem Strand. Brandung umspülte ihn.
Es war still - ungewöhnlich still. Kein Wind rauschte durch die Palmen oberhalb des Strandes. Gänzlich fehlte das Kreischen von Möwen, kein Tierlaut drang an sein Ohr, nur der gleichmäßige Klang der Wellen, die auf den Sand aufliefen.
Der Kapitän rappelte sich auf, klopfte den Sand aus seiner Kleidung, bevor er bemerkte, dass beim Aufstehen kein Körnchen an ihr hängen geblieben war.
Hatte man ihn auf ein Schiff nach Myrtana gebracht, dass in einem Sturm gekentert war? Oder war er tot und dies um ihn herum war seine persönliche Version der Sphäre Beliars?
Er konnte es nicht sagen. Während er darüber nachdachte, schlenderte er auf den Urwald zu, der die unregelmäßige Bucht auf der Landseite umschloss.
Er hatte sich die Sphäre Beliars irgendwie dunkler vorgestellt, aber jeder große Philosoph mochte sich irren, wenn er behauptete den Tod zu kennen. Warum dann aber keine Möwen? Keine Tiere? Kein Wind? Gut vielleicht gab es hier keine Möwen, vielleicht herrschte gerade Flaute, aber dennoch, hier stimmte was ganz gewaltig nicht.
Schiffbruch hatte er in seinem Leben schon erlitten. Das hier war nicht normal, nur was war nicht normal ... außer dem sich nicht blicken oder hören lassen wollenden Getier?
Er drehte einen größeren Stein im Schatten einer Palme um. Die dunkel gefärbte Unterseite war feucht, aber das war dann auch schon alles. Nicht mal Insekten oder Kriechtiere gab es hier, nur stoische Palmen und Dschungelfarne, so schien es. Der Sappeur rückte den Stein wieder zurecht und setzte sich darauf.
Dann kam er darauf.
Es war ein Gefühl in der Magengegend, genau genommen ein fehlendes Gefühl. Yared verspürte keinen Hunger, auch sein Kehle schien nicht durch Salzwasser ausgedörrt. Auch die Sonne schien in nicht zu malträtieren. Im war weder heiß, noch kalt.
All das verstärkte sein Meinung, dass es sich hier wohl um etwas Transzendentes handelte. Aber war es wirklich Beliars Sphäre? Vielleicht war er am Ende nur am Halluzinieren oder er träumte.
All dies mochte im Bereich des Möglichen liegen und schon der weise, alte Wassermagier, den er einst unter der sengenden Sonne Varants getroffen hatte, hatte gesagt:


Eine wahrscheinliche Unmöglichkeit ist stets einer unwahrscheinlichen Möglichkeit vorzuziehen.
(Aristoteles)

Seltsam, dass er sich gerade an die einsame Wanderung durch die Wüste erinnerte. Damals hatte er ein Ziel gesucht. Das Ziel in diesem Szenario war klar. Er musst herausfinden, wo er war, und, was hier los war, und er würde es herausfinden - früher oder später.
Und der erste Schritt war daher nur logisch sich genauer hier umzusehen. Yared glaubte nicht daran, dass er hier gänzlich alleine war. Man war nirgendwo gänzlich alleine - nicht im Traum, nicht im Totenreich.
Eiligen Schrittes strebte der Sippenführer der Ratten auf den Dschungel zu.
Es galt ein paar unwahrscheinliche Möglichkeiten auszuschließen und er wusste nicht, wie viel Zeit er dafür hatte ...

Damh
23.04.2012, 16:26
Das Meer, der Spiegel der Erde, dem Himmel angepasst und stets eine Herausforderung für die Recken der Ozeane. Kommando um Kommando wurde sich auf der ansehnlichen Kogge Schaumkrone zugerufen, deren schlanker Bug die Wellen zerteilte und mit Gischt den Matrosen den Schweiß abwusch. Voller Vorfreunde stand Damh am Achterdeck in der Nähe des Kapitäns, hielt sich mit beiden Händen an der rauen Reling fest und lachte mit wehendem Haar der Insel entgegen, die am Horizont Konturen annahm.
„Land in Sicht!“, rief er euphorisch aus voller Kehle und erntete einiges an Gelächter.
„Unsere Landratte ist in den letzten Tagen zu 'nem richtigen Matrosen geworden, was Männer?“, dröhnte die lachende Stimme des Bootsmanns hinter dem Weißhaarigen.
„Aye!“, rief die Mannschaft als Chor und lachte wieder.
„Damh! Spiel uns ein Lied!“, rief plötzlich Hannes, der Küchenjunge, welcher sich seine freie Zeit an Deck vertrieb.
„Ja!, riefen einige andere, „Sing über die Heimat!“
Der Barde lächelte freundlich. „Wie ihr wollt!“, rief er und nahm die Citole auf, die an der Bordwand gelehnt hatte. Sogleich stimmte er eine melancholische, aber auch schöne Melodie an, die alle aufmerken und für einen kurzen Moment mit ihrer Arbeit innehalten ließ.



Rauschen die Quellen im Talesgrund,
blühen auf Wiesen die Blumen bunt,
Läuten die Glocken in Stadt und Land,
künden frohlockend sie allesamt:


Heimat, Heimat ewig liebe Heimat,
Heimat, Heimat ewig liebe Heimat!

Leuchtet die Esche korallenrot,
reift auf den Feldern das täglich Brot,
Rüsten die Schwalben zum Flug nach Süd,
raunt in dem fallenden Laub ein Lied:


Heimat, Heimat ewig liebe Heimat,
Heimat, Heimat ewig liebe Heimat!

Wehen die Winde aus Nord so kalt,
Leuchten die Sterne hoch überm Wald,
zieht durch die winterlich weiße Flur,
schweigend ein stilles Gedenken nur:


Heimat, Heimat ewig liebe Heimat,
Heimat, Heimat ewig liebe Heimat!



Die Melodie verstummte und die Matrosen, welche den Refrain aus voller Kehle mitgesungen hatten, waren in, so schien es, abgesprochenes Schweigen verfallen. Sie alle dachten an ihre Familie und ihr Zuhause und diejenigen, die nichts von beidem besaßen hatten genügend Respekt, um den Kameraden nicht den Moment der Ruhe zu zerstören.
„Käpt'n, knapp zwei Meilen noch, bis wir an der Küste entlang segeln können. Dann ist es wie gewohnt noch ein halber Tag bis Thorniara“, meldete der Bootsmann den Status.
„Sehr gut Howl. Halten Sie Kurs.“

„Aye, aye!“
Er verließ das Achterkastell und erteilte weiter Befehle an die Mannschaft, welche wieder zu schwatzen und zu lachen begonnen hatte.


„Kapitän“, sprach Damh fragend den bärtigen Mann an, der das Oberkommando auf der Schaumkrone inne hatte, „ist es möglich mich an der Küste abzusetzen, bevor wir am Hafen ankommen?“
Der Seebär sah ihn verwundert an, doch als sich der Bart als Zeichen eines Lächelns hob, war die Welt in völliger Ordnung.
„Klar min Jung, wir können dich mit dem Ruderboot an Land bringen“, bot der ältere Mann ihm an.
„Vielen Dank!“, grinste Damh breit und schaute wieder voller Vorfreude zu der Insel, auf der bereits die ersten Bäume zu erkennen waren.

Yared
26.04.2012, 21:57
Und wo war er hier eigentlich gelandet?
Bestand der Tod etwa aus gähnender Tristesse eingewickelt in Südseeatmosphäre, garniert einzig und alleine mit dem Rauschen der Gezeiten?
Verdammt, wie konnte es Gezeiten geben, aber keine Tageszeiten?
Wie konnte es sein, dass die Sonne stets an der gleichen Stelle über ihm schwebte?
Dass weder Mond und Sterne, noch die Finsternis der Nacht ihr diesen Platz streitig machten?
War er jetzt seit Wochen, seit Tagen oder erst seit Stunden unterwegs?
Wer konnte ein ernsthaftes Interesse daran haben, dass er jegliches Zeitgefühl verlor?
Drehte er sich im Kreis?
Gab es hier weit und breit wirklich kein Leben?
Nicht das winzigste Insekt?
Warum fand er nichts und niemanden?
Wollte sich niemand hier für ihn interessieren?
Gab es niemand der dieses Gebiet für sich beanspruchte?
Und warum?
War das hier alles unbewohnt?
Gab es Gründe dafür, dass hier alles wie ausgestorben schien?
Oder war das alles nur eine makabere Laune des Schicksals?
Eines Gottes?
Gab es hier überhaupt Götter?
Konnte es etwa sein, dass er die ganze Zeit schon unbemerkt von fremden Augen, von fremdem Geist verfolgt wurde?
Warum wurde er dieses Gefühl, dass ihm jetzt gerade erst in den Sinn gekommen war, einfach nicht mehr los?
Warum ließ er sich so kirre machen?
Wusste er tatsächlich nicht mehr weiter?
Wurde er langsam Wahnsinnig?
War das eben aufkeimender Verfolgungswahn gewesen?
War das überhaupt sein Gesicht, das sich geziert von zerzaustem ungepflegtem Bart und wirrem Haar in den Wogen spiegelte?
Waren seine Augen wirklich so unstet, so leer geworden?
Verdurstete er ohne es zu bemerken?
Verdunstete sein Wille?
Wie konnte er sich bewegen, die See sich regen, nur Regen fiel nie?
Gab es hier keine Wolken?
Keinen Sturm?
Nicht einmal einen kleinen Orkan?
Wie lange mochte diese Windstille noch anhalten?
War es die Stille die ihn zu erdrücken drohte oder die aufkeimende Verzweiflung?
Sollte er sich aufgeben?
War er nicht schon längst verloren?
Sollte er anfangen laut Selbstgespräche zu führen?
Würde das die Einsamkeit vertreiben?
Oder würde es ihn nur noch mehr deprimieren?
Gab es hier wirklich nichts anderes als Schilf, Dünengräser, Palmen und Kiefern?
Seetang vielleicht?
Existierte das hier?
Was brachte es ihm, wenn er nicht aufgab?
Existierte er selbst?
Warum schleppte er sich weiter über Strand und durch Dschungel?
Existierte hier überhaupt irgendwas?
Oder war das alles ein riesiger Humbug?
Eine Illusion?
Hielt er selbst sich hier gefangen, oder war es jemand anders?
Wann würde sein letzter Gedanke im Nichts entschwinden?
Warum fühlte er nichts?
Warum war alles so dumpf?
Warum ...

Jarvo
28.04.2012, 21:45
“Ich fühle mich gut“, dachte er, als er seinen Blick von der taumelnden Bootslaterne auf das offene Meer schwenkte, wo die Wellen träge ineinander übergingen und sich zu neuen Gebilden formten. Myrtana lag weit entfernt im Norden und der Horizont vor ihnen offenbarte, fast versteckt hinter der aufkommenden Dunkelheit, das Inselreich Argaan. Lange hatte er die Sümpfe von Tooshoo nun nicht mehr gesehen. Beinahe verspürte er das Bedürfnis, die raue Oberfläche des riesigen Baumes zu berühren, die ihn durchströmende Energie zu fühlen. Die Natur war stark dort.
Jarvo rieb seine Hände aneinander, die wieder menschliche Form angenommen hatten. In dem Moment, in dem er sein Gegenüber ausgelöscht hatte, hatte sich etwas in ihm verändert. Er fühlte die pulsierende Kraft, die das Wesen ihm geschenkt hatte, nur fühlte es sich viel reiner an. Jeglicher Zwang war von ihm gewichen und jegliche Zweifel hinweggefegt. Er hatte das Wesen besiegt, welches seine Träume beherrscht hatte und ihn in die Knie zu zwingen vermochte, doch er war sich noch nicht im Klaren, was die Konsequenzen seiner Taten waren.
Naturgeister entstanden nicht aus reiner Willkür, sie waren nicht das Produkt ungezügelter Lust zwischen zweier Lebewesen. Sie waren alt, älter, ewig. Vielleicht zogen sie schon seit dem Anbeginn der Welt die Fäden des Geschehens. Was geschah, wenn sie nicht mehr waren? Brachte es Chaos mit sich, als würde dem Volk der König entrissen oder geschah einfach gar nichts? Ein Instrument, nun klanglos, da ihm die gekonnten Fähigkeiten des Musikers fehlten?
Jarvo ging in sich und fühlte die Kraft, verbunden mit einem tiefen Verständnis, in sich schlummern. Er brauchte sie nur zu rufen, sie war so nah. Doch war es nun an ihm, zu dirigieren und Prozesse in die Wege zu leiten, zu bestimmen und zu kreieren? Er wusste es nicht. Wahrscheinlich würde es ihm niemand sagen können. Jedoch sollte er Rat bei denjenigen holen, die in diesen Angelegenheiten mehr Verstand als er besaßen.
“Wie gut, dass niemand Götter erschlug!“, dachte er und lachte. Der einäugige Kapitän der Maera, der an der Reling stand, blickte ihn ausdruckslos an und wandte sich wieder dem kleinen Buch zu.
Der Waldläufer schaute sich um und sah eine bildhübsche Frau, die auf dem Achterdeck mit einem pfiffig dreinblickenden Kerl palaverte. Ivo war sein Name, wenn er sich nicht irrte. Der Zahlmeister regelte die Unterkunft und Bezahlung der Passagiere und war um einiges kommunikativer als der Kapitän. Doch dies sollte Jarvo nicht kümmern, vielmehr ward er froh über den Zufall, dass das Schiff nach geschäftlicher Rundfahrt wieder Beria angesteuert hatte, wo er an Bord gegangen war.
Jarvo tippte unter die Spitze seines Hutes, sodass dieser ihm über die Augen fiel. Für ein paar Minuten genoss er das sanfte Wippen und das immerwährende Rauschen des Meeres, bis seine Gedanken in die Welt der Träume abglitten.

Yared
30.04.2012, 03:08
Yared erwachte vom kreischen der Mauersegler. Ein laues Lüftchen umspielte seine Nase. Er hatte die bohrenden, die unsinnigen und sinnigen Gedanken nicht mehr ertragen und sich so einfach im Schatten einer Palme an deren Stamm gelehnt und war schließlich vor Erschöpfung eingeschlafen - einer Erschöpfung, die er sich eigentlich nicht erklären konnte.
Er öffnete die Augen, streckte sich ein wenig und setzte seine zusammengesunkene Gestalt auf. Die Schatten der großen Blätter hoch über ihm flackerten auf seiner Brust.
Der Kapitän erhob sich, klopfte sich den Sand aus den verschlissenen Hosenbeinen. Dann richtete er sich auf und sah zu den Wogen hinaus. Yared erstarrte.
Die Issilia, die Issilia war dort, oder genauer das Wrack der Karavelle sildener Bauart. Wenige Schritte von ihm entfernt, musste sie von offenbar turmhohen Wellen, von denen er nichts mitbekommen hatte, auf die Klippen am Ende des Strandabschnitts gehoben worden sein.
Zunächst eilte Yared auf die bekannte Silhouette zu, erst als er der im Wind schlackernden Überreste von Tauwerk und zerrissenen Segeln an den Geborstenen Masten gewahr wurde, verlangsamten sich seine Schritte.
Nichts hatte sich geändert. Irgendwas stimmte hier nicht. Etwas gewaltiges. Der Wind, woher kam er so plötzlich? Das Schiff, die Vögel ... all das war vor seinem Schlaf noch nicht da gewesen.
Vorsichtig näherte er sich dem von Wellen, die stetig am Rumpf zerrten und ihn zum ächzen und knarren brachten, umspülten in den Felszacken hängenden Wrack.
Er war auf diesem Schiff gewesen, als es vor Feshyr untergegangen war. War er hier wieder an der Küste von Melgans Insel, wie sie die Einwohner nannten? Hatte wirklich ein jenseits Sturm oder ein riesiger Mahlstrom die Karavelle vom Meeresgrund empor gehoben? Oder war das hier am Ende der Grund des Meeres? Ein anderer Teil der Sphäre Adanos'? Die Rückseite der Welt?
Egal wie es war, dass alles erinnerte ihn an die Worte Lyrcas, der alten Hexe.


"Es gibt keinen. Es gibt keinen, Círdan. Du bist schlau genug, um jede Möglichkeit zu kennen, die sich dir bietet, dennoch bist du zu feige, dich zu entscheiden. Du betrügst dich selbst mit der Hoffnung es gäbe einen Ausweg."

Irgendetwas gab es hier, davon war er überzeugt und wenn es keinen Ausweg gab würde er sich einen schaffen.
Die Sonne schien heute heißer zu brennen, als vorhin, vielleicht lag da aber nur daran, dass er sie vorher überhaupt nicht gespürt hatte. Der Sippenführer legte die Hand, die Augen vor den gleißenden Strahlen schützend, an die Stirn. Die Sonne stand tiefer. Der Mittag war vorbei, der Nachmittag war angebrochen.
Er besann sich kurz, überlegte ob er das Wrack wirklich erkunden wollte. Dann aber watete er barfüßig, wie er war, in die Brandung und stieg durch ein Loch im geborstenen Rumpf in das Schiff.

Yared
11.05.2012, 00:05
Die Planken waren rau und gleichzeitig glitschig unter seinen Füßen. Überall hingen Seegras und -tang, kleine Krebse und Muscheln hatten sich zwischen nun trocknendem Algenbewuchs in den Ritzen der Bordwand eingenistet. Dort wo sich die das Deck stark nach unten neigte, hatten sich die wenigen damals mitgeführten Fässer und Kisten gesammelt, nachdem sie der Sturm aus den Netzen und Tauen befreit hatte, mit denen sie gesichert worden waren.
Der intensive Geruch nach Salz und Feuchtigkeit stieg dem Schiffsbauer in die Nase. Vorsichtig tastete er sich mit den Zehen voran über die hölzernen Streben, jederzeit darauf gefasst, dass eine von ihnen morsch geworden sein konnte, außerstande sein Gewicht zu tragen.
Während er sich durch den nur durch wenige fahlen Lichtstrahlen erhellten Schiffsbauch voran arbeitete, gedachte er der Geschichte der Issilia - wie sie in der Werfthalle von Silden auf Kiel gelegt worden war, wie stolz Hatlod und Meister Kusteau beim dritten Stapellauf eines sildener Schiffes gewesen waren, wie Arentin schließlich nicht lange nach der Schlacht von Kap Dun das Kommando über und die ersten Fahrten nach Gorthar und Varant unternommen hatte. Sie hatte sich gut geschlagen, die Issilia, wie Cotton Gray sie benannt hatte, bis sie schließlich im Sturm vor Feshyr gesunken war. Und nun war sie hier.
Die Theorie mit dem Land am Meeresgrund und der Rückseite der Welt hinkte wahrscheinlich gewaltig, wenn er so darüber nachdachte. Bildete sich Yared das nur ein? Stand das Wrack metaphorisch für irgendeinen Knacks in seinen Gehirnwindungen?
Was für ein Blödsinn ...
Yared erreichte die Stiege, die hinauf zum mittleren Deck der Karavelle führte. Der Schiffsbauer fand sich hier fast blind zurecht, immerhin hatte er auch seinen Teil bei der Planung und dem Bau dieses Schiffes beigesteuert.
Zu hastig machte erklomm er die erste Stufe. Schon krachte das feuchte Planke unter seinem blanken Fuß und zerbarst. Yareds Fuß schmerzte, als er den stabilen Holzboden traf. Der Kapitän unterdrückte einen Laut der Überraschung. Mit den Händen tastete er im Halbdunkel nach seinem Fuß. Alles schien heil geblieben zu sein. Das Holz war richtig durchgefault und zu weich, als dass es noch als Spreißelspender taugen mochte.
Ob wohl der Rest der Treppe ihn aushalten würde? Er wollte es immerhin versuchen. Vielleicht gab etwas in diesem Schiff im Aufschluss über den Ort, an dem er sich befand, oder er fand etwas Nützliches, mit dessen Hilfe er von hier entkommen konnte.
Zunächst rüttelte er am Geländer. Dann setzte er den Fuß auf die zweite Stufe von unten. Es funktionierte. Wenige Zeit später erreichte er das mittlere Deck ohne weitere Zwischenfälle, die ihm Knochenbrüche bescheren konnten.
Hier oben schien der Grund fester zu sein. Auf jeden Fall gab es hier Licht, das durch die vom Sturm und den Wellen abgesprengten Luken in den Bordwänden back- und steuerbords einfiel. Wenn er sich nicht völlig irrte, musste die Tür zu seiner Kajüte irgendwo hier rechter Hand am Ende des schmalen Ganges sein.
Hatte er sich vorher hauptsächlich mit den Zehen vorangetastet, kombinierte er sie nun mit den Händen und suchte vor sich in der Dunkelheit nach der metallenen Klinke. Als er sie gefunden hatte, drückte er unter beachtlicher Kraftanstrengung die Tür aus den Angeln. Den Schlüssel hatte er verständlicherweise nicht dabei. Wahrscheinlich lag er jetzt auf dem Grund der Südöstlichen See.
In der Kabine erwartete ihn vor allem abgestandene Luft und die scheinbar nach dem Zufallsprinzip auf dem Boden verteilte Inneneinrichtung. Die kräftigen Sonnenstrahlen brachen mit großer Intensität durch die dicht mit Algen bewachsenen Glasscheiben am Heck des Schiffes und tauchten den niedrigen Raum in gelbliches Grün. Doch selbst dieses leuchtende Grün konnte Wasserschäden und Schimmel nicht übertünchen.
Yared presste sich den Oberarm samt Ärmel vor Nase und Mund. Er wollte nicht allzu viel von dem Gemisch aus Staub und Sporen einatmen. Laut schnaufend ließ er den Blick schweifen.
Das was von seinen Habseligkeiten übrig war war größtenteils durch Wasser, Kleintiere, Moder und Pilz unbrauchbar gemacht worden. Überreste seiner Armbrust, auch von Papieren und Aufzeichnungen beachtete er erst gar nicht. Da war sowieso nichts mehr zu retten.
In der linken hinteren Ecke des Raumes hatten sich jedoch einige Gegenstände auf einem Haufen gesammelt. Nachdem er seine Kleidertruhe mühsam mit dem Fuß beiseite gestemmt hatte, fiel ihm eine Stelle ins Auge an der irgendetwas unter dem Haufen hervorlugte, dass zwar trüb, aber dennoch auffällig die einfallende Sonne reflektierte. Mit der freien Linken entfernte er zunächst einen ramponierten Stuhl, beugte sich dann nach unten und zog den Gegenstand mit metallischem Kratzen aus einer Ansammlung von Undefinierbarem, was einmal seine Unterwäsche gewesen sein mochte, jetzt aber mehr von einem Klumpen braungrünen, algendurchsetzten, nassen Schlicks hatte.
Fast hätte Yared vor Freude den Arm vom Gesicht genommen. Was er da in Händen hielt, war das Wächterschwert.

Yared
13.05.2012, 21:15
Es war drei Tage her, seit der Kapitän die Issilia, oder das, was von ihr noch übrig war, hinter sich gelassen hatte und ins Landesinnere vorgedrungen war. Auf seinem Rücken prangte nun, von einem Strick notdürftig gehalten das Wächterschwert, jene Waffe, die ihm Tavik einst in Silden überlassen hatte.
Es hatte Yared zwar stutzig gemacht, die Waffe in seiner Kajüte zu finden, wo er sie doch beim Kampf auf dem Achterdeck bei sich getragen hatte. Zudem schien das Langschwert überhaupt keine Spuren von seiner unterseeischen Odysse davongetragen zu haben. Aber wenigstens war er sich jetzt sicher, dass dieser Ort, Strand und Urwald, nicht gänzlich ab vom Schuss sein konnten. Und notfalls konnte er sich nun verteidigen.
Das wiederum konnte gut oder weniger gut bald der Fall sein, wenn er sich so die Felswand besah, die sich gerade vor ihm erhob und ihm den weiteren Weg ins Inland versperrte. Der vom Regen glatt gewaschene dunkelgraue Stein war zwar schon leicht verwittert und von weißen Flechten und grünem Moose besiedelt, dennoch konnte man unter dem Vogelmist, der von den Nestern der Möwen weiter oben herab gefallen sein musste, in den Fells gehauene Buchstaben erkennen.
Yared sah sich um und machte alsbald eine handflächengroße Mooswucherung ausfindig, die er kurzerhand ausriss und damit den Dreck vom Fels wischte. Vogelkot konnte ziemlich aggressiv sein.
Dreck bröselte von der Wand. Der Kot hatte sich schon ziemlich weit in den Stein gefressen, dennoch schienen die Buchstaben nun leserlich. Es war ein Text in der Alten Sprache des Waldvolkes, allerdings mit ziemlich wirrem Inhalt:


"Geh nicht weiter! Lebst du halbgar? Fühlst du das Blut? Die Wärme? Die Kraft? Die Hitze? Fühlst du das Brodeln? Geh nicht weiter! Es ist kalt, mein Freund. Geh nicht weiter. Geh nicht ..."

Am Ende fehlte ein Stück.
Das hörte sich doch interessant an. Yared ging weiter.
Es war ein Gefühl, das ihn zu leiten schien, fast wie das unscheinbar grünliche Glimmen in seinen Gedanken.
Was es wohl bedeutete, halbgar zu leben?
Und wo war eigentlich Tavik abgeblieben?
So viel hatte sich in seinem Leben seit den fast schon als beschaulich zu titulierenden Tagen von Silden geändert ...

Yared
14.05.2012, 00:52
Der Stamm der Tanne schien fahl. Nur jeder dritte oder vierte Zweig trug grüne Nadeln, dafür dann aber auch kleine runde, rötliche Beeren. Das Kraut am Fuße des farblosen Baumes schien in krankhaftes fauliges Violett getaucht. Rings um den Baum herum lagen die Überreste der Gefallenen. Stofffetzen flatterten im Wind, von den sonnengebleichten Gebeinen, die sie notdürftig bedeckten, am Davonwehen gehindert.
Dies war also das Ende des Weges. Dies waren jene, die nicht auf die Warnung gehört hatten. Oder waren es die Kameraden dessen, der sie verfasst hatte? Yared konnte nur spekulieren.
Eindeutig war, sie waren schon lange Tod und sie hatten keinem regulären Militär angehört. Der Stoff war vergilbt, dennoch hätte man die Anzeichen einer Livree erkannt. Auch trugen sie weder Plattenpanzer noch Kettenhemden. Wenn man genau hinsah, schienen sie nicht einmal im Kampf mit einem Gegner gestorben. Vielmehr war es als hätten sich ihre Leiber unter inneren Schmerzen verrenkt, ehe sie zusammengebrochen waren. Gift?
War die Luft hier tödlich gewesen? War sie es immer noch?
Nein, Yared stand schon zu lange hier oberhalb der Klippe. Grubengase oder ähnliches, das wusste er aus eigener Erfahrung und Erzählungen seines Vaters, eines Minenvorarbeiters aus Geldern, wirkte schneller. Mindestens Symptome hätte sein Körper inzwischen zeigen müssen.
Aber halt war das da nicht der Mantel von Benjen?
Das konnte nicht sein. Er selbst hatte seinen Mentor zu Grabe getragen.
Wie konnte ...

"Dies ist das Werk deines Herrn, Anführer jener, die dem untoten Geist folgen."

Colodis
18.05.2012, 21:21
Die Wellen schlugen gegen das Boot, es war nicht das Grösste. Ganz im Gegenteil, noch kleiner und einer von Ihnen hätte nach Setarrif schwimmen müssen. "Alter, wo zum Teufel hast du das Ding nur her? Das grenzt ja an Wahnsinn damit bis zu den Inseln zu fahren, selbst in unserem Massstab."
"Zum hundertsten Mal, ich weiss es doch nicht mehr. Ich bin bei dem Verrückten aufgewacht, wo du mich abgeholt hast."
Colodis schüttelte den Kopf und legte die Hand an die Stirn.
"Nochmal, warum mussten wir dich gleich noch mitnehmen?"
"Nordi haben Lebensschuld, wie wollen begleichen wenn seien ganz weit weg."
"Achja, richtig."
Dem ganzen wohnte zwar eine gewisse Logik inne, aber trotzdem machte der Tischler sich Sorgen. Selbst wenn der dicke Ork nur gähnte schaukelte ihre Nussschale schon gefährlich.
Nein, Wasser war definitiv nicht sein liebsten Terrain. Kotzen musste er zwar noch nicht und die Seeluft hatte ihm auch noch nicht die Augenbrauen zerfressen.
Von Ungeheuern war weit und breit keine Spur, wie konnte es noch besser aussehen?
Der Nordmann war der festen Überzeugung, dass ein grösserer Wal sie mit einem Haps verspeisen würde.
Alle diese Gedanken sollten ihn von den Ereignissen in Nordmar ablenken. Aber tatsächlich ging es ihm nie besser, zumindest nicht in letzter Zeit.
Er fühlte sich lebendig, so als hätte sein Leben wieder einen Sinn bekommen. Mit neuer Zuversicht konnte er sich wieder in Aufgaben stürzen. Allerdings würde ihn vorher noch einige erwarten wenn sie wieder zurück waren. Es änderte nämlich nichts daran, dass er abgehauen war und allen Voran dem König mehr als eine Erklärung schuldig war.
Der Schamane musste niesen und das Boot kenterte beinahe. Das Wasser schwappte gefährlich ins Innere.
"Kannst du dich mal beherrschen, sonst versenkst du uns noch bevor wir die Chance haben überhaupt Land zu erreichen."
"Machen nix grosses Theater Mensch, wenn untergehen dann retten schon wieder und dann machen Lebens-Beatmung."
Colodis war sich sicher, dass sein Gesicht die Farbe gewechselt hatte alleine beim Gedanken und der Fahne die beim Sprechen zu ihm rüber schwirrte. Toll, jetzt war ihm doch übel.

Raad
18.05.2012, 22:29
Der Schwarzhaarige verzog angewidert den Mund. Das konnte ja heiter werden. Zuerst brachte der Ork das Boot zum Kentern, dann schleifte er die beiden Morras an Land und versuchte sie mit seinem stinkenden Atem wiederzubeleben. Wenn das funktionierte, wäre es Raad die reinste Freude. Immerhin wäre dieser Alptraum, in einer kleinen Nussschale über das Weltmeer zu schippern, vorbei. Es war jedoch wahrscheinlicher, dass der Gestank des Orks die menschlichen Körper eher von innen heraus verfaulen ließ.

Raad würgte gespielt. „Widerlicher Pelzspender. Das hättest du wohl gerne, dass wir dauerhaft von dir abhängig sind.“, warf der Akademieleiter dem Grünfell entgegen und winkte ab. „Das wird nicht passieren. Eher kriech ich Rhobar in den Arsch.“

„Sollen warm da sein. Immerhin seien er von Innos erwählt. Und da, wo Feuer sein, sein warm immer.“

Die Miene der beiden Menschen versteinerte. Der Ork dagegen gackerte amüsiert. „Fordern mich mit dummen Sprüchen heraus, ich zeigen euch, dass Orkse können das besser.“

Raad schnaubte verächtlich. Das sehen wir noch., dachte er auf Rachen sinnend, schwieg aber. Er hätte sich in diesem Augenblick eingestehen können, dass ihm keine Erwiderung einfiel. Aber das wäre lächerlich gewesen…

Stattdessen dachte er daran zurück, was in Nordmar passiert war. Eine Nacht hatten sie noch in der Hütte des Eremiten verbracht. Am nächsten Tag waren sie aufgebrochen und der Ork war ihnen wie ein Schatten gefolgt. Ein madiges Grinsen auf seinem Gesicht und mit der Anmut eines Trolls. Wann immer sich Raad nach ihm umgeschaut hatte, offenbarten die Zahnlücken die tiefen Abgründe, welche die Anwesenheit des Orks mit sich brachten. Wie sollten sie ein Schiff finden, wenn Häfen meist nur dort waren, wo auch Menschen waren und Menschen natürlicherweise und gerade auf dem Festland jedem Ork eher des Kopf abschlugen, als ihn mit einer Umarmung willkommen zu heißen? Und würde man Raad und Colodis in Begleitung des Orks sehen, wären direkt zwei weitere Geschichten an ihr plötzliches Ende gelangt. Viel zu jung… Gestorben, weil ein Ork so tat, als sei er ihr Freund.

Die rettende Idee hatte dann blöderweise ebenfalls der Ork. Eine Anlegestelle in Nordmar. Nur logisch, dass Raad beim Anblick des kleinen Kahns, der zumindest ein Mast und ein Segel besaß, dachte, dass es seiner sein muss. Auch, wenn er sich nicht erinnern konnte. Eine andere Möglichkeit gab es kaum, auf das Festland zu kommen. Und da ein anderweitiger Besitzer nicht laut brüllend von irgendwo sein Schiff beschützen wollte, als sie es bestiegen und abgelegt hatten, gewann sein Gedanke ein Fundament.

Nun waren zwei Tage vergangen. Der Ork saß in der Mitte am Mast. Die beiden Menschen verteilten sich an Buck und Heck. Alle drei versuchten sie irgendwie ein Gleichgewicht zu halten, welches immer wieder durch den Wellengang gestört wurde. Ein Sturm… Raad dachte lieber nicht daran.

„Da fallen dir nichts ein, Südmorra. Wie?“

Der Schwarzhaarige zuckte ob der plötzlichen Frage zusammen. Mist. Er hatte vollkommen vergessen eine Erwiderung zu finden… „Können wir ihn nicht einfach den Piranhas zum Fraße vorwerfen, Nordi?“, fragte Raad leidend in Richtung Colodis‘. Auch wenn es schade um etwaige neue Spitznamen war, mit denen der Ork ab und zu um sich warf…

Colodis
18.05.2012, 23:05
"Und du glaubst wirklich die Essen sowas?", gab er grinsend zurück.
Andererseits, was würden sie mit ihm machen sobald sie in Setarrif waren? Das Monster heimlich in einer Höhle ausserhalb der Stadt halten?
So wie er ihn mittlerweile kannte würde er mitten über den Königsplatz spazieren ohne zu zögern. Es war vielleicht nicht die Art Wilkommensgeschenk, welche sie zur Party mitbringen sollten.
Er würde ohnehin nur Probleme machen.
"Was machen wir mit ihm sobald wir da sind? Du weisst wie gut das geht wenn wir versuchen Verrückte heimlich durch die Stadt zu schmuggeln. Es endet wieder darin, dass Unschuldige sterben müssen. Dieses Mal könnten wir an der Reihe sein, obwohl wir vielleicht nicht die klassischen Unschuldigen sind."

"Morras reden als ob Orkse dumm und gar nicht zuhören. Aber seien hier und können verletzt sein."
Dann drückte er eine fette Träne über seine Wange.
Colodis rieb sich die Augen, tatsächlich, so ein elender Schauspieler. Wie schaffte er das nur jedes Mal
Nochmal so eine Show vonwegen er sei nicht Dick konnte er nicht ertragen ohne ihn zu erwürgen. Mit einem Ork auf einem so kleinen Boot, noch dazu mit einem derart komischen Clown. Es war die Hölle.

"Im Moment hab ich auch keine bessere Idee, ausser die Piranhas fragen ob sie sich den Appetit verderben wollen."

Yared
18.05.2012, 23:08
Der Sippenführer fuhr herum. Die glockenhelle Frauenstimme hatte ihn unverwandt aus seinen Gedanken gerissen. Dass sich auch ständig jemand an ihn heranschleichen musste, dachte er bei sich und presste erstmal die Augen kräftig zusammen, um einen klaren Blick auf die amazonenhafte Kriegerin vor sich zu bekommen. Sie war unzweifelhaft schön, ihre Augen waren blau, aber nicht so hell wie die Nanamis, eher etwas grünlicher, türkis, wie die See, ihre Haut blass, gelblich wie Sand und ihr Haar weiß wie die Gischt. Ihr helles Gewand, weit und luftig, schien abgetragen und verwaschen, ohne rechte Konturen und stets flatternd im Wind, der vom Meer die Klippe hinaufzog.
Sie wollte ihn nicht töten, sie war hier um zu reden. Andernfalls hätte längst der Schaft ihres Speers der von Form und Ausgestaltung eher einem Stab glich, wie ihn Druiden manchmal auf Reisen mitnahmen. Zeit genug dazu hatte sie gehabt.
Was hatte sie gesagt? Dies war das Werk seines Herrn, eines untoten Geistes. Mochte Letzteres die Ratte sein?
Rasch wandte sich Yared, so unhöflich es war, von der Frau, die noch gut als Mädchen durchgehen mochte, ab und den Leichen zu.
War das dann wirklich Benjen? Endete man so, wenn die Ratte einem das letzte Bisschen Lebenskraft entrissen hatte? War er deshalb hier? Um zu sterben?
Er schüttelte den Kopf. Nicht kirre machen. Keine voreiligen Schlüsse, dachte er und drehte sich mit der Absicht, Gewissheit zu erlangen, wieder zu der jungen Frau um.
"Ihr kennt den Geist der Ratten?"
"Wir alle kennen jenen unter uns, der den Kreis des Lebens zu durchbrechen sucht, der nicht vom Leben ablassen, den Tod nicht akzeptieren will. Wir alle kennen deinen Herrn, Mann, den die Seherin Círdan nennt."
Ihre Stimme war seltsam, ernst und doch lebhaft, zugleich traurig und doch schön, wie eine Perle.
"Wer seid Ihr und was wollt Ihr von mir?"
Sie kannte einen seiner Namen, also sollte sie ihm auch den ihren verraten.
"Ich bin Aktaia, die Nymphe der Küste. Deine Nymphe sollte ich sein Círdan, dich geleiten, wie so viele von uns so viele von euch geleiten, wie es einst vorherbestimmt war, ehe die Schatten deines Herrn mir die Bindung verwehrten."
Der Kapitän hatte davon gehört, es einmal sogar miterlebt. Das Waldläuferritual war in einigen der alten Bücher beschrieben worden, die ihm Benjen zu lesen gegeben hatte. Yared erinnerte sich noch gut an den Abend von Orthegos Ritual, den Abend in Beria, als die Ratte zu ihm gekommen war.


"Ich vernahm, du suchst nach deiner Nymphe. Ist es wirklich so schwer die Nymphen unserer Zeit zu erkennen?"

Das hatte er an diesem Tag zu hören bekommen. Welch bittere Ironie war das? Warum hatte er das süffisante Lächeln der Ratte nicht früher richtig gedeutet. Vielleicht hätte er sie retten können, Núri, vielleicht ihre Mutter Saoirse, vielleicht sogar Benjen? Vermochte er selbst überhaupt sich zu retten? Würde er selbst vergehen, wie all die anderen, die auf der Klippe ihre letzte Ruhe gefunden hatten? Wer würde nach ihm kommen? Nach ihm das Leben der Ratte sponsern? Nach ihm nach allen regeln der Kunst gerupft und ausgenommen werden? blieb ihm jetzt nur noch Tod und Schmerzen zu erwarten?
Irgendwo in sich verspürte Yared traurigen Respekt für dieses Possenspiel, für all das, was die Ratte ihm angetan hatte. Nicht viele hätten Yared, den Ältermann, den Waldläufer, den Soldaten, den Seefahrer, den Philosophen so vollständig besiegt.
Vielleicht war er nicht weise genug, um sich selbst als Philosoph zu bezeichnen. Möglich, dass diese Selbstüberschätzung bezeichnend war, bezeichnend für ein Leben das bald vom Antlitz dieser Welt getilgt sein würde.
Der Sappeur, der Deserteur, der Wanderer war zu müde um in sich zusammenzusinken. Er schleppte sich durch eine Gedankenwelt voller Resignation, Gepflastert mit Stimmen die ihm zu riefen, dass es aus war.
Doch dann machte das alles einem alten Befehlston Platz. Yared musste grinsen, so wenig er das wollte, als er Taviks Gesicht vor seinem innern Auge auftauchen sah.


„Eine reine Zumutung für alle Gesellen hier in der Taverne, die sich des Lebens erfreuen, dich Trauerklos ertragen zu müssen. Du bist hier unter Freunden, Gefährten und Brüdern. Bei Adanos, Yared, ich schwör’s dir bei Adanos, wenn du dich jetzt betrinkst und mich ignorierst, landest du vor der Taverne im Dreck.“

Tavik hatte es immer gewusst, gewusst, wie man mit Niederlagen umzugehen hatte.
Der Sippenführer fand wieder den Weg aus seinen Gedanken zu Aktaia. Lange sah er ihr in die traurigen Augen. Sie waren wie ein Liebespaar, das nie die Möglichkeit gehabt hatte auch nur ein Wort zu wechseln, einen Blick auszutauschen. Die Ratte hatte nicht nur ihm, auch ihr viel genommen. Dann fasste er sich.
"Was muss ich tun?"

Raad
18.05.2012, 23:51
„Was interessiert uns der Appetit der Piranhas. Wir treten seinen Kopf einfach so lange unter Wasser, bis er nicht mehr zurückkommt. Und ein wenig an ihm Rumknappern werden sie ja doch.“, der Schwarzhaarige grinste. Er glaubte kaum, dass die Fleischfresserfische derart wählerisch seien. Obschon… „Wahrscheinlich stören sie sich eher an den langen, borstigen Haaren…“, schon Raad hinter.

Der Ork starrte ihn finster an. Als seine Tränen waren versiegt. Wie sollte er auch noch welche finden, wenn er merkte, dass diese ihm sowieso nichts nützten. „Morras seien frech. Dabei seien Morras wie Fliegen. Immer schwirren um einen und nerven mit dämlichen Gesummen. Aber man euch hauen einmal auf Kopf und ihr fallen um.“, schimpfte der Schamane und wackelte dozierend mit dem Zeigefinger, „Sollten froh sein, dass so viel geballte Weisheit euch begleiten. Die Leben, die ich schon gelebt, seien ungezählt. Können euch viel erzählen über die Welt. Euch Lehren die höheren Sphären zu erkennen. Und euch vor dummen Entscheidungen bewahren, sollten ihr wieder wollen mit Geist paktieren.“

„Genau. Ganz meine Rede. Du kannst viel erzählen. Besonders wenn der Tag lang ist.“, erwiderte Raad trocken und zuckte mit den Schultern, als der Ork den Mund öffnete, ihn wieder schloss und missmutig die Arme verschränkte, indes sein Körper kurzzeitig heftig wackelte. Das gesamte Boot begann in Folge dessen wie ein Blatt im Sturm zu schwanken.

Raad seufzte genervt und versuchte sich dagegen zu stemmen. Der Nordmann tat es ihm gleich und mit etwas Glück gelang es ihnen, nicht zu kentern. Auch, weil der Ork so gnädig war, und sein Gezappel einstellte. Wahrscheinlich hatte er sich im letzten Augenblick daran erinnert, dass er nicht schwimmen konnte oder Wasser seinem stinkenden Teint schaden würde.

„Am Ufer Setarrifs gibt es eine Höhle. Irgendwo zwischen den Klippen. Dort sollten wir ihn hinbringen.“

„Nicht akzeptabel dies seien.“, donnerte der Ork mit tiefer, aufbrausender Stimme.

„… Was willst du dann?“

„Ich seien anständig genug, dass ihr euch nicht brauchen schämen für mich. Euer niederer Rasseneigensinn seien unanständig. Ich nicht diskremenoren euch.“

„… Ja… genau. Wir sollen dich also in die Stadt schleppen. Und da schauen wir dann zu, wie die Meute dich zerfleischt?“

„Nein. Ihr passen auf, dass mir nichts passieren. Haben ich auch getan, als ihr seien in Grab gekommen.“

„Und wo willst du dann hin?“

„Suchen mir eine bleibe. Einer von euch. Wenn nicht ich bleiben bei einem von euch. Aber nicht bei Nordi. Je mehr wir segeln, desto mehr irgendetwas schwirren durch seien Kopf. Haben noch andere Geister. So viele Geister in Kopf. Oder seien wahnsinnig. Nicht wissen, was er für haben machen da getan.“

„Das kannst du vergessen.“, protestierte der Leiter, „Ich schleppe dich nicht zu mir in die Akademie.“

„Akademie. Klingen nach großem Gebäude.“, nun war es am Ork zu grinsen.

„Verfluchtest Biest…“, stöhnte Raad.

Yared
22.05.2012, 20:32
Manchmal musste man sich wohl in die Nesseln setzen. Yared bückte sich und widerstand dem sengenden und juckenden Drang seine Hand aus dem Büschel Brennnesseln zu ziehen, welches er pflücken durfte. Aktaia brauchte das Kraut, um ihrem gemeinsamen Ziel näher zu kommen.
Der Kapitän wickelte die Nesselblätter in ein recht dreckiges Tuch. Dann rieb er sich die gereizten Haut, während er einem schmalen staubigen Pfade durch die hohen Kiefern, die hier oberhalb der Küste die Hänge bevölkerten, zurück zu der Stelle mit den Knochen und dem seltsamen Baum folgte.
Normalerweise hätte er sich auf derlei Wanderungen Gedanken über seine Zukunft gemacht, aber es war nicht sicher, ob er überhaupt lange genug leben würde, als dass sich das lohnen mochte. Auch Aktaia hatte er gesagt, dass er bereit war dieses Leben einzusetzen, das sowieso schon im Begriff war, ihm aus den Händen zu gleiten. Was hatte der Sippenführer schon zu verlieren?
Aber konnte er überhaupt gewinnen, wenn er sein Leben jetzt schon als verwirkt ansah? Litt er an mangelndem Selbstvertrauen? Wenn Yared ehrlich zu sich selbst war, mochte das hin und wieder der Fall sein, - er besaß kein so dickes Fell wie beispielsweise der fast schon stoische auf eine seltsame Art und Weise genügsame Arvideon - aber gerade fühlte es sich mehr an, als würde er unglaublich klar sehen, was sein Leben, seine Möglichkeiten und seine Chancen betraf.
Der Kapitän war überzeugt, es schaffen zu können, dem jahrhunderte alten Spuk der Ratte ein Ende bereiten zu können, auch wenn er nicht wusste, was Aktaia genau vor hatte und wie I nadhor sich gebärden würde.
Yared würde warten müssen, wie ein Bussard der in sanftem Gleitflug die Ratte am Boden beobachtete, bevor er aus heiterem Himmel auf sie nieder stürzen und sie zerfleischen würde.

Halt, was dachte er da eigentlich? Normalerweise lagen ihm derlei Gedanken doch eher fern. Hatte ihn diese Situation so verändert? Hatte die Ratte durch ihr Handeln in ihm ein Monster erschaffen?
Wenn Yared sich recht entsann, stimmte das nicht ganz. I nadhor war zwar im übertragenen Sinne dafür verantwortlich, dass er Dinge getan hatte, auf die er gewiss nicht stolz war und wegen derer ein lächerlicher Abklatsch seines Konterfeis nun die Stadttore des myrtanischen Großreichs in brüderlicher Eintracht mit denen anderen Schwerverbrecher zierte, aber er hatte schon früher kalt, berechnen und mit aller härte agiert und reagiert.
Wenn er sich an die Wälder von Montera während der Orkkriege erinnerte, wenn er sich auf so manchen Kampf in seinem Leben, so manche Schlacht zurück besann, an der er teilgenommen, die er mit geplant hatte. Orks und Menschen hatte er erschlagen, oftmals zur Selbstverteidigung, oft für ein Vaterland, das schon lange nicht mehr das seinige war. Nicht, dass er nun plötzlich aus heiterem Himmel von der Gewalt abschwören wollte, - er lebte in einer rauen Welt und war Realist genug - aber irgendwo musste es mehr geben, als nur die Grenzen seines Gewissens.
Fressen und gefressen werden, das war irgendwo genauso das Motto des Waldvolkes, wie Leben und Leben lassen. Das Waldvolk suchte keinen Streit, aber was seine Ziele anbelangte war auch das Volk das den alten Pfaden folgte nicht frei von Ambivalenz, von Widersprüchen. Das Leben mochte aus Widersprüchen bestehen und der Schutz von Natur und das Miteinander der Lebewesen mochten wichtig für ein Gleichgewicht und die Erhaltung der Welt sein, doch, so musste sich Yared fragen, war das sein Pfad, auf dem er da einher schritt?

Die Naturgeister der Tiere waren nicht besser als die Menschen. Sie waren zerstritten, wie Fürsten, voll Arglist und Animositäten.
Natürlich gab es im Waldvolk Brüderlichkeit, wie sie ihm Dekker oder Tavik vorgelebt hatten, Respekt, wie er ihn von Jarvo kannte, Vorzüge wie Freiheit, die wohl der seltsame Meister Ornlu am besten verkörpern mochte, und auch viele die ehrenhaft lebten, wie Ryu. Aber wo bei den höheren Zielen derer, die das Volk der Wälder letztendlich wie Bauern auf einem Schachbrett nutzen und manchmal auch verheizten, interessierte sich jemand für die Menschen?
Selbstsucht gab es genug. Solidarität und Zivilisation wollte und konnte Yared seinen Brüdern und Schwestern im Geiste nicht absprechen. Aber wo war der Naturgeist der Menschen? Tier hatten ihre Fürsten, wie die Ratte, den Herrn des Waldes, den garstigen Lurkerwurm von Tooshoo oder tausend andere. Die Pflanzen und Orte der Welt die Nymphen. Die Menschen? Kümmerte sich überhaupt jemand um ihr Gedeihen? Oder galt hier die alte Formel: Unkraut wird schon nicht vergehen?
War es Mutter Natur selbst, die für sie sorgen würde? Nein, das ganze funktionierte nach einem Konzept. Irgendjemand hatte da seine Finger im Spiel. Es musste jemand geben, der die Weltordnung bestimmte, das war eine von Yareds Grundüberzeugungen.
Innos und sein dunkler Bruder waren das bestimmt nicht. Die stritten nur wie die Naturgeister um den größten Anteil am Kuchen.
Also blieb im Reigen der transzendenten Mächte, die sich der Welt und Yared offenbart hatten nur noch Adanos übrig. Das machte Sinn.
Aber machte es dann einen Unterschied, auf welche Seite der Waage man sich schlug? Die Welt war in stetigem Wandel und, wie Arvideon einmal erzählt hatte, hatte Adanos von ihm nur und einzig seine Existenz gefordert. Die Existenz von Menschen war wichtig. Wie diese Existenz aussah war wichtig, wichtig für die Menschheit.
Yared hatte lange genug den zwielichtigen Zielen der Ratte gedient. Er würde sich seine Ziele in Zukunft wieder selbst setzen, wie er es einst nach seiner Desertion getan hatte.
Ja es war den damaligen Ereignissen nicht unähnlich. Er übte Verrat an der Ratte.
Ob der Kapitän danach überhaupt würde ins Waldvolk zurückkehren können, wusste er nicht. Doch spürte auch er nun tief in sich die Gewissheit des Wassergottes, dass seine Existenz sinnvoll und sein Wirken wertvoll war.
Und sein erstes Ziel war, zu verhindern, dass je wieder ein Mitglied des Waldvolkes durch I nadhor zu schaden kam - dafür zu sorgen, dass er überlebte. Und dann würde er daran arbeiten, dass das Waldvolk gedeihen würde, wie er es schon als Lagermeister in Silden getan, wie er es ursprünglich mit der Gründung einer Sippe vorgehabt hatte. Das war es, was Yared tun wollte.
Nur wusste er noch nicht, wie sich das letztendlich ausgestalten sollte ...

Gwydion
26.05.2012, 10:25
Düster war es in der Bilge unten. Düster und feucht. Man hatte das Gefühl, als wäre irgendwo ein kleines Leck, ein Riss vielleicht nur, aber durch diesen trat vielleicht Wasser in das Schiff ein, dass es einen oder zwei Zentimeter hoch hier unten in dem mobilen Verließ stand.
Gwydions Augen hatten sich an die Dunkelheit ein wenig gewöhnt. Dennoch, wo kaum Restlicht blieb, kam er mit seinen menschlichen Augen nicht weit. Dann lieh er sich die Augen und Ohren einiger kleinerer pelziger Mitbewohner. Das fiel ihm nicht leicht, er war geschwächt und seine Hände in Handschellen, zusätzlich noch an einer Kette an der Bordwand befestigt, hinderten ihn daran allzu große Gesten auszuführen. Seine Magie war geschwächt. Sie fühlte sich an, als wäre sie nur noch ein Zehntel dessen, was sie vor wenigen Wochen noch gewesen war. Mehr als alles andere, mehr als die Erschöpfung, den Schmerz in seinen Knochen, spürte er die Abwesenheit des Druidensteins. Als wäre ein Loch an der Stelle, wo er sicher an einem Lederband um seinen Hals gehangen hatte. Und stetig pfiff ein scharfer, kalter Wind durch dieses Loch.

Er hörte die schweren Stiefel einer Wache auf dem Gang näher kommen. Lichtschein begleitete die schweren Schritte, kam näher und blendete ihn schließlich, als die Wache in dem Türbogen stand, der in die Bilge führte. Die Wache sprach kein Wort, warf nur eine Schüssel vor Gwydion, dessen Inhalt dabei zur Hälfte über schwappte. Immer noch wortlos marschierte die Wache zur Bordwand und löste dort die Kette, so dass der Gefangene seine Hände herunter nehmen und nach der Schüssel greifen könnte. Die steifen Handschellen würden das Essen schwierig machen, in einer Hand die Schüssel in der anderen den Löffel, aber es würde gehen.
Gwydion nahm die Hände herunter. Seine völlig verspannten Schultern schmerzten ungemein, aber ein wenig ließ der Schmerz endlich nach. Er starrte seinen Bewacher an, der die Laterne an einen Haken gehängt und sich auf einem Hocker nieder gelassen hatte, die Hand am Griff seines Schwertes.
„Friss!“, brummte er.

Das Schiff hob und senkte sich. Der Wellengang wurde etwas stärker draußen, doch nicht ungewöhnlich stark. Die Wache verlagerte ihr Gewicht auf dem Hocker kurz, um etwas stabiler da zu sitzen. Noch einmal zeigte sie auf die Schüssel.
„Los. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit!“, bellte der Mann in der Rüstung der Innosdiener.
Mit langsamen, vorsichtigen Bewegungen, griff Gwydion nach der Schüssel mit der einen Hand, so, dass die andere so gut es ging von der Schüssel verdeckt war. Die verdeckte Hand streckte den Zeigefinger aus. Der Druide konzentrierte sich, so gut es ihm möglich war. Kleine Schemen bewegten sich auf den Hocker der Wache zu, während Gwydion schließlich so tat, als würde er den Brei aus der Schüssel löffeln. Er löffelte und wartete.

Schließlich ertönte ein Knacken. Die Wache sah sich um, zuckte schließlich mit den Schultern. Wahrscheinlich dachte der Innosler, dass es das normale Knarzen der Planken im Seegang war. Wieder knackte es, schließlich war das Geräusch von splitterndem Holz zu hören. Unter dem Gewicht der Wache brachen zwei Beine am Hocker, eine große Welle schließlich warf den Mann von seinem Sitzplatz, der unter ihm nachgab. Später würde man an den Beinen des Hockers Rattenbissspuren finden. Gwydion nutzte die Gelegenheit, warf dem Mann noch die Schüssel mit dem Brei hinterher, sprang auf und hechtete durch den Türbogen in den Laderaum. Hektisch sah er sich um, im Licht der Laterne, die gerade noch hier hinaus fiel.
Seine Schritte trugen ihn weiter, so schnell er konnte, zur Treppe, die nach oben führen würde. Doch statt sie zu nehmen, versteckte er sich in dem dunklen Raum darunter, hinter einer Kiste, die dort verstaut war. Schon hörte er das Fluchen der Wache, die näher kam.

„Mist, verdammter! Wo ist der Kerl hin?“, knurrte der Mann.
Gwydion schloss derweil die Augen. Er musste sich konzentrieren und hoffte, dass er in dieser Zeit nicht entdeckt würde. Es war schwer, unheimlich schwer die nötigen Kräfte aufzubauen. Er machte kurze Atemübungen und bewegte schließlich die gebundenen Hände immer wieder vor seinem Körper auf und ab, als würde er sich einen Umhang von oben nach unten über den gesamten Körper werfen wollen. Immer wieder formten seine Lippen lautlos ein magisches Wort. Am Rande nahm er die Schritte der Wache wahr, zu der sich weitere gesellten. Sie würden sein Versteck bald finden.

Endlich, nach einer Zeit, die ihm wie eine halbe Ewigkeit vorkam, veränderte er sich. Sein Körper schrumpfte, die Knochen seiner Arme und Hände verschoben sich. Schließlich konnte er seine Finger fast wie einen Fächer zusammen falten. Die Handschellen fielen von ihm ab und seiner Kleider, aus deren Haufen er sich erst hervor kämpfen musste. Seine Füße waren Krallen geworden. Er schüttelte sein Gefieder. Unter der Treppe in dem Schiff der Innosler im Schatten noch unbemerkt stand ein kleiner Merlinfalke, wo vorher ein Mann gesessen war.

Mit einem hüpfenden Gang bewegte sich der Falke aus dem Versteck und hoppelte schließlich die Treppe nach oben. Von dort kam Tageslicht hinunter in den Lagerraum.
„Hey! Was… da!“, hörte er schließlich hinter sich, „Fangt das Vieh ein!“
Der Falke hüpfte schneller, kam schließlich an Deck an. Irgendetwas in ihm sagte, dass er noch nicht gehen konnte. Dass er noch etwas suchen und finden müsste. Aber alle seine Instinkte rieten ihm zur Flucht. Er sah einige Seeleute und Männer in diesen komischen Rüstungen und Uniformen mit rot. In einem früheren Leben hätte er gewusst, was sie genau bedeuteten. Im Moment bedeuteten sie für ihn Gefahr.

Noch blickten sie ihn verwirrt an. Der Falke schlug seine Flügel, doch er kam zunächst nicht weit, nur bis auf die Reling. Der Seewind zerrte an seiner kleinen Gestalt und um ein Haar hätte es ihn von der Reling hinunter in die nächste hohe Welle geweht. Das Tier drehte sich um, wo ein Aufbau auf dem Schiff war. Eine Tür führte hinein, die gerade geöffnet wurde. Dort drinnen war irgendetwas, ohne dass er eigentlich nicht gehen durfte.
„Schnell! Fangt ihn ein!“, rief einer der Männer, die im Lager bereits umher gestiefelt waren.
Was war es… was war es, das ihm fehlte? Ohne dass er nicht fliehen durfte? Es war wichtig und es war auf diesem Schiff.
Der Falke sah ein Netz auf sich zukommen. Mit einem spitzen Schrei hob er sich in die Lüfte und flatterte unbeholfen zum Mast hinauf. Es war eine unheimliche Anstrengung, aber schließlich landete er auf dem Querbalken, der das Segel hielt. Unter ihm sah er lauter Zweibeiner, die wild gestikulierend auf ihn deuteten. Schließlich machte sich einige daran den Mast zu erklimmen, mithilfe eines großmaschigen Netzes. Er musste gehen. Er würde nie an ihnen vorbei in diesen Raum kommen, wo das wichtige Ding lag.

Der tierische Instinkt übernahm schließlich die Führung. Mit einem Satz stieß sich der Falke vom Mast ab. Und sank. Er sank dem kalten blauen Meer immer weiter entgegen, bis ihn eine Windböe ergriff und wieder nach oben trug. Dort vor ihm konnte er die Küste einer Insel erkennen. Der Falke wusste es nicht, aber dies war die Westküste Argaans. Etwas in ihm sagte, dass er ihr nach Süden folgen und dann etwas weiter ins Landesinnere müsste, dann würde er sicher sein.

So ließ er das Schiff der Männer in roten Uniformen hinter sich, auch das Ding, das so wichtig war und flog dorthin, wo er meinte sicher zu sein.

Yared
03.06.2012, 22:12
Gewaltig und tief blau ballten sich Wolken über der See am Himmel zusammen. Blitze zuckten am Horizont und erhellten die Nacht, ohne das Donner zu vernehmen war. Dennoch herrschte keine gespenstische Stille. Die Nacht war schon weit vorangeschritten und mittlerweile erfühlt vom Heulen des Windes und dem Gezwitscher vieler früher Vögel, die sich, so schien es, nicht von der Finsternis oder dem trockenen Wetterleuchten beeindrucken ließen.
Auch regnete es nicht. Der Lehmboden, auf dem der Sippenführer, die Küstennymphe und die provisorische Herdstelle standen, war ausgedörrt und brüchig von sonne und Hitze der letzten Tage. Einzig und allein die Blitze und der auffrischende Wind mochten die Schatten zu umreißen, die das heraufziehende Unwetter über die Küste warf
Yared verzog angewidert das Gesicht. Selbst einem gestandenen Sappeur, der es durchaus gewöhnt war im Schweiße seines Angesichts durch Scheiße zu waten oder zu kriechen, konnte bei dem Gebräu übel werden, welches die Nymphe da ansetzte. Die Brennnesseln waren wohl das Harmloseste im gesamten Gemisch, dass in dem rostigen Kessel aus dem Wrack der Issilia vor sich hin köchelte und dabei dicke bräunliche, schleimige Blasen warf.
Ob das Schlimmste nun die zerriebenen Knochen des Geistes seines Ziehvaters Benjen, die vergammelten Pilze oder das frische Herz eines Lachses war, den Aktaia mit bloßen Händen aus dem Meer gezogen hatte, darauf wollte sich Yared nicht festlegen. Immerhin war es sehr imposant gewesen zu sehen, wie lange die Nymphe unter Wasser bleiben und wie schnell sie schwimmen konnte. Daneben nahmen sich weitere Ingredienzien, wie feine Erde und verschiedene Wurzeln und Blätter - die meisten kannte der Waldläufer nicht mal vom Sehen - , sehr harmlos aus.
Aktaia rührte unentwegt in dem Topf. Die junge Nymphe bemerkte den skeptischen Blick des Schiffsbauers.
"Manche nennen es ein Geschenk. Für viele ist es ein Fluch. Nicht wenige sterben."
Und Arvideon dachte immer der Tod sei unausweichlich, würde der kleine Wandermönch jetzt bestimmt mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht einwerfen.
"Die Wissenden nennen es den Geist der Hüter."
Der Geist des Waldes ... Yared hatte davon gehört und gelesen. Es handelte sich um die Beseelung eines Waldläufers durch einen Geist der Natur. Aber geschah so etwas nicht üblicherweise durch den Tiergeist des Erwählten? Sein Totem war dasselbe wie das seiner Sippe, die Ratte.
"Die Ratte wird wohl kaum ihre Kräfte zur Verfügung stellen, Aktaia.", unterbrach er die Nymphe.
"Das ist nicht nötig. Die Verbindung mit einem Tiergeist mag zwar die am weitesten verbreitete Art der Hüterbindung sein, doch ist sie keinesfalls die einzige.", entgegnete sie mit glockenheller Stimme.

Yared
03.06.2012, 23:39
Der Sud war ausgekocht. Die Nacht noch immer nicht zu Ende.
Yared wuchtete den verbeulten Kessel vom Feuer. Dann sah er hinüber zu Aktaia die einen Ritualdolch aus ihrem Gewand nahm und ihm bedeutete die Arme auszustrecken.
"So lass uns die feierlichen Worte sprechen, die Taten für uns sprechen lassen, wie sie seit Alters her gebräuchlich sind zwischen Hüter und Geist."
"Ich hatte gedacht, dass die meisten Hüter durch einen Kampf gegen den Geist an ihre Fähigkeiten kommen, so stand es zumindest immer in den Überlieferungen.", unterbrach er ihre schwülstiges Gerede ohne eine Miene zu verziehen und das Gesagte damit ins Lächerliche zu ziehen.
Sie musste lächeln.
"Das stimmt. Aber ich biete dir diese Kräfte aus freien Stücken, ohne Zwang, denn ohne sie wirst du die Ratte kaum bezwingen können. Deinen Kampf wirst du noch früh genug bekommen, Círdan."
Yared nickte und ließ sie fortfahren.
Aktaia tränkte das Messer der Brühe. Dann fasste sie seine Rechte, bevor sie unglaublich schnell die Klinge anlegte und ihm etwas oberhalb der Hälfte des Unterarms einmal ringförmig die Haut einschnitt. Der Kapitän biss die Zähne zusammen. Das offene Fleisch brannte. Blut tropfte nach unten in den Kessel und tauchte zischend in den heißen Sud.
"Yared, Sohn der Wüste, Sohn Gelderns, Sohn der Sippe der Ratten, bist du bereit die letzten Bande deiner Abkunft hinter dir abzubrechen?"
"Ich bin bereit.", presste er zwischen seinen Zähnen hervor.
"Yared, Oberhaupt der Sippe jener die I nadhor, der Ratte folgen, bist du bereit deinen Treueschwur zu brechen? Bist du bereit das Band zwischen dir und deinen Brüdern und Schwestern im Schwur zu trennen? Entsagst du der Ratte und eurem Bund?"
"Ich, Yared, entsage!"
Der Kapitän schrie es fast. Seine Rechte schien plötzlich heiß und geschwollen. Auf seiner Handinnenfläche breitete sich entlang der Wunde, die ihm Lyrca bei seinem ersten Besuch auf Feshyr zugefügt hatte, eine Entzündung aus. Sein Atem ging schwerer.
"Der, der du Círdan, der Bauer großer Schiffe, der Läufer der Meere genannt wirst, nimmst du die Gabe der Mutter, die Rechte, die Pflichten, die Stärke eines Hüters an?"
Er konnte nur krampfhaft nicken, während der pochende Schmerz immer stärker wurde und sich durch seinen Arm und sein Hirn fraß.
"Sag es!"
Aktaia kreischte fast.
"Aye!", keuchte Yared.
Kalter Schweiß lief ihm über Stirn und Rücken. Sein Gesicht war bleich. Der ehemalige Sippenführer zitterte am ganzen Körper.
Aktaia packte seinen malträtierten Arm. Die verheilte Schnittwunde in seiner Hand platzte auf und scheinbar riesige Mengen dickflüssigen dunkelgrünlichen Eiters traten hervor. Yared konnte sich nicht mehr zusammenreißen und schrie vor Schmerzen.
Genau in diesem Augenblick riss die Nymphe die Rechte des Kapitäns hinunter und stieß sie in die dampfende heiße Brühe im gusseisernen Topf.
Yareds Herz, so schien es, setzte für einen Moment aus. Seine Lungenflügel pressten sich zusammen, bis keine Luft mehr in ihnen verweilen konnte. Sein Rachen brannte und seine Augen traten hervor, bevor er zu einem erstickten Schrei ansetzte, den niemand hören konnte.
Der Geruch von verbrannten Fleisch erreichte seine Nase, doch er spürte nicht, wie sich die Haut von seiner Rechten lösen musste. Vielleicht lag es an den zuvor verspürten Schmerzen der eitrigen Wunde, die sein Hirn nicht zu unterscheiden vermochte.
Der Kapitän schloss die Augen.

Yared
03.06.2012, 23:56
Kurz darauf öffnete er sie wieder. Irgendwie hatte sein Geist einen Teil der Schmerzen abzuschütteln vermocht.
Vielleicht halluzinierte er aber auch nur, denn nun meinte er zu sehen, wie der ganze Sud aus dem Kessel in die Wunde seiner Hand gesogen wurde.
Der ringförmige Schnitt um seinen Oberarm verschloss sich und nur ein heller Ring neuer Haut blieb als Zeichen seiner Tortur.
Yared zog die Hand aus dem Kessel. Die Schnittwunde war zu und schien verheilt, wie seit Monden. Kein Fetzen verbrannter Haut wollte sich zeigen oder zurückbleiben. Der Kessel war leer.
Zitternd wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Dann fiel sein Blick auf die Nymphe die zusammengekauert auf dem Boden lag.
Auch sie zitterte, wimmerte unter Krämpfen. Immer mehr wunden brachen an ihrem Köper auf und brachten eben jenen Eiter zu Tage, der auch aus seiner Hand geronnen war.
Eilig drehte der Waldläufer sie auf die Seite. Es musste doch einen Weg geben, ihr zu helfen.
Ihr Blick war fiebrig, doch sie lächelte.
Dann bewegte Aktaia ihren Mund. Yared führte sein Ohr an ihre spröden Lippen.
"Wähle den Ort und Rufe die Ratte, wie es nur die tun die ihre Sippe führen.", sagte sie.
Dann erschlaffte ihr Körper. Der Kapitän fühlte nach ihrem Herzen, doch es schlug nicht mehr. Die Nymphe war von ihm gegangen.
Yared fühlte eine Leere in sich. Er hatte das nicht gewollt und jetzt vermochte er nicht mal eine Träne der Nymphe zu Ehren zu verdrücken.
Sie musste es gewusst haben, musste gewusst haben, wie es ausgehen würde, was nötig war, um ...
Da spürte er es.
Eine Kraft schien von ihrem Leib durch den Boden durch seine Finger und Arme hinauf zu kriechen, erst langsam, dann immer schneller und schließlich fühlte es sich so an, als wolle sie ihm regelrecht durch die Blutbahnen in die Brust zu schießen.
Überwältigt kippte er einfach um.

Yared
05.06.2012, 01:25
Die Wolken, die sich wie ein ungleichmäßiger Schleier über die volle Scheibe des Mondes legten, ließen das finsteren Firmament gelblich und grünlich erglühen.
Yared stand neben dem Grabhügel, den er über dem leblosen Körper Aktaias aufgeschichtet hatte. Nur zu gerne hätte er, wie nach alter waldvölkischer Sitte einen Baum darüber gepflanzt, doch wusste er nicht, welche Art Samen zu der Nymphe passte und ob er ohne den Segen eines Druiden oder Sehers überhaupt gedeihen würde. Aber so wollte er das Grab auch nicht hinterlassen.
Der Kapitän wandte sich einer der nahe stehenden Kiefern zu und versuchte im halbdunkel des verdeckten Mondes einen herab gefallenen Samen des Baumes zu erheischen. Seine Finger strichen tastend durch Staub und bräunliche Nadeln. Dann, noch bevor er einen Samen ertastet hatte spürte er ein spitzes Ziehen in einem seiner Finger. Der Hüter musste sich an einer der vertrockneten Kiefernnadeln gestochen haben.
Er hob die Hand nah vor sein Gesicht, bei dem Versuch die Nadel, die noch flach in seiner Haut steckte, im fahlen Licht des bedeckten Himmels auszumachen. Sie schien tiefer gedrungen zu sein, als gedacht.
Als er versuchte, sie zu entfernen, fühlte er, dass sich die umgebende Haut verändert haben musste. Sie war spröder, nicht mehr so elastisch wie noch wenige Augenblicke zuvor - irgendwie fühlte sie sich an wie Rinde einer Kiefer.
Yared erschrak zunächst als seine ganze Linke bis hinauf zur Mitte des Unterarms heftig zu pochen begann. Der Sappeur versuchte seine Finger und das Handgelenk zu bewegen, die den Anschein erweckten, immer steifer zu werden.
Seine linke Hand samt Unterarm war nun vollständig von einem Panzer aus Rinde umgeben, soweit sich das in dem Halbdunkel feststellen ließ.
Das musste eine Auswirkung des Rituals und der Kräfte Aktaias sein. Doch warum sie sich gerade jetzt zeigten, konnte Yared noch nicht recht einordnen. Er konnte nur vermuten, dass geübte Hüter ihre Kräfte wohl bewusst einsetzen konnten. Aus den Überlieferungen wusste er, dass Neulinge in diesem Fach ihre Kräfte häufig dann freisetzten, wenn sie unter Stress standen, aber auch, dass man ganz leicht von den Kräften überwältigt werden konnte - vor allem bei Tiergeistkräften war das keine Seltenheit. Es gab da diese Legende von einem Hüter, der in alter Zeit von seinen unkontrollierten Kräften übermannt Frau und Kinder umgebracht hatte. Welch ein Glück, dass hier ringsum keine Menschenseele war.
Der Kapitän dachte immer noch darüber nach, wie sich seine Hand wohl verändert haben sollte. Vielleicht war es auch einfach eine Überreaktion auf den Empfang der Kräfte. Eventuell reagierten sie nur so voreilig, weil sich Träger und Geist noch aneinander gewöhnen musste.
Andererseits konnte er diese Sensibilität auch ausnutzen. Die natürliche Reaktion konnte ihm gegen die Ratte behilflich sein. Dann musste er sich aber jetzt beeilen, denn wer wusste schon, wie lange die gerade offensichtlich noch recht unkontrollierbaren Kräfte sich erschöpfen würden, bis er sich würde ausruhen und regenerieren müssen.
Noch einmal wandte sich der Waldläufer zum Grabmal seiner Nymphe und empfahl sie der Mutter und den Dreien an, dann verließ er die Lichtung Richtung Strand.

Yared
06.06.2012, 02:22
Die auf den Strand auflaufenden Wellen umspülten Yareds Füße. Der Kapitän stand in der Rechten das gezückte Wächterschwert, die hölzerne Linke, soweit es ging, zur Faust geballt, mit dem Rücken zum Mond, der sich zumindest vorerst aus dem Netz der tiefschwarzen Wolken hatte befreien können und nun die Szenerie in ungewöhnlich helles Licht tauchte.
Er war so bereit, wie man in seiner Situation nur sein konnte. Bereit dem Spuk ein Ende zu setzen. Fehlte nur noch die Ratte.
Der Waldläufer, der seiner Sippe abgeschworen hatte, intonierte die Anrufung seines Patrons und Parasiten:


"Ich rufe dich.
Ich rufe dich Höhennebel in den Tiefen,
rufe dich Spielmann, der den Vollmond besingt.
Ich rufe dich I nadhor,
denn ich bin jener,
welcher die Nebel und Schatten durchschritten hat,
welcher im Glanze des Vollmondes dem Spielmann folgte,
über Berge und durch Täler.
Ich war I býr en nedhyr
und ich rufe dich Geist der Ratten."

Der Wind frischte auf. Die Palmen bogen sich unter den stärker werdenden Böen. Blätter raschelten. In der Ferne vermochte man immer noch die lautlosen Blitze am Horizont zu erkennen.
"Warum hast du mich gerufen, Verblassender? Sind es feige Rachegelüste? Soll ich dir beim Dahinsiechen in dieser Sphäre fern von den Gestaden Adanos' zusehen?", fragte die Ratte in der alten Sprache des Waldvolkes herablassend.
Die hagere menschliche Gestalt I nadhors trat aus der Dunkelheit zwischen den Bäumen ins Freie.
Das antike Waldvölkisch klang immer etwas geschwollen, wenn man nicht gerade versucht war, jemanden vulgär aufs Ärgste zu verunglimpfen. In den roten Augen des uralten Naturgeistes blitze Bosheit, Verachtung, die Yared bislang so nie wahrgenommen hatte. Aus Sippschaft war Feindschaft geworden.
"Nicht um Vergeltung zu üben, sondern um deinem Treiben ein Ende zu setzten.", antwortete der Kapitän in der alten Zunge.
Die Ratte zog ein Langes Messer aus einer Scheide am Gürtel. Scheinbar verließen sich Naturgeister in Menschengestalt nicht nur auf Krallen und Zähne.
Yared ging ein wenig in die Knie um im Notfall besser nach hinten oder seitlich ausweichen zu können. Der Kapitän gedachte, seine mit Borke befallene Linke wie einen Schild einzusetzen, und hoffte nur, dass die veränderte Hautkonsistenz der Klinge der Ratte standhalten würde.
Vielleicht hätte er auch das Tageslicht abwarten sollen. Die Ratte konnte gewiss in der Dunkelheit besser sehen, als ein Mensch, aber immerhin leuchtete der volle Mond groß und weiß über ihnen den Strand aus.

Die Ratte ergriff die Initiative. Mit einem Ausfallschritt brachte sie ihre Klinge über seiner rechten Schulter herunter. Yared riss seine Linke Hand nach oben und lenkte das Messer an seinem Handrücken ab. Der Waldläufer drehte seine geschützte Hand um die Klinge mit steigen fingern zu ergreifen, in der Hoffnung den Gegner entwaffnen zu können.
Ein stechender Schmerz fuhr im durch die Handfläche. Offenbar war die Borke dort nicht dick genug. Yared konnte fühlen, wie die Ratte ihre Waffe aus seiner Hand zog und die blutende Wunde zu pochen anfing. Mist!
Immerhin musste die Ratte zurückweichen um den Schwung der aus seinem Griff befreiten Waffe abzudämpfen. Der Kapitän presste die Linke zur Faust zusammen und setzte mit dem Schwert nach.
Metall klang auf Metall. I nadhor hatte die Zeit genutzt um einen Parierdolch zu ziehen, mit dem er nun versuchte auf des Waldläufers Bauch einzustechen. Yared riss sein Schert in die Parade, während er das Messer der Ratte abermals von seiner Linken abprallen ließ, die er jetzt, als trüge er daran einen Schild, in der Waagerechten vor seinem Körper positionierte. Nur um sie gleich darauf hochzureißen und der hageren Gestalt des Naturgeistes in die Rippen zu boxen.
I nadhor keuchte. Ganz offensichtlich hatte eine menschliche Gestalt auch erhebliche Nachteile. Der Sappeur grinste kalt und setzte nach indem er mit dem Schwert auf die Dolchhand einhieb. Seine Klinge drang trotz des zur Parade herüber gerissenen Messers seitlich in den linken Daumen der Ratte ein. Sein Feind musste den Dolch fallen lassen, fauchte nur um dann seine krallenbewehrte Hand in den freiliegenden Oberschenkel des Kauffahrers. Hätte er einen seiner Schilde gehabt, hätte das nicht passieren können.
Yareds linkes Bein zitterte vor Krämpfen und war versucht unter ihm wegzuknicken. Sein Gesicht verzerrte sich vor Schmerz. Reflexartig krümmte er sich zusammen und drückte die Schwerthand auf die höllisch brennende Reißwunde. Dann sah er aus den Augenwinkeln wie die Ratte Anstalten machte ihre Klinge auf seinen Kopf niedersausen zu lassen. Schnell riss er die Linke nach oben, doch die Borke hielt nicht und die Klinge trat in seinen Unterarm ein.
In einer Verzweiflungstat drückte er das Wächterschwert in die Hüftgegend seines Kontrahenten. Die erzeugte Wunde blutete, schien die Ratte aber nicht sonderlich zu beeinträchtigen. Doch Yared nutzte die gewonnen Zeit, um sich einigermaßen aufzurappeln.

Yared
06.06.2012, 03:16
In diesem Moment setzte der Regen ein.
Dünne Tropfen prasselten auf den Strand und hinterließen im halbtrockenen Sand kleine Krater. Doch keiner der beiden Kämpfenden achtete darauf.
Die Ratte rammte ihr Langes Messer in den Boden und kam einzig mit dem Dolch, nun in der Rechten, auf Yared zu. Die Borke hatte sich mittlerweile schon leicht zurückgebildet. Die Kräfte schienen nachzulassen, je länger der Kampf dauerte. Aber vielleicht lag es auch einfach nur an einem Zeitlimit, das den Effekt der Verbindung mit der Kiefer terminierte.
Der Hüter hatte aber keine Zeit derlei Theorien nachzugehen und Testreihen durchzuführen. Die Ratte mochte sicher nicht der stärkste oder gewandteste Kämpfer unter den Naturgeistern sein, doch sie war erfahren, konzentriert und gerissen.
Yared hob das Schwert in Abwehrhaltung vor sich den nächsten Angriff abwartend. Der kam auch, aber anders als erwartet.
I nadhor schleuderte plötzlich mit der Linken, die Yared eigentlich längst abgeschrieben hatte, eine Hand voll nassen Drecks in seine Richtung. Die Intuition des Waldläufer konnte für einen kurzen Augenblick nur den Angriff, aber nicht die Art des Angriffes erahnen. Statt den Kopf wegzudrehen riss er das Wächterschwert reflexartig nach oben. Diesen Moment nutzte die Ratte. Blitzschnell teilte sich die Klinge des Dolches und verkeilte sich mit der Klinge von Yareds Waffe.
Die Ratte zerrte heftig am Schwert des Kapitäns, der verzweifelt versuchte den verklemmten Dolch abzustreifen, aber es gelang ihr nicht ihn zu entwaffnen. Welch ein Glück, dass I nadhor in seiner Linken keine Waffe mehr halten konnte. Andernfalls hätte er nun den Hüter in aller Seelenruhe abstechen können.
Das beständige Rütteln und vergleichsweise kraftlose Reißen des Naturgeistes zeigte Kaum Wirkung, als in Yareds Kopf ein Gedanke aufblitzte. Der Waldläufer ließ die Waffe beim nächsten gewaltsamen Versuch sie ihm zu entreißen einfach los. Die Ratte stolperte nach hinten und versuchte sich, von der fehlenden Gegenwehr aus dem Gleichgewicht gebracht, wieder zu fangen. Doch der ehemalige Sippenführer zögerte nicht und rammte seinem ehemaligen Totem die Fäuste, so gut es mit der schmerzerfüllten Linken eben ging, nach.
I nadhor rutschte auf dem nassen Sand aus und stürzte.
Genau in diesem Moment überkam der Geist des Waldes Yared.

Lautes Pochen übertönte alle Geräusche.
In wenigen Atemzügen schoss das Blut in Kopf und Glieder.
Kurzzeitig verschwamm ihm die Sicht. Dann sah er die am Boden liegende Ratte wie durch einen Tunnel. Eine machtvolle rachsüchtige Kraft übernahm seinen Körper und stürzte sich auf den gestürzten Feind.
Yareds Verstand bekam nur halb mit, wie er mit Händen auf den Naturgeist ein drosch, als hätte er Klauen. Mindestens drei Fingernägel brachen, doch sein Körper schien das nicht zu registrieren, während er der Ratte eine Wunde nach der andere in die Haut riss.
Er verspürte den Eisengeschmack von Blut auf den Lippen. Es war nicht seines.
Wage Erinnerungen und ein unersättlicher Hunger nach Blut durchzogen nun Yareds Raserei, während die Ratte panisch versuchte sich aus dem Griff des Wahnsinnigen zu befreien. Doch der kämpfte mittlerweile nur noch getrieben von unbändiger Wut ohne Rücksicht auf Verluste.
Der Waldläufer, oder was auch immer von ihm Besitz ergriffen hatte, krümmte den Buckel und bleckte die Zähne, bevor er selbige in den Hals I nadhors schlug.
Die Halsschlagader schleuderte ihm den warmen Lebenssaft entgegen, der mit gemeinsam mit dem restlichen Leben nun aus der Ratte entwich.
Schreie seines Opfers verklangen in einem krächzenden Gurgeln.
Gierig labte sich der Geist des Waldes an dem dunkelroten Nass seines Feindes.
Noch einmal blitzte wildes tierisches Verlangen in Yareds Augen auf, bevor er von dem sterbenden erschlaffenden Körper endlich abließ und in vollkommener Erschöpfung auf dem Strand zusammensank.
Die Augen der Ratten hingegen waren leblos und leer, als das letzte bisschen Leben im Sand versickerte.

Gor na Jan
08.07.2012, 13:14
Reflexartig packte der Gor Na den Kragen seines Umhangs, kurz bevor ein starker Windstoß ihn hinfort reißen konnte. Jan schnürte ihn erneut und zog ihn etwas fester zusammen, als er die Kälte bemerkte, die ihm in die Knochen gefahren war. Seit Stunden hatte er sich seinen Gedanken hingegeben, seit der Seemann, mit dem er sich zuvor in belanglosen Gesprächen verloren hatte, vom Grog aus den Schuhen gekippt war. Der Templer trank nicht. Er brauchte einen klaren Geist.

Seine Gedanken schweiften zurück. Nicht so weit wie sonst, sondern in die unmittelbare Vergangenheit. Er dachte an die Reise nach Gorthar, als er die Rothaarige auf ihrer Mission begleitet hatte und ließ ein leises Seufzen entfahren. Er war ihr keine besonders große Hilfe gewesen. Doch wer hätte ahnen können, dass ihn eine so banale Aufgabe wie die Suche nach alten Schriten dermaßen aus der Bahn hätte werfen können? Der Mythos der Klingenmystik... er hatte auch die Rothaarige fasziniert, doch ob sie geahnt hatte, welche Bedeutung eine solche Sage für den Templer hatte?

Er war mit seinem Leben und seiner Entscheidung zufrieden gewesen. Er blickte auf eine reiche Vergangenheit voller Abenteuer und Schlachten zurück und erkannte, dass er zu alt und seine Wunden zu gravierend waren, um an diese Zeit anzuknüpfen. Also widmete er sich der Suche nach der Perfektion des Kampfes. Er hatte geglaubt, das Wesen erfasst zu haben und sich nah an der vollständigen Einheit von Körper und Geist, von Krieger und Waffe zu befinden. Und jetzt hatte sich alles geändert. Die Existenz einer Gabe wie der Klingenmystik... einer Fähigkeit, die diese besondere Verbindung auf eine Ebene hob, die das normal Menschenmögliche überstieg...

Jan betrachtete die zusammengerollten Pergamente in seiner linken Hand. Er hatte der Rothaarigen die Bücher übergeben, die sie gesucht hatte. Doch nicht ohne zuvor selbst und mithilfe des fleißigen Archivars Abschriften von den wichtigsten Stellen gemacht zu haben. In Setarrif hatte er Abgeschiedenheit gesucht, um seine eigene Weisheit aus den Passagen zu ziehen, doch bereits früh war ihm klar geworden, dass er nur an einem Ort die Antworten finden würde, nach denen er suchte.

Und genau aus diesem Grund befand er sich auf diesem Schiff. Er hatte lange suchen müssen, um wieder an eine geeignete Überfahrt zu gelangen, doch endlich befand er sich auf dem Rückweg nach Gorthar und nach Quasar, um dieses Mal seine ganz eigene Reise anzutreten.

Noxus Exitus
10.07.2012, 21:34
An der Reling lehnend, fühlte er mit geschlossenen Augen die kalte, peitschende Seeluft gegen sein Gesicht schlagen und hatte das Gefühl, das Salz würde in seinen Augen brennen, so tief lag das kleine Schiff im Wasser. Trotzdem kamen sie sehr gut voran, das geringe Gewicht und der kräftige Wind pusteten sie geradewegs Richtung Khorinis. Beziehungsweise Richtung Myrtana, genauer gesagt zur Küste von Faring. Noxus hatte stundenlang debattiert, doch blieb der alte Seemann fest bei seiner sturen Meinung, er würde sie nicht im Minental absetzten. Allerdings bot er ihnen an, sie am Hafen von Khorinis abzusetzen.
Außerdem flüsterte er immer wieder etwas von einem Verrückten, den er dort abgesetzt hatte und sich sei dem geschworen hatte, niemals auch nur in die Nähe des Tales der Minen zu kommen.
So schlimm empfand der Schwarzmagier den Umweg nicht, immerhin hatte Faring eine lange, faszinierende Hintergrundgeschichte, wobei Gotha noch immer sein Lieblingsthema war, was das Festland anging. Und Rok Shar wäre sicherlich ebenfalls nicht abgeneigt vom Gedanken diese Stadt zu besuchen, eben wegen deren Vorgeschichte. Oder etwa doch? Zu spät fiel ihm ein, dass die Stadt voller Feuermagier wimmeln musste.

Schnell waren Sorgen und Ideen wieder in aller Welt verstreut, es war als würde der Wind alle Gedanken aus seinem Hirn blasen und nichts als absackende Schultern und nachlassendes Stirnrunzeln hinterlassen. Also kümmerte er sich für einen Augenblick nur noch um die Sonne, die vor seinen Augen vom großen Meer verschluckt wurde und dabei schreiend und zappelnd um Hilfe rief. Das wollten ihm die glimmenden Strahlen verraten - Oder vielleicht auch nur eine weitere Stimme, die sich in seinem Schädel festgesetzt hatte und von seinem wachsenden Wahnsinn zeugte.

Noxus Exitus
01.08.2012, 20:40
Trotz des kühlen Abends, konnte der frische Wind, der seinen Umhang sowie seine Haare soweit mit sich riss wie es in seiner Macht stand, die Gedanken um die junge Frau Belana nicht auf seinem Schädel befreien. Noxus hatte sie zurückgelassen, fest davon überzeugt das Minental sei zu gefährlich für jemanden, der gerade erst der Hölle entkommen ist. Sie zu bitten nochmals dort hinein zusteigen wäre nicht unmoralisch oder sadistisch, sondern einfach unnötig gewesen, da es für alle Beteiligten eine Belastung darstellen würde. Außerdem hatten Rok Shar und der Schwarzmagier ihre Vorräte genaustens eingeplant, eine weiteres Maul zu stopfen konnten sie sich nicht leisten. Selbst wenn es ein süßes Mäulchen war.
Der Hafen von Khorinis sollte sehr bald in Sicht sein, meinte der Kapitän zunehmend garstiger. Ob die Sonne sich seiner Laune bemächtigt hatte und sie nun mit sich riss, um Beliars Präsens Platz zu lassen oder weshalb er sonst plötzlich so extrem griesgrämig wurde, konnte sich das Weißauge nicht ausmalen. Eigentlich interessierte es ihn auch nicht. Seltsamer Weise war auch er schlecht gelaunt, weniger angesteckt, sondern vielmehr noch immer über Belana nachdenkend, störte ihn die Tatsache das diese Bekanntschaft so abrupt geendet hatte.

Doch ändern konnte er nichts daran, also sollte er seinen Blick nach vorne richten - Welcher ihm, wenn er sich nicht irrte, den großen Leuchtturm offenbarte, der unweit von der Hafenstadt vor sich hin vegetierte. Schon bald könnten sie ihre Route in Richtung Minental aufnehmen. Gerade als er sich vor Augen führte, wie es im Tal des Todes riechen würde, vielleicht nach Verbranntem oder Verwesung - Fuhr ihm ein widerlicher Gestank in die Nase der die Beiden genannten bei weitem übertraf. Er war nicht sicher ob es Mensch oder Fisch war, doch offensichtlich näherten sie sich der Hafenstadt.

Aaron
10.08.2012, 16:47
"Ich gehe davon aus, dass Ihr mich nach dem fragt, was Euch interessiert. Das werde ich beantworten und sonst eben nicht.
Mein Name ist Aaron und ich bin einfacher Milizsoldat in der Stadtwache.
Innos..."
Er hielt kurz inne um die Worte zu sammeln.
"Bis vor einigen Monaten hatte ich nicht das Gefühl, dass ich von Innos für Interesse bin und so war er es für mich auch nicht. Ich weiß nicht. Wenn er wirklich meine Wege leitet hat er vielleicht doch einen Platz, einen Weg für mich, dem ich folgen werde, wenn ich ihn erkenne. Mehr kann ich nicht dazu sagen ohne etwas erfinden zu müssen."
Der Paladin hatte verstanden und so führte der Weg zum Hafen. Der Stallbursche führte Fiona während Aaron dem neuen Befehlshaber folgte, der den Weg in die zwielichte Hafenkneipe nahm. Für einen Moment wurde es recht still in dem Schuppen, als die zwei kräftigen Männer, der eine als Mitglied des Ordens zu erkennen, durch die Tür traten, doch das hielt nicht lange.

Der selbstbewusste Wortführer sprach verschiedene Seeleute auf die geplante Seefahrt an und lockte mit Gold. Der erste lehnte ab, der zweite konnte keine Pferde mittransportieren und der dritte war zu besoffen. Doch irgendwann fand man, was man suchte. Aaron stand zwei Schritte hinter dem Ritter und schubste besoffene Kerle zur Seite, die ihre Hände nahe in dessen Richtung bewegten - alte Angewohnheit.

Am nächsten Tag erwachte Aaron in der schaukelnden Koje. Er stand auf und ging an Deck. Das Meer war relativ ruhig und das Schaukeln beeinträchtigte den Soldaten nicht, wenngleich er es auch nicht unbedingt als angenehm bezeichnen konnte.

Hiroga
12.08.2012, 23:30
Die Dunkelheit hatte sich über die weiten des Meeres ausgebreitet. Das Land in der Ferne war im dunklen Blau verschwunden. Allzu lange würde ihre Reise an Bord wohl nicht mehr dauern. Stumm betete er zu Innos, dass er sie eilig und sicher über das Meer führen mochte, denn er konnte die Warterei nur schwerlich ertragen. Warten auf Antworten. Antworten von dem Mann, der seine Geliebte wohl zuletzt gesehen hatte. Wenn sie überhaupt hier angekommen war. Was hatte Hagen sich nur gedacht?

Sein Mitreisender hatte sich ebenfalls noch nicht als besonders nützlich erwiesen. Aber auch nicht als unnütz. Er war sich ehrlich gesagt noch nicht sicher als was er sich erwiesen hatte oder erweisen würde. Es fiel ihm schwer Aaron einzuschätzen. Er wirkte gehorsam und einfach. Nicht dumm, einfach. Und ehrlich. Das gefiel ihm. Und zeitgleich wirkte er roh. Nicht roh im Umgang mit anderen sondern ... unbenutzt, ungeformt. Die Erkenntnis, die ihn auf einen vielversprechenden und eigentlich den einzigen Lebensweg führen konnte, offenbarte sich ihm erst jetzt langsam. Innos...

Respekt hatte er für den jungen Mann übrig, dass er so ehrlich geantwortet hatte. Es war besser seinen erst schwelenden Glauben zu offenbaren, als eine Lobesrede auf Innos zu halten ohne ihn zu verstehen. Aaron hatte richtig gehandelt. Und wenn er ihn nun auf dieser Reise begleitete, so würde er ihm vielleicht noch einiges beibringen können. Nicht nur das Reiten, das der Soldat offensichtlich noch lernen musste.

Er lehnte sich gegen den Holzmast und blickte nach oben.
Wen hast du mir geschickt? Und warum? Soll er ein neuer Beginn sein? Die Wiederaufnahme meiner Pflicht? Ein junger Mann sucht einen Weg. Hast du ihn zu mir geschickt, damit ich ihn ihm zeige? Ich werde deinen Pfad, den du in dieser Geschichte für mich vorgesehen hast erkennen und befolgen... wie immer... denn du leitest mich Herr. Du bist das einsame Feuer in der Ferne. Du weist diesem Schiff den Weg nach Gorthar. Keine Karte. Und du weist mir den Weg zu ihr. Du hast sie nicht sterben lassen. Und wenn es so wäre, wäre sie bei dir. Aber sie lebt. Ich weiß es. Du bist gütig und sie verdient nichts als Güte. Sie ist eine treue Dienerin. So wie ich dein treuer Diener bin. Und bevor du sie zu dir nimmst lass mich drei Leben lang dir dienen und ich will es tun, solange ihr noch mehr Zeit hier vergönnt ist. Aber das weißt du... all das weißt du... denn du bist in mir.

Sein Abendgebet in Gedanken gesprochen, drückte er sich vom Mast ab und ging. Bald würden sie ankommen. Bald...

Olivia Rabenweil
21.08.2012, 01:34
Als Olivia zu sich kam schwankte die Welt um sie herum und ein dumpfer Schmerz dröhnte durch ihren Kopf. War sie gestorben? Sie fühlte sich schrecklich, so musste es sein, wenn man ins Jenseits geführt wurde. Beliar, ich flehe dich an! Ich bin eine treue Dienerin, bitte verschone mich. Ich bin gern bereit dir zu folgen, sollte dies mein Schicksal sein, doch bitte erbarme dich und nimm diese Qualen von mir!
Olivia wartete darauf, dass irgendetwas passierte, doch es geschah gar nichts. Dafür steigerte sich das flaue Gefühl in ihrem Bauch zu einer ausgewachsenen Übelkeit. Sie musste Aufstoßen und schmeckte die Säure aus ihrem Inneren. Als der Boden sich wieder einmal zu heben und zu senken schien, brach es aus ihr heraus. Gerade noch so eben schaffte sie es sich zur Seite zu lehnen. Dann erbrach sie ihren spärlichen Mageninhalt auf den Boden. Geschüttelt von einem heftigen Husten versuchte sie ihren Mund abzuwischen. Doch es ging nicht. Panik stieg in ihr auf. Ihre Hände, was war mit ihren Händen?
Die Angst klärte ihren Kopf. Sie befand sich nicht auf dem Weg in Beliars Reich, sondern in einer kleinen hölzernen Kammer. Der Geruch von salziger Luft stieg ihr in die Nase und ein eigenartiges Knarren war zu hören. Langsam begriff Olivia, sie war auf einem Schiff. Deswegen schwankte der Boden. Sie saß an einen der Sparren des Schiffsbauchs und ihre Hände warengefesselt, deshalb konnte sie sie nicht bewegen. Über ihr flackerte bloß eine kleine Öllampe.
Sie holte tief Luft und versuchte sich zu beruhigen. Wo war Finn? Er hätte ihr einiges zu erklären. „Finn!“ Er war nirgends zu sehen. Vielleicht war er vor der Tür oder an Deck. Wenn sie nur laut genug rufen würde. „Fiiiiiinn!“ Wütend riss sie an ihren Fesseln. Doch durch das Zappeln fielen ihr bloß die Hare ins Gesicht und klebten nun um ihren Mund herum fest. „Fiiiiiiiiiinn!“ Ihre Stimme überschlug sich. Er schien sie nicht zu hören. Was war passiert? Warum waren sie auf einem Schiff? Sie hatte die Mauern ihrer Heimatstadt doch schon gesehen. Sollte sie jetzt nicht besser in der guten Stube sitzen, vielleicht einen Kaffee aus ihrer Heimat trinken? Olivia begann ängstlich zu schluchzen. Immer weder rief sie Finns Namen. „Finn! Finn, es tut mir Leid! Ja, ich war schlecht. Ich mach‘s nie wieder.“ Tränen rannten ihr ungehindert über die Wangen. „Fiiiiinn! Bitte hilf mir.“
Sie erschrak, als die Tür plötzlich aufgerissen wurde. Sie hatte nicht gehört, dass sich Jemand genährt hatte. Trotz des Schummerlichtes konnte sie sofort erkennen, dass es sich bei dem Fremden nicht um Finn handelte. So knochig war seine Erscheinung nicht gewesen. Wimmernd drückte sich Olivia gehen die hölzerne Wand und sah in das fremde Gesicht. Der Fremde war stämmiger als Finn und trug ein dreckiges Hemd und eine zerrissene Hose. Sein übler Geruch nahm ihr fast den Atem.
„Na, ist mein kleines Täubchen aufgewacht?“
Olivia sah ihn mit schreckensweiten Augen an und schüttelte reflexartig den Kopf. Der Alte lachte schallend auf und betrat die kleine Kammer. Langsam ließ er sich vor ihr nieder. Olivia war so sehr von ihm angeekelt, dass sie sich übergeben hätte, wenn sie es nicht gerade schon getan hätte. Angewidert drehte sie ihren Köpf zur Seite.
„Na, na, nicht so schüchtern. Du bist doch jetzt mein ehrenwerter Gast.“ Er griff mit seinen rauen Fingern an ihr Kinn und zwang sie dazu ihn anzusehen. Das erste was sie sah war sein zahnloser Mund, der sich jetzt zu einem abscheulichen Lächeln verzog. „Na, na, nicht weinen meine Schöne. Will dich doch hübsch haben.“ Olivia riss sich zusammen und sah ihm in die wässrigen Augen. Seine Haut war wettergegerbt und geschmückt von einem struppigen, dreckig weißen Bart. „Und hör auf nach Illdor zu schreien, der ist schon lange fort.
„Illdor, wer ist das?“ Olivias Stimme war dünn und viel zu hoch. Der Alte hatte den fragenden Gesichtsausdruck bemerkt und brach daraufhin wieder in Lachen aus.
„Mein Täubchen!“, grölte er. „Na Illdor, der, der so freundlich war uns Beide miteinander bekannt zu machen.“ Sein Lachen ging in ein Grunzen über. „Du nennst ihn Finn. Da hat er sich wohl wieder seinen alten Decknamen zugelegt. Ach dummer Junge, sollte nicht immer denselben Decknamen benutzen.“, stellte der Mann fest. Olivia war wie vor den Kopf geschlagen. Schon wieder ein falscher Name, schon wieder ein Mann der sie hinter das Licht geführt hatte. Und schon wieder zahlte sie teuer den Preis dafür. Entmutigt ließ sie den Kopf hängen.
„Na, na, Kleine. Lass den Kopf nicht hängen.“, meinte der Alte mit gutmütiger Stimme. „Der Illdor hat es nicht so mit den Damen. Aber das sollte jetzt auch nicht mehr dein Problem sein.“
Mit einem Ruck befreite Olivia ihr Gesicht aus dem Griff des Alten. „Und wer seid Ihr, wenn ich fragen darf? Wo bringt ihr mich jetzt hin?“ Ihre Stimme hatte sich inzwischen etwas gefestigt. Trotzig sah sie die Wand hinter dem Mann an, als sie mit ihm sprach.
„Ich bin der Kapitän dieses Schiffes. Das ist alles was du wissen musst.“ Seine Stimme war nun deutlich kühler gewesen. Er erhob sich ächzend und wandte sich um. „Kriegst gleich Essen und ‘nen Eimer, sei in der Zwischenzeit schön artig.“ Er schloss die Tür mit einem Knall hinter sich und verriegelte sie dann.
Sobald er nicht mehr zu sehen war viel ein wenig die Anspannung von Olivia ab. Sie konnte langsam damit aufhören zu zittern. Kaum hatte sie sich etwas entspannt und ihren Kopf gegen die Schiffswand gelegt, da flog die Tür schon wieder auf. Ein anderer Mann betrat die Kammer. Er trug einen einfachen Holzeimer und eine Schüssel in der Hand. Beides stellte er unsanft vor ihr ab. „Hier dein Abendessen und der Eimer für danach.“ Seine Stimme war unangenehm, doch noch unangenehmer waren seine Blicke, die auf ihr lagen. Um ihn nicht zu provozieren blickte sie zur Seite und flüsterte ein leises ‚Danke‘. Darauf verschwand er wieder und verriegelte die Tür. Olivia seufzte. Was für ein Trottel, dachte sie, wie soll ich denn mit hinter dem Rücken gefesselten Händen essen. Außerdem… liegt hier immer noch überall meine Kotze. Angewidert verzog sie das Gesicht und versuchte so weit wie möglich davon wegzurutschen.
Nach kurzer Überlegung, kam sie auf den Gedanken, dass sie ihre Beine vielleicht durch ihre gefesselten Arme hindurchziehen könnte und sie somit zu mindestens vor dem Körper hätte. Sie rollte sich auf die Seite und zog und zerrte an ihren Armen. Es dauerte eine Weile, bis sie dieses nicht so einfache Kunststück vollbracht hatte. Ihre Handgelenke waren von den rauen Stricken aufgescheuert, doch so war es ihr zu mindestens möglich, die Schale mit Essbarem zu greifen. Sie hatte inzwischen einen großen Hunger bekommen. Doch als sie die Schale vor ihr Gesicht hob, war sie sich nicht mehr so sicher, dass es sich hierbei wirklich um etwas Essbares handelte. In der hölzernen Schale schwappte eine dünne Suppe mit undefinierbaren Stücken darin. Ihr Magen knurrte fordernd und sie gab seiner Forderung nach. Mit angehaltenem Atem würgte sie das Zeug herunter während sie gleichzeitig leidenschaftlich Finn verfluchte.
Nach dem sie dies hinter sich gebracht hatte, lehnte sie sich zurück. Wider war sie in so einen Mist geraten. Beliar stellte sie wirklich auf eine harte Probe. Doch wofür?
Als sie da saß und über Beliars Ziele mit ihr sinnierte, merkte sie ein merkwürdiges Zwicken an ihrem Fuß. Es war, als ob etwas in ihrem Schuh steckte. Zu mindestens die hatte ihr Finn, oder Illdor wie er ja richtig hieß, gelassen.
Sie lehnte sich nach vorne und fummelte den verdreckten Stoffschuh von ihrem Fuß. In ihrem Verband steckte doch tatsächlich ein kleines Stück Pergament. Olivia fragte sich, wie es dahin gekommen war. Sie selbst hatte es dort auf keinen Fall versteckt.
Vorsichtig zog sie es zwischen den Stoffbahnen hervor und faltete es neugierig aus einander.
Mit jedem Wort, das sie in diesem Schummerlicht nur schwerlich laß, wurden ihre Augen größer und ihre Wut auf diesen götterverdammten Illdor größer.


Tut mir leid, dass ich dich angelogen hab, Olivia, aber du hattest Recht gehabt. Wie du sicherlich schon gemerkt hast, befindest du dich auf einem Sklavenschiff, das nach Bakaresh steuert. Sei versichert. Wenn du dort ankommst, wirst du an den nächstbesten Perversen verkauft, der dich dann wahrscheinlich als Lustsklavin bei sich halten wird. Noch hast du die Möglichkeit das zu ändern. Dieser Raum ist klein und wie du siehst, ist die einzige Öllampe, die über dir hängt, deine einzige Lichtquelle. Das Holz unter dir ist morsch. Manche kann man sogar schon abbrechen. Unter einer Holzdiele befindet sie ein kleines Messer, mit dem du das Seil aufschneiden kannst, doch sei dir davor sicher, dass du nicht so viel Krach machst.


Jeden Tag werden genau zwei Männer nach dir schauen. Einer kommt zum Frühstück und der andere zum Abendessen. Beide werden keinen Kontakt zueinander haben, da sie davon ausgehen, dass der andere bereits schläft, wenn sie zu arbeiten anfangen. Immerhin ist es ein Schiff und ein Schiff benötigt rund um die Uhr eine wachsame Besatzung. Zwischen deinen Brüsten befindet sich ein Stück Leinentuch. In ihr befinden sich genau zwei Nadeln, beschmiert mit dem Gift einer bestimmten Froschart. Sie kann den Menschen für viele Stunden außer Gefecht setzen. Überlege weise, bei wem du es einsetzen willst.

Wasser löscht Feuer, doch das Schlimmste, was einem Schiff passieren kann, ist, wenn es im unteren Deck brennt. Das sorgt für Panik, sowohl bei den Männern, als auch beim Kapitän. Sie werden für eine Weile nur noch Auge für das Feuer haben. Nutze diese Zeit.

Ansonsten wünsche ich dir gutes Gelingen und ein schönes Leben.



Wütend knüllte Olivia das Pergament zusammen und pfefferte es in die Ecke.
Dann wanderte ihre Hand auf ihre Brust. Dort konnte sie unter dem Stoff ihres Kleides wirklich etwas fühlen. Ihre Hand glitt vorsichtig in ihr Dekolletee und zog das kleine Stoffbündel hervor. Wie Illdor es geschrieben hatte… Olivias Blick wanderte zu den Bodendielen. Sie verstaute die Giftnadeln wieder in ihrem Kleid und klopfte dann die Dielen ab. Eine war besonders wackelig. Eifrig zog sie an ihr und riss sie schließlich ab. Es war erstaunlich, dass ein so morsches Schiff noch nicht gesunken war.
In dem kleinen Loch erspürten ihre Finger etwas Kaltes. Mit gebotener Vorsicht zog sie ein kleines Messer aus der Öffnung. Das Messer mit dem Illdor das Kaninchen gehäutet hatte, es war rasiermesserscharf. Tatsächlich! Illdor hatte ihr eine verschwindend geringe Möglichkeit zur Flucht ermöglicht. Was auch immer er damit bezwecken will?
Schnell zog Olivia ihren Schuh wieder an und versteckte das Messerchen, wie vorher das Pergamentbriefchen zwischen ihren Verbänden. Anschließend stopfte sie den Brief in das Loch und legte die Planke so gut es ging wieder darüber.
Schließlich lehnte sie sich zurück und schloss die Augen. Wie gern hätte sie jetzt den Sternenhimmel gesehen. Die ganze Pracht von Beliars Schönheit. Doch das blieb ihr verwehrt.
Sie würde warten müssen. Warten auf den Sternenhimmel und auch auf die richtige Gelegenheit. Nun… sie hatte ja vorerst Zeit.

Tavik
26.08.2012, 16:46
Ohne Zweifel, auf Karten wirkte das Meer zwischen dem Festland und den Südlichen Inseln immer klein und einfach zu befahren, aber bereiste man es tatsächlich … nun, dann wurde einem wieder bewusst, was für Streiche einem einige Linien und Zeichnungen auf einer Karte spielen konnten.
Yared hatte dem Nordmann erklärt, was er nun war. Teil der Unterstützungskompanie der Südmeerflotte, angeführt von Kapitän Yared Höchstselbst. Wusste das Reich, welches Ei sich da zu ihnen ins Nest gesellt hatte? Plötzlich lag dort zwischen prächtigen Adlern eine Möwe, die das Talent besaß, ihnen gehörig auf die edlen Köpfe zu scheißen. Der Hüne grinste bei dem Vergleich und lehnte sich auf die Reling, schaute in die Fluten. Ja, auch das Meer hatte er die letzten zwei Jahre kennen gelernt. In einer Art und Weise, die sich nicht wirklich ziemte. Nein, die nicht nur nicht ziemend war, sondern hochgradig illegal und falsch.
Pirat, Schmuggler, Seeräuber. Alles das Gleiche. Was anderes hast du nicht gemacht mit der Truppe, die dich begleitet hat. Auf Hoher See hast du mit Schwert und Feuer Jagd gemacht, an Land warst du nicht mehr als ein Hehler, Räuber und Mörder. Zwei Jahre lang. Du hast keine Ehre mehr am Leib. In Silden, da besaßt du Ehre, auch wenn du gegen Recht verstoßen hast. Auch dort hast du gemordet und geraubt, aber es war für deine Leute. Für dein Volk. Als Soldat hast du früher auch Tod gesäht, doch es war für das Reich und für deinen Gott. Aber jetzt? Nur für dich. Für niemand anderen. Du hast gemordet, um dich zu bereichern. In deinem Namen.
„Alles in Ordnung, Bruder?“, fragte einer der Truppe Yareds. Der Nordmann antwortete nicht, bedeutete ihm mit einer Handbewegung, sich zu verziehen. Teufel, was für ein Ei hatte sich die Möwe da ins Adlernest geholt?
„Ein Krähenei“, murmelte Tavik bitter, „Ein verflucht dunkles noch dazu, fürchte ich.“
Wie sollte er je hoffen in Thorniara Fuß zu fassen? Klar, Yared hatte berichtet, dass man von Jun nicht mehr viel gehört hatte, aber trotzdem würde dort unten auch ein Steckbrief hängen. Vom Bord eines Schiffes an den nächsten Galgen. Oder, wenn ihn die Magier kriegen würden, vielleicht sogar ins Feuer. Den Ketzer verbrennen, um zu zeigen, welche Macht Innos besitzt. Aber … wer weiß, vielleicht ist es letztendlich Innos, auf den ich vertrauen muss.
Langsam hob der Hüne die rechte Hand und blickte auf das Ergebnis seines Glaubens an den Herrn des Lichts. Eine verbrannte Hand, Schmerz, der ihn noch in den Träumen verfolgte, Jahre nach den Geschehnissen.
Oder … war es nur eine Prüfung von vielen gewesen?
„Jeder verdient eine zweite Chance …“

Olivia Rabenweil
26.08.2012, 23:23
Olivia hatte die schlimmsten Tage ihres noch jungen Lebens verlebt. Sie hatte geglaubt, dass das Verlassen ihrer Heimat in Bakaresh schlimm war, dann glaubte sie der Überfall ihrer Kutsche wäre das schlimmste Ereignis oder der Gewaltmarsch durch das Weißaugengebirge. Doch nun wurde sie vom Schicksal erneut hart darauf hingestoßen, dass es immer noch ein Stück schlimmer ging.
Die Tage zogen unbemerkt an ihr vorbei und schon nach kurzer Zeit hatte sie jegliches Gefühl dafür verloren, welche Tageszeit es sein könnte oder wie lange sie schon im Bauch dieses alten, stinkenden Schiffes saß. Die Männer, die ihr das Essen, wenn man undefinierbare Stücke in einem Napf so bezeichnen wollte, brachten, kamen nur unregelmäßig oder auch mal gar nicht. Sie hatte seit ihrer Ankunft auf diesem Schiff diesen kleinen, dunklen Raum nicht verlassen. Sie hatte auch nicht die Möglichkeit bekommen sich zu Waschen oder sie die Haare zu kämmen. Ihre Haut juckte fürchterlich, doch Olivia traute sich nicht nach etwas sauberem Wasser zum Waschen zu fragen. Die Männer an Bord dieses Schiffes machten ihr Angst. Sie waren grob und unhöflich, nicht so wie Illdor. Der auf seine eigene Art und Weise zwar auch ein Rüpel war, doch irgendwie eine weitaus angenehmere Gesellschaft. Er hatte zum Beispiel seine Decken in der Kälte des Gebirges mit ihr geteilt. Hier auf See konnte es auch empfindlich kalt werden, doch interessieren tat das anscheinend Niemanden.
Das Einzige, das sie hatte war Zeit. Viel Zeit zum Nachdenken. Sollte sie nun wirklich als ein Sklavenmädchen enden? Im Großreich Rhobars III. war das Halten von Sklaven zwar verboten, doch Olivia wusste, dass jede Gesellschaft auch ihre Schattenseiten hatte. Und es gäbe sicherlich den Einen oder Anderen der diese Gesetzte auch schon mal ignorierte. Wer von den hohen Herren der Innoskirche interessierte sich denn für die dunklen, dreckigen Ecken der Unterstädte? Niemand würde sie jemals dort wiederfinden. Was wär ihr Leben denn noch wert, wenn sie erst einmal dorthin abgerutscht sein würde? Weniger als Nichts, und der Tag an dem sie mit durchgeschnittener Kehle in der Gosse verendete, wäre dann wohl ein guter Tag.
Ihre düsteren Gedanken katten inzwischen all ihre Tränen aus ihr herausgedrückt. Nun saß sie nur noch zusammengekauert in der Ecke und ließ den Kopf hängen. Eine Chance sich zu befreien, wie Illdor es ihr geschrieben hatte, sah sie nicht. Wie sollte sie auch gegen die ganze Besatzung ankämpfen und fliehen können. Das war ein unmögliches Unterfangen. Erst recht mit nichts weiter ausgestattet, als einem winzigen Messer und ein paar Giftnadeln.

Das Schiff befand sich immer noch irgendwo im Meer. Olivia wusste nicht wohin es gehen sollte oder wann sie an ihrem Bestimmungsort ankommen sollten. Doch sie spürte deutlich, dass die See unruhiger geworden war. Das Schiff schwanke unaufhörlich. Den Eimer in ihrer Kammer hatte Olivia in letzter Zeit wieder häufiger mit ihrem sowieso schon ärmlichen Speisen gefüllt. Ihr Magen wollte sich einfach nicht an den Seegang gewöhnen. Wenn sie doch nur einmal an Deck dürfte, um frische Luft zu schnappen…
Polternde Schritte ertönten auf dem Gang. Olivia zuckte zusammen. Wie sie es in der letzten Zeit immer getan hatte, legte sie den Kopf zur Seite und stellte sich Schlafend. Der Maat kam herrein. Olivia erkannte ihn schon am Geruch.
Lieblos donnerte er ihr das Essen vor die Füße. Doch anstatt gleich wieder zu gehen, wie er es sonst immer tat, blieb er. Schleichend stieg die Angst in ihr auf. Was wollte er?
„Ich weiß, dass du nicht schläfst, Liebchen. Dafür atmest du zu schnell. Verarsch mich nicht, oder ich werde dich es büßen lassen.“ Sein rauer Ton dröhnte über das Brechen der Wellen am Schiffsrumpf. Sie schlug die Augen auf und sah ihn ängstlich an.
„Tschuldigung.“ Ihre Stimme war nicht lauter als ein Flüstern und somit kaum zu verstehen.
„Ahhrr“, grollte er. „Bist ein dummes Mädchen, was? Na, schade… Es gibt genaue Anweisungen vom Käpt‘n.“
Olivia hatte keinen blassen Schimmer worauf er hinaus wollte. Doch im Prinzip war es ihr auch egal, wenn er nur endlich gehen würde.
„Hör zu, diese Nacht werden wir in einen heftigen Sturm geraten. Damit bist du gewarnt. Morgen kannst du dann deine Kotze selber wegmachen. Pass auf, dass du dir in der Zwischenzeit nicht das hübsche Köpfchen anhaust.“ Mit diesen Worten verschwand er und schloss die Tür hinter sich.
Ein Sturm? In dieser Nussschale? Olivia war sich sicher, dass sie diese Nacht nicht überleben würde. Es ist nun also die Zeit gekommen mich zu Beliar zu bewegen. Sie atmete tief durch. Nun gut, ich bin bereit…

Yared
29.08.2012, 12:45
Es tat gut, sich noch ein letztes Mal die frische Brise der See um den Zinken wehen zu lassen, ehe sie Thorniara erreichten.
Wenn er daran dachte bald Lord Hagen gegenübertreten zu müssen, dem erfahrenen Strategen und Held so vieler Schlachten und Scharmützel, wurde selbst ihm, als gestandenem Soldaten leicht flau im Magen. Das lag nicht daran, dass er sich vor dem Mann ängstigte oder ehrfürchtig zu ihm aufsah. Nein, es lag daran, dass dieses Treffen immanent wichtig für die Zukunft war, für seine Zukunft und die Zukunft all derer, die ihm gerade unterstellt waren.
Der Kapitän sah hinüber zu den anderen beiden Karacken, die sich schwer beladen durch die leicht kabbelige See schoben. Das Kommando war größer als erwartet ausgefallen. Erst nachdem er die Sache mit Tavik geregelt und bei der Gewandmeisterei Uniform und Rüstung vervollständigt hatte, hatte er sich den Dokumenten in der Schatulle widmen können, die ihm Sir Cruz übergeben hatte. Sein Auftrag umfasste nicht nur das Kommando über die zweite myrtanische Marinepionierkompanie und deren Überführung nach Argaan.
Dort drüben an Bord der Galevalant, dem Schwesterschiff der Gavellion, befanden sich dreißig leichte Kavalleristen einer erst kürzlich aufgestellten myrtanäischen Schwadron samt Pferden und das dritte Schiff der Konvois beherbergte eine ganze Kompanie Infanteristen, Veteranen aus dem jüngsten Krieg in Varant, die die Stadtmiliz der nordargaanischen Hafenstadt wieder auf Sollstärke heben sollte. Insgesamt unterstanden Yared gerade gut zehn Dutzend Männer und Frauen, ein Kommando, das auch einem Obristleutnant gut angestanden hätte, selbst wenn es nur für die Zeit der Überfahrt war.
Er hatte dieser Tage viel Verantwortung. Egal. Yared würde die Landung in Thorniara professionell über die Bühne bringen, ganz einfach deshalb, weil er es musste. Er würde die Truppen in einwandfreiem Zustand an Lord Hagen und den Stadtkommandanten übergeben.
Immerhin das größte Wagnis, die Gefahr der Sommerstürme in diesen Breiten, hatten sie eigentlich schon überstanden. Das nächste große Fettnäpfchen war das Anlanden und Ausladen und natürlich das politische Parkett der Hauptstadt der südlichen Inselprovinz.
"Kommandant Yared, Sir?"
Der Kapitän drehte sich um, als er hinter sich den tiefen brummenden Bass von Kolters, seinem Sergeant hörte. Der von der Wüstensonne Varants versengte Veteran vor ihm gab das typische Bild eines Marinepioniers ab - abgerissen und kampferfahren und natürlich ohne Haltung anzunehmen. Letzteres war nicht die Art der Marineartilleristen. Ihren Respekt bezeugten sie ihrem Kommandanten nicht durch Strammstehen, sondern durch das Befolgen seiner Weisungen.
Yared war in dem Verein groß geworden, er kannte ihr Gebärden, ihre Lebensart und ihre Qualitäten - er war einer von ihnen gewesen, bevor man ihm zum Offizier gemacht hatte.
Er konnte sich mit Fug und Recht etwas darauf einbilden, dass sie ihn ohne große Probleme bis jetzt akzeptiert hatten, denn der durchschnittliche Offizier scheute ein Pionierkommando, denn die meisten waren von Adel und erwarteten standesgemäß behandelt und hofiert zu werden, ein Verhalten, mit dem man bei diesen Frontschweinen nicht rechnen durfte. Ein Umstand dem er übrigens, neben dem Grund, dass die Marine zur Zeit unterbesetzt war, wohl auch sein Kommando und die Tatsache, keinen Leutinger zu haben, verdankte.
"Was gibt's, Kolters?"
"Der Käpt'n hätte jetzt Zeit für Sie, Sir."
Hier an Bord titulierte man Yared als 'Kommandant', denn es konnte auf einem Schiff nur einen Käpt'n geben und an Bord des Orlogschiffes dieses Konvois hieß der Käpt'n Warleon.
"Noch was?"
"Aye, Sir, Milady sucht Sie, Sir."
Der Sergeant grinste feist, wie alle Soldaten, wann immer die Sprache auf den Kapitän und die Kaplanin der Kompanie, eine junge varantische, zweifellos recht ansehnliche Innosdienerin kam. Auch wenn sich Yared das nicht erklären konnte, denn weder Sianna noch er hatten etwas, das diese Unterstellung rechtfertigte, auch nur in Erwägung gezogen. Sie arbeiteten zusammen, mehr nicht.
"Wegtreten, Kolters!"

Olivia Rabenweil
31.08.2012, 00:18
Der angekündigte Sturm hatte einige Zeit auf sich warten lassen. Doch als er dann mit Blitz und Donner, gefühlten turmhohen Wellen und unerbittlichem Böen über sie hereinbrach, war es um Olivias erzwungene Beherrschung geschehen.
Sie könnte sich im Nachhinein nicht mehr genau an die Geschehnisse erinnern, oder wie lange sie Adanos‘ Wut ausgesetzt waren, doch es schien das absolute Chaos in der Zeitspanne eines Äon gewesen zu sein.
Irgendwann hatte sie nur noch reagiert und ihre Handlungen ihren Instinkten überlassen. Wieder besseren Wissens befahlen ihr diese, das Messer aus den Fußwickeln zu ziehen und sich ihre Fesseln zu durchtrennen. Dann scheuchten sie sie an Deck. Das Schiff knarzte und knackte schrecklich unter der enormen Last von Wind und Wellen.

Als Olivia die Luke zum Oberdeck auf stieß schlug ihr die Gischt ins Gesicht. Der Himmel war Tintenschwarz und wurde nur ab und zu von vielfältig gegabelten Blitzen durchzuckt. Für den Sturm war das Schiff nur ein unbedeutender Spielball in den Wellen. Olivia konnte immer wieder beobachten wie diese sich über dem Bug brachen. Der Steuermann versuchte jede Welle frontal zu nehmen. Das hatte zur Folge, dass sich das Schiff jedes Mal den Wellenberg hinauf kämpfen musste, um dann auf der anderen Seite metertief ins folgende Tal zu stürzen. Die höchsten Wellen überragten den Mast, wenn sie die Wellentäler durchfuhren. Olivias Herz setzte für einige Schläge aus, als nach einer Talfahrt eine gigantische Wand aus schwarzem Wasser vor ihnen auftauchte.
Der Besatzung des Schiffes war der Schrecken ebenso ins Gesicht geschrieben. Es wurden Befehle quer über das Deck geschrienen, doch auf Grund des tosenden Sturmwinds verstand Olivia keinen von ihnen. Sie sah, wie die Männer sich verzweifelt in die Tampen hingen, um das wild schlagende Segel wieder unter Kontrolle zu bringen. Der Kawenzmann rollte weiter unaufhaltsam auf sie zu. Zuerst stach der Bug des Schiffes in die Wellenwand ein, doch dann hob sie das Schiff gänzlich in die Höhe. Fast senkrecht wurden sie emporgehoben. Olivia musste sich mit aller Kraft an der Reling festhalten, um nicht einfach über Bord zu fallen. Ihre unsagbare Angst bahnte sich in einem spitzen Schrei den Weg nach draußen. Wie paralysiert starrte sie nur weiter auf diese gigantische Welle. Ihr Kopf war wie blockiert, nicht einmal mehr ein Stoßgebet schaffte sie zu Beliar oder wem auch immer zu schicken.
Auch die Männer am Segel hatten ihre verzweifelten Versuche, die Kontrolle über das Segel zurück zu erlangen, eingestellt und klammerten sich an alles, was ihnen Halt versprach. Olivia hörte Gebete zu Adanos oder auch einfach nur panische Schrei aus den Kehlen, der sonst so unerschrockenen Seemänner. Die Welle begann sich zu brechen…
Der darauffolgende Schlag zerriss das Schiff und somit auch jede Hoffnung darauf, die Überfahrt unbeschadet zu überstehen. Um Olivia herum wurde es dunkel und still, als die Wassermassen sie und alles Andere, in die Tiefe riss. Sie fühlte sich völlig schwerelos. Unwillkürlich erinnerte sie sich an ihre glücklichen Kindheitstage in Bakaresh, das schöne Haus, dass sie dort besessen hatten, die breite Straße davor, auf der sie mit ihrer Freundin immer gespielt hat, der Sonnenschein auf den warmen Steinen… Ihre Mutter und ihren Vater, sein unermüdlichen Bemühungen ihnen Allen ein besseres Leben zu bescheren… Die Überfahrt nach Thorniara, die neue Stadt, das neue Haus, die neuen Leute, Johann… Ihr sechzehnter Geburtstag, die Freude, die Ungewissheit, der Aufbruch und das Verlassen ihrer Familie, Johann… Die Reise und Johanns Tod.
Sie würde ihm nun nachfolgen können, so Beliar wollte, und ihm endlich alles sagen können, was sie damals versäumt hatte. Ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht und ihre Hände bekamen etwas Raues zu fassen.

Leyla
01.09.2012, 19:18
Interessiert hielt sie immer wieder nach dem dunklen Schatten Ausschau, der mal besser, mal schlechter im Wasser erkennbar war und inzwischen auch ab und an zwischen den Wellen verschwand. Doch wie Thorwyn schon festgestellt hatte, schien Zephir ihnen zu folgen. Oder besser dem Schiff, das die beiden nun zurück nach Argaan bringen sollte. Hoffentlich würde ihm diese weite Reise nicht zum Verhängnis werden …
„Er wird das schon schaffen“, beruhigte Leyla den etwas besorgt dreinblickenden Geliebten und im Grunde genommen auch sich selbst. Sie hatte keine Ahnung vom Wesen eines Pinguins und wozu diese Tiere fähig waren. Doch wenn es wirklich derselbe war, den Thorwyn damals getroffen und der den Jäger auch noch wiedererkannt hatte, dann schienen es sehr erstaunliche Geschöpfe zu sein. Ein bisschen Ausdauer war im Vergleich dazu doch eher eine Kleinigkeit, zumal er ja auch lange Zeit recht einsam hier gelebt zu haben schien, ohne einen Schaden daran genommen zu haben.
„Und wenn wir angekommen sind, dann schwimmen wir mal zusammen mit ihm. Das wird sicher klasse!“ Lächelnd beugte die Blonde sich etwas über die Reling, um das Tier zwischen schäumenden Wellenkämmen auszumachen. Es folgte weiterhin und schien auch mit dem Tempo kein sonderlich großes Problem zu haben. „Erstaunliches Tierchen“, murmelte sie erfreut.

Thorwyn
02.09.2012, 20:44
„Wird der nicht müde?“, flüsterte Thorwyn mit einem ungläubigen Schmunzeln, während er mit den Augen den Pinguin zu verfolgen suchte, der neben dem Boot die Wellen durchpflügte, mal mehr, mal weniger weit entfernt. Gerade beschleunigte er wieder, überholte das Schiff und war bald außer Sicht, um vermutlich bald wieder aufzutauchen. Wo auch immer er die Kraft dafür hernahm.
Auch die Matrosen hatten Zephir inzwischen bemerkt, schienen sich aber nicht übermäßig für ihn zu interessieren. Vermutlich hatten sie schon irgendwo Pinguine gesehen, so dass seine Gestalt keine Sensation mehr war, und auch als Nahrungsquelle schienen sie ihn nicht anzusehen – entweder, weil sie wussten, dass er nicht schmeckte, oder weil sich die Jagd auf einen einzelnen Pinguin nicht lohnte, oder weil sie ihn ohnehin nicht erwischt hätten. Thorwyn war jedenfalls ganz zufrieden damit, während er an der Reling lehnte und schon mal überlegte, auf welchem Weg sie nach Schwarzwasser zurückkehren sollten.
Man sollte die Urkunde einfach unsichtbar machen können. Wenn ich sie mitnehme, kriege ich keinen Ärger in Thorniara, muss aber in Setarrif aufpassen. Und wenn ich sie in Schwarzwasser lasse, ist es andersrum. Warum hat Setarrif auch keinen richtigen Hafen? Aber die Schiffe von dort dürften sowieso nicht nach Vengard fahren … blöder Krieg.
Mit einem leisen Seufzen schnippte er einen Holzspan ins Wasser und streckte sich. Wahrscheinlich machte er sich nur wieder zu viele Gedanken. Um einfache Jäger kümmerte sich selten jemand, warum sollte es diesmal anders sein?

Noxus Exitus
20.09.2012, 14:06
Mit schmerzenden Nacken wachte der Schwarzmagier missmutig auf. Das Wanken verriet ihm, dass sie bereits auf hoher See sein mussten, die bedrückende Kabine, in der die beiden Reisenden übernachtet hatten, versperrte ihnen jegliche Sicht auf eine Bestätigung. Benommen marschierte er mit verschränkten Armen aufs Deck und begegnete sogleich einigen fremden Gesichtern, welche eifrig am Schaffen waren. Ohne großes Interesse daran teilzunehmen, suchte er den großen Matrosen auf und forderte wortkarg das versprochene Frühstück ein. Zwei Laib Brot, zwei kleine Stücke Fleisch sowie ein paar Bier waren im Grunde alles, was Noxus in die untere Kabine bringen konnte. Dort angekommen, stupste er den noch schlafenden Rok Shar mit der Hand an, doch das dadurch verursachte Wippen wäre wohl kaum von den anderen Wellenschlägen gegen die Planke des Schiffes zu unterscheiden. Also legte er das Fleisch auf das trockene Brot direkt neben den schlafenden Riesen und verspeiste das eigene Mahl.

Abermals begab er sich ans Deck und dessen frische Seeluft, setzte sich auf eine Kiste, die im Moment keinerlei Verwendung für die Crew hatte und begann die neusten Erkenntnisse zu notieren ohne das endlose Meer auf nur zu beachten. Sein letzter Tintenbehälter musste nun herhalten und der Wind zog gerne ungewollte Fäden durch die Landkarten des Papiers. Unbeirrt beschrieb er die Beobachtungen der letzten Tage, erstellte ein Inventar seiner Minecrawler-Ingredienzien und skizzierte zuletzt seine linke Hand. Die Verfaulung hatte bereits Fortschritte gemacht, aber nur sehr geringe. Scheinbar würde ihm eine Phiole Gach Lug Sekrets für eine Ewigkeit genügend - Ein beruhigende Nachricht. Der Weißäugige blickte gar nicht erst auf, als er das Stöhnen eines Seemanns hörte, schon vorher wurde er beinahe entsetzt gemustert, als er ohne Vermummung zum Deck wiedergekehrt war. Mit strengen Blick zwang er die Geier zum Schweigen und fokussierte sich wieder auf seine Arbeit.
Dabei stellte er fest, das sein Ringfinger sogar länger war, als der Zeigefinger, ging aber gedanklich nicht weiter auf diese Anomalie ein. Als die Hand grob auf dem Pergament Platz gefunden hatte, machte er sich wieder zur Schlafstätte auf - Einer musste schließlich aufpassen, dass niemand Rok Shar zu nahe kam.

Die Orks
30.09.2012, 17:06
"LAAAAANNND IN SICHT!", brüllte der Ork im Ausguck der Orkgaleere und sorgte unter den Orks an Bord für Aufruhr. Selbst ihr Kapitän, Vladak, ein schon ergrauter Seeork der einst für den mächtigen Kan die Meere eroberte, blickte gespannt in Richtung Land.
Es war als hätte der verdammte Wassergott sie dafür gestraft, seit sie die Nordlande verließen, denn durch Stürme und Krankheit hatten sie so manch Orak an Bord verloren und ihr eigentliches Ziel namens Khorinis niemals erreichen können.
Von Khorinis hieß es, dass sich dort orkische Deserteure frei bewegen konnten und als das galten sie nunmal heute.
Seit in den Nordlanden Brosh dar Urkma an der Macht war, war für jene die treu dem Imperium gedient hatten und Kan rächen wollten, nichts mehr wie es einst war. Womöglich wurden sie immer noch verfolgt und im besten Fall für Tod erklärt. Wie es aber auch war, es schmerzte so zu leben. Als etwas was falsch sein sollte. Als etwas was Kan, dem einzigen wahren Herrscher der Orks, treu ergeben war.
Sie trugen sein Banner, sie trugen seine Farben und ehrten ihn bis in den Tod.
Ein Ork wechselte nicht einfach so die Fronten und ohne den mächtigen Kan, wäre dieses Schiff niemals das was es in Zeiten des Orkimperiums gewesen war.
Die Mannschaft der Haradak trug die Konsequenz für Loyalität und blickte gerade jetzt in eine neue Zukunft.

"Vielleicht lässt es sich dort Leben, Kapitän.", sprach Zlatkas der erste Offizier.
"Vielleicht endet dort auch unsere Odyssee und wir finden am Tisch des Schöpfers unseren Frieden. Egal wo wir im Leben standen, solange wir wie Orks lebten und uns an das Oruk hielten, sind wir des Schöpfers würdig.", sprach der ergraute Veteran und spähte wieder gen Eiland.

"Eine Stadt! Was sagen die Karten, Dzekas!"
"Wenn der Schöpfer uns gesonnen ist, dann sind das die südlichen Inseln. Khorinis ist das jedenfalls nicht."

"Die südlichen Inseln! Es ist Jahrzehnte her, seit dort die Orks von den Blechmorras bezwungen wurden. Seitdem bekamen wir nie wieder Meldung von dort. In den Nordlanden hieß es über die Oraks dort, dass sie noch dämlicher waren als die aus Khorinis. Schwach und verkümmert. Es ist nicht schade um sie gewesen.", sprach Vladak spöttisch.
"Dann werden wir also auf den Feind treffen....", meinte Zlatkas.
"So ist es. Einen Feind der uns nicht kennt. Wir werden uns unseren Platz auf der Insel erkämpfen oder wir gehen unter. So wie es das Oruk vorgibt.", erwiderte der Kapitän und wirkte erleichtert. Egal was käme - sie würden die Lösung im Blut finden und Blut hieß Ehre.


Tat'ank'Ka

Rok Shar
01.10.2012, 20:40
Kühle Seeluft blies dem Grünen ins Gesicht und brachte den wenig appetitlichen Gestank nach Fisch und Erbrochenem mit sich. Doch den Orak störte das wenig, denn nach Tagen auf See hatte er sich langsam an solcherlei Gerüche gewöhnt. Genauso, wie ihn das ruhige, fast gleichmäßige Auf und Ab des Schiffs jetzt nicht mehr ganz so sehr störte wie noch zu Beginn der Reise, als er sich verhältnismäßig oft hatte festhalten müssen oder gar gestürzt war.
Ein letztes Mal noch zog der Grüne die dreckigen Leinentücher, in die sein Körper seit geraumer Zeit gewickelt war, fest, ehe er in die wenig geräumigen Mannschaftsquartiere unter Deck marschierte. Ihre Tarnung, Rok Shar seit krank und habe ständige Behandlung durch seinen merkwürdigen und vielleicht etwas verrückten Arzt, dem Schwarzmorra nötig, hatte bisher einwandfrei funktioniert. Keiner der anderen Matrosen traute sich nahe genug an Rok Shar oder seinen Arzt heran, um herausfinden zu können, woher sie wirklich kamen. Sie alle hatten zu viel Angst davor, sich mit der unbekannten Hautkrankheit anzustecken und vom Klabautermann selbst geholt zu werden, wie sie mehrfach betont hatten.
»Grüße, Morra.«, zischte der Jäger noch leise, bevor er sich in seine enge Kabine quetschte und im trüben Licht einer flackernden Kerze in seinen Unterlagen zu blättern begann. Es war langweilig auf einem Schiff, aber auch daran hatte er sich relativ schnell gewöhnen können. Tagsüber war er sowieso viel zu sehr mit der harten Arbeit eines kräftigen Aushilfsmatrosen beschäftigt, als dass ihm wirklich die Eintönigkeit seiner Arbeit bewusst werden könnte. Und abends fiel er meist totmüde ins Bett. Aber schon bald - so hoffte er - würde all dies wieder ein Ende haben. Spätestens dann, wenn die Corinna wieder anlegte.

Die Orks
06.10.2012, 10:18
"So einegroße Morrastadt und kein Hafen. Wovon leben die so nah am Meer? Luft und Hiebe?", meinte Zlatkas zu seinen Kapitän.
"Das sind Morras, erster Offizier. Sie versuchen nichts gemeinsam mit ihren anderen Stämmen zu haben. Könnten ihre Männer gebären, würden sie dass nur um anders zu sein. Morras...", brummte Vladak und fragte sich, wie groß diese goldenen Kuppeln von ganz nah wären.
"Morras...", sagte dann auch Zlatkas und schüttelte nur den Kopf.
"...das heißt wir gehen dort nicht an Land und auch nicht an der südlichen Landzunge, Kapitän?", fragte der erste Offizier.
"Nein. Wo große Städte sind, sind viele Beschützer. Kan sagte einmal: Kennen deinen Feind und du wirst selbst in 1000 Schlachten nicht bezwungen. - Solange wir nicht wissen was dort ist, solange tun wir falsch so nah anzulegen. Sie Sklaven sollen ruhig weiter rudern. Ich will sehen was an der Südspitze ist.", befahl der Orkveteran und blickte wie ein Teil der Orkcrew gen Stadt an der Küste.
Sie mochten nur langsam voran kommen, aber das beabsichtigte auch Vladak. So eine Orkgaleere fiel nunmal auf dem Meer so nah vor der Küste auf und da wollte er zum einen sehen wie reagiert wird und zum anderen Orte ausmachen, an denen man ungestört anlegen kann. Ganz sicher sah man sie auch in der Stadt aus gesunder Entfernung. Und wenn sie dort bessere Ferngläser besaßen als die Orks, dann sahen sie auch ganz sicher wer auf dem Schiff war.


tat'ank'Ka

Die Orks
12.10.2012, 18:44
"Und das, Kapitän? Welcher Gott schuf das da? Dieser Baum ist höher als der große Wall der großen Stadt der Orks in den Nordlanden.", meinte Zlatkas und blickte wie der Rest der Crew in die weiten Sümpfe bis hin zum großen Baum. Wer dort lebte oder eher was dort lebte wusste keiner. Es warf aber genug Fragen auf.
"Ich weiß nicht welcher Gott diesen Baum schuf. Ich weiß auch nicht, ob ich es wissen will. Wenn wir die Insel kennen, dann werden wir mehr erfahren, erster Offizier.", entgegnete der Kapitän und blickte mehr zum Beiboot, dass sie abgelassen hatten. Die Oraks darin sollten erfahren ob man an die Küste kommt, denn Vladak ahnte dass es hier ein Riff gäbe. Dafür sprachen die Schiffswracks an der Küste und wohl auch jene unter Wasser.
Als nach einer Weile das Beiboot zurück kam, wurde der Kapitän bestätigt.
"Dann müssen wir den Westen der Insel erreichen.", meinte Zlatkas und wollte schon Befehl dafür geben den Anker zu lichten. Doch der alte Seeork von Kapitän gab eine andere Order.

"Wir ankern hier. Morgen segeln wir weiter entlang der Küste. Es dämmert schon und ich will die Haradak nicht auf Grund laufen lassen, weil wir nichts sehen. Vier Oraks beobachten die Küste. Der Rest vorbereitet sich darauf bei Morgengrauenwieder los zu segeln. Zlatkas und Dzekas in meine Kabine. Wir haben zu planen.", befahl Vladak mit lauter Stimme. Die Crew gehorchte.


Tat'ank'Ka

Yasmin Gerstark
27.10.2012, 11:26
Sie bahnten sich ihren Weg durch einen dicken Nebel. Dass Schiff gab sich dem steten wogen des Meeres hin. Yasmin bereite es Übelkeit. Der Gedanke daran lies wieder Ärger über sie selbst aufwallen. Sie war auf Gerstark geboren, war eine Gerstark. Im Grunde war das Fürstentum nicht mehr als ein paar traurige Felsen verloren im Meer. Das wenige mit dem sich dass ansässige Adelsgeschlecht rühmen konnte war ihre Begabung und Tradition in den navalen Künsten. Dennoch hasste sie es. Ihr Magen machte die Schifffahrt nicht mit und die salzige Meerespriese trieb ihr Tränen in die Augen.

Leder quitschte auf feuchten Planken hinter ihr. Jemand näherte sich ihr. Reflexartig vergrub sie ihr Gesicht in ihrem Halstuch und senkte den Blick. Es kam selten jemand um mit ihr zu sprechen. Weder auf diesem Schiff noch jemals. Die meisten genügten sich damit ihr vielsagende Blicke zu werfen. Dem Starren waren meist Facetten von Abscheu, Hass oder Furcht beigemischt. Einige Kontakte ergaben sich natürlich aus Notwendigkeit. Sie wussten genau wer aus diesem kleinen Kreis hinter ihr stand. Der gute Lothar, Gelehrter und Berater für das Haus Gerstark. Ein alter Mann mit eingefallener Haut und weissen dünnen Haaren. Sein Buckel war über die Jahre so schlimm geworden dass es stets so aussah als ob er einen Sack Zwiebeln auf seinem Rücken mit sich rumtragen würden. Er war einer der wenigen die Liebe und Zuneigung für dass hässliche Kind hatten. Das er Blind war machte dies manchmal zu einer ganz eigenen Form der Beleidigung.

"Fräulein Yasmin, bald erreichen wir Thorniara. Ein gar brächtiges Beispiel des Erfolges unseres brächtigen Königreich. Ihr Herr Vater mich beauftragt sie kurz vor unserer Ankunft nochmal im genauen auf ihre wichtige Aufgaben die sie im Dienste ihres Hauses mit Sicherheit leisten werden vorzubereiten."

Ihr Kopf immernoch vergraben konnte Lothar nicht sehen wie ihr die Tränen in die Augen schossen. Die Gemeinheit dieser Lügen schmerzte sie noch immer. Ihre Hand glitt zu ihrem Bauch.

"Corly und seine Männer werden ihnen in der Stadt ein Ehrengeleit zu ihrer Tante, der ehrenwerten Frau Ralahdra von Orren zu Thorniara geben." - natürlich wusste Yasmin wie ihre Tante hiess, aber der alte Mann hat eine ganz eigene Art von Methodik- " In ihrem Anwesen wird es nur einen kleinen Empfang zu ihren Ehren geben. Es wird sie sicher freuen dass Riven auch da sein wird."

Dass freute Yasmin tatsächlich. Auch ihr Cousin war eine der wenigen Personen die einen tiefen Platz in ihrem Herzen hatten. Nach dieser etwas zu formalen Ansprache - vielleicht eine Eigenheit von Blinden die nie recht wissen konnten wer anwesend war - wurden seine Gesichtszüge wieder sehr sanft und er sprach:

"Komm Kind. Lass uns nocheinmal die wichtigen Familien in Thorniara durchgehen bevor wir ankommen." - und fügte mit einem Lächeln hinzu - "Ich bin mir sicher dass Yvonne inzwischen mit dem Tee fertig ist."

Aaron
28.10.2012, 22:02
Wach lag Aaron in der schaukelnden Koje. Seine Augen starrten Löcher in das Holz der Kajüte, wobei er da kaum mehr wahrnahm als ein dunkles Grau, denn das Licht des Abends drang nur sehr fahl in das Innere des Schiffes hinein. Der Seegang war auszuhalten, wenn auch längst nicht ruhig und so ging es langsam aber stetig auf und ab. Die Haken der leer schwingenden Koje neben dem Soldaten quietschte unablässig. Aaron versuchte es zu ignorieren - mit mäßigem Erfolg.

Schonwieder befand er sich auf einem Schiff. Schonwieder auf einer Reise. Schonwieder mit Hiroga. Schonwieder mit eher weniger klarem Ziel. Wenigstens nicht schonwieder mit einer Nussschale, die mal eben gekapert worden war. Nein, die "Dicke Elli" wie die Matrosen das Schiff mit dem klangvollen Namen Elliphe... Elliko... ach was wusste Aaron, wie das Ding eigentlich hieß. Lesen hätte er es ja auch nicht können und die Matrosen nannten das Schiff eben "Dicke Elli" - zumindest machte diese ihrem Namen alle Ehre. Ein großes Schiff mit viel Frachtraum. Das schnellste war es deshalb nicht unbedingt aber Aaron für seinen Teil hatte es auch nicht eilig. Selbst Hiroga schien ein wenig seine Ruhe gefunden zu haben.

Der ehemalige Türsteher drehte den Kopf zur Seite als auf dem Deck Unruhe stand. Überflüssig, denn durch eine einfache Kopfbewegung konnte er so oder so nicht erraten was da von sich ging. Und um aufzustehen reichte sein Interesse nicht - also blieb er liegen und schaukelte weiter hin und her und hin...

Eifriges Treiben herrschte oben und spätestens als er die Befehle zum Raffen der Segel und Anpacken an die Ruder hörte, war auch dem ruhenden Mitreisenden klar, dass sie wohl ihr Ziel erreicht hatten. Zu allem Überfluss klopfte es nun an dem Durchgang zu Aarons Kabine und die Stimme eines jungen Burschen verkündete, dass man den Hafen erreichen und bald von Bord gehen könne.
Der junge Mann schloss nochmals kurz die Augen, bevor er sich aus der Koje schwang um sich vollständig in seine warmen Klamotten einzupacken, seine Sachen zusammen zu nehmen und schoneinmal zu Fiona zu gehen. Das ruhige Tier sollte ihn auch hier wieder begleiten - auf dem Festland, auf dem die Reise in der Hauptstadt, Vengard starten sollte.

Hiroga
28.10.2012, 23:10
Warum erreichte man den Hafen immer am Abend? Man war nicht ausgeruht, man konnte zumeist nichts mehr mit der Nacht anfangen und die meisten Reisenden durften eine Übernachtung mehr im Gasthaus bezahlen. Doch die See ließ sich nun einmal von so etwas nicht beirren und in ein Gasthaus würden sie sich auch nicht flüchten müssen. Seine Füße streckten sich in seine Stiefel hinein, bevor er die Lederschnallen festzurrte. Der Boden schwankte unter seinen Füßen. Poltern und Donnern über seinem Kopf, an Deck ging es hektisch zu. Mit einem prüfenden Blick kontrollierte er sein Hab und Gut. Seine Gewänder, seine Reiseausstattung, sein Buch, seine Geldkatze, sein Rabenschnabel. Es mochte einerseits eine Erleichterung sein sich nicht mehr um den Transport der schweren Rüstung zu kümmern, doch gleichzeitig war der Gedanke an den Verlust dieses wertvollen Gegenstandes, der ihm mehr als einmal das Leben gerettet hatte, ein jedes Mal mit einem kleinen Stechen verbunden. Doch Innos hatte ihn gelehrt die Veränderung, den Wandel und auch den Verlust anzunehmen und die neuen Möglichkeiten, die sich dadurch ergaben zu nutzen. So würde alles seine Ordnung behalten. Es hatte seinen Sinn. Sein Glaube gab allem einen Sinn. Allem. Wirklich allem...
Er schloss für einen kurzen Augenblick die Augen, atmete durch.
Allem!
Seine Hand griff nach der schweren Tasche und hievte sie hoch. Die Zeit, da er jemanden wie Aaron als seinen Gepäckträger missbrauchen konnte war vorüber. Sicherlich gab es in der Hauptstadt mehr als genug Helfer, die für eine geringe Entlohnung allzu gerne dazu bereit sein würden oder sogar einige Knappen und Anwärter die ohnehin keine andere Wahl hatten. Doch wollte er weder die Dienste der Streitkräfte Vengards beanspruchen noch in irgendeiner Form Aufmerksamkeit auf sich und seinen Reisegefährten ziehen. Und so gern er seine alte Heimat auch wiedersah, so wollte er diesmal doch nur so schnell es ging durch das Tor hinaus Richtung Norden reiten und die hohen Mauern hinter sich lassen. Dieses Mal gab es einfach tausende Dinge mehr die er nicht sehen wollte, als Dinge die er hätte vermissen können. Die letzten Wochen über hatte er versucht stark zu sein, doch der Aufenthalt in dieser Stadt würde eine ungleich größeren Herausforderung werden.

Die Geräusche wurden lauter. Ein kräftiges Rucken, dann verharrte das Schiff in seiner Position, schwankte nur noch im Takt der Wellen, doch rührte sich alsbald nicht mehr.

Olivia Rabenweil
30.11.2012, 19:07
Olisha stand an der Reling und blickte in die graue Masse zu ihren Füßen. Das Meer bewegte sich gleichmäßig auf und ab und die Wellen brandeten sachte gegen den Bug, der sich in unaufhaltsamer Fahrt such die Wellen schnitt. Dein kalter Seewind spielte mit ihrem langen Haar. Die ‚Hanna‘ suchte sich in ruhiger Fahret ihren Weg in die Dunkelheit. Sie würden die Nacht durchfahren müssen, da es auf der Route von Vengard nach Argaan keinen Hafen gab, an dem sie einen Halt für die Nacht machen konnten. Doch der Kapitän war zuversichtlich, dass sie ihren Weg ohne größere Schwierigkeiten bewältigen würden.
Sie hörte schwere Schritte hinter sich und ein Matrose tauchte aus der Dunkelheit auf. Er warf ihr grimmige Blicke zu. Olisha beeile sich, sie wollte besser nicht in seinem Weg stehen. Hier an Bord lagen die Gesetze etwas anders.

Am Morgen wollte sie einen dieser Rüpel davon überzeugen, dass sie Rücksicht auf sie zu nehmen hatten und sie nicht immer stören sollten, während sie ihren Teil der Reling besetzte. Doch anstatt sie in Ruhe zu lassen, wo es ihr doch aufgrund des Seegangs schon schlecht genug ging, hatte dieser Rüpel sie am Kragen gepackt und zum obersten Kommandierenden des Schiffes geschleppt. Dieser Mann war unglaublich klein und unglaublich fett. Olisha konnte sich kein Lachen verkneifen, als sich diese Kugel vor ihr aufbaute. Der Zorn über ihr Verhalten ließ sein rundes Gesicht rot anlaufen. Er stemmte die Fäuste in die Hüften und machte sich damit noch lächerlicher. Olisha schlug sie die Hände vors Gesicht und kicherte haltlos.
Doch ihr Kichern erstarb uhrplötzlich, als der großgewachsene Matrose sie um die Hüfte packte und sie hochhob. Laut zeternd fing sie an mit den Fäusten auf ihn einzuschlagen. Doch es war völlig sinnlos gewesen. Der Matrose kümmerte ich wenig darum. Ihr schreien stoppte und indem blickte den Kommandierenden an.
„Was soll das?“ Ihre entrüsteten Blicke trafen die seinen. Er blieb ungerührt. Es schien, dass er seinen Zorn im Griff hatte. „Ich sagte doch, dass Frauen an Bord nur Ärger machen. Bringen wir sie zum Käpt’n, das Beste wär, sie gleich hier über Bord zu werfen.“
„Was über Bord? Was meint Ihr damit? Ihr könnt mich doch hier nicht über Bord werfen. Das wäre Mord! Ihr seid doch keine Mörder, oder?“ Ängstlich fing sie an mit den Füßen zu strampeln. Doch es hatte keinen Effekt, der Mann war zu stark.
„Nein Mörder sind wir nicht, doch bevor ihr die ganze Besatzung in Gefahr bringt entledigen wir uns lieber Eurer. Doch das habe nicht ich zu entscheiden. Das wird der Käpt’n tun. Und ich sach‘ Euch gleich, der mag keine Frauen an Bord.“
Ungeachtet ihres Widerstands wurde sie in Richtung der Kapitänskajüte getragen. Nach mehrmaligem anklopfen öffnete der Mann die Tür... Er war größer als sein erster Offizier, doch weitaus dünner. Fast hager und von dem Gestank nach zu urteilen auch stock betrunken und übel gelaunt.
„Ich hoffe es ist wichtig, warum du mich störst, Hirt. Ich habe keine lust auf irgendeinen Mist.“ Es viel ihm schwer den Blick zu fokussieren. Olisha hatte mit dem Zappeln aufgehört und beobachtete ihn schweigend.
„Es geht um das Gör hier. Der Priester, oder was er is‘ hat sie mitgebracht. Ich sachte Euch ja schon gestern. Das war dumm. Sie macht nur Ärger. Setzen wir s‘e ab, Käpt’n!“ Der kleine Dicke sah seinen Kapitän eindringlich an. Dieser nickte nur beiläufig und verschwand dann wieder in seiner Kajüte. Dier Matrose nickte ebenfalls und drehte sich mit einem unlesbaren Gesichtsausdruck zurück zum Meer.
Hey! Heee! Nein das könnt ihr nicht machen! Heee! Curt? Vielor? He, Hilfe! Die wollen mich über Bord werfen!“ Doch Niemand erhörte ihre Hilferufe. Wie konnte das sein? So groß war doch das Schiff gar nicht.
Der Matrose hatte die Reling erreicht. Olisha spürte wie sie höher gehoben wurde und ihre Füße die Planken. Ängstlich krallte sie sich an den starken Unterarmen die sie hielten. „Neeeeein, neeeein!“ Tränen rannten ihr über das Gesicht.
„ Aufhören. Sofort.“ Der Befehl knallte wie ein Peitschenschlag über das Deck. Der stinkende Matrose, der Olisha hielt erstarrte in seiner Bewegung und blickte sich um. Die Stimme des kleinen Offiziers drang an ihr Ohr. „Junger Herr?“
Olisha drehte ihren Kopf und erblickte Johann. Erst konnte sie ihn durch den Tränenschleier in ihren Augen gar nicht erkennen, doch als er näher kam und seine Hände nach ihr ausstreckte wusste sie wer er war. Ihre Stimme klang ungewohnt zittrig als sie nach seinem Ärmel griff.
„Johann… Johann bitte hilf mir!“ Ihr versagte die Stimme. Für einen Moment war nur das Rauschen des Meeres zu hören. Johann nahm sie aus den Armen des Matrosen und zog sie ihn seine. In diesem Moment war sie unendlich dankbar für seine Geste.
„Was soll dieser Wahnsinn? Wer seid ihr, dass ihr es wagt so mit einer Frau umzugehen? Habt ihr jeden Anstand verloren?“ Es war das erste Mal, dass Olisha den sonst so sanftmütigen Johann wütend erlebte. Das Gesicht an seine Brust gedrückt lächelte sie. In ihm steckte wirklich mehr als sie jemals erwartet hätte.
„Aber junger Herr, das war ein Befehl des Käpt’n. Er sagte…“
„Es ist mir egal, was der Kapitän gesagt hat!“ schrie er seinen Männern entgegen. „ Das hier ist das Schiff meines Vaters und ich befehle Euch, diese Dame von jetzt an gut zu behandeln. Habt ihr verstanden?“
Olisha riskierte einen Blick. Jetzt wo sie in Sicherheit war wunderte sie sich, warum Johann überhaupt an Bord war? Sollte er sich nicht von ihr fern halten, oder sie sich von ihm?
Die Blicke der Männer lenkten sie jedoch dann wieder von ihren Gedanken ab. Sie sahen nicht so aus, als würden sie sich diesem Befehl gerne beugen. Dich sie mussten und so zogen sie von hinnen um ihrer Arbeit weiter nachzugehen.
Olisha löste sich aus Johanns Armen.
„Johann, ich bin ja so froh Euch zu sehen. Ihr seid die Person, die ich am dringendsten Brauchte und doch am wenigsten erwartet habe. Danke für Eure Hilfe.“ Sie sah ihn einem Moment einfach nur an, beugte sich dann vor, streckte sich und drückte ihm ein Kuss auf die Wange. Der Mann, der eben noch so selbstsicher wirkte, schien vor ihren Augen ein Handbreit zu schrumpfen und seine Wangen wurden rot wie reife Äpfel.
Sie wich einen Schritt zurück von ihm und sah aufs Meer hinaus. Eine unangenehme Stille entstand zwischen ihnen.
„Ich ähh, Ich… mein Vater hat mich her befohlen. Er denkt wohl dass die frische Seeluft mir die Flausen aus dem Kopf wehen könnte. Doch…“ Auch er hatte sich dem Meer zugewandt und sie Beide blickten schweigend zum Horizont.
„Doch, was?“ Auf Olishas Lippen lag ein Schmunzeln. Sie konnte sich schon ausmahlen worauf dieses Gespräch hinsteuerte. Einerseits machte ihr Herz bei dem Gedanken daran einen kleinen Hüpfer andererseits war Johann, so nett wie er auch war immer noch nicht ihr Typ.
Sie schloss die Augen, lies den Wind durch ihr Haar fahren und erwartete seine Antwort.
„Nun es gibt Dinge, die kann auch der stärkste Sturm aus meinem Kopf blasen.“ Er drehte ihr sein Gesicht zu. Ein scheues Lächeln auf den Lippen. Sie lächelte zurück bis das Lächeln aus seinem Gesicht urplötzlich verschwunden war. Fragend sah sie ihn an, und blickte dann in dieselbe Richtung in die auch er schaute.
Oben auf dem Achterdeck stand der Novize Curt. Er sah alles andere als glücklich aus. Als ob ein Blitz zwischen sie gefahren wäre, sprangen sie auseinander. Johann drehte sich zum Gehen. „Es wäre besser, wenn Ihr wieder Unterdeck geht. Da ist es sicher und Ihr stört niemanden.“ Leider setzte er hinzu: „Dort werde ich Euch finden.“ Er verschwand Richtung Heck, um dort mit Curt zu reden. Es sah aus, als ob er sich bei ihm entschuldigte. Doch wofür? Sie hatten schließlich nur geredet. Oder hatte der angehende Priester auch den Kuss gesehen? Dann hätten sie wohl beide ein Problem…
Sicherlich hätte das auch für sie ein Nachspiel.

Doch seit dieser Zeit hatte sie niemand aufgesucht.
Ihre Gedanken wurden jäh von einer aufwallenden Übelkeit gestoppt. Sie sprang zur Reling beugte sich weit darüber und schaffte es gerade noch rechtzeitig ihre Haare aus dem Weg zu ziehen, bevor sie sich erbrach.

Vielor
30.11.2012, 20:10
Welch eine See, einfach nur herrlich. Hier, im Bauche des schaukelnden Schiffes fühlte sich Vielor so richtig wohl. In seiner Hängematte liegend genoss er die Privilegien ein Passagier zu sein und kein Matrose. Er musste nicht Dienst schieben, nicht den Mast hoch klettern und nicht die Segel reffen, einholen oder setzen. Er hatte frei. Doch mit der Zeit wurde auch das gemütliche Herumliegen hier unter Deck langweilig. Außerdem vermisste er hier unten noch immer die Gischt, die ihm ins Gesicht zu spritzen pflegte.

An Deck war viel los. Die Matrosen rannte wild umher, versuchten lose Dinge einzusammeln und irgendwo zu befestigen, kletterten den Masten hoch und runter und vertäuten lose Tampen. Unter all dem Gewusel fiel eine Person ganz besonders auf: Olisha. Die junge Frau stand über der Reling gebeugt und beobachtete das Meer.

„Ist es nicht wunderschön? Die raue See, die an den Rumpf knallt, das Boot auf und ab fahren lässt und die nasse salzige Luft zu uns schickt. Sieht sie nicht aus wie ein seidener Schleier, tänzelnd im Wind? Mit Verzierungen aus Schaumkronen und… was ist denn das?“
Im Wasser schwammen irgendwelche Bröckchen, die einen Nebel ausgespülter Schwemmstoffe hinter sich her zogen. Doch schon bald bemerkte Vielor den Ursprung dieser Stoffe. Sie kamen von Olisha selbst oder besser gesagt aus ihrem Magen, denn die Frau ergab gerade ihre Letzten Malzeiten ins Meer.

„Oh, du bist seekrank“, kombinierte Vielor äußerst scharfsinnig. „Das ist gar nicht gut, denn das Wetter wird nicht besser. Dieser kleine Sturm ist nur ein Vorbote dessen, was uns noch erwartet. In ein paar Stunden sollte man sich, soweit möglich, nicht auf dem Deck aufhalten. Die Gefahr ins Meer gespült zu werden ist dann ungemein. Und das Meer neigt für gewöhnlich nicht dazu, einmal empfangenes je wieder heraus zu geben. Und so wie ich die Crew einschätze, werden sie auch keine riskanten Wendemanöver unternehmen, um jemand über Bord gegangenes einzusammeln.“

Curt
30.11.2012, 21:12
Die Hanna peitschte rasant über das offene Meer auf dem Weg von Vengard in Richtung Thorniara. Das Schneegestöber hatte sie bald hinter sich gelassen, dafür nieselte es nun und die peitschende Gischt tat ihr übriges dazu, sich um diese Uhrzeit nicht auf Deck aufzuhalten. Curt hatte das Glück, sich eine Kammer mit dem ersten Offizier Hirt teilen zu dürfen. Dieser überaus pummelige Mensch hatte einen gehorsamen Charakter, aber an ihm klebte die Sünde der Völlerei, was Curt zutiefst verachtete. Er würde bald Zeit werden, dass er die Sünden aufschreiben musste, die er all denen auszutreiben hatte, die unter seiner weisen Führung Erleuchtung erlangen wollten. Ignoranz stand dabei an höchster Stelle, gefolgt von Dingen wie Ungehorsam vor der Kirche, Faulenzerei, Dummheit, Liebeleien unter nicht kirchlich Getrauten, Alkoholkonsum oder eben Völlerei. Da hatte Curt eine Menge Arbeit vor sich aber er wusste für jeden Mittel und Wege, sich auf den rechten Weg zu begeben. So auch für Olisha, die sich gestern noch voller Demut seinem Weg anschließen wollte. Er hatte in seiner unendlichen Gnade dafür gesorgt, dass sie mit nach Thorniara kommen durfte, doch sollte sie sich erst einmal einen Namen machen, ehe er seine kostbare Luft mit ihr teilte.

Die Kajüte teilten Hirt und er im Zwölfstundentakt. Da Curt nie den halben Tag schlafen würde, kümmerte er sich in der restlichen Zeit darum, die überschüssigen Mahlzeiten des ersten Offiziers zu verstecken, einiges davon floss natürlich auch in seine Taschen. Das war insofern genehm, als dass er als Ordensmitglied Spenden in jeder Form und jederzeit erheben konnte.
Als jemand über Deck schrie, dass man ein Mädchen über Bord werfen wollte, wurde er aus seiner Arbeit gerissen und eilte seufzend nach draußen. Dort hatte sich die Situation schon beruhigt. Anscheinend hatte sich Olisha falsch verhalten und Johann hatte sie vor den Fluten gerettet. Und dann küsste sie ihn! Eigentlich hatte er strengsten Kontaktverbot von seinem Vater bekommen, wie konnte es sein, dass er sie dann überhaupt sprechen, ja in solch sündiger Form berühen durfte.
"Nein, so geht das nicht!", rief Curt wütend und eilte über Deck. Während Vielor sich um Olisha kümmerte, kam Johann schon von selbst zu ihm.
"Junger Mann, du bist wohl von Beliar besessen!? Ich habe alles gesehen, ich muss nun... was zum?"

Das Boot fuhr in eine riesige Welle und sackte dabei auf und ab. Curt wurde kurz von seinen Füßen gerissen und fiel dann auf seinen Hintern. Die anderen konnten sich irgendwie fest halten, waren sie doch geübter auf einem Schiff als er. Doch das beeindruckte ihn ebenso wenig wie der Einschleimversuch von Johann, als dieser ihm aufhelfen wollte.
"Lass deine räudigen Finger von mir!", schimpfte der Adlatus, "Was ist denn los?"
Der Kapitän kam an Deck und rief: "DAS SEGEL IST GERISSEN! SOFORT EINHOLEN! DER REST AN DIE RUDER!"
Noch eine Welle riss das Boot in die Lüfte und diesmal konnte sich kaum noch einer festhalten.
"VIELOR!", schrie der Bärtige über Deck, "MACH DOCH, DASS ES AUFHÖRT!"
Langsam wurde auch der erstaunlich hart gesottene Curt seekrank.

Olivia Rabenweil
30.11.2012, 22:00
Hustend strich sich Olisha mit dem Handrücken über dem Mund. Sie hasste es sich übergeben zu müssen. Der bittere Geschmack war einfach nur widerlich und ihre aufsteigenden Magensäfte hatten ihren Hals bereits so sehr gereizt, dass das Schlucken und Husten wehtat. Ihr war Hundeelend. Niemand hatte es verdient sich so zu fühlen.
Vielor erschien an ihrer Seite.
„Was? Unter Deck? Da wird mir ja noch schlechter. Nein…“ Sie hustete erneut. „…da gehe ich nicht hin!“ Der Seegang war stärker geworden. Das Schiff begann gewaltig zu schaukeln. Eine große Welle rollte unter dem Schiff entlang und die ‚Hanna‘ wurde erst in die Höge getragen, um dann in das Wellental zu stürzen. Es war als ob der Boden unter ihren Füßen weggerissen wurde. Nach halt suchend fuchtelte sie mit den Armen durch die Luft. Schließlich fanden ihre Hände Vielors Arm und klammerten sich daran. Das Gefühl von dem Schiff durchs Meer geschaukelt zu werden kam ihr schrecklich bekannt vor. Auch wenn sie nicht wusste, woher.
Befehle wurden über das Deck gerufen. Das Segel schien gerissen zu sein. Angst stieg in Olisha hoch. Wie war sie nur auf die dumme Idee gekommen ein Schiff zu betreten. Schließlich hörte man immer wieder, dass Schiffe von See nicht zurückkehrten. Hatte ihr Vater nicht erst letztens davon erzählt, dass eines seiner Schiffe im Sturm verloren gegangen war? Das hier war Wahnsinn!
„Beliar habe Gnade mit mir“, betet sie leise als sie sich dichter an Vielors Brust gedrängt und versuchte bei ihm Halt zu finden.
Von der anderen Seite des Schiffs waren Rufe zu hören. Sie klangen nach Curt. Olisha riskierte einen Blick. Curt lag am Boden. Johann versuchte ihm aufzuhelfen, doch er schlug seine Hilfe aus. Dummer Novize. Er bewegte sich nicht sehr gekonnt an Deck. Wenn er so weiter macht, dann würde er wohl über Bord gehen. Ob das Schiff für ihn wenden würde?
„Jeder, der hier nix zu tun hat – Unter Deck – Sofort!“ Der Kapitän mochte zwar betrunken sein, doch Befehle brüllen konnte er immer noch. Es kam Bewegung in die Mannschaft. Und obwohl ihr immer noch schlecht war wollte sie jetzt doch besser unter Deck. Das Segel schlug wild im Wind hin und her. Hätte sie Vielor nicht zu Boden gedrückt, dann wäre sie gerade über Bord gegangen. Die Männer hatten ihre Schwierigkeiten damit das leinenere Monster zu bändigen.
„Vielor, schnell. Bitte lasst uns in Sicherheit gehen. Ich denke, dass ich den Sturm nicht hier auf dem Deck miterleben möchte.“ Sie riss an seinem Ärmel.

Vielor
30.11.2012, 22:40
Vielor verspürte pure Freude. Er liebte es, die Gewalten der Natur zu spüren, doch andererseits wusste er aus eigener Erfahrung, wie gefährlich diese Gewalten waren. Er hatte schon diverse Kameraden und Freunde, gelegentlich auch Verwandte auf See verloren. Die See spendete Leben und Nahrung, doch ebenso großzügig wie sie manches Mal war, war sie auch gierig und nahm sich dann was ihr beliebte.
Bei dem gerissenen Segel hörte der Spaß wahrhaftig auf, denn nun befand sich die Hanna in einer Notsituation. Der Druck eines gerissenen Segels war nicht mehr nach vorn gerichtet, sondern irgendwo hin und verursachte eine leichte Schieflage. Die Matrosen versuchten eifrig, das Segel einzuholen. Erst wenn dies geschafft war, konnte das Boot wieder halbwegs stabil weitersegeln.

Erst hatte Olisha zwar gezögert und wollte nicht so recht unter Deck, doch nun wo sie das Chaos und die Gewalten des Sturmes hautnah erlebte, konnte sie nicht schnell genug nach unten. Doch Hektik half nun auch nicht weiter. Auf dem kurzen Weg in die Sicherheit stolperte sie gleich mehrfach und musste von Vielor aufgefangen werden.
Als sie die Luke zu den unteren Decks erreicht hatten, drehte sich Vielor noch einmal um und blickte in eine wahre Wasserwand. „Scheiße“, war das letzte, was er noch hervor brachte, bevor die Welle über Deck schwappte und Beide die Treppe zu den unteren Decks hinunter spülte. Kaum waren sie unten und husteten das verschluckte Wasser aus, hörten sie auch schon von Oben das Geschrei der Matrosen:
„Ist jemand Verletzt? Sind alle noch da? Wo ist…
MANN ÜBER BORD! MANN ÜBER BORD!“

Sie konnten nicht verstehen wer über Bord war, doch derjenige, den es getroffen hatte, würde wohl kaum wiedergefunden.
„Der Arme“, sagte Vielor, „wird wohl kaum Überlebenschancen haben in diesen Fluten.“
Doch wer war es? Doch nicht etwa Curt? Vielor begann sich ernsthaft um den Novizen zu sorgen. Er musste hoch und nachsehen.
„Geh zu Hängematten der Matrosen und halt dich irgendwo fest. Dort ist keine schwere Ladung die dich erschlagen oder zerquetschen kann und der Weg hier hoch ist im Zweifel auch recht kurz. Ich muss nochmal hoch und nach Curt sehen. Bis gleich.“

Vielor eilte die Treppe wieder empor und sah sich an Deck suchen um. Auf der anderen Seite des Schiffes versuchte ein völlig durchnässter Curt gerade, sich zu erheben, doch wurde er vom Schaukeln des Schiffes immer wieder zu Boden gerissen. Vielor musste sich beeilen. Die nächste Welle würde wohl bald kommen.
Bei Curt angelangt bot er ihm weder Hilfe beim Aufstehen an, noch sprach er sonst in irgendeiner Weise mit ihm. Wortlos packte er einen Arm des Novizen und zog ihn hoch auf die eigenen wackeligen Beine. Stützend schleppte er seinen Lehrer unter Deck.
Sie hatten Glück, es schaukelte zwar noch enorm, doch eine weitere Welle hatte sie während der Zeit der „Flucht“ nicht erwischt. Im Matrosenquartier lud Vielor Curt neben Olisha an einer Wand lehnend ab. Es war geschafft, hier waren sie in Sicherheit.

Olivia Rabenweil
01.12.2012, 22:32
Ängstlich hatte sich Olisha an eine der Spanten an der Bordwand geklammert. Das Schiff wurde immer noch im Sturm hin und her gerissen. Inzwischen war er um ein vielfaches stärker geworden. Oder es kam ihr nur so vor, da sie sich nun Unterdeck befanden? Ein scheußliches Knarren zog sich erneut durch das ganze Schiff. Die ‚Hanna‘ stöhnte erbärmlich unter der Last von Wind und Wellen.
Sie schrie auf. Die Unwissenheit raubte ihr beinahe den Verstand. Es war eine Qual nicht zu wissen, was draußen vor sich ging. Wer war über Bord gefallen? War das Segel geborgen? Konnten die Matrosen das Schiff durch den Sturm bringen oder würden sie alle auf See sterben?
Ein Knallen ertönte, aufgeregte Männerstimmen waren von Deck zu hören, das Schiff bekam eine gefährliche Krängung und dann wieder dieses Knarren. Lauter und bedrohlicher als zuvor. Ihr Herz setze einen Schlag aus. Etwas brach über ihnen. Das Holz um sie herum schrei förmlich und so auch sie. Vielor stand zu weit von ihr entfernt, als dass sie sich an ihm hätte festhalten können. So blieb ihren Händen nur Curt an den sie sich klammern konnten.
Ihre Hände umschlossen seinen Arm. In ihrer Panik bekam sie nicht mit, wie sich ihre Fingernägel in seine Robe gruben. In ihrem Kopf erschienen Bilder.

Eine kleine hölzerne Zelle mit einer einzelnen, kleinen Öllampe erleuchtet, die unaufhörlich hin und her schwankte.

Die ‚Hanna‘ raste abwärts. Durch die Luke schlug Meerwasser ins Innere des Schiffes. Wieder das Schreien der Matrosen. Ein Mann erschien in der Öffnung und brüllte etwas zu ihnen hinunter, doch das Tosen des Meeres schluckte seine Worte.

Hektische Männer am Oberdeck. Eine Welle höher als ein Haus verdeckte den Horizont und bewegte sich unaufhaltsam auf sie zu.

Noch enger drückte Olisha sich an den Novizen, schrie und wimmerte. Die Welt um sie herum nahm sie nicht mehr war. Todesangst herrschte in ihrem Herzen.
„Rette mich! Bitte, ich will noch nicht in‘s Reich einfahren!“

Der enorme Druck des Wassers zog sie in die Tiefe. Unbeholfen trat sie um sich. Doch es half nichts. Die See verschluckte sie und ihre Sinne begannen zu schwinden. Je tiefer sie sank, desto dunkler wurde es. Doch dann erschien ein Licht vor ihren Augen. Es war ein warmes Licht. Eine Halle, eine Halle gefüllt mit warmen, gemütlichen Feuern. Dunkle Gestalten saßen darum herum. Sie bewegten sich nicht, dennoch saßen sie dort und die ganze Szene strahlte Gemütlichkeit aus. Die Kälte des Meerwassers wurde aus ihrem Körper getrieben, als sie das Tor zur Halle erreichte. Ihre Blicke reichten nun tiefer in den Raum. Am Ende der gigantischen halle saß eine weitere dunkle Gestalt auf einem steinernen Thron. Der Thron bestand aus schwarzen Knochen und war geschmückt mit blutroten Zeichen, die Olisha zuvor noch nie gesehen hatte. Brennende gestalten umtanzten das Wesen auf dem Thorn. Sie wirkten so unreal, dennoch wusste sie, dass sie dort waren. Eine machtvolle Aura ging von ihnen aus.
Die stärkste Aura hatte jedoch der Mann auf dem Thron. Er gab ihr das Gefühl zu Hause zu sein, endlich angekommen zu sein. Sie lächelte. Streckte ihre Hand nach ihm aus. Schwebte durch die Torflügel und dann schwangen sie zu. Er sah sie durch die sich schließenden Flügel hindurch an. Leuchtende, dunkle Augen unter einer dämonischen Maske. Ein harter Schlag traf sie vor die Brust und sie wurde von dieser göttlichen Halle fortgerissen. Ein aufsteigendes Holzfass hatte sie erwischt und drückte sie der Meeresoberfläche entgegen. In dem Moment als sie die Wasseroberfläche durchschlug und der schwarze, blitzdurchzuckte Himmel wieder ihre Welt überspannte, begriff sie, Beliar hatte sie aus seinen Hallen verstoßen.

Olisha stellte das Schreien ein. Es brachte nichts. Sie würde sich Beliars Weisungen fügen müssen. Er hatte sie einmal nicht zu sich geholt und ihr Leben verschont. Meinte das, dass er in dieser Welt noch Pläne mit ihr hatte? Es musste so sein. Warum sollte er sich sonst um ein einzelnes unbedeutendes Individuum kümmern.
Ein friedliches Lächeln legte sich auf ihr Gesicht als sie die Augen schloss und ihre Sinne gehen ließ. Sie verlor das Bewusstsein.

Vielor
02.12.2012, 00:02
Der Höhepunkt des Sturmes war schon längst überschritten und die See begann sich wieder zu beruhigen, als Curt sich aus seiner Schockstarre zu lösen begann. Nachdem sich der Novize aus der Umklammerung Olishas gelöst hatte, versuchte Vielor ihn aufzumuntern: „Da hat uns das Element Adanos‘ also doch nicht verschlingen können.“
Jedoch blieb der Kommentar unbeantwortet. Sich irgendetwas in den Bart grummelnd stapfte oder besser gesagt torkelte Curt von dannen und verschwand in seiner Kajüte. Die bewusstlose Olisha lehnte kraftlos zwischen zwei Spanten an der Bordwand. So auf dem Boden kauernd wollte Vielor sie nicht zurück lassen, sondern hob sie hoch und verfrachtete die junge Frau in eine der Hängematten. Zur Wärmeerhaltung, es war inzwischen schon ziemlich kalt auf dem Schiff geworden, legte er noch zwei Filzdecken über sie.

Auf dem Schiffsdeck war so einiges an Trubel. Schäden wurden gesichtet, teils auch schon repariert und lose umherliegende Gegenstände eingesammelt. Und ganz nebenbei, als wäre es das unwichtigste der Welt, wurde auch noch das Schiff manövriert und betriebsbereit gehalten. Kommandos hallten über Deck und eifrige Matrosen flitzten umher. Noch war nicht alles überstanden. Die Unwetterfront hatten sie zwar hinter sich gelassen, doch konnte sie sie bei drehenden Winden noch immer ein zweites Mal erreichen. Das Schiff hatte von der Substanz her zwar keinen Schaden genommen, doch hieß dies nicht dass sie einen zweiten großen Sturm innerhalb solch kurzer Zeit heil überstehen würden.

Mit den Matrosen stieg nun auch Vielor hinauf in den Mast um die verbliebenen Segel wieder zu setzen. Um hier schleunigst weg zu kommen brauchte sie Fahrt und an Fahrt gewann man durch eine höhere Segelfläche in der sich der Wind sammeln konnte um dann seine Energie in den Vorschub des Schiffes umzuwandeln. Das gerissene Segel wurde allerdings nicht gesetzt, viel zu gefährlich wäre es, diese zwei unkontrollierbaren Leinenbahnen den Gewalten des Windes auszusetzen. Denn auch wenn der Sturm vorüber war, so blies der Wind noch immer kräftig.
Hier oben, im Masten zwischen den Segeln spürte Vielor erst wieder, wie stark der Wind blies und wie sehr der Wellengang die Hanna durchschaukelte. Hier oben wurde selbst er so langsam Seekrank. Lange würde er es nicht mehr aushalten und musste nun möglichst bald wieder hinunter aufs Deck steigen.

Nach seiner kleinen „Inspektion“ und ein paar Gesprächen mit der Besatzung war Vielor nun ein Stück weit schlauer. Er wusste nun, dass sie ihr Ziel wohl sicher erreichen würden, doch wusste er auch, dass sie unterwegs noch eine Abschiedsmesse zu Ehren des über Bord gegangenen Kameraden abhalten würden. Mit dieser Fülle an neuen Erkenntnissen ging der Fischer wieder unter Deck zu den Unterkünften der Matrosen.
„Ahh, wie ich sehe, bist du schon wieder wach“, begrüßte Vielor Olisha, die gerade mit wackligen Beinen aus der noch wackligeren Hängematte zu steigen versuchte.
„Hat dich ja ganz schön mitgenommen die unruhige Fahrt. Ich hoffe es geht inzwischen besser, oder sollen wir lieber erstmal wieder an Deck gehen?“

Olivia Rabenweil
02.12.2012, 00:42
„Ja bitte lass und hinauf gehen“ Ich halte es hier nicht mehr aus…“ Schweigend schlich sie neben Vielor her. Letztendlich hatte er sich, trotz seiner respektlosen Art, doch als ein ganz netter Kerl herausgestellt. Und er schien umgänglicher zu sein als der arrogante Novize. Jetzt da sie Johann nicht mehr zu nahe kommen durfte, sollte sie sich besser an ihn halten. Er war bei der Stadtwache und das bedeutete, dass es seine Aufgabe war die Schwachen zu beschützen. Schwächlich zu wirken sollte sie hinbekommen. Er muss ja nicht wissen wie stark ich wirklich bin.
„Sagt, was ist passiert. Ich dachte dieser Sturm, Adanos‘ Zorn, wäre unser Ende. Könnt ihr mir sagen was geschehen ist, dass wir nicht gesunken sind? Und ist das Schiff beschädigt? Wer ist über Bord gefallen? Konnte man ihn retten?“ Sie hatten inzwischen das Deck erreicht. Frischer Wind blies ihnen ins Gesicht. Der Sturm war deutlich abgeflaut, doch die See war immer noch unruhig. Seitlich anlaufende Wellen brachten das Schiff zum Schwanken. Eine der Wellen hob das Schiff so sehr, dass Olisha für einen kurzen Moment das Gleichgewicht verlor. Doch anstatt sich abzufangen hielt sie sich lieber an Vielors starken Armen fest. Unschuldig lächelte sie ihn dankbar an. Wie beiläufig blieben ihre Hände an seinem Arm. Seit sie seine Wäsche gewaschen hatte stank er nicht mehr so penetrant.
Sie führte ihn zur Reling und blickte dann in den immer noch bewölkten Nachthimmel. Sie lehnte sich dagegen, warf ihr Langes ebenholzfarbenes Haar nach hinten und lies den Wind hinein greifen. Es war angenehm ihn auf ihrer Haut zu spüren. Sie löste etwas die Schnüre ihres Kleides und lächelte. Die Matrosen um sie herum gingen immer noch eifrig ihrer Arbeit nach. Der erste Offizier an Deck hielt sie davon ab, stehen zu bleiben um zu glotzen. Doch sie konnte förmlich seine hasserfüllten Blicke auf ihr spüren. Sie hielt wohl die Mannschaft doch etwas von der Arbeit ab. Was soll’s?
Sie bog den Rücken durch, schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken. Die heilige Nacht genießend wartete sie auf Vielors Antworten. Auch wenn es sie inzwischen fast gar nicht mehr interessierte. Sie hatte ein gutes Gefühl…

Vielor
02.12.2012, 21:33
Vielor hatte Olisha an Deck des Schiffes begleitet. Auch wenn die See sich noch nicht vollends beruhigt hatte, so konnte sie dennoch die frische Nachtluft und die etwas ruhigere Fahrt genießen. Und auch Vielor konnte nicht von sich behaupten, dass es ihm nicht gefiele, wenn sich die junge Frau halt suchen an seinem Arm festkrallte. Dennoch wusste er, dass die gute Stimmung schon bald getrübt würde. Doch wie konnte er ihr die schlechte Nachricht überbringen? Doch sicher nicht hier, nicht in dieser Situation, nicht während sie entspannt über der Reling beugte.

„Nun, die Seefahrt ist ein stetiger Kampf gegen die Kräfte des Meeres, die Macht des Elementes Adanos‘.“
Vielor löste sich wieder von der Reling und reichte Olisha seine Hand zu einem kleinen Gang über das Deck. Er hatte keine große Erfahrung darin, Anderen schlechte Nachrichten zu überbringen.
„Meistens überstehen die Schiffe einen Sturm, gelegentlich mit einigen Blessuren, doch in den meisten Fällen geht alles gut. Ansonsten wäre die Seefahrt ja auch ein ungeheuer gefährliches Geschäft, denn jedes Schiff durchfährt in seiner Lebenszeit mehrere dieser Stürme. Allerdings hat ebenso wie ein Mensch auch ein Schiff irgendwann einmal sein Ende erreicht. Dies kann vielfältig sein. Manche werden einfach abgewrackt, einige stillgelegt und verwahrlosen so lange, bis sie im Hafen untergehen, einige erleiden Unfälle durch schlechte Navigation und einige verschwinden eben auch spurlos auf See.“

Sie waren bei einigen fest verschnürten Fässern angelangt und Vielor wischte kurz über die Oberfläche. Dies hatte zwar keinen wirklichen Nutzen, da die Fässer eh gut gespült waren – wie so ziemlich alles hier an Deck – doch für die Aufforderung sich zu setzten passte diese Geste hinzu. Nachdem sich Olisha gesetzt hatte, konnte Vielor etwas konkreter werden:
„Aber bei all den Stürmen und Gefahren, die so ein Schiff in seinem Lebenszyklus durchfahren muss, sind manche Blessuren und Verluste nicht auszuschließen. Geht ein Besatzungsmitglied über Bord, dann sind die Chancen, ihn lebend wiederzufinden sehr gering. Deshalb ist auch jeder Matrose darauf bedacht, nicht gerade in einem Sturm über Bord zu gehen.“
Vielor atmete einmal tief durch, denn die nächsten Worte mussten gut überlegt sein.
„Der Mann, der letzte Nacht über Bord gegangen ist… es ist… es war… Johann. Man hat ihn nicht retten können.“

Vielor beobachtete die Reaktionen Olishas. Das Lächeln der Frau war erstorben und offensichtlich war es auch richtig, dass er ihr vor der schlechten Nachricht einen Sitzplatz organisiert hatte. Denn ihre Hände begannen sich wieder in den Arm des Fischers zu krallen und der Seegang war gerade nicht so stark, dass ein Geleichgewichtsverlust hierdurch zu erklären wär.
Vielor wusste nicht so recht, wie er nun reagieren sollte. Noch nie zuvor hatte er einem Hinterbliebenen die Nachricht über den Verlust eines geliebten Menschen überbracht. Sollte er tröstende Worte sagen? Sollte er sie lieber alleine lassen? Oder doch jemand anderes holen, der mehr Erfahrung in diesen Dingen hatte. Vielleicht den Kapitän?
Letztlich beschloss er einfach schweigend bei Olisha zu bleiben, ihr Halt zu geben und seinen Ärmel als Tränenfänger zu verwenden.

Jedoch schien dies nicht jedem an Bord zu passen. Während Kapitän, erster Offizier und Matrosen sie unbehelligt ließen, spürte Vielor ein unheilverkündendes Schnauben in seinem Nacken. Beinahe hätte er vermutet, es wäre ein Pferd, das ihm gerade in den Nacken schnaubt. Jedoch hatten Pferde für gewöhnlich weniger Haare um die Mundpartien. Und ein weiterer wesentlicher Unterschied war, dass Pferde junge Fischer nicht am Kragen packten und nach hinten wegzogen. Nein, dies war definitiv Curt in einem seiner Rechtschaffenheits-Moralanfälle.

Curt
02.12.2012, 22:28
Den Sturm hatte Curt wie ein Idol weggesteckt. Auch wenn es nicht immer den Anschein gemacht hatte, wusste er im Moment des jüngsten Gerichts, dass sein Weg der richtige war. Er hatte seine starken Hände jenen ausgestreckt, die in Anbetracht des nahen Todes nur noch einer Intuition folgten: dass das Letzte, was sie taten von reinem Herzen und richtig war. Er hatte den Sturm überlebt und so tat es auch Olisha, die an ihn geglaubt und ihr Schicksal dem seinen untergeordnet und gebeut hatte. Sie hatten das Leben gewählt und dafür hatte Curt seinem Gott in einem langen Gebet gedankt, als das Schiff wieder ruhigen Seegang aufgenommen hatte.

Als er damit fertig war, stolperte er aus seiner Kabine an Deck. Zugegeben, etwas saß ihm der Schreck noch in den Knochen, doch er atmete tief durch, zählte bis fünf und versuchte, da weiter zu machen, wo er aufgehört hatte: Ein Lehrer und Vorbild zu sein, ein Hirte Innos', der seine Schäfchen mit heilige Worten ins Trockene brachte.
Doch was musste er da sehen, als er just nach seinem Gebete wieder zu seinen Schülern zurück kehrte? Niemand hatte gebetet, doch die meisten arbeiteten wenigstens, um das Schiff heil in den Hafen zu segeln. Ausgerechnet Vielor und Olisha hingegen taten nichts. Schlimmer, der Fischer hielt sogar die Hand des Mädchens und tätschelte ihre Schulter. Ja, so kurz war der heilige Moment und sein Glauben daran, dass sie daraus etwas gelernt hatten, war nur ein Wunsch, eine Illusion, die solche einfachen Geister nicht zu schätzen wussten. Aber da sie mehr oder weniger ihm unterstanden, verlangte Curt auch, dass sie sich vorbildlich verhielten.

Er packte Vielor von hinten am Kragen und klatschte mit seiner Hand auf die des Fischers, dass sie das minderjährige Mädchen losließ.
"Was muss ich da sehen?", fragte Curt zornig, "Seid ihr beide eigentlich von allen guten Geistern verlassen? Habt ihr denn immer noch nichts gelernt? Der Sturm war doch Beweis genug, dass Innos eure Sünden nicht tatenlos hinnimmt. Wie ihr wisst, beherrscht Adanos das Wasser, doch Innos bringt Wind und Stürme. Er war es leid, Dinge wie diese zu sehen und ich war nicht in der Lage, seinen Zorn bis hierhin zu unterdrücken. Doch verflucht seiet ihr, wenn ihr mit eurer Ignoranz das Unglück wiederholt!"

Nun richtete sich Vielor gegen ihn auf und bat Curt um etwas Mitgefühl, immerhin sei ein Mensch, der ihnen nahe stand, ums Leben gekommen - Johann. Da verschränkte Curt nur die Arme und schüttelte mit dem Kopf.
"Obwohl er ein Sünder ist, tut mir der Verlust leid. Nicht seinetwegen, doch euretwegen, da sein Ableben nicht nützte, euch auf den rechten Weg zu führen. Haltet eure Gefühle für ihn lieber im Zaum und dankt Innos, dass es euch noch gibt. Nun, ich erwarte ein Gebet von einem von euch! In dieser Form könnt ihr auch Abschied von eurem Freund nehmen, das ist besser, als hier herum zu sitzen und auf die nächste Katastrophe zu warten."

Olivia Rabenweil
02.12.2012, 23:14
Die Nachricht von Johanns Tod erschütterte Olisha sehr. Sie hatte noch nie Jemanden verloren, der ihr nahe stand. Sie Blickte auf das Meer hinaus und griff Vielors Hand fester. Das was er ihr gesagt hatte wollte ihr Kopf einfach nicht verstehen. Johann war Tod? Was bedeutet das?
Ihre Blicke suchten zwischen den aufgewühlten Wellen nach einem Zeichen ihres Freundes. Sein blonder Schopf, der vielleicht wieder aus den Wassermassen auftauchte oder ein Arm, der wild wedelnd auf sich aufmerksam machen wollte. Doch da war Nichts. In der Nacht erschien das Wasser tintenschwarz. Der rationale Teil ihres Verstandes wusste, dass eine Rettung aussichtslos war. Wer in einer stürmischen Nacht ungesichert über Bord ging hatte keine Chance wiedergefunden zu werden. Der Gedanke an Johann, der alleine und hilflos irgendwo im Meer trieb, während er wusste, dass das Schiff sich immer weiter von ihm entfernte, war grässlich. Ihr Magen zog sich zusammen. Ob er darauf hoffte, dass die Leute vom Schiff nach ihm suchen würden, oder ob er sein Schicksal schon akzeptiert hatte und auf den Tod wartete?
Wäre er doch nur nicht an Bord dieses Schiffes gekommen. Das war ihre Schuld, immer hin, hatte ihre Bekanntschaft dazu geführt, dass sein Vater so wütend auf ihn wurde. Dicke Tränen rollten ihr über das Gesicht. Sie drückte sich gegen den Fischer und ließ ihren Tränen freien Lauf. Es befreite ihr Herz, sich den Kummer von der Seele zu weinen. Die warme, sanfte Hand an ihrem Hinterkopf gab ihr das Gefühl nicht alleine zu sein. Vielor sagte zwar Nichts, doch seine Anwesenheit schenkte ihr Trost. „Es tut mir so leid, Johann. Ich will dir helfen, dich retten, doch ich kann nicht. Es tut mir leid. Beliarverdammt!“ Zwischen ihrem Schluchzen gingen diese geflüsterten Worte fast unter.

Vielor wurde von ihr gerissen. Olisha erwachte aus ihrer Trauer starre, als er ihre Hand losließ. Erst jetzt viel ihr auf wie kalt es an Deck war. Schützend schlang sie die Arme um sich und sah den tobenden Curt an. Vielor versuchte sein brodelndes Gemüht zu beruhigen, indem er auf ihn einredete, doch je mehr Mühe er sich mit den Novizen gab, desto mehr wandelte sich die Trauer in Olisha zu Wut. War es nicht die Schuld dieses unangenehmen Mannes, dass Johann sich hier auf dem Schiff befunden hatte. War es nicht dieser dumme Kerl, dem Johann helfen wollte und wegen dem er überhaupt an Deck des Schiffes war? Sie ballte ihre Hände zu Fäusten.
„Und die nächste Katastrophe wird kommen, denn der Sünder ist immer noch unter uns. Ihr seid das! Nicht der arme Johann, der ein anständiger Mensch war. Sein Handeln war erfüllt von Hilfsbereitschaft und Aufrichtigkeit. Doch Ihr hüllt euch in den Mantel der Rechtschaffenheit und versucht damit doch bloß Eure Arroganz zu verdecken. Ward nicht Ihr es, der Johann an seinen Vater verraten hat? Ist es nicht somit Euer Verschulden, das dies mit Johann passieren musste.
Wenn das Innos‘ Weg ist, die aufrichtigen Büßer zu behandeln, dann will ich lieber nie Buße tun!“
Die Wut schnürte ihr die Kehle zu. Sie merkte wie sich ihre tränenschwere Stimme überschlug und konnte doch nichts dagegen tun. Eine ungekannte Hitze stieg ihr ins Gesicht. Sie konnte sich nicht beherrschen. Tief in ihrem Inneren dämmerte es ihr, dass sie dich gerade um Kopf und Kragen redete, doch die Worte strömten aus ihrem Munde, wie Blut aus einer aufgeschlitzten Ader.
„Verflucht sollt Ihr sein, wenn Ihr es den Trauernden nicht einmal gestattet, um einen lieben Menschen zu weinen. Ich werde meine Gefühle nicht im Zaum halten, denn sie sind das Einzige was mir geblieben ist. Was mich ausmacht. Was mich von Euch unterscheidet. Das ist menschlich!“
Grob drückte sich an Vielor vorbei und schob den verärgerten Novizen beiseite.
„Ich werde jetzt beten gehen!“ Den beiden Männern den Rücken zugewandt warf sie im Fortgehen wütend die Hand in die Luft. „ALLEIN!“

Curt
05.12.2012, 21:01
Curts Augen weiteten sich für einen Moment und sein Kopf neigte sich dabei ein wenig zurück, als wehe ihm ein steifer Wind entgegen, während Olisha sich verbal gegen ihn entlud. Doch so überrascht er war, so schnell drehte er sich auch auf der Stelle um und schrie dem Herren im Himmel entgegen.

"HALLELUJAH! HALLELUJAH! HALLEHELUJAAAA!"

Und dabei streckte er die Arme weit aus und drehte sich ein paar Runden im Kreis. Alles Übel dieser Welt, alle Bosheit dieser Sünderin perlte an seiner heiligen Stimme ab wie der Regen an der Lotusblüte. Als er sich wieder zu Vielor drehte, war dieser allein und starrte ihn an, verwirrt, verloren.

"Vielor!", rief Curt und lächelte, "Du bist geblieben und ihr nicht nachgelaufen! Du schwankst zwar, doch dein Weg ist noch immer der Richtige und daran halte dich fest, denn Innos stellt uns heute auf eine harte Probe."
Der Fischer legte den Kopf beim Zuhören etwas schief zur Seite.
"Wir sind die Gesandten des Gottes des Lichtes, aber auch des Feuers. Wir sind die Hüter, aber auch die Richter, die in seinem Namen Urteile über jene fällen, die von seinem heiligen Weg abgekommen sind. Die taktgebende und die ausführende Gewalt. Die Stimme und das Schwert! Du wurdest gerade Zeuge eines Verbrechens gegen den Orden Innos. Als Anwärter auf die Reihen der Ordenskrieger und mein persönlicher Schüler ist es deine Pflicht, nach den Worten Innos zu handeln. Du wirst denen, die keine Buße tun wollen zur Buße zwingen!"

Curt sah sich um und entdeckte ein dickes Tau, das er dem Fischer in die Hand drückte.
"Jetzt sende ein Gebet zu deinem Herren und wenn du dies getan hast, suche Olisha und fessele sie damit an den Schiffsmast. Dort soll sie bis zu unserer Ankunft hängen bleiben und über darüber nachdenken, wie man mit einem Heiligen zu reden hat. Gern geschehen!"

Vielor
05.12.2012, 22:17
„Jawohl Meister“, antwortete Vielor pflichtbewusst und betrachtete das dicke Tau in seiner Hand während Curt sich zufrieden an den Schiffsbug stellte und die Sterne anbetete. Es war armdick und viel zu schwer um es mit unter Deck zu nehmen, geschweige denn um jemanden damit zu fesseln. Vielor bevorzugte hierfür eher fingerdicke Seile. Diese waren ausreichend stabil, ließen sich in brauchbarer länge gut transportieren und die Handhabung war einfach. Mit diesem Seil ging Vielor nun unter Deck und suchte Olisha.

Die Suche brauchte nicht lange, denn Olisha war schnell gefunden. Im Lagerraum saß sie auf einigen Getreidesäcken und an ein Fass Tran gelehnt. Das Gesicht in ihren Armen vergraben, hörte man nur das Schluchzen der jungen Frau. Nur kurz blickte sie auf, als Vielor den Lagerraum betrat.

„Du hast ein Problem“, sprach der Fischer in sachlich ruhigem Tonfall. „Du hast nämlich eben einen Wahnsinnigen zutiefst beleidigt. Und zwar einen Wahnsinnigen, der derzeit Befehlshaber einer ganzen abergläubischen Schiffsmannschaft ist.“
Eine wirkliche Neuigkeit hatte er Olisha gerade nicht erzählt, sondern nur nochmal das Offensichtliche wiederholt.
„Ich soll dich an Deck bringen.“
Die Augen der Frau sprangen nun fast schon zuckend von Vielor selbst zum Seil in seinem Arm und wieder zu Vielor zurück. Die Seilrolle warf er zwischen sich und Olisha auf den Boden.
„Hiermit soll ich dich an einen der Masten binden, damit du die restliche Fahrt über unter freiem Himmel beten kannst und Innos um Verzeihung bittest. Und ich gedenke dieser Aufforderung Curts auch nachzukommen.“

Die Augen Olishas weiteten sich sie hatte sich bereits von den Säcken erhoben und wich nun langsam, als würde es gar nicht auffallen, am Stapel entlang zurück, tiefer in den Laderaum.
„Du kannst weglaufen. Ich werde dir auch nicht hinterherlaufen, dich nicht verfolgen oder sonstwie versuchen dich zu finden. Doch bedenke bitte zuvor, was Curt tun wird wenn ich mit leeren Händen zu ihm zurück komme. Ich habe bereits verschiedenste Eigenarten von ihm erlebt, doch habe ich ihn noch nie in diesem Zustand gesehen. Der Begriff Wahnsinn ist sogar noch untertrieben. Er beginnt schon mit den Sternen zu sprechen. Ich befürchte, er ist zu allem Fähig und wird die Matrosen auf dich hetzen, wenn ich dich nicht an Deck bringe.“

Olisha hatte aufgehört zurück zu weichen und schien nun eher mit sich selbst zu hadern, was sie denn nun tuen sollte.
„Dir bleiben leider nicht viel Optionen. Entweder du bleibst hier, versteckst dich irgendwo und hoffst, dass die Matrosen dich nicht finden werden. Sollten sie es jedoch, kann auch ich dir nicht mehr helfen und nur Beliar weiß, welche finsteren Gedanken sie in sich tragen und was sie mit dir anstellen, wenn sie dich in die Finger bekommen. Das letzte Mal hatten sie nur versucht, dich über Bord zu werfen. Jetzt, da unterwegs ein schwerer Sturm aufgezogen ist und ein Mann verloren wurde, könnte ihr Aberglaube nur bestätigt sein. Wenn du Glück hast, töten sie dich auf der Stelle, wenn nicht… Nun, hast du schonmal von Kielholen gehört? Dabei wird man an ein Seil gebunden und unter dem Schiffskiel durchgezogen. Zahlreiche scharfkantige Muscheln am Rumpf schlitzen einem Dabei die Haut auf. Sehr qualvoll und kann auf bei einmaliger Anwendung bereits zum Tode führen.
Also bitte ich dich einständig, lass dich von mir aufs Deck führen und dort an den vordersten Masten binden. Bei besserem Wetter würde ich dir anbieten, zusammen ein Rettungsboot zu besteigen und einfach wegzurudern. Doch du hast ja die See gesehen, das wäre Selbstmord.“

Leicht zögernd kam Olisha nun doch näher und erleichtert sagte Vielor:
„Gut gut, gib mir bitte deine Hände, es soll ja möglichst echt aussehen. Aber keine Sorge, ich versuche das Seil nicht zu stramm zu binden.“
Olisha reichte Vielor wie gebeten die Hände, sodass dieser wieder die langsam verheilenden Fingerkuppen und wunden Handballen erkennen konnte. Ein schlechtes Gefühl machte bei ihm im Bauch breit. Diese Wunden hatte sie sich zugezogen, als sie seine Wäsche gewaschen hatte und nun war er in Begriff sie vor der gesamten Besatzung am Masten zu fesseln. Wohl war ihm nicht bei dem Gedanken, ihr auf diese Weise für die Hilfe zu danken.
Mit fast schon zittrigen Händen verknotete der Fischer die Handgelenke der jungen Frau, sodass sie die Hände noch frei bewegen konnte.
„Eine Sache noch, bevor wir nach oben gehen. Du hast zwei Möglichkeiten, dich dort zu präsentieren. Entweder kämpferisch und stur. Dann schreie, halte keine Tränen zurück, reiße an dem Seil und lass dir nichts von mir gefallen. Oder aber du akzeptierst dein Schicksal, stellst dich aufrecht und ohne eine Träne deinem Peiniger Gegenüber und zeigst ihm, dass welche Strafe auch immer dir droht, du dich nicht abschrecken lässt. Nur bitte, verärgere Curt nicht noch mehr.“

Dann war es so weit, der sprichwörtliche Spießrutenlauf an Deck würde beginnen. Doch Vielor zögerte noch kurz, blickte sich um um sicher zu gehen, dass Curt nicht zufällig auch gerade im Lagerraum war und ging dann nochmal kurz auf Olisha zu. Er hatte das Bedürfnis, sich für alles was gleich folgen würde im Vorfeld entschuldigen zu müssen. Kurz schlang er die Arme um sie und flüsterte ihr ins Ohr: „Es tut mir leid.“
Danach drehte er sich endgültig um und führte seine Gefangene an Deck.

Olivia Rabenweil
05.12.2012, 23:21
Und so band der freundliche Fischer ihr die Hände und brachte sie an Deck…
In Olishas Kopf wollte sich diese Szene nicht so recht zusammensetzen. Wie konnte es soweit kommen? Was war hier geschehen. An welchem Zeitpunkt war ihr die Kontrolle entglitten?
Unsicher und mit gefesselten Händen machte sie einen Schritt vor den anderen. Vielor flüsterte ihr etwas zu. Eine Entschuldigung? Sie verstand ihn nicht so recht. Ihre Ohren hatten ihr den Dienst versagt, überhaupt nahm sie alles mehr wie durch Watte wahr. Nur das starre Gefühl in ihrem Bauch, nahm sie überdeutlich war. Hatte sie Angst? Sie hatte Angst. Wie noch nie in ihrem Leben zuvor. Die Situation war aussichtslos. Hier war niemand, der ihr helfen konnte. Keine Leibwächter, keine Freunde nicht einmal ihr Vater mit seiner dunklen Magie.
Sie begann zu zittern und schenkte Vielor ein scheues Lächeln als Antwort auf das, was er auch immer zu ihr gesagt haben mochte.

Langsam stiegen sie die Stufen zum Deck empor. Vielor voran, mit dem Seil in der Hand, mit dem er sie wie einen kleinen Hund hinter sich herführte. Sie folgte. Artig und ohne Wiederstand. Angst und Unwissenheit über das was folgen mochte lähmten ihren Zorn. Am gegenüberliegenden Teil des Schiffes erspähte sie Curt. Der Novize Innos‘ lehnte an der Reling und hatte das Gesicht den Sternen zugewandt. Der Wind brachte seine Robe zum wehen. Es machte den Anschein, dass ihn in diesem Moment Nichts und Niemand etwas anhaben könne. Er war Kläger und uneingeschränkter Richter. Beliar steh‘ mir bei, betete sie im Stillen, du hast mein Leben einmal aus deinen Hallen verwiesen. Bitte nimm es dir nicht jetzt. Gib mir die Chance, meine Schuld zu begleichen. Ich will mein Sein in deinen Dienst stellen. Schütze mich!
Der Innosglaube der Besatzung und vor allem des Kapitäns und seines ersten Offiziers war sehr stark. Niemand hier würde es wagen das Wort gehen den angehenden Priester zu erheben. Sie war ihm ausgeliefert.
In dem Moment als die Wut in ihr hochgekocht war und ihre Emotionen mit ihr durchgegangen waren, hatte sie gewusst, dass es ein dummer Fehler gewesen war, Curt so anzugehen. Ihr, als einfaches Mädchen, stand es nicht zu das Wort gegen einen Mann Innos‘ zu erheben. Doch obwohl ihr das bewusst gewesen war, schließlich hatte sie sich die unbedingte Treue der Festländer zu ihrem Gott lange genug mit ansehen dürfen, wollte sie nicht den Mund halten. Sie hatte es drauf angelegt und musste nun die Konsequenten tragen.
Sie hatte die letzte Stufe erreicht und setzte nun ihre Füße auf die Deckplanken der ‚Hanna‘. Fast die komplette Besatzung hatte sich versammelt. Hasserfüllte Blickte trafen sie. Sie konnte den Argwohn der Besatzung fast körperlich spüren, als sie an ihnen vorbei schritt. Eine Gänsehaut bildete sich auf ihren Armen und sie kam nicht von dem kalten Wind, der über das Deck pfiff.
Sie hob stolz ihren Kopf. Auch wenn sie sich jetzt in einer schlechten Lage befand, wollte sie doch nicht ihre Herkunft vergessen. Diese dummen Männer sollten es nicht wagen sie schlecht zu behandeln. Curt Strafe war schon schlimm genug.
Ein Murren um sie herum wurde laut. Erst verhalten, dann immer deutlicher.
„Da ist das Miststück!“ Es war der Matrose, der sie am Morgen noch über Bord hat werfen wollte. Bedrohlich machte er einen Schritt auf sie zu. Olisha jedoch, hielt es nicht für nötig ihm auszuweichen. Mit hoch erhobenen Kopf lief sie gehen seinen Arm. Im selben Moment gab er ihr einen kaum sichtbaren doch kräftigen Stoß und sie kam ins Straucheln. Sie wollte sich abstützen, doch ihre Fesseln hinderten sie daran. Ungeschickt fiel sie auf die Seite.
Vielor drehte sich um und wollte ihr wohl aufhelfen, doch der erste Offizier war schneller. Er sprang, mit ungewöhnlicher Schnelligkeit für einen so dicken Mann, vor und ergriff das Seil, an dem Vielor sie führte. Kraftvoll riss er sie auf die Beine. Das lose um ihre Handgelenke geschlungene Seil schnitt ihr in die Haut. Sie biss die Zähen auf einander, als sie mit hocherhobenen Armen vor diesem Herrn Hirt hing.
„Da, seht sie euch an, die kleine arrogante hexe. Sturmbringerin! Fluch dieser Fahrt. Lasst uns diesen Fluch austreiben, sage ich!“ Seine gebrüllten Worte wurden grölend von der Mannschaft aufgegriffen.
„Ja, wirf sie über Bord, Hirt!“ Hörte sie von der Rechten.
„Oder gib sie mir, ich weiß ihr auch was auszutreiben“, grollte es nahe hinter ihr.
„Hexe, sie ist schuld am Tod des jungen Herren. Hat ihn verflucht. Bei Innos, brennen soll sie!“ Fischinnereien flogen ihr an den Kopf und blieben in ihren Haaren hängen. Sie zuckte zusammen.
Ängstlich suchte sie nach Vielors Blicken. Er hatte einige Mühe damit, dem viel kleineren Offizier höflich aber bestimmt, das Seil wieder aus den Händen zu nehmen. Er erklärte ihm, dass es bei Innos Diener Läge, über sie zu richten, nicht bei ihm. In diesem Moment, war sie unglaublich dankbar für Vielor!
So gut sie konnte schloss sie zu ihm auf und suchte den Schutz seiner Nähe. Weitere Innereien kamen angeflogen. Als jedoch auch Vielor davon getroffen wurde, hörte der Bewurf auf. Den Schüler des Innosnovizen wollten sie dann wohl doch nicht verärgern.
Schließlich kam sie bei Curt an. Er blickte immer noch in die Sterne, schien sie gar nicht zu beachten. Inzwischen hatte sich jeder Muskel in ihrem Körper verspannt, jede Innerei verkrampft. Sie schluckte schwer, als sie mit gesenktem Kopf neben Vielor zum Stehen kam. Sie traute sich nicht Curt direkt anzusehen und ihre leise Stimme ging in dem Murren und Grölen der Mannschaft, die immer noch nach einer schweren Strafe für ihre Vergehen verlangte, fast unter.
„Es tut mir leid. Ich habe einfach die Beherrschung verloren. Ich wollte doch nicht… wegen Johann…“ Weiter kam sie nicht. Das unterdrückte Schluchzen schnürte ihr die Kehle zu und Tränen sammelten sich in ihren Augen.

Curt
05.12.2012, 23:56
Curt rümpfte die Nase. Dieser erhabene Moment, das Obsiegen Innos gegen die Diener der Dunkelheite wurde jäh vom Gestank vermutlich sämtlicher Fischinnereien, die an Deck zu finden waren, überdeckt. Als man Olisha vorgeführt und wie angeordnet an den Mast gefesselt hatte, kam Curt zurück an Deck und schüttelte nach einem Blick zu den Matrosen den Kopf.
"Was seid ihr für Barbaren? Es ziemt sich nicht, so verschwenderisch mit unserer Ladung zu sein."
Dann wandte er sich an die junge Sünderin.

"Ich nehme deine Entschuldigung entgegen, doch hast du deine Chance vertan, mit Worten zu sühnen. Weil du einen Heiligen des Ordens beschimpft und in finsterster Weise geflucht hast, wirst du den Rest der Fahrt hier angbunden bleiben und Reue für dein Fehlverhalten zeigen! Wenn wir in Thorniara sind, wird sich einer der Ordensmagier deiner annehmen und entscheiden, wann du wieder auf freien Fuß kommst. Bis dahin unterstehst du - "

"Was zum Donner ist hier los?!"
Plötzlich hallte die knallharte Stimme des Kapitäns über Deck.
"Herr Savant!"
"Kapitän."
"Was geht hier vor sich? Ihr wollt doch nicht ernsthaft dieses Kind bis zum Ende der Fahrt an meinen Mast fesseln!"
"Ihr habt vernommen, was sie verbrochen hat?", der Kapitän nickte, "Dann schlagt etwas anderes vor. Wollt ihr sie lieber kielholen?"
"Natürlich nicht. Ich glaube an eure Methoden, doch...", er rollte mit den Augen, "Wir erreichen Thorniara in nicht mehr als dreißig Minuten. Da scheint mir eure Strafe nicht ausreichend zu sein."
Curt atmete tief durch. Ein kleines Gefühlschaos überkam ihn, einerseits die Freude, endlich dieses elende Schiff zu verlassen, andererseits die Angst davor, die gerade erst gewonnene Kontrolle wieder zu verlieren. Abseits dieses Schiffes war er doch nicht mehr als ein einfacher Adlatus.

"Dann bringt sie wieder unter Deck", ordnete er mit einem Seufzen an. Der Kapitän nickte und durch die Mannschaft ging ein enttäuschtes Raunen. Dann wandte sich der Kapitän an die restliche Mannschaft.
"MACHT DIE SCHWEINEREI HIER WEG UND DANN KLAR ZUM ANLEGEN! LOSLOSLOSLOSLOS!!!"

Mutton
07.01.2013, 09:12
»Hey! Hey, ihr da! Genau, euch Schnarchtüten meine ich. Kommt doch mal rüber und packt euch jeder ne Spitzhacke. Wir stecken im Eis fest und solange sich das nicht ändert, segelt hier niemand in den "sonnigen" Süden, klar?«

Mit dem wilden Fuchteln seiner Hand forderte er beide Reisende zum Rumpf des kleinen Handelskahns zu kommen. Das war ob der bedrückenden Enge auf dem Schiff aber keine so leichte Aufgabe. Die Wellen wogen hart schräg von vorn und brachten nicht nur das Gefährt, sondern auch jeden an Bord ordentlich ins Taumeln. Mutton, der zusammen mit seinem Kumpel Gharret für die Überfahrt angeheuert hatte, stürzte bei einem heftigen Wanken beinahe von Bord. Zum Glück hatte ihn der Kapitän noch rechtzeitig am durchnässten Ärmel gepackt und zurück in die Waagerechte gebracht, was auch immer das auf hoher See bedeuten mag.

»Wolltest mich wohl um deinen Teil unserer Abmachung bringen, was Junge? Nein, dem ollen Radfort ist noch nie jemand hops gegangen, ehe er nicht bezahlt hat. Also, hopp ans Werkzeug und haut rein!«

Nachdem alles Nötige gesagt war, verschwand der Kapitän und mit ihm seine in den Ohren klingelnde Donnerstimme. Bei dem Gurgeln und dem verhumwirbenden Speichel, den er überall verteilte, wenn er sprach, übertraf er sogar den momentanen Seegang bei Weitem. Mit ihm zu argumentieren war seit Beginn der Fahrt vor gerade mal ein paar Stunden absolut hinfällig gewesen. Der Zausel duldete keine Widerrede und behandelte seine "Matrosen", die eigentlich gar keine echten Matrosen waren wie Wischlappen: Immer rein -in diesem Fall raus - in die Suppe und gut das Deck polieren, notfalls mit dem eigenem Gesicht. Aber warum waren sie nun keine Matrosen? Hatten sie nicht selbst freiwillig angeheuert? Nein, vielmehr war das Teil der Abmachung: Sie bezahlten zwar für die Überfahrt, jedoch etwas weniger als sonst üblich. Dafür mussten sie auf den alten Kahn mithelfen, wo es nur ging, und der Kapitän machte von seinem vermeintlichen Recht nur allzu gern Gebrauch.

»Wo geht der Gute eigentlich hin? Schon wieder unter Deck eine Rauchen? Das ist bestimmt mindestens seine fünfte Pfeife in sieben gottverdammten Stunden, seitdem wir ausgelaufen sind. Wenn der so weiter macht, stirbt er noch, bevor wir ankommen... und zwar an Atemnot.« Beide fingen nach Gharrets Worten lauthals an zu lachen.

»Oder an seinem eigenen Atem, der direkt aus dem Reiche Beliars kommen muss.« setzte Mutton noch eins drauf und so ging es noch eine Weile, bis unter ihnen ein lautes Rumpeln und Zetern vom Zaum brach. Plötzlich krachte erneut die Luke in der Mitte des Schiffes auf und heraus kam der hochrote Kapitän, natürlich mit angeknabbertem Pfeifchen zwischen den Zähnen. Es schien, als wolle er diese am Mundstück mit zusammengebissenen Zähnen geradezu abbeißen zu wollen. Oder er war einfach stocksauer.

»Wie ich euch untätigen Landratten die dünnen Hammelbeine langziehen werde, wenn ihr nicht bald anfangt das scheiß Eis abzuhacken, klarrrrrr?«

»Arrrrr, aye aye Chef!« »Segel sind gehisst!« »Rrrrruder backbord!« »In die Riemen, Männerrrr!« scherzten sie weiter, bis der Alte zu viel von dem Spiel hatte und sich unter Deck zurückzog. Mit einem hämischen Grinsen machten sich die Passagiere kurz darauf mit Eispickel und Spitzhacke daran, das Schiff frei zu klopfen und schon bald musste der Kapitän wieder aus der molligen, trockenen Koje hinaus in die Gischt an das Steuerrad seines Schiffes.


---> Setarrif #32 (http://forum.worldofplayers.de/forum/threads/1208649-Setarrif-32?p=20480025#post20480025)

Gath
07.01.2013, 15:32
Was war die Sonne doch schön.
Dieser große gelbe Ball dort oben, der ihnen so viel Wärme spendete, so eine Idylle erzeugt, so manch einen zum Träumen verleitete, so eine wunderschöne Szenerie zum Schlafen abgeben würde...
Wäre da nicht so ein fieser, eiskalter Wind!
Auf der einen Seite, der Sonne zugewannt, war es wunderschön warm, auf der anderen eiskalt, sodass man eigentlich noch eine Decke gebraucht hätte...
Grummelnd drehte sich der junge Bootsbauer in seiner Hängematte um, nur um festzustellen, dass es dadurch auch nicht besser wurde, denn obgleich nun Sonnenstrahlen die bisher vom Wind stark heruntergekühlte Seite berührten und ganz, ganz langsam anfingen, diese wieder einigermaßen auf Betriebstemperatur zu bringen, streichelte dafür jetzt eine zarte, dezent unterkühlte Briese über die zuvor erwärmte Hälfte seines Körpers, was es gleich noch kälter machte.
Bei so einem Wetter half doch alles nichts, da musste man einfach raus.
Müde fing Gath an, sich hin zur Kante seiner Hängematte zu rollen, woraufhin es urplötzlich einen lauten Schlag tat, gefolgt von einem einfachen Aufstöhnen und einem mehrfachen lautstarken lachen.
"Aufstehen, junger Mann!", prustete es aus dem Mund eines neben der Hängematte stehenden Matrosen, der ein klein bischen nachgeholfen hatte.
"Was solln das?", nuschelte Gath, dem jetzt schon wirklich alles wehtat - sämmtliche Gliedmaßen und dazu noch der Schädel. Aber das hatte andere Ursachen.
"Wer saufen kann, kann auch aufstehen!"
"Seeeeeeehr witzig, Morro...", grumelte der am Boden liegende und blickte sich um.
Über ihm spannten sich die großen, weißen Segel des Schiffes, auf dem er sich gerade befand, unter ihm befanden sich Planken, gut in Form gebracht durch langfristige Benutzung in den letzten Jahren.
Und zu den Seiten gab es nichts als Wasser. Bis zum Horizont. Und irgendwo dahinter lag das Festland, wohin das Schiff sich aufgemacht hatte - und jetzt stark zu kämpfen hatte, denn der Wind tat ihnen leider nicht den Gefallen aus Osten zu wehen, sondern kam genau daher, wo sie hin wollten.
Und das bedeutete für die Mannschaft eine nicht ganz so entspannte Überfahrt, denn es galt, das Schiff trotzdem auf Kurs zu halten - und Kreuzen war mit einem großen Frachtschiff durchaus eine Übung, für die es viele starke Hände brauchte. Und das immer und immer wieder.
Irgendwann würden sie dann auch hoffentlich mal Bakaresh erreicht haben, den Ort, an den die ihn die Reise führte - die Überfahrt dorthin war spontan wesentlich preisgünstiger gewesen, als nach Myrtana zu segeln, also hatte er sich an einen Wüstenhändler gehalten und befand sich nun auf hoher See.
"Jetzt guck nicht so dumm in die Gegend!", wies ihn Morro lachend an, der das äußerst schlaftrunkene, zerstörte Mienenspiel des jungen Bootsbauers beobachtet hatte.
"Arbeiten ist angesagt!"
"Ich...? In dem Zustand...?", grummelte Gath die Antwort und warf dann einen vielsagenden Blick hoch in richtung Takelage.
"Ja. Genau du. Wir spannen auch Netze!"
"Hmm"
Doch in diesem Moment ertönte dann auch schon die Glocke, welche ankündigte, dass es erstmal etwas zu Futtern gab, bevor irgendjemand irgendwas arbeiten würde.
"Danke.", brummte der leicht Verkaterte und trabte hinter Morro her, der in großen Schritten vorran ging.
Immerhin einen gab es hier, der so nett war, ihn rechtzeitig vor der Essenszeit zu warnen, damit er auch was herunter bekam. Denn er würde Kraft und einen intakten Magen brauchen, wenn es nachher an die allmittägliche Wende ging.

Gath
11.01.2013, 21:19
"Irgendwie hat es doch was schönes, wenn sie die Sterne so im Meer spiegeln.", stellte Gath fest, der versonnen über die Reling schaute, hinaus auf ein endloses, schwarzes Meer, unter einem sternenklaren nächtlichen Himmel, der dort widerschien, sodass man gar nicht mehr wirklich von nächtlicher Schwärze sprechen konnte.
"Haste jetzt den Romantiker in dir entdeckt, oder was? Hmm?", brummelte Morro, der neben ihm lehnte und ebenfalls auf die See hinausblickte - nur nicht ganz so euphorisch.
"Naja..."
"Ich finde das bei weitem nicht so toll. Das heißt nämlich, dass hier was ganz, ganz wesentliches fehlt."
"Toll find ich es auch nicht.", lenkte Gath ein - mit einem Blick hinauf in die weißen Segel ihres Schiffs, die verdammt schlapp an den Masten hingen. Aber woher sollten sie sich auch aufblähen? Das Meer war so glatt, dass hier nicht einmal ansatzweise eine Windböhe wehen konnte. Flaute. Aber komplett. "Aber schön anzuschauen."
"Najaaaa."
"Doch."
"Aber die aussicht auf kleinere Rationen und eine wesentlich längere Reise verdirbt mir ein bischen den Anblick.", gab Morro zu bedenken.
"Da hast du auch wieder recht...", lenkte der junge Bootsbauer schließlich ein. "Hoffen wir mal, dass das nicht allzu lange so bleiben wird, wie es jetzt ist."
"Joo... Hoffen wir mal das Beste.", bestätigte der Matrose neben ihm. "Aber ich gehe nicht davon aus, dass wir uns noch arg lange ein so brettelebenes Meer anschauen dürfen - und wenn es daran liegt, dass wir uns sonst aus Teilen unserer Ladung Ruder bauen."
"Oh Gott, dass will ich mal nicht hoffen."
"Ich auch nicht, denn dann wird es verdammt anstrengend."
"Mhm...", brummte Gath vielsagend. "Dann würde ich es doch noch bereuen, dass ich Thorniara verlassen habe."
Und dort hatte er es ja gar nicht mal so schlecht gehabt, in Thorniara.
Nungut, anfangs war es wirklich drunter und drüber gegangen, nachdem Selina und er gleich einmal am Stadttor aufgegriffen worden waren und auf den Verdacht hin, dass sie Spione Setarrifs seien, in den Kerker gewandert waren. Aber immerhin durfte Gath dann die freudige Erfahrung machen, dass sein alter Freund Flarke - der, als er ihn zum letzten Mal gesehen gerade von der königlichen Marine, von der ihn auch Gath kannte, zur Stadtwache Vengards gewechselt war - neuerdings Hauptmann dieser Stadt war. Und da dieser durchaus Vertrauen in ihn hatte und die leichte Naivität und Gutgläubigkeit Selinas recht schnell bemerkt hatte - diese Dame konnte wirklich keiner Fliege was zu Leide tuen - hatte er es arangiert, dass sie beide aus dem Kerker heraus kamen.
Allerdings unter der Auflage, dass sie für das erste innerhalb der Stadtmauern blieben, damit er im Auge behalten konnte, dass sie wirklich nichts schändliches im Schilde führten.
Natürlich taten sie das nicht. Der einzige Grund ihrer Reise war, dass Selina auf der Suche nach irgendwie magisch besonderen Orten war, an die sie sich auf nach viel kompliziertere Art und Weise teleportieren wollte...
Gath war da völlig raus, Magie war nicht wirklich seine Welt, aber da er im letzten Jahren dermaßen viel mit Magiern zu tun hatte, brachten ihn diese mittlerweile nicht mehr aus der Ruhe. Und gelegentlich schaffte er es sogar, nachzuvollziehen, was diese so trieben. Natürlich nur ansatzweise, denn in einer Sache war er sich äußerst sicher: Er hatte sicherlich keine magische Begabung, und selbst wenn, würde ihm diese Innos nie im Leben offenbaren, so wenig, wie er den eigentlich Pfaden der Lehren der Feuermagier folgte....
Nunja, es hatte auf jeden fall ein ganzes weilchen gedauert, bis der Hauptmann davon überzeugt war, dass die beiden wirklich nichtböses trieben und in dieser Zeit hatte sich Gath eine Arbeitsstelle in Thorniara organisiert - in der Verwaltung des Hafens, einteilen in Liegeplätze und ähnliches, denn er konnte lesen und schreiben - was ja nicht gerade sehr weit verbreitet war - und hatte dazu noch praktische Ahnung von Schiffen und Booten. Diese Kombination war nun wirklich nicht so arg weit verbreitet.
Aber Listen führen war auf die Dauer nicht so unbedingt, das, was er eigentlich anstellen wollte, und so hatten Gath und Selina beschlossen - nachdem sie Flarke endlich gehen gelassen hatte - sich zu trennen. Er wollte zurück auf das Festland - da, wo er jetzt hinfuhr - und sie wollte sich auf den Rückweg in den Tempel machen, zurück nach Setarrif.
Und so befand er sich jetzt hier, an Bord eines Schiffes und blickte auf das Meer hinaus.
"Das würde mich dann definitiv nicht wundern", lachte Morro. "Ich gehe mich mal wieder an die Arbeit machen."
"An welche Arbeit?"
"Du weißt schon. Die Jungs hocken fleißigst zusammen."
"Du meinst Gewichtheben mit der rechten Hand?", fragte der junge Bootsbauer grinsend
"Genau.", bestätigte der Matrose ebenfalls breit grinsend.
"Na dann viel Erfolg."
"Du nicht?"
"Mir ging's heut' morgen so mies, ich setze da lieber mal eine Runde aus."
"Wie du willst...", meinte Morro kopfschüttelnd und zog von Dannen, ließ den jungen Bootsbauer träumend an der Reling stehen.

Wombel
20.01.2013, 09:33
"Hey!"
Eine große, unsanfte Hand und eine ebenso ruppige Stimme rissen den Adepten aus seinem unruhigen Schlaf. Er brauchte ein paar Sekunden um zu realisieren wo er sich befand.
"Wir sind bald in Kap Dun, das gröbste der Überfahrt ist überstanden." Grinste der dicke Kapitän in Wombels grünes Gesicht.

Es war eine relativ ruhige Überfahrt gewesen, lediglich um Mitternacht herum gab es ein paar größere Wellen, die den kleinen Zweimaster jedoch heftig hatten schaukeln lassen. Der mitgenommene Goblinbeerenschnaps hatte den Zimmermann aber auch über diese kleine Unannehmlichkeit hinweg gebracht. Der einzige Nachteil an diesem Getränk war, dass er in Mengen genossen am nächsten Tag heftige Kopfschmerzen verursachte.
Wombel krabbelte zwischen den Frachtkisten hervor und streckte knirschend und knackend seine Glieder um sich anschließend im großen Wasserfass an Deck einen Eimer Wasser abschöpfte, sich grob abwusch und den Rest des kalten Nasses über die leicht pochende Rübe kippte.
"Oh Mann, wie ich diese Seefahrerei hasse ..." Stöhnte er leise vor sich hin.
Erneut stellte sich das altbekannte, flaue Gefühl in der Magengegend ein, aber es war schlicht nichts mehr im Magen, das er den Fischen hätte noch geben können.

Noch ein paar Stunden, dann würde Wombel wieder festen Boden unter den Füßen haben - wenn auch nur für ein paar Stunden.
Von Kap Dun aus würde er noch einmal per Schiff weiterreisen nach Al Shedim. Da ihm die Schiffsreise jedoch absolut nicht behagte, spielte er mit dem Gedanken von Kap Dun nach Al Shedim zu teleportieren. Sicher eine riskante Sache, aber ob der schlechten Verfassung zumindest eine Option, die er im Hinterkopf hatte. Allerdings war die Überfahrt von Kap Dun nach Al Shedim eine Küstenfahrt in ruhigen Gewässern, also ungleich ruhiger als das offene Meer. Wie dem auch sei. Heute noch würde der Adept wieder Wüstensand unter seinen Füßen spüren. Insgeheim freute er sich schon darauf ...

Adrastos
22.01.2013, 01:04
Ein wahrlich rührender Augenblick. Ihr Piratenbettschiff war nun errichtet und getauft auf den Namen Mayflower, die beiden furchtlosen Abenteurer und Schrecken der Meere, Grünbart der Seekranke und Zäzilie die Zäuferin und ihre fürchterliche imaginäre Crew stachen in See, zu rauben und zu plündern! Es würden keine Gefangenen gemacht werden!
„Arrr, ihr Seegurken!“ rief der Druidenpirat und hielt die Ukulele furchtlos in der rechten Hand, wo er wie mit einem Säbel damit herumfuchtelte. „Nehmt euch in Acht, ihr Salatschnecken, ihr Affenpinscher!“
Langsam umfing das Wasser sie und trieb sie hinaus, das Bett schwankte unbeständig, hielt sich jedoch tapfer über Wasser und weigerte sich umzukippen. Eine Steife Brise lies die Piratenhosenflagge wehen und Polly wollte immernoch einen Keks.
Ad indes setzte sich auf seine vier Buchstaben (wobei Arsch ja eigentlich fünf Buchstaben hatte. So ganz hatte er das nie verstanden) und holte seinen kleinen Falken hervor. Nein, nicht, dass, was ihr denkt. Den Plüschfalken, den sie in Setarrif erbeutet hatten, wo es scheinbar so ziemlich alles gab, was man sich nur denken konnte.
„Hui!“ rief er, als er das Vieh an der ausgestreckten Hand hin und herbewegte und damit einen Flug imitierte, wie es nur echte Piraten konnten. „Zusammen werden wir die Weltmeere erobern, Hagel und Granaten!“

Cécilia
22.01.2013, 01:17
Hui, das schwankte ja ganz schön! Dagegen hatten sie Alkohol. Das Schiff schwankte zur einen Seite und die Druiden im Suff zur anderen, so balancierte sich alles supi aus. Cé stützte sich am Mast ab, Hüfte abwärts war sie noch nass vom Stapellauf (ohne Stapel. oder Lauf). Sie hielt den Plüschluchs hoch, schwang ihn aber nicht wie eine Waffe herum, sondern wollte die Pose eher gebieterisch aussehen lassen.

„Jarr! Ihr Torfköppe, ihr elenden Regenwürmer! Ihr Paaa ... Pan ... toffeltierchen! Ihr Pantoffeltierchen!“, rief sie ins Meer hinaus. „Wir wern die Welt umsegeln und es denen zeign! Hagel und Höllenhunde!“

Mit den Worten fuhren sie in die Nacht hinaus, hielten sich aber doch erstmal an der Küste, um sich morgen noch orientieren zu können. Wenn man die Weltmeere erobern und die Welt umsegeln wolle, musste man ja auch wissen, wo man war und wo man noch mehr Alkohol bekommen konnte, das war ja sowieso das allerwichtigste.

Adrastos
22.01.2013, 21:12
'Libes Tagepuch.' schrieb Ad mit der krakeligen Schrift eines Siebenjährigen ins Logbuch. 'Ich habe jekliches Zaitgefül verloren. Ich kann nicht sagen, ob wier schon zwai Wochen oda zwai Jare über die Mere fahren. Skoarbuht und der Kollar hatt die Mahnschaft trastisch reduzirrt. Nur Zäzilie die Zäuferin und ich sind von der heinst fuchzig Mahn schtarken Besatzung übrich. Die Schatzkharte trage ich wie imma in meinem rechten Stiffl. Das Holzbain juckt schon whieder. In Liebe, Käbdn Krünbahrt.'
Grimmig legte er das Hemd zur Seite, auf dem diese Vergewaltigung der Rechtschreibung festgehalten wurde und blickte aufs offene Meer hinaus. Wo man hinblickte nichts als Wasser, tief und tödlich. In den letzten Tagen hatten sie mit Kraken gekämpft, mit Seeschlangen gerungen und selbst eine Seegurke im Duell Mann gegen Mann besiegt, wenn auch mit Mühe. Oder hatte er das nur geträumt? Egal, ihre Heldentaten eilten ihnen voraus. Die Mayflower beherrschte nun die See, Argaan lag unter ihrem eisernen Griff. Kein Schiff konnte die Insel anfahren oder verlassen, ohne, dass sie es bemerken würden. Zum Beispiel dieses Boot, das Zäzilie vom Ausguck aus sah. Niemand konnte ihnen entkommen!
„Ööööy!“ schrien die beiden furchtlosen Piraten dem kleinen Kutter zu, dass auf die Küste zusteuerte. Es waren drei Mann an Bord, soweit sie es sehen konnten, und jeder einzelne von ihnen sah nun zu ihnen hin. „Petri Heil!“ rief einer der Männer, es waren wohl Fischer, ihnen zu. „Hattet ihr auch einen so guten Fang? Man könnte fast meinen, die Makrelen würden einem ins Netz springen, was?“
In Ads Kopf ratterte es. Was redeten die Typen da? War das eine Art Geheimcode, die sie nicht verstanden? Verdutzt blickte er zu Zäzilie. „Weischt du, wasch die wolln?“ lallte er und kratzte sich am Kinn. Seltsame Leute!

Cécilia
22.01.2013, 22:28
Küste. Sie hatten Land gefunden! He, das Land kam ihr irgendwie bekannt vor ... Waren sie etwa im Kreis gefahren? Nee, sie fuhren ja auch jetzt noch an der Küste lang. Und was war das für ein Boot mit seltsamen Männern drauf da drüben? Hatte die Totenkopfhosenflagge mit den gekreuzten Silbergabeln sie nicht abgeschreckt? Und nu brüllten die irgendwas rüber. Klang wie Petri Heil. Das war doch eine Beleidigung!

„Ad, die ham uns angepöbelt!“, flüsterte sie dem Druiden zu und stieß ihn an. „Das kann doch ech nich angehn!“

Schwankend rappelte sie sich auf, hielt sich am Mast fest und fiel fast ins Wasser. Gut, dass der Mast fest hielt! Echt druidische Bauart, das Boot, Qualitätsarbeit aus Silden. Und Beria. Und Schwarzwasser. Und Argaan. Oder so. Jedenfalls ließ sie den Mast nun los, balancierte fast auf dem Schiff (sie schwankte vermutlich mehr als die Mayflower) und hob die Hände zum Trichter geformt an den Mund.

„Ihr auch, ihr Fuseleuln! Hinkebeine! Spülwasser!“, rief sie zu dem anderen Schiff rüber. „Kanaillen! Da fällt euch nix mehr ein, was? Kaulquappen!“
Dann wandte sie sich Ad zu: „Denen hab ich's aba gegeben, wa?“

Adrastos
22.01.2013, 22:57
Aha, Pöbler waren das also! Mit denen kannte Ad sich aus. Das waren hundsgemeine Seemänner, die schon alles gesehen und erlebt hatten, und deswegen vor fast nichts mehr Angst hatten. Um noch einmal den Kick von früher zu erleben durchkreuzten sie die Meere, immer auf der Suche nach den gefürchtetsten Piraten, den grässlichsten Monstern und den blutdurstigsten Ungeheuern. Hätten sie erst eins gefunden, beschimpften sie diese auf die infamste Weise.
Doch hier hatten sie sich geschnitten! Den diese zwei Freibeuter waren alles andere als wehrlos und zahlten es den Pöblern (Sie schienen gar Pöbeln II zu besitzen) mit gleicher Münze heim.
„Sehr gut, Zäzilie!“ bestätigte der Kapitän der Mayflower und nickte anerkennend. „Aber'sch fürchte, das war diesen Kanaillen noch nicht genug. Arrr!“
Imposant baute der Druide sich zu voller Statur am Bug (also am Kopfende des Bettes) auf, dass das Haar nur so im Wind wehte. Drohend hob er eine Faust und rief mit grimmer Stimme in die Dunkelheit hinaus, wie der große Haddock höchstpersönlich.
„Ihr Schafsnasen! Torfköppe! Elenden Regenwürmer! Ihr... Ihr... Politiker!“
Hah, das würde ihnen schon zeigen, wer hier der Chef war. Sie gönnten sich eine kurze Verschnaufspause vom Gebrüll, als die Pöbler wieder die Stimme erhoben.
„Meine Herren! Verzeiht, wenn ich euren Stolz verletzte, ich wollte nur höflich sein! Schon morgen wird die Welt anders aussehen und auch eure Netze voll sein!“
Verdammt, der war gut!

Cécilia
23.01.2013, 00:01
Echt hartnäckige Typen. Da mussten sie wohl wirklich härtere Geschütze auffahren, und zwar rasch, drehten die gerade ab? Nee nee, das letzte Wort würde sie ihnen nicht gönnen, auf gar keinen Fall! Sie war eine Frau, und weil sie eine Frau war, war es ihr Geburtsrecht, das letzte Wort zu haben! Jawollja! Sie richtete sich auf, reckte das Kinn in die Höh, streckte die Brust vor. Diese Typen sollten sehen: Sie ließ sich nicht einschüchtern.

„Jetz passma auf, wie das geht“, sagte sie noch leise, ehe sie den Pöblern zubrüllte: „Heulende Hagel und Höllengranaten, ihr Diplombanditen! Karnevals-Seeräuber! Süßwasserpiraten! Ihr Lumpenhunde, Sie Logarithmus! Waffeleisen! Mückenhirn in Aspik! Galeerensträfling, ihr! Naa, habta jetz genuch?!“

Es erfolgte keine laute Antwort, sie sah, wie sich die Männer zueinander beugten. Oder bildete sie sich das in der Dunkelheit ein? Sie war sich nicht sicher, aber ihr sternhagelvolles, aufgewiegeltes Hirn wollte die Männer dort in ihrer Schaluppe miteinander tuscheln sehen. Lustig, sie wusste doch gar nicht, wie eine Schaluppe aussah.

„Sieht für mich nich aus, als würdn die aufgeben, oder, Grünbart?“, nuschelte Cé und lehnte sich nach vorn, um zu versuchen, die Männer zu erkennen. „Wie unhöflich von denne. Die könn doch jetz nich einfach abdampfen, diese Erzschufte von Höllenhunden!“

Brandolf
26.01.2013, 12:37
Der Mann wurde von einem Geräusch geweckt. Als er nach oben schaute, sah er das einem Fahrgast etwas herunter geflogen war. Mürrisch hob der Gast, diesen Gegenstand auf, stellte ihn zurück ins Regal um schließlich irgendwas über die Wellen zu fluchen.
Der Schwarzhaarige Mann erhob sich von seinem Liegeort. Sie waren schon seit Tagen unterwegs gewesen und durch einen Sturm sind sie ziemlich von Kurs abgekommen.
Als er auf dem Deck war, sah er das vor ihnen schon das Land zu sehen war. Interessiert blickte er auf die Insel. Ob dort seine Geschwister waren oder nicht, musste er erst herausfinden. Vielleicht waren sie ja auch schon lange weiterverkauft worden aber er konnte nur hoffen das er sie finden würde.


„Sind ungefähr in zwei Stunden an Land, wurde auch Zeit, die Fahrt hat mich ziemlich an nerven gekostet“ meinte ein Mann, der sich neben ihn gestellt hatte. Brandolf musterte ihn kurz, wohl ein Abenteurer der neue Erfahrungen auf Argaan suchte.
„Was führt dich auf diesen Ort?“ fragte der Mann, lehnte sich über die Reling und starrte auf die Insel.
„Meine Familie, meine Geschwister sind als Sklaven dorthin verkauft worden, ich muss sie suchen“ erklärte Brandolf, dem Abenteurer.
„Du wirst sie finden, da bin ich mir ziemlich sicher, die Insel ist zwar groß aber mit genügend Gold, kriegst du genügend Informationen um alles zu finden, was du suchst“ meinte der Mann mit einem ernsten Tonfall, Brandolf überlegte ob er auch schon mal nach seiner Familie suchen musste.
„Hör zu, wir legen in einer Stadt an, die dir fürs erste Sicherheit bietet, in der Wildnis jedoch musst du sehr gut aufpassen, am besten du gehst nicht ohne eine sichere Begleitung aus der Stadt. Vielleicht lernst du in der Stadt auch erst einmal zu Kämpfen“ das waren wohl ziemlich gute Tipps, die der Jäger von dem Mann bekommen hatte.


Er beobachtete weiterhin die Insel, bis sich irgendwann eine Stadt in der ferne bildete. Irgendwann sah er das Hafenviertel, zwei Leuchttürme, hießen ihn Willkommen auf der Insel.

Xarith
31.01.2013, 20:20
Der Schwarzhaarige nahm wieder seinen seit Stunden angetrauten Platz an der Reling ein. Krampfhaft klammerten sich seine feuchten Hände um das Holz. Gelbe Lichtblitze zucken vor den Augen auf und nieder. Die Welt drehte sich in einem wilden Strudel. Jeder Welle sie gegen das Holz klatschte war ein harter Schlag in den Magen. Quälend langsam zog der Schmerz durch den dunklen leeren Schlauch. Ein üppiges Frühstück am Morgen, Brot mit Schinken und drei Eier. Das hatte sich aber nach den ersten Wasserbergen die das Schiff tanzen ließen auf dem Deck ein neues zu Hause gesucht.

Die tief blauen Wassermassen weiß schäumend vor Wut zwangen den durch gekauten Brei mit Bröckchen von Backbord nach Steuerbord. Vielleicht war es auch umgekehrt. Mit einem Holzeimer in der Rechten und einem Schrubber in der Linken torkelte der Lange dem Erbrochenen hinter her.

Für die vorbei ziehende Küste und ihren sich änderte Vegetation hatte der Schwarzhaarige kein Auge. Langsam verschwand der Landstrich voller Leben. Die so dichten Wälder wurden abgelöst von einzelnen Bäumen, bis auch die langsam in Graslandschaften übergingen. Das satte Grün wich einem hässlichen Gelb, ausgedörrt von der Hitze der Sonne. Majestätische Gipfel mit ihrer weißen Krone wurden von mit Sand geschliffenen Formationen abgelöst.

Barakesh eine Stadt auf heißem Wüstensand im Schatten einiger Berge, das Tor zur Welt. Goldene Kuppeln sollen dort den Himmel berühren. Ein Basar so groß wie die Wüste selbst, Waren im Überfluss. Halbnackte dunkelhaarige Schönheiten die ihre wohlgeformten Hüften zu seltsam klingender Musik kreisen liesen.

Solche Geschichten wurden über den Zipfel Land am untersten Rand des Festlands erzählt. Der Schwarzhaarige schenkte diesen Worten keinen Glauben, zumal er mit anderen wichtigen Dingen beschäftigt war.
Längst hatte die Dunkelheit ihre schwarzen Schatten ausgebreitet, Sterne flackerten am Himmel und Xarith kämpfte noch immer mit der Übelkeit.

Redsonja
31.01.2013, 23:47
Sie hatte Glück gehabt. Kaum war sie bei der Anlegestelle angekommen, hatte sie eine kleine Nussschale gefunden, die zu einem etwas grösseren Schiff ruderte, das weiter draussen vor Anker lag und noch in jener Nacht Setarrif verlassen hatte. Wohin es segelte hatte Redsonja nicht gefragt, nur klar gemacht, dass sie nicht zur Unterhaltung der Mannschaft mitgekommen war.

So stand sie also an der Reling und starrte ins dunkle Wasser hinunter. Es erinnerte sie an Win'Dar, seine undurchsichtigen Augen, die Reise mit den Piraten und viel mehr. Es war ihr, als würde sie in der Ferne Darjel schreien hören und sie hoffte, dass Raad der ganzen Sache besser gewachsen war, als sie. Seltsamer Weise war sie davon ohne Zweifel überzeugt. Sie hatte den Vater nur wenige Augenblicke mit dem Sohn gesehen und eine beneidenswerte Vertrautheit bemerkt, die ihr das Herz zerrissen hätte, hätte sie noch eines gehabt in dieser pulsierenden Hülle.

Einmal mehr flüchtete sie also vor ihrer Vergangenheit indem sie einfach alles hinter sich liess. Einmal mehr ging sie einfach los und schaute wohin der Wind sie treiben würde. Sie ging mit einem Lächeln, erhobenem Haupt und trockenen Auges. Zwischendurch leckte sie bloss das Salz von ihren Lippen. Später packte sie den Wasserschlauch aus, der nicht mit Wasser gefüllt war und prostete Bloodflowers einmal zu.

Xarith
01.02.2013, 20:32
Auf knarrenden Planken lag der Schwarzhaarige, die Beine bis zur Brust angezogen hoffte er auf ein baldiges Ende. Der Schwindel war verzogen doch noch immer rebellierte sein Magen. Den Durst zu löschen wagte der Lange nicht mehr. Kaum war es der Kehle herab geflossen schoss es auch schon wieder aus ihm heraus.

Unter Deck im schwachen Schein einer Laterne, die an einem rostigen Nagel schaukelte versteckt hinter Kiste wimmerte Xarith vor sich hin. Beobachtete dabei die Mäuse bei ihrer Suche nach Fressen. Es war schon irgendwie niedlich wie diese kleinen Nager über den Boden wuselten. Immer wieder unterbrachen sie ihren Lauf, streckten den kleinen Schädel in Höhe suchten die Gegend nach Gefahren ab um dann wieder hektisch weiter zu laufen. Zumindest hier an Bord hatten sie keine natürlichen Feinde. Nur Xariths Wehklagen schreckte sie gelegentlich auf.

Der Lange vermied es die Augen zu schließen, schlechte Träume ließen ihn ohnehin nur kurz schlafen.
Hektisches Treiben ein Deck über ihn risse den Schwarzhaarigen aus seinen Dämmerzustand. Laute Befehle donnerten durch die Nacht. Backbord oder Steuerbord es war egal auf welcher Seite des Schiffes der Anker auf den Meeresboden gelassen wurde. Jedenfalls wirkte das Geräusch der rasselnden Kette unheimlich auf den Langen.

Am Kai würde das Schiff wohl heute Nacht nicht mehr anlegen zu gefährlich hatte er sich sagen lassen während Xarith sich an Deck gequält hatte. Im Mondschein war die verschwommene Umrisse von Barakesh zu erkennen.

Sehnsüchtig blickte der Schwarzhaarige hinüber zum Land. Der sandige Boden neben dem Kai war sicher ein gemütliches Plätzchen und sicher noch warm. Doch musste er mit den harten Schiffskörper Vorlieb nehmen. Für ein kurzes Abenteuer, nackt durch die Wellen zu gleiten und mit ihnen am Strand ihre Reise zu beenden fehle Xarith einfach die Kraft.

Xarith
03.02.2013, 15:21
Der Bug schob sich durch gischt schäumende Wellenberge. Sein Haar wehte im Fahrtwind, der Atem des Himmels blähte die Segel der Abigail. Fasziniert vom Augenblick der tobenden Fahrt in zwanzig Meter Höhe, fühlte sich Xarith wie der König der Lüfte.

Doch so ganz freiwillig war der Lange nicht in luftiger Höhe gelandet. Das er an Bord Arbeit verrichten musste war im Vornherein klar gewesen. Doch stand der Schwarzhaarige in manchen Situationen einer Tätigkeit kritisch gegenüber. Was von ihm verlangt wurde das verstand er schon. Doch warum es genau genauso wie verlangt gemacht werden musste, der tiefere Sinn blieb ihm verborgen.

War ein Knoten nicht Konten. Ein Knoten hält ein Seil an Ort und Stelle oder verbindet sie mit einander. Also machte der Lange einen, aber ein Seemann hat seine eigenen Knoten. Es reichte doch schon den komplizierten Schlaufen legen mit müden Augen zu folgen, da sollte er sich auch noch deren Namen merken. Xarith bemühte sich die losen Enden zu einem Gebilde zusammen zu schüren was der Zufriedenheit des Bootsmanns entsprach. Kaum waren die Hände vom Seil weniger Fingerbreit entfernt sackte das Teil zu Boden. Sauer verdammt sauer war der bärtige Mann, dessen hochroter Schädel kurz vor eine Explosion stand. Der Druck in seinem Inneren entlud in Form eines kräftigen Tritts in Xarith Arsch. Mit brummendem Hinterteil musste der Lange wütende Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Mit einem provozierenden Lächeln nahm er es gelassen hin. Die Wörter taten nicht mehr weh, nur allzu oft was es Xarith gelungen Menschen auf die Palme zu bringen. Es machte Spaß einfach durch absichtliches unterlassen das Fass zum Überlaufen zu bringen oder aus einem Funken einen Flächenbrand entstehen zu lassen.

Frei nach dem Motto einige Augenblicke dumm gestellt verschafft Freizeit. Der Haken an der Sache war nur das sie sich hier auf einem Schiff befanden. So blieb ihm eine Flucht vor den Konsequenzen seines Handelns versagt. Ein paar kräftige Schläge auf den Kopf oder Tritte in den Arsch waren nicht so schlimm, Schmerz war vergänglich. Die weitaus größere Gefahr ging von einem unfreiwilligen Bad im großen weiten Meer aus. Doch ob der Bootsmann den nötigen Mumm dazu hatte wollte der Lange erst gar nicht herausfinden.

Doch hier oben einige Meter über dem Deck war ein sicherer Platz. Im Ausguck stehen und die Augen starr auf die am Horizont verschwindenden Wellen zu halten machte Xarith Spaß. Komisch nur das der Horizont nicht näher kommen wollte und rein gar nichts außer tiefstes Blau zu sehen war.

Xarith
04.02.2013, 13:40
Die Sonne stand hoch am Horizont ihr Licht spiegelte sich auf der tanzenden Oberfläche des Meeres. Ein Anblick den Xarith nicht lange genießen konnte. Das Tageslicht verschwand hinter einer verschlossenen Tür die krachend in ihr Schloss fiel. Im Schein einer schwankenden Laterne bugsierten einige Männer den Lagen immer weiter unter Deck. Immer tiefer in die Dunkelheit. Eine knarzende Eisentür hatte ihm verraten wo so ein Gang enden sollte. Die Scharniere hatten lange kein Fett mehr gesehen, unter lautem in den Ohren schmerzendem Quietschen war auch die letzte Tür geschlossen. Ein Schlüssel der nicht einmal in eine Hosentasche zu passen schien knarrte im Schloss. Langsam verschwand auch der gelbe Schein der Laterne.

Eingeschlossen umgeben von Dunkelheit zuckte Xariths Lippen immer noch vor Lachen. Es war einfach zu gut gewesen als das er es nicht hätte tun können. Mangelnde Aufmerksamkeit, der knurrende Magen aber vor allem die Langeweile im Ausguck, da kommt es schon mal das verrückte Dinge passieren.

„Piiiiraaaateeen, Piraten, Piraten“, donnerte es aus luftiger Höhe nach unten.

Der schlafende Steuermann, zumindest erweckte es den Eindruck haute mit dem Schädel auf das Steuerrad sackte zusammen und änderte den Kurs. Unter lautem Getöse war die Besatzung auf Deck gestürmt. Standen mit verschlafenen Gesichtern an beiden Seiten der Bordwand und blinzelten in die Sonne. Mit zusammen gekniffen Augen suchten in den Wellenbergen nach der schwarzen Flagge die nicht gutes bedeutete.

„Pirateeeeen voraus“, brüllte der Lange und wartete auf ein Echo welches aber nicht folgte.

Die Männer stolperten auf dem Weg zum Bug förmlich übereinander. Jeder versuchte einen Blick auf die kommende Gefahr zu erhaschen. Einer wollte immer der Erste sein, daraus entstand fast ein Handgemenge welches der Kapitän unter lautem Gebrüll beendete.
Die Ruhe in Person schritt fast majestätisch über die Planken richtete seinen Blick auf den Schwarzhaarigen in seinen Krähennest. Xarith hatte einmal richtig Fahrt aufgenommen schmiss seinen rechten Arm durch die Luft und deutete die Richtung.
Mit dem Fernglas in der Hand hatte der Kapitän den Bug erreicht. Es dauerte einige Augenblicke bis das Rohr vor seinen Augen nach unten sank.

„Holt den Bastard von da oben runter, „Hooooolt ihn da runter, in die Wanden Männer “, donnerte es über Deck.

In diesen Augenblick hatte auch der Schelm begriffen dass dieser Spaß böse enden könnte. Xarith hatte nicht die Möglichkeit einen Fluchtweg zu finden. Für einen Sprung in das tiefe Blau war zu weit entfernt, er würde auf das Deck knallen und wie eine Wassermelone zerplatzen. Sie würden ihn von Bord spülen und somit an die Haie verfüttern.
Er ergab sich nicht sofort seinem Schicksal, doch der Versuch die Jagddauer etwas zu verlängern scheiterte kläglich. Ein Fehltritt und der Schwarzhaarige baumelten wie ein zappelnder Fisch im Netz in den Seilen.
Man wollte ihn so hängen lassen, von Sonne und salziger Meeresluft getrocknet. Doch der Kapitän hatte einen besseren Vorschlag. Zwei Tage unter Deck ohne Wasser und Brot. Xarith schon erfreut der geringen Strafe feixte noch immer, doch der Mann schien noch nicht fertig gewesen zu sein.
„Jaaa Freundchen und dann werden wir dich Kiel holen. In zwei Tagen erreichen wir das Haifischbecken, an keinem anderen Ort im Ozean wimmelt es so vor gierigen mit spitzen Zähnen besetzten Mäulern.


In seiner dunklen Zelle war ihm nun das Lachen vergangen, vielleicht hätte er doch das Ende als Wassermelone wählen sollen.

Xarith
05.02.2013, 01:12
Lieder drangen an seine Ohren, das diese rauen Burschen so gute Sänger waren mochte der Schwarzhaarige gar nicht glauben. Gelächter tobte ihm in der Dunkelheit entgegen, irgendwo an Bord wurde nicht nur Gesang angestimmt da gab es auch derbe Witze zu hören. Ganz sicher wurden dabei auch einige Buddeln Rum geleert. Für die armen Kerle die an Deck Wache schieben musste war das alles sehr frustrierend. Immer wieder polterte es in Ferne als ob einige Tische oder Bänke über das Holz geschoben wurden. Eine Rauferei bei solch einem wilden Haufen ist nicht ungewöhnlich. Da gibt es schon mal ganz kräftig auf das Maul und danach saufen sie weiter.

Der Lange starrte auf eine offene Luke, die einige Schritte von seiner Zelle entfernt war einen Blick auf den Schein des Mondes zu erhaschen. Ob die Nacht erst begonnen hatte oder sich schon zum Morgen wendete konnte er nicht sagen. Die einsamen Stunden in der Dunkelheit hinter Eisen und in Gesellschaft von Ratten hatten ihn nachdenklich gemacht.

Warum nur verstanden die Leute seine Späßchen nicht, es war doch rein gar nichts passiert. Keiner der Männer hatte sich vor Angst in die Hosen gemacht. Die dunklen Zeugen in Form von Flecken waren ihm nicht vor die Augen gekommen. Er spürte wie die Angst vor dem Tauchgang durch die Fluten in ihm hoch kroch. Die Abigail war ein verdammt langes Schiff, wie viele Fuß sie in der Länge maß konnte Xarith nicht mit Sicherheit sagen. Angestrengt presste der Lange die Luft in seine Lungen machte dicke Backen und begann zu zählen. Siebenundachtzig, das würde nicht eine bis zur Hälfte der Abigail reichen. Das Schicksal würde seinen Lauf nehmen dessen war sich Xarith sicher. Wahrlich kein ruhmreicher Tod. Ertrunken. Ertrinken muss ein schrecklicher Tod sein, allein in den dunklen Tiefen. Mit jedem Atemzug füllte das Wasser die Lungen. Verzweifeltes Zucken der Muskeln um an die Oberfläche zu gelangen. Es gibt ungefähr tausend Wege ins Gras zu beißen und er sollte gerade diesen gehen. Dann doch lieber durch die Zähne eines Hais, doch war das ziemlich schmerzhaft. Egal es war alles nicht die schönste Art die Welt der Lebenden zu verlassen. Zu Hause im Bett friedlich einschlafen, das sollte doch schmerzfrei sein. Wie es Xarith auch versuchte zu drehen und zu wenden, er war im Arsch.

Die donnerten Gesänge waren verstummt, eine leere Buddel Rum rollte über den Tisch bis sie schließlich auf dem Boden zerschellte. Xarith zuckte zusammen als dem zerspringenden Glas ohrenbetäubender Donner folgte. Grelles Licht erhellte für einen kurzen Augenblick das Innere des Kerkers. Das kalte rostige Eisen warf dunkle Schatten auf sein Gesicht. Ganz leise klopften die Tränen des Himmels auf das Holz über ihn. Ein weiterer Blitz warf dämonische Schatten an die Bordwand, Xarith wich erschrocken zurück. Wie der Pfeilhagel einer Armee von Bogenschützen prasselte der Regen auf Abigail nieder.

Plötzlich begann das Schiff zu ächzend und zu knarren. Xarith drückte eine fremde Macht an die kalten Eisenstäbe. Wellen mit schäumender Gischt krachen gegen das alte Holz. Holz was sicher schon einige Unwetter überstanden hatte. Der Schwarzhaarige fand nach einem heftigen Ruck an der Bordwand wieder und rieb sich den schmerzenden Schädel. Wenige Wimpernschläge später schien Abigail über tosenden See zu fliegen. In seinem Bauch tanzte ein ganzer Schwarm Schmetterlinge unterwegs. Ein harter Schlag ließ den Schwarzhaarigen zu Boden sinken. Der Eingesperrte spuckte Blut als er sich dabei auf die Zunge gebissen hatte. Abigail stöhnte und ächzte immer lauter. Klatsch, Klatsch immer wieder donnerten neue Wellen gegen das Holz schleuderten Schiff und Mann von einer auf die andere Seite. Die Schultern schmerzten der harten Landung wegen. Seine Hände umschlossen ganz fest die kalten Eisenstäbe. Der Rost schnitt tief in die Haut. Blut tropfte zu Boden.

Der Atem des Himmels hatte sich in eine wilde Bestie verwandelt und trieb Abigail vor sich her. Mit den Händen an den Ohren und versuchte Xarith das Knarren der Planken und das Rappeln der Wellen zu überhören.

Xarith
05.02.2013, 12:08
Das Trommeln der Regentropfen war in ein ohrenbetäubendes Tosen der Wassermassen übergegangen. Abigail wurde zum Spielball der Naturgewalten, kein Gott würde Mensch und Material auf solch eine harte Probe stellen. Doch war es für die Wesen des aufrechten Gangs eine einfache Erklärung für alles was ihren Horizont überstieg.

Klatsch, Klatsch neue Wellenberge kamen angerollt kippten das Schiff zur Seite so das der Schwarzhaarige wieder gegen das Gitter gepresst wurde. Der Aufprall war so hart das es ihm vor Schmerz fast die Sinne raubte.
Das Holz ächzte und stöhnte, der Rumpf bohrte sich in den nächsten Berg schäumenden Wassers. Die Winde peitschten die Segel, die Masten drohten aus ihrer Verankerung zu reisen. Das Kreischen von Eisen schmerzte in den Ohren. Xarith vernahm es ganz deutlich wie jedes einzelne Kettenglied durch die Öffnung in die Tiefen des Ozeans jagten. Kurz darauf rollte ein Beben durch die Planken erschütterte das gesamte Schiff. Abigail nahm von Geisterhand gesteuert neuen Kurs. Vielleicht drehte sie sich auch im Wellental nur im Kreis. Gefangen zwischen Bergen salzigen Wassers, die mit ihrer entfesselten Kraft und einem einzigen Schlag das Holz splittern konnten.

Die Tür, der Weg der Freiheit getrennt durch rostiges Eisen war aufgeflogen. Lautes Gurgeln begleitete die schäumenden Wassermassen auf dem nach unten. Eine dunkle Gestalt die sich nicht auf den Beinen halten konnte wurde mitgerissen und knallte nur wenige Augenblicke später an Xariths Gefängnis. Triefend nass und laut keuchend hantierte der Mann den der Lange in diesen Moment für seinen Retter hielt mit einem Schlüsselbund herum. Der Schüssel drehte sich einmal geräuschlos im Schloss als das Schiff in die Höhe geschleudert wurde. Xarith schlug sich fast die Zähne aus. Sein Gesicht knallte gegen das Eisen, sein Retter knallte gegen die Ladung und blieb regungslos liegen.

Steh auf du dämlicher Hund schoss es durch seinen Schädel. Klatsch, Klatsch das tiefe Brummen der auf das Schiff treffenden Wellen lies jeden Gedanken augenblicklich verschwinden. Vor seinen Augen setzte sich die Ladung in Bewegung. Holz splitterte, Flaschen tanzten im Knöchel tiefem Wasser. Doch das schreckliche Geräusch von berstenden Knochen lies Xarith erschaudern. Begraben unter der Last von guten Nordmarer Schnaps.
Ohne die Gedanken neu geordnet zu haben steckte der Schwarzhaarige aus Instinkt seine Rechte durch das Gitter und drehte den Schlüssel. Der nächst Schub Wasser getrieben vom zornigen Atem des Himmels beförderte den Langen in die Freiheit. Doch war er noch immer eine Geisel der entfesselten Natur. Auf allen Vieren begleitet von einem Gefühl als befände man sich in den Klauen eines Drachens erreichte der Schwarzhaarige die Treppen. Fauchend schoss der wilde Atem durch die Mannshöhe Öffnung. Schmierige Stufen, heran donnernde Wasserberge machten den Aufstieg zu einer großen Herausforderung.

Endlich an Deck bot sich dem Langen ein Anblick des Grauens. Die Segel vom Wind gepeitscht blähten sich auf zerrten Abigail mit unglaublichen Tempo über des Ozean. Der dunkle Schlund presste immer neue Berge von Wasser und zischender Gischt hervor. Immer wieder ergoss sich die salzige Brühe über das Deck. Der tosende Sturm verschluckte das Schreien der Männer, gekrümmt vor Schmerzen blieben sie mit gebrochenen Knochen an der Reling liegen. Nur um mit dem nächsten kreischenden Erguss salziger Fluten in den dunklen Schlund zu verschwinden.

Seine Nägel krallten sich in das feuchte Holz, Wind peitschte messerscharfe Regentropfen durch den Stoff auf die Haut. Die Takelage konnte dem entfesselt tobenden Sturm nicht mehr länger standhalten. Das Knarzten und Quietschen der Wanten machte eine abscheuliche Musik. Dumpfes Brummen der heranrollenden Wellen unterstützt vom tiefen Summen der Segel die im Sturm flatterten ertönte das Lied vom Tod.

Der Steuermann, das wohl mit Xarith das einzig an Bord verbliebene Lebewesen war, kämpfte verzweifelt mit Abigail. Seine Arme merkwürdig verbogen, den Leib an das Steuerrad gebunden. Mit gebrochen Knochen und den letzten in ihm verblieben Leben versuchte der harte Hund Kurs zu halten. Doch worauf sie zu hielten konnte niemand sagen. Dunkle Berge waren schemenhaft hinter den kreischenden Wassermassen zu erkennen. Vielleicht war es Land, Xarith starrte mit leerem Blick in die angedeutete Richtung. Lautes Klatschen und Knallen unterbrach ihre stumme Unterhaltung. Das vom Sturm gepeinigte vom Wasser getränkte Großsegel war aus seiner Halterung gerissen. Die zerfetzten Leinen zappelten im Wind. Wie ein Vogel längst vergangener Zeiten preschte der vom Wetter gebleicht Stoff durch die Lüfte.

Das Klatschen der Wellen an Abigails geschunden Körper und die peitschenden Winde trieb sie auf etwas zu. Etwas was ihr sicheres Ende bedeutete. Der harte Hund hinter dem Steuerrad hatte den Kampf gegen die Natur verloren und hing leblos in seinen Fesseln.
Lautes Krachen holte Xarith aus den Gedanken an den bevorstehenden Tod. Dumpf brach das Holz weit unter seinen Füßen. Die rostigen Nägel fuhren kreischend über den Fels. Wasser mit zischender Gischt an der Spitze wirbelte Abigail herum. Die Welt drehte sich um Xarith. Ein heftiger Ruck drohte ihn zu zerreißen. Mit ungeheurer Wucht wurde der Schwarzhaarige auf den Deck gejagt. Das Knarzen und ächzen fand ein jähes Ende. Die Planken splitterten unter entsetzlichem Jaulen.

Ein dämonisches Heulen fuhr durch den gebrochen Leib Abigails. Der Regen prasselte und unaufhörlich auf Xarith schmerzenden Körper nieder. Das Schiff schien nicht mehr auf der tobenden See zu tanzen. Etwas Leben steckt noch in dem langen Kerl, dessen Körper auf den Resten eines einst stolzen Schiffes förmlich festklebte. Unter großer Anstrengung war es ihm gelungen den Blick noch einmal schweifen zu lassen. Der Regen trübte seinen Blick, das Heulen des Sturms nahm ihm das Gehör und sein Verstand versank im Nichts.

Redsonja
05.02.2013, 22:45
Mit einem Mal wurde Redsonja blass.

"Natürlich fahren wir nach Thorniara, wohin sonst? Ist das ein Problem."

Falsche Frage, eindeutig falsche Frage, stellte sie fest, schüttelte allerdings verneinend den Kopf. Das hatte man davon, wenn man nicht nach dem Ziel einer Reise fragte. Sie seufzte innerlich, zog die Mundwinkel aber weiterhin fleissig nach oben.

"Und danach? Ich wollte schon etwas weiter."

Fragte sie, um abzulenken.

"Danach segeln wir nach Vengard."

Vom Regen in die Traufe also. Aber noch waren sie nirgendwo, noch konnte sie überlegen, noch konnte sie schwimmen. Allerdings müsste sie dafür einmal mehr eine von Drakks Rüstungen opfern und diese war gerade mal drei Monate alt.

Redsonja
07.02.2013, 23:11
Es war dunkle Nacht und Schnee fiel ihr aufs Gesicht. Sie war in Thorniara einfach nicht von Bord gegangen. Stattdessen hatte sie mit Egon Karten gespielt und Bier getrunken. Das hielt ihn bei guter Lauen, denn er hatte ihr schon den Sold eines halben Monats abgeknöpft. Sie lächelte und schaute den tanzenden Gestalten zu. Keine sah aus, wie die nächste, dennoch schmolzen alle auf ihrer Haut dahin und wurden zu einem Wassertropfen.

"Ich habe gehört, dass in Thorniara ein paar Steckbriefe hängen, die auf deine Person ganz gut zutreffen würden."

Sprach Egon plötzlich und riss Redsonja damit aus ihren Gedanken.

"Tatsächlich." Erwiderte sie und zog die Augenbraue hoch, ohne ihn anzuschauen. "Dennoch hatte wohl keiner das Bedürfnis mich zu verraten. Haben sie nicht gut genug bezahlt?"

"Och, ich verdiene schon genug an dir."

Lachte Egon und blickte sie von der Seite an.

"Bist du es?"

"Was schätzt du."

"Ja."

Sie nickte anerkennend und blickte nun doch in seine Richtung. Er hingegen hatte seinen Blick auf ihre Waffen gerichtet. Zumindest auf jene, die gesehen werden konnten. Dann nickte auch er.

Silmacil
06.03.2013, 21:15
Einen Grog in der Hand stand Silmacil an Deck des kleinen Schiffchens, während in etwa einem Dutzend Seemeilen Entfernung die Lichter der Stadt Thorniara zu sehen waren.
Gerade hatte der großgewachsene Nordmann noch einmal seine Ladung überprüft, Schnaps aus seiner Heimat, ein wenig Erz sowie eine kleine Kiste mit Rohgold, Edelsteinen und Münzen, die er aus seinem alten Haus in den verschneiten Bergen mitgebracht hatte.
Mit dem Geld wollte er seinen Unterhalt in Thorniara finanzieren, er war das ewige Gasthaus und die Aushilfsarbeiten leid, und da er in der Stadt nicht öffentlich seinem Gewerbe nachgehen konnte musste er sich wohl über einen Teil seines bestehenden Vermögens finanzieren.
Einstmals war Silmacil ein wohlhabener Mann gewesen, als seine Goldschmiede zu einer der gefragtesten Werkstätten in dem Paradies der Schmiede, dem Hammerclan, gewesen war.
Auch heute noch war viel von diesem Vermögen übrig geblieben, der größte Teil befand sich gut versteckt in Setariff, und war damit dem direkten Zugriff des Nordmarers entzogen. Eine weitere beachtliche Summe lagerte in seiner versteckten Mine in den Nordmarer Bergen, für den Fall dass er je fliehen, und in seiner alten Heimat ganz von vorne beginnen musste.
Den Rest hatte Silmacil vor zwei Wochen aus seiner alten Hütte im Hammerclan geborgen, und plante es gut in der königstreuen Hafenstadt anzulegen, welche nun vor ihnen aus dem Nebel auftauchte.
"Wir werden mit der Mitternachtsflut in den Hafen einlaufen..."
brummte der Schmied halblaut seinem Reisegefährten zu, welcher hinter ihm auf das Deck gekommen war.
"Wir waren etwas länger unterwegs, als wir ursprünglich geplant hatten... hoffentlich hat sich nichts großes getan wärend unserer Abwesenheit."
brütete Silmacil über diesem Anblick, während Lodrick zu ihm an die Reling trat.

Lodrick
06.03.2013, 21:34
Zwar waren sie nur einige Wochen fort gewesen, dennoch erfüllte der Anblick Thorniaras mit großer Freude.
Er war gespannt was während seiner Abwesenheit passiert war und freute sich ebenfalls schon auf einen Becher des vorzüglichen argaan´schen Weines. Während der Zeit in Nordmar hatte er mehr als genug starkes Bier und Schnaps getrunken, während es kaum Wein bein den Nordmännern gab.

"Verändert? Thorniara verändert sich nicht. Ich bin jetzt seit mehr als 2 Jahren hier stationiert und seitdem hat sich in der Stadt nichts verändert. Damals in Vengard hatten wir alle zwei Wochen etwas anderes aber hier? Das einzige, das sich wirklich verändert haben wird ist mein Schreibtisch, der wohl unter der Last des unzähligen Papierkrams, welcher sich angesammelt hat, zusammen zu brechen droht." meinte der Schmied mit einem Schmunzeln.

In Lodricks Gepäck befand sich nun auch ein bisschen Erz. Lodrick hatte vor, sich eine neue Klinge zu schmieden. Am Besten mit der Hilfe Silmacils.
Während die Nordmarer den Wachtmeister am Anfang seines Aufenthalts noch schief und grimmig angesahen haben änderte sich dies kurz vor seiner Abreise.
Zwar hatte Silmacil ihm den Rat gegeben, die grimmigen Bewohner der Clans zu beeindrucken, doch hatte Lodrick an diesem bestimmen Abend zu viel getrunken, als das er sich an diesen erinnern hätte können. An besagtem Abend hatte er ein wahres Gelage zusammen mit Silmacil. Erst sein zweiter Rausch, der von Nordmarer Nebelgeist (von dem sich der Innosler auch die ein oder andere Flasche mitgeben hat lassen) verursacht war und war fast so schlimm wie die damalige Nachtwache. Doch diesesmal prügelte er sich nicht mit harmlosen Fässern und Tonnen, sondern mit hünenhaften Schränken von Männern die kräftig austeilen konnten und von deren rechten Haken der Kiefer des jungen Mannes noch immer ein bisschen schmerzte. Am Ende war er zwar zu Boden gegangen, doch halfen ihm die Nordmänner sofort wieder auf, klopften ihm auf die Schulter und luden ihn auf einen Schnaps ein.
Am nächsten Tag ging er mit schmerzendem Kopf und wenigen Erinnerungen die Straße entlang und einige der Männer nickten ihm grimmig und manche auf lächelnd zu. Als Simacil ihm dann erzählte was am Vorabend passiert war und er sich auskuriert hatte, beschloss er einen der Händler nach dem Erz zu fragen und siehe da: Silmacil hatte recht.
Seltsamen Volk, diese Nordmarer!

"Silmacil." Der Hüne sah von der Hafenstadt zu seinem Begleiter.
"Kann ich dich etwas fragen?" Sil nickte nur.
"Würdest du mir vielleicht helfen eine Klinge aus Erz zu schmieden? Ich denke, dass du ein geeigneter Helfer dabei wärst. Was sagst du?"

Silmacil
06.03.2013, 21:52
Etwas verblüfft drehte sich Silmacil zu seinem Kameraden um, doch seine überraschte Mine verzog sich schnell in ein ehrliches Grinsen.
"Hehe, gern."
lachte er, und schlug dem Stadtwächter kräftig auf die Schulter, sodass dieser einen Schritt nach vorne wankte.
"Ich muss dir ja eh noch zeigen, wie man ordentlich mit dem Erz umgeht, und nichts ist dafür geeigneter, als eine Waffe zu schmieden die man auch selber führen möchte."
Ein seltsames Funkeln schlich sich in die Augen des erfahrenen Schmiedes, und Silmacil nahm noch einen kräftigen Schluck des Grogs, welcher unter der Mannschaft gerade ausgeschenkt wurde.
"Weißt du...
Nichts verdeutlicht einem den... "Wert" eines Gegenstandes so sehr, wie ihn selber herzustellen.
Ich spreche nicht von dem, was er an Gold oder Münzen einbringen kann, sondern von dem Respekt, dem man dem Gegenstand entgegen bringt.
Du kannst jemandem die strahlendste Krone, die feinste Kette schmieden... die meisten von ihnen werden in deiner Arbeit nichts weiter sehen als einen glänzenden Gegenstand, den sie nutzen oder aber im Regal verrotten lassen können...
Erst, wenn man selbst zahllose schlaflose Nächte damit verbracht hat, den Ring exakt rund zu schmieden oder den Stein in genau die richtige Form zu schleifen... erst dann merkt man irgendwan, was der Gegenstand eigentlich TATSÄCHLICH wert ist..."
sinnierte der großgewachsene Nordmann vor sich hin, bis er sich des schrägen Blickes den Lodrick ihm zuwarf bewusst wurde.
Lachend den Kopf schüttelnd brach der Hüne ab.
"Arrgh, ich sinniere mal wieder...
Hab Nachts gelegentlich solche Anwandlungen."
scherzte er, und prostete seinem Kamerad freundschaftlich zu.
Mit beiden Armen stützte sich der große Schmied auf der Reling des kleinen Schiffes ab, und blickte mit schwer zu deutendem Gesichtsausdruck zu den Sternen empor.
Etwas selbstironisch hob er den Becher in die Luft, als würde er mit den Sternen anprosten, und trank einen kleinen Schluck des warmen Getränkes, während seine Gedanken vom Wind getragen wurden.

Luman
10.03.2013, 00:42
Seit dem vorherigen Tag war Luman schon auf dem Schiff und musste sich zähneknirschend mit der Situation zufriedengeben, die auf dem Schiff herrschte. Das Holz ließ bei bei jedem Schritt knackende Geräusche ertönen und ließ bei einem das Gefühl aufkommen, dass man im nächsten Moment durch das Holz brechen könnte, als würde das gesamte Schiff nur aus morschem Holz bestehen.

Sollte der reisende Schwarzmagier dafür etwa noch die Hälfte des Goldes demjenigen geben, der ihm die Reise angeboten hatte? Wohl kaum, denn er wollte sich schließlich nicht übers Ohr hauen lassen, auch wenn die ganzen Leute auf dem Schiff das nicht zulassen würden, wenn er gehen sollte, ohne den Rest zu bezahlen.

Sobald er also in Khorinis ankommen sollte, müsste er sich auf Feindseligkeiten der Leute, die an Bord waren, einstellen. Sicherlich würden sie ihn nicht einfach so gehen lassen. Trotzdem hoffte er, dass er nicht von seiner schwarzen Magie Gebrauch machen musste, wenn sie handgreiflich werden sollten. Er fürchtete sich nicht davor, einen Menschen zu töten, aber wenn das die Stadtwachen sehen sollten, wie er die Magie Beliars anwendet, würden sie sicherlich versuchen, ihn hinter Schloß und Riegel zu bringen. Gerade die Anhänger Innos hatten es nicht so mit schwarzer Magie und würden es bestimmt als einen Akt der Ketzerei bezeichnen und sollte er dabei noch einem Menschen das Leben nehmen, wäre es aus für ihn. Eine Flucht wäre nämlich unmöglich für ihn gewesen.

In einem kleineren Raum des Schiffes saß der Reisende nun. Außer einer Matratze, einem Hocker und einem kleinen runden Tisch, auf dem eine brennende Kerze stand, gab es dort nichts. Wenigstens war der Schweigsame dafür alleine, bis ihm auffiel, dass etwas an ihm vorbeihuschte. Reflexartig drehte er sich um und versuchte in der Dunkelheit zu entdecken, was es genau war. Allmählich passten sich seine Augen an die Dunkelheit an und er erblickte ein kleines Nagetier in der Ecke. Ganz so alleine war er also doch nicht.

Wirklich gewundert, hatte er sich allerdings nicht, denn eigentlich war es von Anfang an klar gewesen, dass das Schiff, durch die mangelnde Hygiene, mit Ratten verseucht war. Hoffentlich würde er bald in Khorinis ankommen, denn er konnte es kaum erwarten, von diesem Wrack runterzukommen und seinen Vater wiederzusehen.

Luman
10.03.2013, 16:40
An Bord dieses heruntergekommenen Schiffes, konnte der Schwarzmagier nur sehr schlecht schlafen, weshalb er schon in den frühen Morgenstunden aufgewacht war. Der Grund für den schlechten Schlaf war natürlich das Schiff an sich, denn es war dreckig und sogar Ratten bewohnten den alten Kahn.

Es war auch eine Umgewöhnung, da der junge Reisende sonst immer in seinem warmen Bett im Kastell geschlafen hatte. Diesen Luxus hatte er nun nicht mehr, jedenfalls nur so lange nicht mehr, bis er wieder zurückkommen würde. Darauf freute er sich jetzt schon.

Er stand auf dem Oberdeck mit verschränkten Armen und blickte auf das Meer hinaus. Seine Gedanken waren wieder bei seinem Vater und wie die Zukunft aussehen würde. Luman war der Hoffnung, dass sein Vater bei bester Gesundheit war und er ihn sofort nach seiner Ankunft in Khorinis sehen konnte. Er wusste schließlich nicht, wie es um seinen Vater stand. Das einzige, was er also nun tun konnte, war darauf zu hoffen.

Sein Vater war ihm sehr wichtig und als seine Mutter gestorben war, wurde ihm sein Vater noch wichtiger, als er es schon vorher war. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn wurde demnach durch den Tod der Mutter noch verstärkt. Nun hatten sie sich schon seit Monaten nicht mehr gesehen und Luman war auf die Reaktion des Vaters gespannt.

Wie er selbst reagieren würde, wenn er seinen Vater erblicken würde: Vielleicht würde er bei der Begegnung mal wieder lächeln können. Allerdings versuchte er sich nicht zu früh zu freuen, denn sonst wäre die Enttäuschung umso größer, wenn etwas nicht nach Plan laufen sollte.

Eine Weile stand er dort noch, auf das Meer blickend. Im Grunde hatte man auf dem Schiff einfach nichts zu tun, außer sich Gedanken zu machen und die Magie zu üben, aber bei letzterem hielt er sich zurück, da er nicht jedem zeigen wollte, dass er ein Schwarzmagier war und bei den einfachen Leuten, die an Bord waren, wäre es auch keine gute Idee gewesen.

Er wollte nicht die gesamte Besatzung gegen sich haben und immerhin wollte er doch nach Khorinis. Das wäre nur schlecht möglich gewesen, wenn er mit Schattenflammen um sich werfen sollte, um sich zu verteidigen und dabei wichtige Leute zu verletzen, die für die Bedienung des Schiffes verantwortlich waren.

Wenigstens hatte er einen Raum, der zwar klein war, für sich. Der Platz des Raumes sollte ausreichen, um ein paar Magieübungen durchzugehen. Dann wären da noch die Meditationsübungen, die nicht nur den Geist erweitern konnten, sondern auch noch zur Entspannung dienten, da man alles um sich herum vergessen konnte.

Allerdings wollte er darauf lieber verzichten, denn durch das Meditieren könnte er zu unvorsichtig werden. In einem Zustand der Trance war er für jeden leicht angreifbar und mit Vertrauen konnte der junge Schwarzmagier nicht viel anfangen. Bei den zwielichtigen Gesellen des Schiffes war es sowieso noch einmal schwerer, ihnen Vertrauen zu schenken.

Luman hatte es schon schwer genug, normal aussehenden Leuten Vertrauen zu schenken. Selbst, wenn diese freundlich waren und den Eindruck erweckten, dass sie anständige Leute waren, konnte der Schweigsame sich nie überwinden, dieses Gefühl des Misstrauens loszuwerden.

Es war aber sicherlich auch besser so, dass er dieses Gefühl immer hatte und den Menschen immer misstrauisch gegenüber stand, denn wer den Menschen zu viel Vertrauen schenken sollte, läuft Gefahr, ausgenutzt zu werden. Im Prinzip war es also eher positiv anzusehen.

Luman
11.03.2013, 21:40
Es konnte wohl nicht mehr lange dauern, bis sich die Reise nach Khorinis dem Ende zuneigen würde. Vielleicht war es aber auch eine Fehleinschätzung und es würde noch lange dauern, bis er an seinem Reiseziel ankommen würde. Hoffentlich hatte er recht und es würde bald vorbei sein, denn durch die Reise hatte er wieder gewusst, wie langweilig solche Schiffsfahrten waren.

Das Meer hatte er allmählich genug gesehen und die Leute an Bord begangen, ihn auf die Nerven zu gehen. Selbst, wenn diese ruhig waren und rein gar nichts taten, konnte er sie nicht mehr ertragen. Die bloße Existenz reichte aus, um den Schwarzmagier zu stören. Er konnte die Menschen, die an Bord waren, einfach nicht mehr sehen. Er brauchte Ruhe und wollte deswegen alleine sein, deswegen spazierte er zurück zu seinem kleinen Raum, in dem er die Tage über übernachtet hatte. Dort konnte er ungestört nachdenken, auch wenn die Ratten noch da waren, die wahrscheinlich voller Krankheiten waren. Hoffentlich würde er sich nicht bei ihnen eine Krankheit einhandeln und könnte nach der Reise wieder gesund von Bord gehen können.

Nun war er also in seinem kleinen Raum der Ruhe. Überall sonst an Bord, war die Besatzung und die konnte er schließlich nicht mehr sehen, deswegen hatte er keine Wahl und musste sich hier niederlassen, um ungestört zu sein.

Eine Ratte huschte wie sonst immer an ihm vorbei und versuchte, an seinem Schuh zu knabbern. Bevor es aber dazu kam, verscheuchte er das kleine Nagetier. Dem Schweigsamen kam dabei aber eine Idee in den Sinn. Einen Zauber wollte er noch üben und das war die fließende Angst, aber um den Zauber überhaupt üben zu können, brauchte er ein Testobjekt und er selbst wollte sich nicht dafür nehmen, da er ganz bestimmt keine Todesangst bekommen wollte. Dann wären da noch die Leute, die mit an Bord waren, aber auch die waren keine gute Möglichkeit, da der Schwarzmagier sie noch brauchte.

Die blinden Passagiere waren also die beste Wahl, die der junge Reisende hatte. Sie kamen schließlich von alleine in den Raum und dazu kam es noch, dass es niemand mitbekommen würde, wenn er seine Magie an ihnen ausprobieren würde. Die Personen an Bord, würden also niemals etwas davon erfahren. Hoffentlich.

Luman versuchte die magische Quelle ausfindig zu machen, sie zu ertasten, um sie schlussendlich in die, von ihm gewollte, Magie umzuwandeln. Die Augen hatte er dabei nicht geschlossen, mittlerweile war es auch gar nicht mehr so schwer, wie seine ersten Versuche. Genauso dauerte es nicht mehr eine halbe Ewigkeit, bis er sie ertasten konnte. Wieder konnte er das überwältigende Gefühl spüren, wie sein Körper von der Magie erfasst wurde und von dieser Quelle der Macht durchflutet wurde. Es war einfach erstaunlich.

Es war nun an der Zeit, die erfasste Magie zu manipulieren. Die fließende Angst sollte dem Testobjekt die Todesangst einflößen. Demnach musste die Magie genau so manipuliert werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Der Magier konzentrierte sich noch stark, schloss aber nicht seine Augen und fixierte seinen Blick auf die Ratte, die in der Ecke saß. Langsam ließ er seinen Arm erheben und wollte eine Verbindung mit dem Nagetier aufbauen. Darüber sollte dann erfolgen, dass das Tier die Todesangst eingeflößt bekam. Übertreiben wollte es aber nicht.

Es ging recht schnell, bis das Tier, wie von einer Biene gestochen, durch den Raum rannte und danach ängstlich in der Ecke verweilte. Man konnte deutlich sehen, wie sehr die Magie dem Tier zu schaffen machte.

Der Magier unterbrach danach auch schon die Verbindung zu dem Nagetier. Ihm war es genug, dass er kurzzeitig den Erfolg seines Zaubers sehen konnte und mehr wollte er auch nicht. Man konnte sehen, wie sich die Ratte beruhigte. Als Belohnung dafür, dass die Ratte als Testobjekt dienen musste, legte der Schwarzmagier ein Stück Brot auf den Boden. Einige Minuten später traute sich sogar das Nagetier, an dem Brot zu knabbern.

Für den heutigen Tag war es aber auch genug, denn so langsam wurde der Reisende von der Müdigkeit übermannt.

Luman
13.03.2013, 21:31
Endlich war es soweit. Die Stadt konnte man schon aus der Ferne sehen und so weiter das Schiff darauf zu segelte, desto mehr konnte man von ihr sehen. Ein merkwürdiges Gefühl ging durch die Magengegend, als der Schwarzmagier seine Heimatstadt sichtete und an die Vergangenheit dachte, mit der er die Stadt in Verbindung brachte.

Eigentlich gab es nur schlechte Erinnerung an die Hafenstadt, aber trotzdem hatte er nicht nur dieses merkwürdige Gefühl, sondern auch ein Gefühl der Freude. Ob das nur damit zusammenhing, dass er bald seinen Vater wiedersehen würde oder doch auch, wegen der Stadt selbst? Vielleicht, denn auch wenn es eine schwere Zeit war, die er dort verbringen musste, war er dort aufgewachsen und lebte fast sein ganzes Leben dort. Es war seine Heimat. Sie war es aber einmal, denn nun hatte er ein neues Zuhause, in dem er sich schon gut eingelebt hatte. Es war das Kastell der Schwarzmagier in Argaan und dort fühlte er sich geborgen. Ihm tat es aber ausgesprochen gut, das finstere Gemäuer zu verlassen und wieder zu seiner alten Heimat zurückzukehren.

Nach und nach, baute sich die Hafenstadt vor ihm auf. Immer mehr Erinnerungen an diesen Ort, kamen ihm hoch. Die Bilder, wie er zu klauen begann, kamen ihm in den Sinn. Die kriminelle Vergangenheit und die Armut. Daran dachte er in diesem Augenblick. Er stieß einen Seufzer aus, während er weiterhin der Stadt entgegenblickte.

Dumak
05.04.2013, 17:22
Stetiger Wind hatte die Brigidis durch den Kanal zwischen Khorinis und Gorthar getrieben. Während am Horizont im Norden die Südküste der Insel Khorinis vorbei zog, hatte sich Dumak nicht getraut, Nienor nach Drakia zu fragen. Was die Leute dort wohl machten? Waren sie von den Orks überrannt worden? Leider hatten sie in Gorthar versäumt, danach zu fragen. Oder hatte die junge Kämpferin es bewußt vermieden, die Erinnerung an das verschlafene Städtchen zu wecken? Der Barde war sich nicht sicher.
Dumak hatte auf einer Rolle Tau Platz genommen, den Rücken gegen einen Stapel Planken gelehnt. Ersatzholz zur Ausbesserung von Schäden am Schiff war immer mit an Bord, hatte er gelernt. Nienor stand nicht weit entfernt von ihm an der Reling und hatte das Kinn in die Hand gestützt. Sie schaute nach Norden. In der Ferne verschwanden gerade die letzten glitzernden Kliffs der Steilküste rund um Drakia. Die weißen Kalkfelsen, nicht mehr als eine schmale Linie zwischen Wasser und Himmel, spiegelten das Licht der schon tief stehenden Sonne.
Unter Deck trat Zephir unruhig gegen die Wände des notdürftig aus Frachtkisten gebauten Holzverschlages. Doch das war nur eines unter vielen Geräuschen. Der Wind blies und priff um das große Segel, die Rahe drehte sich knarrend um den Mast, immer hin und her im unregelmäßigen Rhythmus der minimalen Schwankungen des Windes. Die Wellen klatschten gegen den Rumpf, das Schiff rollte und stampfte ein wenig im Seegang. Taue schlugen und klatschten im Takt der Schiffsbewegung gegen Reling, Mast, Segel und andere Schiffsteile. Der Rumpf knarrte. All dies wurde vom Takt der See bestimmt. Die Schritte der Seeleute hingegen, ihr Lachen und Fluchen war ganz unabhängig davon. Ab und an steuerte der Rudergänger gegen das Gieren an und brachte die Brigidis wieder auf Kurs.
Dumak ließ die Gedanken schweifen.

»Angestaut die Elemente:
trutzig hohe Wasserwände
roll'n ans Ufer ohne Ende,
wirbelnd durch Titanenhände,
wogend Wellen allgewaltig,
schaumgekrönt und vielgestaltig.«

Er begleitete den kleinen Vers auf seiner Laute, ein kostbares Stück, das ihm im Namen König Pedros geschenkt worden war. Sie war viel zu wertvoll für einen Straßenmusikanten mit all ihren Intarsien und der edlen, herausgearbeiteten Maserung. Wer gab einem denn schon Geld, wenn er sah, daß der sich ein so kostbares Instrument leisten konnte?! Aber andererseits brachte er es auch nicht übers Herz, sich von diesem schönen Stück Handwerkskunst zu trennen.
Der Barde schloß die Melodie mit ein paar gezupften Tönen ab.
»Was hältst du davon? Klingt das nicht hübsch?«, fragte er seine Begleiterin. Doch die sah sich gar nicht nach ihm um. Der Wind spielte in ihrem Haar und ließ es wild flattern.
»Ah, sind wir wieder ganz weit weg?«, kommentierte Dumak. Aber es klang eher belustigt als beleidigt.
»Ich arbeite an einem neuen Lied«, erklärte er dann, mehr für sich selbst als für Nienor.
Naja, eigentlich arbeitete er ständig an irgendwelchen Liedern.
»Hab ich schon gesagt, daß ich mich auf Vengard freue?«
»Ja, hast du«, ließ sich Nienor nun vernehmen. »Ungefähr dreißig mal.«
»Was, so selten erst? Ich war so lange nicht mehr dort. Waren es zehn Jahre? Oder gar fünfzehn? Ich weiß es nicht mehr. Bestimmt hat sich einiges verändert. Aber so viel sicher auch wieder nicht«, vermutete er. »Ich werde dir alles zeigen«, beschlos er dann großmütig.
»Ich kenne Vengard, Dumak«, erinnerte ihn Nienor daran, daß sie ebenfalls aus Myrtana stammte. »Ich bin damals von Vengard aus nach Khorinis gefahren.«
»Ja, aber du kennst mein Vengard nicht«, beharrte der ehemalige Dieb. »Ich kann dir die Ecken zeigen, die du noch nie gesehen hast.«
»... und die ich wahrscheinlich auch noch nie sehen wollte«, neckte Nienor ihn. »Was kann das schon sein? Die Verstecke irgendwelcher Bettlerbanden? Die Hinterhöfe, in denen man als Habenichts ungestört übernachten konnte?«
»Ganz falsch!«, rief Dumak. »Sowas ist viel zu geheim, als daß ich es dir zeigen würde. Du müßtest dann nämlich den großen Räubereid schwören.« Es war nicht ganz klar, ob er das ernst meinte.

Nienor
05.04.2013, 18:09
»Wer weiß, ob von deinen ehemaligen Kumpanen überhaupt noch jemand ... in der Stadt ist.« Noch lebt, wollte sie zuerst sagen, milderte die Aussage dann aber ab. »Es ist immerhin mehr als zehn Jahre her. Außerdem hast du doch immer erzählt, wie furchtbar alle gewesen wären, mißgünstig, nicht vertrauenswürdig, brutal und nur auf den eigenen Vorteil bedacht«, gab sie zu bedenken.
»Naja, den einen oder anderen gab es schon, der nicht ganz so übel war«, gab Dumak zu. »Aber es waren nicht viele.«
Er verstummte und spielte ein wenig auf seiner Laute.
Auch Nienor hing wieder ihren Gedanken nach. Nicht Drakias kreiste unablässig in ihrem Kopf, nein es war ihre Heimat. Brettyl, das alte Schloss hoch in den Bergen zwischen Geldern und Silden. Dies war ihre Heimat. Ob es noch stand? Oder war es niedergebrannt von Orks, geplündert und eingerissen und mittlerweile von Moos und Sträuchern überwuchert? Und nur noch karge Mauerreste, die den Wissenden die Geschichte dieses Ortes preis gaben?
Nienor hatte sich wieder umgedreht und schaute erneut übers Meer, das sich im ewig gleichen Rhythmus der Wellen bewegte. Eine lange Wolkenfront zog sich über den Horizont, erst wie ein Dolch oder eine liegende Schwertklinge geformt, lang und glatt und an einem Ende dann hoch aufwallend zu hohen Türmen. Die Sonne, die sich gerade anschickte, den Horizont zu erreichen, färbte mit ihrem Licht den Himmel rot und die Wolken orange. Nienor ergötzte sich an dem Wetterschauspiel.

Dumak
06.04.2013, 19:51
»Jaja, schon gut, nun mach Platz«, brummte Dumak gutmütig, als er versuchte, sich an der Schulter des Pferdes vorbeizudrängen, um den Wassereimer abstellen zu können.
»Du säufst wie ein Loch!«, stellte er fest. »Aber kein Wunder, bei all dem Heu. Wird Zeit, daß du wieder an Land kommst, wo es frisches Grün gibt. Und mehr Licht«, redete er dem Schimmel gut zu.
Heute war Dumak mit Füttern und Tränken dran. Nienor hingegen beschäftigte sich mit der Pflege ihrer Rüstung. Die vielen Schienen, Schnallen, Kacheln, Röhren und sonstigen Teile ergaben für den Barden nur ein merkwürdiges Wirrwar, wenn sie alle auf einem Haufen lagen. Er kümmerte sich lieber um Zephir.
»Nichts gegen dich, aber warum die Haruthaner uns ausgerechnet dich, einen Hengst andrehen mußten ...« Er schüttelte den Kopf. »Jeder weiß doch, daß solche Kerle wie du viel zu unruhig sind.«
Er rieb die Schultern des Pferdes mit etwas Stroh ab. »Aber vielleicht waren sie auch der Meinung, daß sie dich schon im Griff haben wird«, mutmaßte er. Es konnte durchaus sein, daß die Räte des Königs fanden, daß ein temperamentvoller Hengst für Nienor ja wohl kein Problem dar stellte. Schließlich hatte sie ganz andere Dinge getan. Die meisten davon allerdings nicht mit ihrem Schwert. Nur eines ... Dumak schielte vorsichtig zu einer Kiste herüber, von der er wußte, daß sie eine ganz besondere Waffe beherbergte. Eine geheimnisvolle Klinge. Und all das, was er erlebt hatte, half nicht, die Rätsel, die über diesem Schwert lagen, zu lüften, sondern verdichteten sie nur noch.
Er schüttelte die Gedanken an diese Ereignisse ab und beschäftigte sich wieder mit voller Kraft mit dem Streitross Nienors.

Dumak
09.04.2013, 20:52
Dumak schlief den Schlaf der Gerechten. Nun, zumindest stellte er sich das gerne vor, wenn er des Nachts wach lag. Irgendetwas störte ihn immer. Im Moment war es so, daß das Bett seit einiger Zeit recht wackelig war. Was daran lag, daß es sich um eine Hängematte handelte, die zwar die ständige Schaukelei des Schiffes anstandslos ausglich, aber dafür dauernd wild herum schaukelte, wenn jemand beim Vorbeigehen nicht aufpasste und sie mit dem Körper streifte. Und im Vorschiff, wo die Mannschaft und Passagiere wie er ihre Quartiere hatten, war es verdammt eng. Und darum war heute wieder so eine Nacht, die er mehr wach als schlafend verbrachte.
Doch heute Nacht war es nicht so still wie sonst - wenn man das Rauschen des Meeres und das Knarksen des Rumpfes, das Flattern des Segels und das Quietschen der eisernen Ösen und Flaschenzüge vernachlässigte. Im Schlafraum der Mannschaft wisperte etwas. Dumak spitzte die Ohren, hielt die Augen aber weiterhin geschlossen und atmete gleichmäßig wie einer, der tief und fest schlief.
»... Vengard treffen«, hörte er noch ganz leise das Ende eines Satzes.
»Jaja, du und dein geheimer Kontakt«, flüsterte ein anderer, die Stimme klang ärgerklich. Dumak kannte sie, sie gehörte diesem glatzköpfigen Grummler von Seemann, der tagsüber mit scheelem Blick im großen Bogen um Nienor herum lief. Er hielt Frauen vermutlich für Unglücksquellen an Bord eines Schiffes.
»Ich sagte dir doch, gut Ding will Weile haben«, zischte es zurück. »Alles muß vorbereitet werden, damit es auch klappt.« Der andere bemühte sich, in seiner Antwort geduldig zu klingen.
»Wie lange denn noch? Letztes Jahr hast du das ebenfalls erzählt.«
»Aber nun sind die Vorbereitungen abgeschlossen. Jetzt kann alles still und leise über die Bühne gehen und niemand wird Verdacht schöpfen. Und jetzt sei still. Morgen sind wir in Vengard.«
Der andere grummelte noch etwas Unverständliches, sagte aber nichts mehr.
Nach einer ganzen Weile der Stille, in der er über das soeben Gehörte nachdachte, schlief Dumak tatsächlich wieder ein.

Nienor
10.04.2013, 20:09
Breit zog sich der Küstenstreifen von irgendwo weit im Süden bis ganz in den Norden. Die Brisidis näherte sich Vengard. Das Erste, was zu sehen gewesen war, waren die schwarzen Felsen der Steilküste bei dem Dörfchen Ardea. Ein alter Leuchtturm hockte über den Klippen, doch ob er des Nachts befeuert wurde, konnte Nienor nicht ausmachen, denn es war hell und die Sonne schien hin und wieder durch die Wolken, die träge über den Himmel zogen. Vor vielen Jahren war der Leuchtturm von Ardea das Letzte gewesen, was sie von ihrer Heimat sah. Wenn sie heute zurückdachte, ob sie die Dinge, die sie damals für richtig gehalten hatte, heute wieder so machen würde ... dann wußte sie darauf keine Antwort. Brachte es überhaupt etwas, über die Vergangenheit nachzugrübeln?
Das Geschrei einiger Möwen weckte Nienor aus ihren Selbstbetrachtungen. So nahe am Ufer, mit dem Land im Rücken, stiegen sie in Schwärmen auf und umkreisten das Schiff. Doch Futter war hier nicht zu holen. Der Steuermann änderte den Kurs und langsam schwenkte das dickbäuchige Schiff auf einen nördlichen Kurs ein, folgte den Felsen bis sie flacherem Ufer wichen und die Hauptstadt Myrtanas in der Ferne erschien. Vengard lag vor ihnen, die große Kuppel des Innostempels leuchtete im Sonnenlicht, überragt wurde sie nur von den vielen Türmen der königlichen Burg. Und darunter, halb verdeckt von der Mauer der Mole, die den Hafen vor dem Wellengang schützte, befand sich ein kleiner Wald aus Masten. Der Hafen Vengards war gut gefüllt mit Schiffen aus aller Herren Länder. Und auch einige Schiffe des königlichen Heeres lagen dort, wie Nienor nach einer ganzen Weile an den lustig im Wind flatternden Wimpeln, die auf die Mastspitzen aufgezogen waren und das Wappen Myrtanas zeigten, erkennen konnte. Wie anders war es noch gewesen zu Zeiten des zweiten Rhobars ... Die Flotte, einst der Stolz der myrtanischen Könige und Grundfeste des Reiches, das sich auch über viele Inseln erstreckte, war von den großen, klobigen Orkgaleeren versenkt worden. Doch nun herrschte seit einigen Jahren Frieden in Myrtana. so jedenfalls lauteten die Nachrichten, die Nienor und Dumak in Gorthar erfahren hatten.
Laute Rufe erschollen. Einige der Seeleute erklomen die Wanten und begannen, das Segel zu reffen. Stück für Stück zogen sie es nach oben und banden es an die querliegende Rah. Die Heilige Brisidis verlor zunehmend an Fahrt. Gerade passierten sie den Außenturm der Hafenmole und erkannten nun das bunte Gewimmel, das in der Stadt herrschte. Letztlich war es nicht viel anders als in Gorthar, wo sie gerade her kamen. Und doch war es nicht so wie in Gorthar, sondern anders. Das war das Wesen der Städte, daß sie alle ihren eigenen Charakter hatten. war es, weil hier die Farbe Rot an den rüstungen der Wachen vor herrschte. Oder weil die Menschen anders geschnittene Kleider trugen? waren es die hohen Berge am Horizont hinter der Stadt, die die Grenze zu Nordmar markierten? Dicke Taue wurden über die Bordwand geworfen und am Steg von Helfern aufgefangen und an dicken Pollern vertäut. Die Brisidis stemmte sich dagegen wie ein Pferd gegen die Zügel. Aber nicht allzu sehr. Einmal knarrten die zusammengebundenen Pfostenhölzer, doch gaben sie nicht nach und schon gab das Schiff auf und lag ruhig da, fest verzurrt und sicher. Ein breiter Plankengang wurde über die Bordwand gerworfen, gerade dort, wo sie am niedrigsten war, in der Mitte des Schiffes zwischen dem Bug und dem Heck, wo jeweils die Kajüten von Mannschaft und Kapitän lagen.
Sie waren da.

Cécilia
11.04.2013, 01:55
Oh je. Sie konnte Schiffe wirklich nicht leiden. Es lag nicht mal an der Tatsache, dass es auf dem Wasser keine Bäume oder auf Schiffen keine Tiere gab. Unter den Ratten schien sie ihren Ruf wegzuhaben, weshalb man sie gebeten hatte, öfter mal in der Kombüse zu sitzen, aber sie hatte ganz schnell abgelehnt. Solange alles so furchtbar schwankte, zog sie die frische Luft an Deck vor. Einmal hatte sie sich sogar aus Neugier mit einem Fisch unterhalten, es war interessant, zu sehen, wie anders ihre Gedankengänge im Vergleich zu denen der Landtiere waren. Klar, im Grunde war es dasselbe: Futter, Schutz, Fortpflanzung. Aber anders interpretiert. Durchaus interessant, wenn man sich dafür interessierte. Diese Untersuchungen würde sie mit den Sumpftierchen in Schwarzwasser fortsetzen, auf dem Schiff war sie zu sehr damit beschäftigt, ihren Mageninhalt bei sich zu behalten.

Dazu musste sie nur nach Schwarzwasser gelangen. Sie hätte sich vielleicht wirklich mal in Vengard über die Lage auf Argaan umhören sollen. Einige Wochen war sie fort gewesen, da konnte eine Menge passiert sein. Neue Kriege, Eroberungen, der Untergang der Insel, plötzlicher Anfall von Frieden, Pest, was halt so passieren konnte. Gut, sie würde ja sehen, was sich getan hatte, wenn sie von Thorniara nach Schwarzwasser musste. Vielleicht würde sie in Setarrif auch Aniron und Maris wiedertreffen, die konnten ihr vielleicht mehr erzählen, in Thorniara kannte sie ja niemanden.

Larah
26.04.2013, 02:12
Es war eine helle, sternlose Nacht. Der hoch am Firmament stehende Vollmond überstrahlte jedes Anzeichen dafür, dass er nicht allein dort oben war. Das Wasser, welches mit sanftem Rauschen den Strand hinauf zerfaserte, hatte sich, unterbrochen von im Mondschein weißlich aufleuchtender Gischt, der Farbe des Nachthimmels, einem im tiefen Schatten liegenden Aquamarin, angeglichen. Der helle Sand hingegen strahlte seinerseits das kalte Licht und die Wärme, die die wieder erstarkende Frühsommersonne den Tag über in ihn eingelagert hatte, dem Mond entgegen.
Larahs nackte Zehen sogen diese Wärme in sich auf, suchten den Körper zu überzeugen noch etwas länger von einer Abschottung der Extremitäten auf dem erkaltenden, trockenen Strand abzusehen. Die junge Frau kauerte, die Knie mit den Armen an sich gezogen vor einem Häufchen seicht glimmender Glut, Überreste eines Lagerfeuers, dass ihr zur Erhitzung einiger Fische gedient hatte, die sie in den frühen Nachtstunden kurz vor der Küste des kleinen Eilandes gefangen hatte. Noch einmal saugte sie den letzten Rest des Saftes aus dem kleinen Paradiesapfel in ihrer Hand und schüttelte sich etwas ob der Bitterkeit des trüben Nasses, dann leckte sie ihre Finger sauber und wischte sie an ihrem Schurz trocken. Die saure Zitrusfrucht passte gut zum Fisch zudem, war sie als Heilmittel gegen die unter Seefahrern weit verbreitete Geisel des Skorbut bekannt und kein Angehöriger der Sippe ihrer Eltern, der etwas auf seine Abstammung hielt, ließ zu, dass diese Krankheit seiner Habhaft wurde. Selbst wenn nicht einmal Trockenobst oder mit Limonensaft versetztes Süßwasser zur Hand war, konnte man, so hatte ihre Großmutter es ihr beigebracht, Skorbut auch mit einem Sud aus Fichtennadeln verhindern.
Die sippenlose Fischjägerin erhob sich und klopfte etwas Sand von ihren nackten Beinen. Das Wetter würde die Nacht über halten. Das ersparte ihr, das Zelt auszupacken und aufzuschlagen.
Bei Sonnenaufgang würde sie ihre Reise gen Westen fortsetzen. Irgendwo dort draußen mussten die Südlichen Inseln beginnen und, wenn das Wetter hielt, konnte sie bei dem hellen Mondlicht, das noch ein paar Tage andauern würde, auch nachts mit ihrer Proa, dem typischen Auslegerkanu der seenomadisch lebenden Waldvolksippen im Süden des östlichen Kontinents, segeln. Dementsprechend sollte sie spätestens in zwei Tagen Vyngaan oder sogar Korshaan oder Torgaan erreichen können.
Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, wusste sie nicht wirklich, warum sie die Strapazen dieser Reise überhaupt auf sich nahm, anstatt weiter wie in den vergangenen drei Jahren auch die Westküste Gorthars zu bereisen, ein Gebiet, das sie wie ihre Westentasche kannte. Als sie darüber nachdachte wurde ihr klar, dass es der winzige Funken Hoffnung war, doch noch die eigene Bestimmung zu finden. Und dafür war es egal, wohin sie fuhr. Wenn es ein Schicksal gab, würde es sie einholen, sie musste nur in Bewegung bleiben, durfte sich nciht zermürben lassen, durfte einfach nicht aufgeben. Irgendwo da draußen würde sie eine Aufgabe und das Glück finden, das ihrem Leben Sinn und Erfüllung geben konnte.
Nur nicht aufgeben, nur nicht den Zweifeln nachgeben ...

Larah
27.04.2013, 05:37
Erbarmungslos prasselten schwere Tropfen auf das Proa und seine Insassin ein. Der Regen dauerte schon mehrere Glasen ohne Unterbrechung an, während sich die Wellenberge um das kleine Boot immer höher auftürmten. Längst hatte sie das Krebsscherensegel eingeholt, was nicht viel daran änderte, dass sie verloren auf dem Meer dahin trieb, gefangen zischen den Kräften des Sturmes und der Gezeiten. Das Segel hätte sie nur noch mehr zu einem Spielball der steifen Brisen gemacht, die sich mit rasender Geschwindigkeit zwischen den Baumhohen Wellen hindurch wanden. Larah wusste schon seit Einbruch der Nacht nicht mehr, wo sie sich befand. In der Dunkelheit der Nacht und aufgrund der durch die dichte Wolkendecke verhinderte Sicht auf die Sterne vermochte sie sich hier draußen auf offener See kaum zu orientieren. Doch selbst, wenn sie gewusst hätte, in welcher Richtung das sichere Ufer eines Eilandes am ehesten zu finden war, sie hätte es kaum geschafft gegen den Seegang anzupaddeln.
Alles war durchnässt, ihr dunkles Haar, ihre Weste. Die Tunika klebte auf der Haut. Wenigstens war es nicht Winter, obgleich sie im scharfen Wind fror. Das salzige Nass, dass ständig von der rauen Gischt aufgeworfen wurde, brannte ihr in den Augen, bis es der Regen wieder auswusch, das Paddel in ihren Händen wurden immer schwerer und ihr leerer Magen rebellierte. Das schlimmste jedoch war die Müdigkeit, gegen die sie beständig ankämpfen musste. Sie durfte die Augen nicht schließen, musste stets bereit sein, den schmalen Rumpf des Auslegerkanus vor dem Umkippen in den tosenden Wassern zu bewahren und auszuweichen, wenn die hohen Wellen über ihr zusammenzuschlagen drohten.
Kenterte das Boot, war sie verloren. Egal wie weit sie der Sturm tragen würde, zunächst musste sie ihn überstehen, danach konnte sie sich Gedanken machen, wie sie wohl Land fände.
Sie wollte sich gegenüber nicht eingestehen, dass es vorbei war, dass sie die Nacht unmöglich durchstehen konnte, dass sie nach dem Sturm auf offener See verdursten würde. Doch sie konnte ihre Augen nicht davor verschließen.
Leise begann sie zu schluchzen, versuchte mit einer Hand die Tränen aus dem Gesicht zu wischen und ihnen Einhalt zu gebieten. Sie musste die Kontrolle behalten, durfte jetzt nicht nachgeben. Doch war nicht sowieso schon alles verloren? Warum nur hatte sie die Wolken am Himmel so falsch eingeschätzt? Oder hatte sie sich verfahren? Hätte sie nicht längst Land erreichen müssen?
Alles verschwamm ihr vor den Augen, aufgeweicht in Regen, Meerwasser und Tränen.
Sie heulte, sie schrie in all ihrer Verzweiflung in die Dunkelheit hinaus, schrie gegen den Sturm an.
"Adanos edro nin!", schrie sie, "Adanos rette mich ..."
Und immer noch hielt sie das Ruder fest umklammert.

olirie
04.05.2013, 01:48
olirie blickte auf die immer kleiner werdenden Lichter Setarrifs zurück. Nun war es soweit, die erste Etappe dieser großen Reise war angebrochen und sie steuerten ihr vorläufiges Ziel die Hafenstadt Thorniara an. Ein wenig Nervosität machte sich in dem Schwarzmagier breit. Bisher hatte er diese innosfürchtige Stadt gemieden und auch jetzt wollte er dort nicht als Schwarzmagier erkannt werden. Zugegeben, mit der Verkleidung hatte er es vielleicht ein wenig übertrieben, doch selbst wenn die Stadtwachen herausfänden, dass er keine Frau sei, wer würde dann schon auf die Idee kommen, ihn der schwarzen Magie zu verdächtigen?

Ein Geräusch ließ den Magier herumschrecken.
„Is-“
Er räusperte sich leicht und versuchte mit höher gestellter Stimme zu sprechen.
„Ist da jemand?“
Viel durfte er so nicht reden, sondern musste sich wortkarg geben. Vielleicht sollte er bei Nachfrage einfach behaupten, er sei heiser.

Rafik
04.05.2013, 01:59
"Ja.. einen armen Schlucker, der sich die Überfahrt als Küchengehilfe verdienen darf..", erwiderte Rafik die Frage, falls sie ihm gestellt war. Er stand an das Geländer gelehnt, mit dem Blick zum Meer, auf dem Deck des Schiffs und schaute die Sterne an. Der Himmel war sehr klar und bot eine nette Aussicht, die Sterne und Sternbilder sagten ihm zwar nichts, aber es war schön sie anzusehen. Er hielt einen Wunsch bereit, falls eine Sternschnuppe über sie sausen sollte. Das schwarze Meer sah verschlingend und gefährlich aus, aber gleichzeitig waren die endlosen Tiefen interessant.

"Ich warne Euch, der Eintopf schmeckt grässlich.. vielleicht auch wegen meinen Schäl- und Hackkünsten.. wohin soll Euer Weg führen?", fragte Rafik die sich auf dem Deck befindende Dame. Er versuchte sie zu mustern, aber abgsehen von einer schwach leuchtenden Öllampe war um diese Zeit keine Lichtquelle vorhanden. Ein kurzes, nettes Gespräch erhoffte er sich, damit er kurz die letzte Zeit vergessen und hinterher müde zu Bett gehen konnte.

olirie
04.05.2013, 02:20
olirie versuchte zu kichern. Das sollte er wohl doch lieber lassen, es klang grässlich.
„Gibt es denn eine Alternative?“, fragte er und versuchte sich zu erinnern, wo er die Stimme des Mannes schon einmal gehört hatte. So recht fiel ihm das nicht ein, doch auch kein Gesicht kam ihm in den Sinn. Wahrscheinlich würde er bis zum nächsten Tagesanbruch warten müssen, bis er herausfand, wer sich hinter der Stimme verbarg.

Rafik
04.05.2013, 02:37
"Nicht wirklich, vielleicht hungern. Ob das Essen im Magen bleibt oder man von sich aus hungert, ist die wichtige Frage.. verzeiht, ich sollte mich zurückziehen", antwortete er kurz und drehte sich um, um zu seiner kleinen Kabine zu gehen. Plötzliche Müdigkeit war über ihn hergefallen und seine Augenlider wurden magisch nach unten gezogen, sein Kopf fühlte sich schwer an und selbst das Gähnen tat er im Halbschlaf. Er stolperte mit einem Fuß vor dem Anderen zu der Gemeinschaftskabine, die er sich mit den anderen Schiffsjungen teilte und ließ sich sofort auf ein, zu seiner Überraschung, weiches Bett fallen. Das Gefühl hin und her zu wippen, während man in einem angenehmen Bett war, war besonders angenehm und wog den Menschen besonders lieblich in den Schlaf. Es dauerte nicht lange, bis das Land der Träume ihm die Türen öffnete und sein Körper regungslos im Bett lag, er war eingeschlafen.

Sein letzter Gedanke war die interessante Stimme der Frau. Sie muss ziemlich... krank sein.. sollte vielleicht Hühnersuppe vorschlagen... macht gesund... woher kriegt man hier Hühner..., schlummerte er kurz vorm Einschlafen vor sich hin.

Viraya
04.05.2013, 14:18
Viraya blickte auf die weite See hinaus. Vor dem Bug sprangen ein paar Delphine auf und ab. Sie begleiteten das Schiff. Daneben glitten Möwen durch die Luft. Wie leicht es schien zu fliegen und wieder stand sie in Gedanken an einer Klippe. Sie träumte schon lange von der Schwerelosigkeit, nur dass sie wusste, dass Wasser eben nicht so weich und sanft war, wie es manchmal schien. Es war ungestüm, kräftig und gewaltig.

Sie riss sich vom Anblick los und ging unter Deck. Eigentlich hatte sie ihren Bruder gesucht, doch sie stolperte stattdessen über olirie und teilte ihm mit:

"Wir sollten noch heute Nacht oder morgen früh Thorniara erreichen, wenn der Wind weiter so weht."

olirie
04.05.2013, 14:47
„Sehr gut“, antwortete olirie und hielt sich den Kopf, dieses Geschaukele gefiel ihm gar nicht. Immerzu nur auf und ab und hin und her, wie hielten das denn die Seeleute aus ohne verrückt zu werden? Der Schwarzmagier war nicht sonderlich erpicht darauf, dies herauszufinden. Er freute sich viel eher über die baldige Ankunft in Thorniara.

„Je früher ich von diesem Schiff herunter komme, desto besser. Achja, da fällt mir ein, dass wir eine Sache vergessen haben.“
Verschwörerisch blickte olirie sich um, dass auch ja keine Zeugen in der Nähe waren, doch traute er dem Gang nicht und zog Viraya doch lieber noch in eine leere Kajüte. Ein letzter Blick auf den Gang, ob jemand sie gesehen hatte und dann schloss er auch schon die Tür hinter sich. Er war sich nicht sicher, wie dicht die Wände waren, wie viele Worte würde man hier außerhalb des Raumes verstehen? Also ging er nahe an Viraya heran und flüsterte ihr ins Ohr:
„Nenn mich fortan bitte Livia.“

Rafik
04.05.2013, 18:07
Ingrid schien am Tag weniger angespannt als in der Nacht zu sein, weniger ohrzehrfetzendes Gebrülle, ein besserer Umgangston. Vielleicht war der Grund, dass sie weit auf dem Meer waren, von Setarrif längst keine Sicht mehr, nur das Gebirge Argaans war, wenn man genau hinguckte, zu erkennen.

"Waren entfernen wir uns nicht weiter von der Insel?", fragte Rafik, während er alles schälte und zerhackte, was vor ihn gestellt wurde.
"Wieso sollten wir? Es geht nach Thorniara, von dort aus weiter nach -", meinte die Küchenchefin und fing an wie wild zu husten. An den Wänden stützend kriechte sie heraus, um die salzige Meeresluft zu schnappen und sich zu beruhigen.
"Nach Myrtana..", beendete Rafik den Satz für sich selbst. Es kam ein mulmiges Gefühl in seiner Magengegend auf, als er an Thorniara dachte. Falls man den Urkundenraub noch nicht vergessen hatte, konnte großes Pech ihn noch weiter ins Verderben katapultieren. Vom Kochbrett ließ er die letzten Karottenstücke in den mit Wasser gefüllten Koch gleiten, legte alles auf den Tisch und ging selbst hinaus. Gleichzeitig kam die erholte Ingrid wieder in die Küche, sagte aber nichts.

Er legte sich auf das Deck und nutzte einen Sack mit geruchsneutralem, weichem Inhalt als Kopfkissen, wandte seine Blicke in den hellblauen Himmel und ließ sich mit dem Schiff weitertreiben. Er bildete sich verschiedene Bilder bei den weißen Wolken vor und malte sich sein eigenes, chaotisches Gemälde im Himmel. Hier und da hörte er das plätschern der Fische und Wellen, fühlte sich kurz an einem idyllischen Ort und wollte den Moment genießen.

"Was wohl die anderen so machen", murmelte er vor sich hin und dachte an seine Gefährten aus Thorniara.

olirie
04.05.2013, 23:58
Die Nacht war abermals hereingebrochen und hatte die Luft abgekühlt. Diese frische Nachtluft war es, was olirie an Deck des Schiffes suchte. Im nächtlichen Schein des Mondes konnte er die Bugwellen sehen. Das Plätschern des Wassers drang an das Ohr des Schwarzmagiers und wirkte irgendwie beruhigend. Allzu viel war auch diesen Abend an Deck nicht los. Bald würden sie ihren Zielhafen erreichen und die Verkleidung auf eine wahre Probe gestellt. Die Überfahrt sah er da eher als Vortest, ob es noch Veränderungen bedurfte. Derzeit jedoch, sah es danach aus, als wäre die Verkleidung ausreichend. Und bald würde sie wohl auf die nächste Probe gestellt, denn von unter Deck konnte olirie im Schein des dortigen Lichtes einen jungen Mann hoch kommen sehen. War das vielleicht der Gesprächspartner des gestrigen Abends? olirie lehnte sich an die Reling und wartete ab, ob der junge Mann ihn bemerkte. Schließlich grüßte der Schwarzmagier:
„Einen guten Abend, hattet Ihr heute einen angenehmen Tag?“

Rafik
05.05.2013, 00:27
"Könnte man so sagen.. ja, angenehmer als der gestrige Tag. Die Köchin scheint durch die Wellen ruhiger zu sein, wenig Geschrei.. so ist es gut. Vielleicht kommen wir schon am Morgen an, das wäre gut", antwortete Rafik, während er aus der Küche auf das Deck ging und vorerst hoch zum Himmel guckte. Wieder eine wolkenlose Nacht, ganz nach seinem Geschmack, denn die Sterne gaben ihm das Gefühl, dass der schwarze Nachthimmel nicht darauf wartete herabzustürzen.

"Ist Thorniara Euer Reiseziel?", fragte er die Dame am Deck, deren Stimme im Gegensatz zum Vorabend besser zu sein schien. Er wartete die Antwort ab und setzte sich auf eine leere Holzkiste und wippte mit dem Boot mit. Die Frau konnte er noch immer nicht ganz erkennen, aber einen Gesprächspartner hatte er immer gerne.
"Ich heiße übrigens Rafik und möchte aus Setarrif aufs Festland", fügte er der Höflichtkeit halber hinzu.

olirie
05.05.2013, 00:49
Wie Schuppen fiel es olirie von den Augen, als er den Namen Rafiks vernahm. Jetzt wusste er, weshalb ihm die Stimme des jungen Mannes so bekannt vorkam. Es war eben jener junge Mann den er einige Tage zuvor in einem dunklen Lagerhaus in Anwesenheit einer kranken Frau gefunden hatte. Anscheinend war dies wohl die Köchin des Schiffes, wahrscheinlich hatte sie sich einfach nur an ihrem eigenen Essen den Magen verdorben. Apropos Magen, oliries Magen zumindest fühlte sich schon seit einigen Stunden so gar nicht mehr wohl. Ob das am Essen oder am Geschaukel lag, vermochte der Schwarzmagier nicht zu beurteilen, doch vielleicht war es ja eine Mischung aus beidem. Wenn die Köchin nun aber zur Ruhe kam, dann würde sich vielleicht auch das Essen bessern und oliries eigener Zustand ebenfalls. Bis es soweit war, versuchte er so viel Zeit wie möglich an Deck zu verbringen und die frische, salzige Luft zu inhalieren.

„Livia ist mein Name“, antwortete olirie auf die Frage Rafiks. „Ersteinmal geht’s nach Thorniara. Ward Ihr schon einmal in der Stadt? Für mich ist es der erste Besuch dort. Ich bin schon gespannt, wie sie aussieht.“

Rafik
05.05.2013, 01:02
"Ja ich war dort schon einmal, es ist eine schöne Stadt", antwortete Rafik ehrlich und überlegte kurz was er hinzufügen sollte. Er konnte nicht von seiner letzten Unternehmung erzählen, also dachte er kurz nach und fand eine passendere Antwort.
"Es ist eine saubere Stadt und definitiv sehenswürdig. Ich hielt mich aber zum Großteil am Hafen auf, da ich dort nur eine Nacht blieb um nach Setarrif umzusteigen. Soweit ich weiß, werden dort zur Zeit Reperaturen vorgenommen. Wie in anderen Städten soll es auch dort ein Armenviertel gebe, dreckig und voller Bettler.. schade. Das Händler -und Handwerkerviertel scheint voller Leben zu sein, genau wie die Hafenkneipe in der ich war und laut Erzählungen ist die Bastion dort gigantisch. Ihr werdet sicherlich eine gute Zeit dort haben", log er halb.

Er streckte sich kurz und führte sich die Stadt nocheinmal vor Augen. Sie war wirklich interessant, aber Rafik fühlte sich dort hasserfüllt, nicht geborgen, er wollte dort schnell weg.

"Bald sollten wir da sein..", murmelte er noch und lehnte sich an den Mast.

olirie
05.05.2013, 01:26
olirie war schon gespannt auf Thorniara. Die Hafenstadt war eine jener Städte, die er bisher noch nicht bereist hatte, aber eigentlich recht gerne einmal ansehen wollte. Doch wie jede größere Stadt schien auch diese ihre Probleme zu haben, allerdings waren diese anscheinend recht überschaubar.

„Dann lasse ich mich überraschen, wie die Stadt wirklich aussieht. Gibt es irgendeinen bestimmten Grund, dass Ihr aufs Festland reisen wollt?“

Rafik
05.05.2013, 01:40
"Dieses und jenes, nichts wichtiges. Ich will nur zurück nach Varant, dort komme ich ursprünglich her und ich will mich weiterbilden in vielerlei Hinsichten", antwortete Rafik und hielt seine Rachepläne zurück. Rachepläne die wohl noch Jahrzehnte dauern würden, er konnte schlecht in den Palast laufen und alles um sich herum abmetzeln.

"Und Euch nach Thorniara? Ihr hättet auch zu Fuß hinreisen können, die Umgebung um Setarrif ist wirklich schön, zwar etwas gefährlich aber schön", fragte Rafik.

olirie
05.05.2013, 02:02
Varant, auch wenn es nicht die Heimat oliries war, dachte er dennoch mit einem Lächeln zurück an seine Zeit in der Wüste. Die Ruhe der Oase und die Zeit als Dattelbauer waren eine sehr entspannende Zeit für den Schwarzmagier. Doch leider musste er sich rückblickend auch eingestehen, dass ein Geist, der nicht gefordert wird der Verkümmerung preisgegeben wird.

„Ihr habt es doch schon selbst gesagt: Der Landweg ist voller Gefahren. Und außerdem traue ich den Torwachen nicht und gegen Straßenräuber könnte ich mich auch nicht zur Wehr setzen. Wie sind denn die Stadtwachen von Thorniara eingestellt? Eher freundlich oder muss ich mich vor ihnen in Acht nehmen?“

Rafik
05.05.2013, 02:08
"Die Stadtwachen die ich kennen lernen durfte, waren ziemlich dumm. Sie werden Euch irgendetwas unwichtiges fragen, Ihr könnt kurz schlecht lügen und schon seid Ihr in der Stadt, aber das war bei mir am Tor. Am Hafen gibt es sicher weniger Probleme, außerdem, was sollten sie Euch fragen? Wenn Ihr das erste mal dort sein werdet und vorher keinen Ärger gemacht habt, passiert sicher nichts", fragte er etwas skeptisch, aber dachte sich es sei menschliche Vorsicht.

"Macht Euch keine Sorgen, es passiert schon nichts", sagte er noch beruhigend.

olirie
05.05.2013, 02:20
„Das ist beruhigend“, erwiderte olirie wahrheitsgemäß.
Auf zu gründliche Kontrollen konnte der Schwarzmagier dankend verzichten.

„Danke für das nette Gespräch“, sagte er schließend und drückte sich von der Reling weg. „Aber es ist spät, ich sollte mich jetzt schlafen legen. Einen guten Abend noch.“

Damit verließ olirie das Deck des Schiffes und suchte im Bauch des Schiffes seinen Schlafplatz auf.

Rafik
07.05.2013, 03:36
Still, es war windstill, eine vollkommene, perfekte Flaute. Sie trieben mit den schwachen Wellen, die sonst zerstörerisch sein konnten, hin und her, ohne wirklich voranzukommen und hatten die Insel nicht in Sichtweite.

"Da hätte ich auch schwimmen könnten", murmelte Rafik in die regungslose Luft und drehte sich auf die Seite. Sein Schlafplatz war nun auf dem Deck, in einer sicheren Ecke, weil er schlecht mit anderen in einem Zimmer schlafen konnte. Vorallem nicht, wenn das Geschnarche einem Sägewerk glich. Deshalb hatte er ein dickes Seil um seine Taille und den Mast des Schiffs gebunden, sodass er daran festgebunden war, und lag in seinen selbstgemachten Fesseln auf dem Deck, auf einem unbequemen Sack irgendwas. Er pfiff einige Töne durch seine Zähne und versuchte einzuschlafen, konnte aber aufgrund seiner Nervosität kein Auge schließen und die Kühle trug nebenher ihr bestes dazu bei, ihn weiterhin wach zu halten.

Rafik
10.05.2013, 05:56
Mit einigen Matrosen saß Rafik in der Küche und trank beim Unterhalten eine Suppe, diesmal war er wieder als Küchenhilfe gefordet, aber der Umgangston war weitaus netter.
"Wir sollten gut gewappnet sein, das Meer wird immer stürmischer je näher wir Gorthar kommen, als würde es uns warnen wollen", meinte einer der Matrosen ernst in die Runde.
"Ja, esst gut und seid gewappnet. Rafik, wir werden deine Hilfe nachher auf dem Deck gebrauchen, falls es wieder wild wird. Beim letzten mal sind die Wellen fast bis zur Reling geschlagen, einer ist vom Schwanken ins Meer gefallen und ich könnte schwören, da war irgendwo der Schatten eines Ungeheuers!, sagte ein anderer.
"Ungeheuer? Über uns waren pechschwarze, geladene Wolken und weit hinter uns lag eine Wasserhose, das Meer selbst so aufgeschäumt.. nein, nein. Keine Chance, kein Ungeheuer, gar nichts. Rede keinen Schwachsinn, aber hart wird es bestimmt, Gorthar wird kein Zuckerschlecken", fügte ein dritter hinzu.
"Es steht mir vielleicht nicht zu, aber es heißt Gotha, nicht Gorthar. An welchem Hafen legen wir überhaupt an, und was wollt ihr alle in Gotha?", fragte Rafik die Matrosen direkt.
"Gotha liegt auf dem Festland, was sollen wir da. Wir bringen nur Fracht nach Gorthar und verschwinden dann wieder, auf der Insel will doch keiner - ", antwortete der erste Matrose und wurde von Rafik unterbrochen.
"Insel? Nicht Festland? Es muss ein Irrtum sein, wir fahren zum Festland. Ich habe es dem Kapitän genau so gesagt", warf Rafik verwirrt ein. Plötzlich bekam er ein flaues Gefühl im Magen, die Suppe wollte wieder hinaus und der sonst schöne, salzige Meergeruch kam ihm wie das widerwärtigste der Welt vor.
"Du hast den Kapitän etwas gefragt? Na, wenn der mal zuhört. Wenn er nicht über die Karten gebeugt ist schläft er und über die Karten gebeugt bekam er nichts mit", lachte der dritte Matrose. Rafik ließ daraufhin den halb geleerten Teller stehen und begab sich schnellen Schrittes aus der Küche. Der dreckige Holzboden knartschte und machte Lärm, während Rafik zügig zum Kapitän wollte, so als würde das Schiff ihn auslachen. Er riss ohne weiteres die Tür auf und erreichte somit die volle Aufmerksamkeit.

"Was hast du hier zu suchen? Arbeite", befahl der Kapitän.
"Ihr sagtet wir würden aufs Festland segeln, wohin segeln wir?!", fauchte der verwirrte Rafik ihn an.
"Ich hab gar nichts gesagt, du hast nur irgendetwas gemurmelt. Jetzt verschwinde", brüllte der Kapitän zurück.
"Wohin geht es?!", hakte Rafik fast brüllend nach.
"Gorthar", kam eine kurze Antwort, woraufhin Rafik die Tür hinter sich zuknallte und zum Deck lief. Jetzt wollte die Suppe er recht aus seinem Magen. Auf dem Deck angekommen, schien er nicht der einzige mit dieser Idee zu sein.

Viraya
12.05.2013, 14:45
Sie hatten bereits mehrere Nächte auf dem Schiff verbracht und Viraya wurde langsam unruhig. Gerne hätte sie mit ihrem Bruder gesprochen, doch er wollte irgendetwas verbergen. Es tat allerdings weh im misstrauen zu müssen. Dem einzigen Menschen auf den sie sich jemals wirklich verlassen hatte, obwohl er selbst immer wiederholte.

„Raya du kannst niemandem trauen.“

Sie hörte seine Stimme noch immer. Die weichen Worte eines Jungen, der sich kurz vor dem Stimmbruch befand. Sie hatte es sich gemerkt und fortan meist danach gelebt. Es war mit Abstand das frevelhafteste, das er je gesagt hatte. Das Einzige, das dem widersprach, was ihre Eltern sie gelehrt hatten. Denn sie sollten den Eltern vertrauen. Den Eltern und den Dimosas. Denn sie hatten ihr das Leben geschenkt, das sie hatte. Sie hatten Raya aufgenommen und ausgebildet. Viraya und ihre „Geschwister“ sollten nötigenfalls ihr Leben dafür geben. Natürlich wurde das nie so gesagt, dennoch oder gerade deswegen wäre sie den grössten Teil ihres Lebens bereit dazu gewesen und nun reiste sie nach Gorthar. Warum eigentlich? Schliesslich hatte sie im kürzlichen Verlauf ihres Lebens eines gelernt: Halte dich so fern wie möglich von den Dimosas und lege dich nie mit ihnen an. Du wirst verlieren.

Das mit dem Verlieren hatte sie noch nicht erfahren, doch sie stand kurz davor. Und warum? Sie war nicht der Mensch um Rache zu nehmen. Dafür war ihr das eigene Leben dann doch zu lieb. Und Rache wofür überhaupt? Ohne ihre Eltern wäre sie in irgendeiner Strasse Quasars verhungert oder von Menschenhändlern aufgenommen worden. Groll war eigentlich unfair obwohl sie sich in der Liebe betrogen fühlte, die ein Kind seinen Eltern gegenüber aufbrachte. Aber es galt zwei Menschen zu beschützen. Laen und Darjel. Der eine wollte zwar nicht beschützt werden und der andere schien gerade verschwunden, doch dies machte sie nur noch skeptischer. Ein Kind verschwand nicht einfach so. Für Darjel konnte sie momentan allerdings nicht machen. Also galt es sich erst einmal auf Laen zu konzentrieren.

So machte sie sich, oliries Schwert noch immer auf den Rücken geschnallt, auf den Weg, um ihren Bruder zu suchen. Kein schwieriges Unterfangen auf einem Schiff, dennoch konnte sich Laen gut verstecken, wenn er nicht gefunden werden wollte. Aber Viraya kannte ihn zu gut. Sie fand ihn hinter ein paar Kisten auf deck sitzen und mit einem Messer eine Figur schnitzen.

„Das hast du früher nicht gemacht.“ Stellte sie überrascht fest und lächelte. „Wir haben uns wirklich lange nicht mehr gesehen. Erzähl doch was dir inzwischen wiederfahren ist und wie geht es unseren Eltern.“

Laen Abdi
12.05.2013, 16:07
Laen zog eine Augenbraue hoch, als Raya ihn ansprach. Er liebte sie, ganz einfach, weil die Frau seine Schwester war. Es gab aber Momente, da war sie an allem schuld…daran, warum er so geworden war, wie er ist. Natürlich war dies unfair und ungerecht…doch, er konnte nicht anders.
Seufzend erhob Laen sich und lehnte sich an einen der Kistenstapel. „Du meinst, bevor du nicht mehr da warst? Nein…aber mittlerweile habe ich herausgefunden, dass es meine Nerven beruhigt, ein festes Stück Holz in der Hand halten zu können. Holz ist beständig und haut nicht bei der erst besten Gelegenheit ab!“

Der junge Mann winkte ab und ging an seiner Schwester vorbei und in Richtung Bug. Dort blieb er stehen und lehnte sich über die Rehling. Er zog die Meeresluft scharf ein, um in seinem Kopf ein Gefühl der Klarheit zu bekommen. Die Wut zu unterdrücken, die sich all die Jahre angestaut hatte. Es wurde immer schwerer.
Kurze Zeit später merkte, dass Raya hinter ihm stand und ihn erneut aufforderte, mehr von sich und ihren Eltern zu erzählen. „Was willst du hören?“ Laen brüllte nicht, er schrie nie. Aber seine Stimme gewann einen schneidenden Ton. „Wie viele Leute ich töten musste? Wie meine Erziehung war? Wie unsere Eltern waren? Gut, dann hör genau zu…viele, streng und sie lieben mich. Alles in allem war es eine tolle Kindheit und so weiter und so fort. Nur über allem schwebte ein dunkler, schwarzer Schatten. Nichts von dem was ich tat, konnte die Leere füllen, die sich in mir befand.“

Laen wandte sich wieder ab und verfolgte den Flug einer Möwe. Er wollte nicht so zu seiner Schwester sein. Doch in seinem ganzen Leben hatte er nie jemanden gehabt, an dem er seinen Frust auslassen konnte. Seine Mutter, meine Güte…sie liebte ihn, verstellte sich aber bei solchen Dingen. Sein Vater? Bestimmt nicht…natürlich, er war sein Sohn, aber wenn er dem Mann so gekommen wäre, dann hätte es eine Tracht Prügel gegeben und gut ist…

Um sein Nerven zu beruhigen, nahm der junge Mann sein Schnitzmesser in die Hand und ließ es immer wieder auf die Rehling fallen. Ein rhythmischer Ton erklang und langsam erstarb das Zittern, dass seinen Körper befallen hatte…


(Madlen)

Viraya
12.05.2013, 17:37
War das rhythmische Fallen Messers dazu gedacht sie aus der Ruhe zu bringen? Sie wusste es nicht, doch wäre es so gewesen, hätte es sein Ziel verfehlt. Viraya beobachtete einfach, wie sie es so oft und immer wieder tat und liess sich davon nicht beirren. Es war eine ihrer ersten Lektionen gewesen, dass es nie viel brachte sich zu ärgern. Sie liess ihm Zeit.

"Du weisst genau, dass ich keine Wahl hatte zu gehen. Sie haben mich absichtlich von dir getrennt. Wir wurden ihnen zu eigenständig und bestärkten uns gegenseitig darin."

Sagte sie dann ruhig und widerstand dem Impuls Laen die Hand auf die Schulter zu legen. Stattdessen schaute sie in die Ferne. Dort war bereits die Küste Gorthars zu erkennen. Bald würden sie das Delta erreichen und den Fluss hinauf nach Quasar segeln. Was sie dort erwartete, hing durchaus auch von diesem Gespräch ab.

Laen Abdi
12.05.2013, 18:11
Und mit einem dumpfen Schlag wurde das Messer tief in das feuchte Holz gerammt und Laen drehte sich blitzschnell um. Sein Gesicht spiegelte in keiner Weise das wieder, was er wirklich fühlte. Sein Inneres war ein Strudel aus Hass, Wut, Angst, Liebe und Zuneigung. Er war froh seine Schwester endlich wieder zu haben, aber er verabscheute sie dafür, was er durchmachen musste. Es war nicht ihre Schuld, redete er sich immer wieder ein.
„Du hattest keine Wahl?“, wiederholte er ungläubig. „Kein Wahl? Verdammt, du hättest mich mitnehmen können. Du warst weg und ich? Ich hatte keine Schwester mehr, keinen Blutsverwandten. Ich musste Menschen umbringen, um mir Respekt zu verdienen. So etwas sollte man keinem Kind antun. Ich dachte es wäre richtig, nur weil niemand da war, der mir sagte, es wäre falsch. Eins habe ich in all dieser Zeit gelernt: Der Tod macht das Leben erst lebenswert!“
Er wandte sich von Raya ab und schlug mit der flachen Hand auf die Rehling. Seine Wut gewann langsam die Oberhand.
„Verrate mir eins: Ist es dir gut ergangen? Du verschwindest einfach, ich höre nichts von dir, sehe nichts von dir. Verdammt, ich dachte, es würde dich nicht mehr geben. Doch ich wollte nicht einfach so aufgeben. Ich lebte für unsere Eltern, für meine Auftraggeber. Sie waren meine Familie.“ Er schüttelte enttäuscht den Kopf. „Warum bist du niemals wieder zu mir zurückgekommen? Was haben dir unsere Eltern getan? Du ziehst ein Leben in Freiheit ohne Familie dem anderen vor? Weißt du, was dein Verschwinden angerichtet hat?“

Dann mit einem Schlag brach all die Wut aus ihm heraus. Laen schlug mit voller Wucht auf einen nahen Mast. Kleinere Holzsplitter flogen davon. Er zog die Hand zurück. Viel Blut tropfte aus seinen aufgeplatzten Knöcheln und aufgeschürften Fingern. Doch er ignorierte die Verletzung und hob die rechte Hand und deutete mit dem Zeigefinger auf seine Schwester. „Sag mir nie wieder ins Gesicht, dass du keine Wahl gehabt hast! Du hättest mich mitnehmen können!“
Mit diesen Worten ließ er sie stehen und zog sich Richtung Heck des Schiffes zurück. Dort holte er mit einem Zinnbecher, der an ein Stück Seil gebunden war, Salzwasser auf das Deck und übergoss seine Hand damit. Das Salz brannte fürchterlich, aber es war nun einmal auch ein gutes Mittel zum Abtöten von Keimen. Anschließend band er seine Hand mit einem Stück Stoff zu, das er von seinem Mantel gerissen hatte.

(Madlen)

Turang
21.05.2013, 21:53
Ihr Schiff schnitt zügig durch die Wellen des Meeres, einen scharfen Wind im Rücken. An Deck war nur ein kleiner Teil der Besatzung zurückgeblieben, um auf das Schiff zu achten, während sich der weitaus größere Teil unter Deck ein Abendessen gönnte. In Gedanken ließ Turang seine Blicke auf das Meer schweifen, welches sich zu allen Himmelsrichtungen in der Weite verlor, bar jedes Flecken Landes, der sie hätte daran erinnern können, dass sie nur wenige der Abertausenden Menschen waren, die auf diesem Planeten ihr Leben fristeten.
Es erschien ihm beinahe unwirklich, dass er mitsamt diesen Schiffes wirklich nach Khorinis zurückkehren würde, wo er nicht einmal mehr wusste, wie lange er schon fort gewesen war. Es schien ihm kaum eine Rückkehr zu sein, der Junge, der es eine Rückkehr hätte nennen können, schien nicht viel mehr als ein Schatten in dem jungen Magier zu sein, der sich mit diesem zwar eine Vergangenheit teilte, doch der nicht mehr derselbe war. Ebenso glaubte er auch nicht mehr, dass die Insel noch dieselbe sein würde, weder für ihn, noch für einen Anderen. Das Khorinis, das der Junge gekannt hatte, war mit dem Jungen zusammen verschwunden, nur noch eine Erinnerung unter Vielen, eine winzige Fußnote im Buch der Zeit.
Er spürte die Präsenz im selben Moment, in dem er die Schritte vernahm. Er brauchte sich einmal umzudrehen, um zu wissen, wem beides gehörte.

"Seid ihr jemals dort gewesen, Rethus? Kennt ihr Khorinis bereits oder ist sie etwas Neues für euch?"

Rethus
21.05.2013, 23:06
Das Essen auf dem Schiff war nicht gerade das Beste, aber immerhin wurde man satt. Etwas enttäuscht stellte er seinen Holzteller mit unzufriedenem Schwung neben den Trog, wo ein Besatzungmitglied bereits Töpfe wusch.
"Gibt es ein Problem?" knurrte der Typ, während er einen Lappen in dem Topf kreiste.
Wenn Rethus sich jetzt beschwerte, dann bekam er sowie so eine sinnlose Antwort an den Kopf geknallt. Daher entschied er sich für ein mattes "Nein" und stapfte die Treppe hinauf. Auf diesem Kan gab es keine interessanten Beschäftigungen, wirklich trainieren konnte er hier auch nicht. Als sie damals anch Khorinis übersetzten um den letzten feuerkelch zu bergen, hatte man ihn wenigstens in den Lagerraum gelassen um seinen Schwertkampf zu trainieren. Dieses gab es keinen Zutritt. Auch wenn er der Besatzung geholfen hatte, vertraute ihm niemand. Wenn es schon keine Beschäftigung gab, dann sollte do ch wenigstens das Essen für Moral sorgen... phh...

Oben an Deck angekommen zog er die salzige, kühle Luft durch die Nase. Der Glatzkopf beruhigte sich langsam. Ein Bier wäre jetzt was Feines. Dann würde er sogar diesen ekligen Haferschleim vergessen. Oh, ja... aber nicht dieses Sumpfbier aus Schwarzwasser, sondern ein gutes Bier... Rethus kippte fast aus den Latschen: Sie fuhren doch nach Khorinis. Das bedeutete, er hatte endlich seit über zwei Jahren wieder die Chance ein Paladiner zu trinken. Nach Vengard oder Thorniara konnte er ja nicht. Sobald sie in Khorinis ankamen, war das sein erstes Vorhaben: Ein kaltes Paladiner aus dem Fass... oder zwei... herrlich.
Plötzlich bemerkte er Turang, der an der Reling stand. Sofort ging er zu ihm hinüber.

"Seid Ihr jemals dort gewesen, Rethus? Kennt ihr Khorinis bereits oder ist sie etwas Neues für Euch?" erkundigte sich der Magier.
"Hm...", machte Rethus, während er zum tiefblauen Horizont schaute. "Schon zweimal. Es dürfte für Euch jetzt etwas komisch klingen, aber beim ersten Mal war ich mit der Armee des Königs auf der Suche nach dem letzten Feuerkelch der Paladine, falls Euch das etwas sagt. Das ist jetzt aber schon Jahre her. Ich bin schon lange nicht mehr einer von denen aus Vengard. Vor einem Jahr war ich noch einmal dort mit einem Freund. Wir unternahmen eine Reise durchs Minental... ich weiß, das klingt etwas ironisch zumal man weiß, dass das Minental kein gemütlicher Ort ist. Aber gerade deswegen sind wir dorthin. Und Ihr? Ihr seid Vorgestern so plötzlich aufgetaucht und wolltet mir ncihts, dir nichts nach Khorinis aufbrechen. Was steckt dahinter?"

Turang
21.05.2013, 23:45
Ein Deserteur der myrtanischen Armee. Vielleicht hätte Turang jetzt überrascht sein sollen, erschrocken oder gar schockiert. Er war nichts davon. Jeder Mensch hatte seine Geschichten und in den allermeisten überwog das Chaos die Harmonie hundertfach, selig die, denen es anders erging.
Sein Blick blieb unverwandt in den Horizont gerichtet.

"Manchmal liegt es im Wind, dass man eine Veränderung braucht. Manches Mal sind die alten Wege auch zu ausgetreten für einen neuen Tag. Und oft genug hilft es einem, dorthin zu gehen, wo man schon gewesen ist. Ich glaube, dass es das alles zusammen ist."

Im Wasser schienen das Mondlicht und die Schatten Katz und Maus zu spielen. Ansonsten war bis auf die Silhouette des Schiffes weit und breit nichts zu sehen.

"Eine Reise braucht nicht immer einen Grund." Er lachte kurz auf, während sich seine Miene ein wenig erhellte. "Und ein Magier braucht selten eine klare Antwort. Aber es gibt ein paar Dinge in Khorinis, die ich erledigt wissen will."

Er überlegte, ob er es nicht doch als eine Rückkehr ansehen wollte, eine Heimkehr in seine alte Heimat. Er entschloss sich dagegen. Er war nur jemand, der mit ein paar Dingen aufräumen wollte, die er damals unerledigt gelassen hatte. Ein paar Dinge ins Reine bringen...

Jabari
22.05.2013, 17:54
„LAND IN SICHT!“, dröhnte die Stimme vom Krähennest in die Kombüse.

Es war wieder einmal so weit, der Alltag des Seefahrerlebens neigte sich dem baldigen Ende zu und der Trott des Landrattendaseins für einige Tage stand am Horizont wie an jedem Morgen im Osten die Sonne zu ihrer Reise aufbrach.
Geschickt zerkleinerte Jabari das letzte Viertel Kohl, welches er zuvor großzügig von dunklen Stellen und Ungezieferspuren befreit hatte. Ihr letzter Landgang lag einige Wochen zurück und die übrigen Vorräte waren zum größten Teil verkommen. Frische Nahrungsmittel waren eine Rarität auf einem Schiff und höchstens am Anfang einer Fahrt konnte man mit Gewissheit über den Zustand des Proviants urteilen. Nun jedoch musste der Smutje das Beste aus dem machen, was er zur Verfügung hatte. Obwohl der Kohlkopf nicht vollständig ungenießbar geworden war, so war er dennoch nicht mehr ansehnlich. Dem Schiffskoch blieb nun nur noch die Möglichkeit, das Verwertbare zu Mörsern, damit es leichter von der Hand in den Mund gelangen konnte, ohne Murren zu beschwören. Zunächst jedoch schnitt er den Kohl so klein wie eben möglich, wobei er konzentriert arbeitete. Die Bewegungen zeugten von Routine und die Präzision von Leidenschaft für sein Handwerk.

Als er mit dem Zerkleinern fertig war, gab er alles in den steinernen Mörsern, griff nach dem vom häufigen Gebrauch verfärbten Stößel und machte sich guter Dinge daran, den Inhalt zu pulverisieren.
Hinter ihm brutzelte auf dem gusseisernen Holzofen bereits das stark gesalzene Fleisch für die zwei Dutzend Mann starke Mannschaft im Schweinefett und auch einige Trockenfrüchte und Nüsse aus Varant, dem letzten Stopp ihrer nie endenden Reise, lagen portioniert bereit. Es war Brauch auf der Ramona, den letzten Abend an Bord mit einem Festessen ausklingen zu lassen, ehe die Männer ihre Heuer in Hurenhäusern und an der Theke verprassten. Es war etwas, worauf sich Jeder freute und so auch der dunkelhäutige Jabari, der sich an einem solchen Tag immer besonders viel Mühe gab, das Beste aus den Nahrungsmitteln zu holen, eine Herausforderung, die seinen Alltag bereicherte.

Glücklicherweise hatten sie noch genügend Rum eingelagert, der mit den restlichen Bedenklichkeiten, die das Essen mit sich brachte, aufräumte. Es schmeckte dem Smutje gar nicht, seinen Kameraden etwas vorzusetzen, dass bedingt schädlich sein konnte, doch blieb ihm nichts anderes übrig und im Gegenzug erwarteten die Männer nicht mehr von ihm, als sie gewöhnt waren.
Natürlich gab es bei jeder Fahrt einen Leichtmatrosen dabei, dessen „Entjungferung“ mit dem nächsten Andocken abgeschlossen war, der mit dem zunehmend minderwertigen Essen haderte, doch wurde solchen Dilettanten schnell eingebläut, dass sie sich nicht mit dem Smutje anlegen sollten, wenn sie mit ihrem jetzigen Gesicht zufrieden waren. Gern würde Jabari seinen Kameraden bessere Kost anbieten, doch wollten die meisten Nahrungsmittel keine lange Seefahrt überstehen. So mussten sie alle die Arschbacken zusammenkneifen, wenn es auch mal weniger gut schmeckte. Doch gewiss war eins zu jeder Stunde, der Smutje sorgte dafür, dass sie so ausgewogen wie möglich ernährt wurden, denn nur so hielten sie einen langen Arbeitstag auf Deck aus.

Hinter ihm begann es zu zischen und schnell, jedoch nicht hektisch, ließ der Dunkelhäutige von dem Kohl ab, der bereits zu Mousse geworden war. Gekonnt wendete er das Fleisch, welches eine knusprige Haut bekommen hatte.
Bald fertig, dachte der Koch und wandte sich wieder dem Mörser zu.
Er zog sein Messer, welches er für allerlei Arbeiten verwendete und tunkte die Klingenspitze in den schaumigen Inhalt, probierte abschätzend und griff dann nach einen kleinen Tonkrug mit Honig, von dem er den Korken entfernte. Es war eines seiner liebsten Methoden, den Speisen ein wenig mehr Geschmack zu geben, denn der essbare Bienenwachs hielt sich nahezu ewig und war zudem köstlich, wenn auch nicht ganz billig.
Er mischte den goldenen Sirup unter die weiße Mousse und verrührte beides gründlich, sodass eine auf den ersten Blick klebrige Paste entstand, die als Beilage zum Fleisch serviert werden würde.

Was nun?
Er war fertig und so nahm er dem Feuer im Ofen den Sauerstoff bis auf ein Minimum, damit das Fleisch warm blieb, aber nicht anbrannte, füllte den Honig-Kohl-Brei in eine Tonschale um und stellte sie beiseite, neben die Trockenfrüchte und Nüsse.
Sorgfältig säuberte er sein Messer, entfernte jegliche Spuren darauf, polierte es anschließend, ließ es geschickt an der Schlaufe um seinen rechten Ringfinger kreisen und steckte es schließlich zurück an seinen Platz, in die Scheide an seinem Gürtel. Er griff nach einem Lappen, wischte die Anrichte sauber, entfernte die Fettspritzer auf dem Ofen, solange die Platte noch warm war, entledigte sich seiner Schürze und legte sie neben den Lappen, der noch sanft von der Hitze des Herdes dampfte. Ein zufriedenes Nicken, ehe er die Kombüse verließ, um zwei Fässer Rum zu besorgen, die bestimmt irgendwo im Bauch des Schiffes zu finden sein müssten – wenn die Männer sich nicht bereits in einem Anflug von Euphorie darüber hergemacht hatten.

Dumak
22.05.2013, 18:43
»Du brauchst es mir übrigens nicht mehr zu erzählen«, sagte Dumak mit einem Unterton der Befriedigung zu Nienor. »Ich weiß, wieso du nicht gegen diesen Drachen da in den Ruinen eurer Burg gekämpft hast.«
Wieder einmal klatschten Wellen gegen einen Schiffsrumfp, von dem herab der Barde und die kriegerin über das Meer blickten, unter ihren Füßen die Geräusche von Zephir, der den üblichen mit seiner Behelfsbox unter Deck ausfocht, wozu er wie üblich die Hufe benutzte. Doch davon wurde der Platz auch nicht größer.
Dieses Mal führte die Route von Trelis durch den gleichnamigen Golf, der Myrtana und Varant voneinander schied - auch wenn das Südufer nach Meinung Myrtanas noch zu ebendiesem gehörte - und dann weiter auf die See hinaus zu den südlichen Inseln. Thorniara war ihr Ziel. Nienor hatte beschlossen, daß es dort wohl am ehesten etwas zu tun gab, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen könnte. Dumak hingegen konnte übverall auftreten.
»Du hast ihn verschont, weil es das Wappentier deines Geschlechts ist, stimmts?«, stellte der Barde seine Überlegungen weiter vor.
»Und es bringt fürchterliches Unglück, das eigene Wappentier zu töten«, beendete er seine Ausführungen.

Nienor
22.05.2013, 18:58
Nienor lächelte zuerst still in sich hinein. sie war sich nicht sicher, ob sie ihrem Begleiter erzählen sollte, was sie dazu bewogen hatte, nicvhts zu unternehmen. Als sie vor einigen Tagen auf dem hochplateau zwischen den Bäumen und dem Gebüsch, das die Mauerreste überwuchterte die grau-roten Schuppen des Drachens entdeckt hatten, hatte sie dumak gebeten, seinen Hund zu beruhigen. Nach einer Weile hatte Gomez das Knurren eingestellt. Und nachdem sie noch eine Zeit lang dem seltenen Tier zugeschaut hatte, das auf seinen zwei Beinen im ehemaligen Burghof hin und her lief, dabei hin und wieder die großen Flügel ausbreitend, hatte sie wortlos Zephir gewendet und war zurückgeritten nach Geldern und von dort nach Trelis, wo sie ein Schiff der Armee fanden, das Nachschub nach Thorniara brachte.
»Ein wenig recht hast du«, antwortete die Kriegerin dann doch. »Welchen Nutzen hätte ich davon gehabt, in einem schweren Kampf gegen diesen Gegner anzutreten, der mir gar nichts getan hat. Das Pferd hätte verletzt werden können, ich ebenso. Und wofür? Für irgendeinen Drachen, der in der Wildnis haust. Und ja, unser Schild ziert der sitzende Drache. Deshalb schien es mir passend und auch irgendwie tröstlich, daß dort, wo die Burg meiner Familie stand und wo jetzt alles zerstört und verlassen ist, nun immer noch unser Wappentier über diesen Platz wacht. Ob es ein Zeichen ist?«, fragte sie dumak und schaute ihn an. »Vielleicht ist das Glück derer von Brettyl noch nicht ganz vergangen. Warum also sollte ich ihn töten? Soll er doch dort hausen. Einen besseren Platz kann ich mir für ihn nicht vorstellen. Die Burg mag auf immerdar zerfallen sein, doch das ist nicht das Ende.«
Sie schüttelte mit dem Kopf.
»Wie heißt es doch in deinem Lied?

Eines Turms verwittert Mauern
steh’n auf steilem Berges Grat
und an seinen Wänden kauern
Gräser, Blumen, Frühlingssaat.
Längst zerfallen sind die Wälle,
Wind durch leere Räume pfeift,
Fenster war’n an jener Stelle,
die nun Wurzelwerk umgreift.«

Dumak
22.05.2013, 19:05
»Wer hat einst sich hier ergangen
hinter dicker Kerkerwand?
Wer lag im Verlies gefangen,
angekettet Fuß und Hand?
Ganz umsonst auf solche Fragen
man nach einer Antwort sinnt,
alles hat weit fortgetragen
schon vor langem leis’ der Wind.

Auch der Schwerter hellen Klänge
kann man lang schon nicht mehr hör’n,
edler Ritter Minnesänge
keine Herrin mehr betör’n.
Fest, Turnier und Hochgezeiten,
alles ist vergangen längst,
niemand wird zum Kampfe reiten,
hoch auf seinem Schlachtenhengst«,

rezitierte der Barde die nächsten zwei Strophen seines Liedes. Er hatte es vor vielen Jahren gereimt und es war noch viel länger. Das es plötzlich so sehr passen würde, hatte er damals nicht gewußt.
»Das klingt mir ein wenig zu traurig«, befand er.
»Außerdem, bist du hoch auf deinem Schlachtenhengst zur Burg geritten. Das nehme ich als gutes Omen«, befand er.

Zephir hatte sich in seinem Verschlag unter Deck beruhigt. Nur noch die Wellen klatschten im immer gleichen Rhythmus an die Bordwand des sich behäbig durch das Meer schiebende Schiff. Der Wind ließ es sanft schaukeln. Morgen würden sie in Thorniara anlegen, wenn alles gut ging. Das wußte man auf See nie so genau.

Jabari
22.05.2013, 20:18
Die Fässer Rum waren tatsächlich unberührt geblieben und so konnte Jabari sie in die Kombüse schaffen, ehe jemand auf die Idee kam, sie anzustechen, noch bevor sie angelegt hatten.
Der Hafen war nun nur noch eine halbe Seemeile entfernt und die Kogge wurde auf Halbwindkurs gebracht, die Matrosen waren alle an ihren Positionen und die Kombüse war aufgeräumt und sauber; alles lief wie am Schnürchen.
Auch der Smutje packte nun mit an, schließlich war er als erfahrener Seemann nicht nur am Herd ein Könner, sondern konnte den Grünschnäbeln noch den ein oder anderen Griff lehren. Gewichtig hängte er sich in die Seile und sorgte mit seinen Kameraden für die perfekte Stellung des Segels. Immer näher kamen sie der Kaimauer, an der noch ausreichend Platz für ihr Schiff sein sollte. Doch der Skipper war eigen und so war der ganzen Mannschaft klar, dass sie nicht den erstbesten Platz nehmen würden, sondern zunächst mehrere lautstarke Befehle über sich ergehen lassen müssten, damit auch alle im Hafen auf sie aufmerksam wurden, ehe dann die ersten Matrosen an Land die Taue festmachen durften.


Der Dunkelhäutige kam langsam ins Schwitzen und auch den anderen Matrosen glänzten Stirn und Arme. Die Gischt spritzte über Bord, als sie eine notwendige Wende fahren mussten, damit das Segel nicht erschlaffte.
Kaum eine Viertelmeile waren sie noch entfernt, da begann der Skipper bereits zu Brüllen, hohle Worte, da jeder seine Aufgabe kannte und jeder von ihnen – bis auf ein oder zwei Ausnahmen – ihr halbes Leben damit zugebracht hatten, die Ramona sicher in einen Hafen zu bringen.
„Hey Jungs!“, rief da plötzlich der Schiffszimmermann Hektor vom Heck aus über das ganze Deck, „Wisst ihr noch damals, als wir die alte Dame in Kap Dun andocken mussten? Sturmböen, Hagel und Donner uns beinahe die Eier abfallen ließen? DAS war ein Manöver, wo ich mich gern dran erinner'!“
„Ja!“, lachte John zurück, der sich neben dem Schiffskoch in die Seile hängte, „Das Beste daran war, dass der Wind so laut geheult hat, dass man den Skipper nicht hören konnte!“
Die Männer lachten lauthals los und selbst aus einigen Metern Entfernung konnte Jabari die pulsierende Ader an Jeremys, der Skipper, Schläfe sehen. Doch lachte auch er lauthals mit, denn er wusste genau, dass nach dem Anlegemanöver die Wut verfolgen sein würde.


„Legt euch mehr ins Zeug, ihr Landratten!“, blieb dem Befehlshaber da nur noch zu schreien, und die Mannschaft parierte.
„Hey Henry!“, rief der Smutje dann, als die Kaimauer noch gut zehn Schritt entfernt war, „Ich spendier dir 'nen Rum, wenn du bis zum Kai spucken kannst!“
„Was soll das?!“, rief Kai da aufgebracht und die Männer lachten.
„Zum Hafen, du Leichtmatrose!“, wusch Jack dem Jüngling die Ohren, die sogleich rot anliefen, was die Männer noch mehr zum Lachen brachte.


Das Manöver war beinahe beendet und wie erwartet hatten sie erst einige Schiffe passieren müssen, ehe der Skipper sich der Aufmerksamkeit aller im Hafen befindlicher Menschen sicher war, sodass er schließlich den Befehl zum Ankern und festmachen gab.
Zwei der Jungs sprangen geschickt an Land und zogen die Kogge die letzten Schritte zu den Pollern, an denen sie die dicken Taue befestigten, einen doppelten Palstek, denn der Himmel versprach eine unruhige Nacht.
Der Anker wurde ausgeworfen und die Laufplanke platziert. Ein Tumult wie jedes Mal, wenn sie in einen neuen Hafen kamen, wollte ausbrechen, alle strömten auf die Planke zu, doch der Skipper rief sie zur Ordnung.
„Halt! Wir werden erst unser Festessen abhalten, ehe einer von euch das Schiff verlässt. Es ist Tradition und so wird es auch gehalten. Murrt und ihr bekommt nichts zu Essen!“
In einigen Gesichtern konnte man lesen, wie gern sie sich beschwert hätten, doch die Aussicht, kein Essen zu bekommen, war Abschreckung genug. Dies war auch Jabaris Stichwort, der in der Kombüse verschwand, um alles zu holen, während seine Kameraden aus Fässern und langen Brettern Sitzgelegenheiten und Tische zimmerten. Die Nacht konnte kommen.

Rethus
23.05.2013, 18:31
Turang reagierte nicht schockiert oder gar mit Voruteilen, wie das Leute schon oft mit ihm gemacht hatten. Im Gegenteil, er erkannte Rethus nicht als Deserteur, sondern betrachtete es als veränderten Lebensweg... was es letztlich auch war.
Was die "Dinge" anbelangte, die Turang erledigt wissen wollte auf Khorinis, hakte der Glatzkopf nicht näher nach. Er hatte dem Magier seine genauen Gründe auch nicht preis gegeben. Hätte Rethus jetzt doch gefragt, hätte er sich selbst ins Bein gestochen. Immerhin hörte man es nicht gern, dass ein Mensch auf der Suche nach einer Magie war, die als gestohlen interpretiert werden konnte. Rethus wäre in den Augen derer ein Ketzer... ein Hexenmeister. Und dieses Bild stand in den Augen von Magiern noch wesentlich schlechter da als in den Augen von Menschen, die mit Magie ncihts am Hut hatten. Aber immerhin war diese Hexermagie, man musste sie schon Chaosmagie nennen, weil sie gestohlen und in einem magischen Chaos vermischt war, eine gottlose Magie. Und genau das dürfte die Menschen vor allem zuwider sein.

"Kapitän!" brüllte plötzlich jemand vom Krähennest.
"Was brüllst du denn, du Kielschwein!?" donnerte der mürrische Kapitän. "Wehe dir, es ist unwichtig."
"Nein, keines Falls!" meinte der Matrose. "Schaut zum Horizont... Wir haben Khorinis fast erreicht!"
Khorinis? Das ging aber schnell, dachte sich Rethus. Sie mussten während ihrer Fahrt gute Windbedingungen haben, sonst wären sie nocht nicht da. Sogleich eilte er zum Buk des Schiffes. Dort schaute er über die Reling und musste zustimmen: Hinter einer Nebelbank war eine Küste zu erkennen. Sie würden noch Heute im Hafen von Khorinis anlegen.
"Rethus", sprach Turang, der neben dem Glatzkopf aufgetaucht war. "Ihr habt es auch gehört?"
"Ja", entgegnete der ehemalige Gardist. "Wir treffen in Khorinis ein. Erinnert Ihr Euch an unser Gespräch von Vorgestern? Da habe ich Euch verraten, dass ich der königlichen Armee desertiert bin. Bitte verratet mich nicht. Ich werde, solange wir in der Stadt sind, den Namen Hakon tragen... sicher ist sicher."

Turang
23.05.2013, 21:04
Der Magier nickte leicht. Da waren sie also, ein Wassermagier und ein Deserteur der Armee, wie sie in einem Handelsschiff auf Khorinis zuhielten, das zwar nicht gleich Vengard war, aber dennoch genug Myrtanische Truppen beherbergen dürfte, um sie beide für immer aus den Annalen der Zeit zu tilgen.

"In der Hinsicht haben wir wohl beide nichts zu gewinnen. Aber ich behalte meinen Namen bei. Die wenigen, die ihn noch kennen dürften, haben mit Rhobar nichts am Hut."

Nachdenklich strich er sich über die linke Hand, wo sein Ring mit dem Heptagram saß. Wenn er das Haus seiner Kindheit noch so vorfinden würde, wie er es damals verlassen hatte, dann gab es noch eine Hoffnung, dass er unerkannt Verbindung zum Ring aufnehmen konnte - sofern der noch auf Khorinis war.


"Bereit machen zum Anlegen!"

Der Kapitän brach mitsamt seiner Mannschaft in wilde Hektik aus, um die Vorbereitungen für ihre anstehende Landung zu treffen.
Der Magier warf sich seinen Umhang über die Schultern, verschloss ihn über der rechten Schulter und nahm seinen Reisebeutel auf den Rücken. Die Küste des Eilands war nicht mehr fern und wurde beständig größer.

"Trautes Heim, Glück allein."

Die letzten Worte sprach er so leise, dass sie auch Rethus nicht mehr mitanhören konnte. Eine Heimkehr in die Fremde...